[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Finishbearbeitung eines Ventilsitzes für
Kugelventile, insbesondere für Brennstoffeinspritzventile in Brennkraftmaschinen,
bei dem das zu bearbeitende Werkstück und ein Finishwerkzeug vorzugsweise gegensinnig
rotierend angetrieben werden, wobei die Rotationsachsen des Werkstückes und des Finishwerkzeuges
unter einem Winkel von 1 bis 10° zueinander ausgerichtet sind und wobei das Finishwerkzeug
am gesamten Umfang der zu bearbeitenden Innenfläche des Werkstückes anliegt.
[0002] Ein Verfahren mit dem beschriebenen Merkmal ist aus EP 0 955 128 A2 bekannt. Das
Finishwerkzeug besteht aus einem zylindrischen Finishstein. Mit dem bekannten Verfahren
wird in einem konischen Ventilsitz eine ringförmig umlaufende, im Längsschnitt kreisbogenförmige
Sitzfläche eingearbeitet. Durch die Finishbearbeitung können im Querschnitt gemessene
Formabweichungen beseitigt werden. Dichtungsanordnungen, deren Ventilsitz nach dem
bekannten Verfahren bearbeitet worden ist, zeichnen sich durch einen sehr guten Dichtsitz
zwischen Ventilkugel und Sitzfläche aüs. Allerdings ändert sich mit der Ausbildung
der kalottenförmigen Sitzfläche im konischen Ventilsitz die Durchflusscharakteristik
des Ventils, wenn man den Öffnungsvorgang im Bereich sehr kleiner Stellwege der Ventilkugel
analysiert. Der Spalt zwischen der kalottenförmigen Sitzfläche und der Ventilkugel
weist einen höheren Druckverlust auf als der Spalt zwischen einer konischen Fläche
und der Ventilkugel, wenn man denselben dem Betrag nach kleinen Stellweg der Ventilkugel
zugrundelegt. Beim Abheben der Ventilkugel vom Ventilsitz ergibt sich folglich eine
nichtlineare Charakteristik, die bei sehr kleinen Ventilen, wie sie z. B. als Brennstoffeinspritzventile
zur Anwendung kommen, stört. Nachteilig ist ferner, dass beim Öffnen des Kugelventils
verhältnismäßig große Haftkräfte zwischen Ventilkugel und der kalottenförmig ausgebildeten
Sitzfläche überwunden werden müssen.
[0003] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, die Finishbearbeitung des Ventilsitzes
für Kugelventile so weiter zu entwickeln, dass der bearbeitete Ventilsitz günstigere
Eigenschaften aufweist. Eine aus einer Ventilkugel und dem bearbeiteten Ventilsitz
bestehende Dichtungsanordnung soll bei geringer Kraft öffnen, und beim Abheben der
Kugel vom Ventilsitz soll sofort ein großer, druckverlustarmer Ringspalt freigegeben
werden. Darüber hinaus muss ein möglichst dichter Sitz der Ventilkugel auf dem Ventilsitz
gewährleistet sein.
[0004] Ausgehend von einem Verfahren mit den eingangs beschriebenen Merkmalen wird die Aufgabe
erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass die zu bearbeitende Werkstückfläche ballig ausgebildet
wird und dass als Finishwerkzeug ein Finishstein mit einer verschleißfesten Bearbeitungsfläche
verwendet wird, wobei in der balligen Werkstückfläche durch partiellen Materialabtrag
eine schmale Dichtzone mit einem im Längsschnitt konvexen Profil entsteht. Vorzugsweise
wird ein Finishwerkzeug mit einer kegelförmigen Bearbeitungsfläche verwendet. Die
ballige Ausbildung der zu bearbeitenden Werkstückfläche ermöglicht es, dass die Rotationsachse
des kegelförmigen Finishsteines winkelförmig zur Rotationsachse des Werkstückes ausgerichtet
werden kann und gleichzeitig die kegelförmige Fläche des Finishsteines am gesamten
Umfang der zu bearbeitenden Innenfläche des Werkstückes anliegt. Durch die erfindungsgemäße
Finishbearbeitung wird in die ballige Werkstückfläche eine Dichtzone eingearbeitet,
deren Breite verhältnismäßig schmal und auf den unmittelbaren Kontaktbereich zwischen
Ventilkugel und Ventilsitz beschränkt ist. Üblich ist eine Breite der Dichtzone von
einigen Zehntel Millimetern. Im Bereich der Dichtzone sind ursprünglich vorhandene
Formabweichungen an der Werkstückfläche von der Kreisform praktisch vollständig eliminiert.
Im Querschnitt gemessene Formabweichungen von der Kreisform können auf weniger als
0,1
µm reduziert werden. Im Ergebnis resultiert ein Dichtsitz zwischen Ventilkugel und
Dichtzone, der sich durch eine sehr geringe Leckrate auszeichnet. Durch die ballige,
konvexe Ausgestaltung der Dichtzone wird ein strömungsverlustarmer Ringspalt freigegeben,
wenn die Ventilkugel von dem Ventilsitz abhebt.
