(19)
(11) EP 1 186 726 A2

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
13.03.2002  Patentblatt  2002/11

(21) Anmeldenummer: 01120985.5

(22) Anmeldetag:  31.08.2001
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)7E04D 5/10, E04D 13/17, E04D 1/36
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH CY DE DK ES FI FR GB GR IE IT LI LU MC NL PT SE TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
AL LT LV MK RO SI

(30) Priorität: 08.09.2000 DE 10045002

(71) Anmelder: Röttger, Wilhelm
36103 Flieden (DE)

(72) Erfinder:
  • Brinkmann, Peter
    65549 Limburg/Lahn (DE)

(74) Vertreter: Zipse + Habersack 
Wotanstrasse 64
80639 München
80639 München (DE)

   


(54) Plastisch verformbare Materialbahn


(57) Plastisch verformbare Materialbahn, insbesondere Bitumenbahn zur Anwendung vorzugsweise im Bedachungsbereich. Die Materialbahn umfaßt ein modellierbares Gitternetz als Trägermaterial und mindestens eine plastisch verformbare Abdeckmaterialschicht wie eine Bitumenschicht, die mit dem Gitternetz verbunden ist. Zur Verbindung des Gitternetzes (4') mit der Abdeckmaterialschicht (2') ist auf das Gitternetz eine dünne Schaumstoffbahn (3') aufgeklebt oder thermisch aufkaschiert. Der Schaumstoff verhindert ein Lösen der Bitumenschicht wegen des kalten Flusses von dem Gitter und er verhindert das Durchsacken des Bitumens auch bei hohen Temperaturen.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft eine plastisch verformbare Materialbahn, die ein plastisch modellierbares Gitternetz und mindestens eine plastisch verformbare Abdeckmaterialschicht umfaßt, die mit dem Gitternetz verbunden ist.

[0002] Zur Abdeckung beispielsweise im Steildachbereich eines Bauwerks wird derartiges Material, insbesondere eine plastisch verformbare Bitumenbahn, in Form von Bahnen, Bögen oder Streifen benötigt, um den Zwischenraum zwischen Bitumenschindeln oder - bahnen und einem aus der Dachfläche herausragenden Bauteil wie Kamin, Dachfenster, einem Dunstrohr oder auch zwischen First, Grat oder dergleichen abzuschließen. Im Flachdachbereich gilt dies gleichermaßen für den Anschluß an die Attika sowie für die aus der Dachfläche herausragenden Bauteile wie Dachluken, Kamin, Dunstrohre usw.

[0003] Ebenfalls können solche Dichtbahnen außerhalb des Dachbereichs für herausgeführte Anschlüsse für Energieversorgung, Wasserleitungen, Abwasser- oder sonstige Anschlüsse Verwendung finden.

[0004] In diesen Anwendungen ist ausgehend von einer im Wesentlichen ebenen Fläche oder geraden Kante der Übergang zu einer dreidimensionalen Fläche wasserdicht abzuschließen, so dass das Dichtband gleichzeitig in beiden Richtungen dehnbar und plastisch anformbar sein muß.

[0005] Plastisch verformbare Bitumenbahnen mit einem Gitternetz als Verstärkungseinlage sind beispielsweise aus DE-OS 2 225 358, US 4 219 603 oder US 4 368 228 bekannt. Ein Problem bei den bekannten Bitumenbahnen ist es, das Fließen der bituminösen Masse bei hohen Temperaturen einerseits und das Brüchigwerden bei Frost zu vermeiden. Außerdem haben die bekannten Bahnen eine schlechte Dehnmöglichkeit und damit schlechte Anformbarkeit an doppelt gekrümmte Flächen.

[0006] Aufgabe der Erfindung ist es, eine plastisch verformbare Materialbahn zu schaffen, die sphärisch gekrümmten Bauteilen angeformt werden kann und Formbeständigkeit auch bei hohen Temperaturen gewährleistet.

[0007] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß mit einer plastisch verformbaren Materialbahn gelöst, wie sie durch den Anspruch 1 gekennzeichnet ist. Weiterbildungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen beschrieben.

