[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Raumüberwachung insbesondere
des Bodenraums auf Flughäfen. Die Luft- und Bodenraumüberwachung wird im Rahmen der
Flugsicherung durchgeführt und dient dazu, den Luftverkehr reibungslos, schnell und
sicher zu gestalten.
[0002] Zu den Aufgaben der Flugsicherung gehört neben der schnellen und flüssigen Abwicklung
des Luftverkehrs die Vermeidung von Zusammenstößen zwischen Fahrzeugen in der Luft
und auf den Start- und Landebahnen, dem Rollfeld und den Parkbereichen der kontrollierten
Flughäfen.
[0003] Die Kapazität des Flugverkehrs wird im wesentlichen durch zwei Engpässe beschränkt.
So ist zum einen aufgrund eingeschränkter Luftwege und -korridore der nutzbare Luftraum
stark eingeengt. Zum anderen ist häufig der Verkehrsdurchsatz am Boden stark begrenzt,
da es an preisgünstigen und intelligenten Bodenraumüberwachungssystemen fehlt und
da neben Flugzeugen auch eine Vielzahl von Servicefahrzeugen am Bodenverkehr teilnimmt.
[0004] Die bekannten Bodenraumüberwachungssysteme sind sehr teuer, da sie eine Vielzahl
von Sensoren, wie z.B. Flughafenradar, sekundäres Radar und GPS benötigen.
[0005] Demzufolge ist nur ein kleiner Teil der nationalen und internationalen Flughäfen
mit einem Bodenraumüberwachungssystem ausgerüstet. Doch selbst wenn ein bekanntes
Bodenraumüberwachungssystem vorhanden ist, so ist die Überwachung dennoch häufig unvollständig,
da im allgemeinen nicht alle Bereiche des Flugfeldes beobachtet werden können.
[0006] Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Verfügung
zu stellen, das eine preisgünstige und effektive Raumüberwachung, insbesondere des
Luft- und Bodenraums von Flughäfen, erlaubt.
[0007] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch ein Verfahren gelöst, das die Schritte aufweist:
- Überwachung mindestens eines Verkehrsortes mit mindestens einem Videosensor,
- Einlesen der Bilddaten mindestens einer Momentaufnahme des zumindest einen Videosensors
in eine Speichereinheit,
- Erkennen von Ereignissen,
- Berechnung von Zustandsvektoren der Ereignisse aus den Bilddaten und
- Zuordnen der Zustandsvektoren jeweils zu einem Objekt.
[0008] Unter einem Raumgebiet bzw. Verkehrsort kann man z.B. jeden beliebigen Ort auf dem
Flugfeld verstehen. Dies kann beispielsweise die Start- oder Landebahn oder aber eine
beliebige Zufahrtsstraße auf dem Vorfeld oder auch eine Gateausfahrt sein. Auch wenn
das erfindungsgemäße Verfahren bereits mit Vorteil eingesetzt werden kann, wenn lediglich
ein Verkehrsort mit mindestens einem Videosensor überwacht wird, so werden doch vorzugsweise
eine ganze Reihe von Verkehrsorten bzw. Verkehrsknotenpunkten jeweils mit mindestens
einem Videosensor überwacht.
[0009] Der Videosensor kann im Prinzip jeder beliebige auf Licht reagierende Sensor sein.
Besonders bevorzugt kommen jedoch digitale Videokameras zum Einsätz, da sie Bilddaten
liefern, die besonders leicht weiterverarbeitet werden können. Diese Bilddaten können
beispielsweise im Bitmapformat vorliegen, bei dem jedes Pixel einzeln in die Datei
eingetragen ist. Mit Vorteil können aber auch andere weniger speicherintensive Datenformate
verwendet werden. Der Videosensor liefert eine Momentaufnahme seines Sichtfeldes in
Form einer Bilddatendatei, die in geeigneter Weise in einer Speichereinheit eingelesen
wird. Diese Bilddaten werden ausgewertet, um ein oder mehrere Ereignisse zu erkennen,
sofern solche vorliegen. Unter einem Ereignis werden alle Unregelmäßigkeiten im Sichtfeld
des Videosensors verstanden, insbesondere Bewegungen von Objekten im Gesichtsfeld
der Kamera oder aber auch ein Vordergrundobjekt vor einem bestimmten und gespeicherten
festen Untergrund. Befindet sich z.B. auf dem Rollfeld ein Flugzeug, das beispielsweise
gerade über einen sogenannten Stopbar rollt, so ist dies ein Ereignis. Werden beispielsweise
Bilddaten zweier zeitlich beabstandeter Momentaufnahmen desselben Verkehrsortes verglichen,
so stellt eine Gruppe von Pixeln, deren Farbe einen hohen Kontrast zu den umgebenden
Pixelgruppen aufweist und die auf den beiden Momentaufnahmen eine andere Position
einnimmt, ein Ereignis dar. Im nächsten Schritt wird für jedes bekannte Ereignis aus
den Bilddaten ein Zustandsvektor errechnet. Dieser Zustandsvektor kann im Prinzip
beliebig definiert sein, z.B. als Differenz zweier vektoriell dargestellter Sätze
von Bildpixeln bzw. -daten. Eine Möglichkeit besteht auch darin, daß er die Position
des beobachteten Ereignisses darstellt.
