[0001] Vorliegende Erfindung betrifft eine Strangpressvorrichtung zur Herstellung exzentrischer
Rohrprofile, insbesondere Rohrprofile mit kreisförmigem Aussen- und Innenumfang, aus
Presskörpern, insbesondere aus Bolzen, enthaltend einen Rezipienten mit einer den
Presskörper aufnehmenden Rezipientenkammer mit einer Rezipientenkammerlängsachse M
R, einen in der Rezipientenkammer geführten Pressstempel mit Pressscheibe, einen die
Rohrprofilinnenwand ausbildenden Dornkörper, und eine Matrize mit einem die Rohrprofilaussenwand
formenden Matrizendurchbruch mit einer Matrizendurchbruchlängsachse M
M, sowie ein Verfahren zur Herstellung nahtloser exzentrischer Rohrprofile und deren
Verwendung.
[0002] Mittels Strangpressverfahren hergestellte Rohrprofile zeichnen sich durch eine Aussen-
und Innenwandung bzw. einem Aussen- und Innenumfang von ründlichem Querschnitt aus.
Aussen- und Innenumfang weisen überdies in der Regel eine querschnittlich übereinstimmende
geometrische Formgebung auf.
[0003] Es ist bekannt zentrische Rohrprofile mit im Wesentlichen gleichmässiger Wanddickenverteilung
mittels Strangpressen herzustellen. Ferner sind Strangpressverfahren bekannt, welche
die Herstellung nahtloser zentrischer Rohrprofile erlauben. Die Bezeichnung zentrisch
sagt aus, dass die querschnittlichen geometrischen Mittelpunkte des Aussen- und Innenumfanges
sich decken, so dass bei gleicher geometrischer Formgebung des Aussen- und Innenumfanges
die Wanddicken über den Querschnitt hinweg konstant sind.
[0004] Die Herstellung von nahtlosen, zentrischen Rohrprofilen beruht auf dem Prinzip des
sogenannten Dornpressens. Ein Dornkörper mit einem Dornarm und einer Dornspitze wird
aus einem als Hohlstempel ausgebildeten Stempelkörper in die Rezipientenkammer vorgetrieben,
wobei der Dornkörper den in die Rezipientenkammer eingeführte Presskörper vollständig
durchdringt. Die Dornspitze wird bis an oder in den an die Rezipientenkammer anschliessenden
Matrizendurchbruch vorgefahren. Der Dornkörper weist keine Verankerungspunkte in der
Matrize aus, so dass das Presskörpermaterial über den gesamten Dornumfang nahtlos
in den Matrizendurchbruch fliessen kann. Da bei diesem Verfahren der Dornkörper, bedingt
durch die hohen Fliessdrücke, nicht immer exakt in zentrischer Position gehalten werden
kann, sind die genannten Rohrprofile häufig nicht, wie angestrebt, exakt zentrisch
sondern geringfügig exzentrisch ausgebildet.
[0005] Exzentrisch bedeutet, dass die geometrischen Mittelpunkte des Aussen- und Innenumfanges
im Querschnitt nicht deckungsgleich sondern in Distanz zueinander liegen und die Rohrprofilwand
über den Querschnitt hinweg entsprechend unterschiedliche Dicken aufweist.
[0006] Die Exzentrizität von nahtlos stranggepressten, zentrisch ausgelegten Rohrprofilen
ist jedoch sehr gering und beträgt zwischen 0 - 10 % der mittleren Wanddicke des Rohrprofils.
[0007] Die Exzentrizität E, auch Aussenmittigkeit genannt, entspricht definitionsgemäss
der Direktdistanz d zwischen den beiden geometrischen Mittelpunkten des Aussen- und
Innenumfanges des Rohrprofils im Querschnitt.
[0008] Für gewisse Anwendungen werden hingegen bewusst exzentrisch ausgebildete Rohrprofile
eingesetzt. Die Exzentrizität solcher Rohrprofile ist jedoch in der Regel wesentlich
gösser als die verfahrens-bedingt erzielten Exzentrizitäts-Werte zentrisch ausgelegter
Rohrprofile.
[0009] Es ist bekannt, unter Einsatz von Kammerwerkzeugen exzentrisch ausgebildete Rohrprofile
mittels Strangpressen herzustellen. Der Dornkörper ist als Dornteil in eine Matrizenplatte
integriert. Das Presskörpermaterial wird über mehrere separate Einläufe unter Dorntragarmen
des Dornteils in eine Schweisskammer geführt und unter Ausbildung von Pressnähten
zu einem rohrförmigen Pressling um einen formgebenden Dorn durch den Matrizendurchbruch
geführt. Nach diesem Verfahren hergestellte Rohrprofile enthalten sogenannte Strangpressnähte.
Dieses Verfahren eignet sich jedoch nur für leicht pressbare Legierungen mit geringeren
mechanischen Werten.
[0010] Weisen die Aussen- und Innenwandung des Rohrprofils dieselbe geometrische Form, insbesondere
eine Kreisform auf, so lässt sich die genannte Exzentrizität nach folgender Gleichung
berechnen:

wobei S
max der maximalen und S
min der minimalen Wanddicke des Rohrprofils entspricht. Die mittlere Wanddicke S
mittel des genannten exzentrischen Rohrprofils lässt sich wie folgt berechnen:

[0011] Die Grösse S
mittel entspricht überdies der Wanddicke eines zentrischen Rohrprofils mit denselben Aussen-
und Innenumfangabmessungen wie das exzentrische Rohrprofil.
