(19)
(11) EP 1 167 578 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
02.01.2002  Patentblatt  2002/01

(21) Anmeldenummer: 01113485.5

(22) Anmeldetag:  02.06.2001
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)7C23G 3/02
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH CY DE DK ES FI FR GB GR IE IT LI LU MC NL PT SE TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
AL LT LV MK RO SI

(30) Priorität: 23.06.2000 DE 10030853

(71) Anmelder: SMS Demag AG
40237 Düsseldorf (DE)

(72) Erfinder:
  • Schüler, Peter
    45665 Recklinghausen (DE)
  • Volz, Stefan
    41468 Grimlinghausen (DE)

(74) Vertreter: Valentin, Ekkehard, Dipl.-Ing. 
Patentanwälte Hemmerich & Kollegen, Hammerstrasse 2
57072 Siegen
57072 Siegen (DE)

   


(54) Vorrichtung zur Behandlung von metallischem Stranggut, insbesondere zum Beizen von Walzband


(57) Eine Vorrichtung zur Behandlung von metallischem Stranggut (1), insbesondere zum Beizen von Walzband (1a), das durch einen Behandlungskanal (2) transportierbar und mit Behandlungsflüssigkeit (5) aus Düsen (6) turbulent bestrahlbar ist, wobei die Flüssigkeitsstrahlen (7) am Kanaleingang (8) in Strangtransportrichtung (9) eingestellt und am Kanalausgang (10) entgegengesetzt zur Strangtransportrichtung (9) gerichtet sind, um ein schnelles Abfließen der Behandlungsflüssigkeit (5) zu hemmen, dient der Optimierung der Behandlungsflüssigkeit durch Intensivierung der chemischen Reaktionsvoraussetzungen und ist derart gestaltet, dass der Behandlungskanal an der Oberseite (2a) mittels aneinandergereihten Schwimmkörpern (11) gebildet ist, die dem Stranggut (1) zugewandt, jeweils mit einzelnen oder mehreren, flächenverteilten Wärmetauschern (12) versehen sind, deren Wärmeenergie auf die Behandlungsflüssigkeit (5) und / oder das Stranggut (1) übertragbar ist.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zur Behandlung von metallischem Stranggut, insbesondere zum Beizen von Walzband, das durch einen Behandlungskana transportierbar und mit Behandlungsflüssigkeit aus Düsen turbulent bestrahlbar ist, wobei die Flüssigkeitsstrahlen am Kanaleingang in Strangtransportrichtung eingestellt sind und am Kanalausgang entgegengesetzt zur Strangtransportrichtung gerichtet sind, um ein schnelles Abfließen der Behandlungsflüssigkeit zu hemmen.

[0002] Eine derartige Vorrichtung ist aus der DE-OS 29 11 701 bekannt. Diese Bauweise strebt an, die Schwierigkeiten beim Einsatz von Quetschrollen und damit eine Übertragung von Behandlungsflüssigkeit zwischen einzelnen Tanks zu vermeiden. Dabei sollen Stütz- oder Führungswalzen durch andere Elemente ersetzt werden. Zum einen geht diese Bauweise von länglich rechteckigen Behandlungskammern aus und zum anderen sind parallel und senkrecht zur Strangtransportrichtung Behandlungsdüsen angeordnet. Zusätzlich zu den Behandlungsdüsen sind sog. Deflektoren über und unter dem Stranggut angeordnet, die eine bessere Besprühung des Stranggutes bewirken sollen. Die aufgezeigten Maßnahmen richten sich jedoch ausschließlich auf eine weitere Verwirbelung und Steigerung der Turbulenz und stellen rein mechanische Vorgehensweisen dar. Eine weitergehende chemische Wirkung ist weder vorgesehen noch beabsichtigt.

[0003] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, neben den physikalischen Wirkungen der Turbulenz die chemischen Wirkungen der Behandlungsflüssigkeit und ggfs. sogar schon den Oberflächenzustand des Stranggutes zu verbessern im Sinn einer Durchsatzerhöhung und der Ausdehnung der Behandlung auf kritische Stahlsorten.

