Geltungsbereich
[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Löschmedium zum Löschen von Lichtbögen in
elektrischen Geräten, bevorzugt in Überstrom-SchutzElementen, wie Sicherungen im allgemeinen,
beispielsweise Schmelzsicherungen im Haushalt, Hochspannungs-Hochleistungs-Sicherungen
(HH-Sicherungen) im Verteilnetz oder Substrat-Sicherungen, anwendbar von der Microelektronik
bis zur Hochspannungtechnik oder in repetitiven Sicherungen wie zum Beispiel in PTC-Elementen
(PTC = positive temperature coefficient). Das erfindungsgemässe Löschmedium besteht
aus einer pastösen bis festen Silikonmatrix, welche mit ausgewählten mineralischen
Füllstoffen gefüllt ist und weist eine wesentlich verbesserte Löschcharakteristik
auf. Das erfindungsgemässe Löschmedium verleiht bei den genannten Anwendungen, beispielsweise
HH-Sicherungen, welche ein erfindungsgemässes Löschmedium enthalten, eine wesentlich
verbesserte Schaltcharakteristik.
Technisches Gebiet
[0002] Löschmedien zum Löschen von Lichtbögen in elektrischen Geräten, beispielsweise in
Sicherungen, sind an sich bekannt. Die Funktion der Löschmedien in elektrischen Sicherungen
besteht darin, dass das Löschmedium dem Lichtbogen genügend Energie entzieht bzw.
den Lichtbogen so stark kühlt, dass er beim Stromnulldurchgang erlischt. Im Allgemeinen
wird als Löschmedium Sand eingesetzt. Die Schaltcharakteristik einer Sand enthalten
Sicherung, wird deshalb wesentlich durch die Zusammensetzung des Löschsandes sowie
durch dessen durchschnittliche Korngrössenverteilung und Kornform beeinflusst. Deshalb
werden von unterschiedlichen Herstellern stark differierende Löschsande verwendet.
Stand der Technik
[0003] Aus US-Patent 4,444,671 oder US-Patent 5,406,245, ist bekannt, zur Kühlung von Lichtbögen
in elektrischen Sicherungen organische Verbindungen einzusetzen und diese gegebenenfalls
als Beschichtung auf den Sicherungsdraht aufzutragen. So wurde beispielsweise vorgeschlagen,
flüssige Polymere wie Polyurethane, Polyacrylate, Melanin-Formaldehyd-Harze, sowie
Gemische solcher polymerer Verbindungen, oder Hexamethylentetramin, zu verwenden.
Dabei wird das Polymer in Berührung mit dem heissen Lichtbogen zersetzt, was die Bogenlöschung
bewirkt. Die Verwendung der genannten Verbindungen hat aber in der Regel den Nachteil,
dass Alterungsphänomene auftreten. Zudem erzeugen diese Verbindungen bei der Zersetzung
im Lichtbogen oft elektrisch leitfähige Zersetzungsprodukte deren Umweltverträglichkeit
zudem oft fraglich ist. Im weiteren wird die dielektrische Festigkeit der Sicherung
nach dem Ausschaltenten des Stromes verschlechtert, so dass mit einem thermischen
Wiederzünden des Lichtbogens gerechnet werden muss.
Darstellung der Erfindung
[0004] Für eine HH-Sicherung sind zwei Arbeitsbereiche zu berücksichtigen, nämlich diejenige
bei kleinen Überströmen bis 10 I
n (I
n = Nennstrom, wird auch als I
nenn bezeichnet) und jener bei grossen Fehlerströmen. Grosse Fehlerströme sind relativ
einfach zu handhaben, indem man in an sich bekannter Weise Schwachstellen im Strompfad
einbringt. Wird über die Fusspunktspannung eine ausreichend hohe Spannung erzeugt,
so führen diese Schwachstellen zur Löschung der Lichtbögen im Stromnulldurchgang.
[0005] Für geringe Überströme ergibt sich in herkömmlichen Sicherungen ein völlig anderes
Schaltverhalten. In der Mitte der Sicherung wird auf dem Sicherungsdraht ein Zinnpartikel
(M-Spot, Metcalf-Effekt) aufgebracht. Bei Erwärmung der Sicherung durch einen Überstrom
diffundiert das Zinn in das Silber. Die entstehende intermetallische Phase AgSn
2 weist einen deutlich geringeren Schmelzpunkt auf als das Basismaterial (Silber) und
schmilzt an der Stelle, wo genügend Zinn in den Silberdraht diffundiert ist. An dieser
Stelle bildet sich ein Lichtbogen aus. Die Löschung dieses Lichtbogens erfolgt nun
durch das Löschmedium, in der Regel Quarzsand, als Folge des Energieentzugs, der beim
Aufschmelzen des Sandes entsteht. Um ausreichend Energie zum Schmelzen des Sandes
bereitzustellen, muss im allgemeinen der Fehlerstrom mindestens dreimal höher sein
als der Nennstrom der Sicherung. Bei kleineren Strömen kann der Lichtbogen einerseits
nicht entsprechend wachsen, da die Energie nicht ausreicht, um die Fusspunkte auf
dem Sicherungselement (Draht) aufzuschmelzen und andererseits kann der Lichtbogen
auch nicht verlöschen, weil die Energie nicht ausreicht den Sicherungssand im notwendigen
Umfang aufzuschmelzen. Deshalb brennt der Lichtbogen stabil über eine definierte Strecke
innerhalb der Sicherung weiter. Die dabei lokal begrenzt eingebrachte Wärmeenergie
führt zu einem überhöhten thermischen Gradienten innerhalb der Sicherung im Bereich
in dem der Lichtbogen brennt, was zur Explosion der Sicherung führen kann. Um dennoch
Ströme unterbrechen zu können, die zwischen dem Nennstrom und dem minimalen Ausschaltstrom
von etwa 3I
N liegen, ist es nötig, die Kühlung sogenannter stromschwacher Lichtbögen zu verbessern.
[0006] Es wurde nun gefunden, dass Silikonpolymere, vorzugsweise in pastöser bis fester
Form, welche an sich bekannte mineralische Verbindungen in geeigneter Form und Konzentration
als Füllstoffe enthalten, ausgezeichnete Löschmedien zur Löschung von Lichtbögen in
elektrischen Sicherungen darstellen. Mit den erfindungsgemässen Löschmedien ist es
möglich, Lichtbögen zu unterbrechen bzw. zu löschen, welche durch Ströme erzeugt werden,
welche unter dem minimalen Ausschaltstrom von etwa 3I
N liegen und Strömen, die deutlich kleiner sind als der Nennstrom, ohne dass die oben
beschriebenen Nachteile auftreten. So lassen sich beispielsweise mit dem erfindungsgemässen
Löschmedium Lichtbögen bei 0,67-fachen Nennstrom I
N löschen.
