(19)
(11) EP 1 180 555 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
20.02.2002  Patentblatt  2002/08

(21) Anmeldenummer: 00123111.7

(22) Anmeldetag:  25.10.2000
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)7D02G 3/18, D02G 3/38, D02G 3/44, A41D 31/00, A41D 19/015
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH CY DE DK ES FI FR GB GR IE IT LI LU MC NL PT SE
Benannte Erstreckungsstaaten:
AL LT LV MK RO SI

(30) Priorität: 15.08.2000 DE 10040589

(71) Anmelder: Twaron Products GmbH
42103 Wuppertal (DE)

(72) Erfinder:
  • Manten, Johannes
    47800 Krefeld (DE)

(74) Vertreter: Fett, Günter 
Acordis AG Kasinostrasse 19-21
42103 Wuppertal
42103 Wuppertal (DE)

   


(54) Schnittschutzkleidung


(57) Es wird eine Schnittschutzkleidung aus einem Garn mit einem Kern aus Glasfilamenten und einem Mantel aus Aramidfasem vorgeschlagen, wobei das Garn ein Faden aus mit Aramidstapelfasern umsponnenen Glasfilamenten ist, und wobei der umsponnene Faden einen Gesamttiter von 250 bis 1250 dtex aufweist, und der Titer der Glasfilamente 150 bis 450 dtex beträgt. Der Gewichtsanteil der Glasfilamente beträgt bevorzugt 30 bis 60 % des Gesamtgewichts des umsponnenen Fadens. Insbesondere werden zwei umsponnene Fäden miteinander verzwirnt.


Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft Schnittschutzkleidung aus einem Garn mit einem Kern aus Glasfilamenten und einem Mantel aus Aramidfasem.

[0002] US-A- 5,177,948 offenbart ein nicht-metallisches Kompositgarn und daraus hergestellte textile Flächengebilde und Schutzkleidung, wobei diese eine gesteigerte Schnittfestigkeit, Flexibilität und Biegsamkeit aufweisen sollen im Vergleich zu Schnittschutzgamen, die metallische Drähte enthalten. Das Garn der US-A-5,177,948 enthält einen Faserkern und eine Ummantelung, die um den Kern gewickelt ist. Wenigstens ein Strang des Kerns besteht aus Glasfasern und dieser Strang weist einen Titer von 375 bis 1000 den, entsprechend etwa 417 bis 1111 dtex auf. Die um den Kern gewickelte Umhüllung umfaßt mindestens zwei Stränge, die in entgegengesetzten Richtungen zueinander, spiralförmig um den Kern gewickelt sind, und das nicht-metallische Kompositgarn weist einen Gesamttiter von 2000 bis 5000 den, entsprechend 2222 bis 5555 dtex auf. Für die um den Kern gewickelte Umhüllung können Aramidfasern eingesetzt werden, wobei jedoch Polyethylenfasern bevorzugt werden.

[0003] Das Kompositgarn der US-A- 5,177,948 soll auf konventionellen Strick- oder Webmaschinen zu textilen Flächengebilden verarbeitet werden oder zur Herstellung von Schutzkleidung gestrickt werden.

[0004] Zum einen ist die Herstellung des Kompositgams der US-A-5,177,948 sehr aufwendig, da zwei Garnstränge um einen Kern gewickelt werden müssen und somit zunächst der Kern, der ebenfalls aus mehreren Garnsträngen bestehen kann, und die zur Umwicklung benötigten Garnstränge separat zur Verfügung gestellt werden müssen und in weiteren Arbeitsgängen gewickelt werden müssen. Dieses Garn sollte zwar einen guten Schnittschutz bieten, aber aufgrund des Aufbaus des Garns sollte dieses schwer auf modernen Strickmaschinen zu verarbeiten sein und zu vergleichsweise steifen Schnittschutzartikeln aufgrund Aufbau und Dicke des Garnes führen.

[0005] Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, Schnittschutzkleidung zur Verfügung zu stellen, die aus einem Garn besteht, das auf einfache Weise herstellbar ist, und die einen hohen Schnittschutz bei gutem Tragekomfort bietet. Weiterhin soll die Schnittschutzkleidung eine hohe Abriebbeständigkeit aufweisen.

