[0001] Die Erfindung betrifft einen Spezialtübbing für einen Tübbingring zum unterirdischen
Tunnelausbau. Die Erfindung betrifft fernerhin einen Tübbingring mit zumindest zwei
Spezialtübbings. - Eine Vielzahl von Tunnelröhren, die beispielsweise als U-Bahnstrecken
dienen, werden im Schildvortrieb mit Tübbingausbau hergestellt. Dabei wird die Tunnelröhre
von in Tunnellängsrichtung hintereinander angeordneten Tübbingringen ausgekleidet.
Jeder Tübbingring besteht aus einer Mehrzahl über den Umfang des Tübbingringes verteilten
einzelnen Tübbings, die also gleichsam Umfangssegmente eines Tübbingringes bilden.
[0002] Oftmals ist es erforderlich, neben einer solchen Tunnelröhre einen Freiraum einzurichten,
in welchem beispielsweise eine Bahnhofsanlage, ein Bahnsteig, Betriebsräume, Weichen,
Abstellanlagen oder aber auch Fluchtwege oder Lüftungsanlagen angeordnet werden. Für
den Anschluss solcher Freiräume an die Tunnelröhre müssen in dem entsprechenden Bereich
Tübbings an der jeweiligen Seite der Tunnelröhre entfallen oder diese Tübbings müssen
nachträglich entfernt werden. Aufgrund der beachtlichen Kräfte, die das Erdreich bzw.
Gebirge auf den Tübbingausbau ausübt, sind in den betreffenden Bereichen zusätzliche
Sicherungsmaßnahmen bzw. Abstützungsmaßnahmen erforderlich. Aus der Praxis ist es
in diesem Zusammenhang bekannt, die verbleibenden Tübbings der Tübbingringe mit Hilfe
von Stahlauskleidungen zu verstärken. Die restlichen Tübbings der Tübbingringe erhalten
somit gleichsam ein Stahlkorsett. Es versteht sich, dass diese Maßnahmen aufwendig
und kostspielig sind. Im übrigen ist eine effektive Absicherung der betreffenden Tunnelabschnitte
sowie Setzungsbegrenzung an der Oberfläche nicht immer gewährleistet.
[0003] Demgegenüber liegt der Erfindung das technische Problem zugrunde, einen Spezialtübbing
anzugeben, mit dem auf einfache Weise eine funktionssichere Abstützung bzw. Sicherung
des Tübbingausbaus bzw. der Tübbingschale in den Bereichen gewährleistet wird, in
denen ein Freiraum an die betreffende Tunnelröhre anschließt. Der Erfindung liegt
fernerhin das technische Problem zugrunde, einen dem Spezialtübbing zugeordneten Tübbingring
anzugeben.
[0004] Zur Lösung dieses technischen Problems lehrt die Erfindung einen Spezialtübbing für
einen Tübbingring zum unterirdischen Tunnelausbau,
wobei der Spezialtübbing einen zylindermantelabschnittförmigen Basiskörper zur Einpassung
in einen Tübbingring aufweist
und wobei zylindermantelinnenseitig ein Anschlusselement für den Anschluss zumindest
eines tunnelinnenseitig anzuordnenden Stützelementes zur Abstützung der Tübbingschale
vorgesehen ist. - Zylindermantelabschnittförmiger Basiskörper meint den Teil des erfindungsgemäßen
Spezialtübbings, der bezüglich seiner Form einem üblichen Tübbing entspricht. Der
Ausdruck zylindermantelabschnittförmiger Basiskörper geht zunächst davon aus, dass
ein Tübbingring bzw. die in der Tunnelröhre hintereinander angeordneten Tübbingringe
eine zylinderförmige Röhre und somit einen Zylindermantel mit kreisförmigem Querschnitt
bilden. Grundsätzlich liegt es jedoch auch im Rahmen der Erfindung, dass der Tübbingausbau
der Tunnelröhre von der exakten Zylinderform bzw. vom exakten kreisförmigen Querschnitt
abweicht und beispielsweise im Querschnitt oval bzw. ellipsenförmig ausgebildet ist.
