[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Messung der Korrosionsbeständigkeit von
Weißblech.
[0002] Zur Herstellung von Behältnissen für Lebensmittel aus Weißblech, wie beispielsweise
Getränkedosen, sind Weißbleche erforderlich, die eine geschmacksneutrale Konservierung
sowie eine hohe Lagerstabilität ermöglichen. Solche Behältnisse werden, insbesondere
im Fall von Getränkedosen, in einem Tief- und Abstreckziehverfahren (auch draw-wall-ironing-Verfahren
oder kurz DWI-Verfahren) hergestellt und innenseitig lackiert. Hierzu werden heutzutage
üblicherweise Lacke auf Wasserbasis verwendet, die im Spin-Sprühverfahren aufgebracht
werden. Für die Lagerstabilität ist neben der Lackierqualität auch die Qualität des
verwendeten Weißbleches von Bedeutung.
[0003] Aus der DE 35 11 706 A1 ist ein Verfahren zur Prüfung von Schutzschichten auf Metallteilen,
also auch zur Prüfung der Korrosionsbeständigkeit von Metallteilen ersichtlich, bei
dem eine Probe des Metallteils einem sauren Elektrolyten ausgesetzt und die bei einem
Konstantstromimpuls auftretende Spitzenspannung erfaßt wird.
[0004] Aus der US 36 49 472 A ist ein Verfahren bekannt, bei dem zur Bestimmung der Porosität
eines galvanisch beschichteten Teils dessen Korrosionspotential in einem Elektrolyten
bezogen auf eine Referenzelektrode bestimmt wird, wobei eine Kalibrierkurve verwendet
wird, die durch Messung des Korrosionspotentials reiner Probestücke in dem gleichen
Elektrolyten und bezogen auf die gleiche Referenzelektrode ermittelt wird.
[0005] In der DE 30 08 611 Al ist ein Verfahren zur Erkennung von Fehlstellen erdverlegter
Metallrohre beschrieben, bei dem das Potential des zu untersuchenden Rohres gegen
eine Bezugselektrode gemessen wird, wobei die Vergleichswerte aus einer Kalibrierreihe
genommen werden, die durch Messung des Potentials einwandfreier Rohre gegen die gleiche
Bezugselektrode ermittelt wurde.
[0006] Figur 1 zeigt den Einfluß unterschiedlicher Weißblechqualitäten bei mangelhafter
Lackierung anhand der Perforation der Lackschicht von DWI-Dosen in einem Lagerversuch
nach sechs Monaten. Die Perforationsrate gibt dabei den Anteil schadhafter Dosen an.
Wie anhand von Figur 1 zu erkennen ist, nimmt insbesondere bei schlechter Lackierqualität
die Perforationsrate bei minderwertigen Weißblechqualitäten deutlich zu.
[0007] Das in Figur 1 zur Überprüfung der Weißblechqualität zugrundegelegte Verfahren ist
jedoch außerordentlich aufwendig. So müssen hierfür eine sehr große Anzahl von Probenstücken,
z.B. gefüllte Getränkedosen, in der Größenordnung von größer als 10.000 Stück bei
Raumtemperatur über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten bis zu vierundzwanzig
Monaten gelagert werden. Überdies ist es erforderlich, in einem bestimmten Rhythmus,
in der Regel alle drei Monate, die Dosen individuell zu kontrollieren und auf Leckagen
zu untersuchen.
Mit diesem Verfahren läßt sich zwar das tatsächliche Lagerverhalten fertiger Dosen
in Abhängigkeit der verwendeten Weißblechqualität überprüfen, aufgrund der langwierigen
Testmethodik sind korrigierende Eingriffe im Hinblick auf die Weißblechqualität jedoch
nur sehr bedingt möglich.
