Vorrichtung zum Schutz vor Winderosionsschäden durch gezielte Beregnung
[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung entsprechend dem Oberbegriff des Anspruches
1.
[0002] Durch kräftigere Winde und kargere Vegetation als im Hinterland kommt es in Küsten-
und Ufernähe häufig zu ungewollten Abtragungen und Verwehungen im Strand- und Dünenbereich.
Die durch Winderosion verursachten Verwehungen und Materialbewegungen müssen häufig
durch Umschichten, Ausbaggern von Flußläufen und Schifffahrtswegen oder Aufsanden
beseitigt werden.
[0003] Es ist bekannt, dass versucht wird, die Verwehungen durch Windfangelemente aus Holz,
Plastik oder Beton oder durch Befestigungen der Erdoberfläche z.B. mittels Steinen
und Bepflanzungen zu vermeiden. (Küste und Küstenschutz in Deutschland, Pablo Lopez,
München 1998, Nusser)
Andere Vorschläge die Erosion zu verhindern, werden in DE 4322998 A1, worin verankerte
Netze oberflächennahe Materialbewegungen verhindern sollen und in DE 3816271 A1, worin
eine Stabilisierung der Oberfläche mittels in den Boden einzubringender Befestigungselemente
vorgeschlagen wird, beschrieben. Durch die Beschaffenheit der sandigen Oberfläche
sind diese Methoden in Dünenbereichen allerdings wirkungslos.
Nach EP 0 267 034 B1 (DE 37 80 568 T2) wird ein Erosionsschutz für Strände und Dünen
vorgeschlagen, bei dem ein Verfahren zum Verdichten von Erosion ausgesetzten Sanddünen
(a) das Herstellen einer Mischung aus 65 bis 85 Gew.-Teilen Sandteilchen, 0,5 bis
10 Gew.-Teilen einer wasserlöslichen Verbindung und 0,05 bis 2,0 Gew.-Teilen eines
wasserlöslichen Vernetzungsmittel für die gelbildende Verbindung, Rest frisches Wasser
oder Meerwasser bezogen auf 100 Gew.-Teile der Mischung und (b) das Spritzen des so
gebildeten Composits auf die Düne benutzt wird.
[0004] Weiter ist nach EP 0 706 958 B1 (DE 695 03 735 T2) ein Verfahren zur Behandlung von
pulverförmigen Material zur Vermeidung des Austretens von Aersolen und eine Behandlungsvorrichtung
zur Anwendung des Verfahrens bekannt.
Die Behandlungseinrichtung ist eine geneigte Sprühfläche, die in regelmäßigen Abständen
mit Sprühdüsen versehen ist und auf ein Fahrzeug aufgesetzt ist. Die Neigung der Sprühfläche
ist dem zu behandelnden Schüttkegel angepasst. Weiter ist eine Einrichtung zum Regeln
des Drucks und der Durchflussmenge vorgesehen, so dass die aufgesprühte Flüssigkeit
nur sehr oberflächlich in das den Schüttkegel bildende Material eindringt.
[0005] Durch die Auswirkungen der Winderosion entstehen erhebliche und regelmäßige Aufwände
für deren Beseitigung. Außerdem haben die Eingriffe in die Natur negative Auswirkungen
auf das vorhandene ökologische System zur Folge. Bekannte bauliche Maßnahmen zum Windschutz
und zum Aufhalten der Materialbewegung haben durch ihre Form häufig ästhetische Beeinträchtigungen
der Landschaft zur Folge oder sind mit saisonalen Aufwänden für Installation und Abbau
verbunden.
Zudem sind die Maßnahmen zur Vermeidung der Winderosion mit funktionellen Unzulänglichkeiten
behaftet und werden ihrer Aufgabe nur teilweise gerecht, da die Abtragung und Bewegung
von Material zum Zeitpunkt der Wirksamkeit bereits eingesetzt hat und erst nachträglich
versucht wird, den Transport des erodierten Materials zu verhindern.
Die Erfindung will hier Abhilfe schaffen.
[0006] Der im Anspruch 1 angegebenen Erfindung liegt das Problem zugrunde, eine Vorrichtung
zu schaffen, die unmittelbar verhindert, dass bei starkem Wind die obersten Schichten
der Geländeoberfläche vom Wind erfasst und fortbewegt werden.
[0007] Dieses Problem wird durch die kennzeichnenden Merkmale des Patentanspruches 1 gelöst,
der besagt, dass durch ein Leitungssystem Wasser auf das umliegende Gelände verteilt
wird und das Leitungssystem mit ein oder mehreren an sich bekannten Messeinrichtungen
zur Messung der Umgebungseigenschaften, insbesondere der Windstärke und der Feuchtigkeit,
und mit einer Steuerungsvorrichtung verbunden ist, welche die Menge des zu verteilenden
Wassers regelt.
Durch den Unteranspruch wird die Erfindung dahingehend präzisiert, dass das zu verteilende
Wasser durch an sich bekannte Ansaugsysteme aus dem Grundwasser oder dem offenen Wasser
aus der nächsten Umgebung gewonnen wird.
