[0001] Die Erfindung betrifft eine Verriegelungsvorrichtung für Notausgangstüren mit einer
wand- oder rahmenseitig befestigbaren elektromagnetisch wirkenden Verriegelungseinheit
und einer türseitig befestigbaren ferromagnetischen Ankerplatte.
[0002] Bei Notsituationen in öffentlichen Gebäuden und Räumen muss gewährleistet sein, dass
Personen das Gebäude oder den Raum sofort durch in den Flucht- und Rettungswegen befindlichen
Türen verlassen können. Diese Türen sind während des normalen Betriebes über eine
Verriegelungsvorrichtung verschlossen. Die Freischaltung der Notausgangstüren in Fluchtwegrichtung
erfolgt von einer Zentrale oder durch einen zu betätigenden Not-Auf-Taster mit gleichzeitiger
Alarmmeldung und -signalisierung.
[0003] Eine Verriegelungsvorrichtung für Notausgangstüren ist durch die GB 2 085 956 A bekannt
geworden. Bei der vorbekannten Notausgangstür findet rahmenseitig ein elektrisch erregbarer
Flächenmagnet Verwendung, der mit einer ferromagnetischen Platte an der Tür zusammenwirkt.
Die Verwendung eines derartigen Flächenmagneten erfordert eine großbauende Einheit,
die die ohnehin nachteilige aufbauende Anordnung im Türbereich unnötig vergrößert.
Der Nachteil dieser bekannten Lösung besteht des weiteren darin, dass eine Anpassung
an unterschiedliche Haltekräfte nur durch den vollständigen Austausch des Flächenmagneten
realisierbar ist. Dies bedeutet auch, dass eine entsprechende Anzahl unterschiedlich
dimensionierter Flächenmagneten gefertigt und bevorratet werden muss.
[0004] In der DE 37 16 021 C2 ist eine vergleichsweise kleinbauende Verriegelungseinrichtung
beschrieben. Dabei findet ein türseitiger Schließhalter Verwendung, in den ein Fallenschenkel
eines rahmenseitigen Hebelsystems eingreift, welches von einem Elektromagneten betätigt
wird. Der bei geschlossener Tür bestromte und angezogene Elektromagnet gibt den Schließhalter
aufgrund einer in das Hebelsystem eingeschalteten Druckfeder bei Stromausfall frei.
Nachteilig ist hierbei die Verwendung des aufwendigen Hebelsystems.
[0005] Es ist daher die Aufgabe der Erfindung eine Verriegelungsvorrichtung nach dem Oberbegriff
des Anspruches 1 zu schaffen, die bei geringstmöglichem Fertigungs- und Materialaufwand
eine kompakte und optisch ansprechende Einheit bildet, wobei die bisherige Anwendungs-
und Funktionsvielfalt beibehalten wird.
[0006] Gelöst wird diese Aufgabe mit den im Patentanspruch 1 angegebenen Merkmalen. Vorteilhafte
Ausgestaltungen des Gegenstandes des Patentanspruches 1 sind in den Unteransprüchen
angegeben.
[0007] Die erfindungsgemäße Verriegelungsvorrichtung gemäß dem Patentanspruch 1 weist den
Vorteil auf, dass durch die Verwendung von mehreren einzelnen variabel anordbaren
und/oder variabel verschaltbaren Spulen für eine Verriegelungseinheit eine Anpassung
an unterschiedliche technische Rahmenbedingungen, wie beispielsweise unterschiedliche
Haltekräfte, unterschiedliche Türabmessungen und -gewichte und verschiedene Betriebsspannungen,
mit geringem Aufwand möglich ist. Einerseits durch die Anzahl und Dimensionierung
der einzelnen Spulen und andererseits durch das Schaltungskonzept. Schaltungstechnisch
sind dabei Reihenschaltungen, Parallelschaltungen und gruppenweises Zusammenschalten
von Spulen möglich.
[0008] Die vorteilhafte Anordnung ermöglicht im Reparaturfall oder bei sonstigen Erfordernissen
den einfachen Austausch einzelner Spulen. Die Spulen sind vorzugsweise rund ausgebildet,
dass heißt eine Wicklung ist in fertigungstechnisch einfacher Weise um einen zylindrischen
Spulenkern gewickelt. Der einheitliche Aufbau der Spulen ermöglicht eine kostengünstige
Fertigung und Lagerhaltung.
[0009] Eine einheitlich ausgestaltete und damit kostengünstige Basiseinheit in Form eines
Magnetmodules erfüllt die Grundfunktionen, dass heißt hierbei sind die Steckplätze
für die Spulen und die entsprechenden elektrischen Schaltungsstrukturen vorbereitet.
Des weiteren ermöglicht das kompakte und platzsparende Magnetmodul eine optisch vorteilhafte
kompakte Gehäuseform. Insbesondere gegenüber dem Stand der Technik erfolgt bei gleicher
Haltekraft eine Verkleinerung der Verriegelungsvorrichtung. Vorteilhafterweise sind
die Spulen nebeneinander in einer Reihe in Längserstreckung der Verriegelungseinheit
in einem massiven, vorzugsweise metallenen und/oder metallisch beschichteten, Block
angeordnet.
