TECHNISCHES GEBIET
[0001] Die Erfindung geht aus von einem Hybridleistungsschalter gemäss dem Oberbegriff des
Anspruchs 1.
STAND DER TECHNIK
[0002] Aus der Schrift EP 0 847 586 B1 ist ein Hybridleistungsschalter bekannt, der in einem
elektrischen Hochspannungsnetz eingesetzt werden kann. Dieser Hybridleistungsschalter
weist zwei in Reihe geschaltete Löschkammern auf, von denen eine erste mit SF
6-Gas als Lösch-und Isoliermedium gefüllt ist, und eine zweite als Vakuumschaltkammer
ausgebildet ist. Die zweite Löschkammer ist aussen von SF
6-Gas umgeben. Die Hauptkontakte der beiden Löschkammern werden über ein Hebelgetriebe
von einem gemeinsamen Antrieb simultan betätigt. Beide Löschkammern weisen eine Leistungsstrombahn,
in welcher die abbrandfesten Hauptkontakte liegen, und parallel dazu eine Nennstrombahn
auf, wobei diese Nennstrombahn nur eine einzige Unterbrechungsstelle aufweist. Beim
Ausschalten wird stets zuerst die Nennstrombahn unterbrochen, worauf der abzuschaltende
Strom auf die Leistungsstrombahn kommutiert. Die Leistungsstrombahn führt dann den
Strom weiter bis zu dessen definitiver Abschaltung.
[0003] Bei diesem Hybridleistungsschalter brennt der beim Abschalten stets auftretende Lichtbogen
in der Vakuumschaltkammer etwa während der gleichen Zeitdauer wie in der gasgefüllten
ersten Löschkammer, was zur Folge hat, dass die Hauptkontakte der Vakuumschaltkammer
einer vergleichsweise hohen und lange andauernden Strombelastung und damit verbunden
einer hohen Abnutzung unterworfen sind, was vergleichsweise häufig Revisionsarbeiten
erforderlich macht, wodurch die Verfügbarkeit des Hybridleistungsschalters eingeschränkt
wird. Dieser Hybridleistungsschalter benötigt eine vergleichsweise hohe Antriebsenergie,
da, je nach dem in der gasgefüllten ersten Löschkammer verwendeten Schaltprinzip,
der Antrieb ganz oder teilweise den für die intensive Beblasung des Lichtbogens nötigen
hohen Gasdruck erzeugen muss. Ein derartiger besonders kräftig ausgelegter Antrieb
ist vergleichsweise teuer. Die Verteilung der wiederkehrenden Spannung auf die beiden
Löschkammern erfolgt bei diesem Schalter kapazitiv, wobei die Eigenkapazitäten der
Löschkammern ausschlaggebend sind.
[0004] Aus der Offenlegungsschrift DE 4 427 163 A1 ist ein Druckgasschalter bekannt, dessen
Löschkammer zwei gegenläufig bewegte Hauptkontakte aufweist. Das druckbeaufschlagte
Gas für das Beblasen des Lichtbogens wird zum einen Teil vom Lichtbogen selber erzeugt
und in einem Speichervolumen gespeichert, zum anderen Teil wird es, abhängig von der
Bewegung der Hauptkontakte, in einer Kolben-Zylinder-Anordnung erzeugt, und im Bedarfsfall
strömt dieser andere Teil durch das Speichervolumen hindurch und bebläst den Lichtbogen.
Bei diesem Druckgasschalter wird eine intensive Beblasung des Lichtbogens angestrebt,
was einen vergleichsweise hohen Löschgasdruck bedingt. Der Antrieb des Druckgasschalters
muss demnach leistungsstark sein, um die Bewegung der Hauptkontakte gegen diesen vergleichsweise
hohen Löschgasdruck zu ermöglichen.
[0005] Bei den bekannten Hybridschaltern und konventionellen Leistungsschaltern wird stets
in der mit einem in der Regel gasförmigen Isolier- und Löschmedium gefüllten Löschkammer
eine möglichst intensive Beblasung des Lichtbogens angestrebt. Diese intensive Beblasung
ist nötig, um eine gute Kühlung des Lichtbogens zu erreichen und um sicherzustellen,
dass der Lichtbogen einwandfrei gelöscht wird, und dass die Löschstrecke sehr rasch
von ionisierten Gasen und Abbrandpartikeln befreit wird. Nach dem Löschen des Lichtbogens
wird von Anfang an ein wesentlicher Teil der wiederkehrenden Spannung von dieser Löschstrecke
gehalten. Eine derartige intensive Beblasung wird in der Regel nur erreicht, wenn
die Strömungsgeschwindigkeit des beblasenden Mediums im Bereich über der Schallgeschwindigkeit
liegt.
DARSTELLUNG DER ERFINDUNG
[0006] Die Erfindung, wie sie in den unabhängigen Ansprüchen gekennzeichnet ist, löst die
Aufgabe, einen Hybridleistungsschalter zu schaffen, der preisgünstig zu erstellen
ist und der eine hohe Verfügbarkeit aufweist, und ein Verfahren zu seinem Betrieb
anzugeben.
[0007] Bei diesem Hybridleistungsschalter wird der erste steile Anstieg der wiederkehrenden
Spannung im wesentlichen von der zweiten, als Vakuumschaltkammer ausgebildeten Löschkammer
gehalten. Die Wiederverfestigung der Löschstrecke der ersten Löschkammer darf demnach
hier vergleichsweise langsam erfolgen, was bedeutet, dass die Beblasung der ersten
Löschkammer wesentlich schwächer sein darf als bei herkömmlichen Leistungsschaltern.
Für die Bereitstellung des für die Beblasung des Lichtbogens nötigen druckbeaufschlagten
Gases muss also wesentlich weniger Energie aufgewendet werden. Die durch die Erfindung
erreichten Vorteile sind darin zu sehen, dass der Hybridleistungsschalter bei gleichem
Leistungsschaltvermögen mit einem wesentlich schwächeren und damit preisgünstigeren
Antrieb ausgerüstet werden kann. Ferner sind die in diesem Hybridleistungsschalter
in der ersten Löschkammer auftretenden Drücke wesentlich geringer als bei herkömmlichen
Leistungsschaltern, sodass auch die Isolierrohre und die übrigen druckbeaufschlagten
Teile für geringere Belastungen ausgelegt werden können, wodurch eine wirtschaftlichere
Ausgestaltung des Hybridleistungsschalters möglich ist. Ferner wirkt es sich vorteilhaft
aus, dass die Strömungsgeschwindigkeit des in der ersten Löschkammer den Lichtbogen
kühlenden Gases, wegen der hier benötigten wesentlich weniger intensiven Beblasung,
im Unterschallbereich liegen kann, da dadurch die Menge des für die Beblasung bereitzustellenden
druckbeaufschlagten Gases vergleichsweise klein gehalten werden kann.
[0008] Ein weiterer Vorteil ist darin zu sehen, dass die Hauptkontakte der zweiten Löschkammer,
die hier als Vakuumschaltkammer ausgebildet ist, wegen der kürzeren Dauer der Strombelastung
beim Ausschalten eine grössere Lebensdauer aufweisen, was eine verbesserte betriebliche
Verfügbarkeit des Hybridleistungsschalters zur Folge hat. Die zeitliche Verzögerung
der Ausschaltbewegung der zweiten gegenüber der ersten Löschkammer hat beim Ausschalten
von asymmetrischen Kurzschlussströmen den grossen Vorteil, dass die zweite Löschkammer
mit wesentlich geringeren Spitzenströmen belastet wird, da während dieser Verzögerungszeit
die Asymmetrie der Kurzschlussströme schon weiter abgeklungen ist. Wenn die zweite
Löschkammer als Vakuumschaltkammer ausgebildet ist, so wirkt sich dieser Effekt besonders
vorteilhaft für die Standfestigkeit der Kontakte aus.
[0009] Der Hybridleistungsschalter ist mit mindestens zwei in Reihe geschalteten, von einem
gemeinsamen Antrieb oder von separaten Antrieben betätigten, mit unterschiedlichen
Löschmedien gefüllten Löschkammern versehen, wobei das Lösch- und Isoliermedium der
ersten Löschkammer die zweite Löschkammer isolierend umgibt. Es sind Mittel vorgesehen,
welche beim Ausschaltvorgang einen zeitlichen Vorlauf der Bewegung der ersten Löschkammer
gegenüber der Bewegung der zweiten Löschkammer sicherstellen. Als Lösch- und Isoliermedium
der ersten Löschkammer wird ein Gas oder ein Gasgemisch verwendet. Als zweite Löschkammer
ist mindestens eine Vakuumschaltkammer vorgesehen. Für die zweite Löschkammer können
jedoch auch andere Schaltprinzipien eingesetzt werden, insbesondere kann die zweite
Löschkammer auch als TVG (Triggered Vacuum Gap)ausgebildet sein.
[0010] Die weiteren Ausgestaltungen der Erfindung sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche.
[0011] Die Erfindung, ihre Weiterbildung und die damit erzielbaren Vorteile werden nachstehend
anhand der Zeichnung, welche lediglich einen möglichen Ausführungsweg darstellt, näher
erläutert.