Die erfindungsgemäßen Spezialtübbings sind natürlich auch bei einem solchen Tübbingausbau
einsetzbar und der Begriff "zylindermantelabschnittförmiger Basiskörper" meint in
diesem Zusammenhang auch einen Basiskörper, der nicht exakt einem Zylindermantelabschnitt
entspricht. - Vorzugsweise beträgt die Ausdehnung eines erfindungsgemäßen Spezialtübbings
bzw. die Ausdehnung dessen Basiskörpers in Umfangsrichtung des zugeordneten Tübbingringes
weniger als ein Drittel, bevorzugt weniger als ein Viertel, sehr bevorzugt weniger
als ein Fünftel des Umfanges dieses Tübbingringes.
[0005] Die erfindungsgemäßen Spezialtübbings weisen an ihrer Innenseite, d.h. an ihrer dem
Innenraum der Tunnelröhre zugewandten Seite ein Anschlusselement für den Anschluss
eines Stützelementes zur Abstützung der Tübbingschale auf. Es liegt im Rahmen der
Erfindung, dass das Stützelement als lineares Stützelement ausgebildet ist. Es liegt
fernerhin im Rahmen der Erfindung, dass am anderen Ende des Stützelementes ein weiterer
Spezialtübbing vorgesehen ist, an dessen Anschlusselement das Stützelement angeschlossen
ist. Insoweit befindet sich an zwei gegenüberliegenden Stellen der Tunnelröhre jeweils
ein Spezialtübbing, wobei die beiden Spezialtübbings durch das Stützelement miteinander
verbunden werden. Vorzugsweise ist ein erfindungsgemäßer Spezialtübbing bzw. dessen
Anschlusselement so ausgebildet, dass ein daran angeschlossenes Stützelement in der
Tunnelröhre eine vertikale Orientierung oder eine im Wesentlichen vertikale Orientierung
annimmt. - Der Erfindung liegt die Erkenntnis zugrunde, dass mit den erfindungsgemäßen
Spezialtübbings und den daran angeschlossenen Anschlusselementen eine überraschend
effektive und funktionssichere Abstützung des Tübbingausbaus in dem Bereich der Tunnelröhre
gewährleistet ist, in dem seitlich ein Freiraum an die Tunnelröhre angeschlossen ist
oder angeschlossen wird. Bei dem Freiraum kann es sich um einen Freiraum für eine
Bahnhofsanlage bzw. für einen Bahnsteig oder für Betriebsräume, Weichen oder Abstellanlagen
sowie für Fluchtwege und Lüftungsanlagen handeln. Nach einer sehr bevorzugten Ausführungsform
der Erfindung wird der Freiraum für einen Mittelbahnsteig genutzt, wobei der Freiraum
hierzu zwischen zwei zueinander parallelen oder annähernd parallelen Tunnelröhren
ausgebildet wird. Für jede der beiden zueinander parallelen oder annähernd parallelen
Tunnelröhren ist ein Bereich vorgesehen, in dem ein seitlicher Anschluss zu dem Freiraum
erfolgt. In diesem Bereich weist jede Tunnelröhre jeweils erfindungsgemäße Spezialtübbings
mit daran angeschlossenen Stützelementen auf. Diese sehr bevorzugte Ausführungsform
wird weiter unten noch näher erläutert.
[0006] Nach einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ragt das Anschlusselement zylindermantelinnenseitig
aus dem Basiskörper des Spezialtübbings heraus. Das Anschlusselement bildet nach dieser
Ausführungsform also gleichsam einen in den Innenraum der Tunnelröhre vorkragenden
Anschlussstutzen. - Nach einer Ausführungsform der Erfindung beträgt der spitze Winkel
α zwischen der Längsachse eines an dem Anschlusselement anzuschließenden Stützelementes
und der durch den Schnittpunkt dieser Längsachse mit der Zylindermantelaußenseite
des Basiskörpers gelegte Tangente 40° bis 75°, vorzugsweise 45° bis 65°. Insoweit
liegt es auch im Rahmen der Erkenntnis, dass der spitze Winkel α zwischen der Längsachse
des Anschlusselementes und der durch den Schnittpunkt dieser Längsachse mit der Zylindermantelaußenseite
des Basiskörpers gelegte Tangente 40° bis 75°, vorzugsweise 45° bis 65° beträgt.