[0007] Mit dem erfindungsgemässen Löschmedium können auch sehr feine Partikel kühlaktiver
Medien in grosser Menge direkt und dauerhaft in der Nähe des zu erwartenden Lichtbogens
positioniert werden. Aufgrund der grossen Oberfläche der feinen Partikel wird die
Kühlleistung deutlich verbessert, wobei bei der Oxidation des Silicons durch den Lichtbogen
kaum leitfähige und keine stark toxischen Zersetzungsprodukte entstehen. Mit dem Einsatz
des erfindungsgemässen Löschmediums zur Lichtbogenlöschung können die Dimensionen
von Sicherungen, wie z.B. HH-Sicherungen, bei derselben Leistung deutlich verringert
werden. Zudem kann der Abstand zwischen parallelen Sicherungsdrähten von derzeit mindestens
etwa 16 mm, bei Verwendung des erfindungsgemässen Löschmediums bis zu etwa 1 mm stark
verringert werden, ohne dass es zu einem Kurzschluss zwischen spiralförmigen Windungen
des Sicherungsdrahtes während oder nach dem Schaltvorgang kommt. Damit ergibt sich
die Möglichkeit, mit einer spiralförmigen Wicklung der Sicherungsdrähte einen deutlich
längeren Draht im Innern der Sicherung bei gleichen standardisierten Aussenmassen
unterzubringen. Die Länge des Drahtes, die nach dem Auslösen der Sicherung mit der
elektrischen Isolierstrecke identisch ist, bestimmt die maximale Spannung, für welche
die Sicherung, eingesetzt werden kann. Bei Verwendung des erfindungsgemässen Löschmediums
gelingt es, die derzeit als obere Grenze geltende Spannung von 36 kV zu erhöhen und
Sicherungen für bis zu 110 kV und höher bei einer kompakten Bauweise zu realisieren.
Aus der erfindungsgemäss verbesserten Kühlung und Bogenlöschung resultiert auch eine
Reduktion der Kosten bei der Herstellung von HH-Sicherungen, da z.B. der bisher verwendete
Sicherungskörper für deutlich kleinere Drücke ausgelegt werden kann.
[0008] Die vorliegende Erfindung ist in den Patentansprüchen definiert. Insbesondere betrifft
die vorliegende Erfindung ein Löschmedium in pastöser bis fester Form zum Löschen
von Lichtbögen, bestehend aus einem Silikonpolymer oder einem Gemisch solcher Silikonpolymere,
dadurch gekennzeichnet sind, dass dieses Silikonpolymer bzw. das Gemisch der Silikonpolymere
als Füllstoff mindestens eine mineralische Verbindung oder ein Gemisch solcher Verbindungen
in pulveriger Form, vorzugsweise mit einer durchschnittlichen Korngrösse im Bereich
von 500 nm bis 500 µm, und in einer Konzentration von mindestens 10 Gewichtsprozent,
bezogen auf das Gesamtgewicht des Löschmediums, enthält.
[0009] Die vorliegende Erfindung betrifft im weiteren die Verwendung des erfindungsgemässen
Löschmediums zum Löschen von Lichtbögen in Überstrom-Schutz-Elementen, vorzugsweise
in Sicherungen, beispielsweise in Schmelzsicherungen im Haushalt, in Hochspannungs-Hochleistungs-Sicherungen
(HH-Sicherungen) im Verteilnetz oder Substrat-Sicherungen, in der Elektronik, der
Mikroelektronik oder in der Hochspannungstechnik oder in repetitiven Sicherungen,
vorzugsweise in PTC-Elementen.
[0010] Die vorliegende Erfindung betrifft im weiteren Überstrom-Schutz-Elemente, vorzugsweise
Sicherungen, Substrat-Sicherungen in der Elektronik, in der Mikroelektronik oder in
der Hochspannungstechnik, repetitive Sicherungen, vorzugsweise PTC-Elemente, welche
ein erfindungsgemässes Löschmedium enthalten.
[0011] Die vorliegende Erfindung betrifft auch ein Verfahren zur Herstellung der erfindungsgemässen
elektrischen Vorrichtungen, insbesondere Sicherungen, wie dies im weiteren beschrieben
ist.
[0012] Geeignete Ausgangsprodukte für die Herstellung des erfindungsgemässen Löschmediums
sind fliessfähige, vorzugsweise härtbare, cyclische, lineare oder verzweigte Organopolysiloxane
oder ein Gemisch solcher Verbindungen. Vorzugsweise sind diese flüssig bis pastös,
so dass sich der Füllstoff in verhältnismässig hoher Konzentration einarbeiten lässt.
Die aus dem Ausgangspolymer hergestellte, den Füllstoff enthaltende Masse, hat in
der Regel eine bedeutend höhere Viskosität als das Ausgangspolymer selbst und kann
gegebenenfalls ungehärtet verwendet werden. Vorzugsweise aber wird zur Herstellung
des erfindungsgemässen Löschmediums ein härtbares Polysiloxan bzw. ein härtbares Polysiloxan
Gemisch verwendet, welches bei Raumtemperatur oder bei erhöhter Temperatur bevorzugt
durch Polyaddition aber auch durch Polykondensation aushärtet.