[0008] Die Erfindung schlägt vor, zur Verbindung der Abdeckmaterialschicht wie einer Bitumenschicht mit einem Gitternetz als Verstärkungseinlage auf dieses Gitternetz ein dünnes gekrepptes Vlies oder eine dünne Schaumstoffbahn aufzukleben oder thermisch aufzukaschieren. Dieser Materialverbund aus Gitternetz und gekrepptem Vlies bzw. dünner Schaumstoffbahn wird mit Bitumen, Wachs, Schmelzkleber, Synthesekautschuk oder dergleichen getränkt oder mit Dispersionen, Lacken o.ä. beschichtet, lakkiert oder imprägniert. Beispielsweise wird der Materialverbund durch ein Bitumenbad gezogen und auf eine Silikonfolie oder Silikonpapier aufgerollt, nachdem die Oberseite mit einem bitumenverträglichen Acrylat beschichtet wurde.

[0009] Entscheidend für die Erfindung ist die Verwendung des gekreppten Vliesstoffes bzw. der dünnen Schaumstoffbahn einseitig oder zu beiden Seiten des Gitternetzes. Ohne diesen Vliesstoff bzw. ohne diese Schaumstoffbahn würde beispielsweise das Bitumen sich wegen des kalten Flusses von dem Gitternetz lösen.

[0010] Für eine Bitumenbahn mit höherer plastischer Verformbarkeit wird ein Streckgitter, vorzugsweise ein Al-Streckgitter mit hoher Dehnbarkeit in beiden Richtungen als Trägermaterial vorgeschlagen, beispielsweise ein Streckmetallgitter gemäß DE 199 10 312.7, das aus einem Netzwerk von Gitterstegen und Gitterknoten besteht, wobei einzelne Gitterknoten als Sollbruchstellen ausgebildet sind. Auf das Streckgitter als Trägermaterial wird zunächst ein sehr leichter offenporiger Polyesterschaum aufkaschiert. Das Kaschieren geschieht durch kurzzeitiges Beflammen und anschließendes Aufwalzen, wobei die beflammte Schaumseite angeschmolzen wird und mit dem Metall verklebt. Dieser Schaum hat eine sehr hohe Temperaturbeständigkeit (ca. 200° C, kurzzeitig bis 270° C), so dass er von dem anschließend aufgebrachten heißen Bitumen (ca. 160° C) nicht zerstört wird. Der offenporige Polyesterschaum hat vorzugsweise ein Raumgewicht von ca. 30 kg/m3 und ist bei einer Bitumendichtbahn ca. 1,5 mm dick, d.h. das Schaumgewicht ist lediglich 45 g/m2. Dies bedeutet äußerst geringe Materialkosten.

[0011] Das Streckgitter garantiert die Formbeständigkeit und der Schaum verhindert das Durchsacken des Bitumens auch bei hohen Temperaturen.

[0012] Die vorliegende Erfindung umfasst auch ein Firstbelüftungselement, das aus zwei seitlichen Bereiche und einem zwischen den seitlichen Bereichen liegenden mittleren Bereich besteht. Die beiden seitlichen Bereiche bestehen aus einer Materialbahn gemäß einer Ausführungsform der vorliegenden Erfindung. Der mittlere Bereich besteht aus einem plastisch modellierbaren Gitternetz und einer darauf angebrachten Schicht aus dünnem gekrepptem Vlies oder Schaumstoff. Vorteilhafterweise werden die entsprechenden Schichten von Gitternetz und Schaumstoff in den seitlichen Bereichen und dem mittleren Bereich durchgängig, also aus einem Stück, ausgestaltet. Bevorzugt weisen die seitlichen Bereiche eine Breite von 5 bis 15 cm, besonders bevorzugt zwischen 6 und 8 cm auf. Der mittlere Bereich ist somit luftdurchlässig ausgestaltet und erlaubt auf diese Weise eine ausreichende Belüftung des Hausfirstes. Die Schaumstoffbahn ist in dieser Ausführungsform der vorliegenden Erfindung bevorzugt hydrophob ausgestaltet, wodurch der mittlere Bereich undurchlässig für Regen und Schnee ist.