[0012] Zum Vergleich der Exzentrizitäten verschieden grosser Rohrprofile, das heisst von
Rohrprofilen mit verschiedenen Aussen- und Innenumfangabmessungen wird die sogenannte
relative Exzentrizität E
R berechnet, die sich folgendermassen herleitet:

[0013] Während die kontinuierliche Herstellung nahtlos gepresster zentrischer Rohrprofile
industrielle Anwendung findet, ist die Fabrikation nahtloser, exzentrischer Rohrprofile
mit, unter Berücksichtigung eines Ungenauigkeitsbereichs, über die Profillänge hinweg
konstanter Exzentrizität noch nicht zufriedenstellend gelöst.
[0014] Versuche zur Herstellung nahtloser, exzentrisch ausgelegter Rohrprofile mittels Dornpressen
führen dazu, dass der Dornarm regelmässig, bedingt durch die über den Querschnitt
unterschiedlichen Fliessdrücke zur Mitte des Matrizendurchbruchs abgedrängt wird.
Dies führt zu Rohrprofilen mit über die Profillänge hinweg ungleichmässigen und vom
Sollwert stark abweichenden Exzentrizitätswerten, welche weit über dem üblichen Ungenauigkeitsmass
von 0 - 10 % der mittleren Wanddicke liegen. Das Abbiegen des Dornarms zur Matrizenmitte
hin kann überdies zu einer Beschädigung von Teilen der Strangpressvorrichtung führen.
Ferner neigen auf dies Weise hergestellte exzentrische Rohrprofile dazu, beim Austritt
aus der Matrize abzubiegen und eine Krümmung auszubilden. Das heisst, das fertige
Rohrprofilstück läuft beim Austritt aus der Matrize unter Ausbildung einer Biegung
zur Seite weg.
[0015] Der Erfindung liegt deshalb die Aufgabe zugrunde, eine Strangpressvorrichtung und
ein Strangpressverfahren zur Herstellung von nahtlosen exzentrischen Rohrprofilen
mit in ihrer Längsrichtung möglichst konstanter Exzentrizität, vorzuschlagen.
[0016] Erfindungsgemäss wird die Aufgabe dadurch gelöst, dass der Dornkörper in Pressstellung
ein aus der Pressscheibe und den Presskörper durchstossend bis an oder in den Matrizendurchbruch
reichenden, eine Dornspitze enthaltender Dornarm mit einer Dornarmlängsachse M
D ist, so dass das Presskörpermaterial nahtlos um den Dornarm durch den Matrizendurchbruch
fliessen kann, und der Dornarm querschnittlich gegenüber der Rezipientenkammer und
gegenüber dem Matrizendurchbruch und der Matrizendurchbruch querschnittlich gegenüber
der Rezipientenkammer exzentrisch angeordnet ist, und die Dornarmlängsachse M
D und Rezipientenkammerlängsachse M
R in Distanz zueinander und im Wesentlichen parallel zur Matrizendurchbruchlängsachse
M
K liegen, derart dass die Matrizendurchbruchlängsachse M
K querschnittlich zwischen zweier je durch die Dornarmlängsachse M
D und die Rezipientenkammerlängsachse M
R führenden und senkrecht zur Verbindungsgeraden p zwischen Dornarmlängsachse M
D und der Rezipientenkammerlängsachse M
R stehenden Geraden g
1 und g
2 liegt.
[0017] Die Rezipientenkammerlängsachse M
R, die Dornarmlängsachse M
D, die Matrizenlängsachse M
M und die Matrizendurchbruchlängsachse M
K sind sogenannte Mittelängsachsen, welche querschnittlich durch den geometrischen
Mittelpunkt der dazugehörigen Vorrichtungselemente führen.
[0018] Die Dornarmlängsachse M
D, die Rezipientenkammerlängsachse M
R und die Matrizendurchbruchlängsachse M
K liegen vorzugsweise parallel zueinander.
[0019] In bevorzugter Ausführung ist die exzentrische Anordnung des Dornarms gegenüber der
Rezipientenkammer und dem Matrizendurchbruch und die Anordnung des Matrizendurchbruchs
gegenüber der Rezipientenkammer derart gewählt, dass die Rezipientenkammerlängsachse
M
R, die Dornarmlängsachse M
D und die Matrizendurchbruchlängsachse M
K in einer gemeinsamen Ebene und parallel zueinander liegen und die Matrizendurchbruchlängsachse
M
K querschnittlich zwischen der Rezipientenkammerlängsachse M
R und der Dornarmlängsachse M
D liegt. D.h. die Matrizendurchbruchlängsachse M
K liegt querschnittlich auf der Verbindungsgeraden p zwischen der Rezipientenkammerlängsachse
M
R und der Dornarmlängsachse M
D.
[0020] In besonders bevorzugter Ausführung entspricht die relative Exzentrizität E
Rr des hohlzylinderförmigen, durchbohrten Presskörpers der relativen Exzentrizität E
Rm des Rohrprofils bzw. des Presslings.
[0021] Die Matrizenachse M
M selbst liegt ferner bevorzugt deckungsgleich mit der Rezipientenkammerlängsachse
M
R. D.h. der Matrizendurchbruch ist gegenüber der Matrizenaussenkontur exzentrisch angeordnet.
[0022] Die Matrize, d.h. der Matrizendurchbruch, ist gegenüber dem Rezipienten, d.h. der
Rezipientenkammer, während des Strangpressvorganges bevorzugt starr und unbeweglich
angeordnet.
[0023] Der Presskörper ist vorzugsweise ein kreiszylinderförmiger Bolzen. Die Rezipientenkammer
ist vorzugsweise ebenfalls kreiszylinderförmig ausgestaltet.