[0008] Neben Lagerversuchen werden zur Überprüfung von fertigen Dosen elektrochemische Untersuchungsverfahren,
wie sogenannte Enamel-Rater-Meßverfahren eingesetzt. Hierbei handelt es sich, wie
bei dem oben beschriebenen Lagerversuch, ebenfalls um eine Prüfung des Verbundsystems
"fertige DWI-Getränkedose", d.h. eine Untersuchung eines bereits innenseitig lackierten
Endproduktes am Ende eines Herstellungsprozesses.
[0009] Bei einem ersten elektrochemischen Untersuchungsverfahren erfolgt eine anodische
Polarisation der fertigen Getränkedose in einem Natriumsulfat-Elektrolyten, dem ein
Netzmittel zugesetzt ist. Als Meßgröße wird der bei der Polarisation fließende Strom
erfaßt. Im Vergleich zu Lagerversuchen ergibt sich hierdurch eine erhebliche Verkürzung
des Meßzeitraumes. Dieses Verfahren ist jedoch dahingehend nachteilig, daß es lediglich
die Erfassung grober Fehler, wie Poren oder mechanische Verletzungen, erlaubt. Überdies
ist das Meßverfahren für das Lagerverhalten der Dose wenig aussagekräftig, da es lediglich
zur Beurteilung des Herstellungsverfahrens der Dose dient. Wie bereits erwähnt, erfolgt
die Messung an der bereits lackierten, vollständig fertigen Dose, so daß sich dieses
Verfahren für Aussagen über die Qualität des Weißbleches im Hinblick auf dessen Korrosionsverhalten
nicht eignet.
[0010] Weiterhin ist ein Meßverfahren bekannt, bei dem die fertige Dose in einem Kupfersulfat-Elektrolyten
kathodisch polarisiert wird. Auch dieses Meßverfahren verwendet als Meßgröße den bei
der Polarisierung fließenden Strom. Es dient vornehmlich der Bestimmung der Lackporigkeit
und ist, wie das zuvor beschriebene Verfahren, für das Korrosionsverhalten des Weißbleches
wenig aussagekräftig, so daß auch mit diesem Verfahren eine rein werkstoffspezifische
Qualitätskontrolle nicht möglich ist.
[0011] Demgegenüber liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, ein Meßverfahren anzugeben,
das bereits zu einem möglichst frühen Zeitpunkt in einem Herstellungsverfahren eine
präzise Aussage über das Korrosionsverhalten des jeweiligen Weißbleches erlaubt.
[0012] Diese Aufgabe wird gemäß der Erfindung gelöst durch ein Verfahren zur Messung der
Korrosionsbeständigkeit von Weißblech mit folgenden Schritten:
a) mehrere Weißblechproben (Kalibrierproben) mit bekannten, unterschiedlichen Verzinnungsqualitäten
werden entfettet und entzinnt,
b) jeder Kalibrierprobe wird einmalig ein in Abhängigkeit von einer früher festgestellten
Korrosionsbeständigkeit verschiedenhoher Wert (Oberflächenreaktionswert SRV) zugeordnet,
c) die entzinnten Kalibrierproben werden nacheinander in einen sauren Elektrolyten
eingebracht und kathodisch polarisiert,
d) das sich nach einer vorbestimmten Verweildauer (t) einstellende Oberflächenpotentional
wird erfaßt und dieses dem dieser Kalibrierprobe zugehörigen Oberflächenreaktionswert
zugeordnet,
e) eine zu prüfende Weißblechprobe (Prüfprobe) wird in gleicher Weise entfettet, entzinnt
und in demselben sauren Elektrolyten, der vorher zur Polarisierung der Kalibrierproben
diente, unter gleichen Prüfbedingungen kathodisch polarisiert,
f) nach einer der Verweildauer der Kalibrierproben entsprechenden Verweildauer wird
das sich bei der Prüfprobe einstellende Oberflächenpotentional erfaßt und
g) unter Zugrundelegung der zuvor bei den Kalibrierproben festgestellten Oberflächenpotentiale
und der diesen zugeordneten Oberflächenreaktionswerte wird der bei der Prüfprobe vorhandene
Oberflächenreaktionswert bestimmt.
