[0001] Die Erfindung betrifft eine verfahrbare Hängegerüstkonstruktion, insbesondere für
Sanierungsarbeiten unterhalb von Brücken, mit einem auf der Brücke stehenden und in
Längsrichtung dieser verfahrbaren Verroll einrichtung.
[0002] Bei Sanierungsarbeiten von Brücken ist es bekannt, an der Unterseite der Brücke eine
Arbeitsplattform zum Ausführen der Sanierungsarbeiten zu platzieren, wobei derartige
Arbeitsplattformen z.B. durch an der Oberseite der Brücke angeordnete bzw. mittels
Gerüsten befestigten Seilen gehalten werden. Diese Gerüste sind zum einen jedoch sehr
sperrig, so daß es notwendig ist, die Fahrbahn zumindest teilweise während der Arbeiten
an der Brücke zu sperren, zum anderen ist eine Verfahrbarkeit der Arbeitsbühne nicht
gegeben, wobei nach Beendigung der Arbeiten an der mittels der Arbeitsbühne erreichbaren
Abschnitt der Brücke zunächst einmal die Arbeitsbühne abgelassen werden muß um sodann
das Gerüst verlagern zu können. Nach erneuter Positionierung, d.h. nach den entsprechenden
Ab- und Aufrüstarbeiten kann mit der eigentlichen Arbeit erneut begonnen werden.
Zur Verbesserung dieser Art von Arbeitsbühnen wird in der DE 38 24 921 A1 eine Brückenunterfahrvorrichtung
mit einem auf der Kragplatte der Brücke stehendem Fahrgestell beschrieben. An diesem
Fahrgestell befindet sich ein an der Brüstung der Brücke vorbei nach unten sich erstreckendes
Turmgerüst mit einem daran von unten angeschlossenen und um seine vertikale Achse
verschwenkbaren horizontalen Steggerüst. Das Steggerüst besitzt nach der einen Seite
seiner Achse einen Arbeitssteg und nach der anderen Seite einen Ausleger mit einem
schwenkbaren Abschnitt, an dem über zwei Tragseile ein höhenverfahrbarer Hängesteg
aufgehängt ist. Je nach anfallenden Arbeiten wird dieser Hängesteg zum Arbeiten am
Brückenpfeiler bzw. der Arbeitssteg für Arbeiten unterhalb des Brückenkastens genutzt.
Dazu wird der Arbeitssteg unter die Brücke geschwenkt. Der Ausleger mit seinem Hängesteg
ist in diesem Fall von der Brücke abgewandt. Der unbenutzte Hängesteg befindet sich
danach in seiner oberen Ruhestellung und bildet gleichzeitig das Gegengewicht zum
Arbeitssteg.
Diese Erfindung hat den Nachteil, daß der Einsatzbereich dieser Art von Brückenunterfahrvorrichtungen
dadurch sehr eingeschränkt ist, daß bei Brücken mit mehrspurigen Fahrbahnen die notwendigen
Arbeiten erst an der einen Brückenhälfte und erst nach dem Umsetzen der Brückenunterfahrvorrichtung
entsprechende Arbeiten an der anderen Hälfte der Brücke ausgeführt werden können,
was die Rüstzeiten und damit auch die Kosten sehr in die Höhe treibt.
Um diesen Nachteil zu begegnen, beschreibt die DE 40 07 222 A1 ein fahrbares Hängegerüst
zum Arbeiten an der Unterseite von solchen Brücken, die in ihrer Mitte einen in Längsrichtung
die Fahrbahnen trennenden Spalt aufweisen. Über dem Spalt ist das Fahrwerk angeordnet,
an dem mittels einer durch den Spalt greifenden Aufhängung eine Arbeitsbühne drehbar
aufgehängt ist. Die zentral aufgehängte Arbeitsbühne kann nach dem Abschluß der Arbeiten
in einem Brückenfeld zwischen zwei in Längsrichtung der Brücke benachbarten Pfeilern
um 90° verdreht und dann in Brückenlängsrichtung zwischen den in Querrichtung benachbarten
Pfeilern hindurch in das nächste Brückenfeld gefahren werden, wo es dann wieder um
90° in Arbeitsstellung zurückgedreht wird. Der wesentliche Vorteil gegenüber den bekannten
Ausführungen liegt darin, daß die Arbeitsbühne gleichzeitig beide Brückenüberbauten
quer unterspannen kann, so daß gleichzeitig Arbeiten sowohl an der einen als auch
an der anderen Brückenhälfte vorgenommen werden können. Nachteilig ist jedoch, daß
diese Art von Hängegerüsten nur für Brücken eingesetzt werden können, die in der Brückendeckenmitte
einen in Längsrichtung verlaufenden Spalt aufweisen. Eine universelle Einsatzmöglichkeit
ist damit nicht gegeben.
