[0001] Für unterschiedliche Einsatzzwecke ist es erforderlich, an zylindrischen Rohren Rohrabgänge
bzw. -ansätze zu erzeugen. Beispielsweise ist dies bei der Herstellung t-förmiger
Fittings der Fall. Eine Möglichkeit zur Herstellung solcher t-förmiger Fittings besteht
darin, in die Mantelfläche des Rohrstücks einen v-förmigen Schnitt einzubringen und
hieran ein entsprechend geformtes rohrförmiges Ansatzstück durch Schweißen oder Hartlöten
anzusetzen. Diese Vorgehensweise hat jedoch den Nachteil, dass die durch Hartlöten
oder Schweißen zu erzeugende Verbindungsnaht aufgrund der V-Form relativ schwierig
in einer hinreichend guten Qualität herzustellen ist. Daher sind bereits unterschiedliche
Verfahren bekannt geworden, Rohrabgänge durch das Aushalsen einer in die Mantelfläche
eingebrachten Bohrung herzustellen. Das Aushalsen erfolgt dabei entweder mittels eines
in besonderer Weise profilierten bohrer- bzw. dornähnlichen Werkzeugs oder mittels
in spezieller Weise unterhalb des Randes der Bohrung aufspreizbarer Werkzeuge.
[0002] Bei der erstgenannten Gruppe von Werkzeugen wird das Werkzeug unter Ausführung einer
Rotationsbewegung in die Bohrung eingebracht und bördelt dabei oder beim Wiederherausbewegen
aufgrund seiner speziellen Profilierung den Rand der Bohrung auf, indem es Material
nach außen zieht. Ein Beispiel für ein in dieser Weise gestaltetes Werkzeug ist durch
die DE 32 38 978 A1 gegeben. In der Schrift wird ein spezieller Dorn beschrieben,
welcher an seinem Ende ein flaches Formgebungsteil besitzt. Mittels des schnell drehenden
Werkzeugs wird in dem mit dem Rohrabgang zu versehenden Rohrstück ein Rundloch erzeugt,
dessen Rand dann durch die an dem Formgebungsteil ausgebildeten Bearbeitungskanten
unter Bildung eines Kragens aufgebördelt wird.
[0003] Eine andere Lösung ist durch die DE 31 02 105 A1 bekannt geworden. Hier erfolgt das
sogenannte Ausziehen des Materials zur Schaffung eines etwa zylinderförmigen Rohrabgangs
dadurch, dass das verwendete Werkzeug aufgrund seiner speziellen konstruktiven Gestaltung
zum Ausbördeln aufspreizbar bzw. in seinem Durchmesser veränderbar ist. An dem bohrerähnlichen
Werkzeug sind dazu in der Schrift als Formglieder bezeichnete und als Bördeleinrichtung
wirkende Stifte oder Finger ausfahrbar bzw. ausklappbar. Diese werden nach dem Durchbohren
einer Rohrwand oder einer planen Platte aus dem zunächst als Bohrer fungierenden Werkzeug
herausgeschoben und ziehen aufgrund der Rotation des Werkzeugs beim Zurückziehen aus
der Bohrung das Material in annähernd zylinderförmigen Querschnitt aus der mit der
Bohrung versehenen Wand oder Platte heraus.
[0004] Die beschriebenen Lösungen sind insbesondere bei der Bearbeitung weicher Materialien
wie Kupfer relativ problemlos anzuwenden. Bei harten Materialien wie Stahl unterliegen
die Werkzeuge jedoch einer sehr starken Beanspruchung. Dadurch ergibt sich bei der
Bearbeitung von Stahl eine relativ geringe Standzeit für die aufgrund ihrer komplizierten
Profilierung bzw. Konstruktion ohnehin recht teuren Werkzeuge. Bei den in der Art
einer Zange aufspreizbaren oder mit ausfahr- oder ausklappbaren Bolzen ausgestatteten
Werkzeugen ergeben sich zusätzliche, konstruktiv bedingte Probleme bei der Erzeugung
von Aushalsungen kleinen Querschnitts. Rohrabgänge mit Durchmessern von 11 mm oder
weniger lassen sich mit derartigen Werkzeugen zumindest bei Stahlrohren in der Regel
nicht herstellen.