KURZE BESCHREIBUNG DER ZEICHNUNG
[0012] Es zeigen:
Fig. 1 eine erste Ausführungsform eines stark vereinfacht dargestellten Hybridleistungsschalters
im eingeschalteten Zustand, bei welcher der Lichtbogen in der ersten Löschkammer durch
in einer Kolben-Zylinder-Anordnung komprimiertes Gas beblasen wird,
Fig. 2 diese erste Ausführungsform des stark vereinfacht dargestellten Hybridleistungsschalters
im ausgeschalteten Zustand,
Fig. 3 eine zweite Ausführungsform eines stark vereinfacht dargestellten Hybridleistungsschalters
im ausgeschalteten Zustand, bei welcher der Lichtbogen in der ersten Löschkammer durch
in einem Speichervolumen gespeichertes, vom Lichtbogen selbst mit Druck beaufschlagtem
Gas in Verbindung mit durch in einer separaten Kolben-Zylinder-Anordnung komprimiertem
Gas beblasen wird,
Fig. 4 eine dritte Ausführungsform eines stark vereinfacht dargestellten Hybridleistungsschalters
im ausgeschalteten Zustand, bei welcher der Lichtbogen in der ersten Löschkammer durch
in einem Speichervolumen gespeichertes, vom Lichtbogen selbst mit Druck beaufschlagtem
Gas beblasen wird, wobei beim Ausschalten ein Teil des Gases im Speichervolumen zusätzlich
mittels eines Kolbens komprimiert wird,
Fig. 5 eine vierte Ausführungsform eines stark vereinfacht dargestellten Hybridleistungsschalters
im ausgeschalteten Zustand, bei welcher, wie bei der dritten Ausführungsform, der
Lichtbogen in der ersten Löschkammer durch in einem Speichervolumen gespeichertes,
vom Lichtbogen selbst mit Druck beaufschlagtem Gas beblasen wird, wobei beim Ausschalten
ein Teil des Gases im Speichervolumen zusätzlich mittels eines Kolbens komprimiert
wird,
Fig. 6 einen vergrösserten Teilschnitt durch die erste Löschkammer der vierten Ausführungsform
des Hybridleistungsschalters,
Fig. 7 die Darstellung eines kritischen Druckverhältnisses, und
Fig. 8 eine sechste Ausführungsform eines stark vereinfacht dargestellten Hybridleistungsschalters
im ausgeschalteten Zustand, bei welcher die zweite Löschkammer als TVG (Triggered
Vacuum Gap) ausgeführt ist.
[0013] Bei allen Figuren sind gleich wirkende Elemente mit gleichen Bezugszeichen versehen.
Alle für das unmittelbare Verständnis der Erfindung nicht erforderlichen Elemente
sind nicht dargestellt bzw. nicht beschrieben.
WEGE ZUR AUSFÜHRUNG DER ERFINDUNG
[0014] Die Figur 1 zeigt eine stark vereinfacht dargestellte erste Ausführungsform eines
Hybridleistungsschalters 1 im eingeschalteten Zustand. Dieser Hybridleistungsschalter
1 weist zwei in Reihe geschaltete Löschkammern 2 und 3 auf, die hier entlang einer
gemeinsamen Längsachse 4 erstreckt montiert und konzentrisch zu dieser angeordnet
sind. Es ist durchaus möglich, die Löschkammern 2 und 3 bei anderen Ausführungsformen
dieses Hybridleistungsschalters 1 auf verschiedenen, gegeneinander abgewinkelten Längsachsen
anzuordnen. Es ist sogar vorstellbar, dass bei der Variante mit abgewinkelten Längsachsen
diese Längsachsen nicht nur in einer Ebene oder in zwei parallel zueinander angeordneten
Ebenen liegen, sondern auch, dass diese Ebenen sich unter einem konstruktiv sinnvollen
Winkel schneiden.
[0015] Der Hybridleistungsschalter 1 wird von einem nicht dargestellten Antrieb über ein
Antriebsgestänge 5, welches aus elektrisch isolierendem Material besteht, angetrieben.
Als Antrieb kann ein herkömmlicher Kraftspeicherantrieb vorgesehen werden. Es ist
aber auch möglich, einen elektronisch regelbaren Gleichstromantrieb ohne die Zwischenschaltung
eines Kraftspeichers einzusetzen. Diese Ausführungsvariante ist als besonders wirtschaftlich
anzusehen und zudem ermöglicht sie es, mit einfachen Mitteln die Kontaktgeschwindigkeiten
des Hybridleistungsschalters 1 an die jeweiligen besonderen betrieblichen Anforderungen
anzupassen. Zwischen den beiden Löschkammern 2 und 3 ist ein Getriebe 6 angeordnet,
welches die Bewegungen der beiden Löschkammern 2 und 3 miteinander verknüpft und die
Bewegungsabläufe technisch sinnvoll aufeinander abstimmt.
[0016] Das Antriebsgestänge 5 wird durch einen die Löschkammern 2 und 3 des Hybridleistungsschalters
1 tragenden Stützisolator 7 gegen Umwelteinflüsse geschützt. Der Stützisolator 7 ist
erdseitig druckdicht mit dem nicht dargestellten Antrieb verbunden, löschkammerseitig
ist er mit einem metallischen Flansch 8 versehen, der mit einem ersten metallischen
Anschlussflansch 9 verschraubt ist. Über den Anschlussflansch 9 wird die Antriebsseite
der Löschkammer 2 mit dem elektrischen Netz verbunden. Mit dem Anschlussflansch 9
ist ferner ein erster Endflansch 10 eines Löschkammergehäuses 11 verschraubt. Das
Löschkammergehäuse 11 ist zylinderförmig, druckdicht und elektrisch isolierend ausgebildet,
es erstreckt sich entlang der Längsachse 4 und umgibt die beiden Löschkammern 2 und
3 und das Getriebe 6. Das Löschkammergehäuse 11 weist auf der dem ersten Endflansch
10 gegenüberliegenden Seite einen zweiten metallischen Endflansch 12 auf, der mit
einem zweiten metallischen Anschlussflansch 13 verschraubt ist. Über den Anschlussflansch
13 wird die dem Antrieb abgewandte Seite der Löschkammer 3 mit dem elektrischen Netz
verbunden. Zwischen dem Endflansch 12 und dem Anschlussflansch 13 wird eine metallische
Tragplatte 14 gehalten.
[0017] Der Anschlussflansch 9 ist starr und elektrisch leitend verbunden mit dem zylindrisch
ausgebildeten metallischen Tragrohr 15, welches konzentrisch zur Längsachse 4 angeordnet
ist. Das Tragrohr 15 weist nicht dargestellte Öffnungen auf, die dem Gasaustausch
zwischen dem Inneren des Tragrohrs 15 und dem übrigen Löschkammervolumen dienen. Der
antriebsseitige innere Teil des Tragrohrs 15 dient als Führung für ein Führungsteil
16, welches mit dem Antriebsgestänge 5 verbunden ist und dieses gegen das Tragrohr
15 abstützt. Das Führungsteil 16 ist so ausgebildet, dass es den Hub h1 des Antriebsgestänges
5 begrenzt, wenn der Hybridleistungsschalter 1 in Ausschaltstellung ist.
[0018] Das Antriebsgestänge 5 ist stirnseitig mit einem metallischen Kontaktrohr 17 verbunden,
welches einen ersten beweglichen Leistungskontakt der ersten Löschkammer 2 darstellt.
Der Schaft des Kontaktrohrs 17 weist nicht dargestellte Öffnungen auf, die dem Gasaustausch
zwischen dem Inneren des Kontaktrohrs 17 und dem Inneren des Tragrohrs 15 dienen.
Das Kontaktrohr 17 ist auf der dem Antrieb abgewandten Seite mit federnden Abbrandfingern
18 versehen, die tulpenförmig angeordnet sind. Die Abbrandfinger 18 umschliessen und
kontaktieren einen metallischen Abbrandstift 19. Der Abbrandstift 19 ist im Zentrum
der Löschkammer 2 axial erstreckt und axial beweglich angeordnet. Der Abbrandstift
19 bewegt sich stets entgegengesetzt zur Bewegungsrichtung des Kontaktrohrs 17. Der
Abbrandstift 19 stellt den zweiten beweglichen Leistungskontakt der ersten Löschkammer
2 dar.
[0019] Das Tragrohr 15 weist auf der dem Antrieb abgewandten Seite eine Verjüngung 20 auf
und eine Führungspartie 21, die das Kontaktrohr 17 führt. Die Führungspartie 21 ist
innen mit nicht dargestellten Spiralkontakten versehen, die den einwandfreien Stromübergang
vom Tragrohr 15 auf das Kontaktrohr 17 ermöglichen. Auf der Verjüngung 20 gleitet
aussen eine metallische Düsenhalterung 22, die antriebsseitig mit Gleitkontakten 23
ausgestattet ist, die einen einwandfreien Stromübergang vom Tragrohr 15 auf die Düsenhalterung
22 ermöglichen.
