[0001] Vorliegende Erfindung befasst sich mit steuerbaren Mitteln oder Verfahren zur Beeinflussung
des Übertragungsfaktors in Karden, d.h. des Anteils Fasermasse am Trommelbelag, der
pro Trommel-Umdrehung auf den Abnehmer übergeht. In den herkömmlichen Karden werden
oft über längere Zeiträume die gleichen Textilfasern, z.B. Baumwolle, Chemiefasern,
oder Mischungen davon (Sortimente) verarbeitet. Die Einstellungen der Karde sowie
der vor- und nachgeschalteten Textilverarbeitungsmaschinen werden dabei in der Regel
auf die entsprechenden Materialsorten nur einmal justiert bzw. optimiert und dann
nicht mehr verändert. Solche Betriebsparameter-Einstellungen sind meist umständlich
und benötigen verhältnismässig viel Zeit. Für die Neueinstellung von optimalen Betriebsparametern
der Karde oder der ganzen Produktionslinie muss man unter Umständen an verschiedenen
Stellen Fasermaterialproben entnehmen und diese teilweise mit aufwendigen und zeitraubenden
Messmethoden im Labor analysieren (z.B. die Messung der Stapelfaserverkürzung, Nissenzahl,
Kurzfaseranteil). Konventionelle Karden besitzen daher den Nachteil, dass kleinere
(zeitliche) Abweichungen in den bearbeiteten Fasermaterialqualitäten nicht berücksichtigt
werden können und entsprechende Qualitätseinbussen in den Endprodukten der Prozessstufe
resultieren können (z.B. Stapelfaserverkürzung). Dies geschieht, weil man einerseits
keine genügend schnelle Messung vornehmen kann, um die Abweichung festzustellen und
anderseits, weil eine neue Einstellung der Karde zu lange dauert. Hinzu kommt, dass
es heutzutage wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll ist, eine Putzerei mit angeschlossener
Karderie von vornherein auf nur ein bestimmtes Fasermaterial anzupassen. Karden werden
heute dazu konzipiert, verschiedene Materialsorten (Sortimente) zu bearbeiten. Eine
rasche Neueinstellung der Textilverarbeitungsmaschinen bzw. Anpassung an das neue
zu verarbeitende Material ist deshalb von Vorteil. Dieses Erfordernis der raschen
Anpassbarkeit der Karde verstärkt zudem die vorher genannten Nachteile. Ein weiterer
Nachteil konventioneller Karden ist, dass dessen Übertragungsfaktor nicht direkt und
unabhängig beeinflussbar ist, obschon der Übertragungsfaktor einen wesentlichen Einfluss
auf die Faserverarbeitung und damit auf die Bearbeitungsqualität der Karde ausübt.
[0002] Die Textilindustrie hat das generellere Problem der Einstellbarkeit von Textilverarbeitungsmaschinen
und insbesondere von Karden nur ansatzweise erkannt. In DE-A-196-51-893 wird ein Verfahren
und eine Vorrichtung beschrieben, bei der an einer Karde die Stapelfaserlänge und
die Nissenzahl gemessen wird. Die ermittelten Messwerte dienen der Betriebsparameter-Einstellung
der Karde. Für die Optimierung der Produktion werden die Nissenzahlwerte und die Faserlängenverteilung
bestimmt und miteinander verknüpft. Eine Regelung bzw. Steuerung gibt aufgrund dieser
Verknüpfung die optimalen Betriebsparameter vor. Die Messung erfolgt online (Messung
des Stapeldiagramms und Nissenzahl). Die folgenden zwei Betriebsparameter (Stellgrössen)
werden angepasst: Der Abstand der Garnituren von Deckel und Trommel (Kardierspalt)
und die Drehzahl der Trommel. Die Regelung bzw. Ermittlung der optimalen Einstellwerte
erfolgt aufgrund von gespeicherten Kennfelder/Kennkurven, die auch die zugehörigen
Maschineneinstelldaten enthalten. Die Eingabedaten werden mit diesen Kennfelder/Kennkurven
verglichen. Die zur Auswertung benötigten Faserproben werden abgesaugt. Eine Absaugung
kann gemäss dieser Veröffentlichung an folgenden Stellen erfolgen: Am Abnehmer, an
der Abstreichwalze, an den Quetschwalzen, oder am Vorreisser. Der online messbare
Stapel wird mit Hilfe eines Fibrographs gemessen (Faserbartkurve).
In der Schrift DE-A-196-51-891 wird des weiteren ein Verfahren und eine Vorrichtung
an einer Karde beschrieben, bei der der Faserstapel zweimal gemessen wird. Am Eingang und am Ausgang
der Karde werden Teilmengen der Fasern entnommen, z.B. abgesaugt. Aus den Differenzwerten
der Messungen wird der Faserkürzungsbetrag ermittelt. Je nach Wert werden diejenigen
Arbeitselemente welche den Kardierspalt beeinflussen neu eingestellt bzw. optimiert
(Beeinflussung der Kardierintensität). Die Entnahme von Faserproben erfolgt an folgenden
Stellen: Am Abnehmer, an der Abstreichwalze, vor oder nach den Quetschwalzen, am Tambour
oder am Vorreisser. Die Proben werden automatisch und online ausgewertet, d.h. aus
den Werten wird das Stapeldiagramm ermittelt. Die Auswertungen dienen als Eingabedaten
für die Regel- und Steuereinrichtungen, welche die optimalen Maschineneinstelldaten
bestimmen. Die optimalen Maschineneinstelldaten bezüglich Kardierspalt werden online
an diejenigen Arbeitselemente bzw. Aktoren der Karde weitergegeben, welche den Abstand
zwischen den Garnituren der Trommel und der Deckel steuern. Auch hier besitzen die
Steuer- und Regeleinrichtungen gespeicherte Kennkurven. Für die Faserlängenmessung
sind ein Fibrograph und ein Faserkürzungssensor vorgesehen.
Ein weiterer Stand der Technik, die CH 629 544, beschreibt Stellmittel, welche den
Abstand zwischen zwei Walzenoberflächen einstellen können. Die Schrift erwähnt, dass
bei der Übertragung des Faservlieses von einer Walze zur nächsten, der Abstand zwischen
den Walzen eine Rolle spielt. Gemäss diesem Stand der Technik haben auch die Oberflächengeschwindigkeiten
oder die Garniturart einen entsprechenden Einfluss. Die Stellmittel sind über ein
Steuermittel gesteuert. Das Steuermittel steht mit einem Messorgan in Verbindung,
welches die Drehzahl einer Walze messen kann. Daraus ermittelt die Vorrichtung die
Wirkung der Fliehkraft und daraus den Abstand zwischen den Walzen. Ein anderes Messorgan
kann in der Schrift vorgesehen werden, welches die Temperatur der Walzen misst. Das
Steuermittel steuert die Stellmittel, so dass der Abstand zwischen den Walzen trotz
Wärme und Fliehkraft konstant in engen Toleranzen gehalten werden kann. Die Vorrichtung
gemäss dieser Schrift will Probleme vor allem in der Anlaufphase der Karde lösen.