[0005] Auch die EP 0 752 289 beschreibt ein spezielles Aushalsungswerkzeug. Das in der Schrift
vorgeschlagene Werkzeug weist zumindest zwei an seinem Umfang ausfahrbare Rollen auf,
welche gegen den Rand der Bohrung gedrückt, diesen beim Zurückziehung des Werkzeugs
unter Ausbildung eines Kragens aufbördeln. Bei der Schilderung des Standes der Technik
wird in der letztgenannten Schrift auch eine Lösung als bekannt angesehen, bei welcher
ein zylinderförmiges, sich schnell drehendes Werkzeug in der auszuhalsenden Bohrung
eine Pendelbewegung ausführt. Beim Schwingen gegen den Rand der Bohrung übt das Werkzeug
jeweils einen gewissen Druck gegen den Rand aus und zieht dabei während des Zurückziehens
aus der Bohrung Material aus dieser heraus. Nachteilig ist es hierbei, dass mit der
geschilderten Vorgehensweise ausschließlich kegelförmige Rohrabgänge erzeugt werden
können, bei denen sich außerdem am Fußpunkt des so entstehenden Kegels eine gewisse
Materialschwächung einstellen kann. Durch die Pendelbewegung wird das getriebene Werkzeug
ebenfalls verhältnismäßig stark beansprucht.
[0006] Aus der US 656,425 ist es bekannt, einen vorgeformten, sich konisch nach Außen verjüngenden
Abgang mittels eines rotierenden und um die Rotationsachse verschwenkbaren Werkzeugs
in eine zylindrische Form zu überführen. Die Schrift lässt offen, auf welche Weise
der zunächst konisch verlaufende Abgang zuvor erzeugt wurde. Zum Erhalt der zylindrischen
Form für den Rohrabgang werden dessen zunächst an ihren Enden aufeinander zulaufenden
Wandungen mittels des dornartigen an seiner Spitze konisch ausgebildeten Werkzeugs
quasi auseinander gedrückt. Die hierbei entstehende Gleitreibung zwischen dem angetriebenen
Werkzeug und dem Werkstück führt, ebenso wie bei den zuvor erläuterten Verfahren,
zu einer starken Beanspruchung des Werkzeugs, in deren Folge sich außerdem ein unerwünschter
Materialübergang vom Werkzeug zum Werkstück vollzieht. Durch das sich an den Innenflächen
des Rohrabgangs ablagernde Abriebsmaterial des Werkzeugs entstehen an den entsprechenden
Stellen auch bei der Verwendung rostfreien Materials für das Rohr in nachteiliger
Weise Ansatzpunkte für eine Rostbildung.
[0007] Eine gänzlich andere Möglichkeit besteht darin, in den Rohrabschnitt eine Kugel einzubringen
und in dem dann verschlossenem Rohr einen Überdruck aufzubauen, durch den sich die
Kugel unter Bildung eines auskragenden Loches durch die Rohrwand drückt. Auch dieses
Verfahren ist aber vorzugsweise nur für weiche Materialien geeignet. Zudem lässt sich
das Verfahren nur durchführen, wenn der Durchmesser der verwendeten Kugel dem des
bearbeiteten Rohrabschnitts entspricht. Damit ist die Erzeugung durchgangsreduzierter
Rohrabgänge nicht möglich.
[0008] Aufgabe der Erfindung ist es daher, ein Verfahren anzugeben, welches es unter Vermeidung
der Nachteile der zuvor dargestellten Lösungen ermöglicht, insbesondere auch bei Stahlrohren
kleinen Durchmessers (Durchmesser 11 mm und weniger) wahlweise kegelförmige oder zylinderförmige
Rohrabgänge zu erzeugen. Dabei soll das Erzeugen zylinderförmiger Rohrabgänge mit
einem dem Rohrdurchmesser entsprechenden oder sogar mit einem geringeren Durchmesser
möglich sein. Die Aufgabe besteht weiterhin darin, eine zur Durchführung des erfindungsgemäßen
Verfahrens geeignete Vorrichtung zu schaffen.
[0009] Erfindungsgemäß wird die Aufgabe durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Hauptanspruchs
gelöst. Eine zur Durchführung dieses Verfahrens geeignete Vorrichtung wird durch den
Patentanspruch 12 charakterisiert. Vorteilhafte Ausgestaltungen bzw. Weiterbildungen
der Erfindung sind durch die Unteransprüche gegeben.