[0007] Nach sehr bevorzugter Ausführungsform der Erfindung ist ein Spezialtübbing als Stahltübbing
oder als Betontübbing ausgebildet. Es liegt im Rahmen der Erfindung, dass die übrigen
Tübbings des zugeordneten Tübbingringes als Stahlbetontübbings ausgebildet sind. Nach
einer Ausführungsform bestehen die an die Anschlusselemente der Spezialtübbings anzuschließenden
Stützelemente aus Stahl. Zweckmäßigerweise handelt es sich hierbei um Stahlstützen.
Nach einer anderen Ausführungsform bestehen die Stützelemente aus Beton.
[0008] Nach einer Ausführungsform der Erfindung ist ein Anschlusselement eines Spezialtübbings
zur Aufnahme eines Vorspannwerkzeuges vorgesehen. Es liegt im Rahmen der Erfindung,
dass das Vorspannwerkzeug zwischen dem Anschlusselement und dem daran angeschlossenen
Stützelement angeordnet ist. Zweckmäßigerweise ist ein Vorspannwerkzeug zwischen dem
Anschlusselement eines im unteren Bereich der Tunnelröhre eingebauten Spezialtübbings
und dem unteren Stützelementfuß des daran angeschlossenen Stützelementes vorgesehen.
Bei dem Vorspannwerkzeug handelt es sich vorzugsweise um eine oder mehrere hydraulische
Pressen. Mittels dieser Vorspannwerkzeuge können die jeweils zugeordneten Stützelemente
unter Vorspannung gesetzt werden. Das ist insbesondere hilfreich, wenn nach dem Vorspannen
der Anschluss der Tunnelröhre an einen seitlichen Freiraum hergestellt wird, indem
seitlich in den Tübbingringen eingebaute Temporärtübbings entfernt werden. Die Vorspannung
erleichtert diesen Rückbau der Temporärtübbings. Bei ggf. zunehmendem äußeren Druck
auf die Tübbingringe bzw. auf die Stützelemente können die Stützelemente durch Abbau
der Vorspannung mit Hilfe der Vorspannwerkzeuge außerdem effektiv entlastet werden.
Es liegt im Rahmen der Erfindung, dass nach dem Vorspannen der Stützelemente die betreffenden
Stützelementfüße kraftschlüssig verkeilt werden und die Vorspannwerkzeuge anschließend
ausgebaut werden können. Die eingerichtete Vorspannung dient auch zur Setzungsminimierung
bzw. zum Setzungsausgleich.
[0009] Gegenstand der Erfindung ist auch ein Tübbingring mit zumindest zwei erfindungsgemäßen
Spezialtübbings,
wobei ein Spezialtübbing in der oberen Ringhälfte des Tübbingringes und der zweite
Spezialtübbing in der unteren Ringhälfte des Tübbingringes vorgesehen ist,
wobei beide Spezialtübbings durch ein an ihren Anschlusselementen angeschlossenes
Stützelement miteinander verbunden sind
und wobei zwischen den beiden Spezialtübbings an zumindest einer Seite des Tübbingringes
zumindest ein Temporärtübbing vorgesehen ist, welcher Temporärtübbing nachträglich
entfernbar ist. - Die Entfernung der Temporärtübbings dient zur Herstellung der Verbindung
zwischen der Tunnelröhre und dem seitlichen Freiraum, der beispielsweise für einen
Bahnsteig vorgesehen ist.
[0010] Nach einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung beträgt die Ausdehnung des Ringabschnittes
zwischen den beiden Spezialtübbings, in welchem der zumindest eine Temporärtübbing
vorgesehen ist, bezogen auf den Umfang des Tübbingringes, weniger als die Hälfte,
vorzugsweise weniger als ein Drittel des Umfanges des Tübbingringes.