[0013] Vorzugsweise handelt es sich bei dem Organopolysiloxan um eine Verbindung, bzw. ein
Verbindungsgemisch, der allgemeinen Formel (I):

worin
- R
- unabhängig voneinander einen Alkylrest mit 1 bis 8 Kohlenstoffatomen, (C1-C4)-Alkylaryl oder Aryl; vorzugsweise einen Alkylrest mit 1 bis 4 Kohlenstoffatomen
oder Phenyl; vorzugsweise Methyl;
- R1
- unabhängig voneinander eine der Bedeutungen von R oder R2, wobei gegebenenfalls zwei an verschiedene Si-Atome gebundene endständige Substituenten
R1 zusammen genommen für ein Sauerstoffatom stehen (= cyclische Verbindung);
- R2
- eine der Bedeutungen von R, oder Wasserstoff, oder einen Rest -(A)r-CH=CH2;
- A
- einen Rest -CsH2s- , vorzugsweise-(CH2)s- , worin
- s
- eine ganze Zahl von 1 bis 6, vorzugsweise 1;
- r
- Null oder eins;
- m
- durchschnittlich von Null bis 5000, vorzugsweise von 20 bis 5000, vorzugsweise 50
bis 1500;
- n
- durchschnittlich von Null bis 100, vorzugsweise 2 bis 100, vorzugsweise 2 bis 20;
bedeuten, wobei die Summe von [m+n] für nicht-cyclische Verbindungen vorzugsweise
mindestens 20, und vorzugsweise mindestens 50 beträgt und die Gruppen -[Si(R)(R)O]-
und -[Si(R
1)(R
2)O]- in beliebiger Reihenfolge im Molekül angeordnet sind. Die Summe von [m+n] für
nicht-cyclische Verbindungen liegt vorzugsweise durchschnittlich im Bereich von 20
bis 5000, vorzugsweise im Bereich von 50 bis 1500.
[0014] Vorzugsweise hat R
2 eine der Bedeutungen von R, wobei R vorzugsweise Methyl oder Phenyl bedeutet, und
im Molekül sowohl Methyl als auch Phenyl anwesend sein können. Das Verhältnis von
Methyl zu Phenyl ist durch die Fliessfähigkeit bzw. Verarbeitbarkeit und Befüllbarkeit
der Verbindung bzw. des Verbindungsgemisches gegeben. Vorzugsweise bedeutet R Methyl.
Die Verbindung der Formel (I) stellt in der Regel ein Gemisch von homologen Verbindungen
der Formel (I) dar, was dem Fachmann bekannt ist.
[0015] Ist die Verbindung der Formel (I) ein cyclisches Organohydrogenpolysiloxan oder Organovinylpolysiloxan,
so ist dieses aus -[Si(R) (R)O]-Einheiten und/oder -[Si(R
1) (R
2)O]-Einheiten, z.B. nur aus -[SiH(R
2)O]-Einheiten, zusammengesetzt, welche einen Ring mit vorzugsweise 4 bis 12 solcher
Einheiten bilden. Von den ringförmigen Siloxanen sind jedoch die ringförmigen oligomeren
Polydimethylsiloxane mit 4 bis 8 Siloxy-Einheiten bevorzugt.
[0016] In einer bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung wird eine härtbare
Silikonharz-Formmasse als härtbares Gemisch bestehend aus zwei Komponenten verwendet.
In der einen Komponente bedeutet R
2 Wasserstoff zumindest für einen Teil der in der einen Komponente anwesenden Moleküle.
In der andern Komponente bedeutet R
2 -A-CH=CH
2 zumindest für einen Teil der in der andern Komponente anwesenden Moleküle. Um die
additionsvernetzende Reaktion zu ermöglichen, setzt man der einen und/oder der andern
Komponente oder dem Gemisch beider Komponenten eine Komplexverbindung oder ein Gemisch
solcher Komplexverbindungen aus der Gruppe der Rhodium-, Nickel-, Palladium- und/oder
Platinmetalle zu, wie solche als katalytisch wirksame Verbindungen für Additionsreaktionen
zwischen SiH-Bindungen und Alkenylresten ausführlich in der Literatur beschrieben
und dem Fachmann bekannt sind. Bevorzugt sind Pt (0)-Komplexe mit Alkenylsiloxanen
als Liganden oder Rh-Katalysatoren in katalytischen Mengen von vorzugsweise 1 bis
100 ppm Platin, berechnet auf die Menge der die reaktiven Gruppen enthaltenden Verbindungen.
Für dieses Zweikomponentensystem bedeuten die beiden endständigen Silyloxygruppen
der den Rest -A-CH=CH
2 enthaltenden Verbindung, unabhängig voneinander vorzugsweise Dimethylvinylsiloxy,
wobei dann n vorzugsweise Null bedeutet. Die einzelnen Ausgangskomponenten haben eine
Viskosität vorzugsweise im Bereich von etwa 10 cSt bis 10'000 cSt, vorzugsweise im
Bereich von 100 cSt bis 10'000 cSt und vorzugsweise im Bereich von 500 cSt bis 3'000
cSt, gemessen gemäss DIN 53 019 bei 20°C.
[0017] Für die Herstellung des erfindungsgemässen Löschmediums mischt man die beiden Komponenten,
den Katalysator und den Füllstoff in beliebiger Reihenfolge, worauf man die erhaltene
noch fliessfähige Mischung verwendet, z.B. indem man diese in die gewünschte Form
bringt, oder auf den Sicherungsdraht aufbringt oder in die Sicherung einträgt, und
die Mischung aushärten lässt. Dabei verwendet man die Hydrogensilanverbindung und
die Vinylsilanverbindung zur Herstellung der härtbaren Silikonharz-Formmasse mindestens
in äquimolaren Mengen. Vorzugsweise verwendet man jedoch die Si-H-Gruppen enthaltende
Verbindung im molaren Überschuss von 20 bis 50 %, bezogen auf die den Rest -A-CH=CH
2 enthaltende Verbindung. In derselben Weise kann man Systeme verwenden, wo der Katalysator
in die Harz- und/oder Härterkomponente vorgängig zur Mischung bereits eingebracht
worden ist.
[0018] Je nach der Herstellung können die Verbindungen der Formel (I) bis zu 10 Molprozente,
berechnet auf die anwesenden Si-Atome sowohl Alkoxy- als auch OH-Gruppen enthalten.
Solche Verbindungen liegen innerhalb der vorliegenden Erfindung.
[0019] Erfindungsgemäss können auch kondensationsvernetzende Silikonharz-Systeme verwendet
werden. Kondensationsvernetzende Silikonharz-Systeme sind an sich bekannt. Sie vernetzen
insbesondere auf Grund der vorhandenen [≡Si-OH]-Gruppen, welche im Vernetzungsprozess
[≡Si-O-Si≡]-Bindungen bilden. Im Vergleich zu additionsvernetzenden Systemen haben
kondensationsvernetzende Systeme allerdings den Nachteil, dass sich bei der Vernetzung
bzw. Härtung, Spaltprodukte bilden, insbesondere Wasser, was zu Korrosion oder zum
Versagen der erfindungsgemässen Sicherung führen kann.