[0010] Entsprechend dem vorgeschlagenen kaltverformenden Verfahren wird bei einem zur Herstellung
eines Fittings dienenden Rohrabschnitt zunächst ein als Rund- oder Langloch ausgebildeter
Durchbruch in dessen Mantelfläche eingebracht. Anschließend wird dieser Durchbruch
mittels eines Werkzeugs ausgehalst, welches als ein rotationssymmetrischer, sich an
seinem Ende konisch verjüngender Dorn mit glatter Oberfläche ausgebildet und drehbar
gelagert ist. Das Aushalsen geschieht, indem das Werkzeug in einem sich mehrfach wiederholenden
Zyklus zunächst berührungslos in den Durchbruch hineingeführt, anschließend gegen
den Rand des Durchbruchs, den Rand berührend und sich mit dem Ende unter den Rand
bewegend, verfahren und dann allmählich aus dem Durchbruch herausbewegt wird. Während
dieses Vorgangs rotiert das Werkstück um die Mittelsenkrechte des zuvor eingebrachten
Durchbruchs. Das Werkzeug wird hingegen nicht aktiv getrieben, rollt aber bei der
Berührung des Durchbruchrandes an diesem ab, so dass sich das Material ohne nennenswerte
Gleitreibung in einer Fließbewegung unter Ausbildung der Wandungen für den zu erzeugenden
Rohrabgang nach außen bewegt. Beim berührungslosen Hineinfahren und beim Herausfahren
des an den Rand des Durchbruchs bewegten Werkzeugs weist dessen Längsachse in erfindungswesentlicher
Weise einen leicht gegen die Mittelachse des Durchbruchs geneigten Werkzeugeinstellwinkel
auf.
[0011] Im Hinblick auf die beim Aushalsen des Durchbruchs auftretenden Fließbewegungen des
Materials bzw. auf die dabei zu verdrängende Materialmenge ist es vorteilhaft, den
Durchbruch als ein Langloch auszubilden, dessen längere Achse mit der Längsachse des
mit dem Rohrabgang zu versehenden Rohrabschnitts zusammenfällt oder in einem nur geringfügigen
Winkel gegen diese Längsachse geneigt ist. Um eine ebene Abschlusskante an dem zu
erzeugenden Abgang zu erhalten, muss nämlich in den in der Werkstückachse liegenden
Randbereichen weniger Material nach außen gedrückt werden, so dass dann im Grunde
überflüssiges Material bereits entfernt werden kann, indem der Durchbruch als ein
Langloch entsprechender Achslage ausgebildet wird. Aufgrund der Rotation des Werkstücks
treten aber auch in geringfügigem Maße der Drehrichtung entgegengerichtete Fließbewegungen
des Materials auf. Ein im Hinblick auf eine annähernd gleichmäßige Höhe des sich am
Rand des Durchbruchs durch das Aushalsen bildenden Kragens erhält man daher, wenn
die längere Achse des zuvor erzeugten Langlochs geringfügig gegen die Längsachse des
Werkstücks geneigt wird. In Abhängigkeit des Materials des bearbeiteten Rohrabschnitts
sowie seiner Materialstärke erfolgt das Aushalsen jeweils unter Verwendung des gleichen
Werkzeugs in drei bis acht der zuvor erläuterten Zyklen.
[0012] Das Verfahrensregime kann auch vorteilhaft so gestaltet sein, dass das Aushalsen
in mehreren Stufen mit jeweils mehreren Zyklen erfolgt, wobei die Vorschubgeschwindigkeit
beim Herausbewegen des Werkzeugs aus dem Durchbruch von einer zur nächsten Stufe beibehalten
oder verringert wird. Auch wiederum abhängig von Material und Stärke des zu bearbeitenden
Werkstücks bleibt der Werkzeugeinstellwinkel bei einer solchen mehrstufigen Durchführung
des Verfahrens jeweils unverändert oder wird von einer Verfahrensstufe zur nächsten
geringfügig vergrößert. Der Werkzeugwinkel, mit welchem sich das Werkzeug an seinem
Ende verjüngt, bleibt vorzugsweise jeweils gleich.
[0013] Entsprechend einer möglichen Ausgestaltung des Verfahrens erfolgt das Aushalsen in
zwei Stufen. In der zweiten Stufe wird dabei entsprechend einer möglichen Ausgestaltung
des Verfahrens das Aushalsen so ausgeführt, dass das Herausbewegen des Werkzeugs aus
dem Durchbruch unter gleichzeitig weiterem Vorschub gegen dessen Rand erfolgt.
