[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1
sowie eine Einrichtung gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruchs 4.
[0002] In der EP 0 701 014 B1 (= DE 44 31 830 C1, US-PS 5,626,011) ist ein Verfahren und
eine Vorrichtung zur Herstellung eines Zwirns in einem integrierten Offenend-Spinn-
und Doppeldrahtzwirn-Prozeß beschrieben. Die Vorrichtung weist als Teil einer Doppeldraht-Zwirnspindel
einen in einem Maschinengestell gelagerten, rotatorisch antreibbaren Spindelrotor
mit einer Spindelhohlachse auf, an die sich ein im wesentlichen radial nach außen
geführter Fadenleitkanal für einen Faden anschließt, der nach Austritt aus dem Fadenleitkanal
unter Ballonbildung zu einem in der Verlängerung der Spindelhohlachse liegenden Zentrierpunkt
geführt und dann abgezogen und zu einer Spule aufgewickelt wird. Innerhalb des durch
den Fadenballon definierten Raums sind oberhalb des Spindelrotors zwei Rotorspinnaggregate
nebeneinander und symmetrisch zur Spindelhohlachse mit nach oben offenen OE-Spinnrotoren
angeordnet, denen das Fasermaterial durch den Fadenballon hindurch zugeführt wird.
Die von diesen OE-Spinnrotoren erzeugten Spinnfäden werden nach oben abgezogen und
in ihrer Bewegungsrichtung um 180° umgelenkt und in die Spindelhohlachse eingeführt,
um nach dem Doppeldraht-Zwirnprinzip verzwirnt zu werden.
[0003] Zur Herstellung der Spinnfäden ist es erforderlich, daß in die OE-Spinnrotoren Anspinnfadenstränge
bzw. Anspinnfäden eingeführt werden. Ein entsprechendes Verfahren und eine entsprechende
Vorrichtung sind Gegenstand der EP 0 701 014 B1 und bilden die Basis für die Oberbegriffe
der Ansprüche 1 und 4 der vorliegenden Anmeldung.
[0004] Wenn bei einem integrierten OE-Spinn- und Doppeldrahtzwirn-Prozeß das Anspinnen entsprechend
der Lehre der EP 0 701 014 B1 erfolgt, können Nachteile auftreten derart, daß der
unmittelbar nach einem Anspinnprozeß hergestellte Zwirnfaden über eine größere Länge
nicht miteinander verzwirnte Fadenabschnitte aufweist, so daß unter Umständen die
gesamte Zwirnspule für die weitere Verarbeitung unbrauchbar wird. Dieses gilt sowohl
im Fall der Behebung eines Fadenbruchs als auch für die Anfangsbewicklung einer Zwirnspule.
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und eine Einrichtung zu schaffen,
bei dem bzw. bei der gewährleistet ist, daß der unmittelbar im Anschluß an den Anspinnprozeß
hergestellte Zwirnfaden überhaupt keine oder nur sehr kurze Abschnitte mit nicht miteinander
verzwirnten Einzelfäden aufweist.
[0006] Die Lösung dieser Aufgabe erfolgt verfahrensmäßig mit den Merkmalen aus dem kennzeichnenden
Teil des Patentanspruchs 1, wobei vorteilhafte Weiterbildungen in den Ansprüchen 2
und 3 beschrieben sind.
[0007] Eine Einrichtung zur Durchführung des verfindungsgemäßen Verfahrens ist Gegenstand
des Anspruchs 4. Vorteilhafte Weiterbildungen dieser Einrichtung sind in den Unteransprüchen
5 bis 13 beschrieben.
[0008] Bei Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird durch das Einklemmen des einzelnen
Spinnfadens gemäß Schritt (1) gewährleistet, daß die während des Schritts (k) in den
einzelnen Spinnfaden zurückgelaufene Spinndrehung aufrechterhalten bleibt, wobei außerdem
ein Kringeln des Spinnfadens im Bereich der Fadenschlaufe verhindert wird.
[0009] Die Spinndrehung kann damit nur in einem relativ kurzen Abschnitt des Spinnfadenendes
auf- bzw. zurückgedreht werden, nämlich in dem Abschnitt, der zwischen der Klemmstelle
und dem in den Spinnrotor eingeführten, freien Fadenende liegt. Dieses Fadenende wird
im übrigen nur so weit in den Spinnrotor eingeführt, daß es vor dem Beginn der Fasermaterialeinspeisung
in den Spinnrotor im Abstand von der Fasermaterialsammelrinne des Spinnrotors liegt,
wobei das freie Fadenende sich noch in der Spinnrotorhohlachse bzw. dem Spinnrotorabzugsrohr
befindet, derart, daß es bei rotierendem Spinnrotor nicht der Zentrifugalkraft ausgesetzt
ist.