[0005] Der zu bearbeitende Ventilsitz kann eine ballige Dichtabschnittsfläche aufweisen
oder über seine gesamte, in Strömungsrichtung gemessene Länge, ballig ausgebildet
sein. Bei der zuerst beschriebenen Ausführung bildet die zu bearbeitende ballige Werkstückfläche
einen nach innen vorstehenden Abschnitt innerhalb eines konischen Ventilsitzes. Bei
der anderen Ausführung begrenzt die ballige Werkstückfläche als Ventilsitz einen sich
verjüngenden Aufnahmeraum für eine Ventilkugel und verbindet zwei zylindrische, unterschiedliche
Durchmesser aufweisende Abschnitte des Werkstückes.
[0006] Der Finishstein oder das Werkstück wird zweckmäßig in einen Halter eingesetzt, der
Fluchtungsfehler zwischen dem Werkstück und dem Finishstein ausgleicht. Vorzugsweise
wird als Halter ein Schaft aus Hartgummi verwendet.
[0007] Gemäß einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung wird in die bereits bearbeitete,
konvex gekrümmte Dichtzone eine ringförmig umlaufende und im Längsschnitt kreisbogenförmige
Sitzfläche eingearbeitet. Dadurch kann der Dichtsitz für eine Ventilkugel noch verbessert
werden. Im Vergleich zu dem aus EP 0 955 128 A2. bekannten Stand der Technik ist die
kalottenförmige Vertiefung der Sitzfläche jedoch wesentlich geringer, da durch die
kalottenförmige Vertiefung keine Formabweichungen ausgeglichen werden müssen. Insofern
kann ein verbesserter Dichtsitz erreicht werden, ohne dass die Durchflusscharakteristik
des Ventils hierdurch nachteilig beeinflusst wird. Bei der Finishbearbeitung des Dichtsitzes
werden das Werkstück und ein zylindrischer Finishstein gegensinnig rotierend angetrieben,
wobei die Rotationsachsen des Werkstückes und des Finishsteines unter einem Winkel
von 1 bis 10° zueinander ausgerichtet sind und der Finishstein am gesamten Umfang
der Dichtzone anliegt. Die stirnseitige Kontaktfläche des zylindrischen Finishsteines
ist zweckmäßig kalottenförmig gerundet.
[0008] Im folgenden wird die Erfindung anhand einer lediglich ein Ausführungsbeispiel darstellenden
Zeichnung erläutert. Es zeigen schematisch
- Fig. 1
- einen Längsschnitt durch eine Dichtungsanordnung für ein Kugelventil, das z. B. als
Brennstoffeinspritzventil in Brennkraftmaschinen eingesetzt werden kann,
- Fig. 2
- eine Werkzeuganordnung zur Bearbeitung des Ventilsitzes der in Fig. 1 dargestellten
Dichtungsanordnung,
- Fig. 3a
- bis 3c den Ablauf eines erfindungsgemäßen Verfahrens zur Finishbearbeitung des Ventilsitzes,
- Fig. 4a
- bis 4c eine weitere Ausführung des erfindungsgemäßen Verfahrens.
[0009] Die in Fig. 1 dargestellte Dichtungsanordnung besteht aus einer Ventilkugel 1 und
einem Ventilkörper 2, der einen Ventilsitz 3 für die einige Millimeter große Ventilkugel
1 aufweist. Der Ventilsitz 3 ist ballig ausgebildet. In die ballig ausgebildete Werkstückfläche
ist durch eine im folgenden erläuterte Finishbearbeitung eine schmale Dichtzone a
mit einem im Längsschnitt konvexen Profil eingearbeitet. Die Breite der Dichtzone
a beträgt einige Zehntel Millimeter. Die Dichtzone a enthält eine ringförmig umlaufende
und im Längsschnitt kreisbogenförmige' Sitzfläche b, die einen Dichtsitz für die Ventilkugel
1 bildet.
[0010] In Fig. 2 ist die Werkzeuganordnung zur Finishbearbeitung des Ventilsitzes dargestellt.
Das Werkstück 2 wird in einen rotierend antreibbaren Werkstückhalter 4, dessen Spannzangen
nur schematisch angedeutet sind, eingespannt. Das Werkstück 2 und ein Finishwerkzeug
5, 6 werden gegensinnig rotierend angetrieben. Dabei sind die Rotationsachsen Z, Z'
des Werkstückes 2 und des Finishwerkzeuges 5, 6 unter einem Winkel von 1 bis 10° zueinander
ausgerichtet. Das Finishwerkzeug 5, 6 liegt während der Finishbearbeitung am gesamten
Umfang der zu bearbeitenden Innenfläche des Werkstückes 2 an und ist in einen Halter
7 eingesetzt, der Fluchtungsfehler zwischen dem Werkstück 2 und dem Finishstein 5,
6 ausgleicht. Der Halter 7 besteht im Ausführungsbeispiel aus einem Schaft aus Hartgummi.