[0014] Insbesondere bei kleinen Durchmessern der zu erzeugenden Rohrabgänge wird das Werkzeug
beim Aushalsen vorteilhafterweise auf einer kartesischen Bahn geführt. Es wird dabei
zunächst berührungslos im leicht gegen die Mittelsenkrechte des Durchbruchs geneigten
Werkzeugeinstellwinkel in den Durchbruch hinein und dann im rechten Winkel dazu gegen
dessen Rand bewegt. Wiederum abhängig von Material und Abmessungen des Werkstücks
sowie vom für den Ansatz angestrebten Durchmesser bzw. seiner Form kann das Werkzeug
bei seiner Bewegung gegen den Rand des Durchbruchs, aber auch in einem spitzen Winkel
gegen die Bewegungsgerade beim Einführen in den Durchbruch, geführt werden. Das Verfahren
ist vorteilhaft weitergebildet, wenn sich dem Aushalsen ein Planfräsen zum Entgraten
und Glätten des erzeugten Rohrabgangs anschließt.
[0015] Eine zur Durchführung des Verfahrens geeignete Vorrichtung ist als eine Maschine
in Form eines Karussells mit wenigstens vier Arbeitsstationen ausgebildet. Eine der
Arbeitsstationen dient der Bestückung mit Rohlingen in Form von Rohrabschnitten bzw.
der Entnahme von fertig bearbeiteten Werkstücken. Eine nächste Arbeitsstation ist
zur Erzeugung des Rund- bzw. Langlochs in der Mantelfläche eines zu bearbeitenden
Rohrabschnitts vorgesehen. Mindestens eine Arbeitsstation dient zur Aushalsung des
zuvor in das Werkstück durch Bohren bzw. Fräsen eingebrachten Rund- oder Langlochs.
[0016] Schließlich erfolgt an einer weiteren Arbeitsstation ein Planfräsen der Abschlusskante
einer erzeugten Aushalsung bevor das Werkstück schließlich zur Entnahme an die erste
und gleichzeitig letzte Arbeitsstation zurückgeführt wird. Zur Aufnahme des Werkstücks
ist mindestens eine Werkstückaufnahme vorgesehen. Die Werkstückaufnahme ist so gestaltet,
dass darin das rohrförmige Werkstück während der gesamten Bearbeitung eingespannt
und beim Aushalsen in eine Rotationsbewegung um die Mittelsenkrechte des zuvor erzeugten
Durchbruchs versetzt werden kann. An der oder den Aushalsstationen kommt ein Werkzeug
zum Einsatz, welches als ein rotationssymmetrischer, sich an seinem Ende konisch verjüngender
Dorn mit glatter Oberfläche ausgebildet ist. Das Werkzeug, welches in einem leicht
geneigten Winkel in den Durchbruch hineingeführt wird, ist mittels dafür an den Arbeitsstationen
zur Aushalsung vorgesehener Vorschubeinrichtungen mit einer vorgebbaren Vorschubgeschwindigkeit
sowohl axial als auch radial zu der am Werkstück auszuhalsenden Kontur bewegbar. Der
Vorschub wird vorzugsweise durch Servo- oder Asynchronmotore bewerkstelligt. Zwar
verfügt die Maschine vorzugsweise über eine der Zahl der Arbeitsstationen entsprechende
Anzahl von Werkstückaufnahmen, jedoch bleibt in jedem Fall das Werkstück aus Gründen
der angestrebten Genauigkeit für die zu erzeugende Kontur während der gesamten mit
dem Bohren eines Rundlochs oder dem Langlochfräsen beginnenden sowie mit dem Planfräsenden
endenden Bearbeitung in der gleichen Werkzeugaufnahme eingespannt. Aufgrund des karussellartigen
Aufbaus der Maschine wird diese Werkzeugaufnahme jeweils nach dem Abschluss eines
Verfahrensschrittes bzw. einer Verfahrensstufe durch Drehen des Karussells von einer
Arbeitsstation zur nächsten bewegt.
[0017] Vorteilhafterweise weist die erfindungsgemäße Vorrichtung zumindest zwei Arbeitsstationen
zum Aushalsen auf. Der Werkzeugwinkel des Dorns, mit dem sich dieser an seinem Ende
verjüngt, beträgt vorzugsweise 6° bis 10°. Der Werkzeugeinstellwinkel, welcher die
Neigung des Werkzeugs gegenüber der Mittelsenkrechten des Durchbruchs festlegt, ist
vorteilhafterweise in geringen Grenzen variabel und etwa doppelt so groß wie der Werkzeugwinkel.
