[0001] Die Erfindung betrifft Schnittschutzkleidung aus einem Garn mit einem Kern aus Glasfilamenten
und einem Mantel aus Aramidfasem.
[0002] US-A- 5,177,948 offenbart ein nicht-metallisches Kompositgarn und daraus hergestellte
textile Flächengebilde und Schutzkleidung, wobei diese eine gesteigerte Schnittfestigkeit,
Flexibilität und Biegsamkeit aufweisen sollen im Vergleich zu Schnittschutzgamen,
die metallische Drähte enthalten. Das Garn der US-A-5,177,948 enthält einen Faserkern
und eine Ummantelung, die um den Kern gewickelt ist. Wenigstens ein Strang des Kerns
besteht aus Glasfasern und dieser Strang weist einen Titer von 375 bis 1000 den, entsprechend
etwa 417 bis 1111 dtex auf. Die um den Kern gewickelte Umhüllung umfaßt mindestens
zwei Stränge, die in entgegengesetzten Richtungen zueinander, spiralförmig um den
Kern gewickelt sind, und das nicht-metallische Kompositgarn weist einen Gesamttiter
von 2000 bis 5000 den, entsprechend 2222 bis 5555 dtex auf. Für die um den Kern gewickelte
Umhüllung können Aramidfasern eingesetzt werden, wobei jedoch Polyethylenfasern bevorzugt
werden.
[0003] Das Kompositgarn der US-A- 5,177,948 soll auf konventionellen Strick- oder Webmaschinen
zu textilen Flächengebilden verarbeitet werden oder zur Herstellung von Schutzkleidung
gestrickt werden.
[0004] Zum einen ist die Herstellung des Kompositgams der US-A-5,177,948 sehr aufwendig,
da zwei Garnstränge um einen Kern gewickelt werden müssen und somit zunächst der Kern,
der ebenfalls aus mehreren Garnsträngen bestehen kann, und die zur Umwicklung benötigten
Garnstränge separat zur Verfügung gestellt werden müssen und in weiteren Arbeitsgängen
gewickelt werden müssen. Dieses Garn sollte zwar einen guten Schnittschutz bieten,
aber aufgrund des Aufbaus des Garns sollte dieses schwer auf modernen Strickmaschinen
zu verarbeiten sein und zu vergleichsweise steifen Schnittschutzartikeln aufgrund
Aufbau und Dicke des Garnes führen.
[0005] Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, Schnittschutzkleidung
zur Verfügung zu stellen, die aus einem Garn besteht, das auf einfache Weise herstellbar
ist, und die einen hohen Schnittschutz bei gutem Tragekomfort bietet. Weiterhin soll
die Schnittschutzkleidung eine hohe Abriebbeständigkeit aufweisen.
[0006] Diese Aufgabe wird bei der eingangs genannten Schnittschutzkleidung dadurch gelöst,
dass das Garn ein Faden aus mit Aramidstapelfasern umsponnenen Glasfilamenten ist,
wobei der umsponnene Faden einen Gesamttiter von 250 bis 1250 dtex aufweist und der
Titer der Glasfilamente 150 bis 450 dtex beträgt.
[0007] Der Gewichtsanteil der Glasfilamente sollte 30 bis 60 %, bevorzugt 40 bis 50 % des
Gesamtgewichts des umsponnenen Fadens betragen. Als Gesamttiter des Fadens werden
400 bis 800 dtex bevorzugt. Bei dem angegebenen Titer der Glasfilamente handelt es
sich jeweils um den Gesamttiter eines multifilen Glasfilamentgarnes, der erfindungsgemäß
150 bis 450 dtex, bevorzugt 200 bis 350 dtex beträgt.
[0008] Die Schnittschutzkleidung wird insbesondere aus dem umsponnenen Faden gestrickt.
Besonders vorteilhaft ist es, wenn zwei umsponnene Fäden miteinander verzwirnt sind,
da damit eine höhere Abriebbeständigkeit der daraus hergestellten Schnittschutzkleidung
erzielt wird.
[0009] Der Faden aus mit Aramidstapelfasern umsponnenen Glasfilamenten kann besonders vorteilhaft
nach dem Friktionsspinnverfahren hergestellt werden. Damit ist eine kostengünstige
Herstellung des Fadens in einem Arbeitsgang möglich. Zur Herstellung des Fadens können
Friktionsspinnmaschinen wie sie unter dem Namen DREF 2, DREF 2000 von der Textilmaschinenfabrik
Dr. Ernst Fehrer AG verkauft werden oder wie sie beispielsweise in DE-A-37 41 783
beschrieben sind, eingesetzt werden.
[0010] Bei der Schnittschutzkleidung handelt es sich insbesondere um einen Schnittschutzhandschuh,
aber auch Armschützer oder Unterarmschützer sind möglich.
[0011] Mit dem erfindungsgemäß eingesetzten umsponnenen Faden lassen sich Schnittschutzkleidungsstücke
von vergleichsweise geringem Gewicht herstellen, was deren Tragekomfort erhöht. So
beträgt das Gewicht eines Schnittschutzhandschuhs beispielsweise 15 bis 40 g, insbesondere
nur 15 bis 25 g.
