[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Brennen von karbonathaltigem Material in
einem Schachtofen, mit Schwerkraftförderung durch eine Vorwärmzone, mindestens eine
Brennzone und eine Kühlzone zu einer Austragsvorrichtung, wobei eine Brennstoffzufuhr
in der Brennzone oder angrenzend an diese über mehrere durch die Schachtwand geführte
Brennlanzen erfolgt und Verbrennungsluft als Kühlluft unter Überdruck zugeführt wird.
[0002] Besonders beim Brennen von kleinkörnigem Material, d.h. bei einem wesentlichen Anteil
an zu brennendem Material mit einer Korngrösse von weniger als 30 mm besteht das Problem,
die erforderliche Wärmemenge dem Material gleichmässig zuzuführen, so dass jedes Korn
bis zu seinem Kern durchgebrannt wird, ohne dass die Körner durch örtliche Überhitzung
zusammensintern und im Ofen feste Brücken bilden. Dieses Problem ist besonders gross,
wenn über einen Weichbrand hinausgehende, höhere Brenngrade verlangt werden.
[0003] Für kleinkörniges Brennmaterial und eine gleichmässige Brenn- und damit Produktqualität
sind Drehrohröfen am besten geeignet, da eine intensive Materialumwälzung einen guten
und gleichmässigen Wärmeübergang zu jedem Korn gewährleistet. Nachteilig ist jedoch,
dass ihre Konstruktion sehr aufwendig ist und dass zu den entsprechend hohen Investitionskosten
noch hohe Betriebskosten hinzukommen, bedingt durch hohen Verschleiss und hohe Wärmeverluste
durch Abstrahlung und durch Abgase, die sich bei der Anwendung höherer Temperaturen
, wie sie für höhere Brenngrade bzw. andere Produktqualitäten, wie Mittel-, Hart-
und Sinterbrand erforderlich sind, besonders stark auswirken.
[0004] Eine andere Methode, die zum Brennen erforderliche Wärmemenge dem Brenngut gleichmässig
zuzuführen, besteht im Beimischen von Brennstoff, d.h. von Hüttenkoks zum Brenngut
in Mischfeueröfen. Mischfeueröfen sind jedoch nicht für kleinkörniges Brennmaterial
geeignet. Ausserdem haben sie den erheblichen Nachteil, dass die Asche der Koksverbrennung
im fertig gebrannten Produkt verbleibt und somit zu einer mit Graufärbung verbundenen,
minderen Produktqualität führt.
[0005] Eine energiesparende Betriebsweise ist durch Mehrschachtöfen nach dem Gleichstrom-Regenerativ-Verfahren
in sogenannten MAERZ-Oefen gegeben. Bei ihnen wird der Brennstoff durch hängend in
das Brenngut eintauchende angeordnete Brennlanzen zugeführt, die in der Beschickungszone
gleichmässig über den Schachtquerschnitt verteilt angeordnet sind. Solche Öfen bekannter
Ausführung sind jedoch nur für Weichbrand geeignet.
[0006] In der US-A-5,460,517 ist beschrieben, wie durch besondere Korngrössenverteilung
beim Beschicken des Ofens, kombiniert mit einer speziellen Gestaltung der Schachträume
auch ein Brennen von kleinkörnigerem Brennmaterial möglich ist.
[0007] Wenn auch für einen Hartbrand geeignete Mengen an Brennstoff der Brennzone eines
Schachtofen zugeführt werden sollen, um die hierzu erforderlichen Brenntemperaturen
zu erreichen, bestehen bisher nicht überwundene Schwierigkeiten, eine gleichmässige
Temperaturverteilung über den Schachtquerschnitt: zu erzielen und insbesondere ein
Zusammensintern von Brennmaterial durch örtliche Ueberhitzungen zu vermeiden.
[0008] Durch die US-A-4,094,629 wurde vorgeschlagen, die Breite des Schachtquerschnittes
durch seine ringförmige Ausführung zu verringern und in der somit vorhandenen Innenwand
zusätzliche Brennermündungen anzuordnen. Auf diese Weise soll eine gleichmässige Abwärtsbewegung
des Brennmaterials unter Schwerkraft aufrechterhalten werden, ohne dass der Materialstrom
durch Einbauten im Schacht gestört wird.