[0010] Wenn bei rotierendem Spinnrotor ausreichend Fasermaterial in diesen eingespeist worden
ist, wird der Anspinnvorgang, so wie es im Anspruch 1 in den Merkmalen (d) bis (g)
beschrieben ist, eingeleitet. Das Abziehen des zweiten Schlaufenzweiges gemäß Merkmal
(f) wird dadurch bewirkt, daß, zeitlich genau abgestimmt, das übliche Aufwickelaggregat
der Doppeldrahtzwirnspindel in Gang gesetzt wird.
[0011] Beim Beginn des Anspinnvorganges läuft die durch den OE-Spinnrotor erzeugte Spinndrehung
in das vorher freie, nicht eingeklemmte Ende des Anspinnfadens ein, so daß unmittelbar
im Anschluß an das Anspinnen zwei Spinnfäden vorhanden sind, die die für den Doppeldraht-Zwirnprozeß
erforderliche Spinndrehung aufweisen.
[0012] Das Einfördern der freien Anspinnfadenenden in den einzelnen Spinnrotor bzw. in dessen
Fasermaterialsammelrinne kann gemäß Anspruch 3 zusätzlich noch dadurch begünstigt
werden, daß die Fadenschlaufe, d. h. beide Fadenschlaufenzweige zwischen der gemäß
Merkmal (k) vorhandenen Einklemmstelle und dem Einlauf in den Spinnrotor in ein aus
einem Rollenpaar bestehendes Lieferwerk eingelegt wird, derart, daß der erste Schlaufenzweig
zum Spinnrotor und der zweite Schlaufenzweig zur Spindelhohlachse geführt ist.
[0013] Wenn während des Anspinnvorgangs nach Ingangsetzen des der Doppeldraht-Zwirnspindel
zugeordneten Aufwickelaggregats der Zwirnvorgang beginnt und damit die beiden Spinnfäden
in die Spindelhohlachse eingezogen werden, werden die Rollen jedes Lieferwerks zwangsläufig
in Drehung versetzt, wodurch das Einfördern des zum Spinnrotor führenden Fadenabschnitts
erfolgt.
[0014] Zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens dient die in der folgenden Figurenbeschreibung
beschriebene Einrichtung gemäß Anspruch 4, wobei vorteilhafte Weitergestaltungen dieser
Einrichtung in den Ansprüchen 5 bis 13 behandelt sind.
[0015] Die Erfindung wird im folgenden anhand der Zeichnung näher beschrieben.
- Figur 1
- zeigt eine Schnittdarstellung einer Doppeldraht-Zwirnspindel mit darin integrierten
Spinnaggregaten in Form von OE-Spinnrotoren;
- Figur 2
- zeigt in vergrößerter perspektivischer Darstellung die erfindungsgemäße Anspinneinrichtung;
- Figur 3
- zeigt in nochmals vergrößerter Darstellung ein erstes Detail der Anspinneinrichtung;
- Figur 4
- zeigt ebenfalls in vergrößerter Darstellung ein zweites Detail der Anspinnein richtung
[0016] Gemäß Figur 1 ist in einem durch eine Spindelbank 1 repräsentierten Maschinengestell
mittels eines Lagerblocks 2 ein Hohlschaft 3 drehbar gelagert, dessen äußeres, d.
h. unteres Ende an eine nicht dargestellte Saugluftquelle anschließbar ist. Der über
einen Wirtel 4 mittels eines nicht dargestellten Tangentialantriebsriemens antreibbare
Hohlschaft 3 trägt eine radial nach außen gerichtete Spindelrotorscheibe 5 mit einem
im wesentlichen radial geführten Fadenleitkanal 6. Am Außenumfang der Spindelrotorscheibe
5 ist ein Ballonbegrenzertopf 7 befestigt, in dessen Wand ein Fadenleitkanal 8 senkrecht
nach oben geführt ist, das mit seinem unteren Ende an den Fadenleitkanal 6 anschließt
und aus dessen oberen Ende der Faden F3 zur Zentrieröse 9 hin geführt ist.
