Technisches Gebiet
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Einrichtung zur Erfassung von Pumpenbetriebsparametern
einer Membranfördereinheit.
Stand der Technik
[0002] Bei vielen Einsatzgebieten von Membranpumpen ist es erforderlich, Pumpenbetriebsparameter
messtechnisch erfassen zu können. Wenn die Fördereinheit für toxische oder feuergefährliche
Flüssigkeiten verwendet wird, sind hohe sicherheitstechnische Anforderungen zu erfüllen.
Die Funktionsfähigkeit dieser Anlagen wird in der Regel von einem Prozessleitungssystem
überwacht. Dieses schaltet im Störfall auf einen redundanten Förderkreis um. Man ist
bestrebt, ein Versagen der Pumpe möglichst vorausschauend ermitteln zu können. Die
Membran einer Membranfördereinheit ist jenes Bauteil mit der höchsten Ausfallrate.
Sie unterliegt während der gesamten Betriebsdauer einer periodischen Wechselbeanspruchung.
[0003] Zur Voraussage einer Störung einer Pumpenmembran wird in WO 95/06205 vorgeschlagen,
eine elektrisch leitende Faser aus Polytetrafluorethylen zu verwenden. Sie ist in
eine Membranschicht aus gleichem Werkstoff eingebettet und arbeitet als Messumformer.
Die Faser ist auf der Membran so ausgelegt, dass sie im wesentlichen die gesamte Verformungsfläche
der Membran in Form einer Spirale oder einer Doppelspirale abdeckt. Die Enden der
Faser sind am Rand heraus geführt und mit einer elektrischen Messvorrichtung verschaltet.
Die Messvorrichtung ermittelt den Ohmschen Widerstand der Faser. Sobald die Membranschicht
Ermüdungserscheinungen oder Risse aufweist, übertragen sich diese auf die Faser. Es
kommt zu einem Anreißen der Faser und als Folge davon ändert sich die Leitfähigkeit
der Faser, was durch die Messeinrichtung detektiert wird. Durch diesen in eine Membranschicht
eingebetteten Messumformer ist also ein Riss oder ein beginnender Bruch der Membran
messtechnisch erfassbar. Von Nachteil ist die sehr aufwendige Fertigung der leitfähigen
Kunststofffaser, sowie deren Einbettung in die Membranschicht. Von Nachteil ist auch,
dass sich die elektrische Leitfähigkeit nur geringfügig durch Dehnung ändert. Die
praktische Auswertung des Messsignals beschränkt sich daher auf Schadensaussage. Es
kann nur festgestellt werden, ob die Membran unversehrt ist.
Darstellung der Erfindung
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und eine Einrichtung zu schaffen,
mit deren Hilfe Pumpenbetriebsparameter einer Membranfördereinheit erfasst werden
können.
[0005] Diese Aufgabe wird bei einem Verfahren zur Erfassung von Pumpenbetriebsparametern
einer Membranfördereinheit durch die technischen Merkmale des Patentanspruch 1 gelöst.
Auf vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung nehmen die Unteransprüche Bezug. Beim
erfindungsgemäßen Verfahren wird die Leitfähigkeit einer an einer Membran befestigten
Widerstandseinrichtung zumindest über eine Pumpperiode als zeitabhängige Größe gemessen
und diese Größe bei der Erfassung herangezogen. Bei einer Einrichtung zur Durchführung
des Verfahrens wird das zugrundeliegende technische Problem erfindungsgemäß dadurch
gelöst, dass eine Elastomerleiterschlinge an einer Membran einer Membranfördereinheit
befestigt und in einen Brückenzweig einer Wheatstonschen Brücke und/oder in Reihe
mit einem Shunt geschaltet wird und eine Änderung des Betriebszustands der Membran
eine zeitliche Änderung der Messspannung im Brückenzweig oder am Shunt bewirkt.
[0006] Der Erfindung liegt der Gedanke zugrunde, einen resistiven Messumformer an einer
Membran so anzuordnen, dass der augenblickliche Betriebszustand der Membran durch
den zeitlichen Verlauf der Leitfähigkeit gemessen werden kann. Das so gewonnene Messsignal
gibt dann den momentanen, an der Membran tatsächlich vorherrrschenden Betriebszustand
wieder. In Abhängigkeit von Last und Hub ändert sich die Leitfähigkeit dieser Widerstandseinrichtung
in charakteristischer Weise über jeden Pumpzyklus. Bei Dehnung der Membran wird die
Widerstandseinrichtung gedehnt. Durch diese Dehnung erfährt sie eine Längenänderung
bei gleichzeitiger Querschnittsverringerung. Diese geometrische Änderung der Widerstandseinrichtung
ist dem elektrischen Widerstand des Messumformers proportional, d. h. bei einer Dehnung
steigt der Widerstand an. Durch eine Auswerteelektronik ist es möglich, aus dieser
zeitabhängigen Größe Pumpenbetriebsparameter zu ermitteln, wie Pumpfrequenz, Anzahl
der Pumpzyklen, dynamischer Druckverlauf in der Förderkammer, sowie Lage der neutralen
Phasen der Pumpenmembran. Die Auswertung des Messsignals ermöglicht in Verbindung
mit einem Prozessleitsystem eine sichere Überwachung der Funktion der Membranfördereinheit
und damit von sicherheitskritischen Teilen eines Prozesses. Wird beispielsweise die
Membran mechanisch durch einen Antriebsflansch betrieben, so ist auch jener Störfall
erfassbar, bei dem der Antrieb zwar aktiv ist, die Verbindung zwischen Membran und
Antriebsflansch sich aber längst gelöst hat. Durch eine geeignete Messdatenverarbeitung
sind auch zurückliegende Betriebszustände registrierbar.