[0013] Im Gegensatz zu den eingangs beschriebenen Meßverfahren ermöglicht das erfindungsgemäße
Verfahren die Ermittlung der Qualität des Ausgangsmaterials für die Dosenherstellung
und läßt somit Rückschlüsse auf die Korrosionsbeständigkeit des Weißbleches und damit
auf die Lagerstabilität der fertigen Getränkedose zu. Die Messung ist auf der Basis
der erläuterten Kalibrierung durch hohe Reproduzierbarkeit ausgezeichnet.
[0014] Überdies kann das erfindungsgemäße Verfahren bezogen auf den Herstellungsvorgang
der Getränkedose zu einem sehr frühen Zeitpunkt erfolgen, nämlich unmittelbar nach
der Herstellung des Ausgangsmaterials, d.h. des Weißbleches. Es besteht somit die
Möglichkeit, relativ früh regulierend in den Herstellungsvorgang von Weißblechteilen
wie Getränkedosen einzugreifen, um eine ausreichend hohe Lagerstabilität zu gewährleisten
und minderwertige Blechqualitäten bereits vor der eigentlichen Formung der Teile bzw.
Dosen auszusortieren.
[0015] Bei einer vorteilhaften Ausführung der Erfindung wird aus dem bei den Kalibrierproben
gemessenen Oberflächenpotentionalen eine Ausgleichskurve (Fit-Kurve) erstellt und
mittels dieser und dem bei der Prüfprobe gemessenen Oberflächenpotentional der Oberflächenreaktionswert
der Prüfprobe bestimmt.
[0016] Nach einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung erfolgt die Polarisierung mit
einer konstanten Stromdichte im Bereich von 10 bis 1000 µA/cm
2.
[0017] Weitere vorteilhafte Maßnahmen bei der Durchführung des erfindungsgemäßen Meßverfahrens
sind in den Patentansprüchen 4 bis 10 angegeben.
[0018] Die Erfindung wird nachfolgend anhand der beiliegenden Darstellungen näher erläutert.
Es zeigen:
- Figur 1
- die bei Lagerversuchen von DWI-Dosen nach 6 Monaten bei unterschiedlichen Weißblechqualitäten
(standard bzw. spezialverzinnt) in Abhängigkeit von der Lackierqualität festgestellten
Perforationsraten,
- Figur 2
- einen Meßaufbau zur Bestimmung des Oberflächenreaktionswertes (SRV),
- Figur 3
- eine Potentional-Zeit-Kurve,
- Figur 4
- die Zuordnung der bei Kalibrierproben erfaßten Oberflächenpotentionale zu den zugehörigen
Oberflächenreaktionswerten (SVR) mit einer Ausgleichskurve,
- Figur 5
- Bestimmung des Oberflächenreaktionswertes (SVR) einer Prüfprobe mittels des erfaßten
Oberflächenpotentionals und der Ausgleichskurve,
- Figur 6
- die Perforationsraten von Softdrink-Getränkedosen im Lagerversuch in Abhängigkeit
von verschiedenen Oberflächenreaktionswerten (SVR).
[0019] Bei der Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird der in Figur 2 dargestellte
Meßaufbau verwendet. Dieser umfaßt eine Meßzelle 1 mit einem synthetischen Elektrolyten
in den 3 Elektroden 2, 3, 4 hineinragen. Eine dieser Elektroden dient als Arbeitselektrode
2, an deren Stelle eine zu untersuchende Weißblechprobe, nämlich entweder eine Kalibrierprobe
oder eine zu prüfende Weißblechprobe (Prüfprobe) angeordnet wird. Die Arbeitselektrode
2 ist an die Kathode eines Konstant-Stromgebers 5 angeschlossen. An die Anode des
Konstant-Stromgebers 5 ist die Gegenelektrode 4 angeschlossen. Die Arbeitselektrode
2 sowie die Bezugselektrode 3 sind jeweils mit einer Vorrichtung 6 (XT-Schreiber)
zur Erfassung des Spannungsverlaufes über einen gewissen Zeitraum gekoppelt.
