[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines Hybridsteckergehäuses
mit einem Leiterkamm, der mindestens zwei Kontakte aufweist und wobei die Kontakte
jeweils an ihrem einen Ende einen Anschlussbereich und an ihrem anderen Ende einen
Steckbereich aufweisen, durch Umspritzen oder Umgießen des Leiterkamms mit einem Kunststoff
unter Bildung eines Grundkörpers derart, dass die Anschlussbereiche und die Steckbereiche
kunststofffrei bleiben und aus dem Grundkörper ragen, wobei die Steckbereiche der
Kontakte seitlich von einer am Grundkörper lagegenau befestigbaren Steckerkontur beabstandet
umgeben werden.
[0002] Steckergehäuse sind vielfältig und für unterschiedlichste Einsätze bekannt. Sie finden
Anwendung beispielsweise als Spezialstecker für elektrotechnische oder elektronische
Anlagen. Die Steckerkontur dient zum Schutz der Kontakte im Steckbereich gegenüber
mechanischer Beschädigung und zur Positionierung des Gegensteckers. Bei der Herstellung
der Stecker werden die Kontakte beispielsweise in Werkzeugschlitze eingesteckt und
dort gehalten. Dann werden sie mit Kunststoff eingegossen oder umspritzt. Durch die
zwangsläufig größeren Öffnungen, in die die Kontakte eingesteckt werden und durch
Schrumpfung des zum Umspritzen verwendeten Kunststoffs weisen derartige Stecker relativ
hohe Positionsungenauigkeiten der Kontakte im Steckbereich auf. Derartige Ungenauigkeiten
sind für viele Anwendungen, wie für normale Netzstecker, kein Problem. Bei Spezialanwendungen,
bei denen sehr geringe Übergangswiderstände erforderlich sind, ist eine hohe Passgenauigkeit
erforderlich. Bei solchen Anwendungen verschleißen ungenau positionierte Kontakte
und es kommt zu Störungen in der Elektronik.
[0003] Zwar ist es beispielsweise aus DE 28 31 438 C2 oder aus EP 444 223 A1 prinzipiell
bekannt, mehrere miteinander verbundene Kontakte zu umspritzen und die Verbindungen
nach dem Umspritzen bzw. dem Einsetzen der Kontakte in Gehäuse zu trennen, bei Steckergehäusen,
bei denen der Steckverbindungsbereich/die Kontakte im Steckbereich seitlich mit einer
Steckerkontur umgeben ist, sind diese Verfahren allerdings nicht in der Serienproduktion
einsetzbar, da der Einsatz automatischer Greifer bei der Montage der Kontakte beispielsweise
nicht möglich ist.
[0004] Die EP 0 924 811 A1 beschreibt einen Leiterrahmen mit einem Basiselement und mehreren
Kontaktstiften, die im rechten Winkel vom Basiselement abzweigen. Dabei wird unter
einem Basiselement ein Steg zwischen den Kontaktstiften im Anschlussbereich, jedoch
nicht im Steckbereich verstanden. Nach Umspritzen des Leiterrahmens mit Kunststoff
und Bildung des Steckers wird das Basiselement von den Kontaktstiften abgetrennt.
[0005] Die DE 35 01 391 C2 offenbart ein Gehäuse für ein elektrisches Bauteil, wobei ein
Träger für Steckerstifte vorhanden ist, der mit dem Gehäuse ein einstückiges Bauteil
bildet. Der Träger ist von einem separaten Führungs- und Schutzrahmen umgeben, wobei
eine Verbindung zwischen Träger und Führungs- und Schutzrahmen durch eine Einrastverbindung
gebildet ist. Das Eingießen der Steckerstifte in den Kunststoff des Trägers erfolgt
ohne Stege zur Fixierung ihrer Lage, so dass beim Abkühlen und Aushärten des Kunststoffes
Positionsungenauigkeiten zwischen den Steckerstiften auftreten.
[0006] Aufgabe der Erfindung ist es, den bekannten Stand der Technik zu verbessern und ein
Verfahren zur Herstellung eines Hybridsteckergehäuses bereitzustellen, bei dem eine
exakte Positionierung der Kontakte im Steckbereich auch bei automatisierter Fertigung
möglich ist.