[0003] Weiterer Stand der Technik, der sich mit der Messung und Ermittlung der Faserbelegung
auf Walzen befasst, ist in den Schriften US 4272868, US 4075739 und CH 627 497 zu
finden.
[0004] Der Erfindung liegt demgegenüber die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und eine Vorrichtung
zu schaffen, welches die Einstellbarkeit und damit die Verarbeitung der Fasern in
der Karde wesentlich verbessert.
[0005] Die Lösung der Aufgabe erfolgt durch die kennzeichnenden Merkmale der Ansprüche.
Durch das erfindungsgemässe Verfahren und dessen Vorrichtung ist es möglich, die Faser-
oder Flockenverarbeitung in der Karde optimal zu steuern. Durch die Steuerung des
Übertragungsfaktors wird der Faserfluss gesteuert. Das heisst, es wird bestimmt wie
viele Trommelumdrehungen die Fasern im Durchschnitt mitmachen, bevor sie auf den Abnehmer
wechseln. Die die Fasern bzw. die Flocken werden auf diese Weise nur so lange und
so intensiv wie nötig bearbeitet. Die Verarbeitung der Fasern in der Karde wird dadurch
optimiert, unter Einhaltung einer möglichst geringen Faserschädigung (Faserverkürzung)
oder Nissenbildung. Zusätzlich erlaubt die erfindungsgemässe Vorrichtung und dessen
Verfahren eine schnelle und automatische Anpassung der Faserverarbeitung an Schwankungen
der Fasermaterialqualität (Schwankungen hervorgerufen durch unterschiedliche Materialqualität
oder -eigenschaften der einzelnen Faserballen), allgemein an neu zu verarbeitende
Fasermaterialien (d.h. Beschleunigung der Einstellung der Maschinen an neu zu verarbeitende
Sortimente) und selbstverständlich an eine grössere oder kleinere Produktion (zu bearbeitende
Fasern pro Zeiteinheit). Obwohl der Übertragungsfaktor einen wesentlichen Einfluss
auf die Faserverarbeitung hat, wurde diese Grösse im Stand der Technik nie als einstellbarer
Betriebsparameter erkannt und genutzt. Insbesondere die Erfindungsidee, ein steuerbares
Mittel zur Beeinflussung des Übertragungsfaktors vorzusehen, war bisher unbekannt.
Beispielsweise ist seit CH 629 544 bekannt, dass der Abstand zwischen zwei Walzen
den Übertragungsfaktor beeinflusst. Unbekannt ist aber die Idee, den Übertragungsfaktor
mit Hilfe eines Mittels generell zu steuern, d.h. bewusst zu verändern. Gemäss der
hier beschriebenen Erfindung ist eine solche Steuerung insbesondere dazu geeignet,
die Verarbeitung der Fasern in der Karde zu beeinflussen und zu optimieren.
Diese Verbesserungen werden durch die erfindungsgemässen Merkmale der Ansprüche ermöglicht.
"Neuer Abschnitt einfügen"
[0006] In einer weiteren Variante der Erfindung werden zusätzlich die Fasermaterialeigenschaften
noch gemessen (insbesondere mit Hilfe einer die Online-Messung). Die Messdaten werden
von einer Auswertungsanlage ausgewertet, so dass das steuerbare Mittel oder die steuerbaren
Mittel einen optimalen Übertragungsfaktor an der Karde einstellen kann/können.
[0007] Die Erfindung sieht dementsprechend_eine Karde mit einer Trommel und einem Abnehmer
vor, die ein steuerbares Mittel zur Beeinflussung des Übertragungsfaktors, d.h. des
Anteils Fasermasse am Trommelbelag, der pro Trommelumdrehung auf den Abnehmer übergeht,
enthält.
[0008] Besonders bevorzugt wird die Erfindung in Kombination mit einer Vorrichtung, bei
welcher vor und/oder nach einem Arbeitselement die Nissenzahl und/oder die Faserlänge
(Stapel) gemessen und ausgewertet wird. Ein Nissensensor und eine Faserlängen-Messvorrichtung
sind entsprechend vorgesehen und führen die Messungen durch (wobei die Faserlängen-Messvorrichtung
eine geringe Fasermenge als Probe entnimmt). Zusätzlich ist eine Regelung/Steuerung
vorgesehen, welche die genannten Messwerte für Faserlänge und/oder Nissenzahl von
den Sensoren als Eingabegrössen erhält und daraus optimierte Maschineneinstelldaten
bestimmt. Die Regelung/Steuerung arbeitet auch hier bevorzugterweise mit gespeicherten
Kennfeldern oder Datensätzen. Die bestimmten Maschineneinstelldaten oder Parameter
werden an einen oder mehrere den Übertragungsfaktor der Karde steuernde Mittel ausgegeben.
Bevorzugt werden auch Aktoren gesteuert, welche die Nissenzahl und/oder den Faserstapel
der Textilverarbeitungsmaschine beeinflussen. Dies ist insoweit zu verstehen, dass
auch mehrere Aktoren oder Mittel in Kombination gesteuert bzw. geregelt werden können,
um eine oder mehrere Einstellungen an der Maschine zu verändern. In einer weiteren
Ausführung des Erfindungsgedankens ist es auch denkbar, dass die Messungen an vor-
oder nachgeschalteten Arbeitselementen durchgeführt werden. Ein sehr wichtiges Element
der Erfindung ist, dass diese Regelung oder Steuerung online und automatisch erfolgen
kann, d.h. während dem Betrieb, ohne äusseres Einwirken durch das Bedienungspersonal.
Vorstellbar sind selbstverständlich auch halbautomatische Varianten, bei denen die
Sensoren bzw. die Regelung das Bedienungspersonal auf eine empfehlenswerte Anpassung
des Übertragungsfaktors und allenfalls weiterer Betriebsparameter aufmerksam macht
und letztere einer Anpassung z.B. per Knopfdruck noch zustimmen müssen.
Die Erfindung ist auch für Krempel anwendbar. Der Übertragungsfaktor kann von einzelnen
oder von einer Kombination von Mitteln gesteuert werden. Die Mittel oder Aktoren welche
den Übertragungsfaktor beeinflussen oder steuern, können ganze Bereiche verstellen.
Beispielsweise die gesamte Unterkardierzone, d.h. der gesamte Rundbogen mit allen
Profilen wird verstellt. Als Unterkardierzone wird derjenige untere Bereich der Karde
bezeichnet, welcher - in Drehrichtung der Trommel gesehen- zwischen Zunge und Vorreisser
liegt.
