[0001] Die Erfindung betrifft eine Sperrschicht, insbesondere für bitumenhaltige Dämpfungsschichten,
sowie einen Dämpfungsbelag, insbesondere für Kraftfahrzeuge, sowie ein Verfahren zur
Herstellung desselben.
[0002] Bei Kraftfahrzeugen werden die während der Fahrt auftretenden Motor- und Fahrgeräusche
unter Verwendung von Schallisolationsteilen gedämpft. Dabei werden zur Körperschalldämpfung
Schallisolationsteile auf Trägermaterialien wie z.B. Bodenblech, Motorhaube oder die
zwischen Motorraum und Fahrgastraum angeordnete Stirnwand aufgebracht. Hierzu werden
u.a. Dämpfungsbeläge auf Bitumenbasis verwendet. Diese unmittelbar auf den Trägermaterialien
aufgebrachten Dämpfungsbeläge verringern die Schallabstrahlung der beispielsweise
durch den Motorlauf in Schwingung versetzten Bleche. Diese Körperschalldämpfung wird
auch als Entdröhnung, Vibrations- oder Biegewellendämpfung bezeichnet.
[0003] Bei der Herstellung von mit Schallisolationsteilen versehenen Kraftfahrzeugen werden
die Dämpfungsbeläge auf eine mit einem kathodischen Elektrotauchlack (KTL) grundierte
Karosserie aufgebracht. Nachfolgend wird auf die Karosserie sowie den Dämpfungsbelägen
ein Decklack aufgebracht und eingebrannt.
[0004] Bei der Verwendung von lösemittelhaltigen Lacksystemen auf bitumenhaltigen Dämpfungsschichten
oder Dämpfungsfolien tritt durch den Einbrennprozeß der Decklackschicht eine Vergilbung
des Decklacks ein. Diese Vergilbung des Decklacks ist bereits unmittelbar nach Beendigung
des Einbrennprozesses zu erkennen. Die Vergilbung wird durch organische Lösemittel
des aufgebrachten Lackes verursacht, die nach Aufbringung auf der bitumenhaltigen
Dämpfungsschicht in dieselbe eindringen und Komponenten des Bitumens lösen bzw. extrahieren.
Diese gelösten bzw. extrahierten Bitumenkomponenten diffundieren dann während der
Aushärtung des Lackfilmes in den aufgebrachten Lackfilm und führen nachfolgend zu
einer Vergilbung oder Verfärbung der Decklackschicht. Die Vergilbung oder Verfärbung
des Decklacks ist insbesondere bei hellen wie z.B. pastellfarbenen und weißen Lackschichten
zu sehen.
[0005] Eine Vergilbung bzw. Verfärbung einer Decklackschicht ist weniger störend, wenn die
mit lackierten Dämpfungsschichten oder -folien versehenen Bereiche im Kraftfahrzeug
durch eine Innenverkleidung abgedeckt sind. Beispielsweise im Nutzfahrzeugsektor werden
jedoch eine Vielzahl von Fahrzeugen in bestimmten Bereichen ohne Innenraumverkleidung
hergestellt, wodurch die in diesem Bereich angeordneten Dämpfungsbeläge zu sehen sind.
Eine Vergilbung bzw. Verfärbung des Decklacks auf der bitumenhaltigen Dämpfungsschicht
führt in diesen Fällen zu einem nicht akzeptablen Erscheinungsbild.
[0006] Um eine solche Vergilbung bzw. Verfärbung einer Decklackschicht auf bitumenhaltigen
Dämpfungsschichten oder -folien zu verhindern, werden diese auch mit einem Zwischenlack
versehen, der auch als Füller bezeichnet wird. Als Füller wird beispielsweise Kunstharz-Einbrennfüller
auf Polyurethanbasis, beispielsweise von BASF Coatings AG, Münster, Deutschland, verwendet.
Dieser Zwischenlack oder Füller verhindert weitgehend eine Vergilbung eines auf eine
bitumenhaltige Dämpfungsschicht aufgebrachten Decklackes. Nachteilig ist jedoch, daß
es insbesondere bei Mehrfachlackierungen des Decklackes auf den Zwischenlack bzw.
Füller zu Rißbildungen in der Lackoberfläche kommen kann.
[0007] Weiterhin ist nachteilig, daß die Aufbringung eines Füllers auf Dämpfungsschichten,
die auf in das Fahrzeuginnere weisenden Seiten von Karosserieteilen aufgebracht sind,
einen zusätzlichen Arbeitsgang erfordert. Diese zusätzliche Füllerapplikation erfordert
einen weiteren Arbeitsschritt. Im Hinblick auf den allgemeinen Kostendruck ist es
insbesondere bei Automobilzulieferern erwünscht, die für die Fertigung von Kraftfahrzeugen
erforderliche Anzahl von Fertigungsschritten und somit die u.a. durch die Arbeitszeit
und Maschinenkosten bedingten Herstellungskosten für die Automobilindustrie zu verringern.
