[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Verwertung von biogenen Stoffen,
bei dem die biogenen Stoffe in Ballenform einem Kessel zur Verbrennung zugeführt werden.
Ferner ist Gegenstand der Erfindung eine Vorrichtung zur Durchführung dieses Verfahrens.
[0002] Es ist bekannt, daß im landwirtschaftlichen Bereich halmgutartige Pflanzen, beispielsweise
Getreide, Triticale, Roggen, Mais entweder vom Korn getrennt oder zur Gänze zu Ballen
gepresst werden. Weiters ist bekannt, daß üblicherweise die Form der Ballen rund oder
quaderförmig sein kann. Aber auch andere Materialien werden zu Ballen gepreßt oder
gebündelt, z.B. Papier oder Gewebestoffe.
[0003] Dieser Vorgang ist vorteilhaft, weil dadurch der Transport und die Lagerung von biogenen
Stoffen effizienter und der Manipulationsaufwand verringert wird.
[0004] Die Verwertung der Ballen ist vielfältig. So finden die getrockneten, vom Korn getrennten
Halme, das Stroh, als Futterrnittel oder Streu in der Landwirtschaft Verwendung. Gewebe
und Papier wird aufbereitet und einer Wiederverwertung zugeführt. Die früher oft geübte
Praxis, Stroh einfach an Ort und Stelle zu verbrennen, ist aufgrund der Umweltbelastung
verboten.
Der schädliche Einfluß der dabei freigesetzten unverbrannten Kohlenwasserstoffe ist
bekannt.
[0005] Nur ein untergeordneter Anteil wird einer thermischen Verwertung zugeführt. Als wesentlicher
Grund sind einerseits die hohen Anforderungen an Qualität (trockene Umgebung) und
Größe (geringe Energiedichte des Lagergutes) des Lagerraumes, andererseits die aufwendige
Aufbereitung der gepressten Ballen zu einem schüttgutartigen Brennstoff, wie es beispielsweise
bei Rost- oder Wirbelschichtfeuerungsanlagen Stand der Technik ist, zu nennen.
[0006] Um eine möglichst vollständige, schadstoffarme und rückstandsfreie Verbrennung zu
gewährleisten, sind aufwendige, voluminöse Kesselkonstruktionen notwendig. Diese Kessel
haben aufgrund der massiven Ausmauerungsmasse ein sehr träges, unwirtschaftliches
Betriebsverhalten, das beispielsweise durch die lange Aufheizphase charakterisiert
ist. Die hierfür hohen Investitionskosten amortisieren sich in der Regel nur bei sehr
großen, zentralen Anlagen. Dies widerspricht wiederum dem allgemeinen Wunsch, biogene
Brennstoffe unabhängig von ihrer Form möglichst dezentral, in kleineren und mittleren
Anlagen, beispielsweise Nahwärmeversorgungsanlagen, zu verbrennen, so daß der Aufwand
für die Brennstofftransporte so gering wie möglich gehalten wird.
[0007] Der zu Ballen gepresste Brennstoff weist viele inhomogene Bereiche auf, welche durch
höheren Wassergehalt, Verunreinigungen, unterschiedliche Zersetzungsgrade und einem,
aufgrund seiner schlechten Brennstoffeigenschaften niedrigen Heizwert gekennzeichnet
sind. Ein Verbrennungssystem, das nicht sensibel genug auf diese Inhomogenitäten reagieren
kann, verursacht einen unvollständigen Ausbrand und einen dadurch erhöhten Schadstoffausstoß.
[0008] Die gegenständliche Erfindung hat es sich zum Ziel gesetzt, Ballen aus biogenen Stoffen
kostengünstig, ohne hohen Aufbereitungs- und Manipulationsaufwand durch vollständige
Verbrennung, unabhängig von deren Qualität, beispielsweise Wassergehalt, Verunreinigungen
oder Zersetzungsgrad, thermisch zu verwerten.
[0009] Erreicht wird dies dadurch, daß der Abbrand der biogenen Stoffe abschnittsweise überwacht
und die Wärmestrahlung der glühenden bzw. brennenden Abschnitte mittels Spiegeln zu
den nicht glühenden bzw. brennenden Abschnitten gelenkt wird.
[0010] Es ist bekannt, daß jeder Körper ständig strahlt. Bei Temperaturen unter etwa 500°
C enthält diese Strahlung kaum sichtbares Licht (Ultrarotstrahlung). Mit steigender
Temperatur wird in steigendem Maß auch sichtbares rötliches Licht emitiert, es wächst
also der Anteil an Strahlung kürzerer Wellenlänge. Weil die spektrale Zusammensetzung
dieser Strahlung maßgeblich von der Temperatur abhängt, nennt man diese "Wärmestrahlung".
[0011] Trifft die Wärmestrahlung auf einen Körper, so wird die Strahlung teilweise reflektiert
bzw. durchgelassen. Ein weiterer Anteil der auftreffenden Strahlung wird von der Reflektionsfläche
des Körpers bzw. Spiegels absorbiert. Die Reflektionsflächen der Spiegel können verschiedenartig
geformt sein, beispielsweise in Form einer ebenen Fläche, eines Kugelsegmentes, einer
Parabel, eines sphärischen Hohlspiegels oder auch andere von einer Kugel abweichende
Formen (asphärische Flächen) sind möglich.
