[0001] Die Erfindung betrifft eine plastisch verformbare Materialbahn, die ein plastisch
modellierbares Gitternetz und mindestens eine plastisch verformbare Abdeckmaterialschicht
umfaßt, die mit dem Gitternetz verbunden ist.
[0002] Zur Abdeckung beispielsweise im Steildachbereich eines Bauwerks wird derartiges Material,
insbesondere eine plastisch verformbare Bitumenbahn, in Form von Bahnen, Bögen oder
Streifen benötigt, um den Zwischenraum zwischen Bitumenschindeln oder - bahnen und
einem aus der Dachfläche herausragenden Bauteil wie Kamin, Dachfenster, einem Dunstrohr
oder auch zwischen First, Grat oder dergleichen abzuschließen. Im Flachdachbereich
gilt dies gleichermaßen für den Anschluß an die Attika sowie für die aus der Dachfläche
herausragenden Bauteile wie Dachluken, Kamin, Dunstrohre usw.
[0003] Ebenfalls können solche Dichtbahnen außerhalb des Dachbereichs für herausgeführte
Anschlüsse für Energieversorgung, Wasserleitungen, Abwasser- oder sonstige Anschlüsse
Verwendung finden.
[0004] In diesen Anwendungen ist ausgehend von einer im Wesentlichen ebenen Fläche oder
geraden Kante der Übergang zu einer dreidimensionalen Fläche wasserdicht abzuschließen,
so dass das Dichtband gleichzeitig in beiden Richtungen dehnbar und plastisch anformbar
sein muß.
[0005] Plastisch verformbare Bitumenbahnen mit einem Gitternetz als Verstärkungseinlage
sind beispielsweise aus DE-OS 2 225 358, US 4 219 603 oder US 4 368 228 bekannt. Ein
Problem bei den bekannten Bitumenbahnen ist es, das Fließen der bituminösen Masse
bei hohen Temperaturen einerseits und das Brüchigwerden bei Frost zu vermeiden. Außerdem
haben die bekannten Bahnen eine schlechte Dehnmöglichkeit und damit schlechte Anformbarkeit
an doppelt gekrümmte Flächen.
[0006] Aufgabe der Erfindung ist es, eine plastisch verformbare Materialbahn zu schaffen,
die sphärisch gekrümmten Bauteilen angeformt werden kann und Formbeständigkeit auch
bei hohen Temperaturen gewährleistet.
[0007] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß mit einer plastisch verformbaren Materialbahn
gelöst, wie sie durch den Anspruch 1 gekennzeichnet ist. Weiterbildungen der Erfindung
sind in den Unteransprüchen beschrieben.
[0008] Die Erfindung schlägt vor, zur Verbindung der Abdeckmaterialschicht wie einer Bitumenschicht
mit einem Gitternetz als Verstärkungseinlage auf dieses Gitternetz ein dünnes gekrepptes
Vlies oder eine dünne Schaumstoffbahn aufzukleben oder thermisch aufzukaschieren.
Dieser Materialverbund aus Gitternetz und gekrepptem Vlies bzw. dünner Schaumstoffbahn
wird mit Bitumen, Wachs, Schmelzkleber, Synthesekautschuk oder dergleichen getränkt
oder mit Dispersionen, Lacken o.ä. beschichtet, lakkiert oder imprägniert. Beispielsweise
wird der Materialverbund durch ein Bitumenbad gezogen und auf eine Silikonfolie oder
Silikonpapier aufgerollt, nachdem die Oberseite mit einem bitumenverträglichen Acrylat
beschichtet wurde.
[0009] Entscheidend für die Erfindung ist die Verwendung des gekreppten Vliesstoffes bzw.
der dünnen Schaumstoffbahn einseitig oder zu beiden Seiten des Gitternetzes. Ohne
diesen Vliesstoff bzw. ohne diese Schaumstoffbahn würde beispielsweise das Bitumen
sich wegen des kalten Flusses von dem Gitternetz lösen.