[0020] Die Düsenhalterung 22 umschliesst ein Kompressionsvolumen 24. Das Kompressionsvolumen
24 wird antriebsseitig durch ein Rückschlagventil 25 abgeschlossen, welches durch
die Führungspartie 21 gehalten wird. Das Rückschlagventil 25 weist eine Ventilscheibe
26 auf, die bei einem Überdruck im Kompressionsvolumen 24 den Austritt des komprimierten
Gases in das für die beiden Löschkammern 2 und 3 gemeinsame Löschkammervolumen 27
verhindert. Auf der entgegengesetzten Seite des zylindrisch ausgebildeten Kompressionsvolumens
24 ist ein weiteres, in der Düsenhalterung 22 gehaltenes, Rückschlagventil 28 vorgesehen,
dessen Ventilscheibe 29 bei einem Überdruck im Kompressionsvolumen 24 den Austritt
des komprimierten Gases aus diesem Kompressionsvolumen 24 erlaubt.
[0021] In der Düsenhalterung 22 ist auf der dem Antrieb abgewandten Seite eine Isolierdüse
30 gehalten. Die Isolierdüse 30 ist konzentrisch um den Abbrandstift 19 angeordnet.
Das Kontaktrohr 17, die Düsenhalterung 22 und die Isolierdüse 30 bilden eine einstückige
Baugruppe. Das Düsenengnis ist unmittelbar vor den Abbrandfingern 18 angeordnet und
die Isolierdüse 30 öffnet sich in die den Abbrandfingern 18 entgegengesetzte Richtung.
Die Düsenhalterung 22 weist auf der Aussenseite eine als Kontaktstelle ausgelegte
Verdickung 31 auf. Auf dieser Verdickung 31 liegen im eingeschalteten Zustand der
Löschkammer 2 Gleitkontakte 32 auf. Diese Gleitkontakte 32 sind verbunden mit einem
zylindrisch ausgebildeten metallischen Gehäuse 33, welches durch ein ortsfest montiertes
metallisches Führungsteil 34 gehalten wird. In einer zentralen Bohrung des Führungsteils
34 sind nicht dargestellte Gleitkontakte vorgesehen, die das Führungsteil 34 mit dem
Abbrandstift 19 elektrisch leitend verbinden. Von dem Führungsteil 34 geht die Strombahn,
wie eine Wirkungslinie 35 andeutet, über ein Anschlussteil 44 weiter zum beweglichen
Kontakt 36 der zweiten Löschkammer 3.
[0022] Auf der dem Antrieb abgewandten Seite der Isolierdüse 30 ist an dieser eine elektrisch
isolierende Haltescheibe 37 starr befestigt. Die Haltescheibe 37 kann jedoch auch
aus einem Metall gefertigt sein, wenn die dielektrischen Verhältnisse in diesem Bereich
das zulassen. In diese Haltescheibe 37 ist eine Zahnstange 38 eingeschraubt, die sich
parallel zur Längsachse 4 erstreckt und die das Getriebe 6 betätigt. Die Zahnstange
38 steht mit zwei Zahnrädern 39 und 40 im Eingriff, sie wird durch eine Stützrolle
41 gegen diese Zahnräder 39 und 40 gedrückt. In den Schaft des durch das Führungsteil
34 geführten Abbrandstifts 19 ist eine mit Zähnen versehene Nut eingelassen, in welche
das Zahnrad 39 eingreift. Eine weitere Stützrolle 42 drückt den Schaft des Abbrandstifts
19 gegen das Zahnrad 39. Das Zahnrad 40 betätigt über einen mit ihm beweglich gekoppelten
Hebel 43 die zweite Löschkammer 3. Der Hebel 43 ist mit dem Anschlussteil 44 gekoppelt,
welches elektrisch leitend mit dem beweglichen Kontakt 36 der zweiten Löschkammer
3 verbunden ist.
[0023] Die zweite Löschkammer 3 ist hier schematisch als Vakuumschaltkammer dargestellt.
Es ist beispielsweise möglich, die Schaltstelle dieser Löschkammer 3 auch mittels
anderer Schaltprinzipien zu realisieren. Die Löschkammer 3 ist vom isolierenden Medium,
welches das gemeinsame Löschkammervolumen 27 füllt, umgeben. Die Löschkammer 3 weist
einen feststehenden Kontakt 45 auf, der mit der Tragplatte 14 elektrisch leitend verbunden
ist. Die Tragplatte 14 dient der Fixierung der Löschkammer 3. Die Löschkammer 3 weist
ein Isoliergehäuse 46 auf, welches das Innere der Löschkammer 3 vom Löschkammervolumen
27 druckdicht abtrennt. Hier ist das Isoliergehäuse 46 teilweise aufgeschnitten dargestellt.
[0024] Die Wand des Isoliergehäuses 46 ist mit einem Widerstandsbelag 47 versehen. Dieser,
für die beim Ausschalten notwendige Steuerung der Verteilung der wiederkehrenden Spannung
über den beiden Löschkammern 2 und 3 vorgesehene, Widerstandsbelag 47 kann auf der
inneren oder auf der äusseren Oberfläche des Isoliergehäuses 46 aufgebracht sein.
Durch diese günstige Ausgestaltung des Widerstandsbelags können die Abmessungen der
zweiten Löschkammer 3 vorteilhaft klein gehalten werden. Der ohmsche Widerstand des
Widerstandsbelags liegt im Bereich zwischen 10 kΩ und 500 kΩ, als besonders günstig
hat sich der Widerstandswert von 100 kΩ erwiesen.
[0025] Das gemeinsame Löschkammervolumen 27 ist mit einem elektrisch isolierend wirkenden,
Gas oder Gasgemisch gefüllt, welches sowohl als Löschmedium für die erste Löschkammer
2 als auch als Isoliermedium dient. Das Gas oder Gasgemisch bindet freie Elektronen
an seine Moleküle, sodass die Ausbreitung von elektrostatischen Ladungen und damit
die Aufladung von Isolierteilen unterbunden wird. Um elektrisch leitfähige Reaktionsprodukte
zu vermeiden, wird beispielsweise Metalldampf in Fluoride umgewandelt oder gegebenenfalls
auch durch freien Sauerstoff oxidiert. Der Fülldruck liegt hier im Bereich von 3 bar
bis 22 bar, vorzugsweise werden 9 bar Fülldruck vorgesehen. Als Lösch- und Isoliermedium
werden reines SF
6-Gas oder ein Gemisch von N
2-Gas mit SF
6-Gas eingesetzt. Es ist aber auch möglich, hier ein Gemisch aus Druckluft bzw. aus
N
2-Gas und anderen elektronegativen Gasen einzusetzen. Besonders bewährt haben sich
Gasgemische mit einem Anteil von 5% bis 50% SF
6-Gas. Als Löschgas kann aber auch ein Gemisch aus CO
2-Gas mit O
2-Gas verwendet werden, wobei der O
2-Anteil im Bereich von 5% bis 30% liegt. Ferner kann ein Gemisch aus CH
4-Gas mit H
2-Gas verwendet werden, wobei der H
2-Anteil im Bereich von 5% bis 30% liegt. Die beiden zuletzt genannten Löschgasgemische
werden besonders dann eingesetzt, wenn Abbrandkontakte aus Graphit vorgesehen sind,
da durch sie die abgebrannten Graphitpartikel unschädlich gemacht werden. Es sind
jedoch auch noch andere Gase und Gasmischungen vorstellbar.
[0026] Die Fig. 7 zeigt ein kritisches Druckverhältnis für die Füllung der ersten Löschkammer
2 mit einem Gemisch aus SF
6-Gas und N
2-Gas. Wird darauf geachtet, dass, trotz des Einflusses der im Lichtbogen freigesetzten
Energie, dieses kritische Druckverhältnis nicht überschritten wird, so gelingt es,
die Strömungsgeschwindigkeit des den Lichtbogen beblasenden Gases stets im Bereich
unterhalb der Schallgeschwindigkeit zu halten. Auf der Ordinatenachse des Diagramms
ist das Verhältnis zwischen dem maximal auftretenden Druck P
max und dem Auspuffdruck P
Auspuff in der ersten Löschkammer 2 aufgetragen, und auf der Abszissenachse der prozentuale
Anteil des SF
6-Gases an der Füllung. Es ist ersichtlich, dass mit einem zunehmenden Anteil von SF
6-Gas das kritische Druckverhältnis kleiner wird, sodass der Druck für die Beblasung
des Lichtbogens in der ersten Löschkammer 2 vorteilhaft klein gehalten werden kann.
Wird die erste Löschkammer 2 mit einem anders zusammengesetzten Gasgemisch gefüllt,
beispielsweise eines der oben erwähnten, so ist ebenfalls darauf zu achten, dass das
diesem Gasgemisch entsprechende kritische Druckverhältnis nicht überschritten wird,
denn nur so kann die Strömungsgeschwindigkeit des den Lichtbogen beblasenden Gases
stets im Bereich unterhalb der Schallgeschwindigkeit gehalten werden.