[0010] Erkennen eines Ereignisses setzt insoweit auch die Definition dessen, was ein Ereignis
ist, voraus, wobei die vorstehenden Erläuterungen ein Beispiel für eine solche Definition
liefem.
[0011] Schließlich wird jedem Zustandsvektor jeweils ein Objekt zugeordnet. Unter einem
Objekt wird jeder reale Gegenstand verstanden, der sich auf dem Flughafenfeld befindet
bzw. bewegt.
[0012] Selbstverständlich ist es möglich, das Erkennen von Ereignissen auf Ereignisse zu
beschränken, die eine Mindestgröße haben. Dadurch kann verhindert werden, daß beispielsweise
einem zufällig durch das Sichtfeld des Videosensors fliegenden Vogel ein Objekt zugeordnet
wird.
[0013] Durch das beschriebene Verfahren kann einer oder können mehrere Verkehrsorte effizient
überwacht werden. Die Objektdaten können entweder direkt an das Flugsicherungspersonal
oder an eine geeignete Verarbeitungseinrichtung weitergegeben werden. Das Flugsicherungspersonal
ist dadurch jederzeit darüber informiert, ob sich ein Flugzeug an einem der beobachteten
Verkehrsorte befindet bzw. wo sich die Flugzeuge befinden.
[0014] Besonders bevorzugt ist ein Verfahren, bei dem Bilddaten mindestens zweier zeitlich
beabstandeter Momentaufnahmen mindestens eines Videosensors eingelesen werden. Dadurch,
daß zwei zeitlich versetzte Momentaufnahmen desselben Videosensors und damit desselben
Verkehrsortes eingelesen werden, ist es möglich, aufgrund der Veränderung der Position
der Pixelgruppe, die das Ereignis darstellt, eine Geschwindigkeitskomponente des Objekts
zu berechnen. Bei geeigneter Aufstellung des Videosensors und entsprechender Streckenführung
des Flugzeuges entspricht die Geschwindigkeitskomponente der absoluten Geschwindigkeit.
Bei nicht geradliniger Streckenführung kann es von Vorteil sein, wenn mindestens ein
Verkehrsort mit mehreren, vorzugsweise mindestens drei, Videosensoren überwacht wird.
In diesem Fall kann für jeden Videosensor die relative Geschwindigkeitskomponente
des Objekts getrennt berechnet werden. Bei Kenntnis der Standorte der Videosensoren
kann daraus die absolute Geschwindigkeit sowie die Bewegungsrichtung des Objekts ermittelt
werden. Eine besonders bevorzugte Ausführungsform des vorliegenden Verfahrens sieht
daher vor, daß der Zustandsvektor auch die Geschwindigkeit und/oder die Bewegungsrichtung
des Objektes repräsentiert.
[0015] Dadurch ist es beispielsweise auch möglich, die Bewegung bzw. die Position des Objektes
vorauszuberechnen. Vorausgesetzt, daß sich die Geschwindigkeit des Objekts nicht wesentlich
ändert, kann die Position des Objekts für die Zukunft berechnet werden, ohne daß weitere
Bilddaten von Videosensoren notwendig sind. Dies ermöglicht es, daß nicht der komplette
Rollfeldbereich überwacht werden muß. Es ist vielmehr möglich, zwischen zwei überwachten
Verkehrsorten aus den Zustandsvektoren die voraussichtliche Position des Objektes
zu berechnen. Dadurch stehen dem Flugsicherungspersonal bzw. der weiterverarbeitenden
Einheit zu jedem Zeitpunkt die berechneten aktuellen Positionen der Luftfahrzeuge
auf dem Boden des Flugfeldes zur Verfügung, ohne daß alle Bereiche des Flugfeldes
von Videosensoren überwacht werden.