[0020] Zahlreiche Silikonverbindungen sowie härtbare Silikonharz-Formmassen sind für elektrotechnische
Verwendung bekannt und kommerziell erhältlich, beispielsweise unter den Handelsnamen
Basilon® (Bayer AG), Textolite® (General Electric Co.) oder Wacker Silicone (Wacker
Chemie GmbH, DE). Diese Silkone können erfindungsgemäss verwendet werden. Bevorzugt
sind vernetzende Silikonkautschuke bzw. Ausgangszusammensetzungen von Silikon-harzen,
welche bei der Härtung vernetzte Silkonkautschuke ergeben.
[0021] Dabei kann bei einer erfindungsgemässen Sicherung das in der Regel verwendete, die
Sicherung nach aussen abschliessende Keramikrohr, durch ein beliebig anderes geeignetes
Material, beispielsweise ein geeignetes Silkonmaterial, ersetzt wird. Werden solche
Sicherungen unter Freiluftbedingungen eingesetzt, so ist es von Vorteil, dass im ausgehärteten
Silicone neben härtbaren linearen und/oder verzweigten Organopolysiloxanen, auch cyclische
Verbindungen der Formel (I) anwesend sind, insbesondere solche, welche im Ring 3 bis
10, vorzugsweise 4 bis 6 und insbesondere vier Siloxy-Einheiten enthalten, wie dies
weiter oben für die Verbindungen der Formel (I) beschrieben ist.
[0022] Für die Herstellung des erfindungsgemässen Löschmedium können praktisch alle an sich
bekannten Sicherungssande und in der Elektroindustrie bekannten mineralischen Füllstoffe,
verwendet werden. So kommen beispielsweise die folgenden Materialien als Füllstoffe
in Frage: natürliche gereinigte Sande (gereinigte Gesteinsmehle), Siliziumoxid (SiO
2), Aluminiumoxid (Al
2O
3), Titanoxid (TiO
2), Silikate, wie Natrium/Kalium-Silikate, Silizium-Aluminiumsilikate, mineralische
Karbonate, wie z.B. Calzium-Magnesiumkarbonat [z.B. CaMg(CO
3)
2], oder die verschiedenen Calzium-Silizium-Magnesiumkarbonate sowie weitere physikalische
und chemische Gemische dieser Verbindungen. Geopolymere, wie z.B. Trolite und/oder
Zeolithe auf Basis von Aluminiumsilikaten oder anderen alkalischen Erden, Gläser,
Glimmer, wie Mikroglimmer und/oder Keramik-Partikel. Weiter können auch Borsäure,
Metallhydroxide, wie Aluminiumhydroxid und/oder Magnesiumhydroxid und/oder Hydratwasser
enthaltende mineralische Stoffe, wie z.B.
[0023] Hydratwasser enthaltendes Aluminiumoxid (Al
2O
3.xH
2O) als Füllmittel eingesetzt werden. Bevorzugt sind Verbindungen, welche Magnesium-Ionen
(Mg
+2) enthalten. Insbesondere bevorzugt sind Verbindungen (natürliche und synthetische
Sande etc.), welche Silizium-, Aluminium- und/oder Magnesium-Ionen enthalten, wie
beispielsweise MgCO
3, Mg(OH)
2.4MgCO
3.4H
2O; Mg(OH)
2; MgO; MgCl
2.5Mg(OH)
2.7H
2O.
[0024] Bevorzugt ist beispielsweise die Verwendung von Aluminiumoxid, welches vor der Verwendung
bei erhöhter Temperatur, z.B. bei 600°C getrocknet wurde. Bevorzugt ist auch ein Füllstoff
als zwei- oder mehrphasiges Gemisch, bestehend aus Siliziumdioxid, Aluminiumoxid,
Aluminiumtrihydrat, Magnesiumhydroxid und/oder Titandioxid, wobei das Löschmedium
etwa 40-80 Gewichts-%, bezogen auf das Gesamtgewicht des Löschmediums, enthält. Bevorzugt
als Füllstoff wird auch Borsäure verwendet, welche vor der Verarbeitung während einiger
Minuten (vorzugsweise höchstens 15 Minuten) bei 80°C getrocknet wurde.
[0025] Die durchschnittliche Korngrösse bzw. Partikelgrösse des Füllmaterials ist vorzugsweise
im Bereich von 500 nm bis 500 µm, vorzugsweise im Bereich von 10 µm bis 250 µm. Für
gröbere durchschnittliche Korngrössen liegen die Durchmesser vorzugsweise im Bereich
von 20µm bis 150 µm, vorzugsweise im Bereich von 30 µm bis 130 µm. Für feinere durchschnittliche
Korngrössen liegen die Durchmesser vorzugsweise im Bereich von 500 nm bis 50 µm, vorzugsweise
im Bereich von 0,5 µm bis 10 µm. Die durchschnittliche Korngrössenverteilung bzw.
Partikelgrössenverteilung ist nicht kritisch und liegt vorzugsweise in üblichen Bereichen,
wie solche für Füllstoffe bei deren Verarbeitung in Polymere bekannt sind. Dabei ist
auch die Oberflächenmodifikation, wie z.B. eine Silanisierung der Füllstoffe, möglich.
[0026] Der Anteil des Füllstoffes im Silikonharz liegt vorzugsweise im Bereich von 5 Gew.-%
bis 95 Gew.-%, vorzugsweise im Bereich von 40 Gew.-% bis 85 Gew.-%, und insbesondere
im Bereich von 60 Gew.-% bis 80 Gew.-%, berechnet auf das Gesamtgewicht von Füllstoff
und Polymer. Bevorzugt sind Füllgrade an der physikalisch realisierbaren Obergrenze,
bei der die Fliessfähigkeit beziehungsweise die Verarbeitung des nicht ausgehärteten
Gemisches gerade noch gegeben ist, was in der Regel bei einem Füllgrad von etwa 80
Gew.-% gegeben ist. Das erfindungsgemässe Löschmedium wird so hergestellt, dass dieses
nur sehr wenig und praktisch keine Lufteinschlüsse enthält.
[0027] Wird ausschliesslich Sicherungssand bzw. körniger mineralischer Füllstoff (ohne Silikonharz)
in einer HH-Sicherung als Löschmedium verwendet, so ergibt sich eine deutlich stärkere
Kühlung des Bogens, wenn das Löschmedium eine feinere durchschnittliche Korngrösse
aufweist, da bei kleineren aufzuschmelzenden Partikeln eine grössere Partikeloberfläche
für den Entzug der Energie aus dem Lichtbogen zur Verfügung steht und somit die Partikel
schneller aufgeschmolzen werden. Ein vergleichsweise feinkörniger Sand besteht aber
in der Regel aus abgerundeten Partikeln, was - im Vergleich mit grobem Sand - eine
andere Tripcharakteristik und insbesondere ein schlechteres Löschverhalten ergibt
Für die Löschcharakteristik ist nämlich nicht nur die zur Verfügung stehende Partikeloberfläche
bzw. die durchschnittliche Korngrösse von Bedeutung, sondern u.a. auch die Kornform.