[0027] Die Strömungsgeschwindigkeit im Bereich unterhalb der Schallgeschwindigkeit lässt
sich einfacher beherrschen, da hier im Strömungskanal die bei Überschallströmungen
auftretende Dichteherabsetzung fehlt, sodass hier der Entwicklungsaufwand gegenüber
demjenigen bei herkömmlichen Leistungsschaltern vorteilhaft klein gehalten werden
kann.
[0028] Im eingeschalteten Zustand führt der Hybridleistungsschalter 1 den Strom über folgende,
als Nennstrombahn bezeichnete Strombahn: Anschlussflansch 9, Tragrohr 15, Düsenhalterung
22, Gehäuse 33, Führungsteil 34, Wirkungslinie 35, Anschlussteil 44, beweglicher Kontakt
36, feststehender Kontakt 45, Tragplatte 14 und Anschlussflansch 13. Es ist aber auch
möglich, insbesondere dann, wenn der Hybridleistungsschalter 1 für vergleichsweise
hohe Nennströme ausgelegt werden muss, auch parallel zur zweiten Löschkammer 3 eine
separate, für hohe Nennströme geeignete Nennstrombahn vorzusehen.
[0029] Wenn der Hybridleistungsschalter 1 einen Ausschaltbefehl erhält, so bewegt der nicht
dargestellte Antrieb das Kontaktrohr 17 und mit diesem die Isolierdüse 30 nach links.
Zugleich mit dieser Bewegung bewegt sich der Abbrandstift 19 angetrieben durch die
Zahnstange 38 über das Zahnrad 39, in entgegengesetzter Richtung nach rechts, während
das Gehäuse 33 und das Führungsteil 34 ortsfest bleiben. Sobald die Verdickung 31
der Düsenhalterung 22 sich von den Gleitkontakten 32 des Gehäuses 33 getrennt hat,
ist die oben angegebene Nennstrombahn unterbrochen und der abzuschaltende Strom kommutiert
nun auf die innen liegende Leistungsstrombahn. Die Leistungsstrombahn führt durch
folgende Schalterteile: Anschlussflansch 9, Tragrohr 15, Führungspartie 21, Kontaktrohr
17, Abbrandstift 19, Führungsteil 34, Wirkungslinie 35, Anschlussteil 44, beweglicher
Kontakt 36, feststehender Kontakt 45, Tragplatte 14 und Anschlussflansch 13.
[0030] Das Kontaktrohr 17 und mit diesem die Isolierdüse 30 bewegt sich nach dem Unterbrechen
der Nennstrombahn weiter nach links, und der Abbrandstift 19 bewegt sich mit der gleichen
Geschwindigkeit in entgegengesetzter Richtung weiter. Im Verlaufe dieses Bewegungsablaufs
erfolgt danach die Kontakttrennung in der Leistungsstrombahn. Diese Kontakttrennung
hat zur Folge, dass sich zwischen den Abbrandfingern 18 und der Spitze des Abbrandstifts
19 in einem dafür vorgesehenen Lichtbogenraum 48 ein Lichtbogen ausbildet.
[0031] Bis zu diesem Zeitpunkt bleibt die zweite Löschkammer 3 in der Regel geschlossen.
Sie öffnet erst nach einer zeitlichen Verzögerung T
v, die durch folgende Beziehung definiert wird:

Dabei ist t
Libo min die für die mit Gas beblasene Löschkammer 2 minimal mögliche Lichtbogenzeit in ms,
die durch die Netzdaten des jeweiligen Einsatzorts des Hybridleistungsschalters 1
und die Eigenschaften des Hybridleistungsschalters 1, beispielsweise durch dessen
Eigenzeit, bestimmt wird. Die Zeit t
1 liegt im Bereich von 2 ms bis 4 ms. Diese zeitliche Verzögerung T
v wird zwangsweise durch das Getriebe 6 erzeugt. Die zweite Löschkammer 3 hat auch
einen wesentlich kleineren Hub h2 als die Löschkammer 2, wie aus der Figur 2 ersichtlich
ist.
[0032] Während der Ausschaltbewegung der ersten Löschkammer 2 wird das im Kompressionsvolumen
24 befindliche Gas oder Gasgemisch komprimiert, das Rückschlagventil 25 verhindert
das Austreten des komprimierten Gases auf der der Isolierdüse 30 abgewandten Seite
des Kompressionsvolumens 24 in das gemeinsame Löschkammervolumen 27. Durch das Rückschlagventil
28 strömt bereits eine vergleichsweise geringe Menge des komprimierten Gases in den
Lichtbogenraum 48 ein, wenn die dort herrschenden Druckverhältnisse das erlauben.
Der Durchmesser des Engnisses der Isolierdüse 30, der Durchmesser des Abbrandstifts
19, der am Anfang der Ausschaltbewegung noch einen wesentlichen Teil dieses Düsenengnisses,
und auch den Abströmquerschnitt durch die Abbrandfinger 18, verschliesst, und der
innere Durchmesser des Kontaktrohrs 17 sind so aufeinander abgestimmt, dass während
der Beblasung des Lichtbogens immer genügend Gas bzw. Gemisch aus nicht ionisiertem
und ionisiertem Gas aus dem Lichtbogenraum 48 abgeführt wird, sodass sich dort nur
ein im Vergleich zu konventionellen Leistungsschaltern wesentlich kleinerer Gasdruck
aufbauen kann. Die Höhe dieses Gasdrucks wird so festgelegt, dass die Abströmgeschwindigkeit
aus dem Lichtbogenraum 48 in der Regel im Bereich unterhalb der Schallgrenze liegt.
Infolge dieser vergleichsweise kleinen Drücke im Lichtbogenraum 48 kann der Druckaufbau
im Kompressionsvolumen 24 ebenfalls vergleichsweise klein gehalten werden, sodass
für die Kompression lediglich eine vergleichsweise kleine Antriebsenergie benötigt
wird. Im Vergleich zu konventionellen Leistungsschaltern kann hier beim Hybridleistungsschalter
1, bedingt durch die kleineren Gasdrücke beim Ausschalten, vorteilhaft ein schwächerer
und damit billigerer Antrieb eingesetzt werden.
[0033] Unmittelbar nach der Kontakttrennung in der Leistungsstrombahn gibt der Abbrandstift
19 einen grösseren Teil des Querschnitts des Engnisses der Isolierdüse 30 als Abströmquerschnitt
frei. Bei vergleichsweise kleinen Abschaltströmen beginnt bereits bei der Kontakttrennung
die Beblasung des im Lichtbogenraum 48 brennenden Lichtbogens. Das Lösch- und Isoliermedium
strömt während dieser Beblasung stets mit einer Strömungsgeschwindigkeit die im Bereich
unterhalb der Schallgeschwindigkeit liegt. Beim Abschalten von grösseren Strömen,
wie sie beispielsweise beim Abschalten von Kurzschlüssen im Netz auftreten können,
heizt der Lichtbogen den Lichtbogenraum 48 und das in ihm vorhandene Gas so intensiv
auf, dass der Druck in diesem Raum etwas höher ist, als der Druck im Kompressionsvolumen
24. In diesem Fall verhindert das Rückschlagventil 28, dass das aufgeheizte und druckbeaufschlagte
Gas in das Kompressionsvolumen 24 strömt und dort gespeichert werden kann. Das aufgeheizte
und druckbeaufschlagte Gas strömt stattdessen einerseits durch das Innere des Kontaktrohrs
17 und andererseits durch die Isolierdüse 30 ab in das gemeinsame Löschkammervolumen
27. Die Beblasung des Lichtbogens setzt in diesem Fall erst dann ein, wenn die Intensität
des Lichtbogens und damit der Druck im Lichtbogenraum 48 soweit abgeklungen ist, dass
das Rückschlagventil 28 öffnen kann, d.h. der Druck im Kompressionsvolumen 24 ist
dann höher als der Druck im Lichtbogenraum 48. Das Lösch- und Isoliermedium strömt
auch in diesem Fall während der Beblasung des Lichtbogens mit einer Strömungsgeschwindigkeit
die im Bereich unterhalb der Schallgeschwindigkeit liegt.
[0034] Bei dieser Ausführungsform des Hybridleistungsschalters 1 ist der Lichtbogenraum
48 der ersten Löschkammer 2 so ausgelegt, dass keine nennenswerte Speicherung von
vom Lichtbogen selbst erzeugten druckbeaufschlagtem Gas erfolgen kann, und infolgedessen
auch keine nennenswerte Unterstützung der Beblasung des Lichtbogens durch selbst erzeugtes
druckbeaufschlagtes Gas erfolgt, denn nur so ist es möglich, eine Strömungsgeschwindigkeit
im Unterschallbereich bei der Beblasung des Lichtbogens zu gewährleisten.
[0035] Wenn die Löschkammern 2 und 3 den Lichtbogen gelöscht haben, tritt zwischen den Abbrandfingern
18 und dem Abbrandstift 19 der Löschkammer 2, bzw. zwischen dem beweglichen Kontakt
36 und dem feststehenden Kontakt 45 Löschkammer 3 jeweils ein Teil der wiederkehrenden
Spannung auf. Die Schaltstrecke der Vakuumschaltkammer verfestigt sich unmittelbar
nach dem Löschen stets rascher als die Schaltstrecke eines Gasschalters, sodass die
Vakuumschaltkammer am Anfang des steilen Anstiegs der wiederkehrenden Spannung den
grösseren Teil dieser Spannung übernehmen wird. Die Aufteilung der wiederkehrenden
Spannung auf zwei in Reihe geschaltete Löschkammern wird im Normalfall durch die Eigenkapazitäten
der beiden Löschkammern bestimmt. Hier stellt jedoch der vergleichsweise hochohmige
Widerstand des Widerstandsbelags 47, der parallel zur zweiten Löschkammer 3 angeordnet
ist, genau definiert sicher, dass die Aufteilung der wiederkehrenden Spannung auf
die beiden Löschkammern 2 und 3 so erfolgt, dass zunächst auch der grössere Anteil
der wiederkehrenden Spannung an der zweiten Löschkammer 3 anliegt. Erst im weiteren
Verlauf des Ausschaltvorgangs übernimmt dann die erste Löschkammer 2 den überwiegenden
Anteil der wiederkehrenden Spannung, die dann den Hybridleistungsschalter 1 gesamthaft
beaufschlagt. Im ausgeschalteten Zustand des Hybridleistungsschalters 1 hält die erste
Löschkammer 2 den überwiegenden Anteil der anliegenden Spannung.
[0036] In der Figur 2 ist der Hybridleistungsschalter 1 in ausgeschaltetem Zustand dargestellt.
Beim Einschalten des Hybridleistungsschalters 1 schliesst stets zuerst die zweite
Löschkammer 3, und zwar ohne Strombeaufschlagung. Dieser zeitliche Vorlauf wird durch
das Getriebe 6 sichergestellt. Erst nachdem die zweite Löschkammer 3 geschlossen ist,
bewegen sich die beiden beweglichen Kontakte der Leistungsstrombahn der ersten Löschkammer
2 aufeinander zu. Wenn die entsprechende Vorzünddistanz erreicht ist, bildet sich
ein Einschaltlichtbogen aus und schliesst den Stromkreis. Die beiden beweglichen Kontakte
der Leistungsstrombahn der Löschkammer 2 bewegen sich weiter aufeinander zu bis sie
sich kontaktieren. Erst danach wird die Nennstrombahn geschlossen und übernimmt die
weitere Stromführung durch die Löschkammer 2. Die beiden beweglichen Kontakte der
Leistungsstrombahn der Löschkammer 2 bewegen sich noch etwas weiter bis sie schliesslich
die definitive Einschaltstellung erreicht haben.
[0037] Als besonders vorteilhaft erweist es sich bei diesem Hybridleistungsschalter 1, dass
die zweite Löschkammer 3 stromlos einschaltet und deshalb beim Einschalten keinem
Kontaktabbrand und auch keinem Kontaktkleben infolge von Verschweissungen von überhitzten
Kontaktoberflächen unterworfen ist. Die Kontakte 36 und 45 brauchen, normale Betriebsverhältnisse
vorausgesetzt, während der Lebensdauer des Hybridleistungsschalters 1 nicht ersetzt
zu werden, was den betrieblichen Unterhalt des Hybridleistungsschalters 1 vorteilhaft
vereinfacht und dessen betriebliche Verfügbarkeit vorteilhaft vergrössert.
[0038] Die Figur 3 zeigt eine stark vereinfacht dargestellte zweite Ausführungsform eines
Hybridleistungsschalters 1 im ausgeschalteten Zustand. Diese Ausführungsform unterscheidet
sich von der ersten Ausführungsform gemäss den Figuren 1 und 2 dadurch, dass zwischen
dem Kompressionsvolumen 24 und dem Lichtbogenraum 48 ein zusätzliches, zylindrisch
ausgebildetes Speichervolumen 49 vorgesehen ist, welches für die Speicherung zumindest
eines Teils des durch den Lichtbogen druckbeaufschlagten Gases vorgesehen ist. Zwischen
dem Speichervolumen 49 und dem Kompressionsvolumen 24 ist ein Rückschlagventil 28
mit einer Ventilscheibe 29 vorgesehen, welches bei entsprechenden Druckverhältnissen
eine Gasströmung vom Kompressionsvolumen 24 in das Speichervolumen 49 zulässt. Der
übrige Aufbau dieses Hybridleistungsschalters 1 entspricht prinzipiell demjenigen
der ersten Ausführungsform. Im Kontaktrohr 17 sind hier die Öffnungen 50 dargestellt,
durch welche aus dem Lichtbogenraum 48 ausströmendes Gas in das Innere des Tragrohrs
15 abströmen kann. Dieses Abströmen wird mittels eines im Innern des Kontaktrohrs
17 angebrachten Strömungskegels 51 erleichtert. In die Düsenhalterung 22 ist ein metallischer
Kontaktring 52 integriert, auf dem im eingeschalteten Zustand des Schalters die Gleitkontakte
32 des Gehäuses 33 aufliegen und die Nennstrombahn schliessen.
[0039] Die Wirkungsweise dieser zweiten Ausführungsform entspricht etwa der im Zusammenhang
mit der ersten Ausführungsform beschriebenen Wirkungsweise des Hybridleistungsschalters
1, nur dass noch hinzukommt, dass durch den Lichtbogen im Lichtbogenraum 48 erzeugtes
Druckgas in das Speichervolumen 49 einströmen kann. Dieses Druckgas wird dort so lange
gespeichert, bis die Druckverläufe im Lichtbogenraum 48 es erlauben, dass dieses Druckgas
zurückströmt in den Lichtbogenraum 48 und dabei den Lichtbogen bebläst und kühlt.
Sobald der Speicherdruck weiter gefallen ist, öffnet das Rückschlagventil 28 und aus
dem Kompressionsvolumen 24 strömt komprimiertes Frischgas nach und unterstützt die
Beblasung des Lichtbogens. Mittels der Optimierung der Grösse des Speichervolumens
49, des Durchmessers des Engnisses der Isolierdüse 30 und des Durchmessers des Kontaktrohrs
17 und einer Abstimmung dieser drei Grössen aufeinander kann der Druckanstieg im Lichtbogenraum
48 und damit auch im Speichervolumen 49 so eingestellt werden, dass eine wirkungsvolle
Beblasung des Lichtbogens erreicht wird, ohne dass jedoch der Druck im Kompressionsvolumen
24 allzu gross werden muss. Auf diese Art wird erreicht, dass der Antrieb schwächer
ausgelegt und damit billiger erstellt werden kann. Auch bei dieser Ausführungsform
wird eine Stömungsgeschwindigkeit des den Lichtbogen beblasenden Gases erreicht, die
im Unterschallbereich liegt.
[0040] Bei dieser zweiten Ausführungsform des Hybridleistungsschalters 1 wird die zweite
Löschkammer 3 beim Ausschalten ebenfalls gegenüber der ersten Löschkammer 2 zeitlich
verzögert geöffnet und beim Einschalten zeitlich vorlaufend geschlossen, wie dies
bereits beschrieben wurde.
[0041] Die Figur 4 zeigt eine stark vereinfacht dargestellte dritte Ausführungsform eines
Hybridleistungsschalters 1 im ausgeschalteten Zustand. Diese Ausführungsform unterscheidet
sich von der zweiten Ausführungsform gemäss der Figur 3 dadurch, dass sie kein separates,
durch ein Rückschlagventil vom Speichervolumen 49 abgetrenntes Kompressionsvolumen
aufweist. Mit dem Lichtbogenraum 48 ist hier ein zylindrisch ausgebildetes, etwas
grösser ausgelegtes Speichervolumen 49 verbunden, welches für die Speicherung zumindest
eines Teils des durch den Lichtbogen druckbeaufschlagten Gases vorgesehen ist. Ein
Teil dieses Speichervolumens 49 wird jedoch beim Ausschalten mechanisch komprimiert.
Zwischen dem Speichervolumen 49 und dem Löschkammervolumen 27 ist ein beim Ausschalten
als Kompressionskolben wirkendes Rückschlagventil 25 mit einer Ventilscheibe 26 vorgesehen,
welches bei entsprechenden Druckverhältnissen eine Gasströmung vom Löschkammervolumen
27 in das Speichervolumen 49 zulässt. Der übrige Aufbau dieses Hybridleistungsschalters
1 entspricht prinzipiell demjenigen der zweiten Ausführungsform gemäss Figur 3. Im
Kontaktrohr 17 sind hier ebenfalls die Öffnungen 50 dargestellt, durch welche aus
dem Lichtbogenraum 48 ausströmendes Gas in das Innere des Tragrohrs 15 abströmen kann.
Dieses Abströmen wird mittels eines im Innern des Kontaktrohrs 17 angebrachten Strömungskegels
51 erleichtert.
[0042] Mittels der Optimierung der Grösse des Speichervolumens 49, des Durchmessers des
Engnisses der Isolierdüse 30 und des Durchmessers des Kontaktrohrs 17 und einer Abstimmung
dieser drei Grössen aufeinander kann der Druckanstieg im Lichtbogenraum 48 und damit
auch im Speichervolumen 49 so eingestellt werden, dass eine wirkungsvolle Beblasung
des Lichtbogens erreicht wird. Auch bei dieser Ausführungsform wird eine Stömungsgeschwindigkeit
des den Lichtbogen beblasenden Gases erreicht, die im Unterschallbereich liegt.
