[0001] Die Erfindung betrifft einen Munitionsartikel gemäß dem Oberbegriff des Anspruches
1.
[0002] Ein derartiger Munitionsartikel ist aus der WO 99/02936 A2 als Fallbombe mit im Zentrum
ihres Hecks angeordneter, sandwich- oder patchartiger Satellitenantenne bekannt. Während
der Fallbewegung ins Zielgebiet hält deren kugelförmige Antennencharakteristik Kontakt
zu über dem Horizont stehenden Navigationssatelliten, um durch Endphasensteuerung,
nämlich mittels Abgleichs zwischen dem koordinatenmäßig vorgegebenen Zielpunkt und
der geodätischen Istposition des Munitionsartikels, die Treffergenauigkeit zu erhöhen.
[0003] Eine solche Antennenkonfiguration ist für Munitionsartikel in Form etwa von Artilleriegeschossen
jedoch unzweckmäßig. Denn die von der Heckantenne her etwa symmetrisch zur Projektil-Längsachse
nach rückwärts orientierte Antennen-Richtcharakteristik wäre während des größten Teils
des gestreckten ballistischen Fluges etwa auf den Horizont, anfangs sogar darunter,
und nach dem Apogäum nur geringfügig darüber gerichtet. Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit,
mehrere Navigationssatelliten gleichzeitig für eine rasche und präzise Bahnpunktbestimmung
zur Bahnkorrektur hinreichend störungsfrei empfangen zu können, eher gering. Auch
der Einbau einer solchen Patch-Antenne in die Spitze des Projektils wäre unbefriedigend,
weil deren dann koaxial voraus orientierte Kugelcharakteristik nur in der allerersten
Phase der ballistischen Flugbahn deutlich über den Horizont gerichtet wäre, um mehrere
Satelliten in günstiger Konstellation erfassen zu können; während die Spitze nach
Apogäumsdurchgang sogar zum Untergrund hin gerichtet ist und mit einer solchen Antenne
dann allenfalls die sehr störbehafteten Bodenreflexe der Signale von Navigationssatelliten
aufgenommen werden könnten, deren Verarbeitung wenn überhaupt nur über erheblichen
Signalverarbeitungsaufwand hinreichend rasch zu brauchbaren Navigationsinformationen
führt.
[0004] Des weiteren stellt sich bei einem Munitionsartikel in Form einer Artilleriemunition
angesichts der in der Praxis nicht ideal kugelförmigen Antennencharakteristik das
Problem der Stabilisierungsrotation. Denn der beim Abschuß aus einem gezogenen Waffenrohr
auftretende Drall hat bei einer im Querschnitt nicht kreisförmigen Antennencharakteristik
zur Folge, daß die empfangenen Satellitensignale rotationsabhängig moduliert sind,
was die Auswertung der - zur Positionsbestimmung an sich phasenstarr miteinander zu
vergleichenden - Signale von mehreren Satelliten unmittelbar nacheinander stark beeinträchtigt.
[0005] In Erkenntnis dieser Gegebenheiten liegt vorliegender Erfindung deshalb die technische
Problemstellung zugrunde, einen nach Art eines Artillerieprojektiles längs einer im
wesentlichen horizontal gestreckten Flugbahn verbrachten Munitionsartikel mit einer
Antenne auszustatten, die eine günstige Richtcharakteristik für den Empfang von Satelliten-Navigationsinformationen
aufweist.