Setzt man einen groben Sand als Kühlmedium ein, so schaltet die Sicherung bei gleichem
Strom schneller. Die schlechtere Wärmeleitfähigkeit der Luft, die bei groben Sanden
in einem grösseren Volumen vorliegt, verursacht, dass die ausgeprägten Ecken und Spitzen
des groben Sandes im Lichtbogen schneller aufgeschmolzen werden und somit anfänglich
- im Vergleich mit sehr feinem Sand - eine schnellere und bessere Kühlung ergeben.
Aufgrund des hohen Luftanteils und dessen schlechter Wärmeleitfähigkeit, kann sich
dieser Vorteil in einen wesentlichen Nachteil verändern, wenn die gesamte Schaltkennlinie
der Sicherung betrachtet wird. So weist grober Sand zwar ein schnelles Ansprechen
und ein gutes Löschvermögen für geringe Überströme im Bereich von 3I
N<I
K<8I
N (worin I
K eine Variable im Bereich von 3I
N bis 8I
N bedeutet) auf, hat jedoch ein schlechtes Löschvermögen für hohe Ströme im Bereich
von I
K>8I
N.
[0028] Feiner Sand weist ein langsames Ansprechen auf und hat den Vorteil eines guten Löschvermögens
für hohe Ströme im Bereich von I
K>8I
N , hat jedoch ein schlechtes Löschvermögen für geringe Überströme im Bereich von 3I
N<I
K<8I
N. Zudem tritt bei feinem Sand das Problem des Separierens und der Verfestigung der
feinen Partikel auf, was im Laufe der Betriebsdauer einer Sicherung von etwa 25 Jahren
dazu führen kann, dass ein grösserer luftgefüllter Hohlraum in der Sicherung entsteht,
welcher aufgrund der schlechten Wärmeleitfähigkeit der Luft die Gefahr einer Explosion
beim Schalten in sich birgt.
[0029] Das erfindungsgemässe Löschmedium zeichnet sich überraschenderweise durch ein sehr
gutes Löschvermögen für sämtliche Ströme im Bereich von 0.5I
N<I
K<I
MAX (I
MAX = maximaler Ausschaltstrom) aus, was wiederum eine grosse Freiheit beim Design der
Trip-Charakteristik erlaubt. Das ausgezeichnete Löschvermögen des erfindungsgemässen
Löschmediums, welches vorzugsweise mit einem feinkörnigen Füllstoff gleichmässig gefüllt
ist, kann dadurch erklärt werden, dass die Kühlung des Bogens durch die zur Verfügung
stehende grosse Oberfläche des Füllstoffes einerseits, und das leicht zu oxidierende
Silikonharz andererseits, gegeben sind. Diese synergistische Wirkung der erfindungsgemässen
Kombination war nicht zu erwarten.
[0030] Die vorliegende Erfindung betrifft auch ein Verfahren zur Herstellung der erfindungsgemässen
elektrischen Vorrichtungen, insbesondere Sicherungen, welches dadurch gekennzeichnet
ist, dass man eine flüssige bis pastöse Silikonverbindung oder ein Gemisch solcher
Silikonverbindungen mit einem geeigneten Füllstoff oder einem Gemisch solcher Füllstoffe
in der gewünschten Konzentration in beliebiger Reihenfolge gleichmässig vermischt,
die erhaltene Mischung in eine gewünschte Form bringt und/oder auf den Sicherungsdraht
der Vorrichtung aufbringt und/oder in das Innere der Vorrichtung einbringt, und die
Mischung anschliessend, gegebenenfalls vorgängig und/oder nach dem Einbringen in das
Innere der Sicherung, aushärtet oder aushärten lässt.
[0031] In diesem Sinne ist es möglich, die flüssige bis pastöse erfindungsgemäss befüllte
Silikonmasse zu festen Formteilen zu verarbeiten bzw. auszuhärten, wie z.B. Rohre,
elliptische Röhren oder stangenförmige Elemente mit trapezförmigen Querschnitt, welche
auf das Sicherungselement mit oder ohne Träger auf den Träger des Sicherungselementes
aufgeschoben werden können. Im weiteren kann die erfindungsgemäss befüllte Silikonmasse
direkt auf den Sicherungsdraht oder auf das Sicherungselement aufgebracht und anschliessend
gehärtet werden, wobei die Silikonmasse beispielsweise durch Tauchen, Streichen, Träufeln
oder Giessen aufgebracht werden kann. Eine weitere Möglichkeit ergibt sich bei der
Fixierung mit einem Schrumpfschlauch, wobei sowohl das erfindungsgemässe gefüllte
Silikonharz als auch ein gegebenenfalls zusätzlicher Kalt- oder Warmschrumpfschlauch
mit kalt- oder warmschrumpfenden Eigenschaften versehen sind. Eine Vulkanisation einzelner
Teile ist ebenfalls denkbar, wie z.B. eine Vulkanisation von separaten Abschnitten
des Sicherungselementes, des Trägers des Sicherungselementes, des Sicherungskörpers
(an der Innenseite) oder des Sicherungslementes an sich.
[0032] Das erfindungsgemässe Löschmedium wird erfindungsgemäss für die Löschung allfälliger
Lichtbögen in elektrischen Vorrichtungen, Geräten und Anlagen eingesetzt, bevorzugt
in Überstrom-Schutz-Elementen, wie Sicherungen im allgemeinen, beispielsweise Schmelzsicherungen
in Haushalten, Hochspannungs-Hochleistungs-Sicherungen (HH-Sicherungen) im Verteilnetz
oder Substrat-Sicherungen. Das erfindungsgemässe Löschmedium ist anwendbar allen Bereichen
von der Mikroelektronik bis zur Hochspannungstechnik sowie auch in repetitiven Sicherungen,
wie zum Beispiel in PTC-Elementen. Beispiele solcher Sicherungen sind die ABB (CEF)
12 kV-6A-(backup)-Sicherung oder ABB (CEF) 24 kV-63A-Sicherung; die EFEN 6/12kV-6.3A-(all
purpose/Allzweck)-Sicherung; die FERRAZ 12kV-6.3A-(all purpose)-Sicherung; die SIBA
6/12kV-16A-(all purpose)-Sicherung; mit jeweils keramischem Löschmedium; die Bussmann
High Voltage-12kV-80A (full range) H.R.C. Sicherung, deren Sicherungselemente auf
einem Glasträger sitzen, mit einer Verglasung der Oberfläche sowie keramischen Löschmedium.