[0024] Die erfindungsgemässe Vorrichtung eignet sich insbesondere zur Herstellung von Rohrprofilen
mit kreisförmigem Aussen- und Innenumfang, wobei die formgebende Wandung des Dornarms,
und die formgebende Wandung des Matrizendurchbruchs von kreisförmigem Querschnitt
sind.
[0025] Die erfindungsgemässe Strangpressvorrichtung dient insbesondere dem Strangpressen
von Presskörpern aus Metallwerkstoffen, insbesondere aus Aluminium oder Aluminiumlegierungen,
wie Aluminiumknetlegierungen.
[0026] Der Dornarm, welcher beim Strangpressen die Rohrprofilinnenwandung ausformt, ist
in der erfindungsgemässen Strangpressvorrichtung nicht Teil der Matrize und somit
nicht in der Matrize verankert, sondern im als Hohlstempel ausgebildeten Stempelkörper
angeordnet und wird vor dem eigentlichen Pressvorgang aus der, an den Presskörper
anstossenden Pressscheibe des Stempelkörpers in die Rezipientenkammer vorgefahren,
wobei der Dornarm den in die Rezipientenkammer eingeführten Presskörper in Pressrichtung
vollständig durchdringt.
[0027] Der Dornarm kann ein in Pressrichtung während des Pressvorganges mitlaufender oder
feststehender Dornarm sein. Das Strangpressverfahren kann überdies ein indirektes
und bevorzugt ein direktes Strangpressverfahren sein. Der Dornarm wiederum enthält
zweckmässig eine an oder in die Matrize eingreifende Dornspitze, welche von etwas
geringerem Durchmesser ist als der hintere Teil des Dornarms. Der Durchmesser d
t der Dornspitze ist weniger als 10%, insbesondere weniger als 5%, kleiner ist als
der Durchmesser D
T des hintern Teils des Dornarms.
[0028] Der Dornarm wird mit seiner Dornspitze bis an oder in den Matrizendurchbruch gefahren.
Anschliessend wird im direkten Strangpressverfahren der Stempelkörper vorgefahren
und das Presskörpermaterial durch die Matrize gepresst. Das Presskörpermaterial wird
dabei um den Dornarm geführt und fliesst nahtlos in Pressrichtung entlang des Dornarms
ringförmig durch den Matrizendurchbruch. Die im Matrizenbereich angeordnete Dornspitze
gibt dem herzustellenden Rohrprofil die endgültige Form der Rohrprofilinnenwandung,
während die Innenwandung des Matrizendurchbruchs dem Rohrprofil die endgültige Form
der Rohrprofilaussenwandung gibt. Der in der Matrize geformte Pressling tritt als
nahtloses, exzentrisches Rohrprofil aus der Matrize aus.
[0029] Durch die erfindungsgemässe exzentrische Anordnung von Dornarm, Rezipientenkammer
und Matrizendurchbruch wird eine gleichmässig Verteilung des Press- bzw. Fliessdruckes
um den frei in der Rezipientenkammer liegende Dornarm erreicht, so dass dieser während
des Pressens nicht aus seiner Ursprungslage abgedrängt wird. Ferner sind dank der
erfindungsgemässen Strangpressvorrichtung die Durchflussgeschwindigkeiten des Presskörpermaterials
innerhalb des Matrizendurchbruchs über den gesamten Querschnitt gleich, so dass das
austretende Rohrprofil nicht zur Seite abbiegt.
[0030] Nachfolgend wird anhand einer besonders bevorzugten Ausführungsform der erfindungsgemässen
Vorrichtung nach Anspruch 1 die technische Wirkung der beanspruchten Erfindung erläutert.
Die Rezipientenkammerlängsachse M
R, die Dornarmlängsachse M
D und die Matrizendurchbruchlängsachse M
K liegen dabei in einer gemeinsamen Ebene und parallel zueinander, wobei die Matrizendurchbruchlängsachse
M
K querschnittlich zwischen der Rezipientenkammerlängsachse M
R und der Dornarmlängsachse M
D liegt.
[0031] Die Ausführungen beziehen sich auf die Herstellung von Profilrohren mit kreisförmigem
Aussen- und Innenumfang unter Verwendung kreiszylinderförmiger Presskörper in Rezipientenkammern
von gleicher Gestalt.
[0032] Wie oben genannt, müssen die Durchflussgeschwindigkeiten in der Rezipientenkammer
sowie die Durchflussgeschwindigkeiten im Matrizendurchbruch und die auf den Dornkörper
ausgeübten Druck- bzw. Fliesskräfte über den entsprechenden Querschnitt konstant sein,
um nahtlose, zentrische oder exzentrische Rohrprofile pressen zu können.
[0033] Diese Verfahrensparameter können erfindungsgemäss durch Veränderung der Durchflussquerschnittsbreiten
in der Rezipientenkammer gesteuert werden.
[0034] Der Stempel und mit im das Presskörpermaterial in der Rezipientenkammer bewegt sich
beim Strangpressen mit einer Geschwindigkeit v
1 in Pressrichtung. Im Durchflussquerschnitt der Rezipientenkammer mit der geringsten
Radialdistanz A zwischen Dornarm und Rezipientenwand, d.h. im Bereich mit dem geringsten
Durchflussquerschnitt, ergibt sich ein Durchfluss an Presskörpermaterial von A * v
1. Im Durchflussquerschnitt der Rezipientenkammer mit der grössten Radialdistanz B
zwischen Dornkörperwand und Rezipientenwand, d.h. im Bereich mit dem grössten Durchflussquerschnitt,
ist der Durchfluss B * v
1.