[0010] Darüber hinaus können bestehende beispielsweise aus der DE 37 16 021 C2 bekannte
Verriegelungseinrichtungen durch Ausbau des Hebelsystems und Einbau des Magnetmoduls
unter Beibehaltung der Grundstruktur und der erforderlichen Haltekraft umgerüstet
werden.
[0011] Das Magnetmodul ist von einer Dichtung umgeben, die als Schutz des Gehäuseinneren
vor Spritzwasser dient. Eine Montageplatte zur Befestigung der Ankerplatte ist unter
Zwischenlage einer Futterplatte an einer Tür befestigbar, so dass damit Toleranzen
ausgeglichen werden können. Die Ankerplatte ist vorzugsweise kardanisch an der Montageplatte
gelagert und mittels eines Bolzens mit Spiel positioniert. Diese Art der Befestigung
der Ankerplatte erlaubt eine begrenzte Bewegung der Ankerplatte, so dass hierdurch
eine möglichst flächige Anlage der Ankerplatte am Magnetmodul ermöglicht wird und
die magnetische Haltekraft optimal übertragen werden kann. Ein hohl ausgebildeter
Spulenkern in mindestens einer der Spulen ermöglicht die Anordnung eines verschiebbar
gelagerten Stiftes, der nach Abschaltung der Stromversorgung sicherstellt, dass die
Flächenhaftung aufgrund des Restmagnetismus zwischen dem Magnetmodul und der Ankerplatte
zuverlässig und unverzüglich aufgehoben wird. Dies ist erforderlich, damit die Fluchttür
im Notfall sofort freigeschaltet ist.
[0012] In Abhängigkeit von der Einbausituation kann entweder die Ankerplatte an der Tür
und die Verriegelungseinheit am Rahmen oder auch in umgekehrter Anordnung montiert
werden. Die Verriegelungsvorrichtung eignet sich sowohl für die Verwendung bei einwärts
als bei auswärts öffnenden Türen. Eine Montage ist bei versetzter Anordnung der Tür
innerhalb einer Zarge als auch bei flächenbündiger Anordnung der Tür an einer Zarge
möglich, wobei je nach Einbausituation ein Ergänzungselement zwischen Verriegelungseinheit
und Befestigungsort gesetzt wird, damit die Ankerplatte mit dem Magnetmodul zusammenwirken
kann.
[0013] Die Erfindung wird nun anhand eines Ausführungsbeispieles näher beschrieben. Dabei
zeigen:
- Figur 1
- Eine Explosionsansicht einer Verriegelungsvorrichtung.
- Figur 2
- Einen Querschnitt durch eine Spule.
[0014] Gleiche oder gleichwirkende Bauteile sind in der nachfolgenden Beschreibung mit gleichen
Bezugszeichen versehen.
[0015] Eine in den Figuren dargestellte Verriegelungsvorrichtung 1 wird z. B. an Notausgangstüren
eingesetzt, um zu gewährleisten, dass die Türen im Normalfall von außen, zumindest
von Nichtberechtigten, nicht geöffnet werden können, aber von innen im Notfall ohne
weiteres geöffnet werden können oder sich im Notfall selbsttätig öffnen. Die Verriegelungsvorrichtung
1 ist in der Regel an der oberen der Bandseite gegenüberliegenden Ecke einer nicht
dargestellten Fluchttür angeordnet und besteht im Wesentlichen aus einer Verriegelungseinheit
2, dessen elektromagnetisch erregbares Bauteil eine mit der Fluchttür verbundene ferromagnetische
Ankerplatte 3 oder eine geeignete Tür selbst, die aus zumindest teilweise ferromagnetischen
Werkstoffen bestehen muss, festhält und somit verriegelt. Im Normalfall wird die elektromagnetische
Verriegelungseinheit 2 bestromt, dass heißt die Tür ist verriegelt. Im Gefahrenfall
erfolgt durch Abschaltung des Stromes eine Deaktivierung der Verriegelungseinheit
2, so dass die Tür öffenbar ist. Sobald die Tür geöffnet wird, erfolgt in einer entsprechenden
Zusatzeinheit eine optische und/oder akustische Anzeige.
[0016] Die in den Figuren dargestellte Verriegelungsvorrichtung 1 besteht aus der Verriegelungseinheit
2 und der Ankerplatte 3. Die Verriegelungseinheit 2 ist mittels eines Montagewinkels
4 und nicht näher dargestellter Schraubelemente ortsfest, z. B. an der horizontalen
Innenseite einer Türzarge, befestigbar. An dem Montagewinkel 4 ist eine Platine 6
mit diversen elektrischen/elektronischen Bauteilen angeordnet, wie beispielsweise
ein Sabotagekontakt 7, der durch Aufsetzen einer Abdeckung 8 aktiviert wird und ein
anschließendes unberechtigtes Entfernen signalisiert. An dem Montagewinkel 4 ist des
weiteren ein massives, vorzugsweise metallenes, Magnetmodul 9 mittels Befestigungselementen
5 befestigt, in dem vier elektrisch erregbare Spulen 10 nebeneinander in einer Reihe
angeordnet sind. In dem Magnetmodul 9 sind des weiteren die Anschlussleitungen 11
zur Ansteuerung der Spulen 10 integriert, die über einen Steckverbinder 12 mit der
Platine 6 verbindbar sind. Ein an dem Montagewinkel 4 befestigtes und durch das Magnetmodul
9 geführtes Schaltelement 13 signalisiert bei seiner Betätigung die geschlossene Position
der Tür. Eine Dichtung 14 liegt formschlüssig zwischen dem Magnetmodul 9 und der Abdeckung
8 und bildet einen Spritzwasserschutz.