Angaben über die Dimensionen, Bauteile und Funktionsparameter, bzw. elektrischen Eigenschaften,
solcher Sicherungen sind den jeweiligen von den Hersteller-Firmen publizierten Katalogen
zu entnehmen. Beispiele solcher Kataloge sind: HH-Sicherungseinsätze mit Temperatur-Begrenzer,
Kennung HH1-03/97, der SIBA Sicherungsbau GmbH, Borker Strasse 22, D-44534 Lünen,
Deutschland, oder der Katalog Bussmann, High Voltage Products, Kennung HVP-98, Bussmann
Division, Cooper (UK) Ltd, Burton-on-the-Wolds, Leicestershire, LE12 5TH UK (ergänzende
Infos unter http://www.bussmann.com), oder der Katalog HH-Sicherungen, HH-Sicherungsträger,
Ausgabe 03/98, EFEN Elektrotechnische Fabrik GmbH, Postfach 1254, D-65332 Eltville,
Deutschland. Siehe auch CD-ROM, Interactive Catalog Ferraz 1999. Wie bereits erwähnt,
ist aber das erfindungsgemässe Löschmedium nicht nur in Sicherungen, sondern im gesamten
Bereich der Niederspannungstechnik, der Elektronik und Mikroelektronik bis zur Hochspannungtechnik
zum Löschen von Lichtbögen anwendbar. Auch in der Elektronik entstehen Lichtbögen,
welche gelöscht werden müssen.
[0033] Bei der Herstellung von Überstrom-Schutzelementen können die erfindungsgemässen Löschmedien
an die Substrate, das heisst insbesondere Keramik oder Glas, auf welche die Sicherungselemente
aufgebracht sind, angebunden werden. Dazu werden die Oberflächen gereinigt (Ultraschall,
Entfettung z.B. mit Isopropanol oder Ethanol) und mit einem Primer, beispielsweise
DOW CORNING 1200 OS Primer, bestrichen, getaucht oder besprüht. Man lässt den Primer
trocknen und verarbeitet anschliessend die Vergussmasse, bzw. das Löschmedium, vorzugsweise
innerhalb von 24 Stunden. Damit werden auch minimal Luftspalte zwischen Silikone bzw.
Löschmedium, und Wickelkörper verhindert.
[0034] Die weiteren Beispiele erläutern die Erfindung.
Beispiel 1
[0035]
a) 100 Gramm des additionsvernetzenden Siliconharzes Powersil® 600 der Firma Wacker
Chemie AG, Deutschland, enthaltend einen Platinkatalysator wird bei Raumtemperatur
im Verhältnis 9:1 (9 Teile der Komponente A und 1 Teil der Komponente B) angesetzt.
Dabei werden in die Harzkomponente A, welche den Vernetzer enthält, mit einem Stabrührer
bei 700 Umdrehungen pro Minute, 400 Gramm Quarzmehl der Mahlung W10 (Korngrössenverteilung
im Bereich von bis zu 130µm, 86% kleiner 40µm) der Firma Quarzwerke Frechen GmbH,
Frechen, Deutschland, eingebracht und zu einem homogenen Gemisch verarbeitet, so dass
das fertige Gemisch 80 Gew.-% Quarzmehl, bezogen auf das Gesamtgewicht der Mischung,
enthält. Nach Zugabe dieser den Katalysator enthaltenden Komponente, wird das Gemisch
während zehn Minuten bei 700 Umdrehungen pro Minute bis zur vollständigen Homogenität
der Mischung gerührt und anschliessend in einem Vakuum-Gefäss bei 100 Pa während 10
Minuten zur Entfernung der Lufteinschlüsse evakuiert. Das fliessfähige Gemisch kann
nun als Löschmedium verwendet werden.
b) Das unter Abschnitt a) erhaltene Gemisch wird nun auf das Sicherungselement, welches
auf einen sternförmigen Träger aufgewickelt wurde, durch Giessen aufgebracht. Dabei
bildet sich eine 1 bis 3 mm dicke Silikonschicht aus, die bei Raumtemperatur aushärtet
(4 h), oder bei welcher der Aushärteprozess durch eine Erwärmung im Ofen (80-120°C)
beziehungsweise mit einem Heissluftstrahl beschleunigt wird (0.5 h). Bei einer mit
diesem Löschmedium hergestellten Sicherung vom Typ 24kV/63 A CEF wurde ein minimaler
Ausschaltstrom Imin) von 2.4 IN (Iprüf = 150 A) gemessen. Der minimale Ausschaltstrom einer Sicherung vom Typ 24kV/63 A
CEF, welche zum Vergleich herkömmlichen Quarzsand für Sicherungen als Löschmedium
enthält, beträgt Imin = 3.2 IN.
Beispiel 2
[0036]
a) Beispiel 1 wird wiederholt, jedoch unter Verwendung des additionsvernetzenden Silicone-Systems
bzw. der Vergussmasse Q3-6305 A/B der Dow Corning Company, USA. Dieses ZweikomponentenSystem
hat im Vergleich zu dem im Beispiel 1 eingesetzten Wacker-System eine geringere Viskosität.
Die Komponenten A und B werden im Verhältniss 10:1 gemischt. Auch hier werden 90 Gramm
der Komponente A zuerst mit dem Füllstoff zum Beispiel Quarzmehl W12EST der Firma
Quarzwerke Frechen, in einem Gefäss mit einem Stabrührer bei 700 Umdrehungen pro Minute
gut verrührt und weitere 10 Minuten bis zu vollständigen Homogenität gerührt. Diese
Komponente ist dann lagerfähig. Vor dem Verguss werden 10 Gramm der Komponente B hinzu
gegeben und das gesamte Gemisch weitere 10 Minuten bei 700 Umdrehungen pro Minute
verrührt. Anschliessend wird die fertige Vergussmasse bei 100 Pa evakuiert, bis alle
Lufteinschlüsse entfernt sind.
b) Das unter a) erhaltene Gemisch wird wie folgt weiter verarbeitet. Der Wickelstab
mit den Sicherungselementen wird in eine Giessform mit zylindrischer Kavität plaziert.