[0006] Diese Aufgabe ist erfindungsgemäß durch die im Hauptanspruch angegebenen wesentlichen
Merkmale gelöst. Danach öffnet sich eine Rundschlitzantenne in die Mantelfläche eines
hohlkegelstumpfförmigen Abschnitts der Projektil-Zünderspitze. Deren Schlitz erstreckt
sich quer zur Kegel- und Projektilachse als radiale Ringscheibe durch die Wandung
des Hohlkegelstumpfes hindurch. Um eine ringwulst- oder torusähnliche elektromagnetische
radiale, gegebenenfalls etwas noch vorn angestellte Empfangscharakteristik vor dem
umlaufenden Schlitz und damit in der Umgebung des Hohlkegelstumpfes zu fördern, sind
in radialem Abstand zur inneren Schlitzöffnung, quer zum Schlitz orientiert und somit
koaxial zur Längsachse, eine zylindrische metallische Reflektorwand und zwischen dieser
und der inneren Schlitzöffnung ein in beiden Axialrichtungen, also mittels Deck- und
Bodenplatte metallisch abgeschlossener Hohlraum angeordnet. Für den Anschluß dieser
Antenne an eine Empfangsschaltung sind an äquidistant gegeneinander versetzten Positionen
längs des umlaufenden Schlitzes Speiseleitungen zweipolig, bevorzugt Koaxialkabel
jeweils mit ihren Außen- und Innenleitem, an die beiden einander axial gegenüberliegenden
Ränder der in den Hohlraum mündenden inneren Schlitzöffnung angeschlossen. Dafür wird
das Speisekabel an dieser jeweiligen Auskoppelstelle etwa achsparallel durch die Bodenplatte
des Hohlraumes hindurch längs der Innenmantelfläche der Außenwand des Hohlkegelstumpfes
in ihn eingeführt.
[0007] Der Hohlraum ist quer zur Längsachse geteilt, um einen Ring aus einem elektrisch
möglichst schlecht leitenden Material erhöhter Dielektrizitätskonstante, das sich
unabhängig von Frequenz und Temperatur möglichst auch durch niedrige dielektrische
Verluste und hohe Kriechstromfestigkeit auszeichnet, wie das fluorhaltiges Polymerisat
PTFE (Polytetrafluorethylen) einlegen zu können, das unter Handelsnamen wir Teflon,
Fluon oder Hostaflon am Markt ist. Durch solch einen Einlagering läßt sich eine Anpassung
der elektrischen Abstimmung des Hohlraumes auf die Satelliten-Frequenzen erzielen.
[0008] Zusätzliche Weiterbildungen und weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben
sich aus den weiteren Ansprüchen und aus nachstehender Beschreibung eines in der Zeichnung
unter Beschränkung auf das Wesentliche stark abstrahiert und nicht ganz maßstabsgerecht
skizzierten bevorzugten Realisierungsbeispiels zur erfindungsgemäßen Lösung. Diese
Lösung hat den Vorteil, in der regelmäßig von einem Artillerieprojektil abnehmbaren
Zünder-Spitze realisiert zu werden, also auch nachträglich noch auf ein Standardprojektil
appliziert werden zu können, ohne für die Ausbildung des umlaufenden Antennenschlitzes
in die tragende Struktur der Projektilhülle selbst eingreifen zu müssen. Die einzige
Figur der Zeichnung zeigt im abgebrochenen Axial-Längsschnitt eine in die Zünderspitze
eines Projektils eingebaute Rundschlitz-Satellitenantenne.
[0009] Bei dem im abgebrochenen Axial-Längsschnitt skizzierten Munitionsartikel 11 handelt
es sich um ein Artillerie-Projektil 12 mit austauschbarer Zünder-Spitze 13 unter einer
ballistischen Haube 14 vor der hohlzylindrischen Projektilhülle des Körpers 15. Für
die nicht näher dargestellten mechanischen Montagevorrichtungen und für die Ankopplung
eines frontseitig in der Spitze 13 gelegenen Aufschlagsensors an einen im Übergangsbereich
zwischen Spitze 13 und Körper 15 angeordneten Zündübertrager mit Sicherungseinrichtung
(in der Zeichnung nicht dargestellt) ist die Zünder-Spitze 13 koaxial zur Projektil-Längsachse
16 von einem zentralen Kanal 17 durchzogen.
