[0001] Die Erfindung betrifft ein Kampffahrzeug mit Abschußvorrichtung für Artillerieraketen
mit den Merkmalen aus dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1. Derartige Kampffahrzeuge
sind an sich bekannt und ein derartiges Kampffahrzeug ist beispielsweise in EP 0 664
431 B 1 beschrieben. Bei einem Kampffahrzeug dieser bekannten Bauart ist die Oberlafette
als kastenartiger Rahmen aufgebaut, in den die Raketenbehälter von den Enden her einschiebbar
sind, wobei die Hebemittel zum Be- und Entladen am Einschubende des kastenartigen
Rahmens hervorragende Hebevorrichtungen aufweisen, die jeweils zwei Tragarme besitzen,
die durch eine Brücke verbunden sind und an denen jeweils Hebezeuge angeordnet sind.
Die elektromechanischen Hebemittel bestehen aus zwei, jeweils zu beiden Seiten des
kastenartigen Aufnahmerahmens angeordneten elektrischen Hubspindelantrieben.
[0002] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Kampffahrzeug der oben und im Oberbegriff
des Patentanspruchs 1 angegebenen Bauart in der Konstruktion so zu vereinfachen, daß
eine erhebliche Gewichtseinsparung erreicht wird und insbesondere die Bewegungsmöglichkeiten
der Abschußvorrichtung sowie der Einrichtungen zum Be- und Entladen der Raketen-Behälter
erleichtert und vereinfacht werden.
[0003] Die Lösung dieser Aufgabe erfolgt erfindungsgemäß mit den Merkmalen aus dem kennzeichnenden
Teil des Patentanspruchs 1. Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung sind in den
abhängigen Ansprüchen beschrieben.
[0004] Der Grundgedanke der Erfindung liegt u.a. darin, durch eine besonders sinnvolle Konstruktion
der Oberlafette die Möglichkeit zu schaffen, die gleichen Hebemittel, die zur Schwenkbewegung
der Oberlafette in Elevation dienen, auch als Hebemittel zum Be- und Entladen einzusetzen
und dabei die Anzahl der benötigten Hebevorrichtungen zu reduzieren. Wie weiter unten
anhand eines Ausführungsbeispiels genauer erläutert, ist es aufgrund der zweiteiligen
Konstruktion der Oberlafette mit dem zwischen den beiden Aufnahmerahmen angeordneten
Richtarm möglich, zur Bewegung des Richtarms einen einzigen elektrischen Hubspindeltrieb
einzusetzen, der, wenn die Oberlafette an den Richtarm angekoppelt ist, die gesamte
Abschußvorrichtung in Elevation hochschwenkt, der aber, wenn die Oberlafette vom Richtarm
abgekoppelt ist, lediglich den Richtarm mit dem daran angeordneten Schwenkarm und
dem Hebezeug hochschwenkt, so daß dann oberhalb der auf den Aufnahmerahmen angeordneten
Raketenbehälter eine vielseitig verwendbare Krananlage zur Verfügung steht. Zm Be-
und Entladen der Raketenbehälter ist der Richtarm mit Schwenkarm und Hebezeug um einen
Schwenkwinkel > als 90° nach hinten aus der Abschußvorrichtung und damit nach hinten
aus dem Gesamtkampffahrzeug herausschwenkbar, so daß Raketenbehälter vom Boden aufgenommen
und durch Einschwenken über die Oberlafette auf den Aufnahmerahmen abgesetzt und umgekehrt
von den Aufnahmerahmen aufgenommen, nach hinten geschwenkt und auf dem Boden abgesetzt
werden können. Die aus Richtarm, Schwenkarm und Hebezeug bestehende Krananlage ist
dabei so ausgebildet, daß mittels des Schwenkarms das Hebezeug im über der Oberlafette
angeordneten Zustand des Richtarms jeweils genau über einem der beiden Aufnahmerahmen
positioniert werden kann, indem der Schwenkarm aus einer Ruhestellung, in welche er
im wesentlichen in der Ebene des Richtarms liegt, jeweils um 90° aus dieser Ebene
herausgeschwenkt wird in eine Position, in der das Hebezeug dann über jeweils einem
der Aufnahmerahmen angeordnet ist. Zur weiteren Erleichterung der Positionierung kann
es vorteilhaft sein, wenn das Hebezeug am Schwenkarm um eine Achse parallel zur Elevationsachse
schwenkbar angeordnet ist. Das Hebezeug kann in einfacher und besonders vorteilhafter
Weise als Seilwinde ausgebildet sein. Weiterhin ist es zweckmäßig, wenn sowohl der
Richtarm als auch der Schwenkarm mittels elektrischer Arretiervorrichtungen in vorgegebenen
Stellungen arretierbar sind. Die Kopplungsvorrichtung zwischen dem Richtarm und dem
Aufnahmerahmen der Oberlafette kann in besonders vorteilhafter Weise als elektrische
Sperrbolzenmechanik ausgebildet sein.