[0043] Bei dieser dritten Ausführungsform des Hybridleistungsschalters 1 wird beim Ausschalten
ebenfalls stets die zweite Löschkammer 3 gegenüber der ersten Löschkammer 2 zeitlich
verzögert geöffnet und beim Einschalten stets zeitlich vorlaufend geschlossen, wie
dies bereits beschrieben wurde.
[0044] Bei dieser dritten Ausführungsform gemäss Figur 4 ist antriebsseitig eine zusätzliche
Kolben-Zylinder-Anordnung vorgesehen, welche mit Hilfe des durch die Energie des Lichtbogens
erzeugten druckbeaufschlagten Gases die Ausschaltbewegung der Löschkammer 2 kräftemässig
unterstützt. Das Tragrohr 15 weist antriebsseitig eine als Zylinder 53 ausgelegte
Aufweitung auf. Der Zylinder 53 wird durch einen metallischen Führungsflansch 54 gehalten,
der elektrisch leitend mit dem Anschlussflansch 9 verbunden ist. In dem Führungsflansch
54 gleitet eine Hülse 55, die mit dem Antriebsgestänge 5 verbunden ist und die von
diesem, gemeinsam mit dem Kontaktrohr 17 bewegt wird. Auf der dem Antriebsgestänge
5 abgewandten Seite der Hülse 55 ist ein Kolben 56 befestigt, der von Öffnungen 57
durchsetzt wird. Der Kolben 56 wird durch den Zylinder 53 geführt. Ferner wird auf
der dem Antriebsgestänge 5 abgewandten Seite der Hülse 55 eine Ventilscheibe 58 gehalten,
welche die Öffnungen 57 verschliesst, wenn auf der dem Antriebsgestänge 5 abgewandten
Seite des Kolbens 56 ein höherer Druck herrscht als auf der dem Antriebsgestänge 5
zugewandten Seite. Der Zylinder 53 weist in dem Bereich, der zwischen der Ausschaltstellung
des Kolbens 56 und dem antriebsseitigen Ende des Zylinders 53 liegt, Durchbrüche 59
auf, die dieses Volumen mit dem Löschkammervolumen 27 verbinden. Das übrige Tragrohr
15 weist keine Verbindungen zum Löschkammervolumen 27 auf.
[0045] Die innere Oberfläche des Zylinders 53 weist einen Bereich 60 auf, in dem der Innendurchmesser
des Zylinders 53 grösser ist als der Aussendurchmesser des Kolbens 56, und zwar ist
das der Bereich, den der Kolben 56 beim Ausschalten durchläuft ehe die Kontakttrennung
zwischen den Abbrandfingern 18 und dem Abbrandstift 19 stattfindet, also ehe ein Lichtbogen
auftritt. Durch diese Ausgestaltung des Zylinders 53 wird die Reibung zwischen der
Zylinderwand und dem Kolben 56 vorteilhaft reduziert. Sobald beim Ausschalten der
Lichtbogen auftritt, erfolgt eine Gasströmung durch das Kontaktrohr 17 und die Öffnungen
50 in das Innere des Tragrohrs 15 und erhöht dort den Druck, sodass im Inneren ein
höherer Druck herrscht als im Löschkammervolumen 27. Die Ventilscheibe 58 verschliesst
dann die Öffnungen 57 und der Druck wirkt auf den Kolben 56 ein, der jetzt, nach dem
Verlassen des Bereiches 60, wieder durch den Zylinder 53 geführt wird, und unterstützt
dessen Bewegung in Ausschaltrichtung. Die in Ausschaltrichtung wirkende Kraft setzt
sich zusammen aus der auf den Kolben 56 wirkenden Kraft abzüglich der in die entgegengesetzte
Richtung wirkenden Kraft, welche von der Druckbeaufschlagung der wesentlich kleineren
stirnseitigen Fläche 61 des Tragrohrs 15 herrührt. Auf diese Art wird erreicht, dass
der Antrieb schwächer ausgelegt und damit billiger erstellt werden kann, da diese
zusätzliche Kraft vorteilhaft gerade dann zur Verfügung steht, wenn die der Ausschaltbewegung
entgegen wirkenden Kräfte, beispielsweise die Kraft die durch den Druck im Speichervolumen
49 verursacht wird, auftreten.
[0046] Die Wirkungsweise dieser dritten Ausführungsform entspricht etwa der im Zusammenhang
mit der ersten Ausführungsform im Hinblick auf das elektrische Ausschalten beschriebenen
Wirkungsweise des Hybridleistungsschalters 1, nur dass noch hinzukommt, dass zusätzlich
durch den Lichtbogen im Lichtbogenraum 48 erzeugtes Druckgas in das Speichervolumen
49 einströmen kann. Dieses Druckgas wird dort so lange gespeichert und zum Teil während
der Ausschaltbewegung zusätzlich komprimiert, bis die Druckverläufe im Lichtbogenraum
48 es erlauben, dass dieses Druckgas zurückströmt in den Lichtbogenraum 48 und dabei
den Lichtbogen bebläst und kühlt.
[0047] Diese oben beschriebene Unterstützung der Antriebskräfte nach dem Differentialkolbenprinzip
kann vorteilhaft bei jeder der hier beschriebenen Ausführungsformen des Hybridleistungsschalters
1 vorgesehen werden. Durch diese Massnahme kann auf einfache Weise der Bedarf an mechanischer
Antriebsenergie weiter reduziert und der Antrieb weiter verbilligt werden.
[0048] Die Figur 5 zeigt eine stark vereinfacht dargestellte vierte Ausführungsform eines
Hybridleistungsschalters 1 im ausgeschalteten Zustand. Diese Ausführungsform unterscheidet
sich von der zweiten Ausführungsform gemäss der Figur 3 dadurch, dass sie kein durch
ein Rückschlagventil abgetrenntes separates Kompressionsvolumen aufweist. Mit dem
Lichtbogenraum 48 ist hier ein zylindrisch ausgebildetes, etwas grösser ausgelegtes
Blasvolumen 62 verbunden. Ein Teil dieses Blasvolumens 62 wird beim Ausschalten mechanisch
komprimiert. Zwischen dem Blasvolumen 62 und dem Löschkammervolumen 27 ist ein beim
Ausschalten als Kompressionskolben wirkendes Rückschlagventil 25 mit einer Ventilscheibe
26 vorgesehen, welches bei entsprechenden Druckverhältnissen eine Gasströmung vom
Löschkammervolumen 27 in das Blasvolumen 62 zulässt. Der übrige Aufbau dieses Hybridleistungsschalters
1 ist demjenigen der zweiten Ausführungsform gemäss Figur 3 sehr ähnlich, der Durchmesser
des Düsenengnisses 63 ist jedoch bei der vierten Ausführungsform wesentlich grösser,
was zur Folge hat, dass die in der Löschkammer 2 auftretenden Gasdrücke wesentlich
kleiner sind als die bei der zweiten Ausführungsform gemäss Figur 3 möglichen Gasdrücke.
Dies bedingt weiterhin, dass durch den Lichtbogen aufgeheiztes Gas bereits durch das
Düsenengnis 63 und durch das Innere des Kontaktrohrs 17 abströmt, sodass keine nennenswerte
Rückheizung in das Blasvolumen 62 erfolgen kann.
[0049] Im Kontaktrohr 17 sind hier ebenfalls die Öffnungen 50 dargestellt, durch welche
aus dem Lichtbogenraum 48 ausströmendes Gas in das Innere des Tragrohrs 15 abströmen
kann. Dieses Abströmen wird mittels eines im Innern des Kontaktrohrs 17 angebrachten
Strömungskegels 51 erleichtert. Mittels der Optimierung der Grösse des Blasvolumens
62, des Durchmessers des Düsenengnisses 63 der Isolierdüse 30 und des inneren Durchmessers
des Kontaktrohrs 17 und einer Abstimmung dieser drei Grössen aufeinander kann der
Druckanstieg im Lichtbogenraum 48 und damit auch im Blasvolumen 62 so eingestellt
werden, dass eine hinreichend wirkungsvolle Beblasung des Lichtbogens erreicht wird.
Bei dieser vierten Ausführungsform wird eine besonders niedrige Strömungsgeschwindigkeit
des den Lichtbogen beblasenden Gases erreicht, diese Strömungsgeschwindigkeit liegt
deutlich im Unterschallbereich.
[0050] Bei dieser vierten Ausführungsform des Hybridleistungsschalters 1 wird die zweite
Löschkammer 3 beim Ausschalten ebenfalls stets gegenüber der ersten Löschkammer 2
zeitlich verzögert geöffnet und beim Einschalten stets zeitlich vorlaufend geschlossen,
wie dies bereits beschrieben wurde.