[0010] Für eine Bitumenbahn mit höherer plastischer Verformbarkeit wird ein Streckgitter,
vorzugsweise ein Al-Streckgitter mit hoher Dehnbarkeit in beiden Richtungen als Trägermaterial
vorgeschlagen, beispielsweise ein Streckmetallgitter gemäß DE 199 10 312.7, das aus
einem Netzwerk von Gitterstegen und Gitterknoten besteht, wobei einzelne Gitterknoten
als Sollbruchstellen ausgebildet sind. Auf das Streckgitter als Trägermaterial wird
zunächst ein sehr leichter offenporiger Polyesterschaum aufkaschiert. Das Kaschieren
geschieht durch kurzzeitiges Beflammen und anschließendes Aufwalzen, wobei die beflammte
Schaumseite angeschmolzen wird und mit dem Metall verklebt. Dieser Schaum hat eine
sehr hohe Temperaturbeständigkeit (ca. 200° C, kurzzeitig bis 270° C), so dass er
von dem anschließend aufgebrachten heißen Bitumen (ca. 160° C) nicht zerstört wird.
Der offenporige Polyesterschaum hat vorzugsweise ein Raumgewicht von ca. 30 kg/m
3 und ist bei einer Bitumendichtbahn ca. 1,5 mm dick, d.h. das Schaumgewicht ist lediglich
45 g/m
2. Dies bedeutet äußerst geringe Materialkosten.
[0011] Das Streckgitter garantiert die Formbeständigkeit und der Schaum verhindert das Durchsacken
des Bitumens auch bei hohen Temperaturen.
[0012] Die vorliegende Erfindung umfasst auch ein Firstbelüftungselement, das aus zwei seitlichen
Bereiche und einem zwischen den seitlichen Bereichen liegenden mittleren Bereich besteht.
Die beiden seitlichen Bereiche bestehen aus einer Materialbahn gemäß einer Ausführungsform
der vorliegenden Erfindung. Der mittlere Bereich besteht aus einem plastisch modellierbaren
Gitternetz und einer darauf angebrachten Schicht aus dünnem gekrepptem Vlies oder
Schaumstoff. Vorteilhafterweise werden die entsprechenden Schichten von Gitternetz
und Schaumstoff in den seitlichen Bereichen und dem mittleren Bereich durchgängig,
also aus einem Stück, ausgestaltet. Bevorzugt weisen die seitlichen Bereiche eine
Breite von 5 bis 15 cm, besonders bevorzugt zwischen 6 und 8 cm auf. Der mittlere
Bereich ist somit luftdurchlässig ausgestaltet und erlaubt auf diese Weise eine ausreichende
Belüftung des Hausfirstes. Die Schaumstoffbahn ist in dieser Ausführungsform der vorliegenden
Erfindung bevorzugt hydrophob ausgestaltet, wodurch der mittlere Bereich undurchlässig
für Regen und Schnee ist.
[0013] Die Erfindung wird nachfolgend anhand beigefügter Zeichnungen näher erläutert. Es
zeigen:
- Fig. 1
- im Querschnitt (vergrößert) eine plastisch verformbare Bitumenbahn mit Verstärkungseinlage
mit einem zu beiden Seiten aufgebrachten, sehr dünnen gekreppten Vliesstoff;
- Fig. 2
- im Querschnitt (vergrößert) eine plastisch verformbare Bitumenbahn mit einer Verstärkungseinlage
mit einer einseitig aufkaschierten Schaumstoffbahn;
- Fig. 3
- im Querschnitt (vergrößert) eine plastisch verformbare Materialbahn mit einer auf
einer Seite aufgebrachten Schaumstoffbahn; und
- Fig. 4
- im Querschnitt (vergrößert) ein Firstbelüftungselement, das in den Bereichen I und
II eine plastisch verformbare Materialbahn wie in Figur 3 dargestellt umfasst und
im Bereich III lediglich aus Gitternetz und Schaumstoffbahn besteht.