[0035] Der Pressling muss sich, um ein seitliches Abbiegen beim Austritt aus der Matrize
zu vermeiden, im Matrizendurchbruch mit einer querschnittlich gleichmässigen Geschwindigkeit
v
2 bewegen. Der Durchfluss des Presslingmaterials beträgt im Durchflussquerschnitt mit
der geringsten Radialdistanz a, welcher in der Fluchtlinie des Durchflussquerschnitts
A liegt, zwischen Dornarm und Matrizendurchbruchwand somit a * v
2. Der Durchfluss im Durchflussquerschnitt mit der grössten Radialdistanz b, welcher
in der Fluchtlinie des Durchflussquerschnitts B liegt, zwischen Dornarm und Matrizendurchbruchwand
beträgt b * v
2.
[0036] Da das Presskörpermaterial nicht komprimierbar ist und kein Materialfluss im Rezipienten
quer zur Pressrichtung um den Dornarm herum stattfinden soll, entspricht der Durchfluss
A * v
1 des Presskörpermaterials an der kleinsten Durchflussquerschnittsbreite im Rezipienten
dem Durchfluss a * v
2 des Presslingmaterials an der kleinsten Durchflussquerschnittsbreite im Matrizendurchbruch
und der Durchfluss B * v
1 des Presskörpermaterials an der grössten Durchflussquerschnittsbreite im Rezipienten
entspricht dem Durchfluss b * v
2 des Presslingmaterials an der grössten Durchflussquerschnittsbreite im Marizendurchbruch.
[0037] Dadurch ergibt sich folgendes Gleichungssystem:


Daraus lässt sich folgende Beziehung, bzw. Bedingung herleiten:

[0038] Das Verhältnis A/B vom kleinsten radialen Abstand A zum grössten radialen Abstand
B zwischen Dornarmoberfläche und Rezipientenkammerwand entspricht somit dem Verhältnis
a/b vom kleinsten radialen Abstand a zum grössten radialen Abstand b zwischen Dornarmoberfläche
und Matrizendurchbruchwand.
[0039] Gleichung (6) drückt unter anderem die Bedingung aus, dass die relative Exzentrizität
E
Rr des hohlzylinderförmigen, durchbohrten Presskörpers der relativen Exzentrizität E
Rm des Rohrprofils bzw. des Presslings entspricht. Die "Wanddicken" gemäss Gleichung
(1) und (2) zur Ermittlung der relativen Exzentrizität E
Rm entsprechen hier den Radialdistanzen zwischen Dornarmoberfläche und Rezipientenkammerwand
bzw. der Matrizendurchbruchwand.
[0040] Die relative Exzentrizität E
Rr des Dornkörpers bezüglich Rezipientenkammer weicht aus oben genannten Erwägungen
folglich vorzugsweise weniger als 10%, vorteilhaft weniger als 5% und insbesondere
weniger als 2% von der relativen Exzentrizität E
Rm des Dornarms bezüglich der Matrize ab.
[0041] Je genauer die in Gleichung (6) formulierte Bedingung eingehalten wird, desto geringer
ist die Abdrängung des Dornarms zur Matrizendurchbruchslängsachse hin und entsprechend
kleiner ist die Abweichung der effektiven Exzentrizität des erzeugten Rohrprofils
hinsichtlich des Sollwertes. Ferner bleibt die Exzentrizität des Rohrprofils bei Einhaltung
der obgenannten Bedingungen über die Rohrprofillänge hinweg konstant.
[0042] Auch bei exzentrisch ausgelegten Rohrprofilen muss jedoch mit geringfügigen Fluktuationen
der Exzentrizität über die Rohrprofillänge hinweg gerechnet werden. Diese Fluktuationen
der Exzentrizität betragen jedoch, analog zu nahtlosen, zentrischen Rohren, höchstens
0 bis 10% der mittleren Wanddicke S
mittel des Rohrprofils, was den Anforderungen an die Masshaltigkeit von nahtlosen, exzentrischen
Rohrprofilen genügt.
[0043] Die erfindungsgemässe Vorrichtung eignet sich auch zur Herstellung von Rohrprofilen
mit z.B. ellipsenförmigem, ovalem oder einem andersweitig ausgestalteten, insbesondere
rundlichem, oder polygonalen Querschnitt. Die Vorrichtung kann ferner auch für die
Herstellung von Rohrprofilen mit querschnittlich in der geometrischen Formgebung unterschiedlichem
Aussen- und Innenumfang ausgelegt werden. Die möglichst präzise Einhaltung der vorgenannten
Bedingung:

ist auch hier entscheidend für einen erfolgreichen Verfahrensablauf, d.h. für eine
gute Qualität der erzeugten Rohrprofile.
[0044] Im Rahmen der Erfindung liegt auch ein Strangpressverfahren zur Herstellung von nahtlosen
exzentrischen Rohrprofilen, aus Presskörpern, insbesondere aus Bolzen, unter Verwendung
einer Strangpressvorrichtung gemäss Anspruch 1.
[0045] Das erfindungsgemässe Strangpressverfahren zeichnet sich dadurch aus, dass der Presskörper
mittels Pressstempel an die Matrizenstirn gestossen wird und der Dornarm aus der Pressscheibe
in den Presskörper vorgetrieben und mit der Dornspitze in einer zum Matrizendurchbruch
exzentrischen Lage bis an oder in den Matrizendurchbruch vorgefahren wird, wobei der
Dornarm den Presskörper in exzentrischer Lage durchdringt, und der Presskörper mittels
Pressstempel durch die Matrize gepresst wird, derart dass das Presskörpermaterial
über den gesamten Querschnitt mit gleichmässiger Durchflussgeschwindigkeit nahtlos
um die Dornspitze in den Matrizendurchbruch fliesst.