[0017] In das innere Ende des Fadenleitkanals 6 mündet als Teil der Spindelhohlachse ein
an seinem unteren Ende abgebogenes Fadenführungsrohr 10, das so in den Hohlschaft
3 eingesetzt ist, daß zwischen dem Hohlschaft und dem Fadenführungsrohr 10 Luftkanäle
11 frei bleiben. Der Spindelrotor besteht damit im wesentlichen aus folgenden Elementen:
Hohlschaft 3, Spindelrotorscheibe 5, Ballonbegrenzertopf 7 mit Fadenleitkanal 8 sowie
Fadenführungsrohr 10.
[0018] Auf dem oberen Ende des Hohlschafts 3 ist mittels geeigneter Lager ein im wesentlichen
geschlossenes Innengehäuse 12 gelagert, das beispielsweise mittels nicht dargestellter
Permanentmagnete gegen Drehung gesichert ist und einen Boden 12.1, ein Zylindergehäuse
12.2 und einen Deckel 12.3 aufweist. In dem Innengehäuse 12 sind zwei Rotorspinnvorrichtungen
bzw. OE-Spinnaggregate R1 und R2 untergebracht, deren Spinnrotoren 13, 14 nach oben
hin offen sind und mittels eines Antriebsriemens 15 von einem nicht dargestellten
Motor angetrieben werden. Die Energieversorgung dieses Antriebsmotors erfolgt durch
die Spindelrotorscheibe 5 hindurch über ein schematisch angedeutetes System aus Schleifringkontaken
16, 17 mit daran anschließenden elektrischen Leitungen.
[0019] Der Spindelrotor ist von einem Außengehäuse 18 umgeben, bestehend aus einem Boden
18.1, einem unteren Zylindergehäuseabschnitt 18.2, einem oberen Zylindergehäuseabschnitt
18.3 und einem abnehmbaren Deckel 18.4, der die Zentrieröse 9 aufweist.
[0020] In den Spinnrotor 14 mündet ein Fasermaterial-Einspeisungskanal, der einen inneren
durch den Deckel 12.3 hindurchgeführten Kanalabschnitt 19.1 sowie einen durch den
oberen Zylindergehäuseabschnitt 18.3 geführten Kanalabschnitt 19.2 aufweist. Der Spinnrotor
13 weist ein gleiches, im einzelnen nicht dargestelltes Fasermaterialeinspeisungssystem
auf.
[0021] In Verbindung mit dem Spinnrotor 13 ist repräsentativ für beide Spinnrotoren ein
Fadenabzugsrohr 20 dargestellt. Durch die Fadenabzugsrohre 20 werden die in den Spinnrotoren
13, 14 hergestellten Spinnfäden F1 bzw. F2 abgezogen und über Umlenkrollen 26, 27
geführt, bevor sie durch das obere Einlaufende in die nach unten gerichtete Spindelhohlachse
21 einlaufen, die unter Zwischenschaltung einer Ringspaltdichtung 22 in das obere
Ende des Fadenführungsrohres 10 mündet.
[0022] An das innere Ende des Hohlschaftes 3 schließen sich Luftkanäle 23, 24 an, die im
Bereich der Spinnrotoren 13, 14 in den Innenraum des Innengehäuses 12 einmünden. Auf
diese Weise kann durch Beaufschlagen des Hohlschaftes 3 mit Saugluft durch Unterdruck
Fasermaterial durch die Fasermaterialeinspeisungskanäle 19 in die Spinnrotoren 13,
14 eingespeist werden.
[0023] Die im folgenden anhand der Figuren 2 bis 4 beschriebene Anspinneinrichtung 30 ist
in einer Ausnehmung 12.3' an der Oberseite des Deckels 12.3 untergebracht.
[0024] Gemäß Figur 2 besteht diese Anspinneinrichtung 30 aus einem im wesentlichen rotationssymmetrischen
Basiskörper 31, dessen Boden 32 mit einer zentralen, koaxial zur Spindelhohlachse
21 liegenden Öffnung 33 und mit seitlichen Öffnungen 34, 35, die jeweils an die Spinnfadenabzugsrohre
20 der Spinnrotoren 13, 14 anschließen.