[0020] Der Elektrolyt in der Meßzelle 1 basiert auf einer Fruchtsäure, zweckmäßig einer
Zitronensäure. Er kann dabei zweckmäßig 1 bis 5 % Zitronensäure enthalten. Der pH-Wert
des Elektrolyten sollte kleiner als 4 sein und vorzugsweise im pH-Wert-Bereich von
2 bis 3 liegen.
[0021] Bei der elektrochemischen Messung mittels des in Figur 2 dargestellten Meßaufbaus
wird das Oberflächenpotentional einer kathodisch polarisierten Oberfläche nach einer
vorbestimmten Verweildauer entsprechend Fig. 3 erfaßt. Da das Oberflächenpotentional
gerätebedingten Schwankungen unterliegt, wie sie üblicherweise von Tag zu Tag vorkommen,
hat es sich als vorteilhaft erwiesen, mittels bekannter Weißblechproben (Kalibrierproben)
mit bekannten, unterschiedlichen Verzinnungsqualitäten den Meßaufbau tageweise zu
kalibrieren und zweckmäßigerweise eine Ausgleichskurve zu erstellen. Zu diesem Zweck
werden mehrere, z.B. vier Weißblechproben A, B, C und D unterschiedlicher Verzinnungsqualität
verwendet. Die Verzinnungsqualität dieser Weißbleche wurde durch Lagerversuche von
einfach lackierten Getränkedosen, die mit Soft-Drink gefüllt und hinsichtlich ihrer
Perforationsraten während einer Lagerzeit von 6 Monaten beobachtet wurden, bestimmt.
Jede dieser unterschiedlichen Weißblechproben, in Folgendem Kalibrierproben genannt,
wird in Abhängigkeit von der mittels der Perforationsraten festgestellten Korrosionsbeständigkeit
ein verschieden hoher Wert zugeordnet, der hier als Oberflächenreaktionswert oder
auch "Steelsurface Reaktive Value" (SRV) bezeichnet wird. Folgende Zuordnungen wurden
getroffen: Kalibrierprobe A mit einer Perforationsrate von 120 %o wird ein SRV von
80 zugeordnet, Kalibrierprobe B mit einer Perforationsrate von 40 %o ein SRV von 35,
Kalibrierprobe C mit einer Perforationsrate von 4 %o ein SRV von 5 und Kalibrierprobe
D mit einer Perforationsrate von 1,5 ‰ ein SRV von 2. Diese Zuordnung ist auch in
Figur 4 dargestellt.
[0022] Bevor die Weißblech-Kalibrierproben in den Meßaufbau gemäß Figur 2 gebracht werden,
müssen sie zunächst sorgfältig entfettet und entzinnt werden. Dies gilt auch für die
anschließend zu prüfenden Weißblechproben (Prüfproben) deren Korrosionsbeständigkeit
geprüft werden soll. Kalibrierproben werden zunächst in einer 5-prozentigen Natrium-Karbonat-Lösung
entfettet. Hierbei wird die zu prüfende Oberfläche mit einer Spannung von 3 V über
einen Zeitraum von 30 bis 45 Sekunden kathodisch polarisiert. Nach dieser Entfettung
erfolgt in einem weiteren Arbeitsgang ein Entzinnen der Oberfläche in einer alkalischen
Kaliumiodat-Lösung (40 bis 60 g/l NaOH; 7 - 15 g/l KIO
3) bei einer Temperatur von 50 ° C über einen Zeitraum von 30 bis 80 Sekunden. Anschließend
werden die Kalibrierproben zunächst mit Leitungswasser und dann mit destilliertem
Wasser und mit Alkohol gewaschen und mit einem Fön getrocknet.
