TECHNISCHES GEBIET
[0001] Die Erfindung geht aus von einer Hochspannungsschaltanlage gemäss dem Oberbegriff
des Anspruchs 1.
STAND DER TECHNIK
[0002] Mit Isoliergas unter Druck gefüllte, metallgekapselte Hochspannungsschaltanlagen
und mit Isoliergas unter Druck gefüllte Freiluftschalter sind bekannt. Bei derartigen
Geräten tritt an den unvermeidlichen dichtenden Flanschverbindungen stets ein geringer
Leckverlust auf, der überwacht und der von Zeit zu mittels Nachfüllens ausgeglichen
werden muss, um die Betriebssicherheit der Geräte nicht zu gefährden. Die Überwachung
des Drucks in den Geräten ist aufwendig und das manuelle Nachfüllen von Isoliergas
bei sich in Betrieb befindenden Anlagen ist in der Regel vergleichsweise umständlich.
DARSTELLUNG DER ERFINDUNG
[0003] Die Erfindung, wie sie in den unabhängigen Ansprüchen gekennzeichnet ist, löst die
Aufgabe, eine mit Isoliergas unter Druck gefüllte Hochspannungsschaltanlage zu schaffen,
bei welcher das manuelle Nachfüllen des Isoliergases entfällt.
[0004] Die durch die Erfindung erreichten Vorteile sind darin zu sehen, dass in der Hochspannungsschaltanlage
stets das für Schalthandlungen und Isolationszwecke benötigte Isoliergas in genügender
Menge und mit dem korrekten Betriebsdruck zur Verfügung steht. Ein manuelles Nachfüllen
der mit Isoliergas gefüllten Räume der Hochspannungsschaltanlage ist während der Zeit
zwischen zwei der in der Regel sowieso nötigen Revisionen nicht mehr nötig. Es ist
sogar möglich, dass, bei entsprechender Dimensionierung der automatischen Gasnachfülleinheit,
während der gesamten Lebensdauer der Hochspannungsschaltanlage kein Isoliergas manuell
nachgefüllt werden muss. Die Verfügbarkeit der Hochspannungsschaltanlage wird durch
diese einfache automatische Gasnachfülleinheit sehr vorteilhaft erhöht.
[0005] Die weiteren Ausgestaltungen der Erfindung sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche.
[0006] Die Erfindung, ihre Weiterbildung und die damit erzielbaren Vorteile werden nachstehend
anhand der Zeichnung, welche lediglich einen möglichen Ausführungsweg darstellt, näher
erläutert.
KURZE BESCHREIBUNG DER ZEICHNUNG
[0007] Es zeigen:
Figur 1 eine erste Ausführungsform einer stark vereinfacht dargestellten Hochspannungsschaltanlage,
Figur 2 einen Teilschnitt durch eine zweite Ausführungsform einer stark vereinfacht
dargestellten Hochspannungsschaltanlage, und
Figur 3 einen Teilschnitt durch eine dritte Ausführungsform einer stark vereinfacht
dargestellten Hochspannungsschaltanlage.
[0008] Bei allen Figuren sind gleich wirkende Elemente mit gleichen Bezugszeichen versehen.
Alle für das unmittelbare Verständnis der Erfindung nicht erforderlichen Elemente
sind nicht dargestellt bzw. nicht beschrieben.
WEGE ZUR AUSFÜHRUNG DER ERFINDUNG
[0009] Die Figur 1 zeigt einen Ausschnitt aus einer Hochspannungsschaltanlage mit einem
stark vereinfacht dargestellten Pol eines Hybridleistungsschalters 1 im ausgeschalteten
Zustand. Dieser Hybridleistungsschalter 1, der hier als Freiluftschalter ausgebildet
ist, weist zwei in Reihe geschaltete Löschkammern 2 und 3 auf, die hier entlang einer
gemeinsamen Längsachse 4 erstreckt montiert und konzentrisch zu dieser angeordnet
sind. Die erste Löschkammer 2 ist hier als gasisolierte Schaltkammer ausgeführt, die
mit einem druckbeaufschlagten Isoliergas oder Isoliergasgemisch gefüllt ist, die zweite
Löschkammer 3 ist als Vakuumschaltkammer ausgeführt und wird von dem Isoliergas umschlossen.
Es ist jedoch durchaus möglich, die Schaltstelle dieser zweiten Löschkammer 3 auch
mittels anderer Schaltprinzipien zu realisieren.