[0008] Ferner sind Dämpfungsbeläge aus bitumenhaltiger Dämpfungsschicht mit aufkaschierter
Metallfolie vorgeschlagen worden. Metallfolien zeigen aufgrund des unterschiedlichen
Ausdehnungskoeffizienten jedoch im Bereich der Kanten eines solchen Schallisolationsteiles
nach dem Einbrennprozeß Ablösungen. Weiterhin ist nachteilig, daß sich das mit einer
Metallfolie versehene Dämpfungsmaterial aufgrund der Steifigkeit der Metallfolie nicht
an die Kontur bzw. Formgebung des zu dämpfenden Metallbleches anlegt. Somit sind Metallfolien,
obgleich sie als Sperrschicht für Lösemittel grundsätzlich geeignet sind, nicht als
Zwischen- oder Sperrschicht für bitumenhaltige Dämpfungsschichten oder -folien im
Kraftfahrzeugbau geeignet.
[0009] Aufgabe der Erfindung ist es, auf einfache Art und Weise die im Stand der Technik
bestehenden Nachteile bei Dämpfungsbelägen zu vermeiden. Ferner ist es erwünscht,
die Herstellungskosten von mit Dämpfungsbelägen versehenen Karosserieteilen zu verringern.
Weiterhin ist es erwünscht, daß die Dämpfungsbeläge die Emission von organischen Stoffen,
insbesondere in das Innere von Kraftfahrzeugen, verringern.
[0010] Die der Erfindung zugrundeliegende Aufgabe wird durch Bereitstellung einer Sperrschicht,
wobei die Sperrschicht Polyolefinalkohol enthält, gelöst. Bevorzugte Weiterbildungen
der Sperrschicht sind in den Unteransprüchen 2 bis 8 angegeben.
[0011] Unter einer "Sperrschicht" wird im Sinne der Erfindung eine film- oder folienartige
Schicht, die eine Diffusion von gelösten bitumenhaltigen Komponenten und/oder flüchtigen
organischen Stoffen durch die film- oder folienartige Schicht nahezu vollständig,
bevorzugt vollständig, verhindert, verstanden.
[0012] Die der Erfindung zugrundeliegende Aufgabe wird weiterhin durch einen Dämpfungsbelag,
insbesondere für Kraftfahrzeuge, wobei der Dämpfungsbelag folgenden Aufbau umfaßt:
(a) Dämpfungsschicht, (b) Polyolefinalkohol-haltige Sperrschicht, (c) ggf. eine oder
mehrere Lackschicht(en), gelöst. Bevorzugte Weiterbildungen des Dämpfungsbelags sind
in den Unteransprüchen 10 bis 19 angegeben.
[0013] Unter einer "Dämpfungsschicht" wird im Sinne der Erfindung jedes Material verstanden,
daß zur Luftschall- oder Körperschalldämpfung, insbesondere in Kraftfahrzeugen, geeignet
ist. Dieses sind beispielsweise Materialien auf Basis von Polyvinylacetat, Polyvinylacrylat
oder Ethylen-Vinylacetat.
[0014] Unter einer "bitumenhaltigen Dämpfungsschicht" wird im Sinne der Erfindung eine Schicht
oder Folie aus einem bitumenhaltigen Material verstanden, daß auf einem Trägermaterial
aufgebracht ist oder aufgebracht werden kann.
[0015] Unter einem "bitumenhaltigen Dämpfungsbelag" wird im Sinne der Erfindung ein Schichtaufbau
verstanden, der eine bitumenhaltige Dämpfungsschicht oder -folie sowie wenigstens
eine weitere Schicht umfaßt.
[0016] Die Erfinder haben überraschend herausgefunden, daß die Aufbringung einer Polyolefinalkohol-haltigen
Sperrschicht auf einer bitumenhaltigen Dämpfungsschicht eine Vergilbung eines auf
der Polyolefinalkohol-haltigen Sperrschicht aufgebrachten Lackfilms verhindert. Äußerst
vorteilhaft kann die Polyolefinalkohol-haltige Sperrschicht mehrfach überlackiert
werden, ohne daß es bei dem Decklack zu Rißbildungen kommt.
[0017] Der auf Polyolefinalkohol-haltigen Beschichtungen aufgebrachte Lackfilm zeigt äußerst
vorteilhaft keine Lackfehler wie beispielsweise Fischaugen, Pinholes oder andere Lackstörungen.
