[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von festen Dosierungsformen
durch Herstellen eines plastischen Gemisches, das wenigstens einen Wirkstoff und wenigstens
ein polymeres Bindemittel enthält, und Formen des plastischen Gemisches zu den festen
Dosierungsformen in einem Formkalander mit zwei gegenläufig rotierenden Formwalzen.
[0002] Ein derartiges Verfahren ist z.B. aus der US-A-4,880,585 bekannt. Bei diesem Verfahren
wird eine wirkstoff- und bindemittelhaltige Masse mit einem Extruder plastifiziert,
und die erhaltene Schmelze wird einer Formgebung in einem Formkalander unterworfen.
Die Formwalzen des Formkalanders weisen auf ihrer Oberfläche Vertiefungen mit einander
entsprechenden Umrißlinien auf. Die Vertiefungen auf den Oberflächen der Formwalzen
treten an der Berührungslinie der Formwalzen kurzzeitig zu Formen für die wirkstoffhaltige
Schmelze zusammen und streben bei der Weiterrotation der Formwalzen anschließend wieder
auseinander, wobei die geformten Dosierungsformen freigegeben werden. Dieses Verfahren
weist bestimmte Nachteile auf. So müssen die Vertiefungen auf der Oberfläche der Formwalzen
mit ihren Umrißlinien bei der Formung des plastischen Gemisches genau übereinander
liegen, um einen vollständigen Formschluß zu erreichen. Bereits kleinste Verschiebungen
der Vertiefungen gegeneinander, z.B. im Bereich von wenigen Mikrometern, führen sofort
zu einem erkennbaren Versatz von Oberund Unterseite der Dosierungsform. Dies erfordert
einerseits eine hohe Präzision bei der Herstellung der Formwalzen, andererseits müssen
die Formwalzen im Kalander exakt im Gleichlauf zueinander bewegt werden. Dies ist
nur mit aufwendigen Maschinenkonstruktionen möglich. Die Herstellung der Formwalzen
ist aufwendig und kostenintensiv, weil in den Walzenoberflächen Kavitäten mit dreidimensionaler
Struktur vorzusehen sind. Dies gilt insbesondere, wenn kompliziertere Geometrien,
z.B. teilbare Tabletten mit einer Bruchkerbe, angestrebt sind. Aufgrund der Notwendigkeit
der genauen Ausrichtung der beiden Formwalzen bei den bekannten Formkalandrierungs-Verfahren
ist eine Segmentierung der Formwalzen in einzelne Walzenscheiben, die jeweils nur
eine oder wenige Spuren von Vertiefungen beinhalten und beliebig zu einer mehrspurigen
Walze kombiniert werden können, unmöglich, da durch die beim Kalandrieren auftretenden
Preßkräfte die Einzelsegmente leicht "verdrillt" werden. Diese Verdrillung führt jedoch
dazu, daß die Ober- und Unterhälften der Tablettenformen bei der Rotation nicht exakt
übereinander liegen. Die Segmentierung der Formwalzen ist jedoch wünschenswert, um
z.B. bei einer Beschädigung einzelner Kavitäten nur eine Walzenscheibe und nicht die
gesamte Walze austauschen zu müssen oder um verschiedene Formen in einer Walze beliebig
kombinieren zu können.
[0003] Es ist bereits vorgeschlagen worden, eine Formwalze, die auf ihrer Oberfläche Vertiefungen
trägt, mit einer zweiten Walze zu kombinieren, die keine Vertiefungen enthält (Glattwalze).
Hier entfällt die Notwendigkeit der exakten Ausrichtung der beiden Walzen zueinander.
Nachteilig ist hierbei jedoch, dass zumindest eine der beiden walzen nach wie vor
aufwendig hergestellt werden muß. Außerdem sind die Möglichkeiten der Gestaltung der
Tablettenformen bei dieser Kombination seht eingeschränkt.