[0010] Zwischen den beiden Löschkammern 2 und 3 ist ein Getriebe 5 angeordnet, welches die
Bewegung eines Antriebs 6 umsetzt in die axiale Bewegung der Löschkammern 2 und 3.
Der Antrieb 6 ist hier rechtwinklig zur Längsachse 4 angeordnet. Das Getriebe 5 und
die Löschkammer 3 sind in einem gasgefüllten, mit dem Innern der Löschkammer 2 verbundenen
Gehäuse 7 angeordnet. Das Gehäuse 7 kann ein oder mehrteilig ausgeführt sein, der
Teil dieses Gehäuses 7, der die zweite Löschkammer 3 umgibt, ist jedoch stets aus
einem Isoliermaterial gefertigt.
[0011] Nicht dargestellte, auf dem gleichen Hochspannungspotential wie der Antrieb 6 liegende,
aufladbare Kondensatoren versorgen den Antriebsmotor mit der nötigen elektrischen
Energie. Als Antriebsmotor kann beispielsweise ein elektronisch regelbarer Gleichstromantrieb
eingesetzt werden. Diese Ausführungsvariante ist als besonders wirtschaftlich anzusehen
und zudem ermöglicht sie es, mit einfachen Mitteln die Kontaktgeschwindigkeiten des
Hybridleistungsschalters 1 an die jeweiligen besonderen betrieblichen Anforderungen
anzupassen. Das zwischen den beiden Löschkammern 2 und 3 angeordnete Getriebe 5 verknüpft
die Bewegungen der beiden Löschkammern 2 und 3 miteinander und stimmt deren Bewegungsabläufe
technisch sinnvoll aufeinander ab. Die Steuerbefehle für den Antrieb 6 werden über
einen Lichtleiter übertragen.
[0012] In die Wand des Gehäuses 7 ist ein mechanisches Druckreduzierventil 8 eingebaut,
welches das Innere des Gehäuses 7 mit dem Inneren einer angeflanschten Gasspeicherflasche
9 verbindet. In der Gasspeicherflasche 9 ist ein so grosser Vorrat des Isoliergases
oder Isoliergasgemisches unter vergleichsweise hohem Druck gespeichert, dass die eventuell
bei diesem Hybridleistungsschalter 1 auftretenden Leckverluste über das Druckreduzierventil
8 automatisch ausgeglichen werden können. Der Vorrat in der Gasspeicherflasche 9 kann
so dimensioniert werden, dass während eines normalen Revisionszyklus des Hybridleistungsschalters
1 kein separates Nachfüllen desselben nötig ist. Wenn der Druck in der Gasspeicherflasche
9 so gross ist, dass mit einer Verflüssigung des Isoliergases gerechnet werden muss,
so ist es sinnvoll, diese seitlich oder schräg von unten her an das Gehäuse 7 anzuflanschen.
[0013] Auf der dem Getriebe 5 abgewandten Seite der Löschkammer 2 ist ein metallisches Anschlussstück
10 angebracht, welches auf der der Löschkammer 2 abgewandten Seite messerförmig ausgebildet
ist. Auf der dem Getriebe 5 abgewandten Seite der Löschkammer 3 ist ein metallisches
Anschlussstück 11 angebracht, welches auf der der Löschkammer 3 abgewandten Seite
messerförmig ausgebildet ist. Mittels der Anschlussstücke 10 und 11 ist der Hybridleistungsschalter
1 elektrisch leitend mit Anschlussklemmen 12 und 13 der Schaltanlage verbunden. Das
Anschlussstück 10 ist mit der Anschlussklemme 12 und das Anschlussstück 11 mit der
Anschlussklemme 13 verbunden. Die Anschlussklemmen 12 und 13 weisen jeweils u-förmig
ausgebildete, nach oben offene federnde Gegenkontakte auf, in welche die messerförmig
ausgebildeten Enden der Anschlussstücke 10 und 11 von oben her eingelegt werden, sodass
ein sehr guter Stromübergang sichergestellt wird.
