[0001] Die Erfindung betrifft ein Sicherheitsmesser zum Schneiden flächiger Objekte, das
ein Griffelement mit daran festgelegter Klinge mit einwärts weisender Krümmung aufweist.
Das Sicherheitsmesser ist insbesondere zum Aufschneiden von Gipsformen und Gipsverbänden
geeignet, kann aber ganz allgemein zum Schneiden flächiger Objekte mit begrenzter
Dicke verwandt werden.
[0002] Gipsverbände und Gipsformen auf Körperteilen müssen zu gegebener Zeit aufgeschnitten
und entfernt werden. Soweit es sich um das Entfernen von Gipsverbänden handelt, kommt
es auf eine zerstörungsfreie Entfernung nicht an. Bei Gipsformen ist aber eine möglichst
genaue Konservierung des Abdruckes erforderlich.
[0003] Zur Entfernung von Gipsverbänden und Gipsformen gibt es derzeit mehrere Ansätze.
Vielfach wird eine elektrisch getriebene Säge verwandt, mit der Gipsform längs aufgeschnitten
wird. Dabei besteht das Risiko von Körperverletzungen, der durch das Einziehen von
Kunststoffstreifen begegnet werden soll. Derartige Kunststoffstreifen geben allerdings
nur einen begrenzten Schutz.
[0004] Eine weitere übliche Methode ist das Unterlegen eines Aluminiumstreifens an der späteren
Schnittstelle. Soweit es sich dabei aber um das Nehmen von Abdrücken handelt, ist
die dann im Abguß vorhandene Kontur des Aluminiumstreifens störend. Sowohl Kunststoff-
als auch Aluminiumstreifen haben im übrigen den Nachteil, daß sie nur begrenzten Schutz
liefern; eine ungenaue Führung der Säge führt häufig dazu, daß die Schnittstelle vom
Schutzstreifen wegführt.
[0005] Insgesamt ist festzustellen, daß die Anwendung einer oszillierenden Säge zur Auftrennung
einer Gipsform zu einem unsauberen Gipsabdruck an der Nahtstelle führt und zumeist
kleinere Verletzungen, insbesondere bei trockener Haut, im Bereich der Nahtstelle
zur Folge hat. Bei einer Trikotstoffunterlage ergeben sich regelmäßig Probleme bei
der Auftrennung des Trikotstoffes. Hinzu kommt das unangenehme Geräusch, das zu einer
emotionalen Ablehnung des Gerätes und Methode führt. Zudem ist die notwendige Einbringung
einer Kunststoff-Alu-miniumunterlage schon bei Anlage des Gipsverbandes oder spätestens
bei seiner Entfernung zeit- und kostenaufwendig.
[0006] Die herkömmliche Verband- oder Gipsschere führt zu einer sehr ungenauen Naht, und
häufig genug zu einem Verlust der Gipsform. Das Entfernen des Gipsverbandes ist häufig
außerordentlich schmerzhaft, selbst wenn es nicht zu einer Verletzung der Haut kommt.
[0007] Wie schon erwähnt, ist die Einarbeitung eines Kunststoff-Aluminiumstreifens in den
Gipsverband selbst an der späteren Trennaht nicht unproblematisch, weil die Dicke
und Steifigkeit des Materials geeignet ist, den Abdruck zu verwässern.
[0008] Schließlich sind Versuche bekannt geworden, Trennhilfen in den Gipsverband selbst
einzuarbeiten, beispielsweise in Form eines Schlauches oder Riemens. Auch hier sind
nach wir vor Messer oder Schere zum Auftrennung des Gipsverbandes erforderlich. Neben
einer gewissen Unhandlichkeit und der Gefahr des unsachgemäßen Schneidens mit Verlust
der Form besteht auch hier eine gewisse Gefährdung des Patienten und, bei Benutzung
eines Schlauches, die Tendenz zu unsauberen Gipsabdrücken im Nahtbereich.
[0009] Insgesamt ist festzustellen, daß die bisherigen Methoden zum Auftrennen einer Gipsform
bzw. eines Gipsverbandes unbefriedigend sind. Es besteht deshalb ein Bedarf an einem
Werkzeug, mit dem es möglich ist, einen Gipsverband bzw. eine Gipsform einfach, schnell
und zuverlässig aufzutrennen. Ein solches Werkzeug soll jede Form von Gefährdung für
den Patienten vermeiden und die Gipsform im wesentlichen unverändert und unbeeinträchtigt
lassen.