Eine dieser Lösung sehr nahe stehende Konstruktion wird in dem DE 93 12 431.7 U1 beschrieben.
Der Nachteil dieses Hängegerüstes ist jedoch gleich der vorgenannten Lösung, das heißt,
daß das Einsatzgebiet auch hier nur auf Brücken beschränkt ist, die einen in der Brückendeckenmitte
in Längsrichtung verlaufenden Spalt aufweisen.
In der DE 31 24 183 A1 wird eine Brückenunterfahrvorrichtung in beschrieben, bei der
eine Variante für Brücken mit einen in Längsrichtung der Brückendeckenmitte verlaufenden
Spalt vorgesehen ist. Die Aufhängung der Arbeitsbühne mit Fahrgestell und einem zweiarmigen
Ausleger erfolgt über Tragköpfe, die gleichmäßig auf die Brückenlänge verteilt durch
den Spalt gesteckt sind. An dem Ausleger sind Verlängerungen verschiebbar angeordnet,
die je nach Breite der Brücke entsprechend ausgefahren werden können. Bei der zweiten
Variante hängt die Arbeitsbühne an einem auf den Kragplatten der Brücke laufende Wagen.
Seitlich am Wagen sitzt ein über den Rand der Kragplatte nach unten hängender Lagerhals,
an dessen Innenseite ein einarmiger Ausleger befestigt ist. Der Ausleger hat, ähnlich
wie bei der ersten Variante, eine längsverfahrbare Verlängerung, an deren Ende teleskopartig
hochfahrbare Arbeitsbühnenteile angeordnet sind. Auch diese Lösung hat den Nachteil,
daß sie nur für geteilte Brücken, also Brücken mit einem in Längsrichtung verlaufendem
Spalt, eingesetzt werden kann. Allen bisher bekannten Hängegerüsten haftet insgesamt
der Nachteil an, daß die jeweiligen Arbeitsflächen der Arbeitsplattformen sehr beschränkt
sind, was die Handlungsmöglichkeiten stark reduziert. Des weiteren sind diese Arbeitsbühnen
in sich relativ instabil, da die Aufhängung über Seile, Stäbe oder dgl. erfolgt, die
Arbeitsflächen somit nur eine geringe Belastung zulassen und damit für Arbeiten u.a.
mit Spritzbeton kaum eingesetzt werden können und nur für bestimmte Brückenkonstruktionen
bzw. auszuführende Arbeiten geeignet sind.
[0003] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine fahrbare Hängegerüstkonstruktion für
Sanierungsarbeiten von Brücken vorzuschlagen, die durch ihre Variabilität weitgehend
für alle Arten von Brücken einsetzbar und der jeweiligen Brückengröße anpaßbar ist
sowie in kürzester Zeit auf- und abgebaut werden kann. Sie soll sich weiterhin durch
einfachen Aufbau und geringes Gewicht auszeichnen und sehr hoch belastbar sein.
[0004] Erfindungsgemäß wird das durch die im Patentanspruch 1 beschriebenen Merkmale erreicht.
Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den Ansprüchen 2 bis 4 beschrieben.