[0004] Die gestellte Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass der Behandlungskanal an der Oberseite mittels aneinandergereihten Schwimmkörpern gebildet ist, die dem Stranggut zugewandt, jeweils mit einzelnen oder mehreren, flächenverteilten Wärmetauschern versehen sind, deren Wärmeenergie auf die Behandlungsflüssigkeit und / oder das Stranggut übertragbar ist. Ein zusätzlicher thermischer Eintrag erhöht die chemischen Wirkungen, indem die Behandlungsflüssigkeit schneller auf die gewünschte Reaktionstemperatur gebracht wird und damit früher und intensiver reagiert. Die Erfindung ist deshalb vorteilhaft u.a. auch auf Stranggut 1 aus IF-Stählen anwendbar (IF = Interstitial Free Steel).

[0005] Eine weitere Verbesserung des Wirkungsgrades solcher Vorrichtungen wird in Kombination mit chemischen Reaktionen dadurch erzielt, dass den flächenverteilten Wärmetauschern Strömungsleitbleche zugeordnet sind, die nach unten vorstehend zur Vermischung der Behandlungsflüssigkeits-Strömung dienen.

[0006] Vorteilhafterweise sind die Strömungsleitbleche zwischen zwei Wärmetauschern, seitlich von einem Wärmetauscher und / oder vor einem oder vor einem Paar von Wärmetauschern angeordnet. Dadurch wird eine besonders intensive Durchwirbelung der Behandlungsflüssigkeit erzielt.

[0007] Die Übertragung der Wärmeenergie auf das Stranggut und / oder die Behandlungsflüssigkeit erfolgt besonders intensiv, indem die Wärmetauscher jeweils aus an der Unterseite der Schwimmkörper verlegten Heizrohren oder Heizplatten bestehen.

[0008] Weitere Merkmale ergeben sich dadurch, dass die Heizrohre schlangenförmig zu Heizwaben verlegt sind. Damit ist eine hohe Flächenausnutzung und eine hohe Wärmebelegung der zur Verfügung stehenden Grundfläche verbunden.

[0009] Eine weitere Ausgestaltung sieht vor, dass die Heizrohre aus PVDF oder aus PTFE hergestellt und mit Wasserdampf von ca. 130 - 135 °C betrieben sind. Diese Ausbildung sichert eine gute Wärmebelastbarkeit bei relativ hohen Temperaturen.

[0010] Für die Gestaltung und Handhabung der Wärmetauscher ist es weiter vorteilhaft, dass die Schwimmkörper mit den Wärmetauschern jeweils mit Abstand zu einem umgebenden, dem Schwimmkörper zugewandt offenen Deckelgehäuse befestigt sind.

[0011] Dazu ist vorgesehen, dass das Deckelgehäuse mittels mehreren Abstandshaltern mit dem Schwimmkörper verbunden ist.

[0012] Die Handhabung des Schwimmkörpers, des Wärmetauschers und des Deckelgehäuses wird ferner dadurch erleichtert, dass das Deckelgehäuse zusammen mit dem Schwimmkörper mittels eines Hebegeschirrs oder einer Hydraulikeinrichtung heraushebbar oder auf die Behandlungskammer aufsetzbar ist. Dadurch kann der Wärmetauscher außerhalb der Vorrichtung leicht und schnell ausgetauscht oder repariert werden.

[0013] Schließlich ist vorgesehen, dass der Schwimmkörper aus Kunststoff hergestellt ist, wodurch eine erheblich leichte Bauweise geschaffen werden kann.

[0014] In der Zeichnung ist ein Ausführungsbeispiel der Erfindung dargestellt, das nachfolgend näher erläutert wird.

[0015] Es zeigen:
Fig. 1
einen senkrechten Längsschnitt durch mehrere aneinandergereihte Behandlungskammern und
Fig. 2
eine perspektivische Ansicht von unten gegen den Schwimmkörper mit Wärmetauscher und Deckelgehäuse.


