[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum schlackenfreien Ausgießen
von Metallschmelzen aus metallurgischen Schmelzgefäßen, wie beispielsweise aus Konvertern,
wobei zum Zeitpunkt des Ausgießens die die Metallschmelze überschichtende Schlackenschmelze
im Austragsbereich des metallurgischen Schmelzgefäßes weggeblasen wird.
[0002] Bei der Durchführung von thermischen metallurgischen Prozessen an Metallen oder deren
Legierungen in einem metallurgischen Schmelzgefäß liegen nach Abschluss dieser Prozesse
die Metalle in schmelzflüssiger Form vor, überschichtet mit schmelzflüssiger Schlacke.
[0003] Beim Austrag der Metallschmelze aus dem metallurgischen Schmelzgefäß besteht die
Gefahr, dass die ursprünglich vorhandene Trennung zwischen Metallschmelze und Schlackenschmelze
durch eine Verwirbelung nicht mehr gegeben ist und Schlackenschmelze gemeinsam mit
der Metallschmelze ausgetragen wird.
[0004] Die mit der Metallschmelze auf diese Weise ausgetragene oxidische Schlacke bringt
Sauerstoff mit und führt beispielsweise zu mehr Verbrauch von Aluminium für die erforderliche
Desoxidation, von synthetischer Schlacke für die Aufnahme der Oxide und Kalzium für
die Modifikation der oxidischen Einschlüsse. Das Oxidationsprodukt Tonerde (Al
2O
3) verschlechtert die Gießeigenschaften und der Sauerstoff aus dem FeO in der Schlacke
erschwert weiterhin eine Entschwefelung und Entgasung.
[0005] Demgegenüber wird bei einem reduzierten Schlackengehalt in der Metallschmelze beispielsweise
die "Clean Steel"-Behandlung einer Stahlschmelze in der Sekundär-Metallurgie deutlich
begünstigt, was insbesondere für die Erzeugung von "Ultra-Low-Carbon"-Stählen für
Flachprodukte eine wichtige Rolle spielt.
[0006] Um den geschilderten Schlackenmitlauf beim Austrag der Metallschmelze zu reduzieren,
sind verschiedene Verfahren und Vorrichtungen bekannt geworden. So wird in der DE
298 08 318 U1 vorgeschlagen, um die im Gefäßboden angeordnete Abstichöffnung herum
gasdurchlässige kegelstumpfförmige Spülsteine anzuordnen, durch die von unten ein
Gas - entgegen der Fließrichtung der Metallschmelze - in die Metallschmelze eingeblasen
wird. Durch diese Maßnahme soll der Ausbildung eines Wirbels oberhalb der Abstichöffnung
begegnet werden.
[0007] In der WO94/19498 wird zur Verhinderung des Schlackenmitlaufs beim Austrag der Schmelze
durch eine im Gefäßboden angeordnete Abstichöffnung mit einer Blaslanze, die von oben
durch den Deckel des metallurgischen Schmelzgefäßes geführt ist, die Schlackenschmelze
von der Badoberfläche im Bereich der Bodenöffnung weggeblasen.
[0008] In einer weiteren Ausführungsform wird diese Blaslanze durch die seitliche Eintragsöffnung
des metallurgischen Schmelzgefäßes eingeführt und bis in die Nähe der Bodenöffnung
gebracht. Hierbei ist die Blaslanze an ihrem vorderen Ende nach unten abgeknickt,
so dass auch hier der Blasstrahl von oben auf die Badoberfläche auftrifft.
[0009] Nachteilig bei den bekannten Verfahren und Vorrichtungen sind die hohen aufzuwendenden
Investitions- und Betriebskosten (Verschleiß von Blaslanze und Spülsteinen, hoher
Gasverbrauch) die erforderlich sind, um eine Verhinderung des Schlackenmitlaufs beim
Austrag der Metallschmelze aus dem metallurgischen Gefäß durch eine Bodenöffnung zu
gewährleisten.
[0010] Weiterhin ist beim Aufblasen von oben auf die Badoberfläche die Gefahr einer Verwirbelung
gegeben, wobei die ursprüngliche Trennung von Schlackenschmelze und Metallschmelze
aufgehoben werden kann und weiterhin nachteilig ein Eintrag von Gas in die Metallschmelze
erfolgt. Neben diesem Gaseintrag kann beim Aufblasen von Gas durch den "Freistrahleffekt"
auch umgebende Luft mit in die Schmelze eingebracht werden, wodurch neben einer unerwünschten
Aufstickung auch ein unerwünschter Eintrag von Sauerstoff herbeigeführt wird.