[0013] Die Erfindung wird nachfolgend anhand beigefügter Zeichnungen näher erläutert. Es zeigen:
Fig. 1
im Querschnitt (vergrößert) eine plastisch verformbare Bitumenbahn mit Verstärkungseinlage mit einem zu beiden Seiten aufgebrachten, sehr dünnen gekreppten Vliesstoff;
Fig. 2
im Querschnitt (vergrößert) eine plastisch verformbare Bitumenbahn mit einer Verstärkungseinlage mit einer einseitig aufkaschierten Schaumstoffbahn;
Fig. 3
im Querschnitt (vergrößert) eine plastisch verformbare Materialbahn mit einer auf einer Seite aufgebrachten Schaumstoffbahn; und
Fig. 4
im Querschnitt (vergrößert) ein Firstbelüftungselement, das in den Bereichen I und II eine plastisch verformbare Materialbahn wie in Figur 3 dargestellt umfasst und im Bereich III lediglich aus Gitternetz und Schaumstoffbahn besteht.


[0014] Der Aufbau der plastisch verformbaren Bitumenbahn gemäß Figur 1 von oben nach unten ist wie folgt:
  • eine Bitumenschicht 2, ca. 0,7 mm mit einer bitumenverträglichen Acrylatbeschichtung 1, die die Klebrigkeit der Oberfläche aufhebt,
  • ein sehr dünnes, gekrepptes Vlies 3, das sich leicht dehnen läßt,
  • ein Al-Streckgitter z.B. mit Sollbruchstellen an einzelnen Gitterknoten,
  • wiederum ein sehr dünnes, gekrepptes Vlies 5, das sich leicht dehnen läßt, und
  • eine Bitumenschicht 6 wie oben, ohne Beschichtung, jedoch auf der Unterseite mit einer abziehbaren Silikonfolie 7.


[0015] Die Verwendung des gekreppten Vliesstoffes zu beiden Seiten des Al-Gitters stellt sicher, dass sich das Bitumen wegen des kalten Flusses nicht von dem Al-Gitter löst.

[0016] Figur 2 zeigt ein zweites Ausführungsbeispiel einer plastisch verformbaren Bitumenbahn, bei der auf ein Streckgitter 4' eine dünne Schaumstoffbahn 3' aufgeklebt oder thermisch aufkaschiert ist. Hierauf ist eine Bitumenschicht 2'' aufgebracht, die den Schaumstoff 3' und das Streckgitter 4' zumindest teilweise durchdringt und die auf der Oberseite mit Granulat 1' abgestreut ist. Auf der Unterseite ist die Bitumenbahn von einem abziehbaren Schutzstreifen 7' abgedeckt.

[0017] Figur 3 zeigt eine weitere bevorzugte Ausführungsform gemäß der vorliegenden Erfindung, bei der auf ein Streckgitter 4 eine 1,0 bis 1,5 mm dicke Schaumstoffbahn 3 aufgeklebt oder thermisch aufkaschiert ist. Der Schaumstoff besteht aus Polyester, Polypropylen, Polyurethan oder ähnlichen Kunststoffen und weist eine Dichte von ca. 30 kg/m3 auf. 97% des von dem Schaumstoff umschlossene Volumens besteht also aus Luft. In das Streckgitter 4 und die Schaumstoffbahn 3 wird von der Unterseite her eine plastische Klebemasse 2 aus Butylkautschuk oder Schmelzkleber eingepresst, die den Schaumstoff 3 und das Streckgitter 4 zumindest teilweise durchdringt. Die plastische Klebemasse ist auf der Unterseite von einem abziehbaren Schutzstreifen 7 abgedeckt. Auf der Oberseite wird die Materialbahn mit einer dehnbaren Acryldispersion 1 abgedeckt. Die Vorteile dieser Ausführungsform liegen darin, dass der Schaumstoff die unterseitige Klebemasse gut festhält, ein Durchsacken durch das Gitternetz bei hohen Temperaturen vermieden wird und der Schaumstoff gleichzeitig eine Haftbrücke für die Beschichtung der Klebemasse mit der Acryldispersion darstellt.

[0018] Figur 4 zeigt im Querschnitt ein Firstbelüftungselement, das in den Bereichen I und II eine plastisch verformbare Materialbahn wie in Figur 3 dargestellt umfasst. In dem Bereich III besteht das Firstbelüftungselement lediglich aus dem Gitternetz 4 und der Schaumstoffbahn 3. Die Bereiche I und II weisen eine Breite von rund 7 cm auf. Der Bereich III ist luftdurchlässig und ermöglicht daher eine ausreichende Firstbelüftung. Die Schaumstoffbahn 3 ist vorzugsweise hydrophob ausgerüstet und daher regen- und schneesicher.