[0010] Dieser Bedarf wird mit einem Sicherheitsmesser der eingangs genannten Art befriedigt,
bei dem das Element im Rückenteil der Klinge eine Halterung aufweist, die in einem
Fuß endet, wobei der Fuß eine Nut aufweist, in die die Klingenspitze hineinragt und
Halterung und Klinge fluchtend zueinander angeordnet sind.
[0011] Es wurde überraschend gefunden, daß ein derartig gestaltetes Sicherheits- oder Gipsmesser
geeignet ist, einen üblichen Gipsverband oder eine solche Form ohne irgendeine Gefährdung
für den Patienten mit einem Schnitt sauber und schnell zu durchtrennen. Der am Messer
angeordnete Fuß gleitet dabei über die Haut und schützt diese vor der Klinge. Die
zueinander fluchtende Anordnung von Klinge und Fußhalterung führt zu einem geraden
Schnitt, der es erlaubt, die Gipsform weitgehend unverändert zu gewinnen. Der gekrümmte
Verlauf der Klinge ermöglicht das Aufschneiden mit geringem Kraftaufwand, ohne daß
sich Verbandmaterial im Bereich der Klinge ansammeln kann. Hierzu trägt insbesondere
das Versenken der Klingenspitze in der Nut bei. Der sichelförmige Verlauf der Klinge
bewirkt einen Schneideffekt zugleich von der Unter- wie von der Oberseite des Gipsverbandes.
[0012] Das erfindungsgemäße Sicherheitsmesser ist nicht nur zum Auftrennen von Gipsverbänden
und -formen geeignet, sondern zum Schneiden flächiger Objekte jedweder Art, soweit
sie mit herkömmlichen Schneidwerkzeugen bearbeitet werden können. Hierzu zählen insbesondere
textile Materialien aber auch Kunststoffolien und dergleichen, soweit es darauf ankommt,
den Schnitt sauber im zu schneidenden Material - und nicht im angrenzenden Bereich
- zu führen. In Frage kommen insbesondere Teppiche und Stoffe. Ein besonderes Einsatzgebiet
ist die Unfallrettung, wo es häufig darauf ankommt, Kleidung ohne Gefahr für das Unfallopfer
aufzuschneiden. Hier ist das erfindungsgemäße Sicherheitsmesser herkömmlichen Schneidwerkzeugen
weit überlegen.
[0013] Das erfindungsgemäße Sicherheitsmesser weist vorzugsweise eine austauschbare Klinge
auf, wie dies von herkömmlichen Teppichmessern mit gekrümmter Klinge bekannt ist.
Besonders geeignet sind gebogene Klingen vom Typ "Mozart". Derartige Klingen weisen
eine sichelförmige, nach rückwärts geführte Schneide auf, die in einer Spitze ausläuft.
Zweckmäßigerweise weist die Schneide eine Öffnung von 3 bis 10 mm, vorzugsweise von
5 bis 7 mm auf. Als Öffnung wird die Entfernung von Klingenspitze und Klingenansatz
verstanden.
[0014] Soweit die Klinge austauschbar ist, weist sie zweckmäßigerweise Bohrungen und/oder
Ausnehmungen zur Festlegung am Griffelement des Sicherheitsmessers auf. Die Festlegung
kann beispielsweise über eine Verschraubung erfolgen, aber auch über eine Verriegelung,
bei der die Ausnehmungen oder Bohrungen in entsprechende Vorsprünge oder Stifte des
Griffelementes eingreifen.
[0015] Die Halterung des Fußes ist so angeordnet, daß sie unmittelbar vor dem Messerrücken
verläuft und somit in der Schnittlinie des Messers beim Durchtrennen des Gipses verbleibt.
Die Halterung ist zweckmäßigerweise mit dem Griffelement verschraubt, kann aber auch
verschweißt sein oder über eine entsprechende Schraubengebung aus dem Griffelement
ausgeformt sein. Halterung und Fuß sind gegebenenfalls miteinander verschweißt, um
einen festen Verbund herbeizuführen.
[0016] Der Fuß besteht aus einer Platte mit gerundeten Ecken und Kanten. Er weist zentral,
vor der Verbindung mit der Halterung, eine Nut auf, die tief genug ist, die Klingenspitze
aufzunehmen. Hierdurch wird vermieden, daß sich zwischen Fuß und Klingenspitze im
Verlauf eines Schnittvorganges Material ansammelt, das den Schnitt behindert.