[0011] Gegenstand der Erfindung ist weiterhin ein Verfahren zum Ausbau zumindest einer Tunnelröhre
in den Bereichen, in denen die Tunnelröhre seitlich an einen Freiraum angeschlossen
werden soll. Im Rahmen dieses Verfahrens werden in Längsrichtung der Tunnelröhre Tübbingringe
hintereinander angeordnet und werden zumindest einige dieser Tübbingringe jeweils
mit zumindest zwei erfindungsgemäßen Spezialtübbings ausgerüstet, die jeweils ein
Anschlusselement aufweisen, an welches ein Stützelement angeschlossen wird. Ein solches
Stützelement verbindet zwei Spezialtübbings eines Tübbingringes miteinander. Es liegt
im Rahmen des erfindungsgemäßen Verfahrens, dass zwischen den Spezialtübbings und
an der Seite, an welche die Tunnelröhre an den Freiraum angeschlossen werden soll,
zumindest ein Temporärtübbing eingebaut wird, welcher Temporärtübbing nachträglich
zum Anschluss der Tunnelröhre an den Freiraum entfernt wird. Es liegt fernerhin im
Rahmen der Erfindung, dass in dem Bereich, in dem die Tunnelröhre an den Freiraum
angeschlossen werden soll, auch die ggf. vorgesehenen Tübbingringe, welche keine Spezialtübbings
mit angeschlossenem Anschlusselement aufweisen, mit Temporärtübbings ausgerüstet sind,
die für den Anschluss der Tunnelröhre an den Freiraum entfernt werden können. Diese
letztgenannten Tübbingringe können dann beispielsweise durch Einrichtung einer Längsvorspannung
und Verankerung bzw. Koppelung effektiv gehalten werden. Nach einer Ausführungsform
der Erfindung weist ein Spezialtübbing zumindest ein Anschlusselement auf, welches
zur Einrichtung einer Längsvorspannung zwischen in Längsrichtung der Tunnelröhre benachbarten
Spezialtübbingen vorgesehen ist. Bei den Anschlusselementen kann es sich insbesondere
um in den Spezialtübbingen vorgesehene Auskammerungen, Öffnungen bzw. Taschen handeln.
[0012] Der Freiraum kann als seitlicher Freiraum neben lediglich einer Tunnelröhre angeordnet
sein. Dann kann dieser seitliche Freiraum eine komplette seitliche Spritzbetonschale
zur Sicherung des Freiraumes aufweisen. Der Freiraum kann aber auch als mittlerer
Freiraum zwischen zwei benachbarten Tunnelröhren angeordnet sein. Nach einer Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Verfahrens wird der Freiraum neben der Tunnelröhre zunächst
mittels einer oberseitigen Spritzbetonschale gesichert. Es liegt auch im Rahmen der
Erfindung, dass der Freiraum mittels einer unterseitigen Spritzbetonschale gesichert
wird. Die genannte Sicherung mit den Spritzbetonschalen kann zusätzlich durch eine
entsprechende Bodenvereisung und/oder Hochdruckinjektionen unterstützt werden. Nach
einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung weist ein Spezialtübbing zumindest
eine Anschlusseinrichtung für den seitlichen Anschluss eines Sicherungstübbings auf,
welcher Sicherungstübbing der Sicherung eines Freiraumes neben der durch den Spezialtübbing
gesicherten Tunnelröhre dient. Die Anschlusseinrichtung des Spezialtübbings kann beispielsweise
als seitliche Auskammerung, Öffnung bzw. Tasche ausgebildet sein. Die Sicherungstübbings
schließen also an die Spezialtübbings an steifen diese gleichsam aus. Wenn ein Sicherungstübbing
zur Sicherung eines mittleren Freiraumes zwischen zwei Tunnelröhren eingesetzt wird,
kann dieser mittlere Sicherungstübbing durch Spreizung verspannt werden.