[0007] Es ist von Vorteil, wenn die Widerstandseinrichtung durch eine Flächenleiterschlinge
gebildet wird, die aus einem leitfähigen Kunststoff besteht. Derartige Materialien
lassen sich einfach mittels Siebdruck flächig auf eine Membranschicht aufdrucken.
Bei einem elektrisch leitfähigen Elastomer kann dessen Leitfähigkeit durch die Menge
von elektrisch leitfähigen Füllstoffen vorgegeben werden. Besonders geeignet für eine
Widerstandseinrichtung ist eine aus einem elektrisch leitfähigen Elastomer gebildete
Flächenleiterschlinge. Das Material dieser Elastomerleiterschlinge hat einem spezifischen
elektrischen Widerstand von kleiner als 300 Ohm/cm. Die Elastomerleiterschlinge kann
einfach hergestelltet werden, indem man dem Elastomer Leitruß beziehungsweise Leitgraphit
als Füllstoff zugibt. So lässt sich ein Messumformer herstellen, der ähnliche mechanische
Eigenschaften aufweist, wie der gummielastische Membranteller selbst. Dadurch wirkt
der Sensor bei Bewegung des gummielastischen Membrantellers nicht störend. Der Messumformer
kann so ausgeführt werden, dass seine Zugfestigkeit zwischen 8 und 25 N/mm
2 und seine Bruchdehnung zwischen 50 bis 400 % liegt und der spezifische Widerstand
dabei kleiner als 300 Ohm/cm ist. Verglichen mit anderen leitfähigen Kunststoffen,
wie sie beispielsweise für elektrisch leitende Fußböden verwendet werden, ist der
elektrische Widerstand der Elastomerleiterschlinge niedrig. In diesem Widerstandsbereich
ist eine Änderrung der Leitfähigkeit einfach zu messen.
[0008] Mit Vorteil wird die Flächenleiterschlinge in zumindest einem Brückenzweig einer
Wheatstonschen Brücke geschaltet und die zeitabhängige Größe im Diagonalzweig der
Brücke gewonnen. Dadurch können die Pumpenbetriebsparameter mit hoher Empfindlichkeit
erfasst werden.
[0009] Eine sehr einfache Messanordnung erhält man, wenn man die Flächenleiterschlinge in
Reihe mit einer Spannungsquelle und einem Shunt schaltet und die zeitabhängige Größe
dadurch gewinnt, indem man den Spannungsabfall am Shunt mißt.
[0010] Bei Betrieb der Pumpe ist die zeitabhängige Größe eine Mischgröße mit periodischem
Verlauf. Die Messgröße besteht aus einem Gleichanteil dem ein Wechselanteil überlagert
ist. Die Pumpfrequenz kann auf einfache Weise dadurch ermittelt werden, indem man
aus dem Wechselanteil des Messsignals, beispielsweise durch eine bistabile Kippstufe,
die Pumpfrequenz ermittelt.
[0011] Aus dem Wechselanteil der zeitabhängigen Größe lässt sich auch der Förderdruck ermitteln.
Die Elastomerleiterschleife liegt an der Membran an und ist mit dieser verbunden.
Beide sind gummielastisch und besitzen ähnlich mechansiche Eigenschaften. Eine Dehnung
der Membran bewirkt folglich in gleichem Maße eine Dehnung der Elastomerleiterschlinge.
Damit entspricht der Augenblickswert der Dehnung der Membran dem augenblicklich herrschenden
Förderdruck in der Arbeitskammer der Pumpe. Ein Prozessleitsystem kann aus diesem
Signal in Verbindung mit der Pumpfrequenz die Förderleistung, also eine quantitative
Belastung der Membran in der Vergangenheit errechnen. Dadurch ist es möglich einen
günstigen Zeitpunkt für einen Membranwechsel zu ermittelt . Fernern stehen natürlich
die Betriebsparameter, wie dynamischer Druckverlauf, Pumpfrequenz, Zahl der Zyklen
während einer Betriebszeit einer Langzeitregistrierung zur Verfügung.