[0018] Die genauen Werte für den Werkzeugwinkel, den Werkzeugeinstellwinkel und den Vorschub
des Werkzeugs hängen, wie bereits betont vom Material, der Materialstärke sowie der
Größe und der Form des zu erzeugenden Rohrabgangs ab. Sie können für unterschiedliche
Konstellationen empirisch ermittelt und für den Fertigungsprozess in Tabellenform
vorgegeben werden. Das Interessante der Lösung besteht darin, dass das Aushalsen unter
Verwendung eines sehr einfachen und daher kostengünstig herzustellenden Werkzeugs
möglich ist. Zudem hält sich die Beanspruchung des Werkzeugs selbst bei der Bearbeitung
von Stahl in Grenzen, so dass sich eine hohe Standzeit ergibt. Dies ergibt sich unter
anderem dadurch, dass sich die Umfangsgeschwindigkeit des zwar selbst nicht getriebenen,
aber drehbar gelagerten Werkzeugs der jeweiligen Umfangsgeschwindigkeit der Aushalskontur
anpasst, und dadurch eine geringe, nur durch Schlupf verursachte Gleitreibung besteht.
Die im Zuge der Kaltverformung notwendigen Fließbewegungen des Materials werden im
Wesentlichen durch entsprechende Vorgaben für die Winkel und den Vorschub erreicht.
[0019] Nachfolgend soll die Erfindung anhand eines Ausführungsbeispiels näher erläutert
werden. In der zugehörigen Zeichnung zeigen:
Fig. 1: Eine Gesamtansicht der erfindungsgemäßen Vorrichtung,
Fig. 2: Das zum Aushalsen verwendete Werkzeug und dessen Bewegung beim Aushalsen.
[0020] Durch die Fig. 1 und 2 ist ein mögliches Ausführungsbeispiel für eine zur Durchführung
des erfindungsgemäßen Verfahrens geeignete Vorrichtung in einer Gesamtdarstellung
wiedergegeben. Die in dem Beispiel gezeigte Vorrichtung ist als eine Maschine in Form
eines Karussells mit fünf Arbeitsstationen 6, 7, 8, 8', 9 ausgebildet. An der ersten
Arbeitsstation 6 erfolgt die Beschickung mit den zu bearbeitenden Rohlingen und später
die Entnahme des verfahrensgemäß mit einem Rohrabgang versehenen t-förmigen Fittings.
Sehr wesentlich ist es, dass das Werkstück 1 während der gesamten Bearbeitung in einer
Werkstückaufnahme 10 eingespannt ist und mit dieser, jeweils nach Beendigung einer
Verfahrensstufe, von einer Arbeitsstation zur nächsten bewegt wird. An der sich der
Beschickungsstation anschließenden Arbeitsstation 7 wird zunächst ein Rund- oder Langloch
in die Mantelfläche des rohrförmigen Werkstücks 1 eingebracht. Dabei befindet sich
das Werkstück 1 in Ruhe und wird durch die Werkstückaufnahme 10 lediglich gehalten.
Das zur Erzeugung des Durchbruchs 2 dienende Werkzeug, ein Bohrer oder Fräser, wird
hingegen angetrieben. Nach dem Einbringen des Durchbruchs 2 schließt sich an der nächsten
Arbeitsstation 8 die erste Stufe des Aushalsens, das Voraushalsen, an. Bei diesem
Verfahrensschritt wird das Werkstück 1 mittels der entsprechend gestalteten Werkstückaufnahme
10 in Rotation um die Mittelsenkrechte 3 des zuvor erzeugten Durchbruchs 2 versetzt.
