Technisches Gebiet
[0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine Hochtemperaturlegierung für thermische Maschinen
auf der Basis von intermetallischen Verbindungen, welche sich für Feinguss sowie gerichtete
Erstarrung eignen und die konventionellen Nickelbasis-Superlegierungen ergänzen.
[0002] Sie betrifft eine Verbesserung der auf einer intermetallischen Verbindung des Typs
Titanaluminid TiAl basierenden Legierungen mit weiteren die Festigkeit, Zähigkeit
und Dehnbarkeit sowie die Oxidations- und Kriechfestigkeit erhöhenden Zusätzen.
Stand der Technik
[0003] Intermetallische Verbindungen des Titans mit dem Aluminium haben einige interessante
Eigenschaften, welche sie als Konstruktionswerkstoffe im mittleren und höheren Temperaturbereich
als attraktiv erscheinen lassen. Dazu gehört unter anderem ihre gegenüber Superlegierungen
niedrigere Dichte. Ihrer technischen Verwertbarkeit in der vorliegenden Form steht
aber ihre Sprödigkeit entgegen. Diese kann durch bestimmte Zusätze verbessert werden.
[0004] So wurde z. B. vorgeschlagen, durch Zugabe von alternativ Cr, B, V, Si, Ta sowie
Mn, W, Mo, Nb, Hf bzw. (Ni+Si) einerseits die Sprödigkeit herabzusetzen und anderseits
eine möglichst hohe Festigkeit im interessierenden Temperaturbereich zwischen Raumtemperatur
und Betriebstemperatur zu erreichen. Ausserdem wurde eine ausreichende hohe Oxidationsbeständigkeit
angestrebt. Diese Ziele wurden aber nur teilweise erreicht.
[0005] Die Warmfestigkeit der bekannten Aluminide lässt vor allem zu wünschen übrig. Entsprechend
dem vergleichsweise niedrigen Schmelzpunkt dieser Werkstoffe ist die Festigkeit, insbesondere
die Kriechfestigkeit, im oberen Temperaturbereich ungenügend.
[0006] Aus US 3 203 794 ist eine TiAI-Hochtemperaturlegierung mit 37 Gew.-% Al, 1 Gew.-%
Zr, Rest Ti bekannt. Der vergleichsweise geringe Zusatz von Zr bedingt, dass diese
Legierung reinem TiAl vergleichbare Eigenschaften aufweist.
[0007] Aus EP-A1-0 363 598 geht eine Hochtemperaturlegierung auf der Basis TiAl mit Zusätzen
an Si und Nb hervor, aus EP-A1-0 405 134 dagegen eine Hochtemperaturlegierung auf
der Basis TiAl mit Zusätzen an Si und Cr.
[0008] Diese bekannten modifizierten intermetallischen Verbindungen genügen den technischen
Anforderungen aber nicht.
[0009] Zwecks Verbesserung der Eigenschaften wurde daher in EP-B1-0 455 005 eine auf dotierten
TiAl basierende Hochtemperaturlegierung angegeben mit folgender chemischer Zusammensetzung:

wobei
El = B, Ge oder Si und Me = Cr, Mn, Nb, Pd, Ta, W, Y, Zr und es gilt:
0,46 ≤ x ≤ 0,54,
0,001 ≤ y ≤ 0,015 für El = Si und Me = W
0,001 ≤ y ≤ 0,015 für El = Ge und Me = Cr, Ta, W
0 < y ≤ 0,02 für El = Ge und Me = Pd, Y, Zr
0,0001 ≤ y ≤ 0,01 für El = B
0,01 < z ≤0,04, falls Me = Einzelelement,
0,01 < z ≤ 0,08, falls Me = zwei oder mehr Einzelelemente
und 0,46 ≤ (x + y + z) ≤ 0,54.
[0010] Durch Zulegieren von W, Cr, Mn, Nb, Y, Zr, Pd wird eine Härte- und Festigkeitssteigerung
gegenüber der TiAI-Grundlegierung erzielt. Durch Zugabe von B wird die Duktilität
erhöht. Si erhöht die Oxidationsbeständigkeit. Der Einsatzbereich dieser modifizierten
Titanaluminide erstreckt sich auf Temperaturen zwischen 600°C und 1000°C.