[0012] Die Schadensüberwachung der Membran kann auf einfache Weise dadurch erfolgen, indem
man eine Mittelwertbildung der zeitabhängigen Größe durchführt. Durch Vergleich mit
einem vorgegebenen Schwellwert kann ein Membranbruch signalisiert werden.
Kurzbeschreibung der Zeichnungen
[0013] Die Erfindung wird nachstehend anhand einiger in den Zeichnungen dargestellten Ausführungsformen
näher erläutert. Es zeigt:
- Figur 1
- eine bevorzugte Ausführungsform einer Einrichtung zur Durchführung des Verfahrens
zur Erfassung der Pumpenbetriebsparameter einer Membranfördereinheit ;
- Figur 2
- eine Teilschnittdarstellung einer mechanisch betätigten Membran mit einer Widerstandseinrichtung;
- Figur 3
- ein Messprotokoll über den Verlauf der Leitfähigkeit einer an einer Membran befestigten
Widerstandseinrichtung, dargestellt als Stromverlauf in Abhängigkeit der Zeit.
Ausführung der Erfindung
[0014] In Figur 1 ist eine bevorzugte Ausführung der erfindungsgemäßen Einrichtung gezeigt.
Eine Elastomerleiterschlinge 1 ist in Reihe mit einer Spannungsversorgung 3 und einem
Messwiderstand, einem Shunt 2, geschaltet. Die Elastomerleiterschlinge ist schematisch
als Mäander gezeichnet. Der Mäander ist so ausgeführt, daß er den Verformungsbereich
der Membran abdeckt. Die zeitabhängige Größe wird als Spannungsabfall am Shunt 2 gemessen.
Zur Messdatenverarbeitung ist eine Auswerteelektronik 4 einerseits mit dem Shunt 2
verbunden, anderseits über Verbindungsleitungen 5 mit einem nicht dargestellten Prozessleitsystem.
[0015] In Figur 2 ist eine Teilschnittdarstellung einer mechanisch betätigten Membran gezeigt.
Der gummielastische Membranteller 6 wird durch einen Metallflansch 7 periodisch ausgelenkt.
Es bezeichnet OT einen oberen Todpunkt, UT einen unteren Todpunkt und N die neutrale
Lage der Membran. Wie die Schnittdarstellung zeigt, ist die Widerstandseinrichtung
1 mit der gummielastischen Membran befestigt. Eine Schutzschicht 8 schützt Membran
und Widerstandseinrichtung 1 gegenüber dem Förderfluid.
[0016] In Figur 3 ist die zeitabhängige Größe die, am Shunt 2 gemessen wird, dargestellt.
Die Messung zeigt den elektrischen Strom durch den Shunt 2 als eine Mischgröße. Der
periodischen Auslenkung der Membran entsprechen dabei Maxima beziehungsweise Minima
in der Mischgröße. Mit UT ist der untere Todpunkt der Membran, mit OT der obere Todpunkt
der Membran und mit N die neutrale Phase der Membran dargestellt.
1. Verfahren zur Erfassung von Pumpenbetriebsparametern einer Membranfördereinheit, dadurch gekennzeichnet, dass die Leitfähigkeit einer an einer Membran befestigten Widerstandseinrichtung zumindest
über eine Pumpperiode als zeitabhängige Größe gemessen und diese Größe bei der Erfassung
herangezogen wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Widerstandseinrichtung durch eine Elastomerleiterschlinge gebildet wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Elastomerleiterschlinge in zumindest einen Brückenzweig einer Wheatstonschen
Brücke geschaltet wird und die zeitabhängige Größe durch eine Messspannung im Diagonalzweig
der Wheatstonschen Brücke gewonnen wird.
4. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Elastomerleiterschlinge in Reihe mit einem Shunt geschaltet wird und die zeitabhängige
Größe durch die Messspannung am Shunt gewonnen wird.
5. Verfahren nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, dass aus einem Wechselanteil des Messsignals die Pumpfrequenz ermittelt wird.
6. Verfahren Nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass aus der Amplitude des Wechselanteils der Förderdruck ermittelt wird.
7. Verfahren nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, dass die zeitabhängige Größe durch eine Mittelwertbildung gewonnen und zur Schandensüberwachung
der Membran herangezogen wird.
8. Einrichtung zur Durchführung des Verfahrens, dadurch gekennzeichnet, dass eine Elastomerleiterschlinge an einer Membran einer Membranfördereinheit befestigt
und in einen Brückenzweig einer Whetastonschen Brücke oder in Reihe mit einem Shunt
geschaltet wird und eine Änderung des Betriebszustands der Membran eine zeitliche
Änderung der Messspannung im Brückenzweig oder am Shunt bewirkt.