[0001] Die Erfindung befaßt sich mit einem Waffengehäuse-System für ein Selbstladegewehr
oder eine Maschinenpistole.
[0002] In diesen Unterlagen verwendete Lagebegriffe wie "vorne", "hinten", "oben", "vertikal"
oder dergleichen gehen stets von einer in normalem Anschlag befindlichen Waffe aus;
also einer Waffenlage, bei welcher die Seelenachse (Mittelachse des Laufes) horizontal
verläuft und die Schußrichtung nach "vorne" weist.
[0003] Lange war bei Selbstladegewehren das Bauteil, welches den beweglichen Verschluß aufnimmt,
ein geschmiedeter oder aus dem Vollen gearbeiteter Block. Er war aufwendig spanend
bearbeitet und bildete das tragende Teil. An der Außenseite dieses Blocks waren viele
Funktionselemente der Waffe befestigt. Erst ab Ende der dreißiger Jahre begann man,
Waffengehäuse aus Blech zu prägen. Diese Blechgehäuse konnten viel rascher und billiger
hergestellt werden und umgaben die meisten Funktionselemente gewissermaßen wie ein
Außenskelett. Die Funktionselemente waren also im Inneren des Gehäuses angeordnet
und deshalb vor Beschädigung und Verschmutzung geschützt. Blechgehäuse haben jedoch
oft ein unerwünscht hohes Gewicht, besonders bei Waffen mit großen Abmessungen, und
erst recht dann, wenn bestimmte Zonen verstärkt werden müssen, was üblicherweise durch
Aufschweißen von Verstärkungen geschieht.
[0004] In jüngerer Zeit stellt man deshalb Waffengehäuse aus Kunststoff her. In deren Hauptbeanspruchungszonen
sind jedoch regelmäßig zusätzliche Metallarmierungen eingelassen, die wiederum deren
Gewicht drastisch erhöhen. Bei Gebrauchswaffen, etwa für den Militär- oder Polizeieinsatz,
wird aber stets ein möglichst geringes Gewicht angestrebt.
[0005] Eine der Hauptbeanspruchungen des Waffengehäuses ist die Abstützung der Schließfeder
des Verschlusses. Glücklicherweise wirken die Schließfederkräfte in Gehäuse-Längsrichtung
und werden von den an die Schließfeder angrenzenden Gehäusewänden sicher übertragen.
Gefährlicher für die Stabilität des Gehäuses ist eine mögliche Verformung, welche
durch das Magazin ausgelöst wird: das Magazin bildet einen langen, aus dem Gehäuse
ragenden Hebelarm und ist im Magazinschacht geführt. Letzterer ist im Gehäuse ausgebildet
und im einfachsten Fall lediglich eine Öffnung, welche dem Querschnitt des Magazins
entspricht.
Dieser Querschnitt muß natürlich der Länge der vorgesehenen Patronen angepaßt sein.
D.h. je länger die Patronen sind, umso länger muß der Querschnitt sein; desto leichter
ist aber auch das Gehäuse verwindbar, da die Öffnung des Magazinschachtes dessen geschlossenen
Kastenquerschnitt unterbricht. Um diese Öffnung auszusteifen, umgibt man sie in der
Praxis mit Wandungen, welche den Magazinschacht umgrenzen.
[0006] Diese Maßnahme hat sich jedoch als nicht immer ausreichend erwiesen: wenn nämlich
das Magazin aus dem Gehäuse herausragt, und dies möglicherweise über eine beträchtliche
Länge, dann kann eine Querbelastung des freien Magazinendes dazu führen, daß das Magazin
sehr hohe Kräfte auf den Magazinschacht ausübt; beispielsweise dann, wenn die Waffe
aus einiger Höhe, etwa von der Ladefläche eines Lastwagens, auf den Boden fällt und
dabei unglücklich mit dem Magazin aufkommt. Ein unverstärktes, besonders ein dünnwandiges
Gehäuse kann dann verbogen werden oder gar einreißen.