[0025] Auf dem Boden 32 des Basiskörpers 31 ist eine Stützplatte 55 montiert, an der neben
den bereits oben behandelten Umlenkrollen 26, 27 noch zwei Lieferwerke sowie als Fadenspeicherelemente
zwei Klemmeinrichtungen als wesentliche Teile der erfindungsgemäßen Anspinneinrichtung
30 gelagert bzw. angebracht sind.
[0026] Die Klemmeinrichtung besteht aus einem im wesentlichen dachfirstartigen Block 56,
dessen beiden Schrägflächen Klemmflächen 36 bzw. 37 bilden. Jeder Klemmfläche ist
eine beweglich gelagerte Klemmplatte 38 bzw. 39 zugeordnet, die aus magnetischem Material
bestehen. Jede Klemmplatte 38 bzw. 39 ist schwimmend gelagert und ist einem nach hinten
gerichteten Ansatz 38.1 bzw. 39.1 versehen, wobei an den im Abstand voneinander liegenden
Enden der Ansätze an den Übergangsstellen zu der eigentlichen Klemmplatte 38 Einschnitte
38.2 bzw. 39.2 angebracht sind. An dem Block 56 ist eine Platte 41 mit einer Schraube
42 befestigt. Die Platte 41 hat entsprechend der "Firstfläche" des dachfirstartigen
Blockes 56 die Form eines gleichschenkligen Dreiecks, dessen Schenkel parallel zu
den schräg verlaufenden Klemmflächen 36 bzw. 37 liegen. An diese Schenkel der dreieckigen
Platte 42 schließen sich schräg von dem Block 56 weg gerichtete Flügel 43 bzw. 44
an, die beide, so wie es für den Flügel 44 dargestellt ist, längliche, im wesentlichen
rechteckige Aussparungen 44.1 aufweisen, in die die einzelne Klemmplatte 38, 38.1
bzw. 39, 39.1 mittels der Einschnitte 38.2 bzw. 39.2 eingehängt sind.
[0027] In den Block 56 ist gemäß Figur 4 ein Permanentmagnet 40 derart eingesetzt, daß die
einzelne Klemmplatte 38 unter Magnetkrafteinfluß entweder in der Klemmstellung gegen
die stationäre Klemmfläche gezogen oder durch Zusammenwirken zwischen ihrem hinteren
Ansatz 38.1 bzw. 39.1 und dem Permanentmagneten 40 in der Öffnungsstellung gehalten
wird. Die einzelne Klemmplatte 38 bzw. 39 ist damit zwischen Klemm- und Öffnungsstellung
verschwenkbar.
[0028] Jedes der beiden Lieferwerke hat zwei Rollen 51, 52 bzw. 53, 54, von denen jeweils
eine Rolle von der anderen Rolle weggeschwenkt werden kann, so wie es für die Rolle
52 anhand der gestrichelt dargestellten Rolle 52' veranschaulicht ist. Die beiden
Rollen 51, 52 bzw. 53, 54 jedes Lieferwerks sind so angeordnet, daß jeder Rollenspalt
unmittelbar an das untere Ende der beiden zusammenwirkenden Klemmflächen jedes Speicherelementes
anschließt.
[0029] Die verschwenkbar gelagerte Rolle 52 bzw. 54 jedes Lieferwerks ist vorzugsweise federbelastet,
so daß diese verschwenkbare Rolle federnd gegen ihre Gegenrolle anstellbar ist.
[0030] Gemäß Figur 3 ist die Rolle 51 als Hohlkörper ausgebildet, der mit seiner Innenwand
auf einem auf einer Achse 45 befestigten, balligen Stützkörper 46, vorzugsweise in
Kugelform, abgestützt ist. Gegen die äußere Umfangsfläche der Rolle 51 liegen an den
entgegengesetzten Enden der Rolle 51 Anschlagkörper 47, 48 an, die parallel zu der
durch den Achsen der beiden Rollen 51, 52 gelegten Ebene einerseits und senkrecht
zum Rollenspalt des Lieferwerks ausgerichtet sind. Auf diese Weise ist gewährleistet,
daß die Rolle 51 ihre Lage nur um eine senkrechte Achse in einer Ebene verändern kann,
die durch die Achsen der beiden Rollen bestimmt ist, während durch die gegen die Oberseite
der Rolle 51 anliegenden Anschlagkörper 47, 48 ein Verschwenken bzw. Kippen der Rolle
51 um eine horizontale Achse in einer Ebene verhindert wird, die tangential zu den
sich im Bereich des Rollenspaltes berührenden Mantelflächen der beiden Rollen 51,
52 gelegt ist.