[0009] Einbauten in Form von balkenförmigen Brennerträgern sind in der GB-A-1111746 beschrieben.
Diese haben aufgrund der Aufnahme von z.B. jeweils zwanzig flüssigkeitsgekühlten Brennern
einen verhältnismässig breiten Querschnitt und bewirken somit eine erhebliche Verringerung
des nutzbaren Ofenquerschnittes, verbunden mit der Gefahr einer örtlichen Blockierung
der Schwerkraftförderung des Brennmaterials.
[0010] Eine zusammenfassende Darlegung verschiedener Brennverfahren, einschliesslich des
zuvorgenannten Brennens in Regenerativ-Mehrschachtöfen findet sich in dem Handbuch
"Chemistry and Technology of Lime and Limestone" von Robert S. Bynton, Second Edition,
1987.
[0011] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der eingangs genannten Art
zu finden, durch das insbesondere kleinkörniges Brennmaterial mit verschiedenen Brenngraden
bis hin zum Totbrand auf wirtschaftliche Weise in Schachtöfen zu einem qualitativ
hochwertigen Produkt gebrannt werden kann.
[0012] Zu Lösung dieser Aufgabe wird ein Verfahren der eingangs genannten Art vorgeschlagen,
das erfindungsgemäss dadurch gekennzeichnet ist, dass die Zufuhr von Brennstoff über
zahlreiche senkrecht zur Schachtwand in den Schachtraum hinein verschiebbare Brennlanzen
durch Auswahl der Position ihrer Mündungen derart ausgeführt wird, dass die sich an
den Brennlanzen ausbildenden Einzelflammen gemeinsam einen Flammbereich bilden, der
sich mindestens angenähert über den gesamten Schachtquerschnitt erstreckt.
[0013] Da jede Brennerlanze vorzugsweise nur zur Erzeugung von jeweils einer Flamme vorgesehen
ist, hat sie im Vergleich zu zahlreiche Brenner aufweisenden Brennerträgern einen
geringen Querschnitt und führt daher nur zu einer unerheblichen Beeinflussung des
Brennmaterialstromes. Es hat sich überraschend gezeigt, dass die Brennlanzen dennoch
eine ausreichende Biegefestigkeit haben, um den Druck des sie umströmenden körnigen
Brennmaterials aufzunehmen. Vorzugweise wird aber die Korngrösse des Brennmaterials
auf 70 mm begrenzt.
[0014] Durch die Erstreckung jeder Brennlanze senkrecht zur Schachtwand wird verhindert,
dass sich zwischen ihr und der Schachtwand ein Spalt bildet, indem sich Brennmaterial
anstauen könnte. Die örtliche Einschränkung des Schachtquerschnittes durch die in
ihn hineinragenden Brennlanzen lässt sich verringern, indem die Brennlanzen in mehreren
Ebenen übereinander und zu denjenigen einer anderen Ebene in Umfangsrichtung versetzt
angeordnet werden, so dass die erforderliche Brennstoffmenge auf mehrere Schachtebenen
verteilt zugeführt wird.
[0015] Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen dieses Verfahrens sind Gegenstand der abhängigen
Patentansprüche und der folgenden Beschreibung anhand der Zeichnungen zu entnehmen.
