[0001] Die Erfindung betrifft eine Einrichtung zum Zuführen von Bogen mit einem die Bogen
mit einer konstanten Fördergeschwindigkeit zu einem Anlegtisch transportierenden Bändertisch,
wobei dem Anlegtisch die Bogen erfassende sowie mit der Vorderkante gegen Vordermarken
transportierende Saugkörper und die Bogen nachfolgend nach der Seitenkante ausrichtende
Seitenmarken zugeordnet sind.
[0002] Beim Zuführen von Bogen mit der Vorderkante gegen Vordermarken zum Zweck des Ausrichtens
besteht ein Problem darin, dass bei hohen Zuführgeschwindigkeiten die Bogen in Abhängigkeit
von der Materialbeschaffenheit zurückspringen oder an der Vorderkante beschädigt werden,
was insgesamt zu Makulaturanfall führt.
[0003] Um diese Nachteile zu beseitigen, ist es bekannt, die Förderbänder des Bändertischs
so Geschwindigkeitsprofilen folgend anzutreiben, dass die Bogen mit einer hohen Geschwindigkeit
gefördert und mit einer niedrigen Geschwindigkeit an den Vordermarken angelegt werden.
(EP 0 644 139 B1)
Nachteilig ist, dass die Realisierung des Antriebs und der Steuerung der Bogenankunft
an den Vordermarken einen hohen Aufwand erfordert, wobei zusätzlich ein Antrieb der
Seitenmarken erforderlich ist. Außerdem ist es von Nachteil, dass die gesamte Bogenstaffel
einschließlich der Antriebs- und Übertragungsmittel alternierend bewegt wird, was
bei hohen Arbeitsgeschwindigkeiten zu hohen Massekräften und damit zu hohem Verschleiß
führt.
Darüber hinaus wird durch diese Lösung die Anprallgeschwindigkeit lediglich auf etwa
35 bis 40 % der Transportgeschwindigkeit der Bogenstaffel reduziert, so dass die Anprallgeschwindigkeit
bei gegenwärtig üblichen Arbeitsdrehzahlen noch in einer Größenordnung liegt, die
zu Bogendeformationen, insbesondere bei empfindlichen Bedruckstoffqualitäten führt.
[0004] Aus der DE 11 52 707 ist es weiterhin bekannt, die Transportbänder des Bändertischs
mit einer konstanten Geschwindigkeit anzutreiben und im Anlegtisch Saugwalzen oder
Saugbänder vorzusehen, die ständig mit einer konstanten Geschwindigkeit umlaufen,
welche unter der Geschwindigkeit der Transportbänder des Bändertischs liegt. Im Bereich
der Vordermarken sind weiterhin die Vorderkante des auszurichtenden Bogens abtastende
Mittel vorgesehen, durch welche bei Anlage eines Bogens an den Vordermarken die Unterdruckzuführung
zu den Saugwalzen oder Saugbändern unterbrochen wird.
[0005] Durch die Transportbänder werden die Bogen mit einer konstanten Geschwindigkeit zum
Anlegtisch transportiert, von den Saugwalzen oder Saugbändern erfasst und mit eine
niedrigeren Geschwindigkeit als die Transportbänder des Bändertischs betrieben werden,
zu den Vordermarken gefördert und nach Anlage an den Vordermarken von den Saugwalzen
oder Saugbändern freigegeben. Nachfolgend werden die an den Vordermarken anliegenden
Bogen mittels einer Seitenmarke nach der Seitenkante ausgerichtet.
[0006] Nachteilig ist, dass die Saugwalzen oder Saugbänder mit einer konstanten Geschwindigkeit
umlaufen, die unter der Geschwindigkeit der Transportbänder liegt. Das bedeutet, dass
die von den Transportbändern geförderten Bogen schlagartig von den Saugwalzen bzw.
Saugbändem abgebremst werden, was bei der Verarbeitung großformatiger Bogen zu Schiefstellungen
und damit zu Fehlanlagen bzw. bei der Verarbeitung empfindlicher Bedruckstoffqualitäten
zu Stauchungen und Bogenbeschädigungen führt. Außerdem ist die zu realisierende Anprallgeschwindigkeit
bei üblichen Arbeitsdrehzahlen so hoch, dass ein Zurückprallen der Bogen oder eine
Bogenbeschädigung bei der Verarbeitung empfindlicher Materialien nicht auszuschließen
ist. Außerdem muss ein zusätzlicher Antrieb für die Seitenmarken vorgesehen werden.