[0005] Im folgenden wird anhand der beigefügten Zeichnungen ein Ausführungsbeispiel für
ein Kampffahrzeug nach der Erfindung näher erläutert.
[0006] In den Zeichnungen zeigen:
Fig. 1 in einer stark schematisierten, schräg von vorne gesehenen perspektivischen
Darstellung ein Kampffahrzeug mit Abschußvorrichtung für Artillerieraketen;
Fig. 2 in einer perspektivischen Darstellung schräg von hinten das Kampffahrzeug nach
Fig. 1 mit auf die Aufnahmerahmen aufgesetzten Raketenbehältern und leicht aus der
Ruhestellung angehobenem Richtarm;
Fig. 3 in einer Darstellung analog Fig. 2 das Kampffahrzeug nach Fig. 2 mit nach hinten
herausgeschwenktem Richtarm und einem auf dem Boden abgesetzten Raketenbehälter;
Fig. 4 in einer perspektivischen Darstellung schräg von vorne das Kampffahrzeug nach
den Fig. 1 bis 3 mit in Elevation hochgeschwenkter Abschußvorrichtung;
Fig. 5 das Kampffahrzeug nach Fig. 1 bis 4 in Seitenansicht mit in Elevation hochgeschwenkter
Abschußvorrichtung;
Fig. 6 das Kampffahrzeug nach Fig. 1 bis 5 in einer Seitenansicht im Heckbereich bei
verschiedenen Stellungen des Richtarms;
Fig. 7 einen Schnitt nach der Linie VII-VII in Fig. 6.
[0007] In den Fig. 1 bis 5 ist ein Kampffahrzeug mit Abschußvorrichtung für Artillerieraketen
dargestellt, wobei die Gesamtdarstellung des Kampffahrzeugs sehr schematisch gehalten
ist und nur Teile dargestellt sind und erläutert werden, die für die Bewegung und
das Be- und Entladen der Abschußvorrichtung von besonderer Bedeutung sind.
[0008] Das Kampffahrzeug besitzt ein auf einem Kettenfahrwerk 1.1 ruhendes Fahrzeuguntergestell
1, auf dem ein Fahrerhaus 1.2 sowie die nachfolgend genauer beschriebene Abschußvorrichtung
für Artillerieraketen angeordnet sind.
[0009] Die Abschußvorrichtung besitzt eine Oberlafette, die insgesamt mit Bezugsziffer 2
bezeichnet ist und die zwei rechteckige Aufnahmerahmen 2.1 und 2.2 aufweist, deren
Abmessungen derart an die Abmessungen der aufzunehmenden Raketenbehälter angepaßt
sind, daß auf jeden der Aufnahmerahmen 2.1 und 2.2 jeweils ein Raketenbehälter 3.1
und 3.2 aufsetzbar ist und in nicht eigens dargestellter Weise mit dem Aufnahmerahmen
verriegelbar ist. Entlang der in Längsrichtung verlaufenden Innenkanten sind die Aufnahmerahmen
2.1 und 2.2 jeweils mit einer im wesentlichen dreieckig ausgebildeten Seitenwange
2.11 bzw. 2.21 versehen.