[0046] Der Dornarm wird vorzugsweise in exzentrischer Lage mit einer relativen Exzentrizität
E
Rr zur Rezipientenkammer und in exzentrischer Lage mit einer relativen Exzentrizität
E
Rm zur Matrize vorgefahren, wobei die relative Exzentrizität E
Rr im Wesentlichen, und vorzugsweise genau, der relativen Exzentrizität E
Rm entspricht. Die Matrizendurchbruchlängsachse M
K, die Dornarmlängsachse M
D und die Rezipientenkammerlängsachse M
R liegen dabei querschnittlich vorzugsweise in einer Ebene.
[0047] Das Verfahren eignet sich insbesondere zum Strangpressen von Metallwerkstoffen, insbesondere
von Aluminium oder Aluminiumlegierungen, wie Aluminiumknetlegierungen.
[0048] Mit erfindungsgemässer Vorrichtung hergestellte nahtlose exzentrische Rohrprofile
können beispielsweise als Trägerprofile eingesetzt oder zu solchen weiterverarbeitet
werden, welche gerichteten, insbesondere eindimensionalen, Biegebelastungen unterworfen
sind. Der Bereich maximaler Wanddicke befindet sich in der Zone der grössten durch
Biegebeanspruchung ausgeübten Dehnungskräfte. Solche auf genannte Biegebelastung ausgelegten
exzentrischen Rohre sind bei gleichbleibender Belastbarkeit von wesentlich geringerem
Gewicht als zentrische Rohre.
[0049] Ferner sind exzentrische Rohrprofile besonders zur Herstellung gebogener Rohrprofile,
beispielsweise zur Herstellung von Rohrkniestücken, geeignet. Dazu wird das exzentrische
Rohrprofil derart gebogen, dass seine dicke Wandung in die Streckzone und seine dünne
Wandung in die Stauchungszone zu liegen kommt. In der Streckzone steht somit ein Übermass
an Wandmaterial zur Verfügung, welches für den Streckvorgang benötigt wird. Durch
die Wandverdickung kommt es beim Biegen der Rohrprofile jedoch nicht zu einer kritischen
Ausdünnung der Rohrwand an der Aussenseite des Rohrprofils. In der Stauchungszone
kann die Rohrwandung dagegen dünner ausgebildet sein, da die Rohrwand nicht gedehnt
wird. Werden hingegen zentrische Rohrprofile in oben genannten Anwendungen eingesetzt,
so muss die Wanddicke auf Grundlage der meist beanspruchten, d.h. gedehnten Wandabschnitte
ausgelegt sein. Dies bedeutet, dass in anderen Wandabschnitten, welche gestaucht werden,
die Wanddicke wiederum überdimensioniert ist. Durch Verwendung von exzentrischen Rohrprofilen
an Stelle zentrischer Rohrprofile kann unter Beibehaltung der mechanischen Eigenschaften
Gewicht eingespart werden.
[0050] Die exzentrische Ausbildung der Rohrprofile garantiert einen querschnittlich kontinuierlichen
Übergang von der Wandverdickung zur Wandverdünnung. Analog dazu erfolgt beim Rohrbiegen
auch ein querschnittlich kontinuierlicher Übergang von Strecken zu Stauchen, wobei
im neutralen Bereich, wo also weder Streckung noch Stauchung stattfindet, die Rohrdicke
der mittleren Rohrdicke des exzentrischen Rohrprofils entspricht.
[0051] Nahtlose exzentrische Rohrprofile eignen sich insbesondere zur Herstellung U-förmiger
Hinterachsträger von Personenwagen. Zur Umformung genannter Rohrprofile eignet sich
insbesondere das Innenhochdruckumform-Verfahren.
[0052] Die mit erfindungsgemässer Vorrichtung hergestellten nahtlosen exzentrischen Rohrprofile
können z.B. mittels Innenhochdruckumformen oder anderen Kaltumformungsverfahren umgeformt
bzw. gebogen werden. Exzentrisch ausgelegte Rohrprofile eignen sich ganz allgemein
für Innenhochdruckumformprozesse, in welchen die Wandbereiche unterschiedlich stark
gedehnt werden. Mit exzentrisch ausgelegten Rohrprofilen kann den Dehnungsbereichen
gezielt Material zur Verfügung gestellt werden, während in dehnungsschwachen Bereichen
die Rohrprofilwandung dünner angelegt ist.
[0053] Gegenüber kammergepressten, exzentrischen Rohrprofilen, weisen nahtlose, exzentrische
Rohrprofile keine Schwachstellen wie Strangpressnähte auf.
[0054] Die genannten exzentrischen Rohrprofile können beispielsweise einen Aussendurchmesser
von 10 bis 500 cm, insbesondere von 10 bis 100 cm, und Wanddicken von 1 bis 50 cm,
insbesondere von 1 bis 10 cm aufweisen.
[0055] Im folgenden wird die Erfindung beispielhaft und mit Bezug auf die beiliegenden Zeichnungen
näher erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1a:
- einen Querschnitt eines kreisförmigen zentrischen Rohrprofils;
- Fig. 1b:
- einen Querschnitt eines kreisförmigen exzentrischen Rohrprofils;
- Fig. 2:
- einen schematischen Längsschnitt durch das Presswerkzeug einer erfindungsgemässen
Strangpressvorrichtung zur Herstellung kreisförmiger, exzentrischer Rohrprofile;
- Fig. 3:
- einen schematischen Querschnitt eines Presswerkzeuges gemäss Fig. 2 entlang der Linie
V - V.