Es zeigt:
- Fig.1
- in schematischer Darstellung einen Axialschnitt durch einen Einschachtofen mit in
drei Ebenen übereinander angeordneten, in den Schacht hinein- ragenden Brennlanzen,
- Fig.2
- einen Einschachtofen entsprechend Fig.1, jedoch mit im Schacht angeordneten Wärmeaustauschrohren,
- Fig.3
- einen nicht masstäblichen Radialschnitt durch den Ofen nach Fig.1 oder 2 im Bereich
der oberen Ebene der Brennlanzenanordnung,
- Fig.4
- einen Radialschnitt durch den Ofen nach Fig.1 oder 2 im Bereich der mittleren Ebene
der Brennlanzenan- ordnung,
- Fig.5
- einen Radialschnitt durch den Ofen nach Fig.1 oder 2 im Bereich der unteren Ebene
der Brennlanzenanord- nung,
- Fig.6
- ein Diagramm der radialen Temperaturverteilungen über einen in seiner Breite relativ
angegebenen Schachtquerschnitt,
- Fig.7 bis 9
- Querschnittsdarstellung von an einem Schacht- ofen montierten Brennlanzen für pulverförmige,
flüs- sige und gasförmige Brennstoffe,
- Fig.10
- ein Diagramm der vertikalen Temperaturverteilung im Schachtofen nach Fig.1 mit Brennstoffzufuhr
für Weichbrand in drei Brennebenen,
- Fig.11
- ein Diagramm entsprechend nach Fig.10, jedoch in einem Ofen nach Fig.2,
- Fig.12
- ein Diagramm der vertikalen Temperaturverteilung im Schachtofen nach Fig.1 mit Brennstoffzufuhr
für Hartbrand in nur einer Brennebene,
- Fig.13
- ein Diagramm entsprechend nach Fig.12, jedoch in einem Ofen nach Fig.2,
- Fig.14
- einen Mehrschachtofen nach dem Regenerativerfah- ren, mit hängend und quer angeordneten
Brennlanzen,
- Fig.15
- einen Mehrschachtofen nach dem Regenerativerfah- ren, mit nur quer angeordneten Brennlanzen
und
- Fig.16
- einen Mehrschachtofen nach dem Regenerativerfah- ren, mit nur quer angeordneten Brennlanzen
und mit in den oberen Schachtbereichen angeordneten Wär- meaustauschrohren.
[0016] Der in Fig.1 im Längsschnitt dargestellte Einschachtofen 1 ist vertikal ausgerichtet
und hat zumindest über den verfahrenstechnisch erheblichen Bereich seiner Länge einen
Schachtraum 2 mit gleichbleibendem Querschnitt. Dieser kann verschieden, z.B. kreisrund
elliptisch oder vieleckig geformt sein. Im Beispiel entsprechend seinen Querschnittsdarstellungen
in Fig.2 bis 4 ist der Querschnitt kreisringförmig, mit einer Aussenwand 3 aus Stahl,
die aufgrund der erforderlichen hohen Verfahrenstemperaturen auf ihrer Innenseite
mindestens eine gemauerte, feuerfeste Auskleidungsschicht 4 trägt.
[0017] Die Höhe des Ofenschachtes 2 ist durch die verfahrensgemäss im Zusammenhang mit der
Einstellung der Fördergeschwindigkeit mittels der Austragsvorrichtung 5 zu bestimmenden
Verweilzeiten des Brennmaterials bestimmt. Diese Verweilzeiten verteilen sich auf
eine obere, sich an den Beschickungsbereich 6 anschliessende Vorwärmzone 7, auf eine
nach unten folgende Brennzone 8 und eine bis zur Austragsvorrichtung 5 verlaufende
Kühlzone 9.
[0018] Die Zufuhr von gasförmigem, flüssigem oder pulverförmigen Brennstoff, vorzugsweise
zusammen mit primärer Verbrennungsluft, erfolgt über zahlreiche, in einer oder mehreren
Ebenen 10 bis 12 angeordnete Brennlanzen 13, die sich durch die Schachtwand 3,4 in
den Schachtraum 2 hinein erstrecken.
[0019] Durch die axiale Verschiebbarkeit der Brennlanzen von Hand im Schüttgut, senkrecht
durch die ausgemauerte Schachtwand 3,4 hindurch, lassen sich die Positionen ihrer
Mündungen 14 und damit der sich an ihnen jeweils ausbildenden Flammen, systematisch
oder aufgrund von Temperaturmessungen mittels im Schachtquerschnitt verteilten Sonden,
so anordnen, dass in der betreffenden Schachtebene eine weitgehend gleichmässige Brenntemperatur
entsteht. Eine solche gleichmässige Temperaturverteilung ist in dem Diagramm nach
Fig.6 durch den geraden Verlauf der mittleren Kurve 15 dargestellt. Im Vergleich hierzu
würde sich bei einer Anordnung der Lanzenmündungen 14 bündig zur Innenseite der Schachtwand
3,4 ein zur Schachtmitte hin abnehmender Temperaturverlauf entsprechend der Kurve
16 ergeben und damit ein unterschiedlicher Brenngrad des Produktes. Dabei wären die
Temperaturen in der Nähe der Schachtwand zu hoch, mit der Gefahr des Zusammensinterns
und in der Schachtmitte zu niedrig und unterhalb der durch die Kurve 17 angegebenen
minimalen Brenntemperatur. Die auf der Abzisse des Diagramms ablesbaren Radialpositionen
sind nur relativ und nicht auf einen bestimmten Schachtdurchmesser bezogen. Der Schachtdurchmesser
kann jedoch einem Radius von 1 entsprechen, obwohl auch grössere Schachtabmessungen
realisiert werden können, z.B. mit einem Durchmesser von drei oder mehr Metern.