[0031] Der Sinn und Zweck der durch die zusammenwirkenden Klemmflächen einerseits gebildeten
Speicherelemente und der durch die einander zugeordneten Rollen gebildeten Lieferwerke
ergibt sich aus der folgenden Beschreibung eines Anspinnvorgangs.
[0032] Im Fall eines Fadenbruchs oder für den Fall einer Anfangs- bzw. Erstbewicklung einer
Aufwickelspule wird bei abgenommenen Deckel 18.4 des Außengehäuses ein Zwirnfaden
von oben durch die Zentrieröse 9 dieses Deckels 18.4 hindurchgesteckt und anschließend
durch den Fadenleitkanal 8, den radial verlaufenden Fadenleitkanal 6, das Fadenführungsrohr
10 und die Spindelhohlachse 21 hindurchgefädelt. Der aus dem oberen Ende des Fadenführungsrohres
21 austretende Zwirnfaden wird an einer Stelle ergriffen, an der vorzugsweise noch
eine vollkommen intakte Zwirndrehung vorhanden ist. Danach wird die Zwirndrehung über
eine bestimmte Fadenlänge zurückgedreht, wodurch die ursprünglich in den noch nicht
verzwirnten Spinnfäden vorhandene Spinndrehung in die Einzelfäden zurückläuft. Danach
werden die parallel liegenden Spinnfäden voneinander separiert, auf die für den weiteren
Verfahrensablauf erforderliche Länge zugeschnitten und die dann freien Spinnfadenenden
"fixiert". Der Begriff "Fixierung" der Spinnfadenenden ist in diesem Zusammenhang
so zu verstehen, daß sichergestellt sein muß, daß die in den einzelnen Spinnfaden
zurückgelaufene Spinndrehung über die volle Länge jedes der beiden separierten Spinnfäden
aufrechterhalten bleibt. Jeder einzelne "fixierte" Spinnfaden wird dann in Form einer
Schlaufe FS mit zwei parallel zueinander liegenden Fadenzweigen auf der stationären
Klemmfläche 36 bzw. 37 abgelegt und mittels der beweglichen Klemmplatte 38 bzw. 39
in dieser schlaufenförmig abgelegten Form festgeklemmt. Aufgrund der schwimmenden
Lagerung der beweglichen Klemmplatte 38 bzw. 39 ist unter dem Einfluß des Permanentmagneten
40 sichergestellt, daß selbst bei Dickeunterschieden des schlaufenförmig eingeklemmten
Fadenabschnitts eine optimale, gleichmäßige Klemmung beider Schlaufenzweige vorliegt.
[0033] Im Zuge des Ablegens der Fadenschlaufe auf der stationären Klemmfläche werden die
beiden Schlaufenzweige gleichzeitig zwischen die zusammenwirkenden Rollen 51, 52 bzw.
53, 54 jedes Lieferwerks zwischengelegt, wobei zur Erleichterung dieses Einlegens
der Schlaufenenden zwischen die Lieferwerkrollen jeweils die eine verschwenkbare Lieferwerkrolle
von der anderen weggeschwenkt worden ist.
[0034] Infolge der schwimmenden Lagerung der einen Rolle 51 bzw. 54 jedes Lieferwerks ist
sichergestellt, daß unabhängig von Dickeunterschieden des Spinnfadens stets beide
Schlaufenzweige sicher zwischen den zusammenwirkenden Lieferwerkrollen eingeklemmt
sind.
[0035] Das freie Spinnfadenende wird durch das Fadenabzugsrohr 20 in den zugeordneten Spinnrotor
eingeführt, und zwar so weit, daß es sich vor dem Beginn der Fasermaterialeinspeisung
in den rotierenden Spinnrotor noch innerhalb der Spinnrotorhohlachse bzw. des Spinnrotorabzugsrohrs
befindet, derart, daß es bei rotierendem Spinnrotor der Zentrifugalkraft noch nicht
ausgesetzt wird.