[0016] Eine weitere besonders bevorzugte Variante des erfindungsgemäßen Verfahrens sieht
vor, daß der Zustandsvektor die Beschleunigung eines Objekts darstellt. Zur Berechnung
der Beschleunigung sind mindestens drei Momentaufnahmen eines Videosensors notwendig.
Aus diesen drei Momentaufnahmen kann die Beschleunigung des Objekts berechnet werden.
Die Genauigkeit der Positionsvorhersage des Verfahrens wird dadurch erheblich verbessert.
Dies ist insbesondere in Bereichen, in denen sich die Geschwindigkeit der Luftfahrzeuge
stark ändert; z.B. aufgrund eines Abbremsvorgangs, von großem Vorteil. Kann nämlich
aus dem Zustandsvektor auch die Beschleunigung des Objekts entnommen werden, so kann
diese bei der zeitlichen Extrapolation der Position des Objekts berücksichtigt werden.
[0017] Für manche Anwendungsfälle kann es von Vorteil sein, wenn dem Zustandsvektor Werte
zugeordnet werden, die ein Maß für die statistischen Wahrscheinlichkeiten der Objektparameter
sind. Diese Wert können auch in den Zustandsvektor integriert werden. Durch diese
Maßnahme kann die Fehlerrate in der Ereigniserkennung deutlich minimiert werden. So
ist es beispielsweise möglich, daß die Bilddaten des Videosensors aufgrund äußerer
Einwirkungen, z.B. starker Niederschlag oder Vogelflug, nicht das zu beobachtende
Objekt zeigen. Dann kann es passieren, daß entweder ein Objekt erkannt wird, was sich
in Wahrheit gar nicht am Verkehrsort befindet oder daß ein am Verkehrsort befindliches
Flugzeug nicht erkannt wird. Daher wird einem Zustandsvektor eines Objektes, das auf
vielen hintereinander aufgenommenen Momentaufnahmen und von verschiedenen Videosensoren
erkannt wurde, eine hohe statistische Wahrscheinlichkeit zugeordnet, während einem
Zustandsvektor eines Objekts, welches lediglich in einer Momentaufnahme erkannt wurde,
eine sehr geringe statistische Wahrscheinlichkeit zugeordnet wird. Die statistische
Wahrscheinlichkeit ist daher ein Maß für die Qualität bzw. die Güte (d.h. die Genauigkeit
und Zuverlässigkeit) des erkannten Ereignisses. Es ist dann beispielsweise möglich,
einen Grenzwert zu definieren und alle Zustandsvektoren, deren Wert für die statistische
Wahrscheinlichkeit diesen Grenzwert unterschreitet, nicht zu beachten.
[0018] Eine besonders bevorzugte Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens sieht
vor, daß die Zuordnung des Zustandsvektors zu einem Objekt unter Zugriff auf Verkehrslagedaten
erfolgt, die nicht durch die Videosensoren gewonnen wurden. Diese Verkehrslagedaten
können auf vielfältige Art und Weise erhalten werden. So ist es beispielsweise möglich,
daß das Flugsicherungspersonal an einem geeigneten Terminal die einzelnen Zustandsvektoren
den eintreffenden Flugzeugen zuordnet. In diesem Fall enthält der Zustandsvektor auch
eine Objektidentifikationsnummer bzw. einen Objektnamen. Es ist dadurch möglich, mit
Hilfe des Verfahrens nicht nur zu überwachen, wo sich ein Flugzeug befindet, sondern
sogar zu überwachen, wo sich welches Flugzeug befindet.
[0019] Eine weitere Möglichkeit sieht vor, daß die Verkehrslagedaten aus dem aktuellen Flugplan
und/oder dem Belegungsplan der Parkpositionen entnommen werden. So könnte beispielsweise
das bestehende Flugsicherungssystem mit einem System, das das erfindungsgemäße Verfahren
verwirklicht, gekoppelt werden, so daß das Bodenraumüberwachungssystem, immer wenn
ein Flugzeug auf der Landebahn landet, auf die Flugplandaten des bestehenden Flugsicherungssystems
zugreift und das Flugzeug identifiziert. Diese Identifizierung wird dann während der
weiteren Bodenraumüberwachung beibehalten. Ganz analog kann ein Objekt, das sich von
einer Parkposition wegbewegt mit Hilfe des Belegungsplan der Parkpositionen identifiziert
werden.
