Technisches Gebiet
[0001] Die Erfindung geht aus von einer Glaskolbenzünder-Rohform gemäß dem Oberbegriff des
Anspruchs 1. Es handelt sich dabei insbesondere um eine Rohform zur Anwendung in der
Sicherheitstechnologie bei Kfz-Anwendungen, insbesondere bei Airbag-Modulen oder bei
Rückhaltesystemen wie beispielsweise Gurtstraffern. Weiter umfaßt die Erfindung auch
den aus der Rohform hergestellten Glakolbenzünder.
Stand der Technik
[0002] Aus der US-A 5 944 342 ist bereits ein Airbagmodul für Kfz-Anwendungen bekannt, jedoch
mit konventionellem Zünder.
Darstellung der Erfindung
[0003] Es ist Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine Glaskolbenzünder-Rohform gemäß dem
Oberbegriff des Anspruchs 1 bereitzustellen, die die Funktionssicherheit verbessert,
insbesondere die Zündsicherheit und Dichtheit.
[0004] Diese Aufgabe wird durch die kennzeichnenden Merkmale des Anspruchs 1 gelöst. Besonders
vorteilhafte Ausgestaltungen finden sich in den abhängigen Ansprüchen.
[0005] Bekannte Zünder in Kunststoffausführung werden durch Umwelteinflüsse stark beeinträchtigt.
Die Kunststoffhülle ummantelt eine Glühbrücke aus Messingblech. Das offene Ende der
Kunststoffhülle wird mit O-Ringen abgedichtet.
[0006] Der erfindungsgemäße Glaskolbenzünder ist jedoch vakuumdicht und feuchtigkeitsdicht
über eine Lebensdauer von 15 Jahren und in einem Temperaturbereich zwischen -45 und
80°C.
[0007] Zu diesem Zweck ist die Hülle ein zylindrischer Kolben aus Glas und die Zuleitungen
sind in das Glas eingeschmolzen anstatt nur mechanisch abgedichtet. Die Glühbrücke
ist ein Drahtstift, der auch gewendelt sein kann ähnlich wie aus der Lampenindustrie
bekannt. Einer Wendel können aufgrund ihrer filigranen Struktur wohldefinierte Eigenschaften
hinsichtlich ihres Widerstands zugeordnet werden, wodurch eine exakt definierte Ansprechzeit
des Glaskolbenzünders erzielt wird.
[0008] Der erfindungsgemäße Glakolbenzünder besteht aus einem zylindrischen Kolben mit einem
Innendurchmesser zwischen 4 und 5,5 mm ?? und einem Gestell, das in das zweite Ende
eingeschmolzen ist, wobei das Gestell in seinem abgedichteten Teil aus einem oder
mehreren glasverträglichen Werkstoffen besteht. Insbesondere kann dies die Kombination
Hartglas (bzw. Weichglas) und hinsichtlich des Ausdehnungskoeffizienten angepaßter
metallischer Werkstoff sein. Eine zweite Variante ist Quarzglas und ein Gestell, das
zusätzlich eine Folie in der Abdichtung, bevorzugt aus Molybdän, umfaßt.
Figuren
[0009] Im folgenden soll die Erfindung anhand mehrerer Ausführungsbeispiele näher erläutert
werden. Es zeigen:
- Figur 1
- ein Glaskolbenzünder-Rohform, im Schnitt, (Figur 1a) und um 90° gedreht (Figur 1b);
- Figur 2
- das Gestell mit Glühbrücke im Detail;
- Figur 3
- einen fertigen Glaskolbenzünder.
Beschreibung der Zeichnungen
[0010] Figur 1 zeigt eine Rohform 1. Sie besteht aus einem zylindrischen Kolbenrohr 2 aus
Hartglas (beispielsweise Schott 8252 und 8253 oder Corning 1724) mit einem Außendurchmesser
von 6,1 mm und einer Gesamtlänge von 55 mm. Die Wanddicke ist etwa 0,9 mm. Das erste
Ende 3 des Kolbens 2 ist offen zur weiteren Verarbeitung. Das zweite Ende 4 ist mit
einer Quetschung verschlossen, in der ein Gestell 5 gasdicht eingeschmolzen ist. Es
besteht aus zwei äußeren Stromzuführungen 6 mit einem Durchmesser von 0,7 bis 1,5
mm aus Eisen oder Nickel (oder FeNi-Legierung) und zwei stumpf daran angeschweißten
inneren Elektroden 7 mit einem Durchmesser von 0,4 mm aus Molybdän. Diese sind am
freien Ende zu einem Spatenstück 8 flachgedrückt, und zwar über eine Länge von 3 mm
und eine Breite von 0,4 mm. Etwa die Hälfte des Spatenstücks ist umgebogen um eine
als Draht ausgebildete Glühbrücke 9 an ihren Enden zu haltern. Die Glühbrücke 9 ist
ungewendelt und besteht aus 20 bis 35 µm dickem Konstantandraht.