[0008] Die mit der Erfindung erzielten Vorteile bestehen insbesondere darin, dass die Vorrichtung
während der Einwirkung des Windes die Erosion durch die Befeuchtung des umliegenden
Materials von Beginn an einschränkt.
Ein weiterer Vorteil der Erfindung ist, dass die Steuerung in Abhängigkeit von den
Umweltbedingungen erfolgt. Insbesondere der Messung der lokalen Windstärke kommt eine
wichtige Bedeutung für die Stärke der Erosion und damit der Ermittlung der benötigten
Feuchtigkeit der Oberfläche zu. Durch die Messung der Feuchtigkeit kann der erreichte
Grad der Befeuchtung ermittelt werden und Aussagen bezüglich Dauer der Befeuchtung
und Menge des zu verteilenden Wassers ermittelt werden.
Die Speisung kann durch umliegende natürliche oder künstliche Wasserquellen erfolgen.
Durch die örtliche Nähe und die vergleichsweise geringeren Kosten ist eine Gewinnung
aus dem Grund-und Schichtenwasser möglich, welches in Dünenbereichen in der Regel
nur wenig tiefer als der Wasserspiegel anzutreffen ist. Es besteht ebenso die Möglichkeit
des Abpumpens direkt aus dem nahen Gewässer.
Ein weiterer Vorteil der Erfindung besteht in der geringen Beeinträchtigung des Landschaftsbildes.
Der Betrieb der Vorrichtung ist nur mit einer einmaligen Baumaßnahme während der Installation
verbunden.
Durch die Vermeidung von ständigen Oberflächenveränderungen wird außerdem das ökologische
System des Strand- und Dünenbereiches geschützt und die Schutzfunktion der Dünen gestärkt.
[0009] Anhand der schematischen Darstellung soll nachfolgend ein Ausführungsbeispiel näher
erläutert werden.
[0010] Durch das mit Ziffer 1 gekennzeichnete, fest verlegte Rohrleitungssystem kann Wasser
auf das umliegende Gelände verteilt werden, in diesem Falle eine durch Winderosion
gefährdete Dünenlandschaft 2. Dies kann mit mehreren günstig angeordneten Ventilen
geschehen, die so gebaut sind, dass sie das Wasser möglichst gleichmäßig und weitflächig
über ein bestimmtes Gebiet verteilen können.
Die Menge des Wassers kann unter Berücksichtigung der Umweltmesseinrichtung 4 von
einer nicht näher dargestellten elektronischen Steuereinheit in Verbindung mit einer
Pumpanlage 3 geregelt werden.
Eine Möglichkeit der Wasserversorgung des Systems besteht in der Nutzung des Grundwassers
durch geeignete bekannte Ansaugsysteme, hier schematisch dargestellt und mit 5 gekennzeichnet.
[0011] Bei aufkommendem Wind reagiert die Steuereinheit auf einen festgelegten Schwellwert
der von der Windmesseinrichtung ständig gelieferten Informationen. Wird dieser Schwellwert
überschritten, beginnt die Pumpe, durch die Steuereinheit reguliert, Wasser in das
Leitungssystem zu speisen. Das Wasser wird durch die Auslassventile auf der Oberfläche
verteilt und befeuchtet den Sand. Durch die damit entstehende höhere Haftung des angefeuchten
Sandes wird die Abtragung und Verwehung des Materials vermieden.
Bei der Einstellung der Steuereinheit ist zu berücksichtigen, dass die Haftung des
Sandes bei stärkerem Wind höher sein muss, d.h. die Feuchtigkeit des Sandes muss sich
auf tiefere Oberflächenschichten ausdehnen. Ebenso ist die schnellere Austrocknung
des Sandes bei starkem Wind bei der Festsetzung der Schwellwerte zu beachten.
Bei stärkeren Winden wird auch die Menge des zu verteilenden Wassers entsprechend
erhöht.
Der zusätzliche Einsatz eines Feuchtigkeitsmessfühlers ermöglicht weitere Verbesserungen
der Reaktion der Steuereinheit auf die realen Umweltbedingungen, z.B. bei gleichzeitigem
Auftreten von Regen und starkem Wind.
1. Vorrichtung zum Schutz vor Winderosionsschäden durch gezielte Beregnung, insbesondere
an Dünen, mittels Leitungssystem (1) aus Rohren oder Schläuchen und Pumpenanlage (3),
dadurch gekennzeichnet, dass Pumpenanlage (3) nach Maßgabe der ständig gemessenen Windestärke und der ständig
gemessenen Feuchtigkeit der Oberfläche des Sandes mittels einer oder mehrerer an sich
bekannter Umweltmesseinrichtungen (4) und einer nicht näher dargestellten elektronischen
Steuereinheit Wasser auf das umliegende Gelände (2) verteilt und somit die Menge des
zu verteilenden Wassers nach Bedarf regelt.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das zu verteilende Wasser durch an sich bekannte Ansaugsysteme (5) aus dem Grundwasser
oder dem offenen Wasser aus der nächsten Umgebung gewonnen wird.