[0001] Die Erfindung betrifft eine Einrichtung zur Evakuation von Aufzugspassagieren, die
in einer in einem Aufzugsschacht steckengebliebenen Aufzugskabine eingeschlossen sind,
wobei die Aufzugskabine durch Lösen der Bremse des Aufzugsantriebes auf das nächstliegende
Stockwerk verfahrbar ist.
[0002] Aus dem Gebrauchsmuster DE 296 15 921 U1 ist eine Einrichtung bekannt geworden, mittels
der Aufzugspassagiere im Notfall evakuiert werden können. Die Einrichtung ist vorgesehen
für Aufzugsanlagen ohne Maschinenraum, bei der die Antriebseinheit im Schacht angeordnet
ist. Falls die Aufzugskabine im Aufzugssacht stecken bleibt, wird die Bremse manuell
gelöst und die Aufzugskabine auf das nächstliegende Stockwerk gefahren, auf welchem
Stockwerk die Aufzugspassagiere die Aufzugskabine sicher verlassen können. Die Betätigung
der Bremse erfolgt mittels eines Bowdenzuges vom Stockwerk aus, auf welchem Stockwerk
sich auch die Aufzugssteuerung befindet. Bei der Evakuation erfolgt die Bewegung der
Aufzugskabine im stromlosen Zustand der Aufzugsanlage aufgrund des Ungleichgewichtes
zwischen der Aufzugskabine mit Last und dem Gegengewicht. Vorgesehen ist lediglich
eine Batterie zur Speisung einer Signaleinrichtung, welche anzeigt, dass sich die
Aufzugskabine auf dem Evakuationsstockwerk befindet.
[0003] Ein Nachteil der bekannten Einrichtung liegt darin, dass die Bedienperson der Bremse
die Bewegung der Aufzugskabine mittels der Bewegung des Begrenzerseiles oder mittels
der Bewegung der Tragseile überwachen muss. Die Geschwindigkeit der Aufzugskabine
anhand der laufenden Seile zu überwachen, erfordert viel Erfahrung und Aufmerksamkeit
und kann von ungeübten Personen nicht erwartet werden.
[0004] Hier will die Erfindung Abhilfe schaffen. Die Erfindung, wie sie in Anspruch 1 gekennzeichnet
ist, löst die Aufgabe, die Nachteile der bekannten Einrichtung zu vermeiden und eine
Einrichtung zu schaffen, mittels der in einer Aufzugskabine eingeschlossene Personen
sicher evakuiert werden können.
[0005] Die durch die Erfindung erreichten Vorteile sind im wesentlichen darin zu sehen,
dass die Evakuation von eingeschlossenen Aufzugspassagieren auch von ungeübten Personen
sicher durchgeführt werden kann. Die erfindungsgemässe Signaleinrichtung überwacht
die Bewegung der Aufzugskabine und zeigt der die Evakuation durchführenden Person
normale wie auch aussergewöhnliche Betriebszustände optisch und akustisch an. Mit
der erfindungsgemässen Signaleinrichtung ist eine einfache und sichere Evakuation
auch für ungeübte Personen machbar. Ein in der Schachtwand angeordnetes Sichtfenster,
das einen Einblick in den Schacht und insbesondere auf den Aufzugsantrieb und die
Seile ermöglicht, ist nicht notwendig.
[0006] Anhand der beiliegenden Figuren wird die vorliegende Erfindung näher erläutert.
[0007] Es zeigen:
Fig. 1
eine Einrichtung zur Evakuation von Aufzugspassagieren,
Fig. 2
Einzelheiten der Einrichtung zur Evakuation von Aufzugspassagieren und
Fig. 3
ein Steuertableau des Aufzuges für Inbetriebnahme, Unterhalt und Evakuation.
[0008] Fig. 1 zeigt eine Aufzugsanlage ohne Maschinenraum. Die erfindungsgemässe Einrichtung
kann auch für Aufzugsanlagen mit Maschinenraum verwendet werden. Ein Aufzugsantrieb
1.1 mit Treibscheibe 1.2, über die Seile 1.3 geführt sind, bewegt eine Aufzugskabine
2 und ein Gegengewicht 2.1 in einem Aufzugsschacht 1 auf und ab. Der Aufzugsantrieb
1.1 wird mittels einer Antriebssteuerung 1.4 versorgt. Die Aufzugskabine 2 ist entlang
von Führungsschienen 3 verfahrbar. Eine auf einem Stockwerk E2 in einem Steuerkasten
4 angeordnete Aufzugssteuerung 4.1 ist mit der Antriebssteuerung 1.4 und mit der Aufzugskabine
2 via eines Hängekabels 2.2 verbunden und steuert den Bewegungsablauf der Aufzugskabine
2 und gewährleistet die Sicherheit des Aufzugsbetriebes. Im Steuerkasten 4 ist auch
ein Handgriff 4.2 angeordnet, der Teil eines Bowdenzuges 4.3 ist, wobei der Bowdenzug
4.3 auf eine Bremse 4.4 des Aufzugsantriebes 1.1 einwirkt. Mit dem Handgriff 4.2 kann
die Bremse 4.4 manuell gelöst werden. Mit gelöster Bremse 4.4 bewegt sich die Aufzugskabine
2 je nach Ungleichgewicht zwischen Aufzugskabine 2 und Gegengewicht 2.1 auf oder ab.
