[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Stranggießen von Brammen, und insbesondere
von Dünnbrammen, in einer Stranggießanlage mit einer Strangführung, umfassend unterhalb
einer Kokille im lichten Abstand einstellbare Strangführungssegmente, insbesondere
mit Rollenpaaren, wobei zur Verminderung von Seigerungen und Kemporositäten der Gießstrang
im Bereich seiner Resterstarrung durch Anstellung der Strangführungssegmente in der
Dicke reduziert wird (Soft-Reduction).
[0002] Bei einem bekannten Verfahren (DE 41 38 740 A1) durchläuft der Strang eine Soft-Reduction-Strecke
bei deren Eintritt er noch nicht durcherstarrt ist, an deren Ende er jedoch durcherstarrt
sein soll, wofür u. a. die Gießgeschwindigkeit einen wesentlichen Betriebsparameter
darstellt. Im Bereich der Enderstarrung wird dabei eine Dickenreduktion bspw. für
Dünnbrammen zwischen 0,5 und 3 mm pro Meter Gießlänge durchgeführt. Dazu werden in
der Soft-Reduction-Strecke die Rollenpaare einzelner Segmente über das Schrumpfverhalten
des Stranges hinausgehend enger eingestellt, um im Bereich der Resterstarrung eine
Verbesserung der Strang-Innenqualität zu erreichen.
[0003] Die EP 0 834 364 beschreibt ein Verfahren und eine Vorrichtung für Hochgeschwindigkeits-Stranggießanlagen
mit einer Strangdickenreduktion während der Erstarrung, wobei Schmelze vorzugsweise
in eine oszillierende Kokille gegossen und der Strangquerschnitt linear über eine
Mindestlänge der Strangführung unmittelbar unter der Kokille, dem sogenannten Gießwalzen,
reduziert wird, mit sich anschließender weiterer Strang-Reduktion über die restliche
Strangführung, der "Soft-Reduction", bis maximal unmittelbar vor der Enderstarrung
bzw. Sumpfspitze. Durch diese verfahrenstechnischen Maßnahmen wird die Deformationsdichte
der Strangquerschnittsreduktion so vorgegeben, dass die kritische Deformation der
Strangschale unter Berücksichtigung der hohen Gießgeschwindigkeit und Stahlgüte nicht
überschritten wird.
[0004] Die EP 0 177 796 B1 offenbart ein Verfahren zum Führen und Richten eines Gießstranges
im Richt- und Auslaufbereich einer Bogenstranggießanlage, wobei gegenüberliegend angeordnete
Rollen von einer Federkraft gegen den ferrostatischen Druck des Gießstranges in einem
dem Gießverfahren entsprechenden Abstand gehalten werden. Dabei wird ein Gießstrangbereich
erhöhter Festigkeit wegverfolgt und bei dessen Durchlauf zwischen gegenüberliegenden
Rollen wird die jeweilige Federkraft durch eine geringere Zusatzkraft reduziert. Dieser
Vorschlag, nämlich den lichten Abstand bzw. die Maulweite über Hydraulikzylinder mit
eingebauter induktiver Wegemessung und Servoventilen stufenlos einzustellen, erfordert
eine rechnerische oder messtechnische Ermittlung der Lage der Sumpfspitze.
[0005] Die in Stranggießanlagen entsprechend den vorgenannten Dokumenten und den darin beschriebenen
Verfahren und Anlagen hergestellten Brammen oder Blöcke dienen als Ausgangsmaterial
für Walzwerksprodukte zum Erzeugen von Blechen oder Bändern.
[0006] Um beim Stranggießen, insbesondere von Dünnbrammen, Seigerungen im Strang zu verringern
und ein vergleichsweises optimales Gefüge zu erzielen, wird in der Strangführungs-Strecke
der Anlage im Bereich der Enderstarrung zwecks Dickenreduktion, z. B. zwischen 0,5
und 3 mm pro Meter Strang, das Oberjoch eines Strangführungssegmentes mit den darin
gelagerten Rollen zwischen Einlauf und Auslauf schräg angestellt, so dass auslaufseitig
eine kleinere Maulweite als einlaufseitig vorhanden ist. Dabei wird vielfach der Strang
im Bereich der Resterstarrung in der Dicke einschließlich der bereits durcherstarrten
Kantenbereiche reduziert. Dies führt jedoch zu einer unnötig erhöhten Belastung von
Rollen und ihren Lagerungen, ohne dass hierbei die Gefüge-Innenqualität im Kantenbereich
des Stranges beeinflusst wird.
[0007] Ausgehend von diesen Zusammenhängen und den sich daraus ergebenden Erkenntnissen
beim Stand der Technik liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, ein effektives Verfahren
zur Verbesserung des Strang-Innengefüges in dessen Reduktionsbereich der Resterstarrung
unter Vermeidung erhöhter Rollen- und Lagerbelastung anzugeben, welches hauptsächlich
auf die mittleren Partien des Stranges einwirkt und die bereits durcherstarrten, Randpartien
des Stranges bei der Verdichtungsarbeit ausspart.
[0008] Zur Lösung der Aufgabe wird mit der Erfindung bei einem Verfahren der im Oberbegriff
von Anspruch 1 genannten Art vorgeschlagen, dass der Gießstrang vor dem Bereich der
Soft-Reduction-Strecke durch entsprechende Maulweiten-Einstellung der Segmente infolge
des ferrostatischen Innendrucks mit einer gezielten Ausbauchung versehen wird, und
dass die Ausbauchung in der Segmentführung der Soft-Reduction-Strecke ganz oder teilweise
auf die Strangdicke zurückgedrückt wird, in der die Resterstarrung stattfindet.
[0009] Damit wird im Vergleich zum Stand der Technik und den bisherigen Verfahrenskonzepten
bei gleicher Dickenreduzierung und Kernverdichtung eine geringere Krafteinwirkung
erforderlich, und die Rollen- bzw. Lagerbelastung verringert, was der gesamten Stützkonstruktion
der Strangführung zugute kommt und darüber hinaus die Strangqualität infolge verminderter
Seigerungen und Kernporositäten signifikant verbessert bzw. bei unveränderter Krafteinwirkung
eine größere Dikkenreduzierung und Kernverdichtung ergibt.
[0010] Eine Ausgestaltung des Verfahrens sieht vor, daß der Gießstrang vor dem Bereich der
Soft-Reduction-Strecke bei veränderlich einstellbarer Maulweite der Segmente in wenigstens
einem Segment zuerst in einen Streckenbereich sich verringernder Maulweite im kernflüssigen
Bereich reduziert wird ("Liquid-Core-Reduction") und anschließend einen Streckenbereich
sich vergrößernder Maulweite durchläuft, und danach in weiteren Segmenten in eine
bis zur Sumpfspitze reichende Soft-Reduction-Strecke einmündet.
[0011] Weitere Ausgestaltungen des Verfahrens sind entsprechend den Unteransprüchen vorgesehen.
[0012] Einzelheiten, Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachstehenden
Erläuterung eines in den Zeichnungen schematisch dargestellten Ausführungsbeispiels.
Es zeigen:
- Figur 1
- in rein schematischer Darstellung einen Anfangsbereich einer Strangführung unterhalb
einer Kokille nach dem Stand der Technik lediglich mit einer Soft-Reduction-Strecke;
- Figur 2
- ein Stück einer Strangführung unterhalb einer Kokille mit sowohl einer Liquid-Core-Reduction-Strecke
und einen anschließenden Bereich mit einer Soft-Reduction-Strecke;
- Figur 3
- Querschnittskontur des Gießstranges
[0013] In der Figur 1 befindet sich unterhalb der Kokille 1 ein Stück einer Strangführung
mit den Segmenten 2.1, 2.2 und 2.3. Das Segment 2.2 ist unterteilt in die Segmentbereiche
2.2a und 2.2b. Alle Segmente weisen Führungsrollen 3, 3' auf und sind im lichten Abstand
zueinander einstellbar.
[0014] Zur Vermeidung von Seigerungen im Strang 4 bei dessen Erstarrung sowie zur Erzielung
eines dichten Gefüges wird bei diesem in einer Soft-Reduction-Strecke III der Strangführung
20 im Bereich der Enderstarrung eine Dickenreduzierung mit einer Marge zwischen 0,5
und 3 mm pro Meter durchgeführt.
[0015] Im Stammbaum des Gießstranges 4 der Figur 1 ist dargestellt, daß der Gießstrang vor
dem Bereich der Soft-Reduction-Strecke III durch entsprechende Maulweiten-Einstellung
der Rollen 3, 3' nach vor dem Bereich der Soft-Reduction-Strecke III gezielt eine
Ausbauchung 5 erhält, wonach die Ausbauchung 5 in der konisch angestellten Rollenführung
der Soft-Reduction-Strecke III auf diejenige Strangdicke reduziert wird, in der die
Resterstarrung stattfindet.
[0016] Damit wird ein effektives Verfahren zur Reduzierung von Seigerungen und zur Verdichtung
des Strang-Innengefüges in dessen Reduktionsbereich der Resterstarrung unter Vermeidung
erhöhter Rollen- und Lagerbelastung angegeben, welches hauptsächlich auf die noch
nicht vollständig durcherstarrten, insbesondere mittleren Partien des Stranges einwirkt
und das die bereits durcherstarrten Randpartien bei der Verdichtungsarbeit ausspart.
[0017] In Fig. 2 ist eine Ausgestaltung des Verfahrens nach der Erfindung dargestellt, wonach
der Gießstrang 4 vor dem Bereich der Soft-Reduction-Strecke bei veränderlich einstellbarer
Maulweite (W) der Rollen 3, 3' zuerst eine parallele Strecke 1 unterhalb der Kokille
1 in wenigstens einem ersten Segment 2.1 durchläuft. In einem folgenden Segment 2.2
wird zuerst in einem Streckenbereich 2a sich verringernder Maulweite (-W) eine "Liquid-Core-Reduction"
durchgeführt, anschließend durchläuft der Gießstrang einen Streckenbereich IIb sich
vergrößernder Maulweite (+W). Danach mündet der Gießstrang 4 in weiteren Segmenten
2.3 bis 2.4 bzw. 2.5 (nicht gezeigt) in eine bis zur Sumpfspitze reichende Soft-Reduction-Strecke
III ein. Der Bereich vergrößerter Maulweite +W der Strecke IIb der Figur 2 ist zwischen
den Bereichen von Liquid-Core-Reduction (lla) und Soft-Reduction III angeordnet.
[0018] Eine Ausgestaltung des Verfahren nach der Erfindung sieht vor, dass die Maulweite
W vor dem Bereich der Soft-Reduction III linear vergrößert wird. Es kann aber auch
von der Maßnahme Gebrauch gemacht sein, dass die Maulweite W vor dem Bereich III der
Soft-Reduction nicht-linear vergrößert wird.
[0019] Von Vorteil ist, dass bei der Herstellung von Dünnbrammen zur Vermeidung einer kritischen
Deformation der Strangschale die Vergrößerung der Maulweite W zwischen 1 und 8 mm
eingestellt wird.
[0020] Dagegen kann bei der Herstellung üblicher Brammen mit Brammendicken von bspw. 250
mm und mehr eine Vergrößerung der Maulweite (+W) zwischen 3 und 20 mm eingestellt
werden.
[0021] In Fig. 3 ist der Gießstrang im Querschnitt dargestellt. Die beidseitige Ausbauchung
5 entsteht durch eine vergrößerte Maulweiteneinstellung vor dem Bereich der Soft-Reduction-Strecke
III. Diese Ausbauchung 5 wird im Bereich der Soft-Reduction-Strecke III ganz oder
teilweise zurückgedrückt. Die durchgezogene Linie zeigt die Querschnittskontur des
ausgebauchten Stranges. Die gestrichelte Linie 5' zeigt die Kontur des Stranges nach
dem Verlassen der Soft-Reduction-Strecke.
1. Verfahren zum Stranggießen von Brammen, insbesondere von Dünnbrammen, in einer Stranggießanlage
mit einer Strangführung (20), umfassend unterhalb einer Kokille (1) im lichten Abstand
einstellbare Strangführungssegmente (2.1 - 2.n) insbesondere mit Rollenpaaren (3,
3'), wobei zur Verminderung von Seigerungen und Kernporositäten der Gießstrang (4)
im Bereich seiner Resterstarrung durch Anstellung der Strangführungssegmente in der
Dicke reduziert wird (Soft-Reduction),
dadurch gekennzeichnet,
dass der Gießstrang (4) vor dem Bereich der Soft-Reduction-Strecke (III) durch entsprechende
Maulweiten-Einstellung (W) der Segmente (2.1 bis 2.n) infolge des ferrostatischen
Innendrucks mit einer gezielten Ausbauchung (5) versehen wird, und dass die Ausbauchung
(5) in der Segmentführung der Soft-Reduction-Strecke ganz oder teilweise auf die Strangdicke
zurückgedrückt wird, in der die Resterstarrung stattfindet.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Maulweite (W) mindestens eines Segments (2.1 bis 2.n) vor der Soft-Reduction-Strecke
(III) auf ein Maß größer als die Austrittsdicke der Kokille (1) eingestellt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Gießstrang (4) vor dem Bereich der Soft-Reduction-Strecke (III) bei veränderlich
einstellbarer Maulweite (W) der Segmente (2.1 bis 2.n) in wenigstens einem Segment
(2.2) zuerst in einem Streckenbereich (IIa) mit sich verringernder Maulweite (-W)
im kernflüssigen Bereich reduziert wird ("Liquid-Core-Reduction") und anschließend
einen Streckenbereich (IIb) sich vergrößernder Maulweite (+W) durchläuft, und danach
in weiteren Segmenten (2.3 bis 2.n) in eine bis zur Sumpfspitze reichende Soft-Reduction-Strecke
(III) einmündet.
4. Verfahren nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Maulweite (W) wenigstens eines Segments (2.1 bis 2.n) vor der Soft-Reduction-Strecke
(III) auf ein größeres Maß eingestellt wird als die Strangdicke nach der Liquid Core
Reduction Strecke.
5. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Maulweiteneinstellung der Segmente (2.1 bis 2.n) parallel oder konisch zu dem
Gießstrang erfolgt.
6. Verfahren nach mindestens einem der vorhergehenden Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Maulweite (W) vor dem Bereich der Soft-Reduction (III) linear vergrößert wird.
7. Verfahren nach mindestens einem der vorhergehenden Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Maulweite (W) vor dem Bereich (III) der Soft-Reduction nicht-linear vergrößert
wird.
8. Verfahren nach mindestens einem der vorhergehenden Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass bei der Herstellung von Dünnbrammen die Vergrößerung der Maulweite (+W) zwischen
1 und 8 mm eingestellt wird.
9. Verfahren nach mindestens einem der vorhergehenden Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass bei der Herstellung von Brammen eine Vergrößerung der Maulweite (+W) zwischen 3 und
20 mm eingestellt wird.
10. Verfahren nach mindestens einem der vorhergehenden Ansprüche 1 bis 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Bereich vergrößerter Maulweite (+W) zwischen den Bereichen von Liquid-Core-Reduction
(lla) und Soft-Reduction (III) angeordnet wird.
11. Verfahren nach mindestens einem der vorhergehenden Ansprüche 1 bis 10,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Gießstrang (4) zuerst eine parallele Strecke (I) unterhalb der Kokille (1) in
wenigstens einem ersten Segment (2.1) durchläuft und sich der Streckenbereich (II
a) der Liquid-Core-Reduction und der Streckenbereich (III) der Soft-Reduction anschließen.