[0020] Anstelle von oder in Kombination mit den Flugplandaten können auch Radardaten verwendet
werden. Alternativ dazu sind selbstverständlich auch alle anderen Positionssensoren
verwendbar, die zusätzliche Verkehrslagedaten liefern. Hier kommen beispielsweise
Mode-S-Radarsensoren, Near Range Radar Networks oder auch GPS-Empfänger und -Server
in Frage.
[0021] Eine besonders zweckmäßige Ausführungsform sieht vor, daß die Bilddaten digital gefiltert
werden, wobei vorzugsweise die diskrete Kalman-Filterung verwendet wird. Alternativ
oder in Kombination dazu kann auch zumindest ein Teil der Verkehrslagedaten digital
gefiltert werden, wobei auch hier vorzugsweise die diskrete Kalman-Filterung verwendet
wird. Durch die Kalman-Filterung wird eine Schätzung und Glättung der Meßwerte in
Echtzeit erreicht. Alternativ dazu können auch andere geeignete Schätzverfahren, wie
z.B. die MLS-Filterung (
minimum
least
square), verwendet werden. Dadurch kann die Qualität des erfindungsgemäßen Verfahrens
deutlich erhöht werden. Wie bereits erwähnt, ist es besonders bevorzugt, wenn die
Zustandsvektoren zeitabhängig weiterberechnet werden. So kann durch dieses Verfahren
auch bei kurzfristigem Ausfall der Videosensoren die Position der einzelnen Objekte
mit großer Wahrscheinlichkeit vorhergesagt werden.
[0022] Dabei werden vorzugsweise die Zustandsvektoren desselben Objekts, die von unterschiedlichen
Sensoren ermittelt wurden, zusammengefaßt. Gleiches gilt für die von den Sensoren
erhaltenen Zustandsvektoren und die Zustandsvektoren aus den anderen Verkehrslagedaten.
Dadurch wird die Bodenraumüberwachung übersichtlicher, da weniger Zustandsvektoren
verfolgt werden müssen.
[0023] Nicht immer ist es möglich, die Zustandsvektoren zusammenzufassen. Insbesondere dann,
wenn unterschiedliche Systeme zur Erfassung von Verkehrslagedaten verwendet werden,
kann eine Zusammenfassung schwierig oder sogar unmöglich werden. In diesem Fall ist
es vorteilhaft, wenn die Zustandsvektoren desselben Objekts miteinander korreliert
werden. Liefert beispielsweise das Radarsystem mit großen Zeitintervallen zuverlässige
Positionsdaten eines bestimmten Objektes, so kann der Zustandsvektor dieses Objekts
mit den Radardaten korreliert werden. Mit anderen Worten wird immer dann, wenn die
zuverlässigen Radardaten vorliegen, der aus den Videosensoren ermittelte und gegebenenfalls
zeitlich extrapolierte Zustandsvektor dieses Objekts angepaßt. Diese Korrelation erlaubt
eine Korrektur der Zustandsvektoren auch dann, wenn das Objekt sich nicht an einem
von Videosensoren überwachten Verkehrsort aufhält.
[0024] Besonders bevorzugt ist ein Verfahren, bei dem sich an die Zuordnung der Zustandsvektoren
zu Objekten der Schritt anschließt:
[0025] Erzeugung einer Verkehrslagedarstellung.
[0026] Diese Verkehrslagedarstellung kann in jedem beliebigen Koordinatensystem erfolgen.
Die Zustandsvektoren der erkannten Objekte werden in Positionen in der Verkehrslagedarstellung
umgerechnet und an diesen Positionen in die Verkehrslagedarstellung eingetragen. Selbstverständlich
ist es möglich, die Verkehrslagedarstellung zu visualisieren, so daß das Flugsicherungspersonal
auf einen Blick erkennen kann, an welchen Positionen sich die einzelnen Flugzeuge
befinden und ob an irgendeiner Stelle eine Kollision droht.