Ein den Brückenkörper überspannendes Hängegerüst, bestehend aus einem oberen Hauptbrückenträger,
jeweils einer an den beiden Stirnseiten angeordneten Hängekonstruktion, einer Fahrstützkonstruktion,
einer unteren Kragkonstruktion und zwei verfahrbaren Plattformen, ist aus einzelnen
würfel- oder/und quaderförmigen Modulen in Raumfachwerkkonstruktion aufgebaut. Das
hat den Vorteil, daß die Spannweite des erfindungsgemäßen Hängegerüstes grundsätzlich
so groß gewählt werden kann, wie es die einzelnen Brücken erfordern. Die Variabilität
und Wahl des Rastermaßes ist ebenfalls fast unbegrenzt möglich. Durch die Möglichkeit
der Vormontage größerer Segmente ist ein Einsatz an infrastruktur-sensiblen Bereichen,
wie Autobahnen, Bahnstrecken oder dgl., sehr vorteilhaft; die notwendigen Sperrzeiten
können auf ein Minimumbereich beschränkt werden. Die untere Kragkonstruktion besitzt
treppenförmige Arbeitsebenen mit Plattformen. An der untersten Seite der Kragkonstruktion
sind Laufschienen angeordnet, an denen zwei Plattformen mit Laufwerken getrennt verschiebbar
hängen und die Plattformen eine Plattformverriegelung besitzen. Mit einer sehr kompakten,
leichten und sicheren Konstruktion, insbesondere aber durch die großflächig gestalteten
Plattformen werden alle Belange des Arbeitsschutzes erfüllt. Durch die ca. zehnfach
höhere mögliche Belastung der Arbeitsflächen können gegenüber bekannten Lösungen auch
Arbeiten mit Spritzbeton ausgeführt werden. Dies ist bei vergleichbaren Hängegerüsten
kaum möglich bzw. es macht sich ein sehr aufwendiges Einrüsten der Brücken für derartige
Arbeiten entweder räumlich oder mit Flächengerüsten erforderlich.
[0005] Die Erfindung soll anhand eines Ausführungsbeispieles näher erläutert werden. In
den zugehörigen Zeichnungen zeigen:
- Fig. 1
- eine Ansicht des Hängegerüstes im geschlossenen Zustand in Brückenlängsrichtung gesehen,
- Fig. 2
- einen Schnitt A - A der Fahrstützkonstruktion mit Fahrwerk,
- Fig. 3
- eine Ansicht des Hängegerüstes im geöffneten Zustand in Brückenlängsrichtung gesehen,
- Fig. 4
- einen Schnitt B - B der Raumfachwerkplattform nach Fig.1,
- Fig. 5
- einen Schnitt C - C der Raumfachwerkplattform nach Fig. 3 im geöffneten Zustand,
- Fig. 6
- einen Schnitt D - D der Raumfachwerkplattform nach Fig. 1 im halb geöffneten Zustand.
- Fig. 7
- Einzelheit nach Fig. 1
[0006] Das gesamte verfahrbare Hängegerüst 6 ist aus einzelnen vorzugsweise würfelartigen
Modulen in Raumfachwerkkonstruktion aufgebaut und besteht nach Fig. 1 aus einem oberen
Hauptbrückenträger 7, jeweils einer an den beiden Stirnseiten angeordneten Hängekonstruktion
9, einer Fahrstützkonstruktion 8, einer unteren Kragkonstruktion 10 und zwei verfahrbaren
Plattformen 11 und 11'. Die Verfahrbarkeit des Hängegerüstes 6 in Längsrichtung des
Brückenkörpers 1 wird über zwei elektrisch betriebene Fahrwerke 12 bewirkt, die sich
an der mit dem Hauptbrückenträger 7 biegesteif verbundenen Fahrstützkonstruktion 8,
wie aus Fig. 2 erkennbar, befinden. Damit sich das Verfahren des Hängegerüstes 6 spurgetreu
vollzieht, befinden sich beidseitig auf dem Fahrbahnüberbau 2 des zu sanierenden Brückenkörpers
1 Führungsschienen, in denen die Fahrwerke 12 laufen. Die jeweils seitlich angeordnete
Hängekonstruktion 9 verbindet den oberen Hauptbrückenträger 7 mit der unteren Kragkonstruktion
10. Um ein optimales Bearbeiten der Brückenuntersichten und der Druckstreben 4 zu
gewährleisten, ist die Kragkonstruktion 10 treppenförmig aufgebaut. Auf den einzelnen
Stufen der Treppe befinden sich die Arbeitsebenen mit sehr großflächigen Plattformen
15. Zur Ableitung der Horizontalkräfte ist an jeder Hängekonstruktion 9, wie aus Fig.
7 ersichtlich, eine verschiebbare Horizontalabsteifung 13 mit Laufrollen 22 an der
dem Brückenkörper 1 zugewandten Seite befestigt, die das Hängegerüst 6 seitlich am
Fahrbahnüberbau 2 des Brückenkörpers 1 fixiert. Die Stabilisierung des Hängegerüstes
6 erfolgt über Druckanker 23, die an der unteren Treppe der Kragkonstruktion 10 sitzend
gegen die Unterkante des Brücken-Hohlkastens 3 drücken. Um die Sicherheit der sich
auf den Plattformen 15 befindenden Arbeiter zu gewährleisten, sind seitlich an den
Plattformen 15 Absturzsicherungen 16 bzw. verschiebbare Absturzsicherungen 19 angebracht.