[0020] Aufgrund der hohen Temperaturen im Brennraum 8 sind zumindest die für eine weit in
den Schacht 2 hineinragende Anordnung vorgesehenen Brennlanzen 13 mit einem das Brennrohr
18 umschliessenden Kühlmantel 19 versehen, der Anschlussstutzen 20,21 für die Hindurchleitung
einer Kühlflüssigkeit aufweist. An Brennlanzen 13, an denen eine geringere Temperaturbelastung
zu erwarten ist, kann anstatt eines Kühlmantels für den betreffenden Lanzenbereich
ein hitzebeständiges Material verwendet werden. Auf diese Weise wird die über ein
Kühlmedium abgeführte Wärmemenge verringert.
[0021] Das Brennrohr 18 hat einen Anschlussstutzen 22 für die Zuleitung primärer Verbrennungsluft.
Ausserdem ist am hinteren Ende der Brennlanze 13 ein gleichachsig mit diesem verlaufendes
Brennstoffrohr 23,24 oder 25 eingesetzt, das je nach der Art des zu verwendenden Brennstoffes
unterschiedlich ausgeführt ist. Für pulverförmigen Brennstoff hat das Brennstoffrohr
die Form eines kurzen Sutzens 23 entsprechend Fig.7. Für flüssigen und gasförmigen
Brennstoff erstreckt sich das Brennstoffrohr 24 oder 25 bis kurz vor die Mündung 14
der Brennlanze 13, um sich dort mit der im umschliessenden Ringkanal 26 zuströmenden
primären Verbrennungsluft zu vermischen.
[0022] Eine gegen den Überdruck im Ofen dichte, aber verschiebbare Hindurchführung der Brennlanzen
13 durch die Schachtwand 3,4 hindurch ist jeweils durch eine sich an eine Wandbohrung
27 nach aussen anschliessende stopfbuchsartige Dichtanordnung 28 gewährleistet.
[0023] Die Fig.3 bis 5 veranschaulichen eine unterschiedliche Winkelanordnung der in drei
Ebenen angeordneten Brennlanzen 13, so dass die Brennlanzen 13 zu denjenigen einer
anderen Ebene winkelversetzt sind. Durch die ausserdem unterschiedlichen, in den Darstellungen
beispielhaft angegebenen Einschubpositionen der Brennlanzen 13 der verschiedenen Brennebenen
10, 11 und 12 ist auch bei kleiner Flammenausbildung eine besonders weitgehende Abdeckung
des Schachtquerschnittes durch die sich an jeder der Mündungen 14 ausbildenden Flammen
gegeben. Die Grösse dieser Flammen ist durch mehrere Faktoren bestimmt, d.h. die Menge
des Brennstoffs, die Menge der primären und sekundären Verbrennungsluft sowie die
Korngrösse des Brennmaterials. Eine geringe Korngrösse führt zu einer dichteren Schüttgutpackung
und damit zu einer geringeren Ausbreitung der Flamme. Andererseits hat die Begrenzung
der Korngrösse auf einen Bereich mit vorzugsweise weniger als 70 mm Korngrösse den
Vorteil einer geringeren mechanischen Belastung der in das fliessende Schüttgut quer
hineinragenden Brennlanzen 13 sowie den Vorteil einer kleiner einstellbaren Verweilzeit,
so dass ein Zusammensintern von Brennmaterial durch eine kurze Verweilzeit verhindert
werden kann. Für einen gleichmässigen Brenngrad sollte die Korngrössenverteilung in
einem möglichst kleinen Bereich liegen.