[0018] Bevorzugt wird die Polyolefinalkohol-haltige Beschichtung in Form von Lösungen oder
Dispersionen auf einer, bevorzugt bitumenhaltigen, Dämpfungsschicht aufgebracht. Um
die Trocknung der Polyolefinalkohol-haltigen Beschichtung zu beschleunigen, wird den
Lösungen bzw. Dispersionen bevorzugt Alkohol wie beispielsweise Methanol, Ethanol
oder Isopropylalkohol zugesetzt. Es können aber auch andere leichtflüchtige Lösungsmittel
verwendet werden.
[0019] Die Trocknung der aufgebrachten Polyolefinalkohol-haltigen Beschichtung kann dann
beispielsweise in einem Umluftofen bei einer Temperatur im Bereich von 30°C bis 75°C,
bevorzugt bei 40°C bis 60°C, erfolgen. Die Verwendung von Dämpfungsbelägen, die eine
Polyolefinalkohol-haltige Sperrschicht umfassen, führt zu einer beträchtlichen Einsparung
von Material (Zwischenlack, Füller), verglichen mit der Verwendung herkömmlicher Füllermaterialien,
sowie zur Einsparung eines Arbeitsschrittes für den Automobilhersteller, was insgesamt
zu einer deutlichen Verringerung der Herstellungskosten führt. Zusätzlich führt die
Vermeidung der Verwendung von lösemittelhaltigen Lacksystemen im Kraftfahrzeuginnenraum
äußerst vorteilhaft zu einer Verringerung von Lösemittelemissionen.
[0020] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform ist der Polyolefinalkohol teilweise hydrolysierter
Polyolefinester. Bevorzugt beträgt der Hydrolysegrad wenigstens 25%, weiter bevorzugt
wenigstens 50%, bezogen auf die Gesamtanzahl aller Estergruppen des Polyolefinesters.
Weiterhin haben sich teilweise hydrolysierte Polyolefinester mit einem Hydrolysegrad
von bis zu 79%, bis zu 83%, bis zu 88% sowie bis zu 98% bzw. 99% als für die erfindungsgemäße
Sperrschicht sehr geeignet erwiesen.
[0021] Polyolefinalkohole beispielsweise Polyvinylalkohole werden allgemein durch Verseifung
von Polyolefinestern hergestellt. Beispielsweise kann Polyvinylalkohol aus Polyvinylacetat
hergestellt werden. Der Hydrolysegrad hat u.a. einen Einfluß auf die Viskosität der
Lösung.
[0022] Da sich die Viskosität vollhydrolysierter Polyolefinester während der Lagerung verändern
und es zu einer Gelbildung kommen kann, werden, sofern vollhydrolysierte Polyvinylester
nicht unmittelbar nach ihrer Herstellung verarbeitet werden können, aus Gründen der
Prozeßsicherheit bevorzugt teilweise hydrolysierte Polyolefinester verwendet.
[0023] Gemäß einer weiteren Ausführungsform weist der Polyolefinalkohol ein durchschnittliches
Molekulargewicht von wenigstens 14.000 g/mol, bevorzugt von wenigstens 50.000 g/mol,
auf. Besonders bevorzugt weist der Polyolefinalkohol ein durchschnittliches Molekulargewicht
von wenigstens 100.000 g/mol oder mehr auf. Es können aber auch Polyolefinalkohole
verwendet werden, deren durchschnittliches Molekulargewicht in einem Bereich von etwa
85.000 bis 146.000 g/mol liegt oder bis zu 200.000 g/mol beträgt, d.h. beispielsweise
in einem Bereich von 124.000 bis 186.000 g/mol liegt.
[0024] Weiter bevorzugt enthält die Sperrschicht Haftmittel und/oder Additive.
[0025] Bevorzugt werden Haftmittel auf Dispersionsbasis verwendet. Bevorzugt basiert das
Haftmittel auf Acrylsäureester-Copolymeren. Bevorzugt werden carboxylgruppenhaltige
Acrylsäureester-Copolymere wie beispielsweise Acronal V 210 (Hersteller: BASF AG,
Ludwigshafen, Deutschland), Styrol-Acrylat-Copolymere wie beispielsweise Acronal S
600 oder Acronal S 760 (Hersteller: BASF AG, Ludwigshafen, Deutschland) sowie Styrol-Acrylat-Acrylsäure-Terpolymere
wie beispielsweise Acronal DS 3533 (Hersteller: BASF AG, Ludwigshafen, Deutschland)
verwendet. Die Verwendung eines Haftmittels in der Polyolefinalkohol-haltigen Sperrschicht,
d.h. die Verwendung eines Gemischs aus Polyolefinalkohol und Haftmittel verbessert
auch die Benetzung einer bitumenhaltigen Dämpfungsschicht. Mithin kann gegebenenfalls
auf ein Netzmittel in der Polyolefinalkohol-haltigen Lösung bzw. Dispersion bei der
Herstellung der Sperrschicht verzichtet werden.