Die Aufzugskabine 2 bedient Stockwerke E1,E2. Im gezeigten Beispiel ist eine Aufzugsanlage
mit zwei Stockwerken dargestellt, es können auch mehr sein. Der Sicherheitskreis der
Aufzugsanlage besteht aus einer Serieschaltung von Kontakten der nicht dargestellten
Stockwerktüren und aus einem oberen und unteren Endschalter 5,6 des Aufzugsschachtes
1. Der obere Endschalter 5 verhindert ein Einfahren der Aufzugskabine 2 in den Schachtkopf
7, der untere Endschalter 6 verhindert ein Einfahren der Aufzugskabine 2 in die Schachtgrube
8. Beim Einfahren der Aufzugskabine 2 in ein Stockwerk E1,E2 wird ein Türzonenkontakt
9 betätigt, der den Sicherheitskontakt der Stockwerktür des Stockwerkes E1,E2 überbrückt,
wodurch die Kabinentür und die Stockwerktür frühzeitig geöffnet werden kann, ohne
dass der Sicherheitskreis unterbrochen wird.
[0009] Für die Aufzugssteuerung 4 ist die Position der Aufzugskabine 2 im Auf zugsschacht
1 von Bedeutung. Dafür ist eine Einrichtung zur Erzeugung von Schachtinformation notwendig.
Im vorliegenden Beispiel besteht die Einrichtung beispielsweise aus einem über die
Schachthöhe gespannten Zahnriemen 10 und aus einem mit dem Zahnriemen 10 in Verbindung
stehender Encoder 11, der die absolute Position der Aufzugskabine 2 erfasst. Der an
der Aufzugskabine 2 angeordnete Encoder 11 weist ein Zahnrad 12 auf, das beim Verfahren
der Aufzugskabine 2 im Aufzugsschacht 1 mittels des Zahnriemens 10 antreibbar ist.
Führungsrollen 13 garantieren den sicheren Eingriff des Zahnrades 12 in die Verzahnung
des Zahnriemens 10. Der Zahnriemen 10 ist je Ende an einem Querträger 14 angeordnet.
[0010] Fig. 2 zeigt Einzelheiten des Steuerkastens 4 mit dem Handgriff 4.2 und der Aufzugssteuerung
4.1, wobei die Aufzugssteuerung 4.1 eine Signaleinrichtung 4.5 umfasst. Die Signaleinrichtung
4.5 besteht aus folgenden Elementen: Einer Anzeige 4.6, die das Stockwerk anzeigt,
auf dem die Aufzugskabine 2 steht, einem nach oben weisenden Pfeil mit einer Leichtdiode
4.7, die die Bewegung der Aufzugskabine 2 nach oben anzeigt, einer Leuchtdiode 4.8,
die aufleuchtet, sobald die Aufzugskabine 2 in den mittels des Türzonenkontaktes 9
detektierten Türzonenbereich einfährt, einem nach unten weisenden Pfeil mit einer
Leuchtdiode 4.9, die die Bewegung der Aufzugskabine 2 nach unten anzeigt und einem
akustischen Geber 4.10, beispielsweise ein Summer, der bei Übergeschwindigkeit der
Aufzugskabine 2 ein Warnsignal erzeugt. Als Variante kann die Leuchtdiode 4.8 die
Bündigstellung der Aufzugskabine 2 mit dem Stockwerk E1,E2 anzeigen. Die für die Evakuation
notwendigen Teile der Aufzugssteuerung 4.1, der Encoder 11, die Signaleinrichtung
4.5 und der Türzonenkontakt 9 werden mittels einer Batterie 4.11 gespeist, falls die
Versorgungsspannung ausfällt. Bei Normalbetrieb belastet die Aufzugssteuerung 4.1
die Batterie 4.11 periodisch und misst die Batteriespannung und erzeugt bei mangelhaften
Werten eine Fehlermeldung.
[0011] Zur Evakuation wird die Bremse 4.4 mittels des Handgriffes 4.2 gelöst. Je nach Ungleichgewicht
zwischen der Aufzugskabine 2 mit Last und dem Gegengewicht 2.1 kommt die Aufzugskabine
2 und das Gegengewicht 2.1 in Fahrt. Beispielsweise bei einem Aufzugspassagier in
der Aufzugskabine 2 bewegt sich die Aufzugskabine 2 nach oben. Die Position der Aufzugskabine
2 wird mittels des Encoders 11 erfasst und von der Aufzugssteuerung 4.1 in ein Geschwindigkeitssignal
umgewandelt. Falls die Geschwindigkeit der Aufzugskabine 2 beispielsweise 25% der
nominellen Geschwindigkeit nicht überschreitet leuchtet die Leuchtdiode 4.7 mit Pfeil
nach oben konstant auf. Überschreitet die Auf zugskabine 2 die Geschwindigkeitslimite
von beispielsweise 25% beginnt die Leuchtdiode 4.7 zu blinken und der Summer 4.10
erzeugt ein Warnsignal. Die evakuierende Person wird in diesem Fall die Aufzugskabine
2 mittels des Handgriffes 4.2, Bowdenzuges 4.3 und Bremse 4.4 abbremsen bis das Warnsignal
nicht mehr ertönt und die Leuchtdiode 4.7 konstant aufleuchtet.