[0004] Die DE4446470A offenbart ein Verfahren zur Herstellung von teilbaren Tabletten durch
Schmelzkalandrierung, wobei man zwei Formwalzen miteinander kombiniert, von denen
mindestens eine Vertiefungen mit mindestens einem Steg aufweist, der sich bis zur
Mantellinie der Formwalze erstreckt und die Formung einer Bruchrille bewirkt. Ein
Formkalander mit zwei gegenläufig rotierenden Formwalzen, die entlang ihres Umfangs
verlaufende Ringnuten und entlang ihres Umfangs verlaufende Kränze von radial sich
nach außen erstreckenden Zähnen aufweisen, die in die Ringnuten eingreifen können,
ist aus der WO97/36722A für die Brikettherstellung bekannt.
[0005] Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein einfaches und kostengünstiges
Verfahren zur Herstellung von festen Dosierungsformen bereitzustellen, bei dem keine
Probleme hinsichtlich eines Versatzes von Ober- und Unterhälfte der Dosierungsformen
auftreten.
[0006] Überraschenderweise wurde gefunden, dass diese Aufgabe gelöst wird, wenn die Formwalzen
auf ihrer Oberfläche so gestaltet sind, dass sie ineinander greifen können.
[0007] Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist daher ein Verfahren zur Herstellung von
festen Dosierungsformen durch
a) Herstellen eines plastischen Gemisches, das wenigstens einen Wirkstoff und wenigstens
ein polymeres Bindemittel enthält, und
b) Formen des plastischen Gemisches zu den festen Dosierungsformen in einem Formkalander
mit zwei gegenläufig rotierenden Formwalzen, dadurch gekennzeichnet, dass eine Formwalze
wenigstens eine entlang ihres Umfangs verlaufende Ringnut und die andere Formwalze
wenigstens einen entlang ihres Umfangs verlaufenden Kranz von radial sich nach außen
erstreckenden Zähnen aufweist, die in die Ringnut eingreifen können. Die Zähne sind
so geformt, dass sie bei maximalem Eingriff in die Ringnut den Querschnitt der Ringnut
im Wesentlichen vollständig ausfüllen, d.h. das Querschnittsprofil der Ringnut und
der Zähne sind im wesentlichen komplementär.
[0008] Durch das "Ineinandergreifen" der Formwalzen entfällt die Notwendigkeit der exakten
Ausrichtung der beiden Einzelwalzen zueinander, da nur eine Walze des Walzenpaars
eine winkelabhängige Oberflächenstruktur aufweist. Es ist daher möglich, wesentlich
einfachere Maschinenkonstruktionen für die die Formwalzen aufnehmenden Kalander zu
wählen.
[0009] Erfindungsgemäß zu verwendende Formwalzen sind als "Prismenwalzen" aus der Kompaktiertechnologie
bekannt. Es wird hierzu auf B. Pietsch, Aufbereitungs-Technik 3 (1970) S. 128-138,
verwiesen. Dort wird die Verwendung derartiger Walzen zum Verfestigen rieselfähiger
Schüttgüter zu Granulaten beschrieben. Probleme eines möglichen Versatzes zwischen
Ober- und Unterhälfte der gebildeten Komprimate sind in diesem Zusammenhang nicht
angesprochen.
[0010] Erfindungsgemäß zu verwendende Walzenpaare ermöglichen trotz der einfachen Walzenkonstruktion
eine beträchtliche Formenvielfalt der so hergestellten festen Dosierungsformen. Die
Variationsmöglichkeiten betreffen in erster Linie die Ausbildung der Ringnut und die
Ausbildung des Zwischenraums zwischen aufeinanderfolgenden Zähnen eines Kranzes. So
kann die Ringnut eine Reihe unterschiedlicher Querschnittsprofile (Projektion auf
eine Ebene, die die Walzenachse enthält) aufweisen. Die Ringnut kann einen rechteckigen,
dreieckigen, gerundeten oder einen sonstigen Querschnitt aufweisen. Im Allgemeinen
ist bevorzugt, dass die Ringnut zur leichteren Entformung der geformten Dosierungsformen
ein gerundetes Querschnittsprofil aufweist.
[0011] Das Längsprofil der Zwischenräume zwischen aufeinanderfolgenden Zähnen eines Kranzes
(d.h. die Projektion des Zwischenraums auf eine Ebene senkrecht zur Walzenachse) unterliegt
ebenfalls einer Variation. So können die Zwischenräume dreieckiges, parallelogrammförmiges,
gerundetes oder ein anderes Längsprofil aufweisen. Im Allgemeinen ist jedoch bevorzugt,
dass die Zwischenräume zwischen aufeinanderfolgenden Zähnen eines Kranzes ein gerundetes
Längsprofil aufweisen.