[0026] Weiterhin können auch zusätzliche Additive wie beispielsweise Filmbildner, Netzmittel,
Entschäumer, Weichmacher, Biozide, Flammschutzmittel, Lösungsvermittler, Lösungsmittel,
etc. der Polyolefinalkohol-haltigen Lösung bzw. Dispersion vor dem Aufbringen auf
eine, bevorzugt bitumenhaltige, Dämpfungsschicht zugesetzt werden.
[0027] Unter Bioziden werden beispielsweise Konservierungsmittel, die einen Schutz der gelagerten
Lösung oder Dispersion, wie z.B. Formaldehyd, Isothiazolinone oder Chloracetamid,
bewirken, verstanden. Weiterhin werden unter Biozid auch antimikrobielle Ausrüstungen,
die einen Schutz der aufgebrachten Polyolefinalkohol-haltigen Schicht, wie z.B. Dithiocarbamate,
Thiophthalimid-Derivate, Benzimidazol-Derivate, Trialkylzinnverbindungen, etc., bewirken,
oder Antifouling-Additive verstanden.
[0028] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform weist die Sperrschicht eine Schichtdicke
im Bereich von 5 µm bis 500 µm, bevorzugt von 10 µm bis 250 µm, auf. Besonders bevorzugt
ist eine Schichtdicke im Bereich von etwa 50 µm bis 100 µm. Diese Schichtdicken beziehen
sich auf die Schichtdicke der getrockneten Sperrschicht.
[0029] Besonders bevorzugt ist der Polyolefinalkohol ein Polyvinylalkohol.
[0030] Polyvinylalkohol ist mit den vorgenannten Hydrolysegraden im Handel ohne weiteres
erhältlich. Weiterhin hat es sich gezeigt, daß Polyvinylalkohol zur Herstellung einer
Sperrschicht für bitumenhaltige Dämpfungsschichten, die mit lösemittelhaltigen Lacken
lackiert werden, besonders gut geeignet ist. Äußerst vorteilhaft lassen sich auf eine
polyvinylalkoholhaltige Sperrschicht Lackschichten aufbringen, ohne daß es zur Ausbildung
von Lackfehlern wie Fischaugen, Pinholes oder anderen Lackstörungen kommt.
[0031] Bei Aufbringung von, insbesondere bitumenhaltigen, Dämpfungsbelägen auf gewölbte
und konturierte Flächen ist es erforderlich, daß sich der Dämpfungsbelag während des
Aufbringens, beispielsweise des Aufschmelzens, der Dämpfungsbeläge an das Trägermaterial
wie z.B. eine Karosserieform spannungsfrei anpaßt. Das Beschichtungsmaterial muß mithin
eine ausreichende Flexibilität aufweisen. Diese Anforderungen werden von Polyvinylalkohol
hervorragend erfüllt.
[0032] Des weiteren wird von der Automobilindustrie in den letzten Jahren verstärkt Wert
auf emissionsarme Produkte für den Fahrzeuginnenraum gelegt, um der zunehmenden Sensibilisierung
der Menschen gegenüber Substanzen, die aus den verschiedenen Materialien im Laufe
der Zeit durch Wärme- und/oder Lichteinwirkung freigesetzt werden, Rechnung zu tragen.
Als Kenngröße für das Emissionsverhalten von Materialien wird der sogenannte Foggingwert
angegeben. Ein Verfahren zur Bestimmung des Foggingswerts ist in der DIN 75201 angegeben.
Der Foggingwert wird dabei in [mg] pro definierter Fläche (Kreis mit einem Durchmesser
von 8 cm) angegeben.
[0033] Je niedriger der Foggingwert, desto weniger Substanzen werden von dem Material freigesetzt.
Die zulässigen Grenzwerte an das Fogging-Verhalten von Fahrzeuginnenteilen werden
auch in Zukunft von den Automobilherstellern weiter gesenkt werden. Obwohl herkömmliche
Dämpfungsbeläge auf Bitumenbasis den heute von Automobilherstellern geforderten Foggingwert
von 2 mg mit 1,25 mg bereits unterschreiten, kann dieser Wert unter Verwendung einer
Polyvinylalkohol-haltigen Sperrschicht noch weiter auf 0,78 mg abgesenkt werden. Sofern
nach einem Stanzen von erfindungsgemäßen Dämpfungsbelägen die offenen Schnittkanten
ebenfalls mit einer Polyvinylalkohol-haltigen Sperrschicht versehen werden, kann dieser
Foggingwert noch einmal nahezu halbiert werden. In diesem Fall beträgt der Foggingwert
noch 0,41 mg. Polyvinylalkohol eignet sich somit hervorrragend als Sperrschicht gegenüber
leicht flüchtigen Substanzen.
