[0001] Die Erfindung betrifft ein Getriebe für Schienenfahrzeuge nach dem Oberbegriff des
Hauptanspruchs.
[0002] Konventionelle Schienenfahrzeuge sind mit sogenannten Radsätzen ausgerüstet, wobei
ein linkes und ein rechtes Rad durch eine Welle fest miteinander verbunden sind. Die
Räder weisen dabei kegelige Radprofile auf, so daß bei einem seitlichen Versatz des
Radsatzes aus der Gleismitte unterschiedliche Abrollradien am linken und am rechten
Rad wirksam sind, wodurch eine Wendebewegung eingeleitet wird. Einmal angeregt, wiederholt
sich diese Wendebewegung auch bei geraden Gleisen periodisch und verursacht den sogenannten
Sinuslauf des Schienenfahrzeugs, bei dem sich das Fahrzeug auf einer Wellenbahn im
Spurkanal des Gleises hin- und herbewegt. Dabei schlägt der Spurkranz jedes Rades
immer wieder an das Gleis an. Insbesondere bei den hohen Geschwindigkeiten, die moderne
Hochgeschwindigkeitszüge erreichen und von zukünftigen Hochgeschwindigkeitszügen noch
übertroffen werden sollen, werden hierdurch eine erhebliche Komfortminderung sowie
ein hoher Verschleiß an Rädern und Schienen verursacht.
[0003] Aus der EP 0 511 949 A2 ist bekannt, die beiden Räder einer Achse mit unterschiedlicher
Antriebsleistung zu beaufschlagen.
[0004] In der EP 0 770 533 B1 ist ein Getriebe für Schienenfahrzeuge offenbart, bei dem
einem linken und einem rechten Rad einer Achse jeweils ein Summierungsgetriebe zur
Überlagerung eines die Räder gleichsinnig antreibenden Fahrantriebs und eines Lenkantriebs
zugeordnet ist, mit welchem den Rädern eine Differenzdrehzahl aufprägbar ist. Dabei
weist jedes Summierungsgetriebe ein mit einem Fahrantriebsmotor verbindbares erstes
Eingangsglied, ein mit einem Lenkantriebsmotor verbindbares zweites Eingangsglied
und ein mit dem zugeordneten Rad verbindbares Abtriebsglied auf. Durch die den Rädern
aufprägbare Differenzdrehzahl ist das Schienenfahrzeug aktiv im Spurkanal lenkbar,
wobei harte Spurkranzanläufe vermieden werden können. Gegenüber einem konventionellen
System können erhebliche Vorteile bezüglich Verschleiß- und Geräuschverhalten erzielt
werden. Das System ist prinzipiell für sehr hohe Fahrgeschwindigkeiten geeignet.
[0005] Es sind symmetrische Ausgestaltungen gezeigt, bei denen der Lenkantrieb den Rädern
tatsächlich, unabhängig vom Fahrantrieb, überlagerbar ist. Für diese symmetrische
Einleitung der überlagerten Lenkdifferenzdrehzahlen werden jedoch zwei unabhängige
Lenkantriebe bzw. Lenkantriebsmotoren benötigt. Die Summierungsgetriebe, die den einzelnen
Rädern zugeordnet sind, sind als Planetengetriebe ausgebildet, wobei als Eingangsglied
für den Lenkantrieb jeweils das Hohlrad dient, welches über ein Schneckengetriebe
an den Lenkantriebsmotor gekoppelt ist.
[0006] Der Fahrantriebsmotor bzw. die Fahrantriebsmotoren verursachen an diesen Hohlrädern
hohe Stützmomente, die auf die linken und rechten Schneckengetriebe wirken und in
den Schneckengetrieben hohe Reibungsverluste verursachen. Weiterhin werden die Schneckengetriebe
um die Drehzahl Null herum betrieben, stehen dabei oft still und sind auch ständigen
Lastrichtungswechseln ausgesetzt. Eine ausreichende Schmierung ist unter diesen Bedingungen
nur äußerst schwer zu gewährleisten. Die Schneckengetriebe sind daher und aufgrund
ihrer hohen Belastung äußerst verschleißgefährdet und verursachen einen schlechten
Wirkungsgsrad des Lenkantriebs.