[0013] Vorzugsweise wird nach Herstellung der Verbindung zwischen der Tunnelröhre und dem
Freiraum die Decke des Freiraumes mit einem tragfähigen Deckengewölbe versehen und
zweckmäßigerweise wird der Boden des Freiraumes mit einem tragfähigen Sohlgewölbe
versehen. Deckengewölbe und/oder Sohlgewölbe bestehen bevorzugt aus Beton. Es liegt
im Rahmen der Erfindung, dass nach der Herstellung der Verbindung zwischen einer Tunnelröhre
und dem Freiraum und bevorzugt nach Absicherung des Freiraumes durch eine Deckengewölbe
und/oder durch ein Sohlgewölbe zumindest ein Teil der Stützelemente wieder entfernt
wird. Diesen Stützelementen kommt somit lediglich die Funktion von Temporärstützelementen
zu. Es liegt weiterhin im Rahmen der Erfindung, dass die restlichen verbleibenden
Stützen zu endgültigen Stützen ausgebaut werden. Vorzugsweise werden die restlichen
verbleibenden Stützen einbetoniert und bevorzugt werden auf diese Weise Stahlbetonstützelemente
bzw. Stahlbetonstützen oder Verbundstützen erhalten. Es liegt auch im Rahmen der Erfindung,
dass die in einer Tunnelröhre vorgesehenen Stützelemente in eine durchgehende Wand,
insbesondere in eine durchgehende Betonwand integriert werden. Grundsätzlich können
auch alle Stützelemente als Temporärstützen ausgebaut werden und es können komplett
neue Stahlstützen, Stahlbetonstützen oder Verbundstützen eingebaut werden. Dabei können
einerseits die neuen Stützen in der Reihe der bisher eingebauten Temporärstützen eingesetzt
werden, so dass sich bei zwei Tunnelröhren und einem dazwischen befindlichen mittleren
Freiraum zwei Reihen von neuen Stützen ergeben oder es wird lediglich eine Reihe von
neuen Stützen in der Mitte des mittleren Freiraums vorgesehen. - Nach einer bevorzugten
Ausführungsform der Erfindung weist ein Spezialtübbing zumindest ein Verbundelement
zur Herstellung eines Verbundes mit einer Betonummantelung oder Betonschale auf. Bei
den Verbundelementen handelt es sich insbesondere um Bewehrungssanschlüsse, Verzahnungen,
Öffnungen, Taschen und dergleichen. Aufgrund dieser erfindungsgemäßen Ausbildung können
die Spezialtübbinge gleichsam als mittragende Elemente in das Sohl- und Deckengewölbe
eines Freiraumes integriert werden.
[0014] Die Erfindung zeichnet sich durch den beachtlichen Vorteil aus, dass mit den erfindungsgemäßen
Spezialtübbings bzw. mit einem Tübbingring, der die erfindungsgemäßen Spezialtübbings
aufweist, auf sehr einfache und wenig aufwendige Weise eine sehr effektive Absicherung
bzw. Abstützung der Tunnelröhre bzw. der Tübbingschale in den Bereichen möglich ist,
in denen eine Tunnelröhre seitlich an einen Freiraum angeschlossen werden soll. In
diesem Bereich können die Verformungen der Tübbingschale auf ein Minimum reduziert
werden. Es wird eine wirksame Bodenstabilisierung erreicht. Problemlos können auch
längere Strecken der Tunnelröhre an einen Freiraum angeschlossen werden. Hervorzuheben
ist, dass das Bauverfahren für eine solche Tunnelröhre und den daran anzuschließenden
Freiraum zügig durchgeführt werden kann und die Bauabläufe gegenüber den eingangs
genannten, aus der Praxis bekannten Maßnahmen beachtlich beschleunigt werden können.
[0015] Nachfolgend wird die Erfindung anhand einer lediglich ein Ausführungsbeispiel darstellenden
Zeichnung näher erläutert. Es zeigen in schematischer Darstellung:
- Fig. 1
- einen perspektivischen Ausschnitt zweier Tunnelröhren mit den erfindungsgemäßen Spezialtübbings
und einem mittig aufgefahrenen Freiraum,
- Fig. 2
- einen Querschnitt durch den Gegenstand nach Fig. 1,
- Fig. 3
- einen Längsschnitt A-A durch den Gegenstand nach Fig. 4, und
- Fig. 4
- den Gegenstand nach Fig. 2 im fertiggestellten Zustand.
[0016] In den Figuren sind die erfindungsgemäßen Spezialtübbings 1 für Tübbingringe 2 zum
unterirdischen Tunnelausbau erkennbar. Ein Spezialtübbing 1 weist einen zylindermantelabschnittförmigen
Basiskörper 3 zur Einpassung in einen Tübbingring 2 auf. Die Spezialtübbings 1 weisen
außerdem zylindermantelinnenseitig jeweils ein Anschlusselement 4 für den Anschluss
eines tunnelinnenseitig anzuordnenden Stützelementes 5 zur Abstützung der Tübbingschale
6 auf. Vorzugsweise und im Ausführungsbeispiel ragt das Anschlusselement 4 tunnelinnenseitig
aus dem Basiskörper 3 heraus. Das Stützelement 5 ist nach bevorzugter Ausführungsform
und im Ausführungsbeispiel als lineares Stützelement ausgebildet.
