[0001] Transporte im öffentlichen und privaten Verkehr verursachen Luftschallemissionen
die subjektiv als Verkehrslärm wahrgenommen werden; gelegentlich sogar in einem Ausmass,
das für menschliches Leben nicht nur störend, sondern sogar gesundheitsschädigend
ist. Diese Lärmpollution muss daher in den betroffenen Wohn- und Arbeitsgebieten reduziert
werden. Der technische Fortschritt - auch gefordert durch gesetzliche Vorschriften
für die Zulassung von neuen Fahrzeugen - ermöglicht Eisenbahnzüge und Automobile mit
geringeren Luftschallemissionen; zum Beispiel dank neuer Materialien für Bremsklötze
und Bremsbeläge, aerodynamischer Formgebung, verbesserter Pneumatik für Räder und
Aufhängung, geschweisster Schienenstösse, glätterer Strassenbeläge und anderen konstruktiven
Mitteln. Aber selbst wenn beispielsweise auch angestrebt würde, den gesamten Verkehr
auf lautlose Gummiräder, rollend auf lautlosen Schienen und Strassen, umzustellen,
so würde der Verkehrsluftschall - übrigens auf eine sehr teure Art - auch dort gedämpft,
wo er eigentlich gar nicht stört. Trotz allen möglichen Neukonstruktionen und den
entsprechenden Renovationen an altem Rollmaterial verbleiben ja selbstverständlich
die vielen älteren, und damit lärmigeren, Güterzüge, Last- und Privatfahrzeuge im
Gebrauch. Diese, zusammen mit dem gesamthaft steigenden Verkehrsvolumen, bewirken,
dass die Lärmemissionen an gewissen Stellen eben doch die Grenze des Erträglichen
überschreiten.
Stand der Technik
[0002] Zur Sanierung dieser Lärmpollution werden vielfach - gemäss heutigem Stand der Technik
- entlang von Schienen und Strassen Lärmschutzwände aufgestellt oder auch einfach
die betreffenden Fenster isoliert. Solche Lärmschutzwände lenken zwar mit einiger
Effizienz den Lärm ab, aber sie absorbieren ihn nicht oder nur teilweise ... und verunstalten
ausserdem die Landschaft.
[0003] Verschiedene Massnahmen zur Luftschalldämpfung, vornehmlich beim schienengebundenen
Verkehr auf festen, schotterlosen, Fahrbahnen, sind bislang vorgeschlagen worden.
Sie betreffen, wie z.B. EP 742 318, den Einbau von verschiedenartig geformten Packungen,
welche luftschall-absorbierende Materialien enthalten.
Detaillierte Darstellung
[0004] In einer- von uns in Auftrag gegebenen - Studie an der École Polytechnique Fédérale
de Lausanne, wurde Steinwolle als poröses, loses, zur Absorption von Luftschall geeignetes
Material, im Bereich zwischen 500Hz und 2kHz untersucht; also im Frequenz-Bereich
der wesentlichen Luftschallemissionen von fahrenden Eisenbahnzügen. Das Studium der
Parameter Dichte, Porosität und Schichtdicke zeigt, dass diese zur Luftschalldämpfung
im Eisenbahnbereich optimiert werden können, und dass die Luftschall-Absorptionswerte
vergleichbar sind mit denjenigen von Schneedecken.
[0005] Das Verfahren zur Verkehrs-Luftschall-Dämpfung gemäss der vorliegenden Erfindung
wird dort eingesetzt, wo der Lärm wirklich stört, und es wirkt dabei primär durch
eine Luftschall-Absorption direkt an, beziehungsweise so nahe wie möglich, den Luftschallquellen.
Die Dämpfung durch Absorption wird allein oder verbunden mit Konstruktionen zur Lärmablenkung
eingesetzt.
[0006] Die Aufgabe der Lärmdämpfung wird gelöst durch die im kennzeichnenden Teil des Anspruchs
1 genannten Merkmale; bevorzugte Ausführungen ergeben sich aus den abhängigen Ansprüchen.
Das luftschall-absorbierende Material, vorzugsweise also Steinwolle, wird auf und
neben dem schon vorhandenen Fahrweg haftend aufgebracht, wobei, speziell beim vorzugsweise
geschotterten Eisenbahnbett, die Absorptionsschicht beidseitig bündig an den Schienen
haftet. Die Schicht ist also bei der Anwendung im Eisenbahnverkehr im direkten Kontakt
mit der Luftschallquelle, das heisst der Schiene, sowie zwischen und ausserhalb der
Schienenstränge, installiert; dies bewirkt eine grosse Dämpfungseffizienz.