[0010] Ein hohlkegelstumpfförmiger Höhenausschnitt der Zünder-Spitze 13 ist als Rundschlitz-Antenne
18 zum Empfang von Satelliten-Navigationsinformationen für die Kurskontrolle des Projektils
12 ausgelegt. Ihre Mantelfläche 19 schließt bug- und heckseitig praktisch stufenlos
an die Kegelmantelfläche der übrigen Zünder-Spitze 13 an. Der Schlitz 20 dieser Antenne
18 ist in der Wandung 21 eines Hohlkörpers aus elektrisch leitendem Material, vorzugsweise
Leichtmetall wie Aluminium, ausgebildet und liegt konzentrisch in einer Querschnittsebene
zur Längsachse 16. Die äußere Öffnung 22.1 des Schlitzes 20 liegt in der Mantelfläche
19 der Wandung 21. Der gegenüberliegenden, inneren Öffnung 22.2 des Schlitzes 20 distanziert
gegenüber liegt eine zur Längsachse 16 koaxiale, zylindrische Reflektor-Wand 23. Die
Wandung 21 des Hohlkegelstumpfes und die Reflektor-Wand 23 sind in axialem Abstand
von der inneren Schlitzöffnung 22.2 durch metallische koaxiale ringförmige Bug- und
Heck-Deckplatten 24.1, 24.2 in der jeweiligen Querschnittsebene zur Längsachse 15
miteinander verbunden, die somit zugleich die kleine bzw. die große Grundfläche der
kegelstumpfförmigen Rundschlitz-Satellitenantenne 18 darstellen. So ist zwischen den
beiderseitigen radialen Deckplatten 24.1, 24.2 einerseits und den Wänden 21, 23 andererseits
ein leitend umschlossener hohlzylindrischer Hohlraum 25 abgegrenzt, dessen Reflektor-Wand
23 zugleich die Außenwand des zentralen Kanales 17 ist und der durch den Schlitz 20
nach außen geöffnet ist.
[0011] Der Hohlraum 25 ist etwa in der Mittenebene des Schlitzes 20 geteilt, um einen dickwandigen
hohlzylindrischen Ring 26 aus elektrisch nicht leitendem Material mit einer Dielektrizitätskonstanten,
die deutlich über derjenigen von Luft liegt, einlegen zu können, etwa aus PTFE wie
Teflon.
[0012] An in diesem prinzipiellen Ausführungsbeispiel im Heckbereich der Zünderspitze 13
ringförmig den Kanal 17 umgebend eingebaute Mikrowellenschaltungen 27 zur Signalverarbeitung
ist die Rundschlitz-Antenne 18 über wenigstens ein Speisekabel 28 angeschlossen, das
hier als Koaxialkabel dargestellt ist. Vorzugsweise sind mehrere, wenigstens drei
oder vier, solcher Auskoppelstellen 29 zum Anschluß von Speisekabeln 28 äquidistant
über den Umfang des Schlitzes 23 verteilt vorgesehen. An jeder wird ein wenigstens
zweiadriges Kabel 28 durch eine Bohrung 30 in der Heck-Deckplatte 24.2 des ringförmigen
Hohlraumes 25 hindurch parallel zur Längsachse 16 entlang dessen äußerer Wandung 21
in diesen eingeführt. Der eine Leiter 28.1, gegebenenfalls der Koaxial-Außenleiter,
wird bei der inneren Öffnung 22.2 des Schlitzes 20 an dessen hinteren Rand 31.2 an
die Antenne 17 angeschlossen. Der andere Leiter 28.2 des Kabels 28, hier dann der
Koaxial-Innenleiter, überbrückt noch die innere Schlitz-Öffnung 22.2 und wird daraufhin
dem ersterwähnten Leiter 28.1 gegenüber, also an deren vorderen Rand 31.1 angeschlossen,
wie im Detail aus der Zeichnung ersichtlich. Für diese Leitungsführungen sind achsparallele
Freisparungen 32 im rückwärtigen Bereich der Außenmantelfläche des in den Hohlraum
25 eingelegten Ringes 26 ausgebildet.
[0013] Für einen möglichst definiert kleinflächigen elektrischen und mechanischen Anschluß
von Außen- und Innenleiter 28.1, 28.2 an die innere Schlitzöffnung 22.2 sind Zugangskanäle
33 geneigt gegenüber der Längsachse 16 bzw. der Schlitzebene 20 von der Mantelfläche
19 her in die Wandung 21 der hohlkegelstumpfförmigen Rundschlitzantenne 17 eingebracht.
Je nach der Befestigungsart (z.B. Klemmen oder Löten) können durch diese Kanäle 31
Werkzeuge eingebracht werden, etwa ein Klemmwerkzeug, ein Lötkolben oder direkt Strahlungs-
oder Leitungswärme sehr gezielt an zu verlötende Koppelstellen 29 und dort an die
Stirnenden der Leiter 28.1, 28.2 herangeführt werden. Im Rahmen vorliegender Erfindung
kann aber auch vorgesehen sein, an den Koppelstellen 29 z.B. Klemmbefestigungen vorzubereiten,
die wirksam werden, wenn die Leiter zugeführt werden.