[0019] Anstelle einer Bitumenschicht oder einer plastischen Klebemasse kann in allen Ausführungsbeispielen beispielsweise eine Hotmelt-Kaschierung auf den Materialverbund von Streckgitter und Vlies bzw. Streckgitter und Schaumstoff aufgebracht sein.

[0020] Ebenso kann auf der Unterseite derartiger Bahnen eine thermisch aktivierbare Schicht, z.B. eine Hotmelt-Folie aufgebracht werden, damit die Bahnen auch verschweißt bzw. thermisch mit dem jeweiligen Untergrund verbunden werden können.

[0021] Weiterhin besteht die Möglichkeit, die unterseitigen Bitumenbahnen mit einer Schutzschicht abzudecken, die vor dem Verlegen nicht abgezogen werden muß, sondern durch Abflämmen entfernt werden kann, so dass eine zügige Verlegung möglich ist.


Ansprüche

1. Plastisch verformbare Materialbahn, die ein plastisch modellierbares Gitternetz (4, 4') und mindestens eine plastisch verformbare Abdeckmaterialschicht (2, 6; 2') umfaßt, die mit dem Gitternetz verbunden ist,
dadurch gekennzeichnet, dass zur Verbindung des Gitternetzes mit der Abdeckmaterialschicht auf das Gitternetz ein dünnes gekrepptes Vlies (3, 5) oder eine dünne Schaumstoffbahn (3') aufgeklebt oder thermisch aufkaschiert ist.
 
2. Materialbahn nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass das Gitternetz ein Streckmetallgitter (4, 4') und vorzugsweise ein Al-Streckmetallgitter ist.
 
3. Materialbahn nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet, dass das Gitternetz ein Streckmetallgitter (4, 4') ist, bei dem einzelne Gitterknoten als Sollbruchstellen ausgebildet sind.
 
4. Materialbahn nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, dass die dünne Schaumstoffbahn (3') aus Polyester, Polypropylen oder Polyurethan besteht.
 
5. Materialbahn nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, dass die dünne Schaumstoffbahn (3') ein sehr leichter offenporiger Polyesterschaum von 0,5 - 5 mm, vorzugsweise 1,0 bis 1,5 mm Dicke ist, mit einem Raumgewicht von vorzugsweise ca. 30 kg/m3.
 
6. Materialbahn nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, dass ein dünnes gekrepptes Vlies (3, 5) von vorzugsweise 0,1 - 1 mm beidseitig auf das Gitternetz (4) aufgeklebt oder thermisch aufkaschiert ist.
 
7. Materialbahn nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, dass die Abdeckmaterialschicht eine Bitumenschicht (2, 6; 2') ist.
 
8. Materialbahn nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet, dass die Oberseite der Bitumenschicht (2, 2') mit Granulat (1') oder mit einem bitumenverträglichen Acrylat (1) oder dergleichen beschichtet und die Unterseite der Bitumenschicht (6, 2') durch eine abziehbare oder abflammbare Schutzfolie (7, 7') bzw. Schutzschicht abgedeckt ist.
 
9. Materialbahn nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, dass die Abdeckmaterialschicht (2, 6; 2') eine Wachs-, Schmelzkleber- oder Synthesekautschukschicht, insbesondere Butylkautschuk, ist.
 
10. Materialbahn nach Anspruch 7, 8 oder 9,
dadurch gekennzeichnet dass die Abdeckmaterialschicht (2, 6; 2') das gekreppte Vlies (3, 5) bzw. die Schaumstoffbahn (2') zumindest teilweise durchdringt.
 
11. Materialbahn nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, dass die Abdeckmaterialschicht (2, 6; 2') eine Lack- oder Dispersionsschicht, insbesondere eine Acryldispersionsschicht, ist.
 
12. Materialbahn nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass die Unterseite der Abdeckmaterialschicht (6, 2') mit einer selbstklebenden oder thermisch aktivierbaren Schicht ausgerüstet ist.
 
13. Firstbelüftungselement, umfassend zwei seitliche Bereiche I und II und einen zwischen den Bereichen I und II liegenden Bereich III, wobei die zwei seitlichen Bereiche I und II aus einer Materialbahn gemäß den Ansprüchen 1 bis 12 bestehen und der Bereich III aus einem plastisch modellierbaren Gitternetz (4) und einer darauf angebrachten Schicht aus dünnem gekrepptem Vlies (3) oder Schaumstoff (3) besteht.
 




Zeichnung