[0007] Erfindungsgemäß wird die Aufgabe dadurch gelöst, dass mindestens zwei Kontakte in
ihrem Steckbereich jeweils durch mindestens einen Steg miteinander verbunden ausgebildet
werden, dass der Leiterkamm mit dem Grundkörper umspritzt oder umgossen wird, wobei
der mindestens eine Steg außerhalb des Grundkörpers angeordnet wird, dass nach Abkühlen
des Grundkörpers auf Raumtemperatur der mindestens eine Steg im Steckbereich der Kontakte
entfernt wird und dass anschließend die Steckerkontur am Grundkörper befestigt wird.
Der Leiterkamm ist aus mehreren Kontakten gebildet, die einerseits Steckbereiche,
die von der Steckerkontur umgeben werden, und andererseits Anschlussbereiche, in denen
der Anschluss eines elektrischen Kabels erfolgt, aufweisen.
[0008] Durch die erfindungsgemäßen Merkmale ist ein positionsgenaues Einspritzen bzw. Eingießen
der Kontakte im Steckbereich möglich. Die zweiteilige Ausbildung des Gehäuses mit
einem Grundkörper und einer Steckerkontur sichert eine automatische Fertigung von
exakt positionierten Steckerkontakten innerhalb der Gehäuse. Die Kontakte können automatisch
zugeführt und zusammenhängend positioniert werden, wobei die Stege die Position der
Kontakte halten, so dass kein nennenswerter Verzug während der Schrumpfung oder durch
Herstellungstoleranzen der Kunststoffteile bedingt auftritt. Erst nachdem die Schrumpfung
beendet ist und die Stege zwischen den Kontakten im Steckbereich und eventuell zusätzliche
Stege im Anschlussbereich entfernt sind, wird das Gehäuse fertig montiert. Dabei ist
eine Ausrichtung der Steckerkontur in sehr engen Toleranzbereichen um die Kontakte
herum möglich, so dass eine optimale Führung des Steckers während der Herstellung
einer Steckverbindung mit dem Gegenstecker gewährleistet ist.
[0009] Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen angegeben.
Zweckmäßig ist es, dass die Steckerkontur mittels einer Rasteinrichtung an dem Grundkörper
angeordnet wird, da dadurch eine einfache Befestigung möglich ist. Vorteilhaft ist
es weiterhin, wenn die Steckerkontur und/oder der Grundkörper ein Positionierelement
zur Lagejustierung der Steckerkontur an dem Grundkörper aufweisen. Solche Positionierelemente
können beispielsweise an der Steckerkontur angeordnet sein und die Kontakte im Steckbereich
seitlich an deren Austrittsbereich aus dem Grundkörper umschließen. Die Steckerkontur
wird auf die Positionierelemente lagegenau aufgesteckt. Natürlich ist auch eine entsprechende
Anordnung von Positionierelementen an der Steckerkontur möglich. Als vorteilhaft hat
es sich erwiesen, dass Grundkörper und Steckerkontur unlösbar miteinander verbunden
sind, da hierdurch eine dauerhafte Positionierung der Kontakte relativ zu der sie
bei der Herstellung einer Steckverbindung führenden Steckerkontur gewährleistet ist.
[0010] Zweckmäßigerweise werden mindestens zwei Kontakte des Leiterkammes in ihrem Steckbereich
jeweils durch mindestens zwei Stege verbunden ausgebildet, die beabstandet voneinander
angeordnet werden. Die hierdurch verbesserte Lagestabilität führt zu optimalen Positionierergebnissen.
[0011] Dabei kann es vorteilhaft sein, wenn zwischen mindestens zwei Kontakten zusätzlich
zu dem mindestens einen Steg im Steckbereich ein weiterer Steg im Anschlussbereich
des Leiterkamms angeordnet wird, der ebenfalls nach Abkühlen des Grundkörpers auf
Raumtemperatur entfernt wird.
[0012] Welche der Varianten vorteilhaft verwendet wird, hängt von der konkreten Konstruktion,
beispielsweise der Länge der aus dem Kunststoff herausragenden Bereiche der Kontakte
ab.
[0013] Für die Herstellung und den Betrieb des Hybridsteckergehäuses ist es vorteilhaft,
dass Grundkörper und Steckerkontur unlösbar miteinander - bevorzugt durch Verkleben
oder Verschweißen - verbunden werden. Des weiteren ist es zweckmäßig, die Stege erst
nach dem Abkühlen des Hybridsteckergehäuses auf Umgebungstemperatur (Raumtemperatur)
zu entfernen. Hierdurch werden schrumpfungsbedingte Positionsungenauigkeiten der eingespritzten
Kontakte des Leiterkammes optimal vermieden.