Durch zwei an der Arbeitsstation 8 vorgesehene Vorschubeinrichtungen 11, 12 wird das
in der Fig. 1 nicht dargestellte Werkzeug (siehe hierzu Fig. 2), welches als ein rotationssymmetrischer,
sich an seinem Ende verjüngender Dorn 4 mit glatter Oberfläche ausgebildet ist, auf
der entsprechend dem erfindungsgemäßen Verfahren vorgesehenen Bahn geführt. Dabei
wird das Werkzeug 4 zunächst in einem leichten Winkel gegen die Mittelsenkrechte 3
des Durchbruchs 2 geneigt, in den Durchbruch 2 hineingeführt und dann gegen den Rand
des Durchbruchs 2 verfahren, so dass das Werkzeug 4 den Rand des Durchbruchs berührt
und sich das Werkzeugende unter den Rand bewegt. Bei weiterhin rotierendem Werkstück
1 wird das Werkzeug 4 schließlich mit konstanter Vorschubgeschwindigkeit allmählich
aus dem Durchbruch 2 herausbewegt. Dieser Vorgang wird pro Aushalsstation 8, 8' drei
bis acht Mal wiederholt.
[0021] Die Lage des Werkzeugs 4 und die von ihm während eines Bearbeitungszyklus durchlaufene
Bahn sind in der Fig. 2 verdeutlicht. Wie ersichtlich, wird das Werkzeug 4, dessen
Längsachse 5 gegenüber der Mittelsenkrechten 3 des Durchbruchs 2 den Werkzeugwinkel
β aufweist, nach dem Einführen in den Durchbruch 2 durch die Vorschubeinrichtung 12
gemäß der Darstellung in Fig. 2 nach links gegen den Rand des Durchbruchs 2 geführt,
wobei sich das verjüngende Endes des Werkzeugs im Innern des Rohrabschnitts unter
den Rand des Durchbruchs bewegt. Die Bewegungsrichtung des Werkzeugs 4 gegen den Rand
des Durchbruchs 2 ist dabei so, dass nach dem Auftreffen des Werkzeugs 4 auf den Rand
des Durchbruchs 2 die Spitze des Werkzeugs 4 im Hohlraum des Rohrstücks zu Anfang
teilweise durch den Werkstückmantel, nach dem Erreichen der kreisförmigen Kontur gänzlich
durch die Mantelfläche verdeckt wird. Anschließend wird das Werkzeug 4 mittels der
anderen Vorschubeinrichtung 11 parallel zu der Geraden, auf der es sich beim Einführen
in den Durchbruch 2 bewegt, wieder aus diesem herausbewegt, wobei es das Material
mit nach außen zieht. Das Werkzeug 4 ist rotationssymmetrisch und besitzt gemäß dem
Beispiel einen zylindrischen Spannzapfen. Wie in der Fig. 2 zu erkennen, ist die Mantelfläche
des Werkzeugs im Beispiel zudem im vorderen sich verjüngenden Bereich leicht gekrümmt.
Der jeweils günstigste Verlauf dieser Freiform - es kann sich auch um einen Kegelstumpf
handeln - hängt wieder vom Material und geometrischen Größen des Werkstücks bzw. des
zu fertigenden Fittings ab.
[0022] An der ersten, dem Aushalsen dienenden Arbeitsstation 8 erfährt das Werkzeug 4 beim
Herausfahren aus dem Durchbruch 2 keinen gegen den Rand des Durchbruchs 2 gerichteten
Vorschub mehr. Je nach der Materialbeschaffenheit, der Wandungsstärke des zu bearbeitenden
Rohrabschnitts sowie der Form und der Größe des zu erzeugenden Rohrabgangs kann hingegen
vom Werkzeug 4 an der zweiten Aushalsstation 8', während seines Herausfahrens aus
dem Durchbruch 2, gleichzeitig noch eine gegen den Rand des Durchbruchs 2 gerichtete
Vorschubbewegung ausgeführt werden. Auf diese Weise ist es zum Beispiel auch möglich,
einen sich nach außen erweiternden Rohrabgang zu erzeugen.
[0023] Die Geometrie des Werkzeugs 4, also insbesondere der Werkzeugwinkel β, mit welchem
sich der Dorn 4 an seinem Ende verjüngt, ist üblicherweise an den Aushalsstationen
8, 8' gleich. Hingegen kann der Werkzeugeinstellwinkel α, also der Winkel in welchem
die Längsachse 5 des Werkzeugs gegen die Mittelsenkrechte 3 des Durchbruchs 2 geneigt
ist, von der ersten zur zweiten Stufe etwas vergrößert werden.