[0034] Insofern betrifft die Erfindung auch Sperrschichten und Dämpfungsbeläge, die eine
Verringerung der Emission von leichtflüchtigen Stoffen, insbesondere organischen Stoffen,
in das Fahrzeuginnere bewirken. Diese leichtflüchtigen Stoffen werden beispielsweise
von den Dämpfungsschichten bzw. -folien, der KTL-Beschichtung (KTL: kathodischer Elektrotauchlauch)
der Karosserie, etc. abgegeben.
[0035] Polyolefinalkohol-haltige Sperrschichten, insbesondere Polyvinylalkohol-haltige Sperrschichten,
bieten somit neben der vergilbungshemmenden Wirkung bei Decklackschichten auch allgemein
einen Schutz vor der Emission unerwünschter organischer Stoffe in das Innere des Kraftfahrzeuges.
Somit kann die erfindungsgemäße Sperrschicht auch auf anderen Dämpfungsschichten als
bitumenhaltigen Dämpfungsschichten vorteilhaft verwendet werden.
[0036] Für die Zwecke der Erfindung sind Lösungen oder Dispersionen von Polyvinylalkohol
folgender Hersteller geeignet:
- Elvanol, Hersteller: Du Pont Deutschland GmbH, Bad Homburg, Deutschland;
- Gohsenol, Hersteller: Nippon Synthetic Chemical Ind. Co. Ltd., Osaka, Japan;
- Monosol, Hersteller: Mono-Sol Div. Chris Craft Ind., Inc. Gary IN 46403, USA;
- Mowiol, Hersteller: Clariant AG, Frankfurt am Main, Deutschland;
- Poval, Hersteller: Denki Kagaku Kogyo, Tokio, Japan;
- Polyviol, Hersteller: Wacker-Chemie GmbH, München, Deutschland;
- Viplavilol, Hersteller: Enichem Deutschland GmbH, Eschborn, Deutschland.
[0037] Bevorzugt wird teilweise hydrolysierter Polyvinylester eingesetzt: Mowiol 15-79 (Hydrolysegrad
79%), Mowiol 18-88 (Hydrolysegrad 88%), Mowiol 26-88 (Hydrolysegrad 88%) sowie Polyviol
LL 2750 (Hydrolysegrad 88%).
[0038] Damit eine schnelle Trocknung der aufgebrachten Polyvinylalkohol-haltigen Beschichtung
unter Ausbildung einer Sperrschicht erreicht werden kann, ist es erwünscht, daß die
eingesetzten Polyvinylalkohol-Lösungen bzw. Dispersionen nur einen geringen Anteil
an Wasser aufweisen. Insofern ist es bevorzugt, daß die eingesetzte Polyvinylalkohollösung
bzw. Dispersion möglichst konzentriert ist. Mit einer Erhöhung des Feststoffgehaltes
an Polyvinylalkohol in den Polyvinylalkohol-haltigen Lösungen bzw. Dispersionen steigt
auch die Viskosität derselben rasch an. Im Hinblick auf eine gute Verarbeitbarkeit
ist es jedoch erwünscht, daß die Viskosität der Polyvinylalkohol-haltigen Lösungen
bzw. Dispersionen nicht zu hoch ist.
[0039] Die Einstellung einer geeigneten Konzentration an Polyvinylalkohol in der Beschichtungslösung
bzw. -dispersion kann u.a. von dem Molekulargewicht, dem Hydrolysegrad des Polyvinylesters,
den weiter verwendeten Additiven oder aber auch von der Art des Aufbringungsverfahrens
abhängen. Eine den jeweiligen Randbedingungen entsprechende Konzentration an Polyvinylalkohol
in der Beschichtungslösung bzw. -dispersion kann durch einige Versuche ohne weiteres
bestimmt werden.
[0040] Bei Verwendung von Mowiol 15-79 hat sich ein Feststoffgehalt von ca. 18 Gew. %, bei
Mowiol 18-88 ein Feststoffgehalt von 16 Gew.% und bei Mowiol 26-88 ein Feststoffgehalt
von ca. 15 Gew.% als geeignet erwiesen. Allgemein liegt der Feststoffgehalt an Polyolefinalkohol,
insbesondere Polyvinylalkohol, in der verwendeten Lösung bzw. Dispersion in einem
Bereich von etwa 15 bis 30 Gew.%, bevorzugt von etwa 10 bis 20 Gew. %.