[0024] Falls das Verfahren mit einer Korngrösse des Brennmaterials durchgeführt werden soll,
die in einem Bereich wesentlich oberhalb einer maximalen Korngrösse von 70 mm liegt,
so können besondere Massnahmen getroffen werden, die eine Ueberlastung der weit in
den Schacht 2 hineinragenden Brennlanzen 13 verhindern. Beispielsweise kann die betreffende
Brennlanze nach Art eines Wiegebalkens gehalten sein, mit einer Kraftmessstelle ausserhalb
der Schachtwand 3 und mit einer Vorrichtung zur Erzeugung mechanischer Schwingungen,
die bei Überschreitung einer zulässigen Kraft selbsstätig eingeschaltet wird. Auf
diese Weise lässt sich die Brennlanze freirütteln, wenn sich auf ihr ein Materialstau
bilden sollte. Ein Rütteln der Brennlanze kann auch ihr Einschieben in den gefüllten
Schachtraum 2 erleichtern.
[0025] Die Brennstoffzufuhr in den einzelnen Brennebenen 10,11 und 12 kann einzeln bis auf
Null geregelt werden, um in Abhängigkeit vom gewünschten Brenngrad bzw. der Verweilzeit
in einem bestimmten Temperaturbereich einen bestimmten Temperaturverlauf in Schachtlängsrichtung
bzw. in Strömungsrichtung der von unten zuströmenden Luft zu erhalten.
[0026] Diese Luft wird im Bereich der z.B. als Schubtisch ausgeführten Austragsvorrichtung
5 mit Überdruck durch mindestens ein nicht dargestelltes Gebläse zugeführt, so dass
sie im Gegenstrom zu der sich durch Schwerkraft abwärtsbewegenden Schüttgutsäule durch
deren Kornstruktur hindurch nach oben strömt. Dabei dient sie zuerst in der Kühlzone
9 als Kühlluft, anschliessend in der Brennzone 8 als z.B sekundäre Verbrennungsluft
und zuletzt, in der oberen Vorwärmzone 7 des Ofens zum Vorwärmen des Brenngutes und
dabei, entsprechend einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung, zum Vorwärmen
der zu den Brennlanzen 13 strömenden, primären Verbrennungsluft in dort hängend angeordneten
Wärmeaustauschrohren 29.
[0027] Die erfindungswesentliche Anordnung der Brennlanzen 13 bzw. von deren Mündungen 14,
verteilt auf den Schachtquerschnitt, ermöglicht neue Arten der Verfahrensführung,
mit besonders hohen Flammentemperaturen im Bereich von 1800°C bei kurzer Verweilzeit,
ohne dass ein bei solchen Temperaturen an sich zu erwartendes Zusammensintern d.h.
das Ausbilden von Blökken auftritt, so dass ein bisher nicht möglich gewesenes Hartbrennen
im Vertikalschachtofen mit gasförmigen, flüssigen und pulverförmigen Brennstoffen
möglich ist.
[0028] Die Diagramme der Fig. 10 bis 13 zeigen für eine bestimmte Verweilzeit die sich aufgrund
der Steuerung der Brennstoffzufuhr in Verbindung mit angepasster primärer Luftzufuhr
über die Brennlanzen 13 und im Gegenstrom zugeführter sekundärer Verbrennungsluft
realisierbaren Temperaturverläufe für das Brennmaterial Kalk (CaCO3), bezogen auf
den Längsschnitt des Schachtofens. Dabei ist die Temperatur des Brennmaterials durch
eine durchgezogene Linie 30 dargestellt, während die Temperatur des sich durch die
Verbrennung bildenden Brenngases und der Kühl- bzw. Sekundärverbrennungsluft der gestrichelten
Linie 31 entspricht.
[0029] Für die Herstellung von Weichbrand nach Fig.10 und Fig.11 erfolgt die Brennstoffzufuhr
abgestuft über die in den drei Brennebenen 10 bis 12 angeordneten Brennlanzen 13 in
wesentlich geringerer Menge als für Hartbrand, so dass sich Flammentemperaturen entsprechend
den drei Temperaturspitzen 32 bis 34 ausbilden. die bei ca. 1200° C in der ersten
Brennebene und bei ca. 1400° C in der dritten Brennebene liegen. Das von oben nach
unten strömende Brennmaterial gelangt somit in der ersten Brennebene 30 zuerst in
Kontakt mit Brenngas von 1200° Celsius und in den anschliessenden Brennebenen mit
heisserem Brenngas von maximal ca. 1400° C. Durch das im Gegenstrom nach oben strömende
Brenngas wurde das körnige Brennmaterial bei Erreichen der ersten Brennebene bereits
auf ca. 1000° C vorgewärmt, und es erreicht in der dritten Brennebene eine Temperatur
von ca. 1200° C. Durch die auf drei Brennebenen 10,11,12 verteilte Zufuhr der erforderlichen
Brennstoffmenge hat die Brennzone 8 eine entsprechend lange Erstreckung in Schachtrichtung
mit entsprechend grosser Verweilzeit des Brennmaterials in der Brennzone 8.
[0030] Das in Schachtöfen mit Ausnahme von Mischfeueröfen bisher nicht möglich gewesene
Hartbrennen von Kalk erfolgt entsprechend dem Ausführungsbeispiel nach Fig.12 mit
Brennstoffzufuhr und Zufuhr von primärer Verbrennungsluft in nur einer Ebene 12 und
bei einer Flammtemperatur von etwa 1800° C. Das Brennmaterial hat eine Korngrösse
im Bereich von 5 bis 70 mm. Die sich ergebende hohe Brenntemperatur von ca. 1400°
C bewirkt überraschenderweise kein Zusammensintern von Körnern des Brennmaterials
mit Klumpen und Brückenbildung. Dies erklärt sich durch eine kurze Verweilzeit bei
höchsten Temperaturen, entsprechend dem spitzen Verlauf der Temperaturkurve 31 für
das Brennmaterial in Diagramm nach Fig.12. Dieser Temperaturverlauf ergibt sich durch
die fehlende Zuschaltung zusätzlicher Brennebenen und der entsprechend kürzeren Erstreckung
der Brennzone 8 in Schachtrichtung.
[0031] Bei der Ausführung des Einschachtofens 1 entsprechend der Darstellung in Fig.1 verlassen
die in der Vorwärmzone 7 sich abkühlenden Brenngase den Ofen bei ca. 330° C, so dass
entsprechend hohe Wärmeverluste auftreten. Eine Rekuperation in nachgeschalteten Wärmetauschern
würde aufgrund des hohen Staubanteils im Abgasstrom zur baldigen Ausbildung von die
Wärmeübertragung behindernden Ablagerungen führen. Bei einer bevorzugten Weiterbildung
der Erfindung entsprechend dem Ausführungsbeispiel nach Fig.2 wird ein Teil der in
den Brenngasen enthaltenen Wärmeenergie für die Aufheizung von primärer Verbrennungsluft
ausgenutzt, die den Brennlanzen 13 über eine Leitung 39 zugeführt wird. Diese Aufheizung
erfolgt innerhalb des Ofens 1', indem die Verbrennungsluft durch Wärmeaustauschrohre
36 geführt wird, die mit einem Zuund Rückleitungsteil 37,38 vertikal hängend und in
Umfangsrichtung des Schachtes 2 oder gleichmässig auf den Schachtquerschnitt verteilt,
in das Brennmaterial der Vorwärmzone 7 eintauchen. Die Anordnung der Wärmeaustauschrohre
36 im Ofen 1' in direktem Kontakt mit dem Brenngut und den Brenngasen führt zu einer
besonders guten Wärmeübertragung durch Wärmeleitung, Konvektion und Wärmestrahlung.
Ausserdem werden die Wärmeaustauschflächen der Rohre 36 durch das unter Schwerkrafteinfluss
an ihnen entlangströmende Brennmaterial selbsttätig gereinigt. Die somit mögliche
Einsparung an Wärmeenergie beträgt gegenüber einem Ofen ohne Vorwärmung von primärer
Verbrennungsluft ca. 7 bis 10 %, bei einer Abgastemperatur von ca. 190° C anstatt
von ca. 330° C.
[0032] Die Fig.11 und 13 veranschaulichen den sich aufgrund des zusätzlichen Wärmeaustausches
in den Rohren 36 ergebenden andersartigen Temperaturverlauf in Schachtrichtung.
[0033] Die Doppelschachtöfen 40, 40' und 40" der Ausführungsbeispiele der Erfindung nach
Fig.14 bis Fig.16 werden wie die bekannten MAERZ-Oefen nach dem Regenerativverfahren
betrieben. Dies bedeutet, dass beide Schächte 41 und 42 im Übergangsbereich 43 unterhalb
der Brennzone 44 miteinander querverbunden sind, dass vom Austragsbereich 45 kontinuierlich
Kühlluft im Gegenstrom zugeführt wird und dass ausserdem vom Beschickungsbereich 46
aus Verbrennungsluft im Gleichstrom abwechselnd einem der Schächte 41, 42 zugeführt
wird, während gleichzeitig die Ableitung der Abgase aus dem Ofen 40, 40', 40" durch
die Vorwärmzone des benachbarten Schachtes 42 bzw. 41 hindurch erfolgt. Die Umschaltung
dieser Strömungsverhältnisse im Ofen erfolgt in Zeitintervallen von beispielsweise
10 bis 15 Minuten. Die Darstellungen der Fig.14 bis 16 veranschaulichen durch die
Richtungspfeile den Betriebszustand, bei dem Verbrennungsluft dem Schacht 41 über
die Leitung 47 zugeführt und das Abgas vom anderen Schacht 42 über die Leitung 48
abgeleitet wird. Nach demselben Umschaltprinzip können auch mehr als zwei zueinander
parallele Schächte 41,42 mit abwechselndem Betriebszustand betrieben werden.
[0034] Im Unterschied zu dem als MAERZ-Ofen bekannten Gleichstrom Regenerativ-Ofen, bei
dem Brennstoff entsprechend den Betriebsintervallen abwechselnd nur dem einen oder
anderen der Schächte im Gleichstrom mit dem Brenngut zugeführt wird, erfolgt die Brennstoffzufuhr
gleichzeitig zu beiden Schächten 41,42, so dass in einem der Schächte die Brenngase
Gleichstrom zum Brennmaterial und im anderen Schacht im Gegenstrom gerichtet sind.
Die Gesamthaft erforderliche Brennstoffzufuhr wird somit auf die Brennlanzenanordnungen
beider Schächte 41, 42 verteilt. Im Unterschied zum Gleichstrombrennbetrieb in einem
Schacht 41 oder 42, erfolgt somit im anderen Schacht 42 oder 41 das Brennen mit in
der Kühlzone 49 vorgewärmter Verbrennungsluft, mit folglich verringerter Abgasmenge
und entsprechend verbesserter Energiebilanz. Gegen über dem bekannten Gleichstrom-Regenerativofen
nach System MAERZ kann beim Brennen von Kalkstein die Verringerung der Abgasmenge
25 % betragen. Dadurch steigt die Konzentration des Kohlendioxids, so dass das Abgas
vorteilhaft für chemische Verfahren eingesetzt werden kann, die ein Gas mit hohen
Kohlendioxidgehalt benötigen.
[0035] Beim Doppelschachtofen nach Fig.14 sind zusätzlich zu von oben in das Brennmaterial
50 eintauchenden Brennlanzen 51 in der Nähe des Übergangsbereiches 43 quer in das
Brennmaterial 50 eingeschobene Brennlanzen 52 vorgesehen. Nach Umschaltung des Brennbetriebes
werden somit im selben Schacht anstatt der hängenden Brennlanzen 51 die quereingeschobenen
Brennlanzen 52 in Betrieb genommen werden, bei gleichzeitiger, umgekehrter Umschaltung
der Brenner 52,51 im anderen Schacht. Die Richtung der Flammentwicklung an den Düsenmündungen
der Brennlanzen 51,52 in Schachtrichtung ist durch die Abbildungen der Flammen 53
und 54 ersichtlich. Durch diese Darstellungen ist auch ersichtlich, dass die quer
gerichteten Brennlanzen 52 des Schachtes 41 während des Betriebs der in diesem Schacht
41 hängenden Brennlanzen 51 abgeschaltet sind, während im anderen Schacht 42 die Brennlanzen
52 zugeschaltet sind.
[0036] Am Doppelschachtofen nach Fig.15 sind in beiden Schächten 41,42 nur quer angeordneten
Brennlanzen 55 vorgesehen. Der Doppelschachtofen nach Fig.16 hat demgegenüber zusätzlich
im Vorwärmbereich 56 hängend angeordnete Wärmeaustauschrohre 58 zur Aufheizung von
primärer Verbrennungsluft, wie zuvor zum Einschachtofen nach Fig.2 beschrieben worden
ist.