[0007] Bei einer Großkaliber-Selbstladebüchse zum Verfeuern von Granatmunition mit einem
Kaliber von etwa 20 mm sind - wegen der zu verwendenden großen Patronen - einerseits
alle Teile ungewöhnlich groß und deshalb auch schwer; andererseits darf das für einen
Schützen noch zulässige Gewicht nicht überschritten werden. Diese Problematik wird
noch verschärft, wenn die Großkaliberbüchse ein Anbaugerät trägt, etwa ein Schnellfeuergewehr-System.
Das Kunststoffgehäuse einer solchen Großkaliberbüchse muß deshalb aus Gewichtsgründen
so dünnwandig wie möglich sein und darf nur möglichst wenige Metallarmierungen enthalten.
[0008] Es wäre nun denkbar, im Bereich des Magazinschachtes die Wandstärke zu erhöhen und
dort von einer Metallarmierung ganz abzusehen. Eine solche Maßnahme wäre jedoch von
der Gußtechnik her problematisch. Zusätzlich wäre der Übergang von der erhöhten zur
normalen Wandstärke ein Bereich besonderer Belastung, der gewissermaßen eine Sollbruchstelle
bildet.
[0009] In der Praxis hat man versucht, die Wandungen des Magazinschachtes in Richtung des
freien Magazinendes zu verlängern, um einerseits die Hebelwirkung des Magazins zu
verringern und andererseits die Gehäuseöffnung zur Aufnahme des Magazins auszusteifen.
Bei modernen Schnellfeuergewehren in herkömmlicher Bauweise (Magazin vor dem Griffstück)
oder in "Bullpup"-Bauweise (Magazin hinter dem Griffstück) befindet sich die Gehäuseaussparung
für den Abzugsmechanismus in unmittelbarer Nähe zum Magazinschacht. Die Aussparung
schwächt den Magazinschachtabschnitt zusätzlich, so daß die Verlängerung des Magazinschachtes
alleine dem oben umrissenen Festigkeitsproblem nicht ausreichend abhilft.
[0010] Der Erfindung liegt angesichts dieser Probleme die Aufgabe zugrunde, ein Gehäuse
für Waffen zu schaffen, welches ohne nennenswerte Gewichtserhöhung den durch das Magazin
eingeleiteten Belastungen widersteht.
[0011] Gelöst wird diese Aufgabe durch den Gegenstand des Anspruchs 1, also durch ein Waffengehäuse-System
für ein Selbstladegewehr oder eine Maschinenpistole mit einem Waffengehäuse aus Metall
und/oder Kunststoff, das mindestens eine einen Magazinschaft umgebende Wandung aufweist,
und mit einem mindestens teilweise innerhalb der Wandung angeordneten zusätzlichen
Innengehäuse, in welchem mindestens ein Teil des Magazinschachtes ausgebildet ist.
[0012] Das erfindungsgemäße Waffengehäuse-System besteht demnach im wesentlichen aus mindestens
zwei in besonderer Weise quasi "ineinander geschachtelten" Gehäusen, einem Waffengehäuse
und einem darin einsetzbaren Innengehäuse.
[0013] Das Waffengehäuse ist an sich bekannt. Es besteht aus Metall und/oder Kunststoff
und weist mindestens eine den Magazinschacht umgebende Wandung auf.
[0014] Das Innengehäuse ist als ein oben und unten offener Kasten ausgebildet, dessen Innenseite
den Magazinschacht oder einen Teil desselben bildet. Dieser Kasten sitzt im Waffengehäuse
und nimmt primär alle Belastungen oder zumindest deren größten Teil auf. Dabei ist
es möglich, diesen Innengehäuse-Kasten an solchen Punkten des Waffengehäuses zu befestigen,
die schon anderweitig verstärkt oder ausgesteift sind. Es ist also nicht erforderlich,
für den Magazinschacht eigene Verstärkungen und Aussteifungen vorzusehen.
[0015] Dieser Kasten, d.h. das Innengehäuse, ist bevorzugt aus dem Waffengehäuse wieder
ausbaubar. Sollte eine zu große Belastung auf das Magazin aufgebracht und in den Kasten
eingeleitet worden sein, dann nimmt allenfalls dieser Schaden, nicht aber das Waffengehäuse.