[0012] Die erhaltenen Dosierungsformen können auf diese Weise z.B. Prismenform, Prismenstumpfform,
Tetraederform oder Sattelkörperform aufweisen, wobei die Sattelkörperform bevorzugt
ist.
[0013] In einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens befindet sich
am Boden der Ringnut ein umlaufender Steg und die Zähne weisen eine entsprechende
Aussparung auf. Auf diese Weise ist die Herstellung teilbarer Tabletten, die auf einer
Seite ihrer Oberfläche eine Bruchkerbe aufweisen, möglich.
[0014] Zwischen aufeinanderfolgenden Zähnen eines Kranzes kann sich ebenfalls ein Steg befinden,
der sich nicht bis zur Mantelfläche der Walze erstreckt. Auf diese Weise ist ebenfalls
die Herstellung teilbarer Tabletten mit einer Bruchkerbe möglich.
[0015] Um das Entformen der gebildeten Dosierungsformen aus der Ringnut, bzw. den Zahnzwischenräumen
zu erleichtern, ist es möglich, den Anpreßdruck zwischen den beiden Formwalzen gering
zu halten oder einen geringen Abstand zwischen den Formwalzen, z.B. 0,1-1 mm, vorzusehen.
Auf diese Weise wird ein "Tablettenband" erhalten, in dem die einzelnen Dosierungsformen
noch über schmale Grate miteinander verbunden sind. Die einzelnen Dosierungsformen
können, insbesondere wenn das plastische Gemisch nach dem vollständigen Auskühlen
eine höhere Sprödigkeit zeigt, leicht voneinander getrennt werden. Es kann sich anbieten,
die erhaltenen Dosierungsformen anschließend zu entgraten.
[0016] Nach dem Formvorgang läßt man die Arzneiformen auskühlen und fest werden, z.B. auf
einem Kühlband.
[0017] Das vorliegende Verfahren zur Herstellung von festen Dosierungsformen umfaßt das
Herstellen eines plastischen Gemisches. Dies erfolgt in der Regel durch Vermischen
und Aufschmelzen von mindestens einem pharmakologisch akzeptablen polymeren Bindemittel,
mindestens einem pharmazeutischen Wirkstoff und gegebenenfalls üblichen pharmazeutischen
Additiven in Gegenwart oder Abwesenheit eines Lösungsmittels. Diese Verfahrensschritte
können auf bekannte Art und Weise durchgeführt werden.
[0018] Die Komponenten können zuerst vermischt und dann aufgeschmolzen und homogenisiert
werden. Insbesondere bei Verwendung von empfindlichen Wirkstoffen hat es sich aber
als bevorzugt erwiesen, zuerst das polymere Bindemittel, gegebenenfalls zusammen mit
üblichen pharmazeutischen Additiven, aufzuschmelzen und vorzuvermischen, wobei die
Rührkessel, Rührwerke, Feststoffmischer etc. gegebenenfalls im Wechsel betrieben werden,
und dann den (die) empfindlichen Wirkstoff(e) in "Intensivmischern" in plastischer
Phase bei sehr kleinen Verweilzeiten einzumischen (Homogenisieren). Der (die) Wirkstoff(e)
kann (können) in fester Form oder als Lösung oder Dispersion eingesetzt werden.
[0019] Das Aufschmelzen und Vermischen erfolgt in einer für diesen Zweck üblichen Vorrichtung.
Besonders geeignet sind Extruder oder beheizbare Behälter mit Rührwerk, z.B. Kneter,
(wie der unten noch erwähnten Art).