[0037] Durch die gleichzeitige Zuführung von Brennstoff im zweiten Schacht im Gegenstrom
durch in das Brennmaterial eingeschobene Brennlanzen 52,55 ist das an sich bekannte
Regnerativ-verfahren bei gutem thermischen Wirkungsgrad auch für die Herstellung von
Mittel- und Hartbrand vorteilhaft geeignet.
1. Verfahren zum Brennen von karbonathaltigem Material in einem Schachtofen, mit Schwerkraftförderung
durch eine Vorwärmzone, mindestens eine Brennzone und eine Kühlzone zu einer Austragsvorrichtung,
wobei eine Brennstoffzufuhr in der Brennzone oder angrenzend an diese über mehrere
durch die Schachtwand geführte Brennlanzen erfolgt und Verbrennungsluft als Kühlluft
unter Überdruck zugeführt wird, dadurch gekennzeichnet, dass die Zufuhr von Brennstoff über zahlreiche, senkrecht zur Schachtwand in den Schachtraum
hinein verschiebbare Brennlanzen durch Auswahl der Position ihrer Mündungen derart
ausgeführt wird, dass die sich an den Brennlanzen ausbildenden Einzelflammen gemeinsam
einen Flammbereich bilden, der sich mindestens angenähert über den gesamten Schachtquerschnitt
erstreckt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Brennstoffzufuhr über mehrere übereinander vorgesehene Gruppen von jeweils in
mindestens angenähert gleicher Ebene angeordnete Brennlanzen erfolgt und in Abhängigkeit
vom gewünschten Brenngrad in der Brennzone ein in Ofenlängsrichtung verlaufendes Temperaturprofil
durch Verändern der Brennstoffzufuhr zu einer oder mehreren der einzelnen Lanzengruppen
eingeregelt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Temperaturverteilung über den Schachtquerschnitt durch Verschieben der Brennlanzen
und damit der radialen Position der Brennermündungen während des Betriebs des Ofens
in Abhängigkeit von durch Messsonden ermittelten Temperaturwerten oder durch die ermittelte
Produktqualität eingestellt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass zur gleichmässigen, gemeinsamen Abdeckung des Schachtquerschnittes durch einzelne,
übereinander vorgesehene Flammbereiche die Verschieberichtung von übereinander angeordneten
Brennlanzen in Umfangsrichtung des Schachtes zueinander versetzt verläuft.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass durch die Brennlanzen, zusätzlich zu Brennstoff, Verbrennungsluft zugeführt wird,
deren Menge einstellbar ist und bei Bedarf bis auf Null abgeregelt werden kann.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die über die Brennlanzen zuzuführende Verbrennungsluft innerhalb der Vorwärmzone
erwärmt wird, indem sie durch Wärmetauscherrohre geführt wird, die parallel zur Schachtwand
und auf den Ofenquerschnitt verteilt im Vorwärmbereich des Ofens hängend angeordnet
sind.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, zum Brennen in einem Mehrschachtofen nach
dem Regenerativverfahren durch zeitlich zwischen den Schächten abwechselnde Zufuhr
von Verbrennungsluft im Gleichstrom, und mit kontinuierlicher Gegenstromzufuhr von
Kühlluft im unteren Bereich der Schächte, dadurch gekennzeichnet, dass während der Brennstoffzufuhr im Gleichstrombetrieb in einem der Schächte, in einem
oder mehreren anderen, mit ersterem querverbundenen Schächten, Brennstoff mit oder
ohne Verbrennungsluft über in der Brennzone angeordnete, quer zur Ofenwand verschiebbare
Brennlanzen zugeführt wird.
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Brennstoffzufuhr während jeweils einer der Betriebsperioden des Regenerativverfahrens
in einem der Schächte im Gleichstrom über hängend angeordnete Brennlanzen erfolgt.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die maximale Einschubtiefe der Brennlanzen bis nahe an das Zentrum des Schachtquerschnittes
reicht, so dass die zugehörige Flamme das Zentrum erreicht, wobei die lichte Weite
des Schachtraumes auf 3 m begrenzt wird.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass zum Brennen ein Brennmaterial ausgewählt wird, dessen Korngrösse im Bereich von 5
bis 70 mm liegt.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest die am weitesten in den Schachtraum hineinragenden Brennlanzen durch ein
Kühlmittel durchströmt werden.