Diese mit einem wachsartigen Trennmittel (QZ XY, Ciba SC Ltd, CH) behandelte Giessform
wird in einem Rezipienten bei 100 Pa mit dem Gemisch aufgefüllt, so dass keine luftgefüllten
Hohlräume entstehen. Der Rezipient wird nach dem Entzug der Blasen aus dem Verguss
geöffnet. Der Giesskörper wird analog zu Beispiel 1 bei Raumtemperatur oder bei erhöhter
Temperatur vernetzt.
c) Beispiel 2, Absatz b) wird dahin modifiziert, dass das in Absatz a) hergestellte
Löschmedium mittels Spritzguss injiziert wird.
[0037] Bei einer mit diesem Löschmedium hergestellten Sicherung [gemäss Absatz b) und Absatz
c)] vom Typ 24kV/40 A CEF wurde ein minimaler Ausschaltstrom (I
min) von 1.0 I
N (I
prüf = 40,8 A) gemessen. Der minimale Ausschaltstrom einer Sicherung vom Typ 24kV/40 A
CEF, welche zum Vergleich üblichen Quarzsand für Sicherungen als Löschmedium enthält,
beträgt I
min = 3.2 I
N.
Beispiel 3
[0038] Beispiel 2 wird wiederholt mit der Massgabe, dass das Quarzmehl ersetzt wird durch
Aluminiumoxid Al
2O
3, 0-30µm der Firma Hermann C. Starck Berlin GmbH & Co. KG, wobei das Aluminiumoxid
vor der Verwendung bei 600°C während 120 Minuten getrocknet wird. Der Befüllungsgrad
beträgt 60 Gew.-%. Bei einer mit diesem Löschmedium hergestellten Sicherung vom Typ
24kV/40 A CEF wurde ein minimaler Ausschaltstrom (I
min) von 0.67 I
N gemessen.
Beispiel 4
[0039] Beispiel 2 wird wiederholt mit der Massgabe, dass das Quarzmehl ersetzt wird durch
Borsäure für die Industrieverwendung, gepulvert, der Firma Siegfried CMS AG, wobei
die Borsäure vor der Verwendung bei 80°C während 15 Minuten getrocknet und anschliessend
in einer Kugelmühle mit Achatkugeln von einem Durchmesser von 10 mm zerkleinert wurde.
Der Befüllungsgrad beträgt 60 Gew.-%. Bei einer mit diesem Löschmedium hergestellten
Sicherung vom Typ 24kV/40 A CEF wurde ein minimaler Ausschaltstrom (I
min) von 0.67 I
N gemessen.
Beispiel 5
[0040] Beispiel 2 wird wiederholt mit der Massgabe, dass das Quarzmehl ersetzt wird durch
eine Mischung von Aluminiumtrihydrat SB 434 der Firma Solem Division, J. M. Huber
Corp. USA (Gewichtsverhältnis von Al(OH)
3 : Mg(OH)
2 = 1 : 1), wobei die Mischung vor der Verwendung bei 80°C während 15 Minuten getrocknet
wurde. Der Befüllungsgrad beträgt 65 Gew.-%. Bei einer mit diesem Löschmedium hergestellten
Sicherung vom Typ 24kV/68 A CEF wurde ein minimaler Ausschaltstrom (I
min) von 1,7 I
N gemessen.
Beispiel 6
[0041] Beispiel 2 wird wiederholt mit der Massgabe, dass das Quarzmehl ersetzt wird durch
Aluminiumoxid E 600, 0-1 µm der Firma Saint Gobain Industrial Ceramics (USA), wobei
das Aluminiumoxid vor der Verwendung bei 600°C während 120 Minuten getrocknet wurde.
Der Befüllungsgrad beträgt 40 Gew.-%. Bei einer mit diesem Löschmedium hergestellten
Sicherung vom Typ 24kV/40 A CEF wurde ein minimaler Ausschaltstrom (I
min) von 0,67 I
N gemessen.
1. Löschmedium in pastöser bis fester Form zum Löschen von Lichtbögen, bestehend aus
einem Silikonpolymer oder einem Gemisch solcher Silikonpolymere, dadurch gekennzeichnet, dass dieses Silikonpolymer bzw. das Gemisch der Silikonpolymere als Füllstoff mindestens
eine mineralische Verbindung oder ein Gemisch solcher Verbindungen in pulveriger Form,
enthält.
2. Löschmedium nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Füllstoff eine durchschnittliche Korngrösse im Bereich von 500 nm bis 500 µm
aufweist.
3. Löschmedium nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass dieses den Füllstoff in einer Konzentration von mindestens 10 Gewichtsprozent, bezogen
auf das Gesamtgewicht des Löschmediums, enthält.
4. Löschmedium nach einem der Ansprüche 1-3, dadurch gekennzeichnet, dass zur Herstellung des Löschmediums ein härtbares Polysiloxan bzw. ein härtbares Polysiloxangemisch
verwendet wird, welches bei Raumtemperatur oder bei erhöhter Temperatur durch Polyaddition
oder Polykondensation aushärtet.
5. Löschmedium nach einem der Ansprüche 1-4,
dadurch gekennzeichnet, dass das Organopolysiloxan um eine Verbindung, bzw. ein Verbindungsgemisch, der allgemeinen
Formel (I):

darstellt, worin
R unabhängig voneinander einen Alkylrest mit 1 bis 8 Kohlenstoffatomen, (C1-C4)-Alkylaryl oder Aryl; vorzugsweise einen Alkylrest mit 1 bis 4 Kohlenstoffatomen
oder Phenyl; vorzugsweise Methyl;
R1 unabhängig voneinander eine der Bedeutungen von R oder R2, wobei gegebenenfalls zwei an verschiedene Si-Atome gebundene endständige Substituenten
R1 zusammen genommen für ein Sauerstoffatom stehen (= cyclische Verbindung);
R2 eine der Bedeutungen von R, oder Wasserstoff, oder einen Rest -(A)r-CH=CH2;
A einen Rest -CsH2s- , vorzugsweise-(CH2)s-, worin
s eine ganze Zahl von 1 bis 6, vorzugsweise 1;
r Null oder eins;
m durchschnittlich von Null bis 5000, vorzugsweise von 20 bis 5000, vorzugsweise
50 bis 1500;
n durchschnittlich von Null bis 100, vorzugsweise 2 bis 100, vorzugsweise 2 bis
20;
bedeuten, wobei die Summe von [m+n] für nicht-cyclische Verbindungen vorzugsweise
mindestens 20, und vorzugsweise mindestens 50 beträgt und die Gruppen -[Si(R)(R)O]-
und -[Si(R
1)(R
2)O]- in beliebiger Reihenfolge im Molekül angeordnet sind.