[0007] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein gattungsgemäßes Getriebes für
Schienenfahrzeuge anzugeben, das einen besseren Wirkungsgrad, eine geringere Verschleißneigung
aufweist und bei dem die beiden Räder gleichermaßen und unabhängig vom Fahrantrieb
auf einfache Weise mit Differenzdrehzahlen beaufschlagbar sind.
[0008] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe durch ein, auch die Merkmale des kennzeichnenden
Teils des Hauptanspruchs aufweisendes Getriebe für Schienenfahrzeuge gelöst. Vorteilhafte
Ausgestaltungen sind durch die Unteransprüche gegeben.
[0009] Erfindungsgemäß sind also die zweiten Eingangsglieder der Summierungsgetriebe, die
mit dem Lenkantriebsmotor verbindbar sind und im Betrieb von diesem angetrieben werden,
über eine Umkehrstufe derart miteinander gekoppelt, daß ihnen die gleiche Drehzahl,
jedoch umgekehrte Drehrichtung, aufgeprägt ist. Damit ist es möglich, jedes der beiden
Räder auf die gleiche Weise an einen einzigen, gemeinsamen Lenkantriebsmotor zu koppeln,
wobei die Differenzdrehzahl zwischen den Rädern, die zum Lenken benutzt wird, symmetrisch
eingeleitet werden kann.
[0010] Eine vorteilhafte triebliche Anbindung des Lenkantriebsmotors wird erreicht, wenn
der Lenkantriebsmotor trieblich mit einem vorzugsweise zentralen Zwischenglied der
Umkehrstufe verbunden ist.
[0011] In einer vorteilhaften Ausgestaltung sind die Summierungsgetriebe als Planetengetriebe
ausgebildet, mit mehreren auf einem Planetenträger gelagerten Planetenrädern, die
in gleichzeitigem Zahneingriff mit einem Sonnenrad und einem Hohlrad sind, wobei das
mit dem Fahrantrieb verbindbare erste Eingangsglied das Hohlrad ist, das mit dem Lenkantrieb
verbindbare zweite Eingangsglied das Sonnenrad ist und das mit dem zugeordneten Rad
verbindbare Abtriebsglied der Planetenträger ist. Da zur Lenkung des Schienenfahrzeugs
im Spurkanal im Verhältnis zur Fahrgeschwindigkeit nur relativ geringe Differenzgeschwindigkeiten
bzw. Differenzdrehzahlen an den Rädern eingeleitet werden müssen, ist es vorteilhaft,
den Lenkantriebsmotor an das Sonnenrad des Planetengetriebes zu koppeln. Auf das Sonnenrad
wirken geringere Stützmomente.
[0012] Zwischen den beiden Rädern sind damit zwei triebliche Verbindungen hergestellt, zum
einen über die drehfest miteinander verbundenen, vom Fahrantriebsmotor angetriebenen
Hohlräder der beiden Summierungsgetriebe und zum anderen über die Sonnenräder, die
über die Umkehrstufe miteinander gekoppelt sind. Zur Überlagerung des Lenkantriebs
werden also keine Glieder benützt, die direkt vom Fahrantrieb beaufschlagt werden.
[0013] Mit einer trieblich zwischen der Umkehrstufe und dem Lenkantriebsmotor angeordneten
Vorübersetzungsstufe kann das vom Lenkantriebsmotor aufzubringende Drehmoment reduziert
werden, wodurch ein kleinerer und leichter bauender Lenkantriebsmotor verwendet werden
kann.
[0014] Eine weitere Reduzierung des vom Lenkantriebsmotor aufzubringenden Drehmoments kann
dadurch erreicht werden, daß die Sonnenräder des jeweiligen Summierungsgetriebes über
eine weitere Übersetungsstufe trieblich mit zwei zueinander gegensinnig rotierbaren
Gliedern der Umkehrstufe verbunden sind.
[0015] In einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist die Umkehrstufe als Kegeltrieb
ausgebildet, wobei ein lenkantriebsseitiges Kegelritzel in gleichzeitigem Zahneingriff
mit zwei koaxialen, einander zugewandten Kegelrädern ist.
