(19)
(11) EP 1 153 260 B1

(12) EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT

(45) Hinweis auf die Patenterteilung:
21.09.2005  Patentblatt  2005/38

(21) Anmeldenummer: 00904904.0

(22) Anmeldetag:  13.01.2000
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)7F42B 12/62, F42B 12/16
(86) Internationale Anmeldenummer:
PCT/EP2000/000189
(87) Internationale Veröffentlichungsnummer:
WO 2000/047945 (17.08.2000 Gazette  2000/33)

(54)

FLUGKÖRPER ZUR BEKÄMPFUNG VON FAHRZEUGEN MIT AKTIVEM SELBSTSCHUTZ

MISSILE FOR COMBATTING VEHICLES WITH ACTIVE SELF-PROTECTION

MISSILE POUR COMBATTRE DES VEHICULES A AUTOPROTECTION ACTIVE


(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH CY DE DK ES FI FR GB GR IE IT LI LU MC NL PT SE

(30) Priorität: 09.02.1999 DE 19905268

(43) Veröffentlichungstag der Anmeldung:
14.11.2001  Patentblatt  2001/46

(73) Patentinhaber: Dynamit Nobel Defence GmbH
57299 Burbach (DE)

(72) Erfinder:
  • SCHÖFFL, Rainer
    D-51519 Odenthal (DE)

(74) Vertreter: Jönsson, Hans-Peter et al
Patentanwälte von Kreisler Selting Werner Postfach 10 22 41
50462 Köln
50462 Köln (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
DE-A- 3 309 147
DE-C- 3 633 535
DE-C- 4 331 236
GB-A- 2 128 300
US-A- 4 638 737
DE-A- 4 022 820
DE-C- 4 117 871
FR-A- 2 545 923
US-A- 2 804 823
   
       
    Anmerkung: Innerhalb von neun Monaten nach der Bekanntmachung des Hinweises auf die Erteilung des europäischen Patents kann jedermann beim Europäischen Patentamt gegen das erteilte europäischen Patent Einspruch einlegen. Der Einspruch ist schriftlich einzureichen und zu begründen. Er gilt erst als eingelegt, wenn die Einspruchsgebühr entrichtet worden ist. (Art. 99(1) Europäisches Patentübereinkommen).


    Beschreibung


    [0001] Gegenstand der Erfindung ist ein Flugkörper nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1.

    [0002] Flugkörper mit einer oder mehreren Hohlladungen, z. B. in Form eines Tandemgefechtskopfes, zur Bekämpfung gepanzerter Fahrzeuge sind Stand der Technik und in unterschiedlichsten Ausführungsformen beschrieben. Nachteil dieser bekannten Ausführungsformen ist, daß sie von sogenannten aktiven Selbstschutzsystemen der gepanzerten Fahrzeuge in ihrer Wirkung abgeschwächt oder sogar wirkungslos gemacht werden können. Solche aktiven Seibstschutzsysteme sind z. B. beschrieben in
    • armada international 3/1998 "Panzerstahl ist nicht alles", S. 34 - 46
    • europäische Sicherheit 2/98 "Schutztechnologien für Kampf- und Kampfunterstützungsfahrzeuge", Seiten 26 - 31
    • DE 195 05 629 A1


    [0003] Grundprinzip der aktiven Selbstschutzsysteme ist eine Sensoranordnung an den gepanzerten Fahrzeugen, die den anfliegenden Flugkörper erfaßt und eine Platten oder Splitter verschießende Abwehrmunition, die von der Sensoranordnung ausgelöst wird und den anfliegenden Flugkörper beschädigt, zerstört oder aus der Flugbahn auslenkt.

    [0004] Ein wirksames Gegenmittel besteht darin, zwei Flugkörper kurz hintereinander auf dasselbe Ziel zu schießen. Der erste Flugkörper würde dabei das aktive Selbstschutzsystem auslösen, während der zweite Flugkörper dann auf das ungeschützte Ziel treffen würde. Ein solches Gerät ist aber von einem einzelnen Soldaten, der die Waffe z. B. von der Schulter verschießen soll, nicht einsetzbar.

    [0005] Vielmehr sind spezielle, schwerfällig zu handhabende Abschußgestelle erforderlich.

    [0006] Erfindungsgemäß wird deshalb der Flugkörper zur Bekämpfung von Fahrzeugen mit aktivem Selbstschutz nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1 mit einer an der Flugkörperspitze lösbar angebrachten, mit Eigenantrieb versehenen Vorrichtung ausgestattet, die sich in geeignetem Abstand vor dem Ziel vom Flugkörper trennt und in so weitem Abstand davon vorne herfliegt, daß das aktive Selbstschutzsystem durch die Vorrichtung ausgelöst wird, ohne den nachfolgenden Flugkörper zu gefährden.