[0007] Auch zur Bekämpfung des Strassenverkehrslärms wird die Luftschall-Absorptions-Schicht
zur Effizienzsteigerung so nahe wie möglich an der Luftschallquelle installiert, das
heisst, auf die unbefahrbaren Stellen: also auf Mittelstreifen und die Randstreifen
anschliessend an die Standspuren, die Leitplanken oder anderen Abgrenzungen. Von dort
wird die Schicht weitergeführt, und gegebenenfalls auch auf eine bestehende Lärmschutzwand
- zur Verbesserung ihrer Wirksamkeit - hinaufgezogen, oder aber kombiniert mit einer
neu zu bauenden, luftschall-ablenkenden Struktur vom Typ « half-pipe ». Die Eisenbahn-
und Strassenverkehrs-Luftschallemissionen können also, ausser dort wo die Lärmschutzwände
schon stehen, auch ohne deren störende Sichtbehinderungen gedämpft werden.
Zeichnungen
[0008] Figur 1 zeigt schematisch die Anordnung der Luftschall-Absorptions-Schicht (1) bei einer
eingleisigen Bahn. Die luftschall-absorbierende Schicht wird dabei bündig an die Schienen
(2) verlegt und auch über Schotterbett (3), Schwellen (4) und dem natürlichem Baugrund
(5) haftend ausgebreitet.
[0009] Figur 2 zeigt die Integration der Luftschall-Absorptions-Schicht (1) bei einer Autobahn mit
neuer oder bestehender Lärmschutzwand. Das luftschall-absorbierende Material wird
an der Lärmschutzwand (6) hochgezogen, aber auch auf Mittel- (7) und Randstreifen
(8), sowie um allfällige Leitplanken (9) herum verlegt.
[0010] Figur 3 zeigt schematisch am Beispiel der Eisenbahn eine Luftschall-Absorptions-Schicht (1)
verlegt und kombiniert mit einer « half-pipe-Luftschallablenkung ». Die Luftschall-Absorptions-Schicht
wird auf einer parabolisch gekrümmten und fest verankerten Struktur (10) aufgebracht,
deren Formgebung, den örtlichen Verhältnissen gemäss, für eine optimale Luftschall-Ablenkung
gewählt wird. Die Tragstruktur selbst besteht aus entsprechend geformten Gittern mit
verankerten Stützen und/oder entsprechend geformtem Baugrund.
Ausführungen
[0011] Besonders vorteilhaft wird die Ausführung der Luftschall-Absorptions-Schicht aus
einem Material, das sich nicht nur durch eine hohe Absorption auszeichnet, sondern
das gleichzeitig auch (i) wasser- und luftdurchlässig, (ii) nicht oder nur sehr langsam
abbaubar, (iii) formbeständig, (iv) beliebig formbar, (v) ungiftig für Menschen, Tiere
und Pflanzen, (vi) nicht brennbar, (vii) farblich anpassungsfähig, (viii) am Boden
haftend und/oder an Trägern verankert und (ix) somit gegen Fahrt- und Sturm-Winde
gesichert ist. Die Summe dieser Eigenschaften findet sich beispielsweise nahezu vereint
in der speziell zur Wärmeisolation verwendeten Steinwolle, die daher als Ausgangsmaterial
für die Herstellung von Luftschall-Absorptions- Schichten verwendet wird. Ausser der
Steinwolle können aber auch andere - natürlich vorkommende oder synthetisch hergestellte,
organische oder mineralische - Stoffe zur Herstellung von Luftschall-Absorptions-Schichten
verwendet werden.
[0012] Die Herstellung der - hier als Beispiel aufgeführten - Steinwolle selbst erfolgt
mit dem bekannten Schmelz-Verfahren in einer Bessemer-Birne mit nachfolgendem Spray-Verfahren
zur Gewinnung der Steinwolle aus der geschmolzenen Gesteinsmasse.
[0013] Die Luftschall-Absorptions-Schichten auf Steinwoll-Basis werden beispielsweise auf
die folgenden drei Arten hergestellt und vor Ort eingebracht:
A: Die Steinwolle wird in der Fabrik als Granulat hergestellt, verpackt und auf die,
für die Arbeit auf Schiene und Strassen angepassten, Montagefahrzeuge geliefert. Diese
bearbeiten dann die Strecken an denen der Verkehrsluftschall gedämpft werden muss.
Das Granulat wird dazu maschinell gelockert, mit den nötigen Binde- und Haftstoffen
gemischt und beispielsweise mit einem Luftstrahl an der Einbaustelle zur fertigen
Luftschall-Absorptions-Schicht gespritzt.
B: Anstatt die Steinwolle durch das Spray-Verfahren im Schmelzwerk zu produzieren,
wird dort die geschmolzene Gesteinsmasse abgekühlt und, daher in kompakter Form, auf
das Montagefahrzeug gebracht. Dieses Ausgangsmaterial wird dort zum Beispiel in einem
Lichtbogen kontinuierlich geschmolzen und durch die klassische Spraytechnik und unter
Beigabe der Zusatzstoffe, gleich vor Ort zur steinwollehaltigen Luftschall-Absorptions-Schicht
verarbeitet.