[0009] Der Erfindungsgedanke umfasst daher die folgenden Vorrichtungen, Verfahren und Verwendungszwecke:
Eine Karde oder Krempel mit einer Tambour und einem Abnehmer, welcher ein steuerbares
Mittel zur Beeinflussung des Übertragungsfaktors enthält. Der Übertragungsfaktor gibt
an, wie hoch der Anteil Fasermasse vom Tambourbelag ist, der pro Tambour-Umdrehung
auf den Abnehmer übergeht. Das heisst, der Übertragungsfaktor gibt an, wieviel Prozent
der auf dem Tambour befindlichen Fasermasse bei jeder Umdrehung des Tambours auf den
Abnehmer übertragen wird.
[0010] Zum Erfindungsgedanken gehört ebenfalls, dass dieses steuerbare Mittel die Garnitur
der Trommel und/oder des Abnehmers beeinflussen kann. Diese Beeinflussung der Garnitur
kann bevorzugterweise gemäss EP 403989 realisiert werden.
[0011] Gemäss dem Erfindungsgedanken, kann das steuerbare Mittel einen oder mehrere Aktoren
umfassen, welche mindestens einen der folgenden Betriebsparameter verändern: Die Drehzahl
des oder der Vorreisser, die Drehzahl des Tambours, die Drehzahl des Abnehmers, das
Verhältnis Drehzahl Tambour zu Drehzahl Abnehmer, der Abstand zwischen Tambour und
Abnehmer, der Abstand zwischen Tambour und Vorreisser, die Position und Stellung des
Faser-Luft-Führungselementes (im Textilfachjargon auch "Zunge" genannt), in der Unterkardierzone
der Abstand des Rundbogens und der zugehörigen Profile zum Tambour, die Einstellungen
in der Nachkardierzone, insbesondere der Verdeckprofile und/oder Kardierelemente,
den Abstand zwischen Speisewalze und Vorreisser, oder die Produktion der Karde.
[0012] Zur Erfindung gehört auch ganz allgemein das Verfahren, an einer Karde oder Krempel
ein steuerbares Mittel vorzusehen, welches den Übertragungsfaktor beeinflusst.
[0013] Entsprechend der erfindungsgemässen Vorrichtung, umfasst die Erfindungsidee auch
das zugehörige Verfahren, dass das steuerbare Mittel einen oder mehrere Aktoren umfasst,
welche mindestens einen der folgenden Betriebsparameter verändern, die Drehzahl des
oder der Vorreisser, die Drehzahl des Tambour, die Drehzahl des Abnehmers, das Verhältnis
Drehzahl Tambour zu Drehzahl Abnehmer, der Abstand zwischen Tambour und Abnehmer,
der Abstand zwischen Tambour und Vorreisser, die Position und Stellung des Faser-Luft-Führungselementes,
der sog. Zunge, in der Unterkardierzone der Abstand des Rundbogens und der zugehörigen
Profile zum Tambour, die Einstellungen in der Nachkardierzone, insbesondere der Verdeckprofile
und/oder Kardierelemente, den Abstand zwischen Speisewalze und Vorreisser, oder die
Produktion der Karde.
[0014] Eine besonders empfehlenswerte Variante des erfindungsgemässen Verfahrens oder der
Vorrichtung ist es, die Beeinflussung des Übertragungsfaktors während des Betriebes
der Karde bzw. Krempel erfolgen zu lassen (online).
[0015] Ein Verfahren an einer Karde oder Krempel, bei welchem vor und/oder nach einem Arbeitselement
der Karde oder einer vor- oder nachgeschalteten Textilverarbeitungsmaschine die Nissenzahl
und/oder die Faserlänge (Stapel) bestimmt wird, wobei eine Regelung/Steuerung vorgesehen
ist, welche die genannten Werte für Faserlänge und/oder Nissenzahl als Eingabegrössen
erhält und daraus einen optimalen Übertragungsfaktor für die Karde bestimmt, wobei
an der Regelung/Steuerung steuerbare Mittel angeschossen sind, um den Übertragungsfaktor
der Karde einzustellen. Die Bestimmung der Faserlänge bzw. Stapel sowie der Nissenzahl
geschieht durch spezielle Messvorrichtungen und Sensoren, welche bevorzugterweise
eine Online-Auswertung erlauben. Derartige Geräte sind aus dem Stand der Technik bekannt
und unterliegen einer ständigen Weiterentwicklung. Im folgenden wird auf diese Messvorrichtungen
nicht eingegangen, weil sie auch nicht Gegenstand der Erfindung sind.
[0016] Um die Drehzahl des oder der Vorreisser zu verändern kann ein herkömmliches Riemengetriebe
verwendet werden, bevorzugt wird jedoch die Verwendung eines Frequenzumrichters. Der
Begriff "Übertragungsfaktor gibt an, wieviel Prozent der auf dem Tambour befindlichen
Fasermasse bei jeder Umdrehung des Tambours auf den Abnehmer übertragen wird. Ein
Übertragungsfaktor von 20% sagt beispielsweise aus, dass 20% der Fasern auf dem Tambour
pro Umdrehung auf den Abnehmer wechseln. Anders ausgedrückt, läuft jede Faser durchschnittlich
fünf mal mit der Trommel mit (und wird dabei kardiert) bevor sie vom Abnehmer erfasst
wird. Selbstverständlich beinhaltet der Erfindungsgedanke auch die Möglichkeit, dass
das steuerbare Mittel oder der Aktor, welcher den Übertragungsfaktor verändert, aus
mehreren einzelnen Mitteln bestehen kann. Allgemein sind in der ganzen Patentschrift
unter dem Begriff "Aktor" auch mehrere Mittel zu verstehen. Zu einem Aktor können
zum Beispiel mehrere (mechanische) Verstellmechanismen mit den zugehörigen Motoren
und eventuell den zugehörigen Frequenzumrichtern oder elektronischen Steuerungen gehören.
Der Erfindungsgedanke beinhaltet auch die Tatsache, dass der Übertragungsfaktor von
mehreren Einstellungen/Parametern abhängt und damit auch von mehreren Aktoren beeinflusst
werden kann. Zum Beispiel können bei der Änderung des Übertragungsfaktors mehrere
Aktoren gleichzeitig involviert werden, z.B. Aktoren welche die Abstände Vorreisser-Tambour,
oder Tambour-Abnehmer ,oder den Abstand zwischen Speisewalze und Vorreisser verändern,
oder Aktoren welche die Drehzahlen von Tambour oder Abnehmer verstellen können (bzw.
das Verhältnis Drehzahl Tambour zu Drehzahl Abnehmer). Der Übertragungsfaktor wird
daneben noch von weiteren Faktoren beeinflusst. Dazu gehören insbesondere Fasertyp,
die eingestellte Produktion und die Art der Garnituren der Karde, sowie deren Schärfe.