6. Löschmedium nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass das Siloxan der Formel (I) eine nicht-cyclische Verbindung darstellt, worin die Summe
von [m+n] durchschnittlich im Bereich von 20 bis 5000, und vorzugsweise im Bereich
von 50 bis 1500, liegt.
7. Löschmedium nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Verbindung der Formel (I) ein cyclisches Organohydrogenpolysiloxan oder Organovinylpolysiloxan
darstellt, welches aus aus - [Si (R) (R)O]-Einheiten und/oder -[Si(R1) (R2)O]-Einheiten, vorzugsweise aus -[SiH(R2)O]-Einheiten, zusammengesetzt ist, und welches einen Ring mit vorzugsweise 4 bis
12 solcher Einheiten bildet, vorzugsweise mit 4 bis 8 Siloxy-Einheiten.
8. Löschmedium nach einem der Ansprüche 1-7, dadurch gekennzeichnet, dass das Löschmedium als härtbares Gemisch bestehend aus zwei Komponenten vorliegt, worin
in der einen Komponente zumindest für einen Teil der in der einen Komponente anwesenden
Moleküle R2 Wasserstoff bedeutet und in der andern Komponente zumindest für einen Teil der in
der andern Komponente anwesenden Moleküle R2 -A-CH=CH2 bedeutet.
9. Löschmedium nach einem der Ansprüche 1-8, dadurch gekennzeichnet, dass dieses für die Ermöglichung der additionsvernetzenden Reaktion eine Komplexverbindung
oder ein Gemisch solcher Komplexverbindungen aus der Gruppe der Rhodium-, Nickel-,
Palladium- und/oder Platinmetalle enthält.
10. Löschmedium nach einem der Ansprüche 1-6, dadurch gekennzeichnet, dass dieses ein kondensationsvernetzendes Silikonharz-System enthält.
11. Löschmedium nach einem der Ansprüche 1-10, dadurch gekennzeichnet, dass die mineralische Verbindung oder das Gemisch solcher Verbindungen aus der folgenden
Gruppe ausgewählt ist: natürliche gereinigte Sande; Siliziumoxid; Aluminiumoxid; Titanoxid;
Silikate, vorzugsweise Natrium/Kalium-Silikate, Silizium-Aluminiumsilikate; mineralische
Karbonate, vorzugsweise Calzium-Magnesiumkarbonat oder Calzium-Silizium-Magnesiumkarbonate;
Geopolymere, vorzugsweise Trolite und/oder Zeolithe auf Basis von Aluminiumsilikaten
oder anderen alkalischen Erden, Gläser, Glimmer, Keramik-Partikel; Borsäure, Metallhydroxide,
vorzugsweise Aluminiumhydroxid, Magnesiumhydroxid; Hydratwasser enthaltende mineralische
Stoffe, vorzugsweise Hydratwasser enthaltendes Aluminiumoxid; MgCO3; Mg(OH)2.4MgCO3.4H2O; Mg(OH)2; MgO; MgCl2.5Mg(OH)2.7H2O.
12. Löschmedium nach einem der Ansprüche 1-11, dadurch gekennzeichnet, dass die mineralische Verbindung oder das Gemisch solcher Verbindungen eine durchschnittliche
Partikelgrösse im Bereich von 500 nm bis 500 µm, vorzugsweise im Bereich von 10 µm
bis 250 µm aufweist und speziell im Bereich von 20µm bis 150 µm, vorzugsweise im Bereich
von 30 µm bis 130 µm oder im Bereich von 500 nm bis 50 µm, vorzugsweise im Bereich
von 0,5 µm bis 10 µm.
13. Löschmedium nach einem der Ansprüche 1-12, dadurch gekennzeichnet, dass der Anteil des Füllstoffes im Silikonharz im Bereich von 5 Gew.-% bis 95 Gew.-%,
vorzugsweise im Bereich von 40 Gew.-% bis 85 Gew.-%, und insbesondere im Bereich von
60 Gew.-% bis 80 Gew.-%, berechnet auf das Gesamtgewicht von Füllstoff und Polymer,
liegt.
14. Verwendung des Löschmediums zum Löschen von Lichtbögen in Überstrom-Schutz-Elementen,
vorzugsweise in Sicherungen, vorzugsweise in Schmelzsicherungen im Haushalt, in Hochspannungs-Hochleistungs-Sicherungen
im Verteilnetz oder Substrat-Sicherungen; in der Elektronik, der Mikroelektronik;
in der Hochspannungstechnik; oder in repetitiven Sicherungen, vorzugsweise in PTC-Elementen.
15. Elektrische Vorrichtung, Geräte und Anlagen, vorzugsweise Überstrom-Schutz-Elemente,
vorzugswesie Sicherungen im allgemeinen, Schmelzsicherungen in Haushalten, Hochspannungs-Hochleistungs-Sicherungen
(HH-Sicherungen) im Verteilnetz oder Substrat-Sicherungen; Geräte auf dem Gebiet der
Elektronik, der Mikroelektronik, der Hochspannungtechnik; repetitive Sicherungen,
dadurch gekennzeichnet, dass diese ein Löschmedium nach einem der Ansprüche 1-13 enthalten.
16. Verfahren zur Herstellung einer Vorrichtung, insbesondere von Sicherungen, nach Anspruch
15, dadurch gekennzeichnet, dass man eine flüssige bis pastöse Silikonverbindung oder ein Gemisch solcher Silikonverbindungen
mit einem geeigneten Füllstoff oder einem Gemisch solcher Füllstoffe in der gewünschten
Konzentration in beliebiger Reihenfolge gleichmässig vermischt, die erhaltene Mischung
in eine gewünschte Form bringt und/oder auf den Sicherungsdraht der Vorrichtung aufbringt
und/oder in das Innere der Vorrichtung einbringt, und die Mischung anschliessend,
gegebenenfalls vorgängig und/oder nach dem Einbringen in das Innere der Vorrichtung,
aushärtet oder aushärten lässt.
17. Eine Sicherung bei der das Sicherungselement durch die Silikonmasse im Gehäuse ausgerichtet
und platziert wird.