[0051] Bei dieser vierten Ausführungsform des Hybridleistungsschalters 1 ist der Durchmesser
des Düsenengnisses 63 der Isolierdüse 30 besonders gross ausgebildet. Er wird beispielsweise
aus der folgenden Beziehung, die den Dimensionierungsparameter F für das Düsenmaterial
PTFE mit beigemengtem Molybdänsulfid festlegt, bestimmt:

wobei α ein vom Material der Isolierdüse 30 abhängiger Faktor ist, wobei I
max der maximal abzuschaltende Strom in kA ist, wobei E die Länge des Düsenengnisses
63 in mm ist und wobei R der Radius des Düsenengnisses 63 in mm ist. Der Faktor α
ist 1 für das Düsenmaterial PTFE mit beigemengtem Molybdänsulfid und der Dimensionierungsparameter
F liegt für dieses Material im Bereich (0,5-1) kA
2/mm
3. Werden andere Düsenmaterialien verwendet, so müssen der Faktor α und der Dimensionierungsparameter
F entsprechend angepasst werden.
[0052] Die Figur 6 zeigt die Düsenzone der vierten Ausführungsform des Hybridleistungsschalters
1 etwas vergrössert. Der Radius R des Düsenengnisses 63 ist in dieser Figur 6 angegeben
und ebenso die Länge E des Düsenengnisses 63. Ferner ist eine Hilfsdüse 64 aus Isoliermaterial
dargestellt, welche die Abbrandfinger 18 nach aussen hin abdeckt und zusammen mit
der Isolierdüse 30 einen Kanal 65 bildet, der das Blasvolumen 62 mit dem Lichtbogenraum
48 verbindet. Der Kanal 65 verläuft hier beispielsweise teilweise parallel zur Längsachse
4 und er weist eine Abknickung 66 auf, die auf die Längsachse 4 zu verläuft. Der abgeknickte
Kanalteil verläuft unter einem Winkel im Bereich von 45° bis 90° zur Längsachse 4.
Durch diese Abknickung 66 wird erreicht, dass bei den Druckverhältnissen, die bei
dieser Ausführungsform des Hybridleistungsschalters 1 herrschen, keine Gasrückströmung
vom Lichtbogenraum 48 in das Blasvolumen 62 erfolgen kann. Dieser Hybridleistungsschalter
1 ist rückheizfrei ausgebildet.
[0053] Bei den vorab beschriebenen Ausführungsformen des Hybridleistungsschalters 1 hat
es sich als besonders vorteilhaft ergeben, dass, abhängig von dem SF
6-Gehalt in der Gasfüllung der Löschkammer 2, gegenüber konventionellen Leistungsschaltern
ein um den Faktor 5 bis 15 geringerer Löschdruck in der Löschkammer 2 erforderlich
ist. Der Antrieb und auch die übrigen Bauelemente können deshalb für geringere Kraft-
und Druckbelastungen ausgelegt werden, was den Hybridleistungsschalter 1 vorteilhaft
verbilligt.
[0054] Wird die zweite Löschkammer 3 mittels einer Baugruppe bestehend aus schaltbaren Leistungshalbleitern
realisiert, so erhält man eine fünfte Ausführungsform des Hybridleistungsschalters
1. Diese Ausführungsform ist preislich besonders günstig herzustellen, unter anderem
vereinfacht sich dadurch das Getriebe 6, da die mechanische Betätigung der zweiten
Löschkammer 3 entfällt. Der der Spannungssteuerung beim Schalten dienende hochohmige
ohmsche Widerstand ist in diesem Fall als Bauelement der Baugruppe von Leistungshalbleitern
parallel geschaltet. Die zeitliche Verzögerung des Ausschaltens und der zeitliche
Vorlauf gegenüber der Löschkammer 2 beim Einschalten wird bei dieser Variante mittels
eines elektronischen Steuerungsgliedes eingestellt. Ein derartig ausgebildeter Hybridleistungsschalter
1 ist besonders für Netze im Bereich um 110 kV Betriebsspannung und darunter wirtschaftlich
einsetzbar.
[0055] Bei den vorab beschriebenen vier Ausführungsformen des Hybridleistungsschalters 1
wird die zweite Löschkammer 3 bei Schaltvorgängen mechanisch betätigt und bewegt sich,
zeitlich koordiniert, von einer Ausschaltstellung in eine Einschaltstellung oder umgekehrt.
In der jeweiligen Einschaltstellung führt die zweite Löschkammer 3 den durch den Hybridleistungsschalter
fliessenden Strom. Bei der fünften Ausführungsform wird die zweite Löschkammer 3 mittels
eines elektronisch geschalteten Halbleiterelements realisiert, sie führt jedoch in
der Einschaltstellung ebenfalls den durch den Hybridleistungsschalter fliessenden
Strom. Es ist jedoch vorstellbar, dass parallel zu der zweiten Löschkammer 3 eine
unterbrechbare Nennstrombahn vorgesehen ist.
[0056] Bei der in der Fig. 8 schematisch dargestellten sechsten Ausführungsform wird die
zweite Löschkammer 3 mittels einer TVG (Triggered Vacuum Gap) realisiert. Die beiden
Kontakte 67 und 68 der TVG sind stationär, sie werden nicht vom Getriebe 6 her mechanisch
betätigt. Eine Wirkungslinie 69 deutet die nicht näher dargestellte elektrisch leitende
Verbindung zwischen der ersten Löschkammer 2 und der zweiten Löschkammer 3 an. Eine
weitere Wirkungslinie 70, die von der Wirkungslinie 69 abzweigt, deutet die parallel
zu dieser zweiten Löschkammer 3 verlaufende Nennstrombahn 71 an. Die Nennstrombahn
71 ist mittels eines in ihrem Verlauf angeordneten Trenners 72 unterbrechbar ausgebildet.
Der Trenner 72 wird vom Getriebe 6 her mittels des Hebels 43 zeitlich koordiniert
betätigt. Ein Pfeil 73 deutet die Triggerung an, mit deren Hilfe Ladungsträger in
die Strecke zwischen den Kontakten 67 und 68 eingebracht werden, sodass diese elektrisch
leitfähig wird.
[0057] Bei der Ausschaltung arbeitet bei dieser Ausführungsform des Hybridleistungsschalters
1 die erste Löschkammer 2 wie bereits früher beschrieben. Mittels der durch den Pfeil
73 angedeuteten elektronisch gesteuerten Triggerung wird die zweite Löschkammer 3
elektrisch leitend und führt, sobald der Trenner 72 geöffnet ist, den Ausschaltstrom
allein. In der Regel löscht die zweite Löschkammer 3 dann im nächsten Stromnulldurchgang
und hält dem ersten steilen Anstieg der wiederkehrenden Spannung stand. Die erste
Löschkammer 2 übernimmt dann etwas später die volle wiederkehrende Spannung. Für die
Aufteilung der wiederkehrenden Spannung auf die beiden Löschkammern 2 und 3 ist auch
hier eine der früher beschriebenen wirksamen Spannungssteuerungen vorgesehen.
BEZEICHNUNGSLISTE
[0058]
- 1
- Hybridleistungsschalter
- 2,3
- Löschkammer
- 4
- Längsachse
- 5
- Antriebsgestänge
- 6
- Getriebe
- 7
- Stützisolator
- 8
- Flansch
- 9
- Anschlussflansch
- 10
- Endflansch
- 11
- Löschkammergehäuse
- 12
- Endflansch
- 13
- Anschlussflansch
- 14
- Tragplatte
- 15
- Tragrohr
- 16
- Führungsteil
- 17
- Kontaktrohr
- 18
- Abbrandfinger
- 19
- Abbrandstift
- 20
- Verjüngung
- 21
- Führungspartie
- 22
- Düsenhalterung
- 23
- Gleitkontakte
- 24
- Kompressionsvolumen
- 25
- Rückschlagventil
- 26
- Ventilscheibe
- 27
- Löschkammervolumen
- 28
- Rückschlagventil
- 29
- Ventilscheibe
- 30
- Isolierdüse
- 31
- Verdickung
- 32
- Gleitkontakte
- 33
- Gehäuse
- 34
- Führungsteil
- 35
- Wirkungslinie
- 36
- beweglicher Kontakt
- 37
- Haltescheibe
- 38
- Zahnstange
- 39,40
- Zahnrad
- 41,42
- Stützrolle
- 43
- Hebel
- 44
- Anschlussteil
- 45
- feststehender Kontakt
- 46
- Isoliergehäuse
- 47
- Widerstandsbelag
- 48
- Lichtbogenraum
- 49
- Speichervolumen
- 50
- Öffnungen
- 51
- Strömungskegel
- 52
- Kontaktring
- 53
- Zylinder
- 54
- Führungsflansch
- 55
- Hülse
- 56
- Kolben
- 57
- Öffnungen
- 58
- Ventilscheibe
- 59
- Durchbrüche
- 60
- Bereich
- 61
- Fläche
- 62
- Blasvolumen
- 63
- Düsenengnis
- 64
- Hilfsdüse
- 65
- Kanal
- 66
- Abknickung
- 67,68
- Kontakte
- 69,70
- Wirkungslinie
- 71
- Nennstrombahn
- 72
- Trenner
- 73
- Pfeil
- R
- Radius des Düsenengnisses 63
- E
- Länge des Düsenengnisses 63
1. Hybridleistungsschalter (1) mit mindestens zwei in Reihe geschalteten, von einem gemeinsamen
Antrieb oder von separaten Antrieben betätigten, mit unterschiedlichen Löschmedien
gefüllten Löschkammern (2,3), wobei das Lösch- und Isoliermedium einer ersten Löschkammer
(2) eine zweite Löschkammer (3) isolierend umgibt, dadurch gekennzeichnet,
- dass Mittel vorgesehen sind, welche beim Ausschaltvorgang stets einen zeitlichen
Vorlauf der Bewegung der ersten Löschkammer (2) gegenüber der Bewegung der zweiten
Löschkammer (3) und beim Einschaltvorgang stets einen zeitlichen Vorlauf der Bewegung
der zweiten Löschkammer (3) gegenüber der Bewegung der ersten Löschkammer (2) sicherstellen,
- dass als Lösch- und Isoliermedium der ersten Löschkammer (2) ein druckbeaufschlagtes
Gas oder ein Gasgemisch verwendet wird, und
- dass als zweite Löschkammer (3) mindestens eine Vakuumschaltkammer vorgesehen ist.