[0023] Die so vorbereiteten Kalibrierproben werden nacheinander als Arbeitselektroden 2
in den in Figur 2 dargestellten Meßaufbau eingesetzt, um sie kathodisch zu polarisieren
und das sich nach einer vorbestimmten Verweildauer t einstellende Oberflächenpotentional
zu messen. Hierbei wird von jeder Kalibrierprobe A, B, C, D eine Potentional-Zeit-Kurve
gemäß Figur 3 aufgenommen. Nach kathodischer Polarisation in einem Stromdichtebereich
von 10 bis 1000 µA/cm
2 wird das sich nach einer vorbestimmten Verweilzeit im Bereich von 20 bis 180 Sekunden
einstellende Oberflächenpotentional erfaßt. Die so nach einer jeweils gleich großen
Verweilzeit von z.B. 120 Sekunden ermittelten Oberflächenpotentionale werden dann
gemäß Figur 4 dem vorgenannten SRV von 80, 45, 5 und 2 zugeordnet. Aus den bei den
Kalibrierproben gemessenen Oberflächenpotentionalen wird dann zweckmäßig eine Ausgleichskurve
(Fit-Kurve) K erstellt, wie es in Figur 4 gezeigt ist. Somit ist die jeweilige (Tages-)
Ausgleichskurve festgelegt.
[0024] Eine zu prüfende Weißblechprobe (Prüfprobe) wird in der gleichen Weise entfettet
und entzinnt und in demselben sauren Elektrolyten, der vorher zur Polarisierung der
Kalibrierproben diente, in dem Meßaufbau unter gleichen Prüfbedingungen kathodisch
polarisiert. Hierbei wird ebenfalls eine Potentional-Zeit-Kurve aufgenommen und das
sich nach einer Verweildauer, die der Verweildauer der Kalibrierproben, hier wie angenommen
120 Sekunden, entspricht, einstellende Oberflächenpotentional erfaßt. Wird bei der
Prüfprobe hierbei z.B. ein Oberflächenpotentional von 776 mV festgestellt, so kann
mittels der vorher erstellten Ausgleichskurve K gemäß Figur 5 ein Oberflächenreaktionswert
oder SRV von 18 bestimmt werden.
[0025] Auf der Basis der zuvor erstellten Ausgleichskurve K (vgl. Figur 5) wird also dem
bei der Prüfprobe gemessenen Oberflächenpotentional ein Oberflächenreaktionswert oder
ein SRV zugeordnet. Die Ausgleichskurve K stellt eine Potenzfunktion von Typ Y = a
· X
b dar. Beispiel einer Ausgleichsfunktion ist die Funktion Y = 2
·10
57 · X
-19,379, der Faktor 2
· 10
57und der Exponent -19,379 entsprechen der Tageskalibrierung, die Zahlenwerte sind keine
Fixgrößen, sondern geräte- und meßbedingungs-abhängige Variable.
[0026] Die Messung ist auf der Basis der erläuterten Kalibrierung durch hohe Reproduzierbarkeit
ausgezeichnet. Das Quadrat des Korrelationskoeffizienten auf der Basis der o.g. Potenzfunktion
liegt für das genannte Beispiel bei R
2 = 0,9995. Die Erfassung des SRV ist mit einer Reproduzierbarkeit von +/- 0,5 in einem
Bereich von SRV 1 - 5 zu erzielen.
[0027] Mittels des oben beschriebenen Meßverfahrens und zum Vergleich durchgeführter herkömmlicher
Lagerversuche hat die Patentinhaberin festgestellt, daß das Korrosionsverhalten und
damit die Lagerstabilität von Weißblech außerordentlich gut sind, wenn sich bei dem
erfindungsgemäßen Meßverfahren Oberflächenreaktionswerte oder SRV ergeben, die unter
dem Wert 10, vorzugsweise unter 5 liegen.