[0016] Die Vorrichtung zur Behandlung von metallischem Stranggut 1, insbesondere von Walzband 1a, das durch einen Behandlungskanal 2 transportiert wird, weist hintereinander liegend eine erste Behandlungskammer 3 und eine zweite Behandlungskammer 4 auf. Das Stranggut 1 wird mit Behandlungsflüssigkeit 5 aus Düsen 6 mit Flüssigkeitsstrahlen 7 derart bestrahlt, dass eine turbulente Behandlungsflüssigkeits-Strömung 5a besteht. Die Flüssigkeitsstrahlen 7 sind am Kanaleingang 8 in Strangtransportrichtung 9 eingestellt und am Kanalausgang 10 zur Strangtransportrichtung 9 entgegengesetzt, so dass ein schnelles Abfließen der Behandlungsflüssigkeit 5 aus der jeweiligen Behandlungskammer 3 und 4 zumindest gehemmt wird. Das Stranggut 1 liegt innerhalb der Behandlungskammern 3, 4 auf Gleitsteinen 3a und 4a auf.

[0017] Der Behandlungskanal 2 ist an seiner Oberseite 2a mittels aneinandergereihten Schwimmkörpern 11 gebildet, die dem Stranggut 1 zugewandt, jeweils mit einzelnen oder mehreren, flächenverteilten Wärmetauschern 12 bestückt sind, deren Wärmeenergie auf die Behandlungsflüssigkeit 5 und / oder das Stranggut 1 übertragen wird. Die mit der angestrebten Eintrittstemperatur eintretende Behandlungsflüssigkeit 5 intensiviert die chemische Reaktion zwischen der Oberfläche des Strangguts 1, insbesondere von Walzband 1a, und führt zu intensiveren Reinigungsvorgängen und damit zu einer Optimierung des Prozesses und zu einer größeren Durchsatzleistung.

[0018] Die Turbulenz trägt zu diesen Vorgängen ebenfalls bei, so dass in Kombination mit der erwärmt eingebrachten Behandlungsflüssigkeit 5 eine deutliche Verbesserung des Prozesses stattfindet. Für diesen Effekt sorgen flächenverteilte Strömungsleitbleche 13, die den flächenverteilten Wärmetauschern 12 zugeordnet sind, nach unten vorstehen und die Vermischung der Behandlungsflüssigkeits-Strömung 5a erheblich verstärken.

[0019] Wie aus Fig. 2 weiter ersichtlich ist, sind die Strömungsleitbleche 13 zwischen zwei Wärmetauschern 12, seitlich von einem Wärmetauscher 12 und / oder vor einem oder vor einem Paar von Wärmetauschern 12 in Strangtransportrichtung 9 angeordnet.

[0020] In einer speziellen Ausführungsform bestehen die Wärmetauscher 12 jeweils aus an der Unterseite 11a der Schwimmkörper 11 verlegten Heizrohren 14 oder Heizplatten. Die Heizrohre 14 sind schlangenförmig zu Heizwaben 15 verlegt und befinden sich in geschlossenen Ausschnitten 11b der Schwimmkörper 11. Die Heizrohre sind aus PVDF (Polyvinyli-denfluorid ) oder PTFE (Polytetrafluorethylen) hergestellt und führen Dampf von ca. 130 - 135 °C.

[0021] Die Schwimmkörper 11 sind mit den Wärmetauschern 12 jeweils mit einem Abstand 16 zu einem umgebenden, dem Schwimmkörper 11 zugewandt offenen Deckelgehäuse 17 verbunden. Der Abstand 16 wird mittels mehreren Abstandshaltern 18 zwischen dem Schwimmkörper 11 und dem Deckelgehäuse 17 bestimmt. Das Deckelgehäuse 17 ist als Einheit zusammen mit dem Schwimmkörper 11 und den Wärmetauschern 12 mittels eines Hebegeschirrs 19 oder mittels einer Hydraulikeinrichtung heraushebbar oder auf die Behandlungskammer 3 bzw. 4 wieder aufsetzbar. Der Schwimmkörper 11 kann aus Kunststoff hergestellt sein, um ein nur geringes Gewicht einzunehmen und etwaigen störenden Dämpfen aus der Behandlungsflüssigkeit 5 zu widerstehen und diese aufzufangen.