Der Kasten kann dann leicht und mit geringem Kostenaufwand ausgetauscht werden.
[0016] Die erfindungsgemäße Lösung erleichtert auch den Guß eines Waffengehäuses aus Kunststoff,
da sie eine durchgehend gleiche Gehäuse-Wandstärke erlaubt.
[0017] Es ist zwar bereits ein Selbstladegewehr bekannt (US 4,654,993), bei dem Außenschalen
vorgesehen sind, so daß manche Teile, etwa die Abzugseinrichtung, ein Doppelgehäuse
aufweisen. Dieses Gewehr hat aber keinen Magazinschacht, sondern komplementäre Schienen
an der Rückseite des Magazins bzw. an einem Haltebügel aus Stahl. Die Problematik,
der durch die Erfindung abgeholfen wird, liegt beim bekannten Gewehr nicht vor.
[0018] Erkenntnisse aus dem Bau von traditionellen Repetieroder Einzelladegewehren (US 4,385,464)
mit Holzschaft können zur Lösung der Aufgabe nicht herangezogen werden, weil dort
kein Gehäuse im Sinne der Erfindung vorliegt.
[0019] Es ist möglich, daß das Innengehäuse wie eine Verstärkungsschicht von innen her eng
an der Wandung des Waffengehäuses anliegt. Bevorzugt ist jedoch ein Abstand zwischen
den seitlichen Wandungen des Waffengehäuses und dem Innengehäuse ausgebildet, der
lediglich an den Befestigungsstellen zwischen Innengehäuse und Waffengehäuse-Wandung
aufgehoben ist (Anspruch 2).
[0020] Die Wand des Innengehäuses, welche den Magazinschacht begrenzt, und die angrenzende,
mit Abstand angeordnete seitliche Wandung des Waffengehäuses bilden gemeinsam jeweils
einen Kastenträger. Dieser ist trotz geringen Gewichtes erheblich biegesteifer, als
es Innengehäusewand und Waffengehäuse-Wandung wären, wenn sie unmittelbar aneinanderliegen
würden. Zwar entstehen nun Innenhohlräume, in die Feuchtigkeit gelangen kann. Doch
ist dies unschädlich, wenn die (die Innenhohlräume umgebenden) Teile korrosionsbeständig
sind, also etwa aus Kunststoff bestehen.
[0021] Das Innengehäuse könnte in das Waffengehäuse eingeklebt oder eingeschweißt werden.
Bevorzugt sind jedoch an der Innenseite des Waffengehäuses (an dessen seitlichen Wandungen)
und an der Außenseite des Innengehäuses zueinander komplementär Stege und Nuten ausgebildet,
die in Längsrichtung verlaufen, so daß das Innengehäuse bevorzugt von hinten her durch
die Hauptöffnung des Waffengehäuses einschiebbar und auch wieder entnehmbar ist (Anspruch
3).
[0022] Die in Längsrichtung verlaufenden Stege bzw. Nuten erstrecken sich bevorzugt über
die gesamte Länge des gesamten Bauteils. Sie übertragen seitliche Biegekräfte, die
am freien Magazinende angreifen, über die gesamte Länge der Steg-/Nutverbindung auf
das Waffengehäuse. Bevorzugt sind die Stege als Leisten und/oder die Nuten in vorspringenden
Leisten ausgebildet. Diese Leisten verstärken das Innengehäuse und das Waffengehäuse.
Zur Übertragung von Zugkräften sind dabei die Steg-/Nutverbindungen so hinterschnitten,
daß sie Querkräfte in beiden Richtungen übertragen können.
[0023] Die Belastung des Waffengehäuses erfolgt somit nicht undefiniert über eine größere
Fläche, sondern streng definiert an den genannten leistenförmigen Steg-/Nutverbindungen.
Diese können an Stellen angeordnet werden, die zur Aufnahme einer Last am besten geeignet
sind.
[0024] Soweit zwischen den Wandungen des Waffengehäuses und dem Innengehäuse der bereits
angesprochene Abstand vorliegt, bilden die Steg-/Nutverbindungen die Schmalseiten
der so gebildeten Kastenträger innerhalb des Waffengehäuse-Systems.
[0025] Das einfache Einschieben des Innengehäuses in schienenartige Ausbildungen auf der
Innenseite der Waffengehäuse-Wandungen ermöglicht zunächst den problemlosen Austausch
des Innengehäuses. Trifft man zusätzlich Vorkehrungen dafür, daß das Innengehäuse
beim Ausbau des Verschlusses zwangsläufig entfernt werden muß, ergibt sich ein weiterer
Sicherheitsaspekt, etwa dann, wenn ein Zerlegen der Waffe im Einsatz nötig ist. Bei
einem herkömmlichen Gewehr wird der Schütze bisweilen dazu verleitet, sein volles
Magazin im Waffenghäuse der zerlegten Waffe unterzubringen, damit es nicht verschmutzt
oder verlorengeht. Es besteht somit die Gefahr eines ungewollten Ladens der Waffe.
Beim erfindungsgemäßen Gewehr ist diese Gefahr ausgeschlossen, weil ein Magazin bei
zerlegter Waffe nicht im Waffengehäuse festgerasted werden kann. Lediglich das Innengehäuse
kann den Magazinschacht bilden, also die Halterung des Magazins in der Waffe sicherstellen.
[0026] Bevorzugt sind die vorderen Seitenwände (bei einer Waffe in Bullpup-Bauweise) oder
die hinteren Seitenwände (bei einer Waffe in konventioneller Bauweise) des Innengehäuses
verlängert und bilden das Gehäuse für die Abzugseinrichtung (Anspruch 4).
[0027] Um die Verschmutzungsgefahr der Abzugseinrichtung zu verringern, ist es üblich, die
einzelnen Achsen (oder dergleichen) der Abzugseinrichtung nicht in den Außenwänden
des Griffstückes zu lagern, sondern in einem eigenen Abzugseinrichtungsgehäuse, welches
in das Griffstück eingesetzt ist.
[0028] Erfindungsgemäß ist nun das Innengehäuse verlängert, so daß die überstehenden Seitenwände
dieses Innengehäuses die Seitenwände des Abzugseinrichtungsgehäuses bilden. Die Teile
der Abzugseinrichtung, welche zwischen die genannten Seitenwände eingebaut sind, bilden
somit eine zusätzliche Aussteifung des Innengehäuses. Zusätzlich wird die Montage
der Abzugseinrichtung sehr stark erleichtert, da sie außerhalb des Waffengehäuses
erfolgt. Die Achsen brauchen nicht zusätzlich gesichert werden, da dies die Gehäusewand
übernimmt.
[0029] Ist das Innengehäuse von hinten her in das Waffengehäuse einschiebbar, kann auch
die Abzugseinrichtung ebenso eingebaut (und ausgebaut) werden, soweit diese nicht
einen nach unten stehenden Abzug aufweist. Dieser ist im anzubauenden Griffstück oder
gegebenenfalls im anzubauenden Zusatzgerät enthalten.
[0030] Weist die Abzugseinrichtung eine quer verlaufende Sicherungswelle auf, die mit einer
außenliegenden Handhabe versehen ist, dann können diese oder die Handhabe nachträglich
eingesetzt werden; und zwar nachdem das Innengehäuse eingesetzt ist und die Aussparungen
in den Seitenwänden des Innengehäuses auf die Aussparungen in den Waffengehäuse-Wandungen
ausgerichtet sind. Die Sicherungswelle stellt somit den zuverlässigen Sitz des Innengehäuses
sicher, weil sie dessen Wände und die Wandungen des Waffengehäuses durchsetzt.
[0031] Zusätzlich kann ein vorderer Anschlag vorgesehen sein, gegen welchen das Innengehäuse
anliegt und der Massenkräfte (bei mit der Mündung nach unten herabfallender Waffe)
vom Innengehäuse her aufnimmt.
[0032] Um einen ähnlichen hinteren Anschlag zu bilden, sind mindestens die Seitenwände des
Innengehäuses nach hinten verlängert. Dort sitzen sie gegen die Abschlußkappe des
Waffengehäuse-Systems (bei Gewehren in Bullpup-Bauweise) oder gegen den Hinterschaft
(bei herkömmlichen Gewehren) auf (Anspruch 5).
[0033] Das Innengehäuse kann aber auch gleichzeitig die Abschlußklappe bzw. den Hinterschaft
bilden.
[0034] Bevorzugt sind die nach hinten überstehenden Seitenwände an ihrer Unterkante muldenartig
miteinander verbunden, und sitzen - wie oben erläutert - zusätzlich in kraftübertragenden
Steg-/Nutverbindungen mit dem Waffengehäuse. Hierdurch wird eine beträchtliche Aussteifung
einerseits des Waffengehäuse-Systems und andererseits besonders des Magazinschachtes
bewirkt.
[0035] Alle oben beschriebenen Ausbildungen des Innengehäuses können aus Blech oder aus
blechverstärktem Kunststoff hergestellt werden. Es ist auch möglich, faserverstärkten
oder prepregverstärkten Kunststoff zu verwenden. Bevorzugt wird jedoch unverstärkter
Kunststoff verwendet (Anspruch 6).
[0036] Das Innengehäuse aus unverstärktem Kunststoff sitzt in einem Waffengehäuse, das mindestens
im Bereich des Magazinschachtes ebenfalls aus unverstärktem Kunststoff besteht. Wenn
ein Magazin eingeführt ist, das ebenfalls ein Kunststoffgehäuse aus unverstärktem
Kunststoff aufweist, dann sitzen hier beim Schuß der Waffe praktisch drei Kunststoff-Kastenprofile
ineinander, welche den Rückstoß und die sonstigen Belastungen ohne weiteres aufnehmen
können. Dabei ist der Kunststoff in Grenzen elastisch verformbar, so daß bei der Krafteinwirkung
Flächen, die unbelastet vielleicht nur längs Buckeln aneinanderliegen, in flächigen
gegenseitigen Eingriff gedrückt werden, so daß schädliche Kraftkonzentrationen vermieden
sind.
[0037] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung wird anhand der beigefügten, schematischen
Zeichnung erläutert. In dieser zeigt:
Fig. 1 ein längsgeschnittenes erfindungsgemäßes Waffengehäuse-System im Schrägbild
und in Explosionsdarstellung mit einem Magazin, einem Innengehäuse, einer Abschlußkappe
und einer Bodenplatte;
Fig. 2 eine gegenüber Fig. 1 vergrößerte Seitenansicht des hinteren Teils des Gehäuse-Systems;
und
Fig. 3 den Schnitt durch das Gehäuse-System der Fig. 2 längs Linie III-III.
[0038] Alle Figuren zeigen dasselbe Waffengehäuse-System. Gleiche Bezugszeichen bezeichnen
durchgehend jeweils gleiche Elemente.
[0039] Das in Fig. 1 gezeigte Waffengehäuse-System 10 dient für ein Selbstladegewehr der
sogenannten Bullpup-Bauweise. Bei dieser Bauweise fehlt der sonst hinter dem hintersten
Ende des Waffengehäuses 1 übliche (feste oder einklappbare oder sonstwie verkürzbare)
Hinterschaft, so daß das Waffengehäuse 1 hinten unmittelbar mit der Schaftkappe oder
Bodenplatte 41 endet. Das Magazin 45 sitzt dann um etwas mehr als eine Verschlußlänge
vor der Bodenplatte 41. Das Griffstück oder dergleichen (nicht gezeigt) sitzt vor
dem Magazin 45.
[0040] Das Waffengehäuse 1 weist einen nach vorne herausragenden Laufmantel 9 auf und -
in dessen gedachter Verlängerung nach hinten - an seiner Innenwand angeordnete Führungsleisten
5 zum Führen des (nicht gezeigten) Verschlusses. Seitlich neben der Bewegungsbahn
des Verschlusses ist ein Auswurffenster 3 zu sehen, das von einer Staubschutzklappe
verschließbar ist. In der Regel weist ein solches Gewehr zwei gegenüberliegende Auswurffenster
3 auf. Das gegenüberliegende Auswurffenster ist in Fig. 2 gezeigt. Die Auswurffenster
3 liegen bei normalem Anschlag auf Höhe der Wange des Schützen. Deshalb muß zur Vermeidung
von Verletzungen für jeden Schützen sichergestellt sein, daß nur das von ihm abgewandte
Auswurffenster 3 aktiviert werden kann. Der Normal- oder Rechtsschütze stützt das
Gewehr auf der rechten Schulter ab und legt seine rechte Wange gegen die linke Seitenwand
des Waffengehäuses 1 an. Bei ihm darf deshalb nur das in Fig. 1 sichtbare rechte Auswurffenster
3 aktiviert werden; beim Linksschützen hingegen nur das in Fig. 2 sichtbare linke
Auswurffenster 3.
[0041] Die Ausbildung zweier gegenüberliegender Auswurffenster 3 führt zu einer strukturellen
Schwächung des Waffengehäuses 1, das an dieser Stelle hochbelastet sein kann: unter
den Auswurffenstern 3 ist nämlich das Magazin 45 befestigt. Über letzteres können
beträchtliche Querkräfte in das Waffengehäuse 1 eingeleitet werden, etwa dann, wenn
die Waffe versehentlich aus einiger Höhe zu Boden fällt. Diese Querkräfte können das
Waffengehäuse 1 im durch die Auswurffenter 3 geschwächten Bereich schädigend auseinanderbiegen.
Dieser Schädigung wirkt die Erfindung erfolgreich entgegen.
[0042] Das Waffengehäuse 1 hat ferner oberhalb des Laufmantels 9 eine nach vorne weisende
Austrittsöffnung 7 für eine mit dem Verschluß fest verbundene und mit diesem bewegliche
Ladehebeleinrichtung.
[0043] Die Rückseite des Waffengehäuses 1 ist offen. In dieser Öffnung sitzt eine Abschlußkappe
39, die weiter unten noch näher beschrieben wird. Die Bodenplatte 41 ist nach hinten
bzw. außen von der Abschlußkappe 39 abgedeckt, welche die Schulterstütze bildet und
an deren Rand mindestens ein, bevorzugt zwei Riemenbügel 43 ausgebildet ist/sind.
In den Riemenbügel 43 eingeleitete Lasten werden somit von der zäh nachgiebigen Abschlußkappe
39 aufgenommen und durch eine entsprechende Befestigung über den Umfang gleichmäßig
in das Waffengehäuse 1 eingeleitet. Bei Schädigungen muß lediglich die Abschlußkappe
39 ausgetauscht werden, nicht das ganze Waffengehäuse-System.
[0044] Unterhalb der Verschluß-Führungsleisten 5 und parallel zu diesen sind an der Innenseite
der beiden Seitenwände des Waffengehäuses 1 jeweils eine obere Halteleiste 11 und
eine untere Halteleiste 13 ausgebildet. Diese Leisten springen nach innen vor, dienen
der Führung und Halterung eines noch zu erläuternden Innengehäuses 21 und sorgen für
eine Aussteifung des Waffengehäuses 1.
[0045] An der Unterseite hat das kastenförmige Waffengehäuse 1 eine Magazinöffnung 15, die
von einer vertikalen vorderen und zwei vertikalen seitlichen Wandungen 17 begrenzt
wird. Die seitlichen Begrenzungswandungen 17 werden von den Seitenwänden des Waffengehäuses
1 gebildet. Vor und über der vorderen Begrenzungswandung 17 durchsetzt je eine Bohrung
19 je eine Seitenwand des Waffengehäuses 1. Beide Bohrungen 19 fluchten miteinander
und dienen dem Durchtritt eines Befestigungszapfens oder eines Bedienungselements,
bevorzugt einer Magazinhalterung oder einer Kammerfang-Bedieneinrichtung.