[0017] Im Ausführungsbeispiel nach den Figuren sind zwei parallele bzw. annähernd parallele
Tunnelröhren 8, 9 vorzugsweise mit einer nicht dargestellten Schildvortriebsmaschine
hergestellt worden. Insbesondere in den Fig. 1 und 2 ist erkennbar, dass zwischen
den beiden Tunnelröhren 8, 9 ein mittlerer Freiraum 10 geschaffen wurde, der für einen
Mittelbahnsteig 11 (Fig. 4) vorgesehen ist. Den Fig. 1 und 2 ist fernerhin entnehmbar,
dass der mittlere Freiraum 10 durch eine obere Sicherungsschale 12, die zweckmäßigerweise
aus Spritzbeton besteht, sowie durch eine untere Sicherungsschale 13, die vorzugsweise
ebenfalls aus Spritzbeton besteht, umgeben bzw. abgesichert wird. Fernerhin ist zunächst
eine temporäre Zwischenschale 14 zwischen den beiden Tunnelröhren 8, 9 vorgesehen,
die bevorzugt ebenfalls aus Spritzbeton besteht. Der mittlere Freiraum 10 wird in
hier nicht näher beschriebener Weise mit Hilfe von entsprechenden Teilschnittmaschinen
oder Baggern hergestellt, die den mittleren Freiraum 10 parallel zu den beiden Tunnelröhren
8, 9 auffahren. Eventuell erforderliche Zusatzmaßnahmen zur Bodenstabilisierung oder
Wasserhaltung sind nicht dargestellt.
[0018] Wie vor allem in der Fig. 1 erkennbar ist, besteht der Tunnelausbau jeder Tunnelröhre
8, 9 aus in Längsrichtung der Tunnelröhre 8, 9 hintereinander gesetzten Tübbingringen
2, die jeweils aus einer Mehrzahl über den Umfang des Tübbingringes 2 verteilten Tübbings
15 bestehen. Nach sehr bevorzugter Ausführungsform und im Ausführungsbeispiel weist
jeder der Tübbingringe 2, die an den mittleren Freiraum 10 angrenzen, jeweils zwei
Spezialtübbings 1 auf, die an gegenüberliegenden Stellen des Tübbingringes 2 angeordnet
sind und jeweils durch mindestens ein Stützelement 5 verbunden sind. Es liegt im Rahmen
der Erfindung, dass die Spezialtübbings 1 so ausgerüstet sind und so angeordnet werden,
dass das Stützelement 5 vertikal ausgerichtet ist. Vorzugsweise und im Ausführungsbeispiel
entspricht die Ausdehnung des Ringabschnittes 16, der zwischen den beiden Spezialtübbings
1 angeordnet ist und dem mittleren Freiraum 10 zugewandt ist, weniger als die Hälfte,
vorzugsweise und im Ausführungsbeispiel weniger als ein Drittel des Umfanges des Tübbingringes
2.
[0019] In der Fig. 2 ist der spitze Winkel α erkennbar, der von der Längsachse L eines an
dem Anschlusselement 4 angeschlossenen Stützelementes 5 und der Tangente T gebildet
wird, welche Tangente T durch den Schnittpunkt S dieser Längsachse L mit der Zylindermantelaußenseite
des Basiskörpers 3 gelegt ist. Im Ausführungsbeispiel weist die zugeordnete Tunnelröhre
8 einen kreisrunden Querschnitt und somit eine Zylinderform auf. Die Tangente T entspricht
hier somit einer üblichen Kreistangente. Der genannte Winkel α beträgt vorzugsweise
40 bis 75°, bevorzugt 45 bis 65°.
[0020] Vorzugsweise und im Ausführungsbeispiel weist jeder Tübbingring 2 der Tunnelröhren
8 und 9 zwischen den beiden Spezialtübbings 1 und zum mittleren Freiraum 10 hin jeweils
einen Temporärtübbing 17 auf. Zur Herstellung der Verbindung zwischen der jeweiligen
Tunnelröhre 8, 9 und dem mittleren Freiraum 10 werden die Temporärtübbings 17 nachträglich
entfernt. Dies ist möglich, weil eine effektive Absicherung und Abstützung mittels
der Spezialtübbings 1 und der daran angeschlossenen Stützelemente 5 gewährleistet
wird.