[0014] Solche Zugangskanäle 33, die nach der Montage mit pastösem elektrisch leitendem Material
verschlossen werden können, verlaufen unter einem möglichst großen Winkel gegenüber
der Querebene des umlaufenden Schlitzes 20, um an dessen äußerer Öffnung 22.1 in die
Mantelfläche 19 möglichst viel ungestörtes metallisches Material für die elektrische
Schlitzwirkung verbleiben zu lassen, also im Interesse einer möglichst ungestört konzentrischen,
radial etwas voraus orientierten ringwulstförmigen Ansprechcharakteristik der Rundschlitzantenne
17.
[0015] So ist erfindungsgemäß ein Munitionsartikel 11 mit einer Antenne 18 ausgestattet,
die aufgrund rundum gleichförmiger, radial etwas noch vorn orientierter ringwulstförmiger
Torus-Charakteristik einen störungsfreien Empfang von Satelliten-Navigationsinformationen
auch dann ermöglicht, wenn er nach Art eines Artillerie-Projektiles 12 unter Drall
längs einer gestreckten ballistischen Flugbahn verbracht wird, aus der heraus eine
Heckantenne mit kugelförmiger Charakteristik keine guten Empfangsgegebenheiten bezüglich
möglichst hoch über dem Horizont stehender Navigationssatelliten erwarten läßt. Vielmehr
ist nun die Zünder-Spitze 13 des Projektiles 12 mit einem als Rundschlitz-Satellitenantenne
18 ausgelegten Hohlkegelstumpf aus elektrisch leitendem Material wie Leichtmetall
ausgestattet, in dem ein koaxialer Ring-Hohlraum 25 durch einen radial zur Projektil-Längsachse
16 umlaufenden ringscheibenförmigen Schlitz 23 zur Zünder-Mantelfläche 19 hin geöffnet
ist. Speisekabel 28 sind gleichmäßig über den Umfang verteilt mit ihren Signal- und
Masse-Leitern 28.2, 28.1 bei der inneren Mündung 22.2 des Schlitzes 20 zum Hohlraum
25 hin an die Schlitzwände 31 angeschlossen.
1. Munitionsartikel (11) mit Satelliten-Antenne (18),
dadurch gekennzeichnet,
daß in der Zünder-Spitze (13) eines Projektils (12) eine kegelstumpfförmige Rundschlitz-Antenne
(18) mit einem konzentrischen ringförmigen Hohlraum (25) angeordnet ist, der sich
mit einem radial zur Projektil-Längsachse (16) orientierten Schlitz (20) zur Mantelfläche
(19) der Antenne (18) öffnet.
2. Munitionsartikel nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Antenne (18) in einer radialen Querschnittsebene durch den Schlitz (20) geteilt
ist und in ihrem Hohlraum (25) einen Ring (26) aus einem elektrisch nicht leitenden
Material mit gegenüber Luft erhöhter Dielektrizitätskonstante enthält.
3. Munitionsartikel nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß längs des ringscheibenförmig umlaufenden Schlitzes (20) an seiner dem Hohlraum (25)
zugekehrten, inneren Öffnung (22.2) peripher gleichförmig gegeneinander versetzte
Auskoppelstellen (29) vorgesehen sind.
4. Munitionsartikel nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß an den Auskoppelstellen (29) beiderseits des Schlitzes (20) die Leiter (28.1; 28.2)
eines Speisekabels (28) an die Außenwandung des Hohlraumes (25) angeschlossen sind,
das parallel zur Längsachse (16) heckseitig in den Hohlraum (25) eingeführt ist.
5. Munitionsartikel nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß für Befestigungszugänge zu den Auskoppelstellen (29) Kanäle (33) vorgesehen sind,
die gegenüber der Ebene des umlaufenden Schlitzes (23) geneigt von den inneren Schlitzrändern
(31) zur Mantelfläche (19) verlaufen.
6. Munitionsartikel nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Kanäle (33) nach dem Anschluß der Kabel (28) an die Auskoppelstellen (29) mit
einer elektrisch leitenden pastösen Masse verschlossen sind.
7. Munitionsartikel nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß an den Koppelstellen (29) Klemmen für die Kabel (28) vorgesehen sind.