[0016] Wenn der Kegeltrieb symmetrisch zu einer zwischen den beiden Summierungsgetrieben
liegenden Mittelebene angeordnet ist, kann die weitere triebliche Verbindung zum linken
bzw. zum rechten Rad mit jeweils gleichen Bauteilen hergestellt werden.
[0017] Alternativ zum Kegeltrieb kann die Umkehrstufe auch als Stirntrieb ausgebildet sein.
[0018] Die vorbeschriebenen Ausgestaltungen der Erfindung kommen ohne ein Schneckengetriebe
zur Anbindung des Lenkantriebsmotors aus. Bei einem möglichen Betriebszustand wird
der Lenkantriebsmotor weitgehend drehmomentfrei geschaltet, so daß die Umkehrstufe
wie ein Differential zwischen dem linken und dem rechten Rad wirkt. Bei einem aus
dem Stand der Technik bekannten Schneckengetriebe zur Anbindung des Lenkantriebsmotors
wäre dies aufgrund der selbsthemmenden Eigenschaften von Schneckengetrieben nicht
möglich.
[0019] Ist eine auf das Zwischenglied der Umkehrstufe direkt oder indirekt wirkende Bremseinrichtung
vorgesehen, so wirkt die Umkehrstufe wie ein Sperrdifferential zwischen dem linken
und dem rechten Rad. Ist das von der Bremseinrichtung erzeugbare Bremsmoment auf einen
vorgebbaren Wert steuerbar, so wird quasi ein gesteuertes Sperrdifferential erzeugt.
Dies kann in bestimmten Betriebszuständen, z. B. beim Ausfall eines Lenkantriebsmotors,
dazu verwendet werden, um so viel Moment zwischen dem linken und dem rechten Rad zu
übertragen, daß ein konventioneller Spurlauf ermöglicht wird. Bei engen, zu fahrenden
Kurvenradien, bei denen sehr hohe Momente zwischen den Rädern übertragen werden und
bei denen es im Falle des Radsatzes zu großem Schlupf mit damit verbundenen Geräuschen
kommt, wird das Sperrmoment des Sperrdifferentials überschritten, so daß es zu einem
geräusch- und verschleißmindernden Drehzahlausgleich zwischen den Rädern kommt.
[0020] Eine bauraumgünstige Gesamtanordnung wird erzielt, wenn der Lenkantriebsmotor in
Fahrzeug-Längsrichtung auf der dem Fahrantriebsmotor gegenüberliegenden Seite an das
Getriebe anflanschbar ist. Ein weiterer Vorteil dieser Konfiguration liegt darin,
daß sowohl der Lenk- als auch der Fahrantriebsmotor für Wartungsaufgaben leicht zugänglich
ist.
[0021] Schließlich wird Schutz begehrt für eine Antriebseinheit für Schienenfahrzeuge mit
einem Getriebe nach einem der vorhergehenden Ansprüche, mit einem Fahrantriebsmotor,
einem Lenkantriebsmotor, mit einem linken und einem rechten Rad, wobei zwischen jedem
der Räder und dem Getriebe eine Achsversatz ausgleichende Kupplung vorgesehen ist
und die Räder in vertikaler Richtung federnd aufgehängt sind. Eine solche Antriebseinheit
weist geringe gefederte Massen auf, da sowohl der Fahrantrieb als auch der Lenkantrieb
von den gefedert aufgehängten Rädern entkoppelt ist.
[0022] Die Erfindung wird anhand der beiliegenden Zeichnungen näher erläutert, wobei
- Fig. 1
- schematisch einen Schnitt durch eine Antriebseinrichtung mit einem erfindungsgemäßen
Getriebe und
- Fig. 2
- eine Seitenansicht davon
zeigen.