[0056] Das in Fig. 1a dargestellte zentrische Rohrprofil 15 weist einen Aussenumfang 20
und einen Innenumfang 21 von jeweils kreisförmigem Querschnitt auf, welche zentrisch
angeordnet sind, so dass die Mittelängsachsen M
1, M
2 der beiden Umfangsgeometrien sich decken und das Rohrprofil 15 eine über seinen Querschnitt
konstante mittlere Wanddicke S
mittel aufweist.
[0057] In Fig. 1b ist ein exzentrisches Rohrprofil 12 mit einem Aussenumfang 20 und einem
Innenumfang 21 von kreisförmigem Querschnitt dargestellt, welche exzentrisch angeordnet
sind, so dass die Mittelängsachsen M
1, M
2 der beiden Umfangsgeometrien in Distanz zueinander liegen und das Rohrprofil 12 eine
über seinen Umfang veränderliche Wanddicke mit einer maximalen Wandicke S
max und einer minimalen Wanddicke S
min aufweist. Die Exzentrizität E entspricht dem Abstand der beiden Mittelängsachsen
M
1, M
2 der Aussen- und Innenumfangsgeometrie. Da der Aussenumfang 20 und der Innenumfang
21 in ihren Abmessungen mit dem zentrischen Rohrprofil 15 aus Fig. 1a übereinstimmen,
entspricht die mittlere Wanddicke S
mittel des exzentrischen Rohrprofils 12 der Wanddicke des zentrischen Rohrprofils 15.
[0058] Die Ausführung eines erfindungsgemässen Presswerkzeuges 1 einer Strangpressvorrichtung
gemäss Fig. 2 beinhaltet einen eine Rezipientenkammer 4 von einem Durchmesser D
R enthaltenden Rezipienten 3. In die Rezipientenkammer 4 ist ein kreiszylinderförmiger
Presskörper 2 zum Verpressen eingeführt. Ferner wird in der Rezipientenkammer 4 ein
als Hohlstempel ausgeführter Pressstempel 5 mit einer in Pressrichtung stirnseitig
angeordneten und dem Presskörper 2 anliegenden Pressscheibe 6 geführt. Im Anschluss
an den Rezipienten 3 ist in Pressrichtung eine Matrize 8 mit einem Matrizendurchbruch
9 angeordnet, welcher mit der Rezipientenkammer 4 durch eine Matrizenöffnung verbunden
ist.
[0059] Ein Dornkörper 7 mit einem Dornarm 16 und einer Dornspitze 14 ist im Pressstempel
5 gelagert und in vorliegender Fig. 2 aus der Pressscheibe 6 in die Rezipientenkammer
4 vorgefahren, wobei der Dornarm 16 den Presskörper 2 vollständig durchstösst. Der
Dornarm 16 greift mit seiner Dornspitze 14 in den Matrizendurchbruch 9 ein. Der Dornarm
16 weist einen Durchmesser D
T und die Dornspitze 14 einen Durchmesser d
t auf, welcher geringfügig kleiner ist als der Durchmesser D
T.
[0060] Die Rezipientenkammer 4 weist eine Rezipientenkammerlängsachse M
R, der Dornarm 16 eine Dornarmlängsachse M
D, die Matrize 8 eine Matrizenlängsachse M
M und der Matrizendurchbruch 9 eine Matrizendurchbruchlängsachse M
K auf (siehe auch Fig. 3).
[0061] Der Dornarm 16 ist gegenüber der Rezipientenkammer 4 exzentrisch angeordnet und weist
somit gegenüber der Rezipientenkammer 4 einen minimalen Wandabstand A und einen maximalen
Wandabstand B auf. Der Dornarm 16 ist ferner gegenüber dem Matrizendurchbruch 9 ebenfalls
exzentrisch angeordnet. Der Dornarm 16 bzw. die Dornspitze 14 weist somit gegenüber
dem Matrizendurchbruch 9 einen minimalen Wandabstand a und einen maximalen Wandabstand
b auf.
[0062] Die Matrizendurchbruchlängsachse M
K liegt querschnittlich zwischen zwei je durch die Dornarmlängsachse M
D und die Rezipientenkammerlängsachse M
R führenden und senkrecht zur Verbindungsgeraden p zwischen Dornarmlängsachse M
D und Rezipientenkammerlängsachse M
R liegenden Geraden g
1 und g
2 (siehe Fig. 3).
[0063] In vorliegender bevorzugter Ausführung ist die exzentrische Anordnung des Dornarms
16 gegenüber der Rezipientenkammer 4 und dem Matrizendurchbruch 9 so gewählt, dass
die Rezipientenkammerlängsachse M
R, die Dornarmlängsachse M
D und die Matrizendurchbruchlängsachse M
K in einer gemeinsamen Ebene und parallel zueinander liegen und die Matrizenlängsache
M
K querschnittlich zwischen der Rezipientenkammerlängsachse M
R und der Dornarmlängsachse M
D, d.h. auf der Verbindungsgeraden p liegt.