[0012] Die Aufzugssteuerung 4.1 berechnet aufgrund der Positionsinformation des Encoders
11 die Richtung und die Geschwindigkeit der Aufzugskabine 2. Die Aufzugssteuerung
4.1 kennt die nominelle Geschwindigkeit der Aufzugskabine 2 und die Geschwindigkeitslimite
von beispielsweise 25% und steuert aufgrund der aktuellen, berechneten Geschwindigkeit
und Richtung die Elemente der Signaleinrichtung 4.5 an.
[0013] Die Signaleinrichtung 4.5 ist Teil eines in Fig. 3 gezeigten Steuertableaus 20 des
Aufzuges, das dem Montage- und Unterhaltspersonal als Schnittstelle für Inbetriebnahme,
Unterhalt und Evakuation dient. Die Anzeige und Bedienelemente des Steuertableaus
20 sind in Gruppen zusammengefasst. Eine erste Gruppe 20.1 umfasst Anzeigeelemente
und Taster des Sicherheitskreises mit Testpunkten und Statusanzeigen der Sicherheitskreisrelais.
Eine zweite Gruppe 20.2 umfasst Statusanzeigen der Subsysteme wie beispielsweise Antrieb,
Türen, etc.. Eine dritte Gruppe 20.3 umfasst Statusanzeigen der Aufzugskabine 2. Die
Leuchtdioden 4.7,4.8,4.9 der in Fig. 2 gezeigten Signaleinrichtung 4.5 sind dieser
Gruppe zugeordnet. Eine vierte Gruppe 20.4 umfasst Statusanzeigen der Kommunikation.
Eine fünfte Gruppe 20.5 umfasst Statusanzeigen der Versorgungsspannung und der Batterie
4.11. Eine sechste Gruppe 20.6 umfasst eine Schnittstelle für eine Chipkarte mit den
kommissionsabhängigen Daten der Aufzugsanlage und einem Stufenschalter zur Identifikation
des Aufzuges. Eine siebte Gruppe 20.7 umfasst Schalter zur Vorgabe von bestimmten
Inbetriebnahme- und/oder Diagnosefunktionen. Einer achten Gruppe 20.8 sind die Anzeige
4.6 und Elemente zur Befehlseingabe zugeordnet. Schaltern in der unteren Reihe sind
Grundfunktionen wie beispielsweise Position, Kabinenruf, Anhaltestockwerk, Test oder
Parameter zugeordnet. Mit Schaltern der oberen Reihe können die Vorgaben in + oder
- Richtung verändert werden. Auf dem Steuertableau nicht ersichtlich ist der Summer
4.10 der Signaleinrichtung 4.5.
1. Einrichtung zur Evakuation von Aufzugspassagieren, die in einer in einem Aufzugsschacht
steckengebliebenen Aufzugskabine eingeschlossen sind, wobei die Aufzugskabine durch
Lösen der Bremse des Aufzugsantriebes auf das nächstliegende Stockwerk verfahrbar
ist,
dadurch gekennzeichnet,
dass zur Überwachung der Bewegung der Aufzugskabine (2) eine Signaleinrichtung (4.5) vorgesehen
ist, die der evakuierenden Person den Betriebszustand der Aufzugskabine (2) anzeigt.
2. Einrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Signaleinrichtung (4.5) eine optische Stockwerkanzeige (4.6,4.8), eine optische
Anzeige (4.7,4.9) für die Evakuationsgeschwindigkeit und die Evakuationsrichtung sowie
eine optische und akustische Anzeige (4.7,4.9,4.10) für Übergeschwindigkeit der Aufzugskabine
(2) bei der Evakuation aufweist.
3. Einrichtung nach den Ansprüchen 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass ein an der Aufzugskabine (2) angeordneter Encoder (11) die Position der Aufzugskabine
(2) erfasst und die Aufzugssteuerung (4.1) aus der Positionsinformation die Evakuationsgeschwindigkeit
und die Evakuationsrichtung bestimmt und die Signaleinrichtung 4.5 steuert.
4. Einrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass beim Überschreiten einer von der nominellen Geschwindigkeit der Aufzugskabine (2)
abhängigen Geschwindigkeitslimite die optische und die akustische Anzeige (4.7,4.9,4.10)
mittels der Aufzugssteuerung (4.1) einschaltbar sind.