[0020] Als Mischapparat sind auch solche Vorrichtungen brauchbar, die in der Kunststofftechnologie
zum Mischen eingesetzt werden. Geeignete Vorrichtungen sind beispielsweise beschrieben
in "Mischen beim Herstellen und Verarbeiten von Kunststoffen", H. Pahl, VDI-Verlag,
1986. Besonders geeignete Mischapparaturen sind Extruder und dynamische und statische
Mischer, sowie Rührkessel, einwellige Rührwerke mit Abstreifvorrichtungen, insbesondere
sogenannte Pastenrührwerke, mehrwellige Rührwerke, insbesondere PDSM-Mischer, Feststoffmischer
sowie vorzugsweise Misch-Knetreaktoren (z.B. ORP, CRP, AP, DTB der Firma List oder
Reactotherm der Firma Krauss-Maffei oder Ko-Kneter der Fa. Buss), Doppelmuldenkneter
(Trogmischer) und Stempelkneter (Innenmischer) oder Rotor/Stator-Systeme (z.B. Dispax
der Firma IKA).
[0021] Bei empfindlichen Wirkstoffen erfolgt vorzugsweise zunächst das Aufschmelzen des
polymeren Bindemittels in einem Extruder und anschließend das Zumischen des Wirkstoffs
in einem Misch-Knetreaktor. Bei weniger empfindlichen Wirkstoffen kann man dagegen
zum intensiven Dispergieren des Wirkstoffs ein Rotor/Stator-System einsetzen.
[0022] Das Beschicken der Mischvorrichtung erfolgt je nach deren Konzeption kontinuierlich
oder diskontinuierlich in üblicher Weise. Pulverförmige Komponenten können im freien
Zulauf, z.B. über eine Differentialdosierwaage eingeführt werden. Plastische Massen
können direkt aus einem Extruder eingespeist oder über eine Zahnradpumpe, die insbesondere
bei hohen Viskositäten und hohen Drücken von Vorteil ist, zugespeist werden. Flüssige
Medien können über ein geeignetes Pumpenaggregat zudosiert werden.
[0023] Das durch Vermischen und Aufschmelzen des Bindemittels, des Wirkstoffes und gegebenenfalls
des Additivs oder der Additive erhaltene Gemisch ist teigig bis zähflüssig (thermoplastisch)
und daher auch extrudierbar. Die Glasübergangstemperatur des Gemisches liegt unter
der Zersetzungstemperatur aller in dem Gemisch enthaltenen Komponenten. Das Bindemittel
soll vorzugsweise in physiologischer Umgebung löslich oder quellbar sein. Beispiele
für geeignete Bindemittel sind:
[0024] Polyvinylpyrrolidon (PVP), Copolymerisate von N-Vinylpyrrolidon (NVP) und Vinylestern,
insbesondere Vinylacetat, Copolymerisate von Vinylacetat und Crotonsäure, teilverseiftes
Polyvinylacetat, Polyvinylalkohol, Polyhydroxyalkylacrylate, Polyhydroxyalkylmethacrylate,
Polyacrylate und Polymethacrylate (Eudragit-Typen), Copolymerisate von Methylmethacrylat
und Acrylsäure, Celluloseester, Celluloseether, insbesondere Methylcellulose und Ethylcellulose,
Hydroxyalkylcellulosen, insbesondere Hydroxypropylcellulose, Hydroxyalkyl-Alkylcellulosen,
insbesondere Hydroxypropyl-Ethylcellulose, Cellulosephthalate, insbesondere Celluloseacetatphthalat
und Hydroxypropylmethylcellulosephthalat, und Mannane, insbesondere Galactomannane.
Die K-Werte (nach H. Fikentscher, Cellulose-Chemie 13 (1932), Seiten 58-64, 71, 74)
der Polymere liegen im Bereich von 10 bis 100, vorzugsweise 12 bis 70, insbesondere
12 bis 35, für PVP > 17, insbesondere 20 bis 35.
[0025] Bevorzugte polymere Bindemittel sind Polyvinylpyrrolidon, Copolymerisate von N-Vinylpyrrolidon
und Vinylestern, Polyhydroxyalkylacrylate, Polyhydroxyalkylmethacrylate, Polyacrylate,
Polymethacrylate, Alkylcellulosen und Hydroxyalkylcellulosen. Das polymere Bindemittel
muß in der Gesamtmischung aller Komponenten im Bereich von 50 bis 180°C, vorzugsweise
60 bis 130°C erweichen oder schmelzen. Die Glasübergangstemperatur der Mischung muß
daher unter 180°C, vorzugsweise unter 130°C liegen. Erforderlichenfalls wird sie durch
übliche, pharmakologisch akzeptable weichmachende Hilfsstoffe herabgesetzt. Die Menge
an Weichmacher beträgt höchstens 30 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht von Bindemittel
und weichmacher, damit lagerstabile Arzneiformen gebildet werden, die keinen kalten
Fluß zeigen. Vorzugsweise aber enthält das Gemisch keinen Weichmacher.