[0064] Die exzentrische Anordnung des Dornarms 16 gegenüber der Rezipientenkammer 4 und
dem Matrizendurchbruch 9 ist insbesondere so gewählt, dass folgende Bedingung erfüllt
ist:

[0065] Zu Beginn eines Strangpressverfahrens wird die Rezipientenkammer 4 mit einem kreiszylinderförmigen
Presskörper 2 beschickt, welcher vorzugsweise von leicht kleinerem Durchmesser wie
die Rezipientenkammer 4 ist. Zur Einleitung des Pressvorganges wird der Pressstempel
5 mit seiner Pressscheibe 6 an die Stirn des Presskörpers 2 vorgefahren und der Dornarm
16 aus der Pressscheibe 6 in den Presskörper 2 vorgetrieben bis die Dornspitze 14
in der Matrizendurchbruch 9 eingreift. Der Pressstempel 5 wird weiters vorgetrieben,
so dass das Material des Presskörpers 2 nahtlos um den Dornarm 16 durch den Matrizendurchbruch
9 fliesst. Bedingt durch die exzentrische Anordnung des Dornarms 7 gegenüber der Rezipientenkammer
4 und dem Matrizendurchbruch 9 fliesst das Presskörpermaterial im Wesentlichen in
Pressrichtung dem Matrizendurchbruch 9 entgegen. Es treten beispielsweise praktisch
keine querschnittlich tangentialen Querflüsse um den Dornarm 16 auf. Die Materialdurchflussgeschwindigkeit
im Matrizendurchbruch 9 ist über den gesamten Querschnitt hinweg konstant, so dass
es zu keinem Abbiegen des Rohrprofils 12 beim Austritt aus der Matrize 8 kommt. Wird
beispielsweise in einer bestimmten Zeiteinheit die Press-scheibe 6 um das Mass q
1 Richtung Matrize 8 vorgefahren so fliesst entsprechend dem verdrängten Raum in der
Rezipientenkammer 4 unter querschnittlich gleichmässiger Druckbeaufschlagung des Dornarms
16 Presskörpermaterial in den Matrizendurchbruch 9. Durch die erfindungsgemässe exzentrische
Anordnung des Dornarms 16 und des Matrizendurchbruchs 9 gegenüber der Rezipientenkammer
4 entspricht die durch den Matrizendurchbruch 9 geführte Presskörpermaterial mengenmässig
dem verdrängten Presskörpermaterial auf dem gleichen Längsabschnitt, wobei die zurückgelegte
Wegstrecke q
2 des geformten Rohrprofils 12 über den gesamten Querschnitt konstant ist.
[0066] Das nahtlos stranggepresste exzentrische Rohrprofil 12 weist einen Aussendurchmesser
D
t und einen Innendurchmesser d
t, welcher dem Durchmesser d
t der Dornspitze 14 entspricht, auf.
[0067] Im folgenden wird das Vorgehen zum Entwurf eines erfindungsgemässen Presswerkzeuges
1 gemäss Fig. 3 näher erläutert. Die Vorgabe ist das Strangpressen eines exzentrischen
Rohrprofils von einem Aussendurchmesser D
t mit kreisförmigem Aussen- und Innenumfang mit Innendurchmesser d
t und einer minimalen Wanddicke a und einer maximalen Wanddicke b. Aus diesen Angaben
wird mittels der Gleichung:

die mittlere Wanddicke S
m, Rohr des herzustellenden Rohrprofils 12 berechnet. Ferner wird die Exzentrizität des Rohrprofils
E
Rohr aus der Gleichung:

berechnet.
[0068] Das Mass der Verschiebung E
1 der Matrizendurchbruchlängsachse M
K gegen die Dornarmlängsachse M
D entspricht der Exzentrizität E
Rohr des Rohrprofils 12. Die relative Exzentrizität E
R, Rohr lässt sich somit aus der Gleichung:

herleiten. Die relative Exzentrizität E
R, Pk des Presskörpers 2 gegenüber dem Dornarm 16 soll wie oben erwähnt der relativen Exzentrizität
E
R, Rohr des Rohrkörpers 12 entsprechen.
[0069] Der in die Rezipientenkammer 4 eingeführte und mit dem Dornarm 16 mit Schaftdurchmesser
D
T durchstossene Presskörper 2 mit Durchmesser D
R hat somit eine mittlere Wanddicke S
m, Pk von

[0070] Die Exzentrizität E
Pk des Presskörpers 2 gemäss Gleichung E
Pk = E
R, Rohr * S
m, Pk entspricht der Verschiebung E
2 der Dornarmlängsachse M
D gegen die Rezipientenachse M
R. Die Verschiebung der Dornarmlängsachse M
D gegen die Rezipientenachse M
R ist folglich E
2 - E
1.
1. Strangpressvorrichtung zur Herstellung exzentrischer Rohrprofile (12), insbesondere
Rohrprofile mit kreisförmigem Aussen- und Innenumfang, aus Presskörpern (2), insbesondere
aus Bolzen, enthaltend einen Rezipienten (3) mit einer den Presskörper aufnehmenden
Rezipientenkammer (4) mit einer Rezipientenkammerlängsachse MR, einen in der Rezipientenkammer geführten Pressstempel (5) mit Pressscheibe (6),
einen die Rohrprofilinnenwand ausbildenden Dornkörper (7), und eine Matrize (8) mit
einem die Rohrprofilaussenwand formenden Matrizendurchbruch (9) mit einer Matrizendurchbruchlängsachse
MM,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Dornkörper (7) in Pressstellung ein aus der Pressscheibe (6) und den Presskörper
(2) durchstossend bis an oder in den Matrizendurchbruch (9) reichenden, eine Dornspitze
(14) enthaltender Dornarm (16) mit einer Dornarmlängsachse MD ist, so dass das Presskörpermaterial nahtlos um den Dornarm (16) durch den Matrizendurchbruch
(9) fliessen kann, und der Dornarm (16) querschnittlich gegenüber der Rezipientenkammer
(4) und gegenüber dem Matrizendurchbruch (9) und der Matrizendurchbruch (9) querschnittlich
gegenüber der Rezipientenkammer (4) exzentrisch angeordnet ist, und die Dornarmlängsachse
MD und Rezipientenkammerlängsachse MR in Distanz zueinander und im Wesentlichen parallel zur Matrizendurchbruchlängsachse
MK liegen, derart dass die Matrizendurchbruchlängsachse MK querschnittlich zwischen zweier je durch die Dornarmlängsachse MD und die Rezipientenkammerlängsachse MR führenden und senkrecht zur Verbindungsgeraden p zwischen Dornarmlängsachse MD und der Rezipientenkammerlängsachse MR stehenden Geraden g1 und g2 liegt.
2. Strangpressvorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Rezipientenkammerlängsachse MR, die Dornarmlängsachse MD und die Matrizendurchbruchlängsachse MK in einer gemeinsamen Ebene und parallel zueinander liegen und die Matrizendurchbruchlängsachse
MK querschnittlich zwischen der Rezipientenkammerlängsachse MR und der Dornarmlängsachse MD liegt.
3. Strangpressvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 2, dadurch gekennzeichnet, dass die relative Exzentrizität ER des Dornarms (16) bezüglich Rezipientenkammer (4) weniger als 10%, vorzugsweise weniger
als 5%, insbesondere weniger als 2% von der relativen Exzentrizität ERm des Dornarms (16), insbesondere der Dornspitze (14), bezüglich dem Matrizendurchbruch
(9) abweicht, wobei die Wanddicken zur Ermittlung der relativen Exzentrizitäten den
Distanzen zwischen der Aussenfläche des Dornarms (16) und Rezipientenkammerwand und
zwischen der Aussenfläche des Dornarms (16), insbesondere der Dornspitze (14), und
Matrizendurchbruchwand entsprechen.
4. Strangpressvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Verhältnis A/B vom kleinsten radialen Abstand A zum grössten radialen Abstand
B zwischen der Aussenfläche des Dornarms (16) und Rezipientenkammerwand im Wesentlichen
und vorzugsweise exakt dem Verhältnis a/b vom kleinsten radialen Abstand a zum grössten
radialen Abstand b zwischen der Aussenfläche des Dornarms (16), insbesondere der Dornspitze
(14), und Matrizendurchbruchwand entspricht.
5. Strangpressvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass zur Herstellung von Rohrprofilen (12) mit kreisförmigem Aussen- und Innenumfang die
formgebende Wandung des Dornarms (16) und die formgebende Wandung des Matrizendurchbruchs
(9) von kreisförmigem Querschnitt sind.
6. Strangpressvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass der Dornarm (16) einen Durchmesser DT aufweist und eine Dornspitze (14) mit einem Durchmesser dt enthält, wobei der Durchmesser dt weniger als 10%, insbesondere weniger als 5%, kleiner ist als der Durchmesser DT und der Dornarm (16) in Pressstellung mit der Dornspitze (14) in den Matrizendurchbruch
(9) eingreifend angeordnet ist.
7. Strangpressverfahren zur Herstellung von exzentrischen Rohrprofilen (12) aus Presskörpern,
insbesondere aus Bolzen, unter Verwendung einer Strangpressvorrichtung nach Anspruch
1
dadurch gekennzeichnet, dass
der Presskörper (2) mittels Pressstempel (5) an die Matrizenstirn gestossen wird und
der Dornarm (16) aus der Pressscheibe (6) in den Presskörper (2) vorgetrieben und
mit der Dornspitze (14) in einer zum Matrizendurchbruch (9) exzentrischen Lage bis
an oder in den Matrizendurchbruch (9) vorgefahren wird, wobei der Dornarm (16) den
Presskörper (2) in exzentrischer Lage durchdringt und der Presskörper (2) mittels
Pressstempel (5) durch die Matrize gepresst wird, derart dass das Presskörpermaterial
über den gesamten Querschnitt mit gleichmässiger Durchflussgeschwindigkeit nahtlos
um die Dornspitze (14) in den Matrizendurchbruch (9) fliesst.
8. Strangpressverfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass der Dornarm (16) in exzentrischer Lage mit einer relativen Exzentrizität ERr zur Rezipientenkammer (4) und in exzentrischen Lage mit einer relativen Exzentrizität
ERm zum Matrizendurchbruch (9) vorgefahren wird und die relative Exzentrizität ERr im Wesentlichen, und vorzugsweise genau, der relativen Exzentrizität ERm entspricht, wobei die Matrizendurchbruchlängsachse MK, die Dornarmlängsachse MD und die Rezipientenkammerlängsachse MR querschnittlich in einer Ebene liegen.
9. Verwendung der nach dem Verfahren gemäss Anspruch 7 hergestellten nahtlosen, exzentrischen
Rohrprofilen zur Herstellung von gebogenen Hohlprofilen.
10. Verwendung der nach dem Verfahren gemäss Anspruch 7 hergestellten nahtlosen, exzentrischen
Rohrprofilen zur Herstellung von Hinterachsträgern.
11. Verwendung der nach dem Verfahren gemäss Anspruch 7 hergestellten nahtlosen, exzentrischen
Rohrprofilen zur Herstellung von strukturierten Hohlprofilen mittels eines Innenhochdruckumform-Verfahrens.
12. Verwendung der nach dem Verfahren gemäss Anspruch 7 hergestellten nahtlosen, exzentrischen
Rohrprofilen zur Herstellung von Trägerprofilen zur Aufnahme gerichteter Biegelasten.