[0024] Für die Herstellung von Fittings aus Stahl der Sorte 1,4571 werden bei einer Wandungsstärke
von 1,5 mm und einem Rohrdurchmesser von 15 mm zum Erhalt eines zylinderförmigen Rohrabgangs
mit einem dem Rohrdurchmesser entsprechendem Durchmesser beispielsweise folgende Werte
vorgegeben:
Voraushalsstation:
[0025]
| Zyklen |
8 |
| Werkzeugwinkel |
8° |
| Werkzeugeinstellwinkel |
13° |
| Vorschub |
0,5 mm in axial, 5 mm radial der auszuhalsenden Kontur |
| Drehzahl des |
|
| rotierenden Werkstücks |
120 min-1 |
Zweite Aushalsstation:
[0026]
| Zyklen |
3 |
| Werkzeugwinkel |
8° |
| Werkzeugeinstellwinkel |
13° |
| Vorschub |
0,5 mm in axial, 5 mm radial der auszuhalsenden Kontur |
| Drehzahl des rotierenden Werkstücks |
120 min-1 |
[0027] An beiden Aushalsstationen 8, 8' erfährt das Werkzeug 4 nach diesem Beispiel während
des Herausbewegens aus dem Durchbruch 2 keinen weiteren Vorschub in radialer Richtung.
Die Vorschübe bleiben an beiden Stationen unverändert. Hingegen weist das Werkzeug
4 der zweiten Aushalsstation 8' gegenüber dem beim Voraushalsen verwendeten einen
größeren Durchmesser auf. Ansonsten dient die Aufteilung des Aushalsens auf zwei Verfahrensstufen
außerdem der Realisierung eines für den Durchlauf einer Vielzahl nacheinander zu bearbeitender
Werkstücke günstigen Taktregimes.
Liste der verwendeten Bezugszeichen:
[0028]
- 1
- Werkstück
- 2
- Durchbruch, Rund- oder Langloch
- 3
- Mittelsenkrechte
- 4
- Werkzeug, Dorn
- 5
- Längsachse
- 6
- Arbeitsstation
- 7
- Arbeitsstation
- 8, 8'
- Arbeitsstation
- 9
- Arbeitsstation
- 10
- Werkstückaufnahme
- 11, 11'
- Vorschubeinrichtung
- 12, 12'
- Vorschubeinrichtung
1. Verfahren zur Erzeugung von Rohrabgängen, vorzugsweise für die Herstellung von Fittings
aus metallischen, insbesondere aus Stahl bestehenden Rohrabschnitten, bei dem in die
Mantelfläche eines Rohrabschnitts ein als Rund- oder Langloch ausgebildeter Durchbruch
eingebracht wird, welcher anschließend mittels eines rotationssymmetrischen, sich
an seinem Ende konisch verjüngenden sowie drehbar gelagerten Werkzeugs ausgehalst
wird, indem das Werkzeug in einem sich mehrfach wiederholenden Zyklus bei um die Mittelsenkrechte
des Durchbruchs rotierendem Werkstück zunächst berührungslos mit einem leicht gegen
die Mittelsenkrechte des Durchbruchs geneigten Werkzeugeinstellwinkel in den Durchbruch
hineingeführt, anschließend unter Beibehaltung des gewählten Werkzeugeinstellwinkels
gegen den Rand des Durchbruchs, den Rand berührend und sich mit dem Ende unter den
Rand bewegend, verfahren und dann allmählich bei immer noch gleichem Werkzeugeinstellwinkel
mit einem vorgegebenen Vorschub wieder aus dem Durchbruch herausbewegt wird, wobei
das nicht selbst getriebene Werkzeug bei der Berührung an dem Rand des Durchbruchs
abrollt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der auszuhalsende Durchbruch als ein Langloch ausgebildet wird, dessen längere Achse
mit der Längsachse des mit dem Rohrabgang zu versehenden Rohrabschnitts zusammenfällt.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der auszuhalsende Durchbruch als ein Langloch ausgebildet wird, dessen längere Achse
in einem leichten Winkel gegen die Längsachse des mit dem Rohrabgang zu versehenden
Rohrabschnitts geneigt ist.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Aushalsen des Durchbruchs in Abhängigkeit des Materials und der Materialstärke
des mit dem Rohrabgang zu versehenden Rohrabschnitts jeweils unter Verwendung des
gleichen Werkzeugs in 3 bis 8 Zyklen erfolgt.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass das Aushalsen in mehreren Stufen mit jeweils mehreren Zyklen erfolgt, wobei die Vorschubgeschwindigkeit
beim Herausbewegen des Werkzeugs aus dem Durchbruch von einer zur nächsten Stufe beibehalten
oder verringert wird.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass das stufenweise Aushalsen unter Verwendung hinsichtlich ihrer geometrischen Abmessungen
gleicher Werkzeuge erfolgt, wobei insbesondere der Werkzeugwinkel, mit welchem sich
das Werkzeug an seinem Ende verjüngt, von einer Stufe zur nächsten unverändert bleibt.