[0026] Beispiele für derartige Weichmacher sind:
[0027] langkettige Alkohole, Ethylenglykol, Propylenglykol, Glycerin, Trimethylolpropan,
Triethylenglykol, Butandiole, Pentanole, wie Pentaerythrit, Hexanole, Polyethylenglykole,
Polypropylenglykole, Polyethylen-propylenglykole, Silicone, aromatische Carbonsäureester
(z.B. Dialkylphthalate, Trimellithsäureester, Benzoesäureester, Terephthalsäureester)
oder aliphatische Dicarbonsäureester (z.B. Dialkyladipate, Sebacinsäureester, Azelainsäureester,
Zitronen- und Weinsäureester), Fettsäureester, wie Glycerinmono-, Glycerindi- oder
Glycerintriacetat oder Natriumdiethylsulfosuccinat. Die Konzentration an Weichmacher
beträgt im Allgemeinen 0,5 bis 15, vorzugsweise 0,5 bis 5 Gew.-%, bezogen auf das
Gesamtgewicht des Gemisches.
[0028] Übliche galenische Hilfsstoffe, deren Gesamtmenge bis zu 100 Gew.-% bezogen auf das
Polymerisat, betragen kann, sind z.B. Streckmittel bzw. Füllstoffe, wie Silikate oder
Kieselerde, Magnesiumoxid, Aluminiumoxid, Titanoxid, Stearinsäure oder deren Salze,
z.B. das Magnesium- oder Kalziumsalz, Methylcellulose, Natrium-Carboxymethylcellulose,
Talkum, Saccharose, Lactose, Getreide- oder Maisstärke, Kartoffelmehl, Polyvinylalkohol,
insbesondere in einer Konzentration von 0,02 bis 50, vorzugsweise 0,20 bis 20 Gew.-%,
bezogen auf das Gesamtgewicht des Gemisches. Schmiermittel, wie Aluminium- und Calciumstearat,
Talcum und Silicone, in einer Konzentration von 0,1 bis 5, vorzugsweise 0,1 bis 3
Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht des Gemisches.
[0029] Fließmittel, wie tierische oder pflanzliche Fette, insbesondere in hydrierter Form
und solche, die bei Raumtemperatur fest sind. Diese Fette haben vorzugsweise einen
Schmelzpunkt von 50°C oder höher. Bevorzugt sind Triglyceride der C
12-, C
14-, C
16- und C
18-Fettsäuren. Auch Wachse, wie Carnaubawachs, sind brauchbar. Diese Fette und Wachse
können vorteilhaft alleine oder zusammen mit Mono- und/oder Diglyceriden oder Phosphatiden,
insbesondere Lecithin, zugemischt werden. Die Mono- und Diglyceride stammen vorzugsweise
von den oben erwähnten Fettsäuretypen ab. Die Gesamtmenge an Fetten, Wachsen, Mono-,
Diglyceriden und/oder Lecithinen beträgt 0,1 bis 30, vorzugsweise 0,1 bis 5 Gew.-%,
bezogen auf das Gesamtgewicht der Masse für die jeweilige Schicht;
[0030] Farbstoffe, wie Azofarbstoffe, organische oder anorganische Pigmente oder Farbstoffe
natürlicher Herkunft, wobei anorganische Pigmente in einer Konzentration von 0,001
bis 10, vorzugsweise 0,5 bis 3 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht des Gemisches
bevorzugt sind;
[0031] Stabilisatoren, wie Antioxidanzien, Lichtstabilisatoren, Hydroperoxid-Vernichter,
Radikalfänger, Stabilisatoren gegen mikrobiellen Befall.