    [0007] Eine derartige Vorrichtung kann aufgrund ihrer Einfachheit und ihres geringen Gewichtes selbst von leichten Flugkörpern, z. B. Panzerabwehrhandwaffen, mitgeführt werden. Vorteilhafterweise wird die erfindungsgemäße Vorrichtung über die in der Regel an der Spitze von Panzerabwehrflugkörpern befindliche rohrförmigen Verlängerung ganz oder teilweise geschoben, so daß sich die Länge des Flugkörpers nur unwesentlich erhöht. Die erfindungsgemäße Vorrichtung kann weiterhin mit Einrichtungen zur Vergrößerung des Radarrückstrahlquerschnittes, z. B. mit einem Reflektor oder Transponder, versehen werden, um die Erkennbarkeit durch die Sensoranordnung des aktiven Selbstschutzsystems zu erhöhen.

    [0008] Der Abstand des Flugkörpers zum Ziel, bei dem sich die erfindungsgemäße Vorrichtung mittels Eigenantrieb vom Flugkörper trennt, wird beispielsweise durch einen Abstandssensor an der Vorrichtung oder am Flugkörper ermittelt. Es kann sich dabei z. B. um einen Laserentfernungsmesser, einen Radarabstandsmesser oder einen optoelektronischen Abstandssensor handeln.

    [0009] Wird jedoch der Flugkörper von einer Startvorrichtung verschossen, die selbst einen Laserentfernungsmesser besitzt, so wird in vorteilhafter Weise die Entfernungsinformation beim Start in den Flugkörper eingegeben, so daß dieser nach entsprechender Flugzeit die erfindungsgemäße Vorrichtung startet. Im Gegensatz zu eigenen Abstandssensoren benötigt der Flugkörper dann nur noch einen Zeitgeber.

    [0010] Die Erfindung wird anhand eines Beispiels in Figur 1 näher erläutert:

    [0011] Die Figur 1 zeigt in vier Phasen - 1A bis 1D - den Einsatz des erfindungsgemäßen Flugkörpers.

    [0012] Das Ziel in Form eines Panzers 1 ist mit einer flugkörpererkennenden Sensoranordnung 2 und splitterbildender Abwehrmunition 3, 3', 3" ausgestattet. Der Flugkörper 4 besteht aus einem Raketenmotor 5 mit Leitwerk 6 und einem Gefechtskopf 7. Am vorderen Ende 8 des Gefechtskopfes 7 ist eine mit Eigenantrieb versehene Vorrichtung 9 angeordnet.

    [0013] Wie in Fig. 1B dargestellt, wird die Vorrichtung 9, durch einen Raketenmotor 10 angetrieben, vom Flugkörper 4 in Richtung Panzer 1 wegbewegt. Am Flugkörper 4 ist jetzt eine rohrförmige Verlängerung 11 erkennbar, auf die vorher die Vorrichtung 9 aufgesteckt war.

    [0014] In Fig. 1C hat die Vorrichtung 9 dazu geführt, daß die Sensoranordnung 2 am Panzer 1 die Abwehrmunition 3' ausgelöst hat, welche am Ort 12 detoniert. Der Abstand 13 zwischen Vorrichtung 9 und Flugkörper 4 ist dabei so groß, daß der Flugkörper 4 durch die Splitter der detonierenden Abwehrmunition 3' nicht oder nur gering gefährdet wird.

    [0015] In Fig. 1D ist gezeigt, wie der Gefechtskopf 7 des Flugkörpers 4 am Panzer 1 auftrifft, ohne vorher von der Abwehrmunition 3' (siehe Fig. 1 C) zerstört worden zu sein.

    [0016] Fig. 2 zeigt die Vorrichtung 9 aus Fig. 1 im Schnitt.

    [0017] Sie besteht aus einem Rohr 14, das auf die rohrförmige Verlängerung 11 des Flugkörpers 4 aufsteckbar ist (siehe Fig. 1 C).

    [0018] Im vorderen Teil 15 mit Düsen 16, 16' befindet sich ein Raketentreibsatz 17, der durch einen Anzünder 18 angezündet werden kann. Zwischen vorderem Teil 15 und Rohr 14 ist ein Zeitgeber 19 angeordnet, der mit dem Anzünder 18 durch ein Kabel 20 verbunden ist. Der Zeitgeber 19 wird vor dem Start des Flugkörpers 4 über den Anschluß 21 durch eine entsprechende Elektronik am Abschußgestell eingestellt. Der Anschluß 21 kann beispielsweise eine selbstlösende Steckverbindung oder ein induktiver Empfänger sein.

    [0019] Fig. 3 zeigt in Form eines Ablaufprogrammes die Funktion des erfindungsgemäßen Flugkörpers. Die dabei angegebenen Zeiten sind typische Werte für einen ganz bestimmten Panzerabwehrflugkörper. Die angegebenen Bezugszeichen beziehen sich auf die in den Figuren 1 und 2 dargestellten Teile des Flugkörpers 4 und der Vorrichtung 9.