[0007] Aufgabe der Erfindung ist es, eine Einrichtung zum Zuführen von Bogen zu schaffen,
die mit einem geringen Aufwand zu realisieren und zu betreiben ist und es ermöglicht,
unabhängig von der Qualität der zur Verarbeitung gelangenden Bogen und der Verarbeitungsgeschwindigkeit
eine exakte Anlage der Bogen zu realisieren.
[0008] Erfindungsgemäß wird die Aufgabe durch die Merkmale des Anspruchs 1 gelöst.
[0009] Durch die erfindungsgemäße Lösung ist es möglich, selbst bei hohen Maschinendrehzahlen
und den damit verbundenen hohen Transportgeschwindigkeiten des Bändertischs die Bogen
mit einer geringen Anprallgeschwindigkeit an den Vordermarken anzulegen. Damit wird
ein Zurückprallen der Bogen oder eine Beschädigung ihrer Vorderkante vermieden. Außerdem
werden die Bogen während des gesamten Ausrichtvorgangs an den Vordermarken gehalten,
so dass bei der Ausrichtung nach der Seitenkante gegebenenfalls auftretende Schiefstellungen
der Bogen verhindert werden. Durch die Zuordnung der Saugkörper zur Eintourenwelle
der Seitenmarke ist die erfindungsgemäße Einrichtung mit einem geringen Aufwand zu
realisieren.
[0010] Die Erfindung soll nachstehend an einem Ausführungsbeispiel näher erläutert werden.
In den zugehörigen Zeichnungen zeigen
- Fig. 1:
- eine ausschnittsweise Darstellung eines Anlegtischs in der Draufsicht
- Fig. 2:
- eine schematische Darstellung gem. Fig. 1 in Seitenansicht
- Fig. 3:
- einen prinzipiellen Geschwindigkeitsverlauf der Saugkörper im Anlegtisch
[0011] In Figur 1 sind von einem Bändertisch 1 ein Führungsblech 2, ein Transportband 3
sowie eine Umlenkwalze 4 dargestellt. Üblicherweise sind mindestens zwei Transportbänder
3 verteilt über die Breite des Bändertischs 1 angeordnet. Die Transportbänder 3 umschlingen
die Umlenkwalze 4 und werden durch nicht dargestellte Mittel in Transportrichtung
5 angetrieben. Dem Bändertisch 1 ist ein Anlegtisch 6 nachgeordnet, der aus einem
Tisch 7 besteht, dem eine Seitenmarke 8 zugeordnet ist, die sich aus einem Seitenanschlag
9 und einer Ziehschiene 10 zusammensetzt.
Da der Anlegtisch 6 spiegelbildlich zu einer Maschinenmitte 15 ausgebildet ist, wird
nur die in Transportrichtung 5 gesehene linke Seite beschrieben. Die Seitenmarke 8
ist in einem im Tisch 7 vorgesehenen Kanal 11 verschiebbar angeordnet. In einer Rastposition
am Anlegtisch 6 sind weiterhin Vordermarken 12 gezeigt, die durch nicht dargestellte
Mittel im Arbeitstakt in eine unter dem Anlegtisch 6 befindliche untere Rastposition
geschwenkt werden.
In den Kanal 11 ist eine die Seitenmarke 8 antreibende Eintourenwelle 13 vorgesehen.
Auf der Eintourenwelle 13 sind drehfest und verschiebbar Saugkörper 14 angeordnet.
Die Saugkörper 14 sind im Ausführungsbeispiel als Saugrollen ausgebildet. Der Antrieb
der Eintourenwelle 13 erfolgt von einer Antriebswelle 16 unter Zwischenschaltung eines
ungleichmäßig übersetzenden Getriebes 17. Durch das Getriebe 17 wird die Eintourenwelle
13 einem Geschwindigkeitsprofil 22 folgend mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten
innerhalb eines Arbeitstaktes angetrieben, wobei das Getriebe 17 so ausgelegt ist,
dass unter Berücksichtigung der Ausgestaltung der Saugkörper 14 in einem Bereich deren
Umfangsgeschwindigkeit übereinstimmt mit einer Fördergeschwindigkeit V
F der durch die Transportbänder 3 geförderten Bogen 18. Das Getriebe 17 ist einstellbar
ausgeführt, um das Geschwindigkeitsprofil 22 innerhalb eines Arbeitstaktes verändern
zu können.
Es ist auch möglich, statt der Antriebswelle 16 und des ungleichmäßig übersetzenden
Getriebes 17 zum Antreiben der Eintourenwelle 13 einen Motor vorzusehen und diesen
so anzusteuern, dass die Eintourenwelle 13 dem Geschwindigkeitsprofil 22 folgt.