[0023] In der Fig. 1 ist mit 2 ein Getriebe für Schienenfahrzeuge bezeichnet, das einen
Eingang für einen Fahrantriebsmotor 4, einen Eingang für einen Lenkantriebsmotor 6
und einen Ausgang für ein linkes und ein rechtes Rad 8, von denen nur eines gezeigt
ist, aufweist. Die Antriebseinrichtung ist im wesentlichen symmetrisch zu einer Längs-Mittelebene
10 des Fahrzeugs. Auf der Motorwelle 12 des Fahrantriebsmotors sitzt ein Kegelritzel
14, das ein Kegelrad 16 antreibt. Eine Außenverzahnung 18 an der Rückseite des Kegelrads
16 greift in die Innenverzahnung eines Hohlrades 20 ein, das Teil eines Summierungsgetriebes
22 ist. Auf der dem Kegelrad 16 gegenüberliegenden Seite ist ein weiteres Summierungsgetriebe
22A angeordnet, dessen Hohlrad 20A von einem Mitnehmerglied 24 mitgenommen wird, das
fest mit dem Kegelrad 16 verbunden ist und in die Innenverzahnung des Hohlrades 20A
eingreift. Mehrere Planetenräder 26 sind drehbar auf Planetenachsen 28 des Planetenträgers
30 gelagert. Die Planetenräder 26 sind in gleichzeitigem Zahneingriff mit dem Hohlrad
20 und einem Sonnenrad 32, das fliegend in den Zahneingriffen der Planetenräder 26
gelagert ist. Der Planetenträger 30 ist über eine Mitnahmeverzahnung 34 an die Abtriebswelle
36 gekoppelt.
[0024] Die Abtriebswelle 36 ist drehbar im Gehäuse des Getriebes 2 gelagert und nach außen
abgedichtet. Zwischen der Abtriebswelle 36 und einem Flansch 38 des Rades 8 ist eine
Welle 40 angeordnet, die an ihren Enden Bogenverzahnungen 42 aufweist, die in entsprechende
Gegenverzahnungen der Abtriebswelle 36 bzw. des Flansches 38 eingreifen. Damit ist
das Rad drehfest mit der Abtriebswelle verbunden, wobei jedoch ein Axialversatz zwischen
Rad 8 und Abtriebswelle 36 möglich ist. Das Rad 8 ist durch nicht dargestellte Führungen
vertikal federnd am Fahrzeug aufgehängt.
[0025] Die Welle 40 mit den Bogenverzahnungen 42 bildet einen Teil einer Bogenzahnkupplung,
die es ermöglicht, einen Achsversatz zwischen dem Rad 8 und der Abtriebswelle 36 auszugleichen.
[0026] Die triebliche Verbindung vom Hohlrad 20A des in der Darstellung rechten Summierungsgetriebes
22A bis zum zugeordneten, nicht dargestellten rechten Rad entspricht der beim linken
Rad 8 beschriebenen Verbindung. Das linke Summierungsgetriebe und dessen Anbindung
an das Rad ist bezüglich der Mittelebene 10 symmetrisch zum rechten Summierungsgetriebe
und dessen Anbindung an das zugeordnete Rad.
[0027] Auch die Anbindung des Lenkantriebsmotors ist zwischen einer Welle 44 und den Sonnenrädern
32, 32A symmetrisch aufgebaut. Nachfolgend wird daher nur der Aufbau einer Seite detailliert
erläutert. Das Sonnenrad 30 greift mit einer Mitnahmeverzahnung 46 in eine Innenverzahnung
des Zwischenrades 48 ein. Das Zwischenrad 48 bildet zusammen mit einer Stirnverzahnung
50 der Zwischenwelle 52 eine Übersetzungsstufe zur Reduktion des vom Lenkantriebsmotor
aufzubringenden Drehmoments. Eine weitere Übersetzungsstufe wird gebildet durch ein
mit der Zwischenwelle 52 verbundenes Kegelrad 54, das von einem Kegelritzel 56 auf
der Welle 44 angetrieben wird. Das Kegelritzel 56 ist in gleichzeitigem Zahneingriff
mit den beiden koaxialen, einander zugewandten Kegelrädern 54, 54A und bildet mit
diesen zusammen die Umkehrstufe, über die die Sonnenräder der beiden Summierungsgetriebe
22, 22A derart miteinander gekoppelt sind, daß ihnen die gleiche Drehzahl, jedoch
umgekehrte Drehrichtung aufgeprägt ist. Die Welle 44 bzw. das Kegelritzel 56 bildet
ein zentrales Zwischenglied der Umkehrstufe, das zur weiteren Drehzahlreduktion der
Sonnenräder über eine aus zwei Stirnräder 58, 60 bestehende Vorübersetzungsstufe mit
dem Lenkantriebsmotor 6 verbunden ist. Zwischen dem Lenkantriebsmotor 6 und dem Rad
8 wird die Drehzahl also an drei Räderpaaren 60, 58; 56, 54; 50, 48 sowie über das
Summierungsgetriebe 22 ins Langsame übersetzt. Der Kegeltrieb 56, 54, 54A ist symmetrisch
zu einer zwischen den beiden Summierungsgetrieben 22, 22A liegenden Mittelebene 10
angeordnet, so daß für die Zwischenwellen 52, die Zwischenräder 48 und die Summierungsgetriebe
22 auf der linken und rechten Seite Gleichteile verwendet werden können.