[0010] Die Oberlafette 2 ist um eine Elevationsachse A1 (siehe Fig. 6) in Elevation schwenkbar
auf einer Unterlafette 4 angeordnet, die über einen Drehkranz 5 um eine vertikale
Achse A2 (siehe Fig. 6 und 7) in Azimut schwenkbar und von einem Schwenkantrieb 5.1
antreibbar auf dem Fahrzeuguntergestell 1 gelagert ist:
[0011] Zwischen den beiden Aufnahmerahmen 2.1 und 2.2 verläuft in deren Längsrichtung ein
Zwischenraum Z (siehe Fig. 1) vorgegebener Breite, in dem ein um die Elevationsachse
A1 schwenkbarer Richtarm 6 angeordnet ist, an den beide Aufnahmerahmen mittels einer
lösbaren Koppelvorrichtung 8 ankoppelbar sind. Der Richtarm 6 ist mittels eines einzigen,
im wesentlichen auf der Längsmittelachse des Fahrzeugs angeordneten Hubspindeltriebs
7 um die Achse A1 in Elevation verschwenkbar.
[0012] Am freien Ende des Richtarms 6 ist ein Schwenkarm 6.1 angeordnet, der um eine in
einer Ebene senkrecht zur Elevationsachse A1 liegende Schwenkachse A3 (siehe Fig.
6 und 7) mittels eines Schwenkantriebs 6.4 verschwenkbar ist. Der Schwenkarm 6.1 trägt
an seinem freien Ende ein als Seilwinde 6.2 ausgebildetes Hebezeug, an dem über eine
Aufhängevorrichtung 6.3 die Raketenbehälter 3.1, 3.2 aufhängbar sind.
[0013] Mittels des Richtarms 6 können nun am Kampffahrzeug zwei sehr unterschiedliche Bewegungsabläufe
bewirkt werden. Wenn der Richtarm 6 von den Aufnahmerahmen 2.1 und 2.2 entkoppelt
ist, kann er für sich alleine aus einer in Fig. 1 dargestellten Ruhestellung in Elevation
angehoben werden, beispielsweise in die in Fig. 2 dargestellte Arbeitsstellung. In
dieser Stellung kann der Schwenkarm 6.1 um die Achse A3 nach links oder rechts verschwenkt
werden und es kann in weiter unten anhand der Fig. 6 und 7 genauer erläuterter Weise
einer der beiden Raketenbehälter 3.1 oder 3.2 vom Hebezeug aufgenommen werden. Der
Richtarm 6 kann dann weiter nach hinten verschwenkt werden, so daß er schließlich
in die in Fig. 3 dargestellte Absetzstellung gerät, in welcher der vom Aufnahmerahmen
2.1 abgehobene Raketenbehälter 3.1 auf dem Boden abgesetzt wird.
[0014] Das gleiche kann in analoger Weise mit dem Raketenbehälter 3.2 durchgeführt werden.
Ebenso können bei umgekehrtem Bewegungsablauf Raketenbehälter auf die Aufnahmerahmen
aufgesetzt werden.
[0015] Ein anderer Bewegungsablauf geschieht, wenn der Richtarm 6 angehoben wird, während
die Aufnahmerahmen 2.1 und 2.2 der Oberlafette 2 mittels der Koppelvorrichtung 8 an
ihn angekoppelt sind. Beim Hochschwenken des Richtarms 6 in Elevation wird in diesem
Falle die Oberlafette 2 mit den Aufnahmerahmen 2.1, 2.2 und den Raketenbehältern 3.1
und 3.2 mit angehoben, so daß schließlich die in Fig. 4 und 5 dargestellte Stellung
vorliegt, in der sich die Abschußvorrichtung in Feuerposition befindet.
[0016] Es wird darauf hingewiesen, daß die beiden beschriebenen Bewegungsabläufe mittels
eines einzigen Hubspindeltriebs 7 durchgeführt werden können.
[0017] In Fig. 6 und 7 ist der Aufbau und die Funktionsweise der Be- und Entladevorrichtung
für die Raketenbehälter genauer dargestellt, wobei in den beiden Figuren unterschiedliche
Stellungen des Richtarms 6 und des Schwenkarms 6.1 dargestellt sind. Diese unterschiedlichen
Stellungen werden jeweils mit der gleichen Bezugsziffer bezeichnet, die dann jeweils
mit eins bis drei Apostrophstrichen oder einer Unterstreichung besonders gekennzeichnet
sind.