[0021] In Fig. 2 ist erkennbar, dass ein Spezialtübbing 1 zweckmäßigerweise und im Ausführungsbeispiel
Anschlusselemente 26 aufweist, die zur Einrichtung einer Längsvorspannung zwischen
den in Längsrichtung der Tunnelröhre 9 benachbarten Spezialtübbingen 1 dient. Die
Anschlusselemente 26 mögen im Ausführungsbeispiel nach Fig. 2 als Öffnungen und Taschen
in dem Spezialtübbing 1 ausgebildet sein. Fernerhin ist in der Fig. 2 erkennbar, dass
ein Spezialtübbing vorzugsweise eine Anschlusseinrichtung 27 aufweist, die im Ausführungsbeispiel
als Anschlusstasche ausgebildet ist und zur Aufnahme von Sicherungstübbings dient,
die die obere Sicherungsschale 12 des mittleren Freiraumes 10 bilden können. In der
Fig. 2 ist weiterhin erkennbar, dass die Temporärtübbings 17 Auflagertaschen 18 zur
Aufnahme der Zwischenschale 14 des mittleren Freiraumes 10 aufweisen.
[0022] Nach sehr bevorzugter Ausführungsform der Erfindung ist zwischen einem Spezialtübbing
1 und einem Stützelement 5 ein Vorspannwerkzeug 7 vorgesehen. Vorzugsweise und im
Ausführungsbeispiel ist ein Vorspannwerkzeug 7 jeweils zwischen dem unteren Stützelementfuß
20 eines Stützelementes 5 und dem unteren Spezialtübbing 1 bzw. dem Anschlusselement
4 des unteren Spezialtübbings 1 angeordnet. Zweckmäßigerweise handelt es sich bei
dem Vorspannwerkzeug 7 um eine hydraulische Presse. Mit dem Vorspannwerkzeug 7 können
die Stützelemente 5 in ihrer Längsrichtung vorgespannt werden. Eine Vorspannung mit
Hilfe der Vorspannwerkzeuge. 7 ist insbesondere vor dem Rückbau der Temporärtübbings
17 hilfreich. Es liegt im Rahmen der Erfindung, dass nach dem Vorspannen mit Hilfe
eines Vorspannwerkzeuges 7 das zugeordnete Stützelement 5 bzw. der entsprechende untere
Stützelementfuß 20 kraftschlüssig verkeilt wird und das Vorspannwerkzeug 7 danach
ausgebaut wird.
[0023] Nach dem Rückbau der Temporärtübbings 17 wird vorzugsweise im Verbindungsbereich
zwischen den beiden Tunnelröhren 8, 9 sowohl ein tragfähiges Deckengewölbe 21 als
auch ein tragfähiges Sohlgewölbe 22 hergestellt. Deckengewölbe und Sohlgewölbe bestehen
zweckmäßigerweise aus Beton. Nach sehr bevorzugter Ausführungsform der Erfindung werden
dabei die oberen Spezialtübbings 1 der Tunnelröhren 8, 9 in das Deckengewölbe einbetoniert
und/oder werden die unteren Spezialtübbings 1 der Tunnelröhren 8, 9 in das Sohlgewölbe
22 einbetoniert. In der Fig. 4 ist erkennbar, dass die Spezialtübbinge 1 Verbundelemente
28 aufweisen können, die für einen effektiven Verbund des Spezialtübbings 1 mit der
Betonummantelung vorgesehen sind. Bei diesen Verbundelementen 28 handelt es sich im
Ausführungsbeispiel um Öffnungen bzw. Taschen. Es kann sich auch um Bewegungselemente
handeln, die auch aus dem Spezialtübbing 1 ausklappbar sein können. In der Fig. 4
ist weiterhin erkennbar, dass die genannten Taschen auch zur Aufnahme von Querspanngliedern
29 einsetzbar sind, die zweckmäßigerweise und Vorspannung stehen. Diese Querspannglieder
29 wurden in Fig. 4 gestrichelt angedeutet.