[0028] Wie am besten aus Fig. 2 ersichtlich ist, ist der Lenkantriebsmotor 6 in Fahrzeuglängsrichtung
auf der dem Fahrantriebsmotor 4 gegenüberliegenden Seite an das Getriebe 2 angeflanscht.
Beide Motoren 4, 6 sind von außen leicht für Wartungsarbeiten zugänglich.
[0029] Das beschriebene Getriebe ermöglicht durch die Umkehrstufe 56, 54, 54A eine symmetrische
Einleitung der überlagerten Drehzahlen mit nur einem zentralen Lenkantriebsmotor 6.
Es benötigt wenig Bauraum und weist viele doppelt verwendete Gleichteile auf. Das
Getriebe, das ohne eine Schneckenradstufe auskommt, weist einen hohen Wirkungsgsrad
und eine geringe Verschleißneigung auf. Durch mehrere Übersetzungsstufen ist der Lenkantriebsmotor
6 sehr indirekt an das Rad 8 angekoppelt, wodurch ein kleiner Lenkantriebsmotor 6
einsetzbar ist. Durch die kleinen Trägheitsmomente kann ein solcher kleiner Lenkmotor
mit einer sehr hohen Dynamik betrieben werden, die zur Lenkung eines schnell fahrenden
Schienenfahrzeugs im Spurkanal benötigt wird.
[0030] Es ist grundsätzlich möglich, den Lenkantriebsmotor 6 drehmomentfrei zu schalten,
zu blockieren oder mit einem vorgebbaren Bremsmoment zu beaufschlagen. Bei blockiertem
Lenkantriebsmotor 6 wird das Verhalten eines Radsatzes mit starrer Verbindung des
linken und des rechten Rades simuliert. Ist der Lenkantriebsmotor 6 drehmomentfrei,
ergibt sich das Verhalten eines Differentials zwischen den beiden Rädern, dem durch
ein vorgebbares Bremsmoment eine vorgebbare Sperrwirkung aufgeprägt werden kann.
[0031] Das Getriebe kann auch an einer nicht angetriebenen Achse für Lenkzwecke verwendet
werden, wobei die Ausführung bis auf den fehlenden Antriebsmotor gleich ist.
Bezugszeichen
[0032]
- 2
- Getriebe
- 4
- Fahrantriebsmotor
- 6
- Lenkantriebsmotor
- 8
- Rad
- 10
- Mittelebene
- 12
- Motorwelle
- 14
- Kegelritzel
- 16
- Kegelrad
- 18
- Mitnahmeverzahnung
- 20
- Hohlrad
- 22
- Summierungsgetriebe
- 22A
- Summierungsgetriebe
- 24
- Mitnehmerglied
- 26
- Planetenrad
- 28
- Planetenachse
- 30
- Planetenträger
- 32
- Sonnenrad
- 34
- Mitnahmeverzahnung
- 36
- Abtriebswelle
- 38
- Flansch
- 40
- Welle
- 42
- Bogenverzahnung
- 44
- Welle
- 46
- Mitnahmeverzahnung
- 48
- Zwischenrad
- 50
- Stirnrad
- 52
- Zwischenwelle
- 54
- Kegelrad
- 56
- Kegelritzel
- 58
- Stirnrad
- 60
- Stirnrad
1. Getriebe (2) für Schienenfahrzeuge, wobei einem linken und einem rechten Rad (8) einer
Achse jeweils ein Summierungsgetriebe (22, 22A) zur Überlagerung eines die Räder (8)
gleichsinnig antreibenden Fahrantriebs (4) und eines Lenkantriebs (6) zugeordnet ist,
mit welchem den Rädern (8) eine Differenzdrehzahl aufprägbar ist, wobei jedes Summierungsgetriebe
(22, 22A) ein mit einem Fahrantriebsmotor (4) verbindbares erstes Eingangsglied (20),
ein mit einem Lenkantriebsmotor (6) verbindbares zweites Eingangsglied (32) und ein
mit dem zugeordneten Rad (8) verbindbares Abtriebsglied (30) aufweist, dadurch gekennzeichnet, daß die zweiten Eingangsglieder (30) über eine Umkehrstufe (56, 54, 54A) derart miteinander
gekoppelt sind, daß ihnen die gleiche Drehzahl, jedoch umgekehrte Drehrichtung, aufgeprägt
ist.