[0041] Um eine Trocknung der aufgebrachten Polyvinylalkoholschicht zu beschleunigen, ist
es bevorzugt, den Lösungen bzw. Dispersionen Alkohol, beispielsweise Methanol, Ethanol
oder Isopropylalkohol, zuzusetzen. Über die Menge an zugesetztem Alkohol ist auch
die Viskosität der erhaltenen Polyvinylalkohol-haltigen Lösung bzw. Dispersion veränderbar.
[0042] Um die Flexibilität der polyvinylalkoholhaltigen Sperrschicht zu erhöhen, können
der Polyvinylalkohol-haltigen Lösung bzw. Dispersion Weichmacher zugesetzt werden.
[0043] Als Weichmacher können beispielsweise Polylalkylenglykol wie z.B. Polyethylenglykol
200, Polyethylenglykol 300, Polyethylenglykol 400 oder Polyethylenglykol 600 zugesetzt
werden. Derartige Weichmacher können von der Firma Clariant AG, Frankfurt am Main,
Deutschland bezogen werden.
[0044] Ferner können Polyolefinalkohol-Polyalkylenglykol-Copolymere wie z.B. Polyvinylalkohol-Polyethylenglykol-Copolymere
als Sperrschicht verwendet werden, welche aufgrund einer internen Plastifizierung
eine sehr hohe Flexibilität aufweisen. Die Verwendung von intern plastifizierten Polyvinylalkoholen
bietet den Vorteil, daß durch die chemische Verknüpfung der Weichmacherkomponente
(Polyethylenglykol) an die Polyvinylalkoholkette eine Migration des Weichmachers während
der Lagerzeit bzw. den Erwärmungsprozessen (Aufschmelzen der Dämpfungsfolie auf eine
Karosserie im Lackofen) vollständig verhindert wird. Als Polyvinylalkohol-Polyethylenglykol-Copolymer
kann beispielsweise Alcotex 975, Harlow Chemical Company Ltd. Templefields, Harlow,
Essex, England, verwendet werden.
[0045] Der Weichmacher kann dabei beispielsweise in einer Menge von 1-10 Gew. %, bezogen
auf das Gewicht der Polyvinylalkohol-haltigen Beschichtungslösung bzw. -dispersion,
bevorzugt in einer Menge von etwa 3 bis 8 Gew.% zugesetzt werden. Bei höherer Weichmacherkonzentration
wird die Reißfestigkeit des Polyvinylalkohol-haltigen Films verringert, wodurch bei
starken Klimawechseln, wie sie in einem Klimawechseltest simuliert werden, im lackierten
Zustand Rißbildungen in der Decklackschicht auftreten können.
[0046] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform ist zwischen Dämpfungsschicht (a) und Polyolefinalkohol-haltiger
Sperrschicht (b) eine Schicht (d) mit Haftmittel angeordnet.
[0047] Es hat sich gezeigt, daß die Anhaftung einer Polyolefinalkohol-haltigen Sperrschicht
auf unpolarem Bitumenmaterial verbessert werden kann, wenn zwischen einer bitumenhaltigen
Dämpfungsschicht und der Sperrschicht eine Schicht mit Haftmitteln angeordnet ist.
[0048] Die Haftmittelschicht verbessert deutlich die Haftung der Polyolefinalkohol-haltigen
Schicht auf einer bitumenhaltigen Dämpfungsschicht. Somit werden bei der weiteren
Verarbeitung, beispielsweise beim Stanzen von Formteilen, Abplatzungen in den Rand-
und Eckbereichen der Formteile verringert bzw. vermieden.
[0049] Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform enthält die Schicht (d) mit Haftmittel
bis zu 50%, bevorzugt bis zu 30% Polyolefinalkohol.
[0050] Durch die Zugabe von Polyolefinalkohol, bevorzugt von Polyvinylalkohol, kann die
Haftmittel-haltige Schicht bzw. Primerschicht im Hinblick auf ihre Flexibilität und
Härte an die nachfolgend aufgebrachte Polyolefinalkohol-haltige Sperrschicht, bevorzugt
Polyvinylalkohol-haltige Sperrschicht, angepaßt werden. Somit kann der erfindungsgemäße
Dämpfungsbelag, der eine bitumenhaltige Dämpfungsschicht und eine Polyvinylalkohol-haltige
Sperrschicht umfaßt, beispielsweise im Hinblick auf die Flexibilität, Schlagfestigkeit
und weitere Verarbeitbarkeit weiter verbessert werden.