[0012] Als Material für die Reflektionsflächen bzw. Spiegel eignen sich vorzugsweise hitzebeständige
keramische Werkstoffe.
[0013] Die Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens könnte an sich durch eine Bedienungsperson
erfolgen. Zweckmäßig sind jedoch zur Überwachung des Abbrandes der biogenen Stoffe
in an sich bekannter Weise optische Detektoren angeordnet, die in Abhängigkeit vom
Abbrand der biogenen Stoffe vorzugsweise schwenkbar gelagerte Spiegel steuern, um
die Wärmestrahlung der glühenden bzw. brennenden Abschnitte zu den nicht glühenden
bzw. brennenden Abschnitten zu lenken.
[0014] Die Verwendung optischer Detektoren in Kesseln ist bekannt. Nach einem von der TU
Graz veröffentlichten Vorschlag sollen sie das Glutbett in einem Vorschubrost überwachen.
Dabei wird das auf die Detektoren auftreffende Licht über hochtemperaturbeständige
Lichtleitstäbe zu einer Auswertelektronik geleitet. Lichtempfindliche Sensoren wandeln
die vom Detektor erfaßte Strahlung in ein proportionales Stromsignal um. Die Erfindung
nützt nun dieses Stromsignal zur Steuerung der Spiegel.
[0015] Im Rahmen der Erfindung ist es ferner vorteilhaft, wenn unterhalb der im Brennraum
des Kessels mündenden Zufuhr der Ballen der biogenen Stoffe ein Rost, vorzugsweise
ein in einen Ascheaustrag mündender Vorschubrost, angeordnet ist.
[0016] Das erfindungsgemäße Verfahren bzw. die Vorrichtung eignet sich besonders für die
gleichzeitige Verbrennung mehrerer Ballen, da das vorbeiströmende Gemisch aus heißen
Rauchgasen und Verbrennungsluft zusammen mit den Reflektoren die Trocknung und Pyrolyse
der noch nicht vollständig in gasförmige und feste Bestandteile übergeführten Biomasse
unterstützt. Dies wird durch
benachbarte, brennende Ballenteile, vom Treppenrost und teilweise durch Rezirkulation erreicht.
Damit unterstützt die gezielt gerichtete Reflektion die Trocknung und Vergasung der
biogenen Stoffe. Die dabei freigesetzten Kohlenwasserstoffverbindungen werden in der
Nachverbrennungszone durch Zuführung der für die vollständige Oxydation notwendigen
Verbrennungsluft verbrannt.
[0017] Durch die Kombination von starren und beweglichen Reflektionsflächen bzw. Spiegel
kann die Anzahl, Qualität und die Lage der eingebrachten Ballen variiert und dem Wärmebedarf
der angeschlossenen Abnehmer angepaßt werden.
[0018] Die von den optischen Detektoren überwachte Verbrennung wird über einen Steuerungsalgorithmus
sowohl mit der Balleneinschubgeschwindigkeit als auch mit der Prioritätszuordnung
der von den Reflektionsflächen bzw. Spiegel zu bestrahlenden Bereiche verknüpft. Dadurch
wird eine vollständige und schadstoffarme Oxydation der Biomasse erreicht.
[0019] Zwischen der im Brennraum der Kessels mündenden Zufuhr der Ballen der biogenen Stoffe
und dem Rost kann eine Brennstoffzuführung, z.B. eine Förderschnecke, zur Zuführung
von nicht in Ballenform gepreßten Brennstoffen angeordnet sein.
[0020] Nachstehend ist die Erfindung anhand eines in den Zeichnungen dargestellten Ausführungsbeispieles
näher beschrieben, ohne auf dieses Beispiel beschränkt zu sein. Dabei stellt Fig.
1 schematisch einen Schnitt durch einen erfindungsgemäß ausgebildeten Kessel dar
und Fig. 2 zeigt ebenfalls schematisch den Strahlengang zwischen einem Spiegelteil
und einem Brennstoffballen.
[0021] Gemäß Fig. 1 weist ein Kessel 1 zur Zuführung biogener Stoffe einen Zuführschacht
la für Brennstoffballen 2 auf. Zufolge der erfindungsgemäßen Überwachung des Abbrandes
können mehrere Ballen 2 sowohl neben- als auch übereinander eingeschoben werden.
[0022] Gegenüberliegend dem Zuführschacht 1a sind Spiegel 3, 3a angeordnet, wobei, wie in
der Zeichnung angedeutet ist, insbesondere der Spiegel 3a über ein Steuergestänge
3b verschwenkbar ist.
[0023] Optische Detektoren 4 sind gegen die Brennstoffballen 2 gerichtet und überwachen
deren Abbrand.
[0024] Unterhalb des Zuführschachtes 1a ist ein Rost 6 angeordnet, der mit einem Ascheaustrag
7 zusammenwirkt. Zwischen dem Zuführschacht la und dem Rost 6 befindet sich eine im
Beispiel als Förderschnecke 5 ausgebildete Brennstoffzuführung.