[0011] Wesentlich für das zuverlässige Funktionieren des Glaskolbenzünders ist der im Gestell
samt Glühbrücke gebildete ohmsche Widerstand. Die Abmessungen der Einzelkomponenten
(Figur 2) sind so gewählt, daß der gesamte Widerstand 2 Ω beträgt mit einer Toleranz
von höchstens ± 0,2 Ω Abweichung. Wesentlich dafür ist u.a. die Einhaltung eines präzisen
Abstands zwischen den beiden Spatenstücken, der 2,0 mm beträgt. Außerdem ist wichtig,
daß das Spatenstück einen sehr guten Kontakt zu den Enden der Wendel gewährleistet
um den Kontaktwiderstand zu minimieren. Dieser kann bevorzugt durch Laserschweißen
oder Widerstandsschweißen realisiert werden. Wesentlich für den gesamten Widerstand
ist der Beitrag der Glühbrücke und die sorgfältige Wahl ihrer Abmessungen. Der Beitrag
des Gestells, insbesondere der Stromzuführungen und Elektroden, liegt lediglich im
Bereich von weniger als 10 mΩ. Da es bei Glaskolbenzündern auf die Ansprechzeit entscheidend
ankommt, die nicht länger als 4 ms sein darf, wird ein Draht von maximal 45 µm Dicke
gewählt, bevorzugt sind 25 bis 35µm, insbesondere 28 - 32 µm. Als Untergrenze empfiehlt
sich ein Wert von 20 µm, da sonst die Stabilität des Glühdrahts leidet. Enscheidend
ist letztlich die Masse des Glühdrahts.
[0012] Durch diese Abmessungen der Glühbrücke wird sichergestellt, daß sich in der geforderten
kurzen Zeit (höchstens 4 ms) die Temperatur (300 °C) entwickelt, die notwendig ist,
um den Sprengstoff zu zünden.
[0013] Diese Rohform kann anschließend zum Füllen versandt werden und dann am ersten Ende
verschlossen werden.
[0014] Der Durchmesser des Kolbens ist von wesentlicher Bedeutung, da er groß genug sein
muß, um ein Befüllen mit Sprengstoff durch das erste Ende des Kolbens sauber und zuverlässig
zu ermöglichen. Das Befüllen muß so erfolgen, daß der Sprengstoff zuverlässig das
zweite Ende des Kolbens erreicht und kein Sprengstoff an der Innenwand des Kolbens
hängenbleibt. Daher ist ein Innendurchmesser des Kolbens von mindestens 4 mm erforderlich.
Er sollte andererseits höchstens 4,5 mm betragen. In der Praxis wird ein Wert möglichst
in der Nähe der Obergrenze angestrebt.
[0015] Das Volumen des am ersten Ende 3 noch offenen Kolbens 2 wird dabei zunächst mit Füllmaterial
10 beaufschlagt, insbesondere wird das Volumen zu etwa 30% mit Sprengstoff und evtl.
weiteren Füllstoffen wie Treibsatz oder Lösungsmittel gefüllt, und zwar mindestens
so, daß die Glühbrücke 9 bedeckt ist. Der Abstand der Glühbrücke, die quer zur Achse
des Kolbens angeordnet ist, von der Wandung am ersten Ende liegt bei 0,2 bis 0,8 mm.
Anschließend wird evtl. das Lösungsmittel durch Trocknen entfernt und der fertige
Glakolbenzünder dadurch vollendet, daß das erste Ende an Luft zugeschmolzen wird.
Das Füllen erfolgt beispielsweise direkt mittels Pumpkanüle oder indem der Sprengstoff
als Emulsion (mit Lösungsmittel) aufbereitet wird (aber auch Kanüle?).
[0016] Im fertigen Anwendungssystem im Kfz wird die Zündung mittels Stromdurchgang am Glühdraht
veranlaßt. Eine Fehlzündung ist mit dem Glaskolbenzünder praktisch ausgeschlossen.
[0017] In einer weiteren Ausführungsbeispiel besteht der Kolben aus Weichglas, insbesondere
Bleiglas (Ph 291) oder auch Natronkalkglas (Ph 360) und die Elektroden aus an sich
aus der Lampenindustrie bekanntem F-Draht oder Dumetdraht (Nickel-Eisen-Legierung,
beispielsweise Vacovit).
1. Glaskolbenzünder-Rohform mit einem zylindrischen Kolben (2) mit zwei Enden, dessen
erstes Ende offen ist, und mit einer Glühbrücke (9) im Kolben, die mittels eines Gestells
(5) im Kolben gehaltert ist, dadurch gekennzeichnet, daß der Kolben aus Hartglas,
Weichglas oder Quarzglas besteht, wobei das Gestell (5) in dem zweiten Ende eingeschmolzen
ist, wobei das Gestell aus zwei Zuleitungen besteht, die die Glühbrücke (9) haltern,
wobei das Material des Kolbens und der Zuleitungen so aufeinander abgestimmt sind,
daß das zweites Ende vakuumdicht abgedichtet ist.
2. Glaskolbenzünder-Rohform nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Glühbrücke
(9) ein Drahtstift oder ein Wendeldraht ist.
3. Glaskolbenzünder-Rohform nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß jede Zuleitung
zumindest eine äußere Stromzuführung und eine innere Elektrode umfaßt.
4. Glaskolbenzünder-Rohform nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das eine Ende
der Elektrode zu einem Spatenstück verbreitert ist, das zur Halterung des Endes der
Glühbrücke dient.
5. Glaskolbenzünder-Rohform nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Durchmesser
des Wendeldrahts 20 bis 35 µm beträgt.
6. Glaskolbenzünder-Rohform nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Innendurchmesser
des Kolbens 4 bis 4,5 mm beträgt.
7. Glaskolbenzünder-Rohform nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Widerstand
des Gestells mit Glühbrücke 2 ± 0,2 Ω beträgt.
8. Glaskolbenzünder-Rohform nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Abstand
zwischen den Elektroden etwa 2 mm beträgt und die Breite der Spatenstücke etwa 0,4
mm beträgt.
9. Glaskolbenzünder, gebildet aus einer Rohform nach Anspruch 1, wobei das erste Ende
abgedichtet ist und der Kolben zumindest Sprengstoff enthält, wobei die Glühbrücke
vollständig mit Sprengstoff bedeckt ist.