[0027] Eine solche visuelle Darstellung ist jedoch nicht unbedingt notwendig. So ist es
in einer besonders bevorzugten Variante des Verfahrens vorgesehen, daß die Zustandsvektoren
im Hinblick auf mögliche Kollisionen ausgewertet werden. Hier werden die Zustandsvektoren
nicht nur zur Erzeugung einer Verkehrslagedarstellung in Echtzeit weitergerechnet,
sondern es erfolgt eine Extrapolation der Zustandsvektoren in die Zukunft, um mögliche
Kollisionen vorhersehen zu können. Besonders bevorzugt sieht das Verfahren daher vor,
daß in Abhängigkeit von der Kollisionsauswertung ein Alarmsignal aktiviert wird. Dieses
Alarmsignal kann beispielsweise ein optisches oder akustisches Signal für das Flugsicherungspersonal
sein.
[0028] Weitere Vorteile, Merkmale und Anwendungsmöglichkeiten des vorliegenden Verfahrens
werden deutlich anhand der folgenden Beschreibung eines bevorzugten Verfahrens sowie
der dazugehörigen Figur. Es zeigt:
- Figur 1
- einen schematischen Aufbau eines Bodenraumüberwachungssystems.
[0029] Die einzige Figur zeigt den prinzipiellen Aufbau eines Bodenraumüberwachungssystems.
Die einzelnen Komponenten des Systems sind miteinander über ein Kommunikationsnetzwerk
9 (z.B. TCP/IP-LAN Netzwerk) miteinander verbunden. Oberhalb der Linie 9 sind in Figur
1 die einzelnen Clients 10, 11 und 12 dargestellt, während unterhalb der Linie 9 die
drei Server 2, 3 und 5 abgebildet sind. Der Server 2 ist für die Zusammenführung der
Videosensorarten zuständig. Die einzelnen Videosensoren 7, die die Objekte 8 erkennen,
werden über die Ansteuer- und Ausleseeinheit 1 mit dem Server 2 verbunden. Der Server
2 sammelt die Sensordaten, filtert diese mit zeitvarianter diskreter Kalman-Filterung
und bildet die Zustandsvektoren der Objekte 8. Die Zustandsvektoren werden an den
Radarserver 3 zur weiteren Verarbeitung weitergegeben. Der Radarserver 3 filtert einen
oder mehrere Luftraumüberwachungsradare mit einem zeitinvarianten diskreten Kalman-Filter,
um Flugrouten zu erzeugen. Dieser Server führt eine Korrelation zwischen den videobasierten
Flugbahnen und den Radarflugbahnen zusammen mit einer Korrelation mit den Flugplandaten
5. Die korrelierte Information wird zu den Clients 10, 11 und 12 geliefert. Der Flugplanserver
5 liefert die Flugplandaten zu dem Radarserver 3 für die Korrelation des Radars mit
dem Flugplan und für die zeitbasierte Identifizierung der startenden Flugzeuge. Der
Flugplanserver 5 erhält Flugplanänderungen von seinen Clients 6.
[0030] Durch das erfindungsgemäße Verfahren werden Videosensordaten mit anderen Verkehrslagedaten
kombiniert, um eine Verkehrslagedarstellung zu erzeugen, die eine sichere und zuverlässige
Überwachung des Luft- und Bodenraums gewährleistet. Ein System, das das erfindungsgemäße
Verfahren verwirklicht, besteht aus Sensorhardware 1, 7, 8, Rechnerhardware 2, 3,
5, Netzwerkinfrastruktur 9 sowie Sensorsoftware, Kommunikationssoftware, Verarbeitungssoftware
und Lagedarstellungssoftware.
[0031] Die Videosensordaten werden mit Hilfe der Videosensoren 7 erfaßt. Dabei werden zunächst
mit Hilfe der digitalen Kameras 7 Pixeldaten aufgenommen. Diese umfassen sogenannte
Bildframes einer oder mehrerer Videosensoren in hoher Frequenz (typischerweise größer
als 27 Hz). Dabei sind Bildframes mindestens zweidimensionale Vektoren von Pixeln
(Grau- bzw. Farbwerte), welche die Aufnahme der digitalen Kamera mit einer nicht unendlichen
Auflösung widerspiegeln. Aus diesen Pixeldaten werden die Zustandsdaten bzw. Zustandsvektoren
berechnet. Diese können die folgenden Informationen enthalten: Objektidentifikationsnummer,
Objektklassifikation, Position, Geschwindigkeit, Bewegungsrichtung, Beschleunigung
und statistische Wahrscheinlichkeit/Qualität (Genauigkeit, Zuverlässigkeit).