[0025] In Fig. 2 ist dargestellt, wie die durch die Temperaturstrahlung des Ballens 2 achsenparallel
einfallenden Strahlen 8 vom Spiegel 3 (oder 3a) zurückgeworfen und fast in einem Punkt,
dem Brennpunkt, gesammelt werden.
[0026] Die Brennweite kann dabei so gewählt werden, daß durch Reflektion und Bündelung der
Strahlung die Temperatur im Brennpunkt derart gesteigert wird, daß am Brennstoffballen
2 ein sogenannter Brennfleck 9 entsteht. Werden die optischen Dektoren 4 zur Brennstoffüberwachung
eingesetzt, so können inhomogene Bereiche des Ballens 2 erkannt, die Reflektionsfläche
der Spiegel 3 bzw. 3a gezielt auf derartige Zonen gerichtet und diese somit vollständig
verbrannt werden. Damit wird eine gleichmäßige thermische Zersetzung des Brennstoffballens
2 in seine flüchtigen und festen Bestandteile erreicht, da die Reflektionsfläche der
Spiegel 3, 3a auf jene Ballenbereiche gerichtet wird, die aufgrund minderer Brennstoffqualität
mehr Energie für die Zerlegung in gasförmige und feste Bestandteile benötigen. Desweiteren
wird damit weitgehend vermieden, daß nicht vollständig verbranntes Ballenmaterial
in die Aschenzone 7 fällt und - thermisch ungenützt - ausgetragen wird.
[0027] Die sich trotzdem während des Verbrennungsvorganges lösenden Ballenteile fallen auf
den Rost 6, der vorzugsweise als Vorschubrost ausgebildet ist, werden dort vollständig
ausgebrannt und als Asche gemeinsam mit den nicht brennbaren festen Bestandteilen
über die Ascheaustragung 7 aus dem Brennraum ausgetragen. Der Rost 6 ist beispielsweise
so bemessen, daß die durchschnittlich herabfallenden, nicht vollständig verbrannten
Ballenteile in dieser Nachverbrennungszone zur Gänze thermisch verwertet werden können.
In der Regel wird dieser Rost 6 wesentlich kleiner sein, als es allgemein für die
Nennleistung einer derartigen Verbrennungsanlage notwendig wäre.
[0028] Ist die Nachverbrennungzone mit einer zusätzlichen Brennstoffzuführung ausgestattet,
beispielsweise einer Förderschnecke 5, so kann der Brennraum darüber hinaus für ein
breites Brennstoffband, vorzugsweise Hackschnitzel, aber auch Rinde, Altholz, Pellets,
etc. genutzt werden. Neben der Vorwärmung des Brennraumes zur Ballenverbrennung kann
diese Einrichtung auch zur ständigen Zumischung schüttgutartiger Brennstoffe und ersatzweise
auch für einen Not- bzw. Gluterhaltungsbetrieb genutzt werden.
[0029] Im Rahmen der Erfindung sind zahlreiche Abänderungen möglich. So kann die Anzahl
und Lage der Reflektionsflächen bzw. Spiegel und die Anzahl und Lage des biogenen
Brennstoffes zueinander beliebig sein. Es können auch feste Spiegel angeordnet werden.
1. Verfahren zur Verwertung von biogenen Stoffen, bei dem die biogenen Stoffe in Ballenform
einem Kessel (1) zur Verbrennung zugeführt werden, dadurch gekennzeichnet, daß der Abbrand der biogenen Stoffe abschnittsweise überwacht und die Wärmestrahlung
der glühenden bzw. brennenden Abschnitte mittels Spiegeln (3,3a) zu den nicht glühenden
bzw. brennenden Abschnitten gelenkt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß ein Steuerungsalgorithmus den Verbrennungsvorgang, die Balleneinschubgeschwindigkeit
und die Prioritätszuordnung der von den Reflektionsflächen bzw. Spiegel zu bestrahlenden
Bereiche verknüpft.
3. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß zur Überwachung des Abbrandes der biogenen Stoffe in an sich bekannter Weise optische
Detektoren (4) angeordnet sind, die in Abhängigkeit vom Abbrand der biogenen Stoffe
schwenkbar gelagerte Spiegel (3,3a) steuern, um die Wärmestrahlung der glühenden bzw.
brennenden Abschnitte zu den nicht glühenden bzw. brennenden Abschnitten zu lenken.
4. Vorrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß unterhalb der im Brennraum des Kessels mündenden Zufuhr (1a) der Ballen (2) der biogenen
Stoffe ein Rost (6), vorzugsweise ein in einen Ascheaustrag (7) mündender Vorschubrost,
angeordnet ist.
5. Vorrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß zwischen der im Brennraum des Kessels (1) mündenden Zufuhr (1a) der Ballen (2) der
biogenen Stoffe und dem Rost (6) eine Brennstoffzuführung, z.B. eine Förderschnecke
(5), zur Zuführung von nicht in Ballenform gepreßten Brennstoffen angeordnet ist.