[0017] Das Sicherheitsmesser weist im Bereich der Klinge zweckmäßigerweise eine Abdeckung
auf, die den Haltebereich der Klinge schützt und gleichzeitig zur Fixierung der Klinge
beiträgt. Insbesondere bei zweiseitig verwendbaren Klingen ist auch ein Schutz erforderlich.
Soweit die Klinge über Stifte oder Vorsprünge gehaltert wird, kann die Festlegung
am Griffelement auch über die Halterung erfolgen.
[0018] Um eine kraftvolles und zügiges Schneiden zu erlauben, ist das Griffelement zweckmäßigerweise
ergonomisch gestaltet, beispielsweise durch eine Aufnahme für den Zeigefinger und
einen Ansatzpunkt für den Daumen. Um den Griff zu verbessern, ist eine Ausbildung
aus einem Basiselement mit beidseitig aufgelegten Halbschalen vorteilhaft. Das Basiselement
kann hierzu beispielsweise aus einem Aluminiumflachstück bestehen, das mit Kunststoff-Halbschalen
belegt ist und an dem die mit dem Fuß verschweißte Halterung aus Stahl festgeschraubt
ist. Die Klingenabdeckung kann wiederum aus Aluminium bestehen, die Klinge aus einem
für Schneidwerkzeuge üblichen Stahl.
[0019] Die Erfindung wird durch die beiliegenden Abbildungen einer bevorzugten Ausführungsform
näher erläutert. Es zeigt
- Figur 1
- ein erfindungsgemäßes Sicherheitsmesser in seitlicher Ansicht;
- Figur 2
- den Kopf des Messers von Figur 1 in perspektivischer Ansicht;
- Figur 3
- die Bauteile des Sicherheitsmessers nach Figur 1 und
- Figur 4
- eine erfindungsgemäß einsetzbare Klinge.
[0020] Das Gipsmesser 1 gemäß Figur 1 besteht aus einem Griffelement 2 aus einem Aluminiumflachstück
von beispielsweise 3 mm Stärke. Im Griffbereich befinden sich Griffschalen 9, im Kopfbereich
eine Halterung 5 mit dem Fuß 6 und der aus dem Kopf herabragenden Klinge 3. Die Klinge
3 ist bis auf die sichelförmige herausragende Schneide von der Klingenabdeckung verborgen.
[0021] Figur 2 zeigt den Messerkopf in perspektivischer Ansicht, mit dem (nur zum Teil dargestellten)
Griffelement 2. Auf das Griffelement 2 ist die Halterung 5 aufgeschraubt, die an ihrem
unteren Ende den Fuß 6 aufweist. Der Fuß 6 besteht aus einer ovalen Metallplatte mit
abgerundeten Kanten und Ecken, die in ihrem Zentrum eine Nut 7 aufweist, in die die
Klinge 3 mit ihrer Spitze 8 hineinragt. Halterung 5 und Klinge 3 befinden sich unmittelbar
hintereinander, so daß die Halterung 5 beim Schnitt durch ein flächiges Material unmittelbar
hinter dem Messer in der Schnittlinie verläuft.
[0022] Figur 3 zeigt die einzelnen Elemente des Sicherheitsmessers nach Figur 1. Das Griffelement
2 weist eine ergonomisch bestimmte Form auf, mit einer Eintiefung 25 zur Aufnahme
des Zeigefingers und einer Vorwölbung 27 als Ansatzpunkt für den Daumen beim Schneidvorgang.
Die Bezugszeichen 21, 22, 23 und 24 stellen Bohrungen für Verschraubungen dar, letztere
für die Griffschalen 9.
[0023] Die Halterung 5 besteht aus einem flächigen Stahlstück mit zwei Bohrungen 52 zur
Festlegung mittels Schrauben in den Bohrungen 22 des Griffelementes 2. Kopfseitig
ist die Halterung 5 in der Position 51 mit dem Fuß 6 im Bereich 61 verschweißt. Etwa
im Zentrum der Fußplatte 6 befindet sich die Nut 7, in die die Spitze 8 der Klinge
3 eingreift.
[0024] Die Klinge 3 weist zwei sichelförmige Schneidbereiche mit einer Spitze 8 auf, wobei
letztere in die Nut 7 der Fußplatte 6 eingreift. Die Klinge 3 ist über die Bohrungen
31 an den Punkten 21 des Griffelementes 2 festgelegt. Es kann sich dabei um Stifte
oder Verschraubungen handeln.