[0032] Die anderen Verkehrslagedaten können beispielsweise Radardaten sein, die der Radarserver
3 zur Verfügung stellt. Dabei handelt es sich um digitalisierte Daten von beispielsweise
Langstreckenradaren und Flughafenradaren. Diese Radare sind durch die Box mit der
Bezugszahl 4 symbolisiert worden. Die Flugplandaten, die von dem Flugplandatenserver
5 zur Verfügung gestellt werden, können beispielsweise von existierenden Flugplansystemen
übernommen werden, die an ein System, das das erfindungsgemäße Verfahren verwirklicht,
angeschlossen werden können.
[0033] Die Kombination der Videosensordaten mit den anderen Verkehrslagedaten erfolgt durch
Bilddatenverarbeitung, digitale Filterung, statistische Interferenz, Sensordatenfusion,
Track-Korrelation und Zeitfensterkorrelation. Dabei umfaßt die Bilddatenverarbeitung
die Übertragung der Pixeldaten einer angewählten digitalen Kamera zum anwählenden
Lagedarstellungssystem sowie die Erkennung und Klassifikation von Objekten in den
Pixeldaten. Die digitale Filterung der Meßwerte erfolgt mittels der diskreten Kalman-Filterung.
Mit ihrer Hilfe werden alle extrahierten Zustandsvektoren aus der Ereigniserkennung
der Videosensordaten gefiltert. Auf die gleiche Art und Weise können auch die Radardaten
oder die Daten anderer Sensoren gefiltert werden. Unter statistischer Inferenz wird
verstanden, daß bei der Berechnung von zukünftigen Zustandsvektoren bzw. der Extrapolation
von Zustandsvektoren berücksichtigt wird, daß die Ausgangsdaten mit einer entsprechenden
Ungenauigkeit und Unzuverlässigkeit behaftet sind, so daß sich die statistische Wahrscheinlichkeit
des neuen Zustandsvektors aus der Fortpflanzung der Ungenauigkeit und Unzuverlässigkeit
der ursprünglichen Zustandsvektoren berechnet.
[0034] Unter Sensordatenfusion wird die korrekte Zusammenführung von Objektinformationen
für Objekte, die von mehreren Sensoren erfaßt wurden, verstanden. Werden beispielsweise
von zwei unterschiedlichen Videosensoren sich ergänzende Bewegungsinformationen ein-
und desselben Objektes erhalten, so werden diese in einen gemeinsamen Zustandsvektor
eingetragen. Bei der Sensordatenfusion muß jedoch darauf geachtet werden, daß sich
unterscheidende Objekte, die sich möglicherweise sehr nahe kommen, jederzeit korrekt
unterschieden werden.
[0035] Unter der Track-Korrelation wird verstanden, daß die auf Basis unterschiedlicher
Sensoren berechneten Flug- bzw. Bewegungsrouten für die gleichen Objekte überprüft
werden. Mit anderen Worten werden die Flugrouten, die aus den Videosensoren ermittelt
wurden, mit den Flugrouten, die aus den Radardaten ermittelt wurden, korreliert, sofern
jene zur Verfügung stehen.
[0036] Unter der Zeitfensterkorrelation wird verstanden, daß die Routen, die auf Basis der
Sensordaten ermittelt wurden, mit dem Bewegungsfahrplan der Objekte gemäß der vorliegenden
Flugplandaten innerhalb eines bestimmten Zeittoleranzfensters abgeglichen werden.
[0037] Die so ermittelten Zustandsvektoren werden in eine Lagedarstellung eingetragen. Dies
erfolgt in sequentiellen Zyklen. Die einzelnen Positionsdaten werden von dem Server
2 an den Radarserver 3 weitergegeben. Die Server 2 und/oder 3 übernehmen außerdem
die Konfliktermittlung. Das heißt für jeweils zwei Zustandsvektoren wird geprüft,
ob Kollisionsgefahr vorliegt. Des weiteren wird überprüft, ob gesperrte Verkehrsschutzbereiche
durch andere eindringende Objekte verletzt werden.
[0038] Liegt ein Kollisions- oder Verletzungsrisiko vor, so wird ein entsprechender Alarm
ausgelöst.