Für alle diese Faktoren sind erfindungsgemäss weitere Aktoren verwendbar. Insbesondere
kann ein Sensor die Schärfe der Garnituren feststellen und ein erfindungsgemässer
Aktor den Schärfezustand der Garnituren verbessern. Der Aktor kann somit auch eine
Schleifvorrichtung darstellen, oder allgemein ein anderes Wartungselement sein. Solche
Schleifvorrichtungen oder Wartungselemente sind in weiteren Patentschriften des Anmelders
beschrieben.
Die Produktion der Karde (d.h. als Faserband gelieferte Fasermasse pro Zeiteinheit)
ist letztendlich durch das Bandgewicht, d.h. das Gewicht pro Längeneinheit des Kardenbandes,
und die Auslaufgeschwindigkeit des Kardenbandes bestimmt. Die Geschwindigkeit des
Kardenbandes ist wiederum direkt proportional zur Umlaufgeschwindigkeit des Abnehmers.
In den meisten Fällen wird der Abnehmer von einem eigenen Motor angetrieben. Bei einer
Karde besteht das Bestreben, ein Band mit einem vorgegebenen, konstanten Bandgewicht
zu produzieren, so dass das Bandgewicht nicht verändert werden darf. Weil die Produktion
gleich der Auslaufgeschwindigkeit x Bandgewicht ist und das Bandgewicht nicht verändert
werden soll, ist die Produktion allein durch die Auslaufgeschwindigkeit und damit
durch die Umlaufgeschwindigkeit des Abnehmers bestimmt. Das Bandgewicht selbst wir
durch das Gewicht der Wattenvorlage und den Grundverzug, dem Verhältnis der Umfangsgeschwindigkeit
des Abnehmers zu der der Speisewalze, bestimmt (d.h. Bandgewicht gleich Wattengewicht
multipliziert mit dem effektiven Verzug in der Karde). Das Erfordernis nach konstantem
Bandgewicht vorausgesetzt, wird die Drehzahl der Speisewalze somit indirekt auch von
der Umfangsgeschwindigkeit des Abnehmers bestimmt. Um das Bandgewicht konstant zu
halten, ist es auf dem Gebiet der Karden daher schon lange üblich Massnahmen zu treffen,
um das Wattengewicht (Gewicht der Watte pro Längeneinheit) in der Speisevorrichtung
konstant zu halten. Kleine Variationen im Wattengewicht der der Karden-Speisevorrichtung
zugeführten Wattenvorlage versucht man mit kleinen Änderungen der Speisewalzen-Drehzahl
auszugleichen (Änderung des Grundverzuges). Kurzzeitige Wattengewichtsschwankungen
der Wattenvorlage vor bzw. in der Speisevorrichtung einer Karde werden durch eine
entsprechende Messvorrichtung erkannt, worauf über eine Steuerung/Regelung (inkl.
Aktoren) die Speisewalzen-Drehzahl entsprechend angepasst wird. Diese Regelung/Steuerung
wird im Stand der Technik als Kurzzeitkorrektur bezeichnet. Neben dieser ersten Möglichkeit
ist meist auch eine sogenannte Langzeitkorrektur vorgesehen. Die Langzeitkorrektur
hat den Zweck, wie oben angesprochen, das Bandgewicht auf einen möglichst konstanten
Wert zu halten. Für die Langzeitkorrektur wird üblicherweise das Bandgewicht am Ausgang
der Karde gemessen und die Umfangsgeschwindigkeit der Speisewalze entsprechend angepasst
(d.h. der effektive Verzug wird geregelt). Auf diese Weise wird sichergestellt, dass
Langzeitabweichungen des Bandgewichtes ausgeregelt werden können. Die Langzeitkorrektur
wird meist durch die Kurzzeitkorrektur ergänzt. Diese Ergänzung wird deshalb gemacht,
weil die Langzeitkorrektur zum einen Abweichungen erst dann erkennen kann, wenn sie
bereits entstanden sind und zum anderen, weil sie aufgrund der grossen Entfernung
zwischen Speisewalze und Abnehmer, sowie der Speicherkapazität des Tambours, nicht
im Stande ist kurzzeitige Wattengewichtsschwankungen auszugleichen. Beispiele solcher
Regelungen/Steuerungen und Korrekturvorrichtungen sind z.B. den Schriften DE 29 12
576, EP 383 246 und US 4 275 483 zu entnehmen. Durch die erfindungsgemässe Beeinflussung
des Übertragungsfaktors ist man aber auch in der Lage die Kurzzeit-Regulierung zu
ergänzen.
Wie vorhin erwähnt, wird in der Praxis die Produktion der Karde immer über die Auslaufgeschwindigkeit
des Faserbandes gesteuert, kaum über das Bandgewicht (welches ja konstant bleiben
sollte). Die Produktion der Karde beeinflusst aber auch die Qualität des Faserbandes,
d.h. die Auslaufgeschwindigkeit hat auch einen Einfluss auf die Faserbandqualität.
Diese Wechselwirkungen müssen durch die Steuerungen berücksichtigt werden. Unabhängig
davon, müssen sich die Drehzahlen der sich drehenden Arbeitselemente (Tambour, Vorreisser,
Abnehmer, Speisewalze etc.) der Auslaufgeschwindigkeit des Faserbandes anpassen. Als
Aktoren werden in solchen Fällen Frequenzumrichter oder äquivalente Übersetzungen
verwendet, welche die Drehzahl der Antriebsmotoren steuern. Die Aktoren können ihrerseits
über zugehörige Steuereinheiten gesteuert werden. Diese Steuereinheiten können eine
eigene Auswertung vornehmen und sowohl mit den entsprechenden Messvorrichtungen verbunden
sein, als auch mit zentralen Steuereinheiten, welche die Abläufe und Produktion in
der ganzen Putzerei und Karderie regeln und steuern. Es wäre natürlich auch denkbar,
wenn auch meist nicht sinnvoll, die Produktion der Karde über Aktoren zu beeinflussen,
welche das Bandgewicht verändern. Dies könnte vor allem dann sinnvoll sein, wenn die
Karde neue Sortimente verarbeiten muss und aufgrund der späteren Weiterverarbeitung
des Faserbandes andere Bandgewichte erwünscht sind. Eine Umstellung der Karde oder
Krempel auf das neue Bandgewicht wäre somit schneller und einfacher zu bewerkstelligen.
Bisher wurde bei der Beeinflussung der Produktion und der Verarbeitungsqualität der
Karde oder Krempel nie versucht den Übertragungsfaktor anzupassen bzw. zu steuern.