[0011] Ausgehend von diesem bekannten Stand der Technik, die den Austrag von Metallschmelzen
durch Bodenöffnungen betreffen, ist es Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren und eine
Vorrichtung anzugeben, mit denen auch beim Austrag durch Ausgießen ein weitgehend
schlackenfreier Austrag der Metallschmelze unter Vermeidung von Aufwirbelungen der
Metallschmelze möglich ist und das ohne aufwendige Investitions- und Betriebskosten
durchführbar ist.
[0012] Die gestellte Aufgabe wird verfahrensmäßig durch die kennzeichnenden Merkmale des
Anspruchs 1 dadurch gelöst, dass bei einem Austrag der Metallschmelze durch Ausgießen
unmittelbar vor und während des Ausgießvorgangs mit einer außerhalb des Schmelzgefäßes
angeordneten, in ihrer Neigung und Entfernung zur Metallschmelzenaustrittskante veränderbaren
Blaslanze durch die Ausgießöffnung des Schmelzgefäßes hindurch ein Fluidblasstrahl
mit hoher kinetischer Impulsenergie so weitgehend wie möglich parallel zur Badoberfläche
eingeblasen wird, dass die Schlackenschmelze im Ausgießbereich von der Oberfläche
der Metallschmelze zurückgedrängt und am Austritt aus dem Schmelzgefäß gehindert wird.
[0013] Eine Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens ist gekennzeichnet durch die Merkmale
des Anspruchs 6, nämlich durch eine der Ausgießöffnung des metallurgischen Schmelzgefäßes
gegenüberliegende, auf einem Manipulator außerhalb des Schmelzgefäßes angeordnete
Blaslanze.
[0014] Durch die Maßnahme der Erfindung, mit einer außerhalb des Schmelzgefäßes angeordneten
Blaslanze einen Fluidstrahl in etwa parallel zur Badoberfläche von außen in das Schmelzgefäß
mit hoher kinetischer Impulsenergie seitlich auf die Schlackenschmelzschicht zu richten,
wird diese von der Austrittsöffnung weggedrückt und am Austritt gehindert. Dieses
Wegdrücken der Schlackenschmelzschicht von der Oberfläche der Metallschmelze durch
die parallele Strahlführung des Fluids zur Oberfläche der Metallschmelze geschieht
ohne Verwirbelung der Metallschmelze. Auch der mögliche Nachteil bekannter Blasverfahren
mit Strahlführung von oben auf die Badoberfläche, wobei die Schlackenschmelze in die
Metallschmelze hineingedrückt werden kann, kann durch die Anwendung des Verfahrens
der Erfindung nicht mehr auftreten.
[0015] Damit die Blaslanze während des Ausgießvorgangs auch stets in der gewünschten Weise
die Schlackenschmelze von der Metallschmelze im Ausgießbereich zurückdrängen kann,
folgt die Blaslanze in ihrer Ausrichtung bezüglich ihrer Neigung und ihrer Entfernung
zur Metallschmelzenaustrittskante kontinuierlich der Ausgießbewegung des Schmelzgefäßes.
Je nach der Kippstellung des Schmelzgefäßes während des Ausgießvorgangs beträgt dabei
der Abstand der Austrittsdüse der Blaslanze zur Metallschmelzen-Austrittskante 0,1
bis 3 m, vorzugsweise 0,2 bis 2 m und der Winkel der Blaslanze zur Horizontalen bzw.
zur Badoberfläche beträgt -15° bis +60°, vorzugsweise -10° bis +45°.
[0016] Möglich wird dieses Nachführen der Blaslanze durch einen Manipulator, auf dem die
Blaslanze mit einer Halterung über einen Schlitten montiert ist. Gesteuert wird die
Blaslanze durch den Manipulator über ein Mess- und Regelsystem, in das Messdaten des
Ausgießvorgangs des Schmelzgefäßes kontinuierlich einfließen.
[0017] Als Fluid, das gemäß der Erfindung in das Schmelzgefäß eingeblasen wird, wird ein
Inertgas, beispielsweise Stickstoff oder Argon, oder auch eine geeignete Flüssigkeit
verwendet.