Der Zugang zu den Plattformen 15 erfolgt von dem Fahrbahnüberbau 2 des Brückenkörpers
1 über einen beidseitig angeordneten Leitergang 14. An der untersten Seite der Kragkonstruktion
10 befinden sich Laufschienen 21, an denen zwei großflächige untere Plattformen 11
und 11' mit Laufwerken 17 und voneinander getrennt verschiebbar hängen. Verbunden
sind die unteren Plattformen 11 bzw. 11' über eine lösbare Plattformverriegelung 18.
Von einer Montageplattform 20 aus, die sich an der Stoßstelle der unteren Plattform
11 bzw. 11' befindet, kann die Plattformverriegelung 18 gelöst bzw. geschlossen werden.
Über ein nicht näher beschriebenes Steuerpult wird das Verfahren des Hängegerüstes
6 nach vorherigem Lösen der Druckanker 23 gestartet. Durch eine getrennte Steuerung
der Fahrwerke 12 ist es möglich, eine Schiefstellung des Gerüstes oder eine nicht
genaue Parallelität des Brückenkörpers 1 auszugleichen, aber auch das Hängegerüst
6 einem möglichen Kurvenradius anzupassen. Ist der gewünschte Standort erreicht, werden
die Druckanker 23 zur Stabilisierung des Hängegerüstes 6 wieder angedrückt. Macht
es sich erforderlich, daß ein Brückenpfeiler 5 umfahren werden muß, wird die Plattformverriegelung
18 von der Montageplattform 20 aus gelöst und die unteren Plattformen 11 und 11',
wie aus Fig. 5 zu sehen, geöffnet. Nach dem Umfahren der Brückenpfeiler 5 werden die
unteren Plattformen 11 und 11' wieder geschlossen und anschließend verriegelt.
1. Verfahrbare Hängekonstruktion, insbesondere für Sanierungsarbeiten unterhalb von Brücken,
mit einem auf der Brücke stehenden und in Längsrichtung dieser verfahrbaren Verrolleinrichtung,
dadurch gekennzeichnet,
daß ein den Brückenkörper (1) überspannendes Hängegerüst (6), bestehend aus einem oberen
Hauptbrückenträger (7), jeweils einer an den beiden Stirnseiten angeordneten Hängekonstruktion
(9), einer Fahrstützkonstruktion (8), einer unteren Kragkonstruktion (10) und zwei
verfahrbaren Plattformen (11, 11'), aus einzelnen vorzugsweise würfelförmigen Modulen
in Raumfachwerkkonstruktion aufgebaut ist.
2. Verfahrbare Hängekonstruktion nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die untere Kragkonstruktion (10) treppenförmige Arbeitsebenen mit Plattformen (15)
besitzt.
3. Verfahrbare Hängekonstruktion nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß an der untersten Seite der Kragkonstruktion (10) Laufschienen (21) angeordnet sind,
an denen zwei untere Plattformen (11,11') mit Laufwerken (17) getrennt verschiebbar
hängen.
4. Verfahrbare Hängekonstruktion nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Plattformen (11, 11') eine Plattformverriegelung (18) besitzen.
Aufstellung der verwendeten Bezugszeichen
1 Brückenkörper
2 Fahrbahnüberbau
3 Brücken-Hohlkasten
4 Druckstreben
5 Brückenpfeiler
6 Hängegerüst
7 oberer Hauptbrückenträger
8 Fahrstützkonstruktion
9 seitliche Hängekonstruktion
10 untere Kragkonstruktion
11 Plattform
11' Plattform
12 Fahrwerk
13 Horizontalabsteifung
14 Leitergang
15 Plattform
16 Absturzsicherung
17 Laufwerk
18 Plattformverriegelung
19 Absturzsicherung
20 Montageplattform
21 Laufschienen
22 Laufrolle
23 Druckanker
24 Fahrbahnkappen