Das Bestreben (siehe CH 629 544) ging eher in die entgegengesetzte Richtung, d.h.
den Übertragungsfaktor konstant zu daher Teil des Erfindungsgedankens, die Beeinflussung
der Produktionsqualität mit der Regelung und Steuerung des Übertragungsfaktors zu
kombinieren. Wie erwähnt, kann die Auslaufgeschwindigkeit einen Einfluss auf die Kardenbandqualität
haben. In einem solchen Fall wäre es beispielsweise denkbar, die durch die erhöhte
Produktion bzw. Auslaufgeschwindigkeit verursachte Qualitätseinbusse im Faserband
durch entsprechende Beeinflussung des Übertragungsfaktors ganz oder teilweise zu kompensieren,
so dass aber der Kardierprozess schonender ist (geringere Stapelfaserverkürzung).
[0017] Eine weitere Möglichkeit das Bandgewicht zu beeinflussen wäre darin zu sehen,-eine
zusätzliche Auslaufregelung oder Strecke nach dem Kardenauslauf vorzusehen, welche
das Faserband auf das gewünschte Bandgewicht verzieht. Weitere entsprechende Kombinationen
sind auch mit anderen die Nissenzahl oder den Stapel beeinflussenden Aktoren denkbar.
Diese Aktoren können sich auch innerhalb von anderen, der Karde oder Krempel vor-
oder nachgeschalteten, Textilverarbeitungsmaschinen befinden.
[0018] 5. Zum erfindungsgemässen Verfahren gehört als Variante auch die Möglichkeit, dass
die Regelung/Steuerung zusätzlich die optimiert Maschineneinstelldaten an mindestens
einen die Nissenzahl und/oder den Stapel beeinflussenden Aktor einer vor- oder nachgeschalteten
Textilfaserverarbeitungsmaschine ausgibt, insbesondere an einen Aktor einer vorgeschalteten
Putzereimaschine wie an einem Aktor eines der Karde oder Krempel vorgeschalteten Füllschachtes
(Beeinflussung der Wattenvorlage durch den Füllschacht). Der Begriff "Aktor" umfasst
auch die zugehörigen Mittel.
[0019] 7. Die Regelung/Steuerung erhält in einer weiteren Variante der Erfindung zusätzlich
die die Werte für Faserlänge und/oder Nissenzahl als Eingabegrössen und bestimmt daraus
den optimalen Übertragungsfaktor.
[0020] Zum erfindungsgemässen Verfahren kann auch vorgesehen werden, dass die Regelung/Steuerung
den optimalen Übertragungsfaktor aufgrund von vorgegebenen bzw. gespeicherten Kennfelder
oder Datensätzen bestimmt. Selbstverständlich können die aufgezählten erfindungsgemässen
Verfahren in einer Karde auch in Kombination miteinander angewendet werden.
[0021] Zu den beschriebenen Verfahren gehören erfindungsgemäss auch die entsprechenden Vorrichtungen.
Zum Beispiel eine Vorrichtung in einer Textilfaserverarbeitungsmaschine, insbesondere
Karde, Krempel, bei welcher vor und/oder nach mindestens einem Arbeitselement derselben
Maschine oder einer vor- oder nachgeschalteten Textilverarbeitungsmaschine die Nissenzahl
und/oder die Faserlänge (Stapel) bestimmt wird, wobei eine Regelung/Steuerung vorgesehen
ist, welche nach einem oben beschriebenen Verfahren die genannten Werte für Faserlänge
und/oder Nissenzahl als Eingabegrössen erhält und daraus den optimalen Übertragungsfaktor
für die Karde und diesen an mindestens einen den Übertragungsfaktor steuerden Mittel
oder Aktor.
[0022] Beispiele zu den möglichen Umsetzungen der Erfindung sollen nun anhand der Figuren
erklärt werden. Diese Beispiele stellen nur wenige der zahlreichen Ausführungsmöglichkeiten
der Erfindung dar. Die Erfindungsidee und die Ansprüche beschränken sich keinesfalls
nur auf die Ausführungen gemäss den Figuren.
[0023] Die Figur 1 stellt schematisch den Faserfluss durch ein Arbeitselement der Karderie
oder Putzerei dar. Unter dem Begriff "Arbeitselement" können sowohl ganze Textilverarbeitungsmaschinen,
wie beispielsweise Karden, Krempel, Reiniger in der Putzerei etc. verstanden werden,
als auch einzelne Elemente einer Textilverarbeitungsmaschine, zum Beispiel Briseure,
Speisevorrichtungen, Kardiersegmente (stationäre oder im Wanderdeckel), Tambour, Wartungselemente,
Abnehmer, Auslaufregelungen, Ausscheide- bzw. Abstreifmesser, Roststäbe, Öffner- und
Zuführwalzen, Abluft- bzw. Absaugsysteme etc. Die Messvorrichtungen, welche vor und
nach dem Arbeitselement an dem Textilfaserfluss angeschlossen sind, können Eigenschaften
der Textilfasern messen. Dies können einzelne oder mehrere Eigenschaften sein, insbesondere
die Faseroder die Stapelfaserlänge (Einzelfasermessung wird bevorzugt), oder die Nissenzahl.
Die Messvorrichtungen sind nur schematisch dargestellt, d.h. die Vorrichtungen können
auch mehrere Sensoren umfassen, welche gleichzeitig mehrere Fasereigenschaften messen.
Die angewandte Messtechnologie spielt für die Erfindung eigentlich keine Rolle. Es
ist aber vorstellbar, dass die Messvorrichtung die Fasereigenschaften optisch ermittelt
oder aber dem Faserfluss kleine Faserproben zur Messung entnimmt. Die Messergebnisse
werden dann von den Messvorrichtungen einer Auswertungsanlage übermittelt. Diese Auswertungsanlage
ist in der Lage optimierte Einstellwerte oder Parameter des Arbeitselementes zu ermitteln.
Dies kann zum Beispiel durch abgespeicherte Datensätze oder Kennfelder geschehen.
Unter Umständen ist diese Auswertungsanlage mit weiteren gleichartigen Auswertungsanlagen
verbunden. Dies ist vor allem dort von Vorteil, wo Wechselwirkungen mit anderen Arbeitselementen
bestehen können, z.B. bei Arbeitselementen derselben Textilverarbeitungsmaschine.