[0018] Der Querschnitt der am vorderen Ende der Blaslanze angeordneten Fluid-Austrittsdüse
ist rechteckig bis schlitzförmig ausgebildet und horizontal bzw. parallel zur Badoberfläche
ausgerichtet. Je nach Größe der Ausgießfläche, die von der Schlackenschmelze freizuhalten
ist und je nach dem verwendeten Fluid, ist dabei die Querschnittsform der Austrittsdüse
entsprechend anzupassen, wobei jedoch eine breite und flache Ausgestaltung des austretenden
Gasvolumens eingehalten werden sollte, um die gesamte Schlackenschicht auch im Gefäßrandbereich
zurückzuhalten und Randströmungen der Schlacke in Richtung zur Metallaustrittskante
zu unterbinden.
[0019] Durch das erfindungsgemäße Merkmal, die Blaslanze zur Gänze außerhalb des metallurgischen
Schmelzgefäßes anzuordnen und sie auch während des gesamten Ausgießvorgangs außerhalb
des Schmelzgefäßes zu belassen, ergibt sich der Vorteil, dass ein Verschleiß der Blaslanze
durch beispielsweise Verzunderung praktisch nicht mehr auftritt, und auch die sonst
üblichen isolierenden Maßnahmen sind nicht mehr erforderlich. Dies wirkt sich deutlich
in einer Reduzierung der Investitions- und Betriebskosten aus.
[0020] Weitere Vorteile, Merkmale und Eigenschaften der Erfindung werden nachfolgend an
einem in einer Zeichnungsfigur dargestellten Ausführungsbeispiel näher erläutert.
[0021] In der Zeichnungsfigur ist in einem Vertikalschnitt ein Schmelzgefäß 1 dargestellt.
Am Boden des aus einer feuerfesten Zustellung 3 gebildeten Schmelzraums 2 befindet
sich die Metallschmelze 5, überschichtet von Schlackenschmelze 6.
[0022] Im dargestellten Ausführungsbeispiel ist das Schmelzgefäß 1 während des Ausgießvorgangs
abgebildet. Das in Pfeilrichtung 8 kippbare Schmelzgefäß 1 ist dabei etwas nach links
zur Ausgießöffnung 4 hin gekippt, so dass die Metallschmelze 5 aus der Ausgießöffnung
4 des Schmelzgefäßes 1 über die Metallschmelzenaustrittskante 10 in einem Gießstrahl
9 herausläuft.
[0023] Der Metallschmelzenaustrittskante 10 gegenüberliegend ist außerhalb des Schmelzgefäßes
1 eine Blaslanze 20 angeordnet. Die Blaslanze 20 ist dabei so ausgerichtet, dass sich
ihr vorderes Ende 26 mit der vorzugsweise rechteckig bis schlitzförmig ausgebildeten
Austrittsdüse (nicht eingezeichnet) in unmittelbarer Nähe der Metallschmelzenaustrittskante
10 befindet und der aus der Austrittsdüse austretende Fluidblasstrahl 25 möglichst
parallel zur Badoberfläche 7 gerichtet ist und Breitenwirkung erzielt. Durch diese
Maßnahme wird die Schlackenschmelze 6 weitgehend von der Oberfläche der Metallschmelze
5 im Bereich der Metallschmelzen-Ausgießkante 10 zurückgedrängt, so dass der Gießstrahl
9 fast ausschließlich aus Metallschmelze 5 besteht. Da der Fluidblasstrahl 25 parallel
zur Badoberfläche 7 ausgerichtet ist, verläuft er auch weitgehend parallel zur Oberfläche
der Metallschmelze 5, so dass unerwünschte Verwirbelungen mit der Schlackenschmelze
6 vermieden werden.
[0024] Damit die gewünschte Ausrichtung der Blaslanze 20 auch bei der Veränderung der Stellung
des Schmelzgefäßes 1 während des fortschreitenden Ausgießvorgangs, also bei fortschreitender
Kippbewegung des Schmelzgefäßes 1, aufrechterhalten bleibt, ist die Blaslanze 20 mit
ihrer Halterung 21 auf einem Manipulator 27 angeordnet. Die besondere Ausbildung der
Halterung 21 ermöglicht dabei eine Kippbewegung der Blaslanze 20 in Pfeilrichtung
23 sowie über einen Schlitten 22, über den die Halterung 21 mit dem Manipulator 27
verbunden ist, ein horizontales Verschieben in Pfeilrichtung 24.