In Figur 3 ist das Geschwindigkeitsprofil 22 dargestellt. In einem ersten Geschwindigkeitsabschnitt
19 wird die Geschwindigkeit der Saugkörper 14 von der Fördergeschwindigkeit V
F auf eine Anleggeschwindigkeit V
A reduziert, wobei V
A etwa 0,2 V
F entspricht. In einem zweiten Geschwindigkeitsabschnitt 20 werden die Saugkörper 14
mit V
A=const angetrieben, um in einem dritten Geschwindigkeitsabschnitt 21 wieder auf Fördergeschwindigkeit
V
F beschleunigt zu werden.
In Figur 3 ist weiterhin dargestellt, wie die Saugkörper 14 mit Unterdruck beaufschlagt
werden. Beim Durchlaufen des ersten Geschwindigkeitsabschnitts 19 werden die Saugkörper
14 mit einem Unterdruck p beaufschlagt, der im zweiten Geschwindigkeitsabschnitt 20
auf einen reduzierten Unterdruck p
red. verringert wird. Im dritten Geschwindigkeitsabschnitt 21 werden die Saugkörper 14
belüftet und nach Erreichen der Fördergeschwindigkeit V
F wieder mit dem Unterdruck p beaufschlagt. Der Unterdruck p und der reduzierte Unterdruck
p
red in den Saugkörpern 14 sind auf bekannte Weise einstellbar ausgeführt.
Die Wirkungsweise der Einrichtung ist folgende:
[0012] Die Bogen 18 werden in einer beliebigen, aber konstanten Fördergeschwindigkeit V
F durch die Transportbänder 3 des Bändertischs 1 in Transportrichtung 5 gefördert und
damit der jeweils vorderste Bogen 18.1 auf den Anlegtisch 6 transportiert. Auf dem
Anlegtisch 6 wird der Bogen 18.1 von den Saugkörpern 14, die mit einer Umfangsgeschwindigkeit
umlaufen, die mit der Fördergeschwindigkeit V
F übereinstimmt, erfasst und von diesen in Richtung der Vordermarken 12 transportiert.
Dabei durchlaufen die Saugkörper 14 den ersten Geschwindigkeitsabschnitt 19, so dass
die Geschwindigkeit des von den Saugkörpern 14 geführten vordersten Bogen 18.1 von
der Fördergeschwindigkeit V
F auf die Anleggeschwindigkeit V
A, wobei V
A etwa 0,2 V
F entspricht, verzögert wird, mit der der vorderste Bogen 18.1 mit der Vorderkante
an den am Anlegtisch 6 befindlichen Vordermarken 4 angelegt wird. Bei Erreichen der
Anleggeschwindigkeit V
A wird der in den Saugkörpern 14 bestehende Unterdruck p auf den reduzierten Unterdruck
p
red zurückgeführt. Dieser reduzierte Unterdruck p
red ist so bemessen, dass zwischen dem vorderen Bogen 18.1 und den Saugkörpern 14 Schlupf
besteht und damit der vorderste Bogen 18.1 mit der Vorderkante an den Vordermarken
12 gehalten sowie gleichzeitig ein Ausrichten nach der Seitenkante mit Hilfe der Seitenmarke
8 ermöglicht wird. Da der Antrieb der Seitenmarke 8 und damit der Ziehschiene 10 durch
die Eintourenwelle 13 erfolgt, wird das Anlegen des vordersten Bogens 18.1 mit der
Seitenkante an den Seitenanschlag 9 beim Durchlaufen des zweiten Geschwindigkeitsabschnitts
20, also mit einer niedrigen Geschwindigkeit realisiert, so dass ein Zurückprallen
des vordersten Bogens 18.1 vom Seitenanschlag 9 verhindert wird.
Der nach der Vorder- und Seitenkante ausgerichtete Bogen 18.1 wird von den Saugkörpern
14 freigegeben, indem diese belüftet werden, und nachfolgend von nicht dargestellten
Mitteln erfasst und abgezogen, wobei die Vordermarken 12 sich in einer unter dem Anlegtisch
6 gelegenen Rastposition befinden. Parallel dazu durchlaufen die Eintourenwelle 13
und damit die Saugkörper 14 den dritten Geschwindigkeitsabschnitt 21, bis die Umfangsgeschwindigkeit
der Saugkörper 14 der Fördergeschwindigkeit V
F entspricht. Danach werden die Saugkörper 14 mit dem Unterdruck p beaufschlagt und
der nunmehr vorderste Bogen 18.1 von den Saukörpern 14 erfasst sowie abgebremst.