Unter Umständen ist es auch denkbar, dass die Auswertungsanlagen mit einer zentralen
Steuereinheit verbunden ist, welche die Produktion der ganzen Putzerei und Karderie
steuert. Die zentrale Steuereinheit kann in diesem Fall einen Einfluss auf die Auswertungsanlagen
besitzen, bzw. auf deren Ausgangssignale. Die Auswertungsanlagen können Signale an
einzelne oder mehrere Steuerungen geben, welche mit Aktoren verbunden sind. Diese
Aktoren können unter Umständen sogar zu vor- oder nachgeschalteten Arbeitselementen
gehören. Die Aktoren üben einen Einfluss auf die Bearbeitung der Fasern im Arbeitselement
aus. Die "Aktoren" können unter Umständen aus mehreren Mitteln bestehen, z.B. aus
Getriebe und Antriebsmotor. Einzelne oder mehrere dieser Aktoren stellen beispielsweise
steuerbare Mittel dar, welche den Übertragungsfaktor der Karde verändern können. Die
Arbeitselemente wären in diesem Fall die Trommel und der Abnehmer.
[0024] In Figur 2 wird eine mögliche Anwendung der erfindungsgemässen Vorrichtung bzw. Verfahrens
an der Speisevorrichtung einer Karde gezeigt. Die konventionelle Speisevorrichtung
1 führt über eine Speisewalze 2 und eine schwenk- bzw. einstellbare Speisemulde 3
das Fasermaterial an einen Vorreisser 4. Von dort wird das Fasermaterial an die Trommel
5 der Karde weitergegeben. Es sind selbstverständlich auch Vorrichtungen mit mehreren,
z.B. drei Vorreissern denkbar. In dieser beispielhaften Vorrichtung sind an zwei Stellen
Messvorrichtungen 6 vorgesehen, an welchen Faserproben entnommen und analysiert werden.
Die Messvorrichtungen selbst sind nicht Gegenstand der Erfindung. Sie können, wie
in der Figur 2 gezeigt, aus einzelnen Einheiten bestehen oder aus einer zentralen
Messvorrichtung, die an mehreren Stellen Faserproben entnehmen kann. Die Messvorrichtung
kann einzelne oder mehrere Fasereigenschaften messen. Z.B. könnte eine Messvorrichtung
aus einer Kombination von Sensoren bestehen, welche die Faserlänge (Stapel) und die
Nissenzahl messen kann. Die beiden Messvorrichtungen 6 geben die ermittelten Fasereigenschaften
an eine Auswertungsanlage 7 weiter. Die Auswertungsanlage 7 ist in der Lage aus den
erhaltenen Parametern die jeweils optimalen Betriebsparameter von einzelnen oder mehreren
Arbeitselementen zu bestimmen. Sie übernimmt daher die lokale Regelung und Steuerung
dieser Arbeitselemente. Es ist auch denkbar, dass die einzelnen Messvorrichtungen
6 in der Auswertungsanlage 7 integriert sind. Die Auswertungsanlage 7 steht in diesem
Beispiel auch in Verbindung mit einer zentralen Steuereinheit 8, welche die Auswertungsanlage
und deren Ausgangssignale beeinflussen kann. Bei dieser zentralen Steuereinheit 8
kann es sich um die zentralen Steuereinheit der ganzen Putzerei- bzw. Kardieranlage
handeln oder auch nur um die zentrale Steuereinheit der jeweiligen Maschine. Die zentrale
Steuereinheit 8 kann mit mehreren solcher Auswertungsanlagen 7 in Verbindung stehen
und das Zusammenwirken koordinieren (in der Figur nicht gezeigt). Die Auswertungsanlage
7 registriert in diesem Beispiel über einen Sensor 8 auch die Klemmkraft F der Speisemulde
auf die Speisewalze, ebenso die Klemmdistanz d über einen Sensor 9. Die Auswertungsanlage
7 bestimmt aufgrund der erwähnten Eingangswerte die optimalen Betriebsparameter, in
diesem Beispiel die Klemmdistanz d, die Klemmkraft F und den Abstand zwischen Speisewalze
und Vorreisser. Am Ausgang der Auswertungsanlage 7 werden die den optimalen Betriebsparametern
entsprechenden Signale an die Steuerungen 10 der Aktoren 11 und 12, bzw. direkt an
Aktor 13, ausgegeben (Aktoren schematisch dargestellt). Die Steuerungen 10 registrieren
das Eingangssignal und stellen die angesteuerten Aktoren 11 bzw. 12 auf die richtigen
Werte ein. Der Aktor 11 dient der Einstellung der Klemmkraft F, während der Aktor
12 die Klemmdistanz d verändern kann. Der Abstand zwischen Speisewalze und Vorreisser
wird von der Auswertungsanlage 7 direkt über den Aktor 13 gesteuert. Das genaue technische
Zusammenwirken zwischen Auswertungsanlage, Steuerung und Aktorik ist für die Erfindung
nicht wesentlich. Auch das Vorhandensein einer zentralen Steuereinheit ist für die
Erfindung nicht zwingend erforderlich. Wichtig ist, dass die Auswertungsanlage die
entsprechenden Maschineneinstelldaten bestimmt und diese dann an die entsprechenden
Aktoren weitergibt, welche die Nissenzahl und/oder den Stapel der Maschine beeinflussen.
[0025] Die Figur 3 ist grösstenteils mit Figur 2 identisch, sie wurde lediglich durch einen
weitere Anwendung der erfindungsgemässen Vorrichtung ergänzt. Die Erweiterung umfasst
im Beispiel nach Figur 3 eine weitere Auswertungsanlage 14. Diese Auswertungsanlage
14 ist zum einen mit derselben Messvorrichtung 6 am Vorreisser 4 verbunden wie die
Auswertungsanlage 7. Sie erhält von dieser dieselben Messwerte. Zum anderen ist die
Auswertungsanlage 14 mit einer zweiten Messvorrichtung 15 an der Trommel 5 verbunden.
Die Auswertungsanlagen 14 und 7 sind ebenfalls miteinander verbunden. Sie tauschen
gegenseitig Daten aus und können daher in Wechselwirkung zueinander stehen. Die Auswertungsanlage
14 optimiert über eine Steuerung 16 (z.B. einen Frequenzumrichter) und einen Aktor
17 (Antrieb) die Drehzahl des Vorreissers 4. Dies geschieht in erster Linie aufgrund
der Messwerte, welche die Auswertungsanlage von den Messvorrichtungen 6 und 15 erhält.
In zweiter Linie wird die Auswertungsanlage 14 die Drehzahl des Vorreissers 4 auch
aufgrund derjenigen Signale anpassen, die sie von der Auswertungsanlage 7 erhält.
Im Beispiel der Figur 3 sind die beiden Auswertungsanlagen 7 und 14 miteinander gekoppelt,
aber nur die Auswertungsanlage 7 ist mit der zentralen Steuereinheit 8 verbunden.