[0051] Inbesondere beim Stanzen von Formteilen wird die durch Abplatzungen in den Rand-
und Eckbereichen bedingte Ausschußrate deutlich verringert. Somit wird auch in den
kritischen Rand- und Eckbereichen nach Aufbringung von einer Lackschicht oder mehreren
Lackschichten eine Vergilbung bzw. Verfärbung der Decklackschicht bei und/oder nach
dem Einbrennen der Lackschicht vermieden. Als besonders geeignet hat sich eine Zugabe
von 5 bis 30 Gew.%, bevorzugt von etwa 10 bis 20 Gew.%, an Polyolefinalkohol, insbesondere
Polyvinylalkohol, erwiesen.
[0052] Gemäß einer weiter bevorzugten Ausführungsform enthält die Polyolefinalkohol-haltige
Sperrschicht (b) Haftmittel und/oder Additive. Beispielhaft zu verwendende Additive
sind oben bereits aufgeführt. Selbstverständlich können diese und weitere Additive
auch in der Haftmittel-haltigen Schicht (d) enthalten sein.
[0053] Bei dieser Ausführungsform wird auf eine separate Schicht (d) mit Haftmittel verzichtet.
Um jedoch die Haftfähigkeit der Polyolefinalkohol-haltigen Sperrschicht (b) auf der
bitumenhaltigen Dämpfungsschicht zu verbessern, kann Haftmittel direkt einer zur Ausbildung
der Polyolefinalkohol-haltigen Sperrschicht aufzubringenden Polyolefinalkohol-haltigen
Lösung bzw. Dispersion zugegeben werden.
[0054] Bei Herstellung von Formteilen mit schwieriger Formgebung hat es sich jedoch als
vorteilhaft erwiesen, zwischen Polyolefinalkohol-haltiger Sperrschicht und bitumenhaltiger
Dämpfungsschicht eine Haftmittelschicht, die ggf. bis zu 50 Gew.%, bevorzugt 5 bis
30 Gew.%, Polyolefinalkohol enthält, aufzubringen, um während des Bearbeitens Abplatzungen
in den Rand- und Eckbereichen zu vermeiden. Darüber hinaus wird durch Anordnung einer
Polyolefinalkohol-haltigen, bevorzugt Polyvinylalkohol-haltigen, Haftmittelschicht
zwischen bitumenhaltiger Dämpfungsschicht und Polyolefinalkohol-haltiger Sperrschicht
die vergilbungshemmende bzw. verfärbungshemmende Wirkung der Sperrschicht weiter verbessert.
[0055] Die Aufgabe der Erfindung wird weiterhin durch Verwendung von Polyolefinalkohol zur
Herstellung einer Sperrschicht gemäß einem der Ansprüche 1 bis 8 sowie zur Herstellung
eines Dämpfungsbelags gemäß einem der Ansprüche 9 bis 19 gelöst. Besonders geeignet
für diese Verwendung ist Polyvinylalkohol.
[0056] Weiterhin wird die der Erfindung zugrundeliegende Aufgabe durch ein Verfahren mit
den Merkmalen gemäß Patentanspruch 21 oder 22 gelöst.
[0057] Bevorzugt enthält die Polyolefinalkohol-haltige Beschichtungsmasse während des Aufbringens
ein flüchtiges Lösungsmittel. Beispielsweise können Alkohole wie Methanol, Ethanol
oder Isopropylalkohol verwendet werden.
[0058] Die Dämpfungsschicht, beispielsweise eine bitumenhaltige Schicht oder Folie, kann
auf einem Trägermaterial, beispielsweise einem Karosserieelement wie z.B. einem Bodenblech,
einer Motorhaube oder einer Stirnwand aufgebracht werden. Das Trägermaterial ist dabei
bevorzugt zunächst auf herkömmliche Art und Weise vorbehandelt, d.h. vor dem Aufbringen
eines Dämpfungsbelages entfettet, phosphatiert (z.B. Zinkphosphatierung) und elektrotauchlackiert.
[0059] Nachfolgend wird unter Verwendung herkömmlicher Beschichtungsverfahren eine Dämpfungsschicht,
insbesondere eine bitumenhaltige Masse, aufgebracht. Beispielsweise kann bitumenhaltiges
Material durch Streichen mittels Rakel oder Kaschieren mittels Walzen aufgebracht
werden. Weiterhin kann eine bitumenhaltige Dämpfungsschicht auch unter Verwendung
einer vorgeformten Dämpfungsmatte oder - folie auf das Trägermaterial aufgepreßt oder
aufgeschmolzen werden.