[0036] Wenn bei rotierendem Spinnrotor ausreichend Fasermaterial in diesen eingespeist worden
ist, wird zeitlich genau abgestimmt das der Doppeldraht-Zwirnspindel nachgeschaltete
Aufwickelaggregat in Gang gesetzt, wodurch die beiden Spinnfäden in die Spindelhohlachse
eingezogen werden. Dieses hat zur Folge, daß von dem einen in die Spindelhohlachse
einlaufenden Schlaufenzweig das jeweilige Lieferwerk in Betrieb gesetzt wird, wodurch
gleichzeitig der andere zum Spinnrotor führende Schlaufenzweig in den Spinnrotor eingefördert
wird, so daß das freie in den Spinnrotor hängende Spinnfadenende sich zum Zweck des
Anspinnens durch Fliehkraft in Richtung zur Fasermaterialsammelrinne des Spinnrotors
bewegt.
[0037] Sobald die Fadenschlaufe aufgelöst ist, was zeitlich mit dem Zeitpunkt des Anspinnens
innerhalb der Spinnrotore zusammenfällt, wird die Bewegungsrichtung des vorher in
den Spinnrotor eingeförderten Schlaufenzweiges umgekehrt, so daß beide in den Spinnrotoren
erzeugten Spinnfäden dann in die Spindelhohlachse eingezogen werden. Infolge des Einklemmens
der Fadenschlaufe einerseits im Bereich der Klemmflächen und andererseits im Bereich
des sich unmittelbar an die Klemmflächen anschließenden Rollenspalts jedes Lieferwerks
ist sichergestellt, daß einerseits die Spinndrehung in dem einzelnen Spinnfaden bis
zu dem Rollenspalt aufrechterhalten bleibt, wobei außerdem auch ein Kringeln des einzelnen
Spinnfadens im Bereich der Fadenschlaufe verhindert wird. Dabei ist darauf zu achten,
daß die beiden Schlaufenzweige mit seitlichen Abstand voneinander eingeklemmt werden.
Ein Rückdrehen der Spinndrehung ist somit nur in den relativ kurzen Spinnfadenabschnitt
zwischen dem Rollenspalt des einzelnen Lieferwerks und dem in den einzelnen Spinnrotor
eingeführten Fadenende möglich. Während des Anspinnens läuft jedoch die durch den
OE-Spinnrotor erzeugte Spinndrehung auch in das vorher freie Ende des Anspinnfadens
ein, so daß unmittelbar im Anschluß an das Anspinnen zwei Spinnfäden vorhanden sind,
die die für den Doppeldraht-Zwirnprozeß erforderliche Spinndrehung aufweisen.
[0038] Es ist somit erreicht, daß der unmittelbar nach dem Anspinnprozeß hergestellte Zwirnfaden
keine über eine größere Länge nicht miteinander verzwirnte Fadenabschnitte aufweist.
Bezugszeichenliste:
[0039]
- 1
- Spindelbank
- 2
- Lagerblock
- 3
- Hohlschaft
- 4
- Wirtel
- 5
- Spindelrotorscheibe
- 6
- Fadenleitkanal
- 7
- Ballonbegrenzertopf
- 8
- Fadenleitkanal
- 9
- Zentrieröse
- 10
- Fadenführungsrohr
- 11
- Luftkanäle
- 12
- Innengehäuse
- 12.1
- Boden
- 12.2
- Zylindergehäuse
- 12.3
- Deckel
- 12.3'
- Ausnehmung
- 13
- Spinnrotor
- 14
- Spinnrotor
- 15
- Antriebsriemen
- 16
- Schleifringkontakte
- 17
- Schleifringkontakte
- 18
- Außengehäuse
- 18.1
- Boden
- 18.2
- unterer Zylindergehäuseabschnitt
- 18.3
- oberer Zylindergehäuseabschnitt
- 18.4
- Deckel
- 19.1
- Kanalabschnitt ⇒ Fasermaterial
- 19.2
- Kanalabschnitt ⇒ Einspeisungskanal
- 20
- Fadenabzugsrohre
- 21
- Spindelhohlachse
- 22
- Ringspaltdichtung
- 23
- Luftkanäle
- 24
- Luftkanäle
- 26
- Umlenkrolle
- 27
- Umlenkrolle
- 30
- Anspinneinrichtung
- 31
- Basiskörper
- 32
- Boden
- 33
- zentrale Öffnung
- 34
- seitliche Öffnung
- 35
- seitliche Öffnung
- 36
- Klemmfläche
- 37
- Klemmfläche
- 38
- Klemmplatte