Es ist in einer weiteren Ausführung selbstverständlich auch denkbar, dass die einzelnen
Auswertungsanlagen untereinander nicht direkt verbunden sind, sondern alle über der
zentralen Steuereinheit 8 miteinander in Verbindung stehen. Die zentrale Steuereinheit
kann im Optimierungsprozess der einzelnen Auswertungsanlagen eingreifen und diesen
beeinflussen. Die Aufgabe der zentralen Steuereinheit ist es das ganze System abzustimmen
bzw. die Auswertungsanlagen zu koordinieren. Die Auswertungsanlage 14 ist gemäss Figur
3 auch in der Lage, über eine weitere Steuerung 18 (z.B. weiterer Frequenzumrichter)
und einen Aktor 19 (z.B. Elektromotor), die Drehzahl der Trommel 5 anzupassen. Diese
Anpassung kann einerseits der Optimierung der Betriebsparameter gelten. Andererseits
kann die Änderung auch nur eine einfache Produktionsanpassung bezwecken. Dazu muss
die Auswertungsanlage 14 direkt oder indirekt (wie in Figur 3 dargestellt) mit der
zentralen Steuereinheit verbunden sein. Die zentrale Steuereinheit kann somit nicht
nur das Zusammenspiel der einzelnen Auswertungsanlagen koordinieren (z.B. Bearbeitungsqualität
vorgeben), sondern kann auch noch die Produktion steuern.
[0026] Die Figur 4 zeigt eine weitere Anwendung der Erfindung an einer Karde bzw. Krempel,
bei welcher in erster Linie der Übertragungsfaktor optimiert wird. Eine Auswertungsanlage
20 ist über mehrere Steuerungen 21 mit den Aktoren 22 verbunden, welche die Drehzahlen
des Vorreissers 4, der Trommel 5 und des Abnehmers 23 steuern. Die Auswertungsanlage
20 kann zudem über die Steuerung 24 und den Aktor 25 (nur schematisch dargestellt)
den Abstand zwischen Abnehmer 23 und Trommel 5 einstellen. Eine solche Vorrichtung
kann zudem auch bezüglich dem Vorreisser vorgesehen sein (der Übersicht wegen nicht
dargestellt), d.h. eine Steuerung und ein oder mehrere Aktoren erlauben den Abstand
zwischen Vorreisser 4 und Trommel 5 einzustellen. Eine weitere Steuerung 26 ist vorgesehen,
welche über Aktoren 27 (auch nur schematisch dargestellt) die Position des Faser-Luft-Führungselementes
28 einstellen kann. Die gesteuerten Arbeitselemente haben alle einen Einfluss auf
den Übertragungsfaktor. Die Auswertungsanlage 20 steuert die Einstellung dieser Arbeitselemente,
so dass ein optimales-
r Einfluss auf den Übertragungsfaktor erzeugt wird. Die Auswertungsanlage 20 ist auch
hier mit der zentralen Steuereinheit 8 und mit mehreren Messvorrichtungen 29 verbunden,
welche die Nissenzahl und/oder die Faserlänge bestimmen können. Da die Produktion
der Maschine (bearbeitete Fasermenge pro Zeiteinheit) einen Einfluss auf den Übertragungsfaktor
hat, beeinflusst auch die Produktionsvorgabe der zentralen Steuereinheit 8 den Übertragungsfaktor.
Die Auswertungsanlage 20 kann bei Bedarf diesen Einfluss durch entsprechende Anpassung
der Arbeitselemente kompensieren. Die Sensoren 29 erlauben auch hier eine konstante
Kontrolle der Faserbearbeitung und dadurch ein gezieltes Eingreifen der Auswertungsanlage
bei Änderungen in der Bearbeitungsqualität der Arbeitselemente.
[0027] Eine weitere Möglichkeit die Erfindung anzuwenden zeigt die Figur 5. Das Beispiel
entspricht weitgehendst der Figur 4, nur dass die Auswertungsanlage 20 mit der Auslaufvorrichtung
30 verbunden ist. Die Auslaufvorrichtung 30 regelt den Bandauslauf bzw. das Bandgewicht
des Faserbandes am Auslauf der Karde bzw. Krempel mit Hilfe des eingebauten Streckwerks
30a. Die Auslaufvorrichtung 30 ist in Figur 5 nur schematisch dargestellt, weil sie
auch nicht Gegenstand der Erfindung ist. In einer weiteren Variante, die in den Figuren
nicht gezeigt ist, kann das Streckwerk 30a auch auf der Bandablage angeordnet sein
. Die Auswertungsanlage 20 erhält auch Messwerte von der Auslaufvorrichtung 30 übermittelt
(z.B. das Bandgewicht oder den CV-Wert). Entsprechende Steuerungen und Messvorrichtungen
werden hier als Teil der Auslaufvorrichtung 30 betrachtet und wurden deshalb in der
Figur 5 nicht dargestellt. Es ist auch denkbar, dass die Auslaufvorrichtung 30 mit
der zentralen Steuereinheit 8 direkt verbunden ist und nicht wie in der Figur 5 dargestellt,
über die Auswertungsanlage 20. Des weiteren sind die Auswertungsanlage 20 und die
zentrale Steuereinheit 8 auch direkt mit einer weiteren Auswertungsanlage 31 verbunden.
Die Auswertungsanlage 31 steuert und regelt über die schematisch dargestellten Verbindungen
32 Arbeitselemente, die der dargestellten Karde bzw. Krempel vorgeschalten sind. Die
Auswertungsanlage 31 kann auch zu einer vorgeschalteten Putzereimaschine ( z.B. einen
Öffner, einen Reiniger, einen Grobreiniger, einen Feinreiniger, einen Entstauber,
einen Mischer) oder zu einem Füllschacht (der eventuell mit zusätzlichen Öffnungs-
bzw. Reinigungselementen ausgestattet ist) gehören. Über die Verbindungen 32 steuert
die Auswertungsanlage 31 einzelne oder mehrere Arbeitselemente der zugehörigen Textilverarbeitungsmaschine
(über nicht dargestellte Aktoren).
[0028] In der Figur 5 ist die Auswertungsanlage 31 der Auswertungsanlage 20 vorgeschalten.
Natürlich ist es auch denkbar und Teil des Erfindungsgedankens, dass auch Aktoren
von nachgeschalteten Textilverarbeitungsmaschine beeinflusst werden können. Die Auswertungsanlage
31 könnte also ebenso gut der Auswertungsanlage 20 nachgeschalten sein und entsprechend
Arbeitselemente nachgeschalteter Textilverarbeitungsmaschinen beeinflussen.