[0011] Eine weitere Verbesserung vor allem der Kriechfestigkeit und der Oxidationsbeständigkeit
wird bei der oben beschriebenen Legierung erreicht, wenn EI jeweils eine Kombination
von zwei Elementen aus der Gruppe B, Si und Ge ist (DE 199 33 633.4).
[0012] Aus US 5908516 A ist ausserdem eine TiAl-Legierung bekannt, welche mit 0,1-0,7 At.
% Si und mit 0,01-0.75 At. % B legiert ist, wobei ein optimaler Bor-Gehalt bei 0,25
At. % liegen soll. Durch die B-Zugabe wird infolge Kornfeinung eine Verbesserung der
Zugfestigkeit und Duktilität erreicht.
Darstellung der Erfindung
[0013] Die Erfindung versucht, diese bekannte Hochtemperaturlegierung weiter zu verbessern.
Ihr liegt die Aufgabe zugrunde, eine leichte Legierung mit verbesserter Warmfestigkeit
und Duktilität bei hohen Temperaturen (im Bereich von 600 bis 1000 °C) und einem guten
Oxidations- und Korrosionswiderstand anzugeben, die sich gut für gerichtete Erstarrung
oder für Feinguss eignet und im wesentlichen aus einer hochschmelzenden intermetallischen
Verbindung besteht.
[0014] Erfindungsgemäss wird dies dadurch erreicht, dass die Hochtemperaturlegierung für
ein mechanisch hochbeanspruchtes Bauteil einer thermischen Maschine auf der Basis
von dotiertem TiAl folgende Zusammensetzung (in Atom-%) aufweist:
44,5 bis <46 Al
1-3 W
0,4-1 Si
1-4 B.
Rest Ti und herstellungsbedingte Verunreinigungen.
[0015] Kern der Erfindung ist gegenüber den bekannten Legierungen einerseits der verringerte
AI-Gehalt, andererseits die Möglichkeit, einen wesentlich höheren B-Gehalt zu realisieren.
[0016] Die Vorteile der Erfindung bestehen darin, dass es durch die Kombination der genannten
Legierungselemente, insbesondere jedoch durch die höheren B-Gehalten gelingt, einerseits
ein sehr feines Korn sowohl bei dünnen als auch grossen Querschnitten zu erzeugen
und somit die Zähigkeit und die Kriechfestigkeit zu erhöhen, und andererseits einen
guten Oxidationswiderstand zu erzielen. Das Absenken des Al-Gehaltes im Vergleich
zum bekannten Stand der Technik steigert die Festigkeit, begünstigt aber gleichzeitig
die Komvergröberung. Bor stabilisiert dagegen die Korngrenzen, d. h. die höheren Bor-Gehalte
vermindern die Komvergröberung.
[0017] Von Vorteil ist eine Hochtemperaturlegierung mit folgender Zusammensetzung (in Atom-%):
45 Al
2W
0,5 Si
2 B
Rest Ti und herstellungsbedingte Verunreinigungen.
Kurze Beschreibung der Zeichnung
[0018] In der Zeichnung sind Ausführungsbeispiele der Erfindung dargestellt.
[0019] Es zeigen:
- Fig. 1
- eine Gefügebild einer erfindungsgemässen Legierung L1 mit folgender Zusammensetzung:
Al 45 At.%, W 2 At.%, Si 0,4 At.%, B 1,8 At.%, Rest Ti;
- Fig. 2
- eine Gefügebild einer erfindungsgemässen Legierung L2 mit folgender Zusammensetzung:
Al 45 At.%, W 2 At.%, Si 0,47 At.%, B 2,5 At.%, Rest Ti;
- Fig. 3
- ein Gefügebild einer erfindungsgemässen Legierung L3 mit folgender Zusammensetzung:
Al 45 At.%, W 1,9 At.%, Si 0,46 At.%, B 3,5 At.%, Rest Ti;
- Fig. 4
- ein Gefügebild einer erfindungsgemässen Legierung L4 mit folgender Zusammensetzung:
Al 44,9 At.%, W 1,9 At.%, Si 0,46 At.%, B 4 At.%, Rest Ti;
- Fig. 5
- ein Gefügebild einer Vergleichslegierung V1 mit folgender Zusammensetzung: Al 46 At.%,
W 2 At.%, Si 0,48 At.%, B 0,7 At.%, Rest Ti;
- Fig. 6
- ein Gefügebild einer Vergleichslegierung V2 mit folgender Zusammensetzung: Al 47 At.%,
W 2 At.%, Si 0,5 At.%, Rest Ti;
- Fig. 7
- eine Darstellung der Härte in Abhängigkeit vom Bor-Gehalt.