Es versteht sich, dass die Werkzeuganordnung eine rotierend angetriebene Spindel 8
mit üblichen Einrichtungen für Zuund Rückstellbewegungen aufweist.
[0011] Der Verfahrensablauf der erfindungsgemäßen Finishbearbeitung wird aus einer vergleichenden
Betrachtung der Fig. 3a bis 3c deutlich. Das zu bearbeitende Werkstück 2 weist als
Ventilsitz 3 eine Werkstückfläche auf, die ballig ausgebildet ist (Fig. 3a). Die in
Fig. 3a dargestellte ballige Werkstückfläche 3 besitzt - in einer Querschnittsebene
betrachtet - noch störende Formabweichungen von der Kreisform. Die Formabweichungen
können mehrere Mikrometer betragen. Als Finishwerkzeug 5 wird ein Finishstein mit
einer harten, verschleißfesten, kegelförmigen Bearbeitungsfläche 9 verwendet. In der
balligen Werkstückfläche entsteht durch partiellen Materialabtrag eine schmale Dichtzone
a mit einem im Längsschnitt konvexen Profil (Fig. 3b). Durch die in Fig. 3b dargestellte
Finishbearbeitung werden die zuvor beschriebenen Formabweichungen beseitigt.
[0012] In einem weiteren Verfahrensschritt wird in die bereits bearbeitete, konvex gekrümmte
Dichtzone a eine ringförmig umlaufende und im Längsschnitt kreisbogenförmige Sitzfläche
b eingearbeitet, die einen verbesserten Dichtsitz für die Ventilkugel 1 bildet. Bei
der Finishbearbeitung des Dichtsitzes b werden das Werkstück 2 und ein zylindrischer
Finishstein 6 gegensinnig angetrieben, wobei die Rotationsachsen Z, Z' des Werkstückes
2 und des Finishsteins 6 unter einem Winkel von 1 bis 10° zueinander ausgerichtet
sind und der Finishstein 6 am gesamten Umfang der Dichtzone a anliegt. Der entstehende,im
Längsschnitt kreisbogenförmige Dichtsitz b weist einen Radius auf, der wesentlich
größer ist als der Radius der Ventilkugel 1.
[0013] Bei der in Fig. 4a bis 4c dargestellten Ausführung des erfindungsgemäßen Verfahrens
ist der Ventilsitz 3, also die zu bearbeitende Werkstückfläche, als Konus ausgebildet
und weist lediglich einen ballige Dichtabschnittsfläche 10 auf, die nach innen vorsteht.
Die ballige Fläche der Dichtabschnittsfläche 10 wird in der zuvor anhand der Fig.
3b und 3c beschriebenen Weise bearbeitet. Die Verfahrensschritte sind in den Fig.
4b und 4c dargestellt.
1. Verfahren zur Finishbearbeitung eines Ventilsitzes für Kugelventile, insbesondere
für Brennstoffeinspritzventile in Brennkraftmaschinen, bei dem das zu bearbeitende
Werkstück und ein Finishwerkzeug rotierend angetrieben werden, wobei die Rotationsachsen
des Werkstückes und des Finishwerkszeuges unter einem Winkel von 1 bis 10° zueinander
ausgerichtet sind und wobei das Finishwerkzeug am gesamten Umfang der zu bearbeitenden
Innenfläche des Werkstückes anliegt, dadurch gekennzeichnet, dass die zu bearbeitende Werkstückfläche ballig ausgebildet wird und dass als Finishwerkzeug
ein Finishstein mit einer verschleißfesten Bearbeitungsfläche verwendet wird, wobei
in der balligen Werkstückfläche durch partiellen Materialabtrag eine schmale Dichtzone
mit einem im Längsschnitt konvexen Profil entsteht.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass ein Finishstein mit einer kegelförmigen Bearbeitungsfläche verwendet wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Finishstein oder das Werkstück in einen Halter eingesetzt wird, der Fluchtungsfehler
zwischen dem Werkstück und dem Finishstein ausgleicht.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass als Halter ein Schaft aus Hartgummi verwendet wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass in die bearbeitete konvex gekrümmte Dichtzone eine ringförmig umlaufende und im Längsschnitt
kreisbogenförmige Sitzfläche eingearbeitet wird, die einen verbesserten Dichtsitz
für eine Ventilkugel bildet.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass bei der Finishbearbeitung des Dichtsitzes das Werkstück und ein zylindrischer Finishstein
gegensinnig rotierend angetrieben werden, wobei die Rotationsachsen des Werkstückes
und des Finishsteins unter einem Winkel von 1 bis 10° zueinander ausgerichtet sind
und der Finishstein am gesamten Umfang der Dichtzone anliegt.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die stirnseitige Kontaktfläche des zylindrischen Finishsteins kalottenförmig gerundet
ist.