Aufstellung der verwendeten Bezugszeichen
[0013]
- 1
- Bändertisch
- 2
- Führungsblech
- 3
- Transportband
- 4
- Umlenkwalze
- 5
- Transportrichtung
- 6
- Anlegtisch
- 7
- Tisch
- 8
- Seitenmarke
- 9
- Seitenanschlag
- 10
- Ziehschiene
- 11
- Kanal
- 12
- Vordermarke
- 13
- Eintourenwelle
- 14
- Saugkörper
- 15
- Maschinenmitte
- 16
- Antriebswelle
- 17
- Ungleichmäßig übersetzendes Getriebe
- 18
- Bogen
- 18.1
- vorderster Bogen
- 19
- erster Geschwindigkeitsabschnitt
- 20
- zweiter Geschwindigkeitsabschnitt
- 21
- dritter Geschwindigkeitsabschnitt
- 22
- Geschwindigkeitsprofil
- VF
- Fördergeschwindigkeit
- VA
- Anleggeschwindigkeit
- p
- Unterdruck
- Pred
- reduzierter Unterdruck
1. Einrichtung zum Zuführen von Bogen mit einem die Bogen mit einer konstanten Fördergeschwindigkeit
zu einem Anlegtisch transportierenden Bändertisch, wobei dem Anlegtisch die Bogen
erfassende sowie mit der Vorderkante gegen Vordermarken transportierende Saugkörper
und die Bogen nachfolgend nach der Seitenkante ausrichtende Seitenmarken zugeordnet
sind,
dadurch gekennzeichnet, dass
- die Saugkörper (14) innerhalb eines Arbeitstaktes einem Geschwindigkeitsprofil (22)
folgend antreibbar sind,
- das Geschwindigkeitsprofil (22) einen ersten Geschwindigkeitsabschnitt (19) aufweist,
in dem sich eine der Fördergeschwindigkeit (VF) des Bändertischs (1) entsprechende Umfangsgeschwindigkeit der Saugkörper (14) einer
Anleggeschwindigkeit (VA) annähert,
- dem ersten Geschwindigkeitsabschnitt (19) sich ein zweiter Geschwindigkeitsabschnitt
(20) anschließt, in dem die Saugkörper (14) der Anleggeschwindigkeit (VA) folgen,
- dem zweiten Geschwindigkeitsabschnitt (20) ein dritter Geschwindigkeitsabschnitt
(21) nachgeordnet ist, in dem die Saugkörper (14) die der Fördergeschwindigkeit (VF) entsprechende Umfangsgeschwindigkeit erreichen,
- beim Durchlaufen des ersten Geschwindigkeitsabschnitts (19) die Saugkörper (14)
mit einem Unterdruck (p) und beim Durchlaufen des zweiten Gechwindigkeits-abschnitts
(20) mit einem reduzierten Unterdruck (pred) beaufschlagbar und
- beim Durchlaufen des dritten Geschwindigkeitsabschnitts (21) die Saugkörper (14)
belüftet sind.
2. Einrichtung nach Anspruch 1, durch gekennzeichnet, dass die Anleggeschwindigkeit (VA) etwa 0,2 Fördergeschwindigkeit (VF) beträgt.
3. Einrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Unterdruck (p) und der reduzierte Unterdruck (pred) einstellbar ausgeführt sind.
4. Einrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Saugkörper (14) auf einer Eintourenwelle (13) der Seitenmarke (8) angeordnet
sind.
5. Einrichtung nach Anspruch 1 und 4, dadurch gekennzeichnet, dass der Antrieb der Eintourenwelle (13) durch ein ungleichmäßig übersetzendes Getriebe
(17) erfolgt.
6. Einrichtung nach Anspruch 1, 4 und 5, dadurch gekennzeichnet, dass das ungleichmäßig übersetzende Getriebe (17) einstellbar ausgeführt ist.
7. Einrichtung nach Anspruch 1 und 4, dadurch gekennzeichnet, dass der Antrieb der Eintourenwelle (13) durch einen Motor erfolgt.
8. Einrichtung nach Anspruch 1 und 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Eintourenwelle (13) mit den Saugkörpern (14) in einem für die Formatanpassung
der Seitenmarke (8) vorgesehenen, quer zu einer Transportrichtung (5) der Bogen (18)
verlaufenden Kanal (11) angeordnet ist.
9. Einrichtung nach Anspruch 1 und 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Saugkörper (14) drehfest und in axialer Richtung verschiebbar auf der Eintourenwelle
(13) angeordnet sind.
10. Einrichtung nach Anspruch 1, 4 und 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Eintourenwelle (13) als Profilwelle ausgebildet ist.
11. Einrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass im zweiten Geschwindigkeitsabschnitt (20) die Ausrichtung nach der Seitenkante erfolgt.