[0014] Die Anschlussklemme 12 ist mit einer Sammelschiene 14 der Hochspannungsschaltanlage
verbunden, welche der Stromzuführung zum Hybridleistungsschalter 1 dient. Die Anschlussklemme
12 wird durch einen Stützisolator 15 getragen, dessen erdseitiges Ende mit einem metallischen
Traggestell 16 verbunden ist. Das Traggestell 16 ist mit einem auf Erdpotential gelegenen
Fundament 17 verschraubt. Die Anschlussklemme 13 ist mit einer Sammelschiene 18 der
Hochspannungsschaltanlage verbunden, welche der Stromzuführung zum Hybridleistungsschalter
1 dient. Die Anschlussklemme 13 wird durch einen Stützisolator 19 getragen, dessen
erdseitiges Ende mit einem metallischen Traggestell 20 verbunden ist. Das Traggestell
20 ist ebenfalls mit dem Fundament 17 verschraubt.
[0015] Da jeder Pol des Hybridleistungsschalters 1 mit einem separaten Antrieb 6 und einer
separaten automatischen Gasnachfülleinheit versehen ist, kann jeder Pol des Hybridleistungsschalters
1 separat ausgewechselt werden. Es ist demnach sehr einfach möglich, während der Revisionsdauer
eines Pols einen Ersatzpol einzusetzen, wodurch die Verfügbarkeit der Hochspannungsschaltanlage
vorteilhaft verbessert wird.
[0016] Die Figur 2 zeigt einen Ausschnitt aus einer metallgekapselten gasisolierten Hochspannungsschaltanlage.
Diese Hochspannungsschaltanlage weist ein Gehäuse 21 auf, welches nicht dargestellte
Aktivteile umschliesst, und welches sich entlang einer Achse 22 erstreckt. Das Gehäuse
21 ist Teil eines druckdicht abgeschotteten Abschnitts einer metallgekapselten gasisolierten
Schaltanlage. Eine Stirnseite des Gehäuses 21 weist eine mit einem Flansch 23 versehene
Öffnung auf, die mit einem Deckel 24 druckdicht verschlossen ist. In den Deckel 24
ist ein Druckreduzierventil 8 druckdicht eingeschraubt, welches das Innere der angeflanschten
Gasspeicherflasche 9 mit dem Inneren des Gehäuses 21 verbindet. Die Gasspeicherflasche
9 liegt bei dieser Ausführung ausserhalb der Metallkapselung. Dieser Aufbau hat den
Vorteil, dass die Gasspeicherflasche 9 bei Bedarf während des Betriebs der Hochspannungsschaltanlage
ausgewechselt werden kann, allerdings muss dann das Druckreduzierventil 8 mit einer
Rückschlagklappe versehen sein, sodass beim Entfernen der Gasspeicherflasche 9 kein
Isoliergas aus dem Innern des Gehäuses 21 ausströmen kann. Jeder der druckdicht abgeschotteten
Abschnitte einer metallgekapselten gasisolierten Schaltanlage ist mit einer separaten
automatischen Gasnachfülleinheit versehen.
[0017] Bei einer Störung am Druckreduzierventil 8 könnte es vorkommen, dass sich die Gasspeicherflasche
9 in das Innere des Gehäuses 21 entleert, sodass der dort herrschende Druck zu hoch
werden könnte. In metallgekapselten gasisolierten Hochspannungsschaltanlagen sind
jedoch stets aus Sicherheitsgründen in jedem druckdicht abgeschotteten Abschnitt der
Anlage Überdruckventile, insbesondere auch Berstscheiben, vorhanden, die verhindern,
dass der Druck im jeweiligen Abschnitt zu hoch wird, sodass die Folgeschäden bei derartigen
Störungen klein gehalten werden können.
[0018] Die Figur 3 zeigt einen Ausschnitt aus einer metallgekapselten gasisolierten Hochspannungsschaltanlage.
Diese Hochspannungsschaltanlage weist ein Gehäuse 21 auf, welches nicht dargestellte
Aktivteile umschliesst, und welches sich entlang einer Achse 22 erstreckt. Das Gehäuse
21 ist Teil eines druckdicht abgeschotteten Abschnitts einer metallgekapselten gasisolierten
Schaltanlage. Eine Stirnseite des Gehäuses 21 weist eine mit einem Flansch 23 versehene
Öffnung auf, die mit einem Deckel 24 druckdicht verschlossen ist. Im Innern des Deckels
24 ist ein Druckreduzierventil 8 druckdicht angeschraubt, welches das Innere einer
angeflanschten Gasspeicherflasche 9 mit dem Inneren des Gehäuses 21 verbindet. Die
Gasspeicherflasche 9 liegt bei dieser Ausführung innerhalb der Metallkapselung. Dieser
Aufbau hat den Vorteil, dass die Gasspeicherflasche 9 durch die Metallkapselung geschützt
ist, was insbesondere dann vorteilhaft ist, wenn die Gasspeicherflasche 9 mit Isoliergas
unter besonders hohem Druck, beispielsweise 150 bar Überdruck gefüllt ist.
[0019] Der Deckel 24 ist mit einem angeformten Rohrstutzen 25 versehen, dessen Öffnung im
Normalbetrieb beispielsweise mit einem Überdruckventil 26 druckdicht verschlossen
ist. Statt des Überdruckventils kann auch eine Berstscheibe oder ein Druckwächter
eingebaut sein.
[0020] Der Arbeitsbereich des Druckreduzierventils 8 wird bei allen Ausführungsformen so
gewählt, dass das Ventil nur bei langsamen und vergleichsweise geringfügigen Druckänderungen
ausgleichend wirkt und Isoliergas in kleinen Mengen aus der Gasspeicherflasche 9 nachspeist,
bei plötzlichen Druckabfällen im Innern der Hochspannungsschaltanlage blockiert das
Druckreduzierventil 8 den Durchlass, da dann ein grösseres Leck vorliegt, dessen Gasverluste
durch den Inhalt der Gasspeicherflasche 9 nicht mehr ausgeglichen werden können. Auf
diese Art werden grössere Gasverluste und die damit verbundene Beeinträchtigung der
Umwelt vermieden. Statt dieser Blockade kann jedoch auch eine Blende in der Gasnachströmung
dafür sorgen, dass der Gasverlust im Störfall auf tolerierbare Werte begrenzt wird.
[0021] Diese automatische Gasnachfülleinheit erhöht die Verfügbarkeit und die Betriebssicherheit
der Hochspannungsschaltanlage sehr vorteilhaft.
BEZEICHNUNGSLISTE
[0022]
- 1
- Hybridleistungsschalter
- 2,3
- Löschkammer
- 4
- Längsachse
- 5
- Getriebe
- 6
- Antrieb
- 7
- Gehäuse
- 8
- Druckreduzierventil
- 9
- Gasspeicherflasche
- 10,11
- Anschlussstück
- 12,13
- Anschlussklemme
- 14
- Sammelschiene
- 15
- Stützisolator
- 16
- Traggestell
- 17
- Fundament
- 18
- Sammelschiene
- 19
- Stützisolator
- 20
- Traggestell
- 21
- Gehäuse
- 22
- Achse
- 23
- Flansch
- 24
- Deckel
- 25
- Rohrstutzen
- 26
- Überdruckventil
1. Hochspannungsschaltanlage, welche mit Isoliergas unter Druck gefüllte, abgeschottete
Volumina aufweist,
dadurch gekennzeichnet,
- dass jedes dieser Volumina mit einer automatischen Gasnachfülleinheit versehen ist, welche
eine Gasspeicherflasche (9) und ein mit dieser zusammenwirkendes Druckreduzierventil
(8) umfasst.
2. Hochspannungsschaltanlage nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
- dass die Gasnachfülleinheit bei Freiluftschaltern auf Hochspannungspotential liegt.
3. Hochspannungsschaltanlage nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
- dass die Gasnachfülleinheit bei metallgekapselten gasisolierten Hochspannungsschaltanlagen
in der Regel auf dem Potential der Kapselung liegt.
4. Hochspannungsschaltanlage nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
- dass die Gasnachfülleinheit bei metallgekapselten gasisolierten Schaltanlage entweder
aussen auf der Kapselung montiert ist oder geschützt innerhalb der Kapselung angebracht
ist.
5. Hochspannungsschaltanlage nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
- dass der Arbeitsbereich des Druckreduzierventils (8) so gewählt ist, dass das Druckreduzierventil
(8) nur bei langsamen Druckänderungen Isoliergas in kleinen Mengen aus der Gasspeicherflasche
(9) nachspeist.
6. Hochspannungsschaltanlage nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet,
- dass das Druckreduzierventil (8) bei plötzlichen Druckabfällen im Innern der Hochspannungsschaltanlage
den Durchlass für das Isoliergas blockiert.
7. Hochspannungsschaltanlage nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet,
- dass bei plötzlichen Druckabfällen im Innern der Hochspannungsschaltanlage eine Blende
in der Gasnachströmung den Durchlass für das Isoliergas begrenzt.