2. Hybridleistungsschalter nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
- dass der beim Ausschalten auftretende Druckaufbau im Lösch- und Isoliermedium der
ersten Löschkammer (2) einen spezifischen kritischen Druckbereich nicht übersteigt,
sodass das Lösch- und Isoliermedium während des Beblasens des Lichtbogens stets mit
einer Strömungsgeschwindigkeit im Bereich unterhalb der Schallgeschwindigkeit strömt.
3. Hybridleistungsschalter nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
- dass die erste Löschkammer (2) eine Leistungsstrombahn und eine zu ihr parallele
Nennstrombahn aufweist, und
- dass die zweite Löschkammer (3) keine separate Nennstrombahn aufweist.
4. Hybridleistungsschalter nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
- dass sowohl die erste (2) als auch die zweite Löschkammer (3) eine Leistungsstrombahn
und eine zu ihr parallele Nennstrombahn aufweisen.
5. Hybridleistungsschalter nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet,
- dass als Lösch- und Isoliermedium in der ersten Löschkammer (2) reines SF6-Gas oder ein Gemisch von N2-Gas mit SF6-Gas eingesetzt wird oder ein Gemisch aus Druckluft mit anderen elektronegativen Gasen.
6. Hybridleistungsschalter nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet,
- dass als Lösch- und Isoliermedium in der ersten Löschkammer (2) ein Gemisch aus
CO2-Gas mit O2-Gas eingesetzt wird, wobei der O2-Anteil im Bereich von 5% bis 30% liegt, oder ein Gemisch aus CH4-Gas mit H2-Gas, wobei der H2-Anteil im Bereich von 5% bis 30% liegt.
7. Hybridleistungsschalter nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet,
- dass vorzugsweise ein Gasgemisch mit einem Anteil von 5% bis 50% SF6-Gas eingesetzt wird.
8. Hybridleistungsschalter nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet,
- dass der Fülldruck der ersten Löschkammer (2) im Bereich von 3 bar bis 22 bar, vorzugsweise
jedoch bei 9 bar, liegt.
9. Hybridleistungsschalter nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
- dass Mittel vorgesehen sind, die im Verlaufe eines Schaltvorgangs eine sinnvolle
Spannungsverteilung über die erste (2) und die zweite Löschkammer (3) gewährleisten.
10. Hybridleistungsschalter nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet,
- dass ohmisch-kapazitive Mittel für die Spannungsverteilung über die erste (2) und
die zweite Löschkammer (3) vorgesehen sind.
11. Hybridleistungsschalter nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet,
- dass die zweite Löschkammer (3) mit einem ohmschen Widerstand starr überbrückt ist.
12. Hybridleistungsschalter nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet,
- dass der Wert des ohmschen Widerstands im Bereich zwischen 10 und 500 kΩ liegt,
dass er vorzugsweise jedoch 100 kΩ beträgt.
13. Hybridleistungsschalter nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
- dass beim Ausschalten der zeitliche Vorlauf Tv der Bewegung der ersten Löschkammer (2) gegenüber der zweiten Löschkammer (3) durch
folgende Beziehung definiert wird:

wobei tLibo min die für die erste Löschkammer (2) minimal mögliche Lichtbogenzeit ist und t1 eine Zeit im Bereich von 2 ms bis 4 ms ist.
14. Hybridleistungsschalter nach einem der Ansprüche 1 bis 13, dadurch gekennzeichnet,
- dass das für die Beblasung des Lichtbogens in der ersten Löschkammer (2) nötige
druckbeaufschlagte Gas
- a) in einem Kompressionsvolumen (24) oder
- b) in einem mit einem separaten Speichervolumen (49)für die Speicherung des durch
Lichtbogenunterstützung erzeugten Gasanteils zusammenwirkenden Kompressionsvolumen
(24) oder
- c) in einem teilweise komprimierbaren Speichervolumen (49) für die Speicherung des
durch Lichtbogenunterstützung erzeugten Gasanteils oder
- d) in einem nur teilweise komprimierbaren Blasvolumen (62) ohne Lichtbogenunterstützung
erzeugt wird.
15. Hybridleistungsschalter nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet,
- dass der Dimensionierungsparameter F für das Düsenengnis (63) der Isolierdüse (30)
für die Variante des Hybridleistungsschalters (1) bei der das für die Beblasung des
Lichtbogens in der ersten Löschkammer (2) nötige druckbeaufschlagte Gas in einem nur
teilweise komprimierbaren Blasvolumen (62) ohne Lichtbogenunterstützung erzeugt wird,
aus der folgenden Beziehung bestimmt wird:

wobei α ein vom Material der Isolierdüse (30) abhängiger Faktor ist, wobei Imax der maximal abzuschaltende Strom in kA ist, wobei E die Länge des Düsenengnisses
(63) in mm ist und wobei R der Radius des Düsenengnisses (63) in mm ist.
16. Hybridleistungsschalter nach Anspruch 15, dadurch gekennzeichnet,
- dass der Dimensionierungsparameter F beim Einsatz des Düsenmaterials PTFE mit beigemengtem
Molybdänsulfid für die Isolierdüse (30) im Bereich von (0,5-1) kA2/mm3 liegt.
17. Hybridleistungsschalter nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
- dass die zweite Löschkammer (3) als TVG (Triggered Vacuum Gap) ausgebildet ist.
18. Hybridleistungsschalter (1) mit mindestens zwei in Reihe geschalteten, von einem gemeinsamen
Antrieb oder von separaten Antrieben betätigten, mit unterschiedlichen Löschmedien
gefüllten Löschkammern (2,3), wobei das Lösch- und Isoliermedium einer ersten Löschkammer
(2) eine zweite Löschkammer (3) isolierend umgibt, dadurch gekennzeichnet,
- dass Mittel vorgesehen sind, welche beim Ausschaltvorgang stets einen zeitlichen
Vorlauf der Bewegung der ersten Löschkammer (2) gegenüber der zweiten Löschkammer
(3) und beim Einschaltvorgang stets einen zeitlichen Vorlauf der Bewegung der zweiten
Löschkammer (3) gegenüber der ersten Löschkammer (2)sicherstellen,
- dass als Lösch- und Isoliermedium der ersten Löschkammer (2) ein druckbeaufschlagtes
Gas oder ein Gasgemisch verwendet wird, und
- dass die beiden Löschkammern (2,3) unterschiedliche Löschmedien aufweisen.
19. Hybridleistungsschalter nach Anspruch 18, dadurch gekennzeichnet,
- dass als Lösch- und Isoliermedium der ersten Löschkammer (2) ein Gas oder ein Gasgemisch
verwendet wird, und
- dass als zweite Löschkammer mindestens ein schaltbarer Leistungshalbleiter vorgesehen
ist.
20. Verfahren für das Ausschalten eines Hybridleistungsschalters, dadurch gekennzeichnet:
a) dass stets die erste Löschkammer (2) zeitlich vor der zweiten Löschkammer (3) öffnet,
b) dass der beim Ausschalten auftretende Druck im Lichtbogenraum (48) einen spezifischen
kritischen Druckbereich nicht übersteigt,
c) dass die Beblasung des Lichtbogens mit einer Strömungsgeschwindigkeit im Bereich
unterhalb der Schallgeschwindigkeit erfolgt,
d) dass der nach dem Erlöschen des Lichtbogens folgende erste steile Anstieg der wiederkehrenden
Spannung überwiegend durch die zweite Löschkammer (3) gehalten wird, und
e) dass im weiteren Verlauf die erste Löschkammer (2) den überwiegenden Anteil der
anliegenden Spannung hält.
21. Verfahren nach Anspruch 20, dadurch gekennzeichnet:
- dass während des Ausschaltvorgangs die Spannungsverteilung über den beiden Löschkammern
(2,3) mittels einer ohmisch-kapazitiven oder einer ohmschen Steuerung erreicht wird.
22. Verfahren nach Anspruch 20, dadurch gekennzeichnet:
- dass dabei ein Hybridleistungsschalter (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 19 eingesetzt
wird.