[0014] Nachfolgend wird ein Ausführungsbeispiel der Erfindung anhand einer Zeichnung näher
erläutert. In der Zeichnung zeigt
- Figur 1
- ein komplettes Hybridsteckergehäuse nach dem erfindungsgemäßen Verfahren
- Figur 2
- eine erste Ausführungsform des Hybridsteckergehäuses vor der Endmontage
- Figur 3
- eine andere Ansicht des Hybridsteckergehäuses gemäß Figur 2
- Figur 4
- eine zweite Ausführungsform des Hybridsteckergehäuses vor der Endmontage und
- Figur 5
- eine andere Ansicht der Ausführungsform gemäß Figur 4.
[0015] Das Hybridsteckergehäuse (Fig.1) weist einen Grundkörper 1 aus Kunststoff auf mit
einer Öse 2 zur Befestigung an einem Bauteil. Der in dem Grundkörper 1 angeordnete
Hohlraum 3 ist für die Anordnung einer elektronischen Schaltung nutzbar. An dem Grundkörper
1 ist eine Steckerkontur 4 mittels Rastelementen 5; 5' fixiert. Der Grundkörper 1
und die Steckerkontur 4 sind miteinander unlösbar durch Kleben oder Schweißen verbunden.
[0016] In den Figuren 2 bis 4 sind verschiedene Ausführungsformen dargestellt in einem Verfahrensstadium,
in dem das Hybridsteckergehäuse noch nicht komplett montiert ist, das heißt, die Steckerkontur
4 ist noch nicht an dem Grundgehäuse 1 fixiert. Dadurch sind die Kontakte im Steckbereich
8 des Leiterkammes 6 sichtbar. Dieser wurde derart umspritzt, dass er in dem Grundkörper
1 fixiert ist. Die genaue Positionierung erfolgt mit Hilfe der Bohrung 12 in dem Verbindungssteg
7', wobei die korrekte Lage der einzelnen Kontakte im Steckbereich 8 durch sie verbindende
Stege 7; 7' fixiert wird. Figur 2 zeigt die Kontakte im Steckbereich 8 des Leiterkammes
6, wobei die Stege 7; 7' in der Nähe der Umspritzungsstelle des Leiterkammes 6 angeordnet
sind, während die weiteren Stege 7' die Kontakte im Steckbereich 8 des Leiterkammes
6 an deren freien Enden miteinander verbinden. Bei dieser Ausführungsform ist es nicht
notwendig, die Kontakte im Anschlussbereich 9 (siehe Figur 3) durch Stege miteinander
zu verbinden.
[0017] Der Grundkörper 1 weist eine hervorstehende Kante 10 auf, die um die Kontakte im
Steckbereich 8 des Leiterkammes 6 herumlaufend angeordnet ist. Die Kante 10 dient
als Positionierelement der Lagejustierung der Steckerkontur 4 an dem Grundkörper 1.
Dazu weist die Steckerkontur 4 an ihrer dem Grundkörper 1 zugewandten Seite einen
Durchbruch 11 auf, durch den die Kontakte im Steckbereich 8 hindurchgesteckt werden
und der an der Kante 10 anliegt und dadurch in seiner Lage justiert ist. Die Steckerkontur
4 ist mit Hilfe von Rastelementen 5; 5' an dem Grundkörper 1 gehaltert. Beide Teile
werden miteinander verklebt.