[0032] Ferner können Netz-, Konservierungs-, Spreng-, Adsorptions-, Formentrenn- und Treibmittel
zugesetzt werden (vgl. z.B. H. Sucker et al. Pharmazeutische Technologie, Thieme-Verlag,
Stuttgart 1978).
[0033] Unter Hilfsstoffen im Sinne der Erfindung sind auch Substanzen zur Herstellung einer
festen Lösung mit dem pharmazeutischen Wirkstoff zu verstehen. Diese Hilfsstoffe sind
beispielsweise Pentaerythrit und Pentaerythrit-tetracaetat, Polymere wie z.B. Polyethylen-
bzw. Polypropylenoxide und deren Blockcopolymere (Poloxamere), Phosphatide wie Lecithin,
Homo- und Copolymere des Vinylpyrrolidons, Tenside wie Polyoxyethylen-40-stearat sowie
Zitronen- und Bernsteinsäure, Gallensäuren, Sterine und andere wie z.B. bei J. L.
Ford, Pharm. Acta Helv. 61 (1986) S.69-88 angegeben.
[0034] Als pharmazeutische Hilfsstoffe gelten auch Zusätze von Basen und Säuren zur Steuerung
der Löslichkeit eines Wirkstoffes (siehe beispielsweise K. Thoma et al., Pharm. Ind.
51 (1989) 98-101 ).
[0035] Einzige Voraussetzung für die Eignung von Hilfsstoffen ist eine ausreichende Temperaturstabilität.
[0036] Unter pharmazeutischen Wirkstoffen im Sinne der Erfindung sind alle Stoffe mit einer
pharmazeutischen Wirkung und möglichst geringen Nebenwirkungen zu verstehen, sofern
sie sich unter den Verarbeitungsbedingungen nicht zersetzen. Die Wirkstoffmenge pro
Dosiseinheit und die Konzentration können je nach Wirksamkeit und Freisetzungsgeschwindigkeit
in weiten Grenzen variieren. Die einzige Bedingung ist, dasss sie zur Erzielung der
gewünschten Wirkung ausreichen. So kann die Wirkstoffkonzentration im Bereich von
0,1 bis 95, vorzugsweise von 20 bis 80, insbesondere 30 bis 70 Gew.-% liegen. Auch
Wirkstoff-Kombinationen können eingesetzt werden. Wirkstoffe im Sinne der Erfindung
sind auch Vitamine und Mineralstoffe, sowie Pflanzenbehandlungsmittel und Insektizide.
Zu den Vitaminen gehören die Vitamine der A-Gruppe, der B-Gruppe, worunter neben B
1, B
2, B
6 und B
12 sowie Nicotinsäure und Nicotinamid auch verbindungen mit Vitamin B-Eigenschaften
verstanden werden, wie z.B. Adenin, Cholin, Pantothensäure, Biotin, Adenylsäure, Folsäure,
Orotsäure, Pangamsäure, Carnitin, p-Aminobenzoesäure, myo-Inosit und Liponsäure sowie
Vitamin C, Vitamine der D-Gruppe, E-Gruppe, F-Gruppe, H-Gruppe, I- und J-Gruppe, K-Gruppe
und P-Gruppe. Zu Wirkstoffen im Sinne der Erfindung gehören auch Peptidtherapeutika.