[0028] Eine Korrelation zwischen Weißblechqualität definiert durch Oberflächenreaktionswert
oder SRV und der Perforationsrate, die bei einem Lagerversuch festgestellt wurde,
ist in Figur 6 wiedergegeben. Die Messungen wurden mit Probenkollektiven von jeweils
mehr als 800 Dosen für Zinnauflagen von 2,0 bis 2,4 g/m
2 für einmal lackierte Dosen durchgeführt. Die Dosen waren mit kohlensäurehaltigen
Soft-Drinks gefüllt und wurden bei Raumtemperatur über einen Zeitraum von 6 Monaten
gelagert. Wie aus Figur 6 zu entnehmen ist, ergibt sich zwischen dem Oberflächenreaktionswert
und der Perforationsrate ein nahezu linearer Zusammenhang.
1. Verfahren zur Messung der Korrosionsbeständigkeit von Weißblech mit folgenden Schritten:
a) mehrere Weißblechproben (Kalibrierproben) mit bekannten, unterschiedlichen Verzinnungsqualitäten
werden entfettet und entzinnt,
b) jeder Kalibrierprobe wird einmalig ein in Abhängigkeit von einer früher festgestellten
Korrosionsbeständigkeit verschiedenhoher Oberflächenreaktionswert (SRV) zugeordnet,
c) die entzinnten Kalibrierproben werden nacheinander in einen sauren Elektrolyten
eingebracht und kathodisch polarisiert,
d) das sich nach einer vorbestimmten Verweildauer (t) einstellende Oberflächenpotentional
wird erfaßt und dieses dem dieser Kalibrierprobe zugehörigen Oberflächenreaktionswert
zugeordnet,
e) eine zu prüfende Weißblechprobe (Prüfprobe) wird in gleicher Weise entfettet, entzinnt
und in demselben sauren Elektrolyten, der vorher zur Polarisierung der Kalibrierproben
diente, unter gleichen Prüfbedingungen kathodisch polarisiert,
f) nach einer der Verweildauer der Kalibrierproben entsprechenden Verweildauer wird
das sich bei der Prüfprobe einstellende Oberflächenpotential erfaßt und
g) unter Zugrundelegung der zuvor bei den Kalibrierproben festgestellten Oberflächenpotentiale
und der diesen zugeordneten Oberflächenreaktionswerte wird der bei der Prüfprobe vorhandene
Oberflächenreaktionswert bestimmt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß aus dem bei den Kalibrierproben gemessenen Oberflächenpotentionalen eine Ausgleichskurve
(Fit-Kurve) erstellt und mittels dieser und dem bei der Prüfprobe gemessenen Oberflächenpotentional
der Oberflächenrekationswert der Prüfprobe bestimmt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Polarisierung bei einer konstanten Stromdichte im Bereich von 10 bis 1000
µA/cm2 erfolgt.
4. Verfahren nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß das sich nach einer Verweildauer (t) im Bereich von 20 bis zu 180 Sekunden einstellende
Oberflächenpotentional erfaßt wird.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß während der Polarisierung einer Probe eine Potentional-Zeit-Kurve aufgenommen
und aus dieser das sich nach jeweils nach einer bestimmten Verweildauer (t) einstellende
Oberflächenpotentional entnommen wird.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der Oberflächenreaktionswert (SRV) der Kalibrierproben entsprechend den bei
diesen Proben jeweils früher festgestellten Perforationsraten festgelegt wird.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der Elektrolyt eine Fruchtsäure enthält.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der Elektrolyt eine Zitronensäure-Puffer enthält.
9. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß in dem Elektrolyten 1 bis 5 Prozent Zitronensäure enthalten sind.
10. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der pH-Wert des Elektrolyten kleiner als 4 ist, vorzugsweise im pH-Bereich von
2 bis 3 liegt.