- 38.1
- Ansatz
- 38.2
- Einschnitt
- 39
- Klemmplatte
- 39.1
- Ansatz
- 39.2
- Einschnitt
- 40
- Permanentmagnet
- 41
- Lagerplatte
- 42
- Schraube
- 43
- Flügel
- 44
- Flügel
- 45
- Achse
- 46
- Stützkörper
- 47
- Anschlagkörper
- 48
- Anschlagkörper
- 51
- Rolle
- 52
- Rolle
- 53
- Rolle
- 54
- Rolle
- 55
- Stützplatte
- 56
- Block
- F1
- Spinnfaden
- F2
- Spinnfaden
- F3
- Zwirnfaden
- F5
- Fadenschlaufe
- R1
- OE-Spinnaggregat
- R2
- OE-Spinnaggregat
1. Verfahren zum Anspinnen der freien Enden von zwei Spinnfäden eines aus diesen Spinnfäden
gebildeten Zwirnfadens im Rahmen eines integrierten OE-Spinn- und Doppeldrahtzwirn-Prozesses,
welches Verfahren folgende Schritte umfaßt:
(a) ein Zwirnfadenende wird durch den Fadenleitkanal der Spindelrotorscheibe und durch
die Spindelhohlachse einer Doppeldraht-Zwirnspindel entgegengesetzt zur Fadenlaufrichtung
während des ordnungsgemäßen Doppeldraht-Zwimprozesses hindurchgefädelt,
(b) die beiden freien Enden der Spinnfäden werden in innerhalb der Doppeldraht-Zwirnspindel
angeordnete OE-Spinnrotore eingeführt, wobei
(c) vor jedem freien Spinnfadenende im Bereich zwischen der Eintrittsöffnung der Spindelhohlachse
und dem Spinnrotor eine Fadenschlaufe vorgegebener Länge erzeugt wird, die
(d) im Verlauf des anschließend durchgeführten Anspinnvorgangs derart gehalten und
geführt wird, daß
(e) ihr erster Zweig in den Spinnrotor einläuft, während
(f) ihr zweiter Zweig in die Spindelhohlachse abgezogen wird, bis
(g) die Fadenschlaufe aufgelöst ist und
(h) nunmehr unter Umkehr der Bewegungsrichtung des jeweils ersten Zweiges der Abzug
beider ursprünglich vorhandener Enden der Spinnfäden in Richtung zur Spindelhohlachse
erfolgt, um diese und damit auch die von den OE-Spinnrotoren erzeugten Spinnfäden
entsprechend dem Doppeldraht-Zwirnprozeß zu verzwirnen, gekennzeichnet durch folgende Schritte:
(i) die beiden freien Spinnfadenenden des gemäß Schritt (a) durch die Spindelhohlachse durchgefädelten Zwirnfadens werden in einem Bereich mit noch
im wesentlichen intakter Zwirndrehung ergriffen und festgehalten,
(j) der Zwirnfaden wird aus der Spindelhohlachse herausgezogen und die Zwirndrehung
des Zwirnfadens wird über eine zur Bildung der Fadenschlaufe gemäß (c) ausreichende
Fadenlänge zurückgedreht derart, daß die ursprünglich in den noch nicht verzwirnten
Spinnfäden vorhandene Spinndrehung wieder in die Einzelfäden zurückläuft;
(k) die auf diese Weise erhaltenen, im wesentlichen parallel liegenden Spinnfäden
werden voneinander separiert und es werden Fadenschlaufen gemäß (c) gebildet;
(l) die beiden Schlaufenzweige jeder Fadenschlaufe werden in einer Klemmeinrichtung
über einen Teil ihrer Länge bis zu dem die beiden Schlaufenzweige verbindenden Schlaufenbogen
parallel zueinander liegend eingeklemmt, bevor
(m) die Schritte (e) bis (h) durchgeführt werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß beim Schritt (1) die beiden Schlaufenzweige mit seitlichem Abstand voneinander eingeklemmt
werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß jede Fadenschlaufe unmittelbar im Anschluß an die Klemmeinrichtung klemmend in ein
aus einem Rollenpaar bestehendes Lieferwerk eingelegt wird, wobei der erste Schlaufenzweig
zum Spinnrotor und der zweite Schlaufenzweig zur Spindelhohlachse führt.
4. Einrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 3, welche
Einrichtung einer Doppeldraht-Zwirnspindel zugeordnet ist, bei der innerhalb des durch
den Fadenballon definierten Raumes oberhalb des Spindelrotors mindestens zwei Rotorspinnaggregate
nebeneinander und symmetrisch zur Spindelhohlachse mit nach oben offenen Spinnrotoren
(13, 14) angeordnet sind, denen das Fasermaterial zugeführt wird und von denen die
erzeugten Spinnfäden (F1, F2) nach oben abgeführt und in ihrer Bewegungsrichtung um
180° umgelenkt und gemeinsam in die Spindelhohlachse eingeführt werden, wobei oberhalb
jedes Spinnrotors (13,14) jeweils im Bereich zwischen der Verlängerung des Fadenabzugsrohrs
(20) des Spinnrotors (13, 14) und der Verlängerung der Spindelhohlachse (21) eineUmlenkrolle
(26, 27) zur Umlenkung des aus dem Spinnrotor abgeführten Fadens (F1, F2) um 180°
angeordnet ist, wobei in der unmittelbaren Nähe jeder Umlenkrolle zur Speicherung
einer Fadenschlaufe (FS) vorgegebener Länge eines von der Spindelhohlachse her in
den Spinnrotor (1, 2) hineingeführten Anspinnfadens ein Fadenspeicherelement angebracht
ist, dem mechanische Mittel zur sukzessiven Freigabe und Auflösung der Fadenschlaufe
(FS) und zum Auflegen des Anspinnfadens nach Auflösung der Fadenschlaufe an die Umlenkrolle
zugeordnet sind,
dadurch gekennzeichnet, daß
jedes der beiden Speicherelemente eine stationäre Klemmfläche (36, 37) und eine bewegliche
Klemmfläche in Form einer Klemmplatte (38, 39) aufweist, zwischen denen die beiden
Zweige der Fadenschlaufe (FS) über einen Teil ihrer Länge bis zu dem die beiden Schlaufenzweige
verbindenden Schlaufenbogen parallel zueinander liegend einklemmbar sind, und daß
die mechanischen Mittel zur sukzessiven Freigabe und Auflösung der beiden Fadenschlaufen
(FS) aus jeweils einem Fadenlieferwerk in Form eines Rollenpaars (51, 52; 53, 54)
bestehen, das zwischen den beiden Klemmflächen jedes Fadenspeicherelements und der
zugeordneten Umlenkrolle derart angeordnet ist, daß der Rollenspalt unmittelbar an
die beiden Klemmflächen anschließt.
5. Einrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß die bewegliche Klemmfläche durch eine schwimmend gelagerte Klemmplatte (38, 39) gebildet
ist, die aus einer Ruhestellung magnetisch gegen die stationäre Klemmfläche (36, 37)
anstellbar ist.
6. Einrichtung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß im Bereich der stationären Klemmfläche ein Permanentmagnet (39.2) angeordnet ist
und die bewegliche Klemmplatte (38, 39) aus magnetischem Material besteht.
7. Einrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß die stationären Klemmflächen (36, 37) für beide Anspinnfäden durch die gegenüberliegenden
Schrägflächen eines dachfirstartigen Blocks (56) gebildet sind.
8. Einrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß die erste Rolle (52, 54) des Rollenpaars durch Verschwenken gegen die zweite Rolle
(51, 53) anstellbar ist.
9. Einrichtung nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß die erste Rolle (52, 54) federnd gegen die zweite Rolle (51, 53) anstellbar ist.
10. Einrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß eine (51, 53) der beiden ein Fadenlieferwerk bildenden Rollen derart schwimmend gelagert
ist, daß sie ihre Lage nur in einer Ebene verändern kann, die durch die Achsen der
beiden Rollen bestimmt ist, wenn die eine Rolle zur Bildung des Lieferwerks gegen
die andere Rolle angestellt ist.
11. Einrichtung nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, daß die schwimmend gelagerte Rolle (51, 53) als Hohlkörper ausgebildet ist, der mit seiner
Innenwand auf einem auf einer Achse (45) befestigten balligen Stützkörper (46) abgestützt
ist.
12. Einrichtung nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß der ballige Stützkörper die Form einer Kugel hat.
13. Einrichtung nach Anspruch 11, gekennzeichnet durch gegen die schwimmend gelagerte Rolle (51, 53) anliegende Anschläge (47, 48), die
parallel zu der durch die Achsen der beiden Rollen gelegte Ebene einerseits und senkrecht zum Rollenspalt
des Lieferwerks andererseits ausgerichtet sind.