[0018] Bei der Herstellung wird zunächst der Leiterkamm 6, bestehend aus Kontakten und Stegen,
gefertigt, beispielsweise gestanzt, wobei Stege 7; 7'; zwischen den Kontakten im Steckbereich
8 und eventuell zusätzliche Stege zwischen den Kontakten im Anschlussbereich 9 vorgesehen
sind, die zunächst erhalten bleiben. Danach wird der Leiterkamm 6 mit dem Kunststoff
des Grundkörpers 1 umspritzt und dadurch an diesen fest angeformt. Ein eventuelles
Schrumpfen des Kunststoffs des Grundkörpers 1 während der Abkühlung kann nicht dazu
führen, dass die Kontakte im Steckbereich 8 ihre Lage zueinander verändern, da diese
mit Hilfe der Stege 7; 7' miteinander verbunden sind. Nach Abkühlung des Grundkörpers
1 werden die Stege 7; 7' entfernt und die Steckerkontur 4 wird an dem Grundkörper
1 fixiert. Bei dieser Verfahrensweise ist einen optimale Lagejustierung aller Teile
zueinander realisierbar, da der Leiterkamm 6 genau an den Stellen lagegesichert ist,
deren Lage zueinander zu gewährleisten ist, nämlich an den Kontakten im Steckbereich
8. Nach dem Erkalten ist ein mechanisches oder anderweitiges Entfernen der Stege 7;
7' problemlos möglich, da ein unkomplizierter Zugriff auf die Stege 7; 7' möglich
ist. Erst danach wird die die Platzverhältnisse einengende Steckerkontur aufgesetzt.
[0019] Eine ähnliche Ausführungsform ist in den Figuren 4 und 5 dargestellt. Dabei sind
Stege 7" an den Kontakten im Anschlussbereich 9 des Leiterkammes 6 vorgesehen. Die
Entfernung dieser Stege 7" nach dem Erkalten des Kunststoffs ist an allen Stellen
ebenfalls problemlos möglich, weil bei dieser Ausführungsform der Hohlraum 3 als durchgehende
Öffnung ausgebildet ist, während bei der Ausführungsform gemäß Figur 2 ein Boden vorgesehen
ist.
Ebenso ist ein Einsetzen und Halten des Leiterkammes 6 in die Spritzform mittels automatisierbarer
Greifer möglich.
[0020] Ähnlich dem Grundkörper 1 kann auch die Steckerkontur 4 im Spritzgussverfahren hergestellt
werden. Das fertige Hybridsteckergehäuse weist eine exakte Positionierung sowohl der
Kontakte im Steckbereich 8 als auch der Steckerkontur 4 auf, wobei nicht nur die Kante
10, sondern verschiedene andere Positionierungseinrichtungen, wie Noppen oder Feder-Nut-Verbindungen
denkbar sind.
1. Verfahren zur Herstellung eines Hybridsteckergehäuses mit einem Leiterkamm, der mindestens
zwei Kontakte aufweist und wobei die Kontakte jeweils an ihrem einen Ende einen Anschlußbereich
und an ihrem anderen Ende einen Steckbereich aufweisen, durch Umspritzen oder Umgießen
des Leiterkamms mit einem Kunststoff unter Bildung eines Grundkörpers derart, dass
die Anschlußbereiche und die Steckbereiche kunststofffrei bleiben und aus dem Grundkörper
ragen, wobei die Steckbereiche der Kontakte seitlich von einer am Grundkörper lagegenau
befestigbaren Steckerkontur beabstandet umgeben werden, dadurch gekennzeichnet, daß mindestens zwei Kontakte in ihrem Steckbereich (8) jeweils durch mindestens einen
Steg (7; 7') miteinander verbunden ausgebildet werden, daß der Leiterkamm (6) mit dem Grundkörper (1) umspritzt oder umgossen wird, wobei der
mindestens eine Steg (7; 7') außerhalb des Grundkörpers (1) angeordnet wird, daß nach Abkühlen des Grundkörpers auf Raumtemperatur der mindestens eine Steg (7; 7')
im Steckbereich (8) der Kontakte entfernt wird und daß anschließend die Steckerkontur (4) am Grundkörper (1) befestigt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß mindestens zwei Kontakte des Leiterkammes (6) in ihrem Steckbereich (8) jeweils durch
mindestens zwei Stege (7; 7') verbunden ausgebildet werden, die beabstandet voneinander
angeordnet werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß zwischen mindestens zwei Kontakten zusätzlich zu dem mindestens einen Steg (7; 7')
im Steckbereich (8) ein weiterer Steg (7") im Anschlußbereich (9) des Leiterkamms
(6) angeordnet wird, der ebenfalls nach Abkühlen des Grundkörpers auf Raumtemperatur
entfernt wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Grundkörper (1) und die Steckerkontur (4) unlösbar miteinander verbunden werden.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß der Grundkörper (1) und die Steckerkontur (4) miteinander verklebt oder verschweißt
werden.