[0006] Diese Aufgabe wird bei der eingangs genannten Schnittschutzkleidung dadurch gelöst, dass das Garn ein Faden aus mit Aramidstapelfasern umsponnenen Glasfilamenten ist, wobei der umsponnene Faden einen Gesamttiter von 250 bis 1250 dtex aufweist und der Titer der Glasfilamente 150 bis 450 dtex beträgt.

[0007] Der Gewichtsanteil der Glasfilamente sollte 30 bis 60 %, bevorzugt 40 bis 50 % des Gesamtgewichts des umsponnenen Fadens betragen. Als Gesamttiter des Fadens werden 400 bis 800 dtex bevorzugt. Bei dem angegebenen Titer der Glasfilamente handelt es sich jeweils um den Gesamttiter eines multifilen Glasfilamentgarnes, der erfindungsgemäß 150 bis 450 dtex, bevorzugt 200 bis 350 dtex beträgt.

[0008] Die Schnittschutzkleidung wird insbesondere aus dem umsponnenen Faden gestrickt. Besonders vorteilhaft ist es, wenn zwei umsponnene Fäden miteinander verzwirnt sind, da damit eine höhere Abriebbeständigkeit der daraus hergestellten Schnittschutzkleidung erzielt wird.

[0009] Der Faden aus mit Aramidstapelfasern umsponnenen Glasfilamenten kann besonders vorteilhaft nach dem Friktionsspinnverfahren hergestellt werden. Damit ist eine kostengünstige Herstellung des Fadens in einem Arbeitsgang möglich. Zur Herstellung des Fadens können Friktionsspinnmaschinen wie sie unter dem Namen DREF 2, DREF 2000 von der Textilmaschinenfabrik Dr. Ernst Fehrer AG verkauft werden oder wie sie beispielsweise in DE-A-37 41 783 beschrieben sind, eingesetzt werden.

[0010] Bei der Schnittschutzkleidung handelt es sich insbesondere um einen Schnittschutzhandschuh, aber auch Armschützer oder Unterarmschützer sind möglich.

[0011] Mit dem erfindungsgemäß eingesetzten umsponnenen Faden lassen sich Schnittschutzkleidungsstücke von vergleichsweise geringem Gewicht herstellen, was deren Tragekomfort erhöht. So beträgt das Gewicht eines Schnittschutzhandschuhs beispielsweise 15 bis 40 g, insbesondere nur 15 bis 25 g.

[0012] Zur Herstellung von gestrickten Handschuhen werden bevorzugt sogenannte Handschuhstrickautomaten eingesetzt, wie sie z.B. von den japanischen Firmen Shima Seiki oder Matsuya vertrieben werden. Diese Strickautomaten werden mit verschiedenen Nadelteilungen angeboten:
7 gauge:
für relativ grobe, schwere Handschuhe
10 gauge:
für leichte Handschuhe, die bereits eher ein handschuhloses Gefühl verleihen sollen
13 gauge:
für sehr leichte Handschuhe
14 oder 15 gauge:
für ultra leichte / ultra dünne Handschuhe.


[0013] Schnittschutzhandschuhe der vorliegenden Erfindung werden bevorzugt mit Nadelteilungen von 10 und 13 gauge hergestellt. Es handelt sich damit um leichte bis sehr leichte Handschuhe, die mit dem Garn gemäß US-A-5,177,948 nicht hergestellt werden können, da das darin beschriebene Garn ein hohes Gewicht aufweist und inhärent eine zu hohe Steifigkeit besitzt. Auch sollte eine Verarbeitung mit einer Nadelteilung von 10 gauge und insbesondere von 13 gauge bei einem Gesamttiter des Kompositgarns von mindestens 2000 den kaum zu realisieren sein.

[0014] Im folgenden wird die Erfindung anhand von Beispielen näher erläutert und beschrieben.

[0015] Die Eigenschaften von Schnittschutzhandschuhen werden gemäß der Norm DIN EN 388 (1994) "Überprüfung von Schutzhandschuhen gegen mechanische Risiken" gemessen, und die nach der Norm bestimmte Abriebfestigkeit, Schnittfestigkeit, Weiterreißfestigkeit und Durchstichkraft werden in Leistungsstufen 1 bis 5 klassifiziert, wobei die Eigenschaften eines Schutzhandschuhs umso besser sind, je höher die Leistungsstufe ist, in die er klassifiziert ist.