[0029] In der letzten Figur 6 wird schematisch eine mögliche, zusammengestellte Putzereilinie
mit angeschlossener Karderie gezeigt. Einzelne Maschinen können den vorangegangenen
Figuren entsprechen, können aber auch davon abweichen. Die Putzerei umfasst in dem
gezeigten Beispiel verschiedene Bearbeitungsstufen: I. Das Öffnen, II. die Grobreinigung,
III. das Mischen, IV. die Feinreinigung, V eine Intensivreinigung oder - öffnung,
und VI. das Kardieren. Jede dieser Bearbeitungsstufen besitzt wenigsten eine Textilverarbeitungsmaschine,
welche eine oder mehrere Auswertungsanlagen 43 enthält. Die Auswertungsanlagen 43
werten jeweils die Daten aus, die sie von Messvorrichtungen an den Textilverarbeitungsmaschinen
(nicht gezeigt) oder von vor- oder nachgeschalteten Auswertungsanlagen erhalten. Die
Auswertung wird auch von den Signalen der zentralen Steuereinheit 8 beeinflusst. Die
Auswertungsanlagen 43 steuern und regeln aufgrund der erhaltenen Eingangswerte die
zugehörigen Arbeitselemente (nur schematisch über die Verbindungslinien gezeigt) und
stellen die optimalen Maschineneinstellungen ein. Die Auswertungsanlagen 43 sind untereinander
verknüpft. Dies einerseits, um die jeweiligen Maschineneinstellungen bzw. Verarbeitungsintensität
der Fasern zu koordinieren. Anderseits, um Messwerte (Faserlänge oder Nissenzahl)
von vor- oder nachgeschalteten Messvorrichtungen zu erhalten. Die Auswertungsanlagen
sind auch mit der zentralen Steuereinheit 8 verbunden. Diese hat in erster Linie die
Aufgabe, das ganze System von Auswertungsanlagen zu kontrollieren und zu koordinieren.
Sie kann auch jeder Auswertungsanlage die einzuhaltenden Parameter vorgeben bzw. diese
für die Optimierung der ganzen Putzereilinie beeinflussen. In zweiter Linie kann sie
auch die Produktion (zu verarbeitende Fasermenge pro Zeiteinheit) der ganzen Linie
steuern. Die zentrale Steuereinheit kann über ein Monitoring-System 44 mit dem Bedienungspersonal
der Anlage kommunizieren. Das Bedienungspersonal kann die Vorgaben für die Faserverarbeitung
der ganzen Anlage oder einzelner Maschinen über das Monitoring-System 44 eingeben.
Dieses System kann das Bedienungspersonal auch auf Anpassungen der Betriebsparameter
oder auf Qualitätsschwankungen des verarbeiteten Fasermaterials aufmerksam machen.
Es ist des weiteren denkbar, das Monitoring-System 44 auch mit anderen Daten- und
Informationssystemen zu verknüpfen bzw. dieses darin zu integrieren. Als Beispiel
sei das Daten- und Informationssystem "SPIDERweb" vom Anmelder genannt.
[0030] Die Erfindungsidee kann besonders gut umgesetzt werden, wenn die in den Figuren beschriebenen
Abläufe "online" stattfinden. Das heisst, die Messungen, Auswertungen und Steuerungen
finden laufend während dem Betrieb statt. Ziel ist es eine möglichst geringe Reaktionszeit
zwischen dem Auftreten einer Veränderung im Faserfluss (bzw. Fasereigenschaft) und
der geeigneten Beeinflussung des oder der Arbeitselemente zu erhalten. Ein wesentlicher
Faktor stellt hierbei die Leistung der Messvorrichtungen dar: Je schneller diese eine
Fasereigenschaft messen und auswerten können, desto kürzer wird die gesamte Reaktionszeit
des Systems.
[0031] Die Erfindung ist nicht auf die explizit genannten Möglichkeiten und Ausführungsformen
beschränkt. Diese Varianten sind mehr als Anregung für den Fachmann gedacht, um die
Erfindungsidee möglichst günstig umzusetzen. Von den beschriebenen Ausführungsformen
sind daher leicht weitere vorteilhafte Anwendungen und Kombinationen ableitbar, die
ebenfalls den Erfindungsgedanken wiedergeben und durch diese Anmeldung geschützt werden
sollen. Viele der in der Beschreibung offenbarten Merkmale werden in der folgenden
Ansprüchen kombiniert beansprucht. Es wäre aber auch denkbar, einzelne Merkmale der
Beschreibung für sich alleine zu beanspruchen.
1. Eine Karde mit einer Trommel und einem Abnehmer, dadurch gekennzeichnet, dass ein steuerbares Mittel zur Beeinflussung des Übertragungsfaktors, d.h. des Anteils
Fasermasse am Trommelbelag, der pro Trommelumdrehung auf den Abnehmer übergeht, vorhanden
ist.
2. Eine Karde gemäss Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Mittel die Garnitur der Trommel und/oder des Abnehmers beeinflussen kann.
3. Eine Karde gemäss Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Beeinflussung der Garnitur gemäss EP 403989 realisiert wird.
4. Eine Karde gemäss Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das steuerbare Mittel einen oder mehrere Aktoren umfasst, welche mindestens einen
der folgenden Betriebsparameter verändern, die Drehzahl des oder der Vorreisser, die
Drehzahl der Trommel, die Drehzahl des Abnehmers, das Verhältnis Drehzahl Tambour
zu Drehzahl Abnehmer, der Abstand zwischen Trommel und Abnehmer, der Abstand zwischen
Trommel und Vorreisser, die Position und Stellung des Faser-Luft-Führungselementes,
in der Unterkardierzone der Abstand des Rundbogens und der zugehörigen Profile zum
Tambour, die Einstellungen in der Nachkardierzone, insbesondere der Verdeckprofile
und/oder Kardierelementel die Produktion der Karde, oder den Abstand zwischen Speisewalze
und Vorreisser.
5. Verfahren an einer Karde, dadurch gekennzeichnet, dass ein steuerbares Mittel vorhanden ist, welches den Übertragungsfaktor beeinflusst.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass das steuerbare Mittel einen oder mehrere Aktoren umfasst, welche mindestens einen
der folgenden Betriebsparameter verändern, die Drehzahl des oder der Vorreisser, die
Drehzahl der Trommel, die Drehzahl des Abnehmers, das Verhältnis Drehzahl Tambour
zu Drehzahl Abnehmer, der Abstand zwischen Trommel und Abnehmer, der Abstand zwischen
Trommel und Vorreisser, die Position und Stellung des Faser-Luft-Führungselementes,
in der Unterkardierzone der Abstand des Rundbogens und der zugehörigen Profile zum
Tambour, die Einstellungen in der Nachkardierzone, insbesondere der Verdeckprofile
und/oder Kardierelemente, die Produktion der Karde, oder den Abstand zwischen Speisewalze
und Vorreisser.
7. Verfahren oder Vorrichtung nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Beeinflussung des Übertragungsfaktors während des Betriebes der Karde erfolgt.