[0025] Da die Horizontal- und Kippbewegungen 23, 24 durch den Manipulator 27 so gesteuert
werden müssen, dass die Blaslanze 20 der Ausgießbewegung des Schmelzgefäßes 1 kontinuierlich
folgt, muss eine entsprechende Anpassung der Ausrichtung der Blaslanze 20 an die aktuelle
Stellung des Schmelzgefäßes 1 kontinuierlich erfolgen Zu diesem Zweck werden die Bewegungsdaten
des Schmelzgefäßes 1 während des Ausgießvorgangs kontinuierlich erfasst und über eine
Leitung 16 in ein Mess- und Regelsystem 17 eingespeist. Durch entsprechende Umformung
werden in diesem Mess- und Regelsystem 17 die erforderlichen Steuersignale für die
Steuerung des Manipulators 27 erzeugt und kontinuierlich über eine Leitung 18 dem
Manipulator 27 zugeführt.
[0026] Das beschriebene Ausführungsbeispiel stellt nicht die einzig mögliche Anwendung der
Erfindung dar. Vielmehr sind je nach Ausbildung der möglichen Schmelzgefäße und der
örtlichen Gegebenheiten gemäß der Erfindung auch andere Ausführungsbeispiele unter
Einhaltung des Merkmals, mit einem Fluid die Schlackenschmelze von der Ausgießkante
der Austrittsöffnung zurückzudrängen, denkbar.
1. Verfahren zum schlackenfreien Austrag von Metallschmelzen aus metallurgischen Schmelzgefäßen
(1), wie beispielsweise Konverter, wobei zum Zeitpunkt des Ausgießens die die Metallschmelze
(5) überschichtende Schlackenschmelze (6) im Austragsbereich des Schmelzgefäßes (1)
weggeblasen wird, dadurch gekennzeichnet, dass bei einem Austrag der Metallschmelze (5) durch Ausgießen unmittelbar vor und während
des Ausgießvorgangs mit einer außerhalb des Schmelzgefäßes (1) angeordneten, in ihrer
Neigung und Entfernung zur Metallschmelzenaustrittskante (10) veränderbaren Blaslanze
(20) durch die Ausgießöffnung (4) des Schmelzgefäßes (1) hindurch ein Fluidblasstrahl
(25) mit hoher kinetischer Impulsenergie so weitgehend wie möglich parallel zur Badoberfläche
(7) eingeblasen wird, dass die Schlackenschmelze (6) im Ausgießbereich von der Oberfläche
der Metallschmelze (5) zurückgedrängt und am Austritt aus dem Schmelzgefäß (1) gehindert
wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Ausrichtung der Blaslanze (20) bezüglich ihrer Neigung und ihrer Entfernung zur
Metallschmelzenaustrittskante (10) mit Hilfe eines Manipulators (27) über ein Mess-
und Regelsystem (17) der Ausgießbewegung des Schmelzgefäßes (1) kontinuierlich angepasst
wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Ausrichtung der Blaslanze (20) durch den Manipulator (27) so vorgenommen wird,
dass der Abstand der Austrittsdüse zur Metallschmelzenaustrittskante (10) 0,1 bis
3 m, vorzugsweise 0,2 bis 2 m und der Winkel der Blaslanze (20) zur Horizontalen bzw.
zur Badoberfläche (7) -15° bis +60°, vorzugsweise -10° bis +45° beträgt.
4. Verfahren nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass zum Einblasen als Fluidblasstrahl (25) ein inertes Gas, beispielsweise Stickstoff
oder Argon verwendet wird.
5. Verfahren nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass als Fluidblasstrahl (25) eine Flüssigkeit verwendet wird.
6. Vorrichtung zum schlackenfreien Austrag von Metallschmelzen aus metallurgischen Schmelzgefäßen
(1), wie beispielsweise Konverter, wobei zum Zeitpunkt des Ausgießens die die Metallschmelze
(5) überschichtende Schlackenschmelze (6) im Austragsbereich des Schmelzgefäßes (1)
weggeblasen wird, zur Durchführung des Verfahrens nach einem oder mehreren der vorhergehenden
Ansprüche, gekennzeichnet durch eine der Ausgießöffnung (4) des metallurgischen Schmelzgefäßes (1) gegenüberliegende,
auf einem Manipulator (27) außerhalb des Schmelzgefäßes (1) angeordnete Blaslanze
(20).
7. Vorrichtung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass der Manipulator (27) über eine Leitung (18) mit einem Mess- und Regelsystem (17)
verbunden ist, in das die Bewegungsdaten des metallurgischen Schmelzgefäßes (1) über
eine Leitung (16) einfließen.
8. Vorrichtung nach Anspruch 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Austrittsdüse der Blaslanze (20) rechteckig bis schlitzförmig ausgebildet und
horizontal bzw. parallel zur Badoberfläche (7) ausgerichtet ist.