Beispiel 1:



[0016] Aus dem erfindungsgemäß zur Herstellung von Schutzkleidung eingesetzten umsponnenen Faden mit einem Gesamttiter von 720 dtex, einem Gesamttiter der multifilen Glasfilamente von 340 dtex und einem Gewichtsanteil der Glasfilamente von 47 % wurde ein Handschuh hergestellt. Zwei umsponnene Fäden wurden miteinander verzwirnt und zwei verzwirnte Fäden parallel einer Strickmaschine mit 7 gauge Nadelteilung zugeführt und verstrickt. Das Gewicht des Handschuhs betrug 35,6 g.

[0017] Der Handschuh wurde gemäß DIN EN 388 bezüglich Schnittfestigkeit und Abriebbeständigkeit beim Institut Textile de France, einer akkreditierten Zertifizierungsstelle für persönliche Schutzausrüstung, untersucht und wurde bezüglich Abriebbeständigkeit in der Leistungsstufe 3 klassifiziert und bezüglich Schnittschutz in der Klasse 5, also in der höchsten Klasse, in die ein Handschuh im Hinblick auf Schnittschutz eingestuft werden kann.

Beispiel 2:



[0018] Aus dem erfindungsgemäß zur Herstellung von Schutzkleidung eingesetzten umsponnenen Faden mit einem Gesamttiter von 720 dtex, einem Titer der Glasfilamente von 340 dtex und einem Gewichtsanteil der Glasfilamente von 47 % wurde ein Handschuh hergestellt. Zwei dieser umsponnenen Fäden wurden-miteinander verzwirnt und der verzwirnte Faden auf einer Strickmaschine mit 10 gauge Nadelteilung verstrickt. Das Gewicht des Handschuhs betrug 22,3 g.

[0019] Auch dieser Handschuh wurde gemäß DIN EN 388 vom Institut Textile de France auf Schnittfestigkeit untersucht und wurde ebenfalls in die Klasse 5 für Schnittfestigkeit klassifiziert. Dieser erfindungsgemäße Handschuh zeichnet sich somit durch einen sehr hohen Schnittschutz bei niedrigem Gewicht aus, was zu einen besonders hohem Tragekomfort führt.

Beispiel 3:



[0020] In diesem Beispiel wurde ein erfindungsgemäßer Schnittschutzhandschuh hergestellt, der ein Gewicht von lediglich 17,8 g aufwies. Dazu wurden zwei umsponnene Fäden mit einem Gesamttiter von 450 dtex, einem Titer der Glasfilamente von 220 dtex und einem Gewichtsanteil der Glasfilamente von ca. 49 % miteinander verzwirnt und auf einer Strickmaschine mit einer Nadelteilung von 13 gauge zu einem Handschuh gestrickt. Trotz des sehr niedrigen Gewichts wies der Handschuh eine Schnittfestigkeit nach DIN EN 388 in Klasse 5 und eine Abriebbeständigkeit in Klasse 2 auf.

Beispiel 4:



[0021] Aus dem umsponnenen Faden aus Beispiel 2 wurde ein Handschuh auf einer Strickmaschine mit einer Nadelteilung von 10 gauge hergestellt. Der Handschuh wurde bei einem Gewicht von 23,2 g in Bezug auf Schnittfestigkeit in Klasse 5 und in Bezug auf Abriebbeständigkeit in Klasse 3 klassifiziert.

Beispiel 5:



[0022] Aus einem Faden aus mit Aramidstapelfasem umsponnenen Glasfilamenten, der einen Gesamttiter von 450 dtex, einen Titer der Glasfilamente von 220 dtex und einen Gewichtsanteil der Glasfilamente von 49 % aufwies, wurde auf einer Strickmaschine mit 7 gauge Nadelteilung ein Handschuh von 31,9 g gestrickt. Zwei umsponnene Fäden waren miteinander verzwirnt, und der Strickmaschine wurden parallel 3 miteinander verzwirnte Fäden zugeführt. Nach DIN EN 388 wurde der Handschuh in Klasse 5 bezüglich Schnittschutz und in Klasse 3 bezüglich Abriebbeständigkeit klassifiziert.