Wege zur Ausführung der Erfindung
[0020] Nachfolgend wird die Erfindung anhand mehrerer Ausführungsbeispiele und der Figuren
1 bis 7 näher erläutert.
[0021] In einem Lichtbogenofen wurden unter Argon als Schutzgas Legierungen der nachfolgenden
Zusammensetzung (Angaben in At.%) erschmolzen, wobei L1, L2, L3 und L4 erfindungsgemässe
Legierungen und V1 und V2 Vergleichslegierungen darstellen:
| Legierung |
Ti |
Al |
W |
Si |
B |
| L1 |
Rest |
45 |
2 |
0,40 |
1,8 |
| L2 |
Rest |
45 |
2 |
0,47 |
2,5 |
| L2 |
Rest |
45 |
1,9 |
0,46 |
3,5 |
| L4 |
Rest |
44,9 |
1,9 |
0,46 |
4,0 |
| V1 |
Rest |
46 |
2 |
0,48 |
0,7 |
| V2 |
Rest |
47 |
2 |
0,50 |
0 |
[0022] Als Ausgangsmaterialien dienten die einzelnen Elemente mit einem Reinheitsgrad von
99,99%. Die Schmelze wurde jeweils zu einem Gussrohling von ca. 50 mm Durchmesser
und ca. 70 mm Höhe abgegossen. Diese Rohlinge wurden unter Schutzgas wieder aufgeschmolzen
und ebenfalls unter Schutzgas zur Erstarrung in Form von Stäben mit ca. 9 mm Durchmesser
und ca. 70 mm Länge gezwungen. Diese Stäbe wurden einer HIP (HOT ISOSTATIC PRESSING)
und Wärmebehandlung unterzogen und anschliessend zu Zugproben verarbeitet. Die HIP-Behandlung
erfolgte 4 Stunden lang bei einer Temperatur von 1260 °C und einem Druck von 172 MPa.
Die Wärmebehandlung erfolgte unter Schutzgas bei folgenden Parametern: 1350 °C/1 h
+ 1000 °C/6 h.
[0023] Eine weitere Verbesserung der mechanischen Eigenschaften durch eine Optimierung der
Wärmebehandlung ist möglich, ebenso wie eine Verbesserung durch gerichtete Erstarrung,
wofür derartige Legierungen besonders geeignet sind.
[0024] Die Zugabe von W führt zu einer Festigkeitssteigerung im Vergleich zu reinen TiAI-Legierungen,
aber zu einem Verlust an Dehnbarkeit. B erhöht die Duktilität und Si die Oxidationsbeständigkeit.
[0025] Die Figuren 1 bis 6 zeigen die Gefügestruktur der Legierungen L1, L2, L3, L4 sowie
V1 und V2.
[0026] Das Gefüge der erfindungsgemässen Legierungen L1, L2, L3 und L4 (Fig. 1 bis 4) ist
wesentlich feinkörniger als das Gefüge der Vergleichslegierung V1 (Fig. 5), welche
mit geringeren B-Gehalten legiert ist oder als die Vergleichslegierung VL2, welche
kein Bor enthält.
[0027] Fig. 7 zeigt als Diagramm für die erfindungsgemässen Legierungen L1, L2 und L3 sowie
die Vergleichslegierungen V1 und V2 die Härtewerte in Abhängigkeit vom Borgehalt.
Dabei zeigen die Legierungen L1, L2 und L3 eine grössere Härte als die Vergleichslegierungen.
Besonders gute Härtewerte erreicht die erfindungsgemässe Legierung L1 mit 1,8 At.%
Bor.
[0028] Diese hervorragenden Eigenschaften sind auf die höhere Konzentration des Legierungselementes
B zurückzuführen. Durch die Zugabe von 2 At.% B werden praktisch die durch das W verursachten
Verluste an Dehnbarkeit wettgemacht. Höhere Zugaben als 4 At.% B sind nicht notwendig.
[0029] Der Einsatzbereich der modifizierten Titanaluminide erstreckt sich vorteilhaft auf
einen Temperaturbereich zwischen 600 und 1000 °C.
[0030] Selbstverständlich ist die Erfindung nicht auf die gezeigten Ausführungsbeispiele
beschränkt.