[0017] Eine Montageplatte 15 für die Ankerplatte 3 ist unter Zwischenlage einer toleranzausgleichenden
Futterplatte 16 an einer Tür befestigbar. Die Ankerplatte 3 ist mittig unter Zwischenlage
einer nachgiebigen Hülse 17 kardanisch an der Montageplatte 15 gelagert. Ein an der
Ankerplatte 3 ausgebildeter Positionierbolzen 18 greift in eine Ausnehmung 19 der
Montageplatte 15 und ermöglicht eine begrenzte Schwenkung der Ankerplatte 3 um den
zentralen Befestigungspunkt 20. Diese Art der Befestigung der Ankerplatte 3 erlaubt
eine begrenzte Bewegung der Ankerplatte 3, so dass durch flächenbündige Anlage der
Ankerplatte 3 am Magnetmodul 9 eine optimale Übertragung der Haltekraft möglich ist.
[0018] Die Spulen 10 sind auswechselbar in dem Magnetmodul 9 befestigt und je nach technischer
Erfordernis elektrisch verschaltet. Die Spulen 10 sind vorzugsweise rund ausgebildet,
wobei ein zylindrischer Spulenkern 23 von einer runden Wicklung 24 umschlossen ist.
Der Spulenkern 23 wird von einer kreisrunden Frontplatte 21 und einer kreisrunden
Rückplatte 22 begrenzt. Ein hohl ausgebildeter Spulenkern 23 in mindestens einer der
Spulen 10 ermöglicht die Anordnung eines verschiebbar gelagerten Stiftes 25, der nach
Abschaltung der Stromversorgung zur Überwindung des Restmagnetismus zwischen dem Magnetmodul
9 und der Ankerplatte 3 dient.
Bezugszeichenliste
[0019]
- 1
- Verriegelungsvorrichtung
- 2
- Verriegelungseinheit
- 3
- Ankerplatte
- 4
- Montagewinkel
- 5
- Befestigungselement
- 6
- Platine
- 7
- Sabotagekontakt
- 8
- Abdeckung
- 9
- Magnetmodul
- 10
- Spule
- 11
- Anschlussleitung
- 12
- Steckverbinder
- 13
- Schaltelement
- 15
- Montageplatte
- 16
- Futterplatte
- 17
- Hülse
- 18
- Positionierbolzen
- 19
- Ausnehmung
- 20
- Befestigungspunkt
- 21
- Frontplatte
- 22
- Rückplatte
- 23
- Spulenkern
- 24
- Wicklung
- 25
- Stift
1. Verriegelungsvorrichtung für Notausgangstüren mit einer wand- oder rahmenseitig befestigbaren
elektromagnetisch wirkenden Verriegelungseinheit (2) und einer türseitig befestigbaren
ferromagnetischen Ankerplatte (3), dadurch gekennzeichnet, dass elektrisch erregbare, mit der Ankerplatte (3) zusammenwirkende Spulen (10) in der
Verriegelungseinheit (2) austauschbar und variabel anordbar sind und/oder variabel
elektrisch verbindbar sind.
2. Verriegelungsvorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass mindestens zwei Spulen (10) nebeneinander in Längserstreckung der Verriegelungseinheit
(2) in einem Magnetmodul (9) angeordnet sind.
3. Verriegelungsvorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass in dem Magnetmodul (9) elektrische Anschlussleitungen angeordnet sind, die über einen
Steckverbinder (12) mit einer Platine (6) verbindbar sind.
4. Verriegelungsvorrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Platine (6) das Magnetmodul (9) elektrisch versorgt und einen durch eine Abdeckung
(8) aktivierbaren Sabotagekontakt (7) aufweist, wobei die Platine (6) an einem Montagewinkel
(4) in der Verriegelungseinheit (2) befestigt ist.
5. Verriegelungsvorrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen der Abdeckung (8) und dem Magnetmodul (9) formschlüssig eine Dichtung (14)
einsetzbar ist.
6. Verriegelungsvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Ankerplatte (3) kardanisch gelagert ist.
7. Verriegelungsvorrichtung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Ankerplatte (3) unter Zwischenlage einer elastischen Hülse (17) an einer Montageplatte
(15) befestigt ist.
8. Verriegelungsvorrichtung nach Anspruch 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Ankerplatte (3) einen Positionierbolzen (18) aufweist, der mit Spiel in eine
Ausnehmung (19) der Montageplatte (15) eingreift.
9. Verriegelungsvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Montageplatte (15) unter Zwischenlage einer Futterplatte (16) türseitig befestigt
ist.