Vergleichsbeispiel 1:



[0023] Auf einer Strickmaschine mit 7 gauge Nadelteilung wurde ein Handschuh gestrickt. Der dazu eingesetzte Faden aus mit Aramidstapelfasern umsponnenen Glasfilamenten wies einen Gesamttiter von 2630 dtex auf. Der Titer der Glasfilamente betrug 680 dtex und ihr Gewichtsanteil 26 %. Eine Verzwirnung zweier Fäden erfolgte in diesem Beispiel nicht. Gemäß DIN EN 388 konnte auch dieser Handschuh, der ein Gewicht von 36,6 g aufwies, in Klasse 5 hinsichtlich Schnittschutz klassifiziert werden. In Bezug auf Abriebbeständigkeit wurde er jedoch nur in Klasse 1 eingestuft. Für die Praxis ist jedoch nicht nur ein hoher Schnittschutz sondern auch eine hohe Abriebbeständigkeit von Bedeutung, da diese für die Lebensdauer des Handschuhs maßgeblich ist. Somit erfüllt der Handschuh dieses Beispiels nicht die Forderungen, die an einen qualitativ guten Schutzhandschuh gestellt werden.

Vergleichsbeispiel 2:



[0024] In einem weiteren Vergleichsbeispiel wurde auf einer Strickmaschine mit 10 gauge Nadelteilung ein Handschuh gestrickt. Der dazu eingesetzte Faden aus mit Aramidstapelfasern umsponnenen Glasfilamenten wies einen Gesamttiter von 360 dtex auf. Der Titer der Glasfilamente betrug 110 dtex und ihr Gewichtsanteil 30 %. Jeweils zwei umsponnene Fäden wurden miteinander verzwirnt, und jeweils zwei miteinander verzwirnte Fäden wurden parallel der Strickmaschine zugeführt. Gemäß DIN EN 388 konnte dieser Handschuh, der ein Gewicht von etwa 22 g aufwies, nur in Klasse 1 hinsichtlich Schnittschutz klassifiziert werden, womit der Handschuh den von der Industrie geforderten Schnittschutzstandard nicht erfüllt.


Ansprüche

1. Schnittschutzkleidung aus einem Garn mit einem Kern aus Glasfilamenten und einem Mantel aus Aramidfasern, dadurch gekennzeichnet, dass das Garn ein Faden aus mit Aramidstapelfasem umsponnenen Glasfilamenten ist, wobei der umsponnene Faden einen Gesamttiter von 250 bis 1250 dtex aufweist und der Titer der Glasfilamente 150 bis 450 dtex beträgt.
 
2. Schnittschutzkleidung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Glasfilamente einen Gewichtsanteil von 30 bis 60 % des Gesamtgewichts des umsponnenen Fadens haben.
 
3. Schnittschutzkleidung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der umsponnene Faden einen Gesamttiter von 400 bis 800 dtex hat und der Titer der Glasfilamente 200 bis 350 dtex beträgt.
 
4. Schnittschutzkleidung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Gewichtsanteil der Glasfilamente 40 bis 50 % des Gesamtgewichts des umsponnenen Fadens beträgt.
 
5. Schnittschutzkleidung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Schnittschutzkleidung aus dem umsponnenen Faden gestrickt ist.
 
6. Schnittschutzkleidung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass zwei umsponnene Fäden miteinander verzwirnt sind.
 
7. Schnittschutzkleidung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass der Faden aus mit Aramidgarnen umsponnenen Glasfilamenten nach dem Friktionsspinnverfahren hergestellt wird.
 
8. Schnittschutzkleidung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Schnittschutzkleidung ein Schnittschutzhandschuh ist.
 
9. Schnittschutzkleidung nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, das der Schnittschutzhandschuh ein Gewicht von 15 bis 40 g, insbesondere ein Gewicht von 15 bis 25 g aufweist.
 
10. Schnittschutzkleidung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Schnittschutzkleidung ein Armschützer oder Unterarmschützer ist.
 





Recherchenbericht