[0012] Zur Herstellung von gestrickten Handschuhen werden bevorzugt sogenannte Handschuhstrickautomaten
eingesetzt, wie sie z.B. von den japanischen Firmen Shima Seiki oder Matsuya vertrieben
werden. Diese Strickautomaten werden mit verschiedenen Nadelteilungen angeboten:
- 7 gauge:
- für relativ grobe, schwere Handschuhe
- 10 gauge:
- für leichte Handschuhe, die bereits eher ein handschuhloses Gefühl verleihen sollen
- 13 gauge:
- für sehr leichte Handschuhe
- 14 oder 15 gauge:
- für ultra leichte / ultra dünne Handschuhe.
[0013] Schnittschutzhandschuhe der vorliegenden Erfindung werden bevorzugt mit Nadelteilungen
von 10 und 13 gauge hergestellt. Es handelt sich damit um leichte bis sehr leichte
Handschuhe, die mit dem Garn gemäß US-A-5,177,948 nicht hergestellt werden können,
da das darin beschriebene Garn ein hohes Gewicht aufweist und inhärent eine zu hohe
Steifigkeit besitzt. Auch sollte eine Verarbeitung mit einer Nadelteilung von 10 gauge
und insbesondere von 13 gauge bei einem Gesamttiter des Kompositgarns von mindestens
2000 den kaum zu realisieren sein.
[0014] Im folgenden wird die Erfindung anhand von Beispielen näher erläutert und beschrieben.
[0015] Die Eigenschaften von Schnittschutzhandschuhen werden gemäß der Norm DIN EN 388 (1994)
"Überprüfung von Schutzhandschuhen gegen mechanische Risiken" gemessen, und die nach
der Norm bestimmte Abriebfestigkeit, Schnittfestigkeit, Weiterreißfestigkeit und Durchstichkraft
werden in Leistungsstufen 1 bis 5 klassifiziert, wobei die Eigenschaften eines Schutzhandschuhs
umso besser sind, je höher die Leistungsstufe ist, in die er klassifiziert ist.
Beispiel 1:
[0016] Aus dem erfindungsgemäß zur Herstellung von Schutzkleidung eingesetzten umsponnenen
Faden mit einem Gesamttiter von 720 dtex, einem Gesamttiter der multifilen Glasfilamente
von 340 dtex und einem Gewichtsanteil der Glasfilamente von 47 % wurde ein Handschuh
hergestellt. Zwei umsponnene Fäden wurden miteinander verzwirnt und zwei verzwirnte
Fäden parallel einer Strickmaschine mit 7 gauge Nadelteilung zugeführt und verstrickt.
Das Gewicht des Handschuhs betrug 35,6 g.
[0017] Der Handschuh wurde gemäß DIN EN 388 bezüglich Schnittfestigkeit und Abriebbeständigkeit
beim Institut Textile de France, einer akkreditierten Zertifizierungsstelle für persönliche
Schutzausrüstung, untersucht und wurde bezüglich Abriebbeständigkeit in der Leistungsstufe
3 klassifiziert und bezüglich Schnittschutz in der Klasse 5, also in der höchsten
Klasse, in die ein Handschuh im Hinblick auf Schnittschutz eingestuft werden kann.
Beispiel 2:
[0018] Aus dem erfindungsgemäß zur Herstellung von Schutzkleidung eingesetzten umsponnenen
Faden mit einem Gesamttiter von 720 dtex, einem Titer der Glasfilamente von 340 dtex
und einem Gewichtsanteil der Glasfilamente von 47 % wurde ein Handschuh hergestellt.
Zwei dieser umsponnenen Fäden wurden-miteinander verzwirnt und der verzwirnte Faden
auf einer Strickmaschine mit 10 gauge Nadelteilung verstrickt. Das Gewicht des Handschuhs
betrug 22,3 g.
[0019] Auch dieser Handschuh wurde gemäß DIN EN 388 vom Institut Textile de France auf Schnittfestigkeit
untersucht und wurde ebenfalls in die Klasse 5 für Schnittfestigkeit klassifiziert.
Dieser erfindungsgemäße Handschuh zeichnet sich somit durch einen sehr hohen Schnittschutz
bei niedrigem Gewicht aus, was zu einen besonders hohem Tragekomfort führt.
Beispiel 3:
[0020] In diesem Beispiel wurde ein erfindungsgemäßer Schnittschutzhandschuh hergestellt,
der ein Gewicht von lediglich 17,8 g aufwies. Dazu wurden zwei umsponnene Fäden mit
einem Gesamttiter von 450 dtex, einem Titer der Glasfilamente von 220 dtex und einem
Gewichtsanteil der Glasfilamente von ca. 49 % miteinander verzwirnt und auf einer
Strickmaschine mit einer Nadelteilung von 13 gauge zu einem Handschuh gestrickt. Trotz
des sehr niedrigen Gewichts wies der Handschuh eine Schnittfestigkeit nach DIN EN
388 in Klasse 5 und eine Abriebbeständigkeit in Klasse 2 auf.
Beispiel 4:
[0021] Aus dem umsponnenen Faden aus Beispiel 2 wurde ein Handschuh auf einer Strickmaschine
mit einer Nadelteilung von 10 gauge hergestellt. Der Handschuh wurde bei einem Gewicht
von 23,2 g in Bezug auf Schnittfestigkeit in Klasse 5 und in Bezug auf Abriebbeständigkeit
in Klasse 3 klassifiziert.
Beispiel 5:
[0022] Aus einem Faden aus mit Aramidstapelfasem umsponnenen Glasfilamenten, der einen Gesamttiter
von 450 dtex, einen Titer der Glasfilamente von 220 dtex und einen Gewichtsanteil
der Glasfilamente von 49 % aufwies, wurde auf einer Strickmaschine mit 7 gauge Nadelteilung
ein Handschuh von 31,9 g gestrickt. Zwei umsponnene Fäden waren miteinander verzwirnt,
und der Strickmaschine wurden parallel 3 miteinander verzwirnte Fäden zugeführt. Nach
DIN EN 388 wurde der Handschuh in Klasse 5 bezüglich Schnittschutz und in Klasse 3
bezüglich Abriebbeständigkeit klassifiziert.
Vergleichsbeispiel 1:
[0023] Auf einer Strickmaschine mit 7 gauge Nadelteilung wurde ein Handschuh gestrickt.
Der dazu eingesetzte Faden aus mit Aramidstapelfasern umsponnenen Glasfilamenten wies
einen Gesamttiter von 2630 dtex auf. Der Titer der Glasfilamente betrug 680 dtex und
ihr Gewichtsanteil 26 %. Eine Verzwirnung zweier Fäden erfolgte in diesem Beispiel
nicht. Gemäß DIN EN 388 konnte auch dieser Handschuh, der ein Gewicht von 36,6 g aufwies,
in Klasse 5 hinsichtlich Schnittschutz klassifiziert werden. In Bezug auf Abriebbeständigkeit
wurde er jedoch nur in Klasse 1 eingestuft. Für die Praxis ist jedoch nicht nur ein
hoher Schnittschutz sondern auch eine hohe Abriebbeständigkeit von Bedeutung, da diese
für die Lebensdauer des Handschuhs maßgeblich ist. Somit erfüllt der Handschuh dieses
Beispiels nicht die Forderungen, die an einen qualitativ guten Schutzhandschuh gestellt
werden.
Vergleichsbeispiel 2:
[0024] In einem weiteren Vergleichsbeispiel wurde auf einer Strickmaschine mit 10 gauge
Nadelteilung ein Handschuh gestrickt. Der dazu eingesetzte Faden aus mit Aramidstapelfasern
umsponnenen Glasfilamenten wies einen Gesamttiter von 360 dtex auf. Der Titer der
Glasfilamente betrug 110 dtex und ihr Gewichtsanteil 30 %. Jeweils zwei umsponnene
Fäden wurden miteinander verzwirnt, und jeweils zwei miteinander verzwirnte Fäden
wurden parallel der Strickmaschine zugeführt. Gemäß DIN EN 388 konnte dieser Handschuh,
der ein Gewicht von etwa 22 g aufwies, nur in Klasse 1 hinsichtlich Schnittschutz
klassifiziert werden, womit der Handschuh den von der Industrie geforderten Schnittschutzstandard
nicht erfüllt.
1. Schnittschutzkleidung aus einem Garn mit einem Kern aus Glasfilamenten und einem Mantel
aus Aramidfasern, dadurch gekennzeichnet, dass das Garn ein Faden aus mit Aramidstapelfasem umsponnenen Glasfilamenten ist, wobei
der umsponnene Faden einen Gesamttiter von 250 bis 1250 dtex aufweist und der Titer
der Glasfilamente 150 bis 450 dtex beträgt.
2. Schnittschutzkleidung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Glasfilamente einen Gewichtsanteil von 30 bis 60 % des Gesamtgewichts des umsponnenen
Fadens haben.
3. Schnittschutzkleidung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der umsponnene Faden einen Gesamttiter von 400 bis 800 dtex hat und der Titer der
Glasfilamente 200 bis 350 dtex beträgt.
4. Schnittschutzkleidung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Gewichtsanteil der Glasfilamente 40 bis 50 % des Gesamtgewichts des umsponnenen
Fadens beträgt.
5. Schnittschutzkleidung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Schnittschutzkleidung aus dem umsponnenen Faden gestrickt ist.
6. Schnittschutzkleidung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass zwei umsponnene Fäden miteinander verzwirnt sind.
7. Schnittschutzkleidung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass der Faden aus mit Aramidgarnen umsponnenen Glasfilamenten nach dem Friktionsspinnverfahren
hergestellt wird.
8. Schnittschutzkleidung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Schnittschutzkleidung ein Schnittschutzhandschuh ist.
9. Schnittschutzkleidung nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, das der Schnittschutzhandschuh ein Gewicht von 15 bis 40 g, insbesondere ein Gewicht
von 15 bis 25 g aufweist.
10. Schnittschutzkleidung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Schnittschutzkleidung ein Armschützer oder Unterarmschützer ist.