[0014] Der Aufbau der plastisch verformbaren Bitumenbahn gemäß Figur 1 von oben nach unten
ist wie folgt:
- eine Bitumenschicht 2, ca. 0,7 mm mit einer bitumenverträglichen Acrylatbeschichtung
1, die die Klebrigkeit der Oberfläche aufhebt,
- ein sehr dünnes, gekrepptes Vlies 3, das sich leicht dehnen läßt,
- ein Al-Streckgitter z.B. mit Sollbruchstellen an einzelnen Gitterknoten,
- wiederum ein sehr dünnes, gekrepptes Vlies 5, das sich leicht dehnen läßt, und
- eine Bitumenschicht 6 wie oben, ohne Beschichtung, jedoch auf der Unterseite mit einer
abziehbaren Silikonfolie 7.
[0015] Die Verwendung des gekreppten Vliesstoffes zu beiden Seiten des Al-Gitters stellt
sicher, dass sich das Bitumen wegen des kalten Flusses nicht von dem Al-Gitter löst.
[0016] Figur 2 zeigt ein zweites Ausführungsbeispiel einer plastisch verformbaren Bitumenbahn,
bei der auf ein Streckgitter 4' eine dünne Schaumstoffbahn 3' aufgeklebt oder thermisch
aufkaschiert ist. Hierauf ist eine Bitumenschicht 2'' aufgebracht, die den Schaumstoff
3' und das Streckgitter 4' zumindest teilweise durchdringt und die auf der Oberseite
mit Granulat 1' abgestreut ist. Auf der Unterseite ist die Bitumenbahn von einem abziehbaren
Schutzstreifen 7' abgedeckt.
[0017] Figur 3 zeigt eine weitere bevorzugte Ausführungsform gemäß der vorliegenden Erfindung,
bei der auf ein Streckgitter 4 eine 1,0 bis 1,5 mm dicke Schaumstoffbahn 3 aufgeklebt
oder thermisch aufkaschiert ist. Der Schaumstoff besteht aus Polyester, Polypropylen,
Polyurethan oder ähnlichen Kunststoffen und weist eine Dichte von ca. 30 kg/m
3 auf. 97% des von dem Schaumstoff umschlossene Volumens besteht also aus Luft. In
das Streckgitter 4 und die Schaumstoffbahn 3 wird von der Unterseite her eine plastische
Klebemasse 2 aus Butylkautschuk oder Schmelzkleber eingepresst, die den Schaumstoff
3 und das Streckgitter 4 zumindest teilweise durchdringt. Die plastische Klebemasse
ist auf der Unterseite von einem abziehbaren Schutzstreifen 7 abgedeckt. Auf der Oberseite
wird die Materialbahn mit einer dehnbaren Acryldispersion 1 abgedeckt. Die Vorteile
dieser Ausführungsform liegen darin, dass der Schaumstoff die unterseitige Klebemasse
gut festhält, ein Durchsacken durch das Gitternetz bei hohen Temperaturen vermieden
wird und der Schaumstoff gleichzeitig eine Haftbrücke für die Beschichtung der Klebemasse
mit der Acryldispersion darstellt.
[0018] Figur 4 zeigt im Querschnitt ein Firstbelüftungselement, das in den Bereichen I und
II eine plastisch verformbare Materialbahn wie in Figur 3 dargestellt umfasst. In
dem Bereich III besteht das Firstbelüftungselement lediglich aus dem Gitternetz 4
und der Schaumstoffbahn 3. Die Bereiche I und II weisen eine Breite von rund 7 cm
auf. Der Bereich III ist luftdurchlässig und ermöglicht daher eine ausreichende Firstbelüftung.
Die Schaumstoffbahn 3 ist vorzugsweise hydrophob ausgerüstet und daher regen- und
schneesicher.
[0019] Anstelle einer Bitumenschicht oder einer plastischen Klebemasse kann in allen Ausführungsbeispielen
beispielsweise eine Hotmelt-Kaschierung auf den Materialverbund von Streckgitter und
Vlies bzw. Streckgitter und Schaumstoff aufgebracht sein.