[0018] In der Ruhestellung ist der Richtarm 6 unter einem verhältnismäßig kleinen spitzen
Winkel nach vorne geneigt, so daß Schwenkarm 6.1 und Hebezeug 6.2 teilweise zwischen
die Raketenbehälter 3.1 und 3.2 eintauchen, so daß die Außenkontur des Fahrzeugs klein
bleibt. In der Arbeitsstellung ist der Richtarm 6' weiter angehoben und Schwenkarm
6.1' sowie Hebezeug 6.2' liegen im wesentlichen auf der Längsmittelachse des Fahrzeugs.
Aus dieser Stellung kann der Schwenkarm um 90° nach rechts oder links beispielsweise
in die mit 6.1" geschwenkt werden, in welcher auch das Hebezeug 6.2" senkrecht zur
Fahrzeuglängsmittelachse steht. In dieser Stellung kann jeweils einer der beiden Raketenbehälter,
also in Fig. 7 beispielsweise der Raketenbehälter 3.1 über die Ankoppelvorrichtung
6.3" angekoppelt werden. Er kann dann mittels Hebezeugs 6.2" angehoben werden und
der Richtarm wird in die in Fig. 6 dargestellte Absetzstellung
6 geschwenkt, in welcher der Raketenbehälter 3.1' in die Endstellung 3.1" auf dem Erdboden
abgesetzt werden kann. In ähnlicher Weise kann, wie in Fig. 7 dargestellt, in der
Stellung 6.1''' des Schwenkarms der Raketenbehälter 3.2 angehoben und dann nach hinten
geschwenkt und auf dem Erdboden abgesetzt werden. Das Aufnehmen von Raketenbehältern
erfolgt dann in umgekehrter Richtung des Bewegungsablaufs.
1. Kampffahrzeug mit Abschußvorrichtung für Artillerieraketen, bei welchem auf einem
Fahrzeuguntergestell ein Fahrerhaus sowie die Abschußvorrichtung angeordnet sind,
wobei die Abschußvorrichtung eine Oberlafette zur Aufnahme von Raketenbehältern aufweist
und die Oberlafette in Elevation schwenkbar auf einer Unterlafette angeordnet ist,
die über einen Drehkranz in Azimut schwenkbar auf dem Fahrzeuguntergestell gelagert
ist, und bei dem die Schwenkbewegung in Elevation durch zwischen Unterlafette und
Oberlafette angeordnete elektromechanische Hebemittel bewirkt wird und weitere Hebemittel
zum Be- und Entladen der Raketenbehälter vorgesehen sind, dadurch gekennzeichnet, daß die Oberlafette (2) zwei rechteckige Aufnahmerahmen (2.1, 2.2) aufweist, deren Abmessungen
an die Abmessungen der Raketenbehälter (3.1, 3.2) angepaßt sind und auf die jeweils
ein Raketenbehälter (3.1, 3.2) aufsetzbar und mit dem Aufnahmerahmen (2.1, 2.2) verriegelbar
ist und zwischen den beiden Aufnahmerahmen, in deren Längsrichtung, ein Zwischenraum
(Z) vorgegebener Breite verläuft, in dem ein in Elevation schwenkbarer Richtarm (6)
angeordnet ist, an den beide Aufnahmerahmen (2.1, 2.2) über lösbare Koppelvorrichtungen
(8) angekoppelt sind und der über einen elektrischen Hubspindeltrieb (7) verschwenkbar
ist und am freien Ende des Richtarms (6) ein Schwenkarm (6.1) um eine in einer Ebene
senkrecht zur Elevationsachse (A1) liegende Schwenkachse (A3) mittels eines Schwenkantriebs
(6.4) verschwenkbar angeordnet ist, der an seinem freien Ende ein Hebezeug (6.2) zum
Anheben und Absenken der Raketenbehälter (3.1, 3.2) trägt.
2. Kampffahrzeug nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Hebezeug am Schwenkarm um eine Achse parallel zur Elevationsachse (A1) schwenkbar
angeordnet ist.
3. Kampffahrzeug nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Hebezeug als Seilwinde (6.2) ausgebildet ist.
4. Kampffahrzeug nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Richtarm (6) und/oder der Schwenkarm (6.1) mittels elektrischer Arretiervorrichtungen
in vorgegebenen Stellungen arretierbar sind.
5. Kampffahrzeug nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Kopplungsvorrichtung zwischen dem Richtarm (6) und den Aufnahmerahmen (2.1, 2.2)
der Oberlafette (2) als elektrische Sperrbolzenmechanik (8) ausgebildet sind.