[0025] Der Klingenbereich ist auf dem Griffelement 2 mit einer Klingenabdeckung 4 geschützt,
die über die Bohrung 43 in der entsprechenden Bohrung 23 des Griffelementes festgelegt
ist.
[0026] Figur 4 zeigt eine vergrößerte Darstellung der Klinge 3 mit der Spitze 8 und der
Öffnungsweite d, die sich aus dem Abstand der Klingenspitze von der Basislinie der
Klinge ergibt. Die Öffnung d bewegt sich zweckmäßigerweise in einem Bereich von 3
bis 10 mm, vorzugsweise von 5 bis 7 mm.
[0027] Teppichklingen vom in Figur 4 gezeigten Typ weisen üblicherweise noch Ausnehmungen
32 auf, die dazu verwandt werden können, die Klingen an entsprechenden Vorsprüngen
einer Halterung festzulegen. Ein solcher Haltemechanismus kommt alternativ zu der
hier beschriebenen Halterung über Schrauben oder Stifte in Frage.
[0028] Die Funktionsweise des erfindungsgemäßen Gipsmessers ist wie folgt:
Beim Eingipsen des Körperteils wird auf übliche Weise verfahren; der Körperteil wird
eingefettet und in einen geeigneten Trikotstoff/Non-Stick-Nylonstoff eingepackt. Anschließend
wird der Körperteil auf übliche Weise eingegipst.
[0029] Zum Entfernen des Gipses, wenn dieser trocken und hart ist, wird zunächst am proximalen
Teil des Gipsmaterials eine Schnittkante angebracht. Im Bereich der Schnittkante wird
unter den Gips Massageöl gegeben, um die Gleitfähigkeit zu verbessern. Die Klinge
des Gipsmessers wird an die Gipskante angesetzt und dann mit angemessener Stärke durch
den Gips gezogen. Danach wird die Gips-masse entfernt und in herkömmlicher Weise weiter
verarbeitet. Das Resultat ist ein sauberer Gipsabdruck, der auch durch die Schnittkante
nur wenig beeinträchtigt ist.
1. Sicherheitsmesser zum Schneiden flächiger Objekte, insbesondere Gipsmesser, mit einem
Griffelement (2) und daran festgelegter Klinge (3) mit einwärts weisender Krümmung,
dadurch gekennzeichnet, daß das Griffelement (2) im Rückenbereich der Klinge (3) eine Halterung (5) aufweist,
die in einem Fuß (6) endet, wobei der Fuß (6) eine Nut (7) aufweist, in die die Klingenspitze
(8) hineinragt und Halterung (5) und Klinge (3) fluchtend zueinander angeordnet sind.
2. Sicherheitsmesser nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch eine austauschbare Klinge (3).
3. Sicherheitsmesser nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Klinge (3) eine rückwärts geführte sichelförmige Schneide aufweist.
4. Sicherheitsmesser nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Schneide der Klinge (3) eine Öffnung von 3 bis 10 mm, vorzugsweise 5 bis 7 mm
aufweist.
5. Sicherheitsmesser nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Klinge (3) Bohrungen (31) und/oder Ausnehmungen (32) zur Festlegung am Griffelement
(2) aufweist.
6. Sicherheitsmesser nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Klinge eine übliche, gekrümmte und zweiseitig verwendbare Teppichklinge ist.
7. Sicherheitsmesser nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Halterung (5) für den Fuß (6) mit dem Griffelement (2) verschraubt ist.
8. Sicherheitsmesser nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Halterung (5) und der Fuß (6) miteinander verschweißt sind.
9. Sicherheitsmesser nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der Fuß (6) als Platte mit gerundeten Ecken und Kanten ausgebildet ist.
10. Sicherheitsmesser nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das Griffelement (2) eine Klingenabdeckung (4) aufweist.
11. Sicherheitsmesser nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, daß die Klingenabdeckung (4) mit dem Griffelement (2) lösbar verschraubt ist.
12. Sicherheitsmesser nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß die Klingenabdeckung (4) die Klinge (3) am Griffelement (2) festlegt.
13. Sicherheitsmesser nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das Griffelement (2) aus einem Basiselement besteht, das beidseitig mit Halbschalen
(12) versehen ist.
14. Sicherheitsmesser nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, daß das Paßelement aus Aluminium besteht und die Halterung (5) und der Fuß (6) aus Stahl
gefertigt sind.
15. Sicherheitsmesser nach einem der vorstehenden Ansprüche, gekennzeichnet durch ein ergonomisch gestaltetes Griffelement (2).