[0020] Ebenso kann auf der Unterseite derartiger Bahnen eine thermisch aktivierbare Schicht,
z.B. eine Hotmelt-Folie aufgebracht werden, damit die Bahnen auch verschweißt bzw.
thermisch mit dem jeweiligen Untergrund verbunden werden können.
[0021] Weiterhin besteht die Möglichkeit, die unterseitigen Bitumenbahnen mit einer Schutzschicht
abzudecken, die vor dem Verlegen nicht abgezogen werden muß, sondern durch Abflämmen
entfernt werden kann, so dass eine zügige Verlegung möglich ist.
1. Plastisch verformbare Materialbahn, die ein plastisch modellierbares Gitternetz (4,
4') und mindestens eine plastisch verformbare Abdeckmaterialschicht (2, 6; 2') umfaßt,
die mit dem Gitternetz verbunden ist,
dadurch gekennzeichnet, dass zur Verbindung des Gitternetzes mit der Abdeckmaterialschicht auf das Gitternetz
ein dünnes gekrepptes Vlies (3, 5) oder eine dünne Schaumstoffbahn (3') aufgeklebt
oder thermisch aufkaschiert ist.
2. Materialbahn nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass das Gitternetz ein Streckmetallgitter (4, 4') und vorzugsweise ein Al-Streckmetallgitter
ist.
3. Materialbahn nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet, dass das Gitternetz ein Streckmetallgitter (4, 4') ist, bei dem einzelne Gitterknoten
als Sollbruchstellen ausgebildet sind.
4. Materialbahn nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, dass die dünne Schaumstoffbahn (3') aus Polyester, Polypropylen oder Polyurethan besteht.
5. Materialbahn nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, dass die dünne Schaumstoffbahn (3') ein sehr leichter offenporiger Polyesterschaum von
0,5 - 5 mm, vorzugsweise 1,0 bis 1,5 mm Dicke ist, mit einem Raumgewicht von vorzugsweise
ca. 30 kg/m3.
6. Materialbahn nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, dass ein dünnes gekrepptes Vlies (3, 5) von vorzugsweise 0,1 - 1 mm beidseitig auf das
Gitternetz (4) aufgeklebt oder thermisch aufkaschiert ist.
7. Materialbahn nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, dass die Abdeckmaterialschicht eine Bitumenschicht (2, 6; 2') ist.
8. Materialbahn nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet, dass die Oberseite der Bitumenschicht (2, 2') mit Granulat (1') oder mit einem bitumenverträglichen
Acrylat (1) oder dergleichen beschichtet und die Unterseite der Bitumenschicht (6,
2') durch eine abziehbare oder abflammbare Schutzfolie (7, 7') bzw. Schutzschicht
abgedeckt ist.
9. Materialbahn nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, dass die Abdeckmaterialschicht (2, 6; 2') eine Wachs-, Schmelzkleber- oder Synthesekautschukschicht,
insbesondere Butylkautschuk, ist.
10. Materialbahn nach Anspruch 7, 8 oder 9,
dadurch gekennzeichnet dass die Abdeckmaterialschicht (2, 6; 2') das gekreppte Vlies (3, 5) bzw. die Schaumstoffbahn
(2') zumindest teilweise durchdringt.
11. Materialbahn nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, dass die Abdeckmaterialschicht (2, 6; 2') eine Lack- oder Dispersionsschicht, insbesondere
eine Acryldispersionsschicht, ist.
12. Materialbahn nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass die Unterseite der Abdeckmaterialschicht (6, 2') mit einer selbstklebenden oder thermisch
aktivierbaren Schicht ausgerüstet ist.
13. Firstbelüftungselement, umfassend zwei seitliche Bereiche I und II und einen zwischen
den Bereichen I und II liegenden Bereich III, wobei die zwei seitlichen Bereiche I
und II aus einer Materialbahn gemäß den Ansprüchen 1 bis 12 bestehen und der Bereich
III aus einem plastisch modellierbaren Gitternetz (4) und einer darauf angebrachten
Schicht aus dünnem gekrepptem Vlies (3) oder Schaumstoff (3) besteht.