[0046] Das Innengehäuse 21 ist von hinten her in das Waffengehäuse 1 eingeschoben und weist
beiderseits je eine obere Gegen-Halteleiste 33 und eine dazu parallele untere Gegen-Halteleiste
35 auf. Deren Querschnitte sind komplementär zu denen der Leisten 11 und 13 so ausgebildet,
daß die Leisten 11, 13 und ihre dazugehörigen Gegenleisten 33, 35 einander hintergreifen;
und zwar so, daß das Innengehäuse 21 in seiner Höhenlage festgelegt ist - siehe das
in Fig. 3 veranschaulichte Ausführungsbeispiel.
[0047] Somit bildet jede Seitenwand des Innengehäuses zusammen mit der zugehörigen Seitenwandung
17 des Waffengehäuses 1 einen hohlen Kastenträger, also eine äußerst biege- und verwindungssteife
Ausbildung (Fig. 3).
[0048] Der eigentliche Magazinschacht 23 ist im Innengehäuse 21 ausgebildet und von einer
vertikalen Vorderwand 27 sowie einer vertikalen Hinterwand 25 begrenzt. Bei eingebautem
Innengehäuse 21 liegt die Vorderwand 27 flächig an der vorderen Begrenzungswandung
17 des Waffengehäuses 1 an. Zwei Bohrungen 19a in den Seitenwänden des Innengehäuses
21 sind auf die Bohrungen 19 des Waffengehäuses 1 ausgerichtet und dienen dem Durchtritt
eines Bedienungselements für die Verschlußsperre sowie der Festlegung des Innengehäuses
21 im Waffengehäuse 1. Weitere Bohrungen 47 in einer Seitenwandung 17 des Waffengehäuses
1 und mit diesen fluchtende Bohrungen 47a in der entsprechenden Seitenwand des Innengehäuses
21 dienen der Aufnahme von Zapfen oder Nieten und bewirken die Fixierung des Innengehäuses
21 im Waffengehäuse 1. Die Kraftübertragung zwischen Innengehäuse 21 und Waffengehäuse
1 erfolgt nach vorne durch die bereits erwähnte Anlage zwischen vorderer Querwandung
17 und vorderer Querwand 27 und nach hinten durch Abstützung des Innengehäuses 21
an der Bodenplatte 41.
[0049] Die Seitenwände des Innengehäuses 21 sind nach vorne und hinten um vordere und hintere
Verlängerungswände 29 und 31 verlängert.
[0050] Die vorderen Verlängerungswände 29 weisen (neben den genannten Bohrungen 19a) noch
weitere Bohrungen auf, welche der Aufnahme der Abzugseinrichtung dienen. Ein die Unterkanten
der beiden vorderen Verlängerungswände 29 verbindender Boden steift das Innengehäuse
21 aus.
[0051] Die (nicht gezeigten) Elemente der Abzugseinrichtung versteifen ebenfalls den von
den vorderen Verlängerungswänden 29 und dem Boden gebildeten Kasten ganz erheblich
- und somit auch die vordere Querwand 27 des Innengehäuses 21. Die Betätigung der
Abzugseinrichtung erfolgt von einem Griffstück oder einem Anbaugerät her mittels längsbeweglicher
Stifte oder Finger. Das Anbaugerät ist unter dem Laufmantel 9 angebracht. Die Abzugseinrichtung
weist somit kein nach unten abstehendes Element wie etwa einen Abzug auf.
[0052] Die beiden hinteren Verlängerungswände 31 des Innengehäuses 21 stützen sich auf der
Bodenplatte 41 ab. Wie aus Fig. 1 ersichtlich, sind die Nut-/Stegverbindungen, die
von den komplementären Leistenpaaren 11, 33 und 13, 35 gebildet sind, erheblich länger
als das Magazin 45 - in Längsrichtung der Waffe gesehen. Diese Maßnahme führt zu einer
wirksamen Aussteifung der Seitenwandungen 17 über den gesamten hinteren Abschnitt
des Waffengehäuses 1.
[0053] Beim Einleiten von Querkräften vom Magazin 45 in das Innengehäuse 21 und von diesem
ins Waffengehäuse 1 werden kritische Belastungen nicht erreicht.
[0054] Die Bodenplatte 41 wird von hinten her in das Waffengehäuse 1 eingeschoben, bis sie
auf den hinteren Stirnenden der Führung 5 und der Leisten 11, 13 aufsitzt. An ihr
ist ein massiver Längssteg 51 ausgebildet, der (ebenfalls von hinten her) in die nach
Art einer Längsnut ausgebildeten Oberkanten 37 der hinteren Verlängerungswände 31
einführbar ist. Das vordere Stirnende des Längssteges 51 übergreift in eingebautem
Zustand die hintere Querwand 25 des Innengehäuses 21 und liegt von hinten her gegen
die Magazinlippen an. Hierdurch kann der Längssteg 51 Kräfte aufnehmen, welche das
Magazin 45 nach hinten ausübt.
[0055] Die Oberseite des Längssteges 51 ist als Führung für den Patronenschoner (Schieber)
ausgebildet. Die Oberkanten der Seitenwände des Magazinschachtes 23 sind nach oben
ein wenig verlängert und nach außen gekrümmt, so daß sie sich zusätzlich an der zugehörigen
Seitenwandung des Waffengehäuses 1 abstützen.
[0056] Das Zusammenwirken von Waffengehäuse 1 und Innengehäuse 21 bildet somit einen besonders
steifen und widerstandsfähigen Magazinschacht. Etwaige Querkräfte werden in erster
Linie in das (den eigentlichen Magazinschacht 23 bildende) Innengehäuse 21 eingeleitet
und von diesem schonend an das Waffengehäuse 1 weitergeleitet. Dabei steifen zur Krafteinleitung
vorgesehene Leisten gleichzeitig das Waffengehäuse 1 aus und bilden zusätzlich noch
die Querstege von Kastenträgern, zu denen die Seitenwandungen weitergebildet sind.
[0057] Praktisch jedes Element des erfindungsgemäßen Waffengehäuse-Systems übernimmt mehrere
Funktionen, so daß mit wenigen, dünnwandigen, weitgehend oder völlig unverstärkten
Kunststoff-Bauteilen ein überraschend stabiles, aber dennoch leichtes Gehäuse geschaffen
wird.
[0058] Das gezeigte Gehäuse-System ist nicht nur aus Kunststoff, sondern nach geringer Modifizierung
auch aus Blech herstellbar. Infolge seines geringen Gewichtes und seiner hohen Stabilität
ist es dann für ein Gewehr verwendbar, das Hochleistungspatronen verschießt, etwa
ein Scharfschützengewehr für die Patrone .50 Browning und große Schußentfernungen.
1. Waffengehäuse-System (10) für ein Selbstladegewehr oder eine Maschinenpistole mit
a) einem Waffengehäuse (1) aus Metall und/oder Kunststoff, das mindestens eine einen
Magazinschacht (23) umgebende Wandung (17) aufweist, und
b) einem mindestens teilweise innerhalb der Wandung (17) angeordneten zusätzlichen
Innengehäuse (21), in welchem mindestens ein Teil des Magazinschachtes (23) ausgebildet
ist.
2. Waffengehäuse-System (10) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Innengehäuse (21) mit Abstand zu den seitlichen Wandungen (17) des Waffengehäuses
(1) angeordnet ist.
3. Waffengehäuse-System (10) nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß im Waffengehäuse (1) und im Innengehäuse (21) zueinander komplementäre Führungsstege
und Führungsnuten (11, 13, 33, 35) ausgebildet sind, durch deren Eingriff das Innengehäuse
(21) ortsfest und kraftübertragend im Waffengehäuse (1) anbringbar ist.
4. Waffengehäuse-System (10) nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die seitlichen Wände des Innengehäuses (21) nach vorne verlängert sind (vordere Verlängerungswände
29) und ein Gehäuse für eine Abzugseinrichtung bilden.
5. Waffengehäuse-System (10) nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die seitlichen Wände des Innengehäuses (21) nach hinten verlängert sind (hintere
Verlängerungswände 31) und sich auf einer Ausbildung (Bodenplatte 41 bzw. direkt auf
Abschlußklappe 39) des Waffengehäuse-Systems (10) abstützen.
6. Waffengehäuse-System (10) nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das Innengehäuse (21) mindestens teilweise und bevorzugt gänzlich aus Kunststoff
besteht.