[0024] Es liegt im Rahmen der Erfindung, dass nach Herstellung der Verbindung zwischen einer
Tunnelröhre 8, 9 und einem Freiraum 10 ein Teil der Stützelemente 5 wieder entfernt
wird. Die restlichen Stützelemente 5 verbleiben als dauerhafte Stützen in dem Verbindungsbereich
zwischen Tunnelröhre 8, 9 und Freiraum 10 und werden bevorzugt einbetoniert. In der
Fig. 3 sind die letztlich als ständige Stützen verbleibenden Stützelemente 5a breiter
dargestellt, wobei die Breite dieser Stützelemente 5a andeutet, dass diese Stützelemente
5a nach bevorzugter Ausführungsform einbetoniert wurden. Die schmaleren Stützelemente
5b werden zweckmäßigerweise nach Fertigstellung des Deckengewölbes 21 und/oder des
Sohlgewölbes 22 wieder entfernt. Hierbei handelt es sich also gleichsam nur um temporäre
Hilfsstützen. In dem Deckengewölbe 21 und/oder in dem Sohlgewölbe 22 können entsprechende
nicht dargestellte Aussparungen belassen werden, so dass die Stützelemente 5b einfacher
entfernbar und gegebenenfalls in einem anderen Streckenabschnitt wieder einsetzbar
sind.
1. Spezialtübbing (1) für einen Tübbingring (2) zum unterirdischen Tunnelausbau,
wobei der Spezialtübbing (1) einen zylindermantelabschnittförmigen Basiskörper (3)
zur Einpassung in einen Tübbingring (2) aufweist
und wobei zylindermantelinnenseitig ein Anschlusselement (4) für den Anschluss zumindest
eines tunnelinnenseitig anzuordnenden Stützelementes (5) zur Abstützung der Tübbingschale
(6) vorgesehen ist.
2. Spezialtübbing nach Anspruch 1, wobei das Anschlusselement (4) zylindermantelinnenseitig
aus dem Basiskörper (3) herausragt.
3. Spezialtübbing nach einem der Ansprüche 1 oder 2, wobei der spitze Winkel α zwischen
der Längsachse L eines an dem Anschlusselement (4) anzuschließenden Stützelementes
(5) und der durch den Schnittpunkt S dieser Längsachse L mit der Zylindermantelaußenseite
des Basiskörpers (3) gelegte Tangente T 50° bis 75°, vorzugsweise 45° bis 65° beträgt.
4. Spezialtübbing nach einem der Ansprüche 1 bis 3, wobei der Spezialtübbing (1) als
Stahltübbing oder als Betontübbing ausgebildet ist.
5. Spezialtübbing nach einem der Ansprüche 1 bis 4, wobei das Anschlusselement (4) zur
Aufnahme eines Vorspannwerkzeuges (7) vorgesehen ist.
6. Spezialtübbing nach einem der Ansprüche 1 bis 5, wobei zumindest ein Anschlusselement
(26) zur Einrichtung einer Längsvorspannung zwischen in Längsrichtung der Tunnelröhre
(8) benachbarten Spezialtübbings (1) vorgesehen ist.
7. Spezialtübbing nach einem der Ansprüche 1 bis 6, wobei zumindest eine Anschlusseinrichtung
(27) für den seitlichen Anschluss eines Sicherungstübbings zur Sicherung eines Freiraumes
(10) neben der durch den Spezialtübbing (1) gesicherten Tunnelröhre (8) vorgesehen
ist.
8. Spezialtübbing nach einem der Ansprüche 1 bis 7, wobei zumindest ein Verbundelement
(28) zur Herstellung eines Verbundes mit einer Betonummantelung oder Betonschale vorgesehen
ist.
9. Tübbingring mit zumindest zwei Spezialtübbings (1) nach einem der Ansprüche 1 bis
8,
wobei ein Spezialtübbing (1) in der oberen Ringhälfte des Tübbingringes (2) und der
zweite Spezialtübbing (1) in der unteren Ringhälfte des Tübbingringes (2) vorgesehen
ist,
wobei beide Spezialtübbings (1) durch ein an ihren Anschlusselementen (4) angeschlossenes
Stützelement (5) miteinander verbunden sind
und wobei zwischen den beiden Spezialtübbings (1) an zumindest einer Seite des Tübbingringes
(2) zumindest ein Temporärtübbing (17) vorgesehen ist, welcher nachträglich entfernbar
ist.
10. Tübbingring nach Anspruch 9, wobei die Ausdehnung des Ringabschnittes (16), zwischen
den beiden Spezialtübbings (1) in welchem Ringabschnitt (16) der Temporärtübbing (17)
vorgesehen ist, bezogen auf den Umfang des Tübbingringes (2), weniger als die Hälfte,
vorzugsweise weniger als ein Drittel des Umfanges des Tübbingringes (2) beträgt.