[0037] Das erfindungsgemäße Verfahren ist beispielsweise zur Verarbeitung folgender Wirkstoffe
geeignet:
[0038] Acebutolol, Acetylcystein, Acetylsalicylsäure, Acyclovir, Alfacalcidol, Allantoin,
Allopurinol, Alprazolam, Ambroxol, Amikacin, Amilorid, Aminoessigsäure, Amiodaron,
Amitriptylin, Amlodipin, Amoxicillin, Ampicillin, Ascorbinsäure, Aspartam, Astemizol,
Atenolol, Beclomethason, Benserazid, Benzalkonium-Hydrochlorid, Benzocain, Benzoesäure,
Betamethason, Bezafibrat, Biotin, Biperiden, Bisoprolol, Bromazepam, Bromhexin, Bromocriptin,
Budesonid, Bufexamac, Buflomedil, Buspiron, Coffein, Campher, Captopril, Carbamazepin,
Carbidopa, Carboplatin, Cefachlor, Cefadroxil, Cefalexin, Cefazolin, Cefixim, Cefotaxim,
Ceftazidim, Ceftriaxon, Cefuroxim, Chloramphenicol, Chlorhexidin, Chlor-pheniramin,
Chlortalidon, Cholin, Cyclosporin, Cilastatin, Cimetidin, Ciprofloxacin, Cisapride,
Cisplatin, Clarithromycin, Clävulansäure, Clomipramin, Clonazepam, Clonidin, Clotrimazol,
Codein, Cholestyramin, Cromoglycinsäure, Cyanocobalamin, Cyproteron, Desogestrel,
Dexamethason, Dexpanthenol, Dextromethorphan, Dextropropoxiphen, Diazepam, Diclofenac,
Digoxin, Dihydrocodein, Dihydroergotamin, Dihydroergotoxin, Diltiazem, Diphenhydramin,
Dipyridamol, Dipyron, Disopyramid, Domperidon, Dopamin, doxocyclin, Enalapril, Ephedrin,
Epinephrin, Ergocalciferol, Ergotamin, Erythromycin, Estradiol, Ethinylestradiol,
Etoposid, Eucalyptus Globulus, Famotidin, Felodipin, Fenofibrat, Fenoterol, Fentanyl,
Flavin-Mononucleotid, Fluconazol, Flunarizin, Fluorouracil, Fluoxetin, Flurbiprofen,
Folinsäure, Furosemid, Gallopamil, Gemfibrozil, Gentamicin, Gingko Biloba, Glibenclamid,
Glipizid, Clozapin, Glycyrrhiza glabra, Griseofulvin, Guaifenesin, Haloperidol, Heparin,
Hyaluronsäure, Hydrochlorothiazid, Hydrocodon, Hydrocortison, Hydromorphon, Ipratropium-Hydroxid,
Ibuprofen, Imipenem, Indomethacin, Iohexol, Iopamidol, Isosorbid-Dinitrat, Isosorbid-Mononitrat,
Isotretinoin, Ketotifen, Ketoconazol, Ketoprofen, Ketorolac, Labetalol, Lactulose,
Lecithin, Levocarnitin, Levodopa, Levoglutamid, Levonorgestrel, Levothyroxin, Lidocain,
Lipase, Imipramin, Lisinopril, Loperamid, Lorazepam, Lovastatin, Medroxyprogesteron,
Menthol, Methotrexat, Methyldopa, Methylprednisolon, Metoclopramid, Metoprolol, Miconazol,
Midazolam, Minocyclin, Minoxidil, Misoprostol, Morphin, Multivitamin-Mischungen bzw.
-Kombinationen und Mineralsalze, N-Methylephedrin, Naftidrofuryl, Naproxen, Neomycin,
Nicardipin, Nicergolin, Nicotinamid, Nicotin, Nicotinsäure, Nifedipin, Nimodipin,
Nitrazepam, Nitrendipin, Nizatidin, Norethisteron, Norfloxacin, Norgestrel, Nortriptylin,
Nystatin, Ofloxacin, Omeprazol, Ondansetron, Pancreatin, Panthenol, Pantothensäure,
Paracetamol, Penicillin G, Penicillin V, Pentoxifyllin, Phenobarbital, Phenoxymethylpenicillin,
Phenylephrin, Phenylpropanolamin, Phenytoin, Piroxicam, Polymyxin B, Povidon-Iod,
Pravastatin, Prazepam, Prazosin, Prednisolon, Prednison, Propafenon, Propranolol,
Proxyphyllin, Pseudoephedrin, Pyridoxin, Quinidin, Ramipril, Ranitidin, Reserpin,
Retinol, Riboflavin, Rifampicin, Rutosid, Saccharin, Salbutamol, Salcatonin, Salicylsäure,
Selegilin, Simvastatin, Somatropin, Sotalol, Spironolacton, Sucralfat, Sulbactam,
Sulfamethoxazol, Sulfasalazin, Sulpirid, Tamoxifen, Tegafur, Teprenon, Terazosin,
Terbutalin, Terfenadin, Tetracyclin, Theophyllin, Thiamin, Ticlopidin, Timolol, Tranexamsäure,
Tretinoin, Triamcinolon-Acetonid, Triamteren, Trimethoprim, Troxerutin, Uracil, Valproinsäure,
Vancomycin, Verapamil, Vitamin E, Zidovudin.