7. Verfahren nach Anspruch 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, dass der Werkzeugeinstellwinkel, in welchem das Werkzeug gegen die Mittelsenkrechte des
Durchbruchs geneigt ist, von einer Stufe zur nächsten unverändert bleibt.
8. Verfahren nach Anspruch 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, dass der Werkzeugeinstellwinkel, in welchem das Werkzeug gegen die Mittelsenkrechte des
Durchbruchs geneigt ist, von einer Stufe zur nächsten geringfügig vergrößert wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 5 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass das Aushalsen zweistufig erfolgt, wobei in der zweiten Stufe das Herausbewegen des
Werkzeugs aus dem Durchbruch unter gleichzeitig weiterem Vorschub gegen den Rand des
Durchbruchs erfolgt.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass das Werkzeug während des Aushalsens auf einer kartesischen Bahn geführt wird, nämlich
zunächst berührungslos mit einem leicht gegen die Mittelsenkrechte des Durchbruchs
geneigten Werkzeugeinstellwinkel in den Durchbruch hinein und dann im rechten Winkel
dazu gegen den Rand des Durchbruchs.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass sich dem Aushalsen ein Planfräsen zum Entgraten und Glätten der Kante des erzeugten
Rohrabgangs anschließt.
12. Vorrichtung zur Erzeugung von Rohrabgängen, vorzugsweise für die Herstellung von Fittings
aus metallischen, insbesondere aus Stahl bestehenden Rohrabschnitten, welche als eine
Maschine in Form eines Karussells mit wenigstens vier Arbeitsstationen (6, 7, 8, 8',
9) ausgebildet ist, von denen eine (6) der Beschickung und Entnahme mit bzw. von Werkstücken
(1), eine (7) der Einbringung eines Rund-oder Langlochs (2) in die Mantelfläche als
Rohrabschnitt ausgebildeter Werkstücke (1), mindestens eine (8, 8') der Aushalsung
eines in ein Werkstück (1) eingebrachten Rund- oder Langlochs (2) sowie eine (9) dem
Planfräsen der Abschlusskante einer erzeugten Aushalsung dient, wobei zur Aufnahme
rohrförmiger Werkstücke (1) mindestens eine Werkstückaufnahme (10) vorgesehen ist,
mittels welcher ein Werkstück (1) für die gesamte Dauer der Bearbeitung einspannbar
und an den zur Aushalsung dienenden Arbeitsstationen (8, 8') in eine Rotationsbewegung
um die Mittelsenkrechte (3) des zuvor erzeugten Durchbruchs (2) versetzbar ist und
wobei das Aushalsen des in das Werkstück (1) eingebrachten Durchbruchs (2) mit einem
Werkzeug (4) erfolgt, welches als ein rotationssymmetrischer, sich an seinem Ende
konisch verjüngender Dorn mit glatter Oberfläche ausgebildet ist, dessen Längsachse
(5) in einem Werkzeugeinstellwinkel (α) leicht gegen die Mittelsenkrechte (3) des
Durchbruchs (2) geneigt ist und der mittels dafür an den entsprechenden Arbeitsstationen
(8, 8') vorgesehener Vorschubeinrichtungen (11, 11', 12, 12') mit einer vorgebbaren
Vorschubgeschwindigkeit sowohl axial als auch radial zu der am Werkstück (1) auszuhalsenden
Kontur bewegbar ist.
13. Vorrichtung nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Maschine zwei dem Aushalsen des Durchbruchs (2) dienende Arbeitsstationen (8;
8') aufweist.
14. Vorrichtung nach Anspruch 12 oder 13, dadurch gekennzeichnet, dass der Werkzeugwinkel (β), in welchem sich der zum Aushalsen verwendete Dorn an seinem
Ende verjüngt, 6° bis 10° beträgt.
15. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 12 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass der Werkzeugeinstellwinkel (α) variierbar, aber vorzugsweise etwa doppelt so groß
wie der Werkzeugwinkel (β) ist.