    Ansprüche

    1. Flugkörper mit einer oder mehreren Hohlladungen, einem Raketenmotor (5) mit Leitwerk (6) und einem Gefechtskopf (7) zur Bekämpfung von Fahrzeugen mit aktivem Selbstschutz, wobei an der Flugkörperspitze eine lösbare, mit Eigenantrieb durch einen Raketenantrieb versehene Vorrichtung (9) angeordnet ist, die auf eine rohrförmige Verlängerung des Flugkörpers aufgesteckt ist und die sich in geeignetem Abstand zum Ziel vom Flugkörper trennt, vor dem Flugkörper herfliegt und den aktiven Selbstschutz auslöst, ohne dass dieser den nachfliegenden Flugkörper gefährdet, wobei der aktive Selbstschutz eine Sensoranordnung an den Fahrzeugen beinhaltet, welche die anfliegende Vorrichtung (9) vor deren Auftreffen auf das Fahrzeug detektiert und eine platten- oder splitterverschießende Abwehrmunition umfasst, die von der Sensoranordnung ausgelöst wird und die anfliegende Vorrichtung (9) beschädigt, zerstört oder aus der Flugbahn auslenkt.
     
    2. Flugkörper nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorrichtung (9) eine Einrichtung zur Messung des Abstandes zum Ziel hat und sich bei einem vorgegebenen Abstand die Vorrichtung (9) vom Flugkörper trennt.
     
    3. Flugkörper nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorrichtung (9) oder der Flugkörper einen von außerhalb einstellbaren Zeitgeber hat und nach Ablauf der vorgegebenen Zeit die Vorrichtung (9) vom Flugkörper getrennt wird.
     
    4. Flugkörper nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Einstellung des Zeitgebers aufgrund einer Entfernungsmessung vom Abschussgestell her erfolgt.
     
    5. Flugkörper nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Einstellung des Zeitgebers berührungslos erfolgt.
     
    6. Flugkörper nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass sich an der Vorrichtung (9) eine Einrichtung zur Vergrößerung des Radarrückstrahlquerschnittes befindet.
     


    Claims

    1. A missile having one or more hollow charges, a rocket motor (5) with a horizontal stabilizer (6) and a warhead (7) for combating vehicles with active self-protection, characterized in that, arranged on the tip of the missite, is a removable device (9) self-propelled by a rocket drive which is plugged onto a tubular extension of the missile and becomes detached from the missile at a suitable distance from the target, flies ahead of the missile and triggers the active self-protection without said active self-protection endangering the succeeding missile; wherein the active self-protection system includes a sensor arrangement on the vehicles that detects the approaching device (9) before it hits the vehicle, and comprises a defense ammunition that fires plates or splinters and which is triggered by the sensor arrangement and damages or destroys the approaching device (9) or deflects it out of the flight path.
     
    2. The missile according to claim 1, characterized in that the device (9) has an arrangement for measuring the distance to the target, and the device (9) becomes detached from the missile at a predetermined distance.
     
    3. The missile according to claim 1 or 2, characterized in that the device (9) or the missile has a timer which can be set remotely, and at the end of the predetermined time the device (9) becomes detached from the missile.
     
    4. The missile according to claim 3, characterized in that the timer is set on the basis of a measurement of the distance from the launching frame.
     
    5. The missile according to claim 3 or 4, characterized in that the timer is set in a contact-free manner.
     
    6. The missile according to any of claims 1 to 5, characterized in that an arrangement for increasing the radar reflecting cross-section is located on the device (9).
     


    Revendications

    1. Missile comportant une ou plusieurs charge(s) creuse(s), un moteur fusée (5) avec un empennage (6) et une tête active (7) pour combattre des véhicules équipés d'une autoprotection active, un dispositif (9) détachable doté d'une propulsion propre par moteur fusée étant disposé à l'avant du missile, lequel dispositif est enfiché sur un prolongement tubulaire du missile, se sépare du missile à une distance appropriée de la cible, vole devant le missile et déclenche l'autoprotection du véhicule active sans que celle-ci puisse menacer le missile qui suit, l'autoprotection active comprenant un système de détecteurs sur le véhicule, qui détecte le dispositif (9) approchant avant que celui-ci touche le véhicule, ainsi qu'une munition défensive, qui projette des plaques ou des éclats, est déclenchée par le système de détecteurs et endommage, détruit ou détourne de sa trajectoire le dispositif (9) approchant.
     
    2. Missile selon la revendication 1, caractérisé par le fait que le dispositif (9) comporte un moyen de mesure de la distance par rapport à la cible et que le dispositif (9) se sépare du missile à une distance prédéterminée de la cible.
     
    3. Missile selon la revendication 1 ou 2, caractérisé par le fait que le dispositif (9) ou le missile comporte une horloge réglable depuis l'extérieur et que le dispositif (9) se sépare du missile après un temps prédéterminé.
     
    4. Missile selon la revendication 31, caractérisé par le fait que le réglage de l'horloge a lieu sur la base d'une mesure de la distance par rapport au châssis de tir du missile.
     
    5. Missile selon la revendication 3 ou 41, caractérisé par le fait que le réglage de l'horloge a lieu sans contact.
     
    6. Missile selon une des revendications 1 à 5, caractérisé par le fait qu'il est prévu sur le dispositif (9) un moyen pour amplifier la section transversale de rétroréflexion radar.
     




    Zeichnung