[0039] Mit Hilfe des vorliegenden Verfahrens ist es möglich, preisgünstig und äußerst effektiv
eine Luftraum- und insbesondere eine Bodenraumüberwachung vorzunehmen. Durch dieses
Verfahren wird es möglich, eine Überwachung effektiv auch in Bereiche auszudehnen,
die von keinem Sensor erfaßt werden. Das Verfahren kann sehr einfach mit bereits bestehenden
Luft- und Bodenraumüberwachungssystemen kombiniert werden. Dabei profitieren beide
Verfahren voneinander.
1. Verfahren zur Raumüberwachung, das die Schritte aufweist:
Überwachung mindestens eines Verkehrsortes mit mindestens einem Videosensor,
Einlesen der Bilddaten mindestens einer Momentaufnahme des zumindest einen Videosensors
in eine Speichereinheit,
Erkennen von Ereignissen,
Berechnen von Zustandsvektoren der Ereignisse aus den Bilddaten,
Zuordnen der Zustandsvektoren jeweils zu einem Objekt und
Ausgabe von Objektdaten.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das überwachte Raumgebiet mindestens einen Teil eines Flugfeldes bzw. Flughafengeländes
bildet.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Zustandsvektor die Position eines Objektes darstellt.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß Bilddaten mindestens zweier zeitlich beabstandeter Momentaufnahmen des mindestens
einen Videosensors eingelesen werden.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß der mindestens eine Verkehrsort mit mehreren, vorzugsweise mit mindestens drei, Videosensoren
überwacht wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß der Zustandsvektor die Geschwindigkeit und/oder die Bewegungsrichtung eines Objekts
darstellt.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß der Zustandsvektor die Beschleunigung eines Objekts darstellt.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß dem Zustandsvektor ein Wert zugeordnet wird, der ein Maß für die statistische Wahrscheinlichkeit
des Objektes bzw. der Genauigkeit und Zuverlässigkeit der Objektparameter ist.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß die Zuordnung der Zustandsvektoren zu einem Objekt unter Zugriff auf Verkehrslagedaten
erfolgt, die nicht durch die Videosensoren gewonnen wurden.
10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß die Zuordnung der Zustandsvektoren zu einem Objekt unter Zugriff auf Radardaten erfolgt.
11. Verfahren nach Anspruch 9 oder 10, dadurch gekennzeichnet, daß die Zuordnung der Zustandsvektoren zu einem Objekt unter Zugriff auf Flugplandaten
erfolgt.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß die Zuordnung der Zustandsvektoren zu einem Objekt unter Zugriff auf Positionssensoren
erfolgt.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, daß die Bilddaten digital gefiltert werden, wobei vorzugsweise die diskrete Kalman-Filterung
oder MLS-Filterung verwendet wird.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 13, dadurch gekennzeichnet, daß zumindest ein Teil der Verkehrslagedaten digital gefiltert wird, wobei vorzugsweise
die diskrete Kalman-Filterung oder MLS-Filterung verwendet wird.
15. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 14, dadurch gekennzeichnet, daß die Zustandsvektoren zeitabhängig in Echtzeit weiterberechnet werden.
16. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 15, dadurch gekennzeichnet, daß die Zustandsvektoren desselben Objekts, die von unterschiedlichen Sensoren oder Verkehrslagedaten
ermittelt wurden, zusammengefaßt werden.
17. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 16, dadurch gekennzeichnet, daß die Zustandsvektoren desselben Objekts, die aus unterschiedlichen Verkehrslagedaten
ermittelt wurden, korreliert werden.
18. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 17, dadurch gekennzeichnet, daß sich der Zuordnung der Zustandsvektoren zu Objekten der Schritt anschließt:
Erzeugung einer Verkehrslagedarstellung.
19. Verfahren nach Anspruch 18, dadurch gekennzeichnet, daß die Zustandsvektoren in Positionen in der Verkehrslagedarstellung umgerechnet werden
und an diesen Positionen in die Verkehrslagedarstellung eingetragen werden.
20. Verfahren nach Anspruch 18 oder 19, dadurch gekennzeichnet, daß die Zustandsvektoren im Hinblick auf mögliche Kollisionen ausgewertet werden.
21. Verfahren nach Anspruch 20, dadurch gekennzeichnet, daß ein Alarmsignal in Abhängigkeit von dem Ergebnis der Kollisionsauswertung aktiviert
wird.
22. Verfahren nach einem Ansprüche 18 bis 21, dadurch gekennzeichnet, daß die Verkehrslagedarstellung in vorzugsweise festen äquidistanten Zeitabständen aktualisiert
wird.