[0022] Der heiße Dampf wird in Richtung 20 durch einen Schlauchanschluss 21 und durch den Schwimmkörper 11 in die Heizrohre 14 und zurück im Kreislauf geführt.

Bezugszeichenliste:



[0023] 
1
Stranggut
1a
Walzband
2
Behandlungskanal
2a
Oberseite
3
erste Behandlungskammer
3a
Gleitstein
4
zweite Behandlungskammer
4a
Gleitstein
5
Behandlungsflüssigkeit
5a
Behandlungsflüssigkeits-Strömung
6
Düsen
7
Flüssigkeitsstrahl
8
Kanaleingang
9
Strangtransportrichtung
10
Kanalausgang
11
Schwimmkörper
11a
Unterseite
11b
Ausschnitt
12
Wärmetauscher
13
Strömungsleitbleche
14
Heizrohre
15
Heizwabe
16
Abstand
17
Deckelgehäuse
18
Abstandshalter
19
Hebegeschirr
20
Richtung
21
Schlauchanschluss



Ansprüche

1. Vorrichtung zur Behandlung von metallischem Stranggut, insbesondere zum Beizen von Walzband, das durch einen Behandlungskanal transportierbar und mit Behandlungsflüssigkeit aus Düsen turbulent bestrahlbar ist, wobei die Flüssigkeitsstrahlen am Kanaleingang in Strangtransportrichtung eingestellt sind und am Kanalausgang entgegengesetzt zur Strangtransportrichtung gerichtet sind, um ein schnelles Abfließen der Behandlungsflüssigkeit zu hemmen,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Behandlungskanal (2) an der Oberseite (2a) mittels aneinandergereihten Schwimmkörpern (11) gebildet ist, die dem Stranggut (1) zugewandt, jeweils mit einzelnen oder mehreren, flächenverteilten Wärmetauschern (12) versehen sind, deren Wärmeenergie auf die Behandlungsflüssigkeit (5) und / oder das Stranggut (1) übertragbar ist.
 
2. Vorrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass den flächenverteilten Wärmetauschern (12) Strömungsleitbleche (13) zugeordnet sind, die nach unten vorstehend zur Vermischung der Behandlungsflüssigkeits-Strömung (5a) dienen.
 
3. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Strömungsleitbleche (13) zwischen zwei Wärmetauschern (12), seitlich von einem Wärmetauscher (12) und / oder vor einem oder vor einem Paar von Wärmetauschern (12) angeordnet sind.
 
4. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Wärmetauscher (12) jeweils aus an der Unterseite (11a) der Schwimmkörper (11) verlegten Heizrohren (14) oder Heizplatten bestehen.
 
5. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Heizrohre (14) schlangenförmig zu Heizwaben (15) verlegt sind
 
6. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Heizrohre (14) aus PVDF () oder PTFE ( Polytetrafluorethylen) hergestellt und mit Wasserdampf von ca. 130 - 135 °C betrieben sind.
 
7. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Schwimmkörper (11) mit den Wärmetauschern (12) jeweils mit Abstand (16) zu einem umgebenden, dem Schwimmkörper (11) zugewandt offenen Deckelgehäuse (17) befestigt sind.
 
8. Vorrichtung nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Deckelgehäuse (17) mittels mehreren Abstandshaltern (18) mit dem Schwimmkörper (11) verbunden ist.
 
9. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Deckelgehäuse (17) zusammen mit dem Schwimmkörper (11) mittels eines Hebegeschirrs (19) oder mittels einer Hydraulikeinrichtung heraushebbar oder auf die Behandlungskammer (3; 4) aufsetzbar ist.
 
10. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Schwimmkörper (11) aus Kunststoff hergestellt ist.
 




Zeichnung










Recherchenbericht