2. Getriebe nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Lenkantriebsmotor (6) trieblich mit einem vorzugsweise zentralen Zwischenglied
(56) der Umkehrstufe verbunden ist.
3. Getriebe nach Anspruch 1 oder 2, dadurch g ekennzeichnet, daß die Summierungsgetriebe (22, 22A) als Planetengetriebe ausgebildet sind, mit
mehreren auf einem Planetenträger (30) gelagerten Planetenrädern (26), die in gleichzeitigem
Zahneingriff mit einem Sonnenrad (32) und einem Hohlrad (20) sind, wobei das mit dem
Fahrantriebsmotor verbindbare erste Eingangsglied (20) das Hohlrad ist, das mit dem
Lenkantrieb verbindbare zweite Eingangsglied (32) das Sonnenrad ist und das mit dem
zugeordneten Rad (8) verbindbare Abtriebsglied (30) der Planetenträger ist.
4. Getriebe nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß trieblich zwischen der Umkehrstufe (56, 54, 54A) und dem Lenkantriebsmotor (6) eine
Vorübersetzungsstufe (58, 60) vorgesehen ist.
5. Getriebe nach einem der Ansprüche 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, daß zwei zueinander gegensinnig rotierbare Glieder (54, 54A) jeweils über eine gleichartige
weitere Übersetzungsstufe (50, 48) trieblich an das Sonnenrad (32) des jeweiligen
Summierungsgetriebes (22, 22A) gekoppelt sind.
6. Getriebe nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Umkehrstufe als Kegeltrieb ausgebildet ist, wobei ein lenkantriebsseitiges Kegelritzel
(56) in gleichzeitigem Zahneingriff mit zwei koaxialen, einander zugewandten Kegelrädern
(54, 54A) ist.
7. Getriebe nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß der Kegeltrieb (56, 54, 54A) symmetrisch zu einer zwischen den beiden Summierungsgetrieben
(22, 22A) liegenden Mittelebene (10) angeordnet ist.
8. Getriebe nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Umkehrstufe als Stirntrieb ausgebildet ist.
9. Getriebe nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der Lenkantriebsmotor (6) weitgehend drehmomentfrei schaltbar ist, so daß die Umkehrstufe
wie ein Differential zwischen dem linken und dem rechten Rad (8) wirkt.
10. Getriebe nach einem der Ansprüche 2 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß eine auf das Zwischenglied (56) der Umkehrstufe direkt oder indirekt wirkende Bremseinrichtung
vorgesehen ist, so daß die Umkehrstufe wie ein Sperrdifferential zwischen dem linken
und dem rechten Rad (8) wirkt.
11. Getriebe nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, daß von der Bremseinrichtung ein vorgebbares Bremsmoment erzeugbar ist.
12. Getriebe nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der Lenkantriebsmotor (6) in Fahrzeuglängsrichtung auf der dem Fahrantriebsmotor
(4) gegenüberliegenden Seite an das Getriebe (2) anflanschbar ist.
13. Antriebseinheit für Schienenfahrzeuge mit einem Getriebe nach einem der vorhergehenden
Ansprüche, mit einem Fahrantriebsmotor, einem Lenkantriebsmotor, mit einem linken
und einem rechten Rad (8), wobei zwischen jedem der Räder (8) und dem Getriebe (2)
eine Achsversatz ausgleichende Kupplung (42, 40) vorgesehen ist, und die Räder (8)
in vertikaler Richtung federnd aufgehängt sind.