[0060] Die Polyolefinalkohol-haltige Beschichtungsmasse kann durch jedes geeignete Aufbringungsverfahren
wie Streichen, Rollen, Ziehen, Wischen, Gießen, Walzen, Tauchen, Fluten, Spritzen,
Zerstäuben, etc. aufgebracht werden. Bevorzugt wird die Polyolefinalkohol-haltige
Beschichtungsmasse unter Verwendung von Spritz-, Walzen-, Rakel-, Schleier- und Tauchverfahren
aufgebracht. Mit einem Roll-Coater, d.h. unter Verwendung einer Walzenauftragtechnik,
lassen sich zuverlässig geschlossene Beschichtungen mit definierter Schichtdicke an
Polyolefinalkohol-haltiger Beschichtungsmasse auf der Dämpfungsschicht aufbringen.
[0061] Sofern gewünscht oder erforderlich, wird die Polyolefinalkohol-haltige Beschichtungsmasse
unter Wärmebeaufschlagung getrocknet. Zur Trocknung kann jedes herkömmlich bekannte
Trocknungsverfahren wie beispielsweise Umluft- bzw. Konvektionstrocknung, Infrarot-Trocknung,
Widerstandstrocknung, etc. verwendet werden.
[0062] Sofern zwischen Dämpfungsschicht, die bevorzugt bitumenhaltig ist, und Polyolefinalkohol-haltiger
Sperrschicht eine Haftmittel-haltige Schicht angeordnet wird, kann diese unter Verwendung
der im Schritt (a) bzw. (b) verwendbaren Verfahren aufgebracht bzw. getrocknet werden.
[0063] Die Trocknung der Polyolefinalkohol-haltigen Schicht in Schritt (b) kann in einem
Umluftofen bei einer Temperatur zwischen 30°C und 100°C, bevorzugt zwischen 35°C und
75°C, durchgeführt werden.
[0064] Die Aufbringung eines oder mehrerer Lackfilme(s) gemäß Schritt (c) kann unter Verwendung
von jedem herkömmlichen Lackierungsverfahrens erfolgen.
[0065] Die Erfindung wird nachfolgend anhand von Beispielen weiter veranschaulicht.
Herstellung von Polyvinylalkohollösungen
[0066] Sämtliche Angaben in der Tabelle 1 sind in Gew. % angegeben.
Tabelle 1
|
Lsg. Nr. 1 |
Lsg. Nr. 2 |
Lsg. Nr. 3 |
Polyvinylalkohol |
15,0 (Mowiol 15-79) |
15,0 (Mowiol 15-79) |
14,0 (Mowiol 18-88) |
Netzmittel |
0,2 (Edaplan LA 451) |
- |
0,2 (Edaplan LA 451 |
Biozid |
0,2 (Biocide K 100 M) |
0,2 (Biocide K 100 M) |
0,3 (Biocide K 100 |
Entschäumer |
- |
- |
0,4 (Agitan 285) |
Wasser |
84,6 |
79,8 |
84,1 |
Alkohol |
- |
5,0 (Ethanol) |
- |
Weichmacher |
- |
- |
1,0 (PEG 600) |
Summe |
100 |
100 |
100 |
Viskosität |
2650 mPa sec |
2260 mPa sec |
2400 mPa sec |
[0067] Die Viskositäten wurden mit dem Viskosimeter Brookfield RVT 20 U/min mit Spindel
4 bei 23°C bestimmt.
[0068] Das Netzmittel Edaplan LA 451 sowie der Entschäumer Agitan 285 können von der Firma
Münzing Chemie, Heilbronn, Deutschland; das Biozid Biocide K 100 M kann bei der Firma
Progiven antiseptiques, Fontenay-sous-Bois, Frankreich; der Weichmacher PEG 600 (Polyethylenglykol
600) sowie der Polyvinylalkohol Mowiol 15-79 bzw. Mowiol 18-88 können bei der Firma
Clariant AG, Frankfurt am Main, Deutschland, bezogen werden.
Herstellung von erfindungsgemäßen Dämpfungsbelägen
[0069] Auf eine Dämpfungsmatte mit der Zusammensetzung 24% Bitumen 75/30, 66% Bariumferrit,
9% Glimmer (Mica MF 20), 0,8% Calciumoxid, 0,2% Elastomer (Shell Produkt 66) wurde
ein Haftmittel mit der Zusammensetzung 94,6% Acronal V 210, 0,4% Lumiten I-RA (Netzmittel,
BASF, Ludwigshafen, Deutschland), 5% Polyviol LL2750 unter Verwendung eines Rakels
aufgebracht. Die Naßfilmstärke der Haftmittel-haltigen Schicht lag im Bereich von
50 bis 150 µm. Die vollständige Trocknung der Haftