(19)
(11) EP 1 106 769 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
13.06.2001  Patentblatt  2001/24

(21) Anmeldenummer: 99124619.0

(22) Anmeldetag:  10.12.1999
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)7E05G 1/024
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH CY DE DK ES FI FR GB GR IE IT LI LU MC NL PT SE
Benannte Erstreckungsstaaten:
AL LT LV MK RO SI

(71) Anmelder: format Tresorbau GmbH & Co. KG
37235 Hessisch Lichtenau (DE)

(72) Erfinder:
  • Schmidt, Michael E.
    97074 Würzburg (DE)
  • Linne, Herbert
    34123 Kassel (DE)

(74) Vertreter: WALTHER, WALTHER & HINZ Patentanwälte 
Heimradstrasse 2
34130 Kassel
34130 Kassel (DE)

   


(54) Mehrwandiger Wertschutzschrank


(57) Mehrwandiger Wertschutzschrank, insbesondere Schrank mit hoher Feuersicherheit, zum Beispiel Schrank für Dokumente oder Datenträger, wobei der Hohlraum zwischen zwei Wandungen in der Wand, Decke, Tür und/oder Boden ein Salz aufweist.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft einen mehrwandigen Wertschutzschrank, insbesondere einen Schrank mit hoher Feuersicherheit, zum Beispiel einen Schrank für Dokumente oder Datenträger (DIS-Schrank).

[0002] Wertschutzschränke für Dokumente oder Datenträger zeichnen sich im eigentlichen Sinn dadurch aus, dass diese eine hohe Sicherheit gegen gegen die Zerstörung im Schrank befindlicher Dokumente oder Datenträger durch große Hitze und hier insbesondere durch Feuer.

[0003] Derartige Wertschutzschränke werden nach VDMA-14991/1 oder 2 bzw. EN 1047/1 oder 2 geprüft, wobei die Prüfung die Erhitzung des Wertschutzschrankes bei einer Umgebungstemperatur von 1090 °C über einen Zeitraum von ein oder zwei Stunden umfasst, der Schrank im glühenden Zustand innerhalb vier Minuten aus einer Höhe von 9,15 m in ein Kiesbett gestürzt wird, um nach dem Sturz wieder im Ofen auf eine Temperatur von 1090 ° C erhitzt zu werden, wo er dann über mindestens zwölf Stunden im abgeschalteten Ofen abkühlen muss. Selbst während dieser Abkühlphase darf an keiner Stelle innerhalb eines DIS-Schrankes die Temperatur von mehr als 50 ° C gemessen werden, um diesen Test zu bestehen.

[0004] Es sind nun Wertschutzschränke bekannt, die dieser Prämisse genügen. Allerdings zeichnen sich derartige DIS-Schränke durch große Wandstärken aus, was bedeutet, dass ein mehrwandiger Schrank der eingangs beschriebenen Art z. B. eine Gesamtwandstärke von 150 mm hat. Wertschutzschränke mit solchen Wandstärken benötigen folglich viel Platz bei relativ geringem Innenraum und haben ein relativ hohes Eigengewicht.

[0005] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, einen Wertschutzschrank der eingangs genannten Art bereitzustellen, der der Prüfung nach VDMA-Richtlinien standhält, und der dennoch eine geringere Wandstärke und geringeres Gewicht aufweist, als dies bei herkömmlichen Wertschutzschränken der Fall ist.

[0006] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass der Hohlraumzwischen zwei Wandungen der Wand, der Decke, der Tür und/oder des Bodens, ein Salz, vorzugsweise jedoch ein Gemisch aus Salz und einem Bindemittel als Matrixmaterial für das Salz aufweist.

[0007] Dieses Salz besitzt die Fähigkeit chemisch viel Wasser an sich zu binden und dieses Wasser schon bei Temperaturen um ca. 30 ° C wieder abzuspalten. Bei diesem chemischen Prozess wird ohne Temperaturerhöhung das Salz von der kristallinen in die flüssige Form übergehen und somit Energie aus seiner Umgebung aufnehmen. Erst wenn alles Salz in dieser Wandschicht durch den äußeren Temperatureinfluss in die flüssige Form übergegangen ist, kann eine Temperaturerhöhung in diesem Wandabschnitt eintreten und im Innenraum höhere Temperaturen auftreten, was jedoch durch eine optimale Dimensionierung der einzelnen Wandschichten hinsichtlich einer Wärmedämmung verhindert werden kann.

[0008] Im Einzelnen ist vorgesehen, dass das Bindemittel ein Isolierputz, Leichtbeton, Gips oder ein Vermikulite ist.

[0009] Nach einem besonders vorteilhaften Merkmal der Erfindung ist das Salz bzw. das Gemisch aus Salz und Bindemittel in fester Form in der Wand, Decke, Tür und/oder Boden des Wertschutzschrankes angeordnet. Es ist vielfach bekannt, Wertschutzschränke, insbesondere hochtemperaturfeste Wertschutzschränke mit einer Schüttung aus einem wärmedämmenden Material zu versehen. Eine derartige Schüttung hat die unangenehme Eigenschaft, dass diese im Laufe der Zeit aufgrund der Schwerkraft zusammensackt. Das heißt, dass im oberen Bereich des Wertschutzschrankes keine derartige Schüttung mehr vorhanden ist, mit der Folge, dass an diesen Stellen der Schrank bei entsprechender Hitzeeinwirkung durchbrennt. Eine solche Schüttung ist auch in Bezug auf die Prüfung nach VDMA-Richtlinie insofern problematisch, als bei einem Sturz aus über neun Metern Höhe eine derartige Schüttung mit Sicherheit zusammen-sacken wird, mit der Folge, dass bei der nachfolgenden Beflammung und Abkühlung im Ofen in den oberen Bereichen, der Schrank, wie bereits erläutert, durchbrennen wird.

[0010] Im Einzelnen ist in Bezug auf diese Variante vorgesehen, dass die feste Form die Form einer Platte beziehungsweise die Form der Kontur des Wertschutzschrankes insgesamt entspricht. Wird demzufolge Salz in gebundener Form, das heißt in fester Form in den Schrank eingebracht, besteht die Gefahr des Zusammensackens naturgemäß nicht mehr.

[0011] Ein weiterer Nachteil bekannter Wertschutzschränke mit einem stark hygroskopischen Material besteht darin, dass dieses bei Wärmeeinwirkung, beispielsweise durch Sonnenstrahlen, an den Stellen, die mit Wärme beaufschlagt werden, Flüssigkeit verliert. An den Stellen, an denen der Schrank Flüssigkeit z.B. in Form von Wasser verliert, steht naturgemäß die Schutzwirkung der Salzschicht bzw. Salzgemisches nicht mehr zur Verfügung. Das heißt, an diesen Stellen wird der Schrank durchbrennen. Durch die luft- und wasserdichte Verpackung des Salzes bzw. des Gemisches aus Salz und Bindemittel bzw. entsprechender fester Körper in beispielsweise Kunststoffbeuteln wird verhindert, dass das Wasser tatsächlich aus dem Schrank austreten kann. Es besteht zwar die Möglichkeit, das nach wie vor das im Salz gebundene Wasser beispielsweise bei Sonneneinstrahlung aus dem Salz austritt, durch die luftdichte Verpackung und die hygroskopischen Eigenschaften des Salzes wird es allerdings bei Erkalten wieder in die kristalline Form zurückgehen. Das heißt, es ist sichergestellt, dass in jedem Fall die Salzmenge mit den darin gebundenen Wasser zum Schutze des Innenraumes des Schrankes gegen Temperaturerhöhung auch noch nach Jahren zur Verfügung steht.

[0012] Nach einem besonders vorteilhaften Merkmal ist der Kunststoffbeutel mit einer Aluminiumschicht kaschiert. Diese Aluminiumschicht, die insbesondere nach außen gerichtet ist, hat den Vorteil, dass durch sie die Wärme reflektiert abgeleitet und verteilt wird.

[0013] Nach einem weiteren Merkmal der Erfindung ist das Salz bzw. Gemisch aus Salz und Bindemittel durch eine Isolierschicht zur Außenseite des Wertschutzschrankes hin abgeschirmt. Eine solche Isolierschicht beispielsweise aus geschäumtem Kunststoff bewirkt eine Verbesserung des Temperaturgradienten mit der Folge, daß die Wandstärke bei gleichbleibender Temperaturbeständigkeit abnehmen kann.

[0014] Es hat sich nämlich herausgestellt, dass bei Einsatz von Hartschaumplatten in Verbindung mit dem Salz bzw. mit dem Gemisch aus Salz und Bindemittel in der Wand beziehungsweise Decke, Tür und/oder Boden des Wertschutzschrankes die Wandstärke von ca. 150 mm auf 80 mm reduziert werden kann, wobei dennoch sichergestellt ist, dass ein solcher Wertschutzschrank den einschlägigen Richtlinien nach VDMA entspricht.

[0015] Gegenstand der Erfindung ist ebenfalls ein Verfahren zur Herstellung von festen Körpern mit einem Gemisch aus Salz und Bindemitteln. Ein solches Verfahren zeichnet sich dadurch aus, dass das Salz unter Flüssigkeitszugabe erhitzt wird, das erhitzte (und beim Erhitzen feinst verteilte) Salz mit dem Bindemittel vermischt wird, um im Anschluss daran in einer Form zu erkalten. Je feinst verteilter das Salz in der Matrix des Bindemittels vorliegt, umso besser ist die Absicherung des Wertschutzschrankes gegen Durchbrennen, da hiermit sichergestellt ist, dass an allen Stellen des Wertschutzschrankes eine entsprechende Menge an Salz und damit Wasser zur Verfügung steht.

[0016] Anhand der Zeichnung wird die Erfindung nachstehend beispielhaft näher erläutert, wobei die Zeichnung einen Schnitt durch die Wandungen eines Datensicherungsschrankes darstellt.

[0017] Ein solcher Wertschutzschrank 1 besteht im Einzelnen aus einem Außenrumpf 2 aus drei Millimeter Stahlblech und einem beanstandet dazu angeordneten Zwischenrumpf 3 aus Blech oder Hartschaumplatten, wobei in dem Zwischenraum zwischen Zwischenrumpf 3 und Außenrumpf 2 eine Schüttung aus Vermikulite 4 eingebracht ist. Anstelle des Zwischenrumpfes aus Hartschaumplatten kann natürlich, wie bereits erläutert, auch ein gelochtes Stahlblech vorgesehen sein. Hierdurch wird gegebenenfalls die Einbruchsicherheit erhöht. Beabstandet zu diesem Zwischenrumpf befindet sich der Innenrumpf 6 ebenfalls aus Kunststoff oder aus Blech, wobei in den Zwischenraum 5 feste Platten aus dem Gemisch aus Salz und Bindemittel eingebracht werden, die, wie bereits zu eingangs erläutert, vorteilhaft luftdicht in Kunststoffbeuteln mit Aluminiumkaschierung verpackt sind.


Ansprüche

1. Mehrwandiger Wertschutzschrank, insbesondere Schrank mit hoher Feuersicherheit, zum Beispiel Schrank für Dokumente oder Datenträger,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Hohlraum zwischen zwei Wandungen in der Wand, Decke, Tür und/oder Boden ein Salz aufweist.
 
2. Wertschutzschrank nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Salz ein Bindemittel für das Salz aufweist.
 
3. Wertschutzschrank nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Salz einen hohen Feuchtigkeitsgehalt aufweist.
 
4. Wertschutzschrank nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass Bindemittel ein Isolierputz, Leichbeton, Gips oder Vermikulite ist.
 
5. Wertschutzschrank nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Salz bzw. das Gemisch in fester Form in der Wand, Decke, Tür oder Boden des Wertschutzschrankes angeordnet ist.
 
6. Wertschutzschrank nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass die feste Form die Form einer Platte aufweist.
 
7. Wertschutzschrank nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass die feste Form der Kontur des Wertschutzschrankes entspricht.
 
8. Wertschutzschrank nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Salz fein verteilt in dem Bindemittel als Matrixmaterial angeordnet ist.
 
9. Wertschutzschrank nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Salz bzw. das Gemisch aus Salz und Bindemittel luft- und wasserdicht verpackt ist.
 
10. Wertschutzschrank nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Gemisch in einem Kunststoffbeutel lagert.
 
11. Wertschutzschrank nach Anspruch 10,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Kunststoffbeutel mit einer Aluminiumschicht kaschiert ist.
 
12. Wertschutzschrank nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Salz bzw. das Gemisch aus Salz und Bindemittel durch eine Isolierschicht zur Außenseite des Wertschutzschrankes hin abgeschirmt ist.
 
13. Verfahren zur Herstellung von festen Körpern mit einem Gemisch aus Salz und Bindemittel,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Salz unter Flüssigkeitszugabe erhitzt wird, das erhitzte, feinst verteilte Salz mit dem Bindemittel vermischt wird, wobei im Anschluss daran das Gemisch in einer Form erkaltet.
 




Zeichnung







Recherchenbericht