C: Die klassische Fabrikation von Steinwollplatten gibt auch die Möglichkeit, die
Luftschall-Absorptions-Schicht in der Form von Plattenelementen jeglicher Art im Fabrikbetrieb
vorzubereiten. Die Plattenelemente werden dann vom Montagefahrzeug aus - eventuell
in Kombination mit einem Spritzverfahren - verlegt, verbunden und verankert.
[0014] Die nötige Formbeständigkeit der Luftschall-Absorptions-Schichten wird erzeugt durch
die Beigabe von Haft- und Klebestoffen entsprechend den verschiedenen Herstellungsarten.
Desgleichen werden zur Befestigung der Schichten am gewachsenen Boden, an Mauern,
Wänden, Schwellen, Leitplanken, Tragkonstruktionen, u.s.w., die hinlänglich bekannten
Verankerungs- und Klebetechniken eingesetzt. Das Einbringen vor Ort durch die Verfahren
A und B ermöglicht speziell die Berücksichtigung der lokalen Gegebenheiten wie Signalanlagen,
Sichtkontrollstellen, etc. . Auf die gleiche Art erfolgt auch die Nachbesserung schadhafter
Stellen.
[0015] Die Dicke und die Dichte der Luftschall-Absorptions-Schicht sind die zwei wesentlichen
Parameter zur Bestimmung der besten Absorptionseigenschaften bei einem vorgegebenen
Luftschallspektrum; die andern notwendigen Eigenschaften werden mit-optimiert. Die
Luftschall-Absorptions-Schicht kann auch durch entsprechende Hohlräume zwei- oder
mehrlagig gestaltet werden. Im Eisenbahnbetrieb wird die Schichtdicke auch durch die
Höhe der Schiene und durch das Rollmaterial bestimmt; ausserhalb dieser technischen
Grenzen ist sie frei wählbar.
1. Verfahren zur Dämpfung des Luftschalls verursacht durch rollenden Schienen- und Strassenverkehr
in Streckenabschnitten in denen die Luftschallemissionen reduziert werden müssen,
dadurch gekennzeichnet, dass mindestens eine Schicht von porösem, zur Absorption von Luftschall geeigneten Material,
auf und neben dem schon bestehenden oder zu bauenden Fahrweg, in unmittelbarer Nähe
der Lärmquellen, aus Halbfabrikaten, vor Ort den lokalen Verhältnisssen angepasst,
hergestellt und haftend aufgebracht wird.
2. Verfahren gemäss Anspruch 1., dadurch gekennzeichnet, dass vorzugsweise Steinwolle mit entsprechenden Zusätzen als Luftschall-Absorptionsmaterial
verwendet wird.
3. Verfahren gemäss einem der Ansprüche 1. bis 3., dadurch gekennzeichnet, dass die Luftschall-Absorptions-Schicht auf gewachsenem oder auf baulich verändertem Boden
haftend aufgebracht wird.
4. Verfahren gemäss einem der Ansprüche 1. bis 3., dadurch gekennzeichnet, dass die Luftschall-Absorptions-Schicht zusätzlich zur Luftschall-Ablenkung auch auf parabolförmig
gekrümmten Strukturen vom Typ « half-pipe » haftend aufgebracht wird.
5. Verfahren gemäss einem der Ansprüche 1. bis 3., dadurch gekennzeichnet, dass die Luftschall-Absorptions-Schicht auch auf bestehende oder neue Lärmschutzwände
haftend aufgebracht wird.
6. Verfahren gemäss einem der Ansprüche 1. bis 5., dadurch gekennzeichnet, dass die Luftschall-Absorptions-Schicht durch Sprüh- und Spritztechniken hergestellt wird.
7. Verfahren gemäss einem der Ansprüche 1. bis 6., dadurch gekennzeichnet, dass die Luftschall-Absorptions-Schicht auch zwei- oder mehrschichtig mit entsprechenden
Hohlräumen gestaltet wird.
8. Verfahren gemäss Anspruch 1., dadurch gekennzeichnet, dass als Luftschall-Absorptionsmaterialien auch - organische oder anorganische, natürlich
vorkommende oder synthetisch hergestellte- Stoffe verwendet werden.
9. Anwendung des Verfahrens gemäss einem der Ansprüche 1. bis 8 zur Dämpfung der spezifischen
von Eisenbahnen emittierten Luftschallfrequenzen vorzugsweise auf geschotterten Eisenbahnbetten.
10. Anwendung des Verfahrens gemäss einem der Ansprüche 1. bis 8 zur Dämpfung der vom
Strassenverkehr emittierten Luftschallfrequenzen.