[0039] Bevorzugte Wirkstoffe sind Ibuprofen (als Racemat, Enantiomer oder angereichertes
Enantiomer), Ketoprofen, Flurbiprofen, Acetylsalicylsäure, Verapamil, Paracetamol,
Nifedipin oder Captopril.
[0040] Im einzelnen kann es zur Ausbildung von festen Lösungen kommen. Der Begriff "feste
Lösungen" ist dem Fachmann geläufig, beispielsweise aus der eingangs zitierten Literatur.
In festen Lösungen von pharmazeutischen Wirkstoffen in Polymeren liegt der Wirkstoff
molekulardispers im Polymer vor.
[0041] Das erhaltene Gemisch ist vorzugsweise lösungsmittelfrei, d.h. es enthält weder Wasser
noch ein organisches Lösungsmittel. Das erhaltene Gemisch wird anschließend in einen
oben erörterten Formkalander eingeführt.
[0042] Die mit dem erfindungsgemäßen Verfahren herstellbaren festen pharmazeutischen Formen
können abschließend auch in üblicher Weise mit Filmüberzügen versehen werden, welche
die Wirkstofffreisetzung kontrollieren oder den Geschmack abdecken. Geeignete Materialien
für derartige Überzüge sind Polyacrylate, wie die Eudragit-Typen, Celluloseester,
wie die Hydroxypropylmethylcellulosephthalate, sowie Celluloseether, wie Ethylcellulose,
Hydroxypropylmethylcellulose oder Hydroxypropylcellulose.
[0043] Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren ist es somit möglich, besonders exakt dimensionierte
Arzneiformen herzustellen. Überraschenderweise ist dieses Verfahren preiswert, läßt
sehr große Stückzahlen pro Zeiteinheit erzielen und vermeidet jeglichen Abfall.
[0044] Die Figuren erläutern die Erfindung ohne sie zu begrenzen. Die Figuren 1 bis 3 werden
im folgenden kurz beschreiben.
[0045] In den Zeichnungen zeigt:
Figur 1: Verschiedene Ausführungen der erfindungsgemäß in einer Walze vorhandenen
Ringnut;
Figur 2: Verschiedene Ausführungen der Zwischenräume zwischen aufeinanderfolgenden
Zähnen eines erfindungsgemäß auf einer Walze vorhandenen Kranzes von Zähnen und die
damit erhältlichen Dosierungsformen;
Figur 3: Das Konstruktionsprinzip eines erfindungsgemäß zu verwendenden Walzenpaars
an einem konkreten Beispiel.
[0046] In Figur 1 sind verschiedene Ausführungen der Ringnut im Querschnitt dargestellt.
Die Ringnut kann rechteckiges (a), dreieckiges (b) oder gerundetes (c) Querschnittsprofil
aufweisen. Am Boden der Ringnut kann sich ein umlaufender Steg befinden (d), der zu
festen Dosierungsformen führt, die auf einer Seite ihrer Oberfläche eine Bruchkerbe
aufweisen.
[0047] Gemäß Figur 2 sind die je nach Ausführung der Zwischenräume zwischen aufeinanderfolgenden
Zähnen eines Kranzes erhältlichen Dosierungsformen mit Prismenform (a), Prismenstumpfform
(b) oder Sattelkörperform (c) dargestellt.
[0048] Figur 3 veranschaulicht das Konstruktionsprinzip eines Walzenpaares mit zwei Spuren,
wobei eine Walze zwei umlaufende Ringnuten mit gerundetem Querschnittsprofil aufweist
und die andere Walze zwei umlaufende Kränze von radial sich nach außen erstreckenden
Zähnen aufweist, wobei die Zwischenräume zwischen aufeinanderfolgenden Zähnen ein
gerundetes Längsprofil aufweisen. Figur 3 zeigt oben einen Querschnitt des Walzenpaars
durch die Walzenachsen. Figur 3 zeigt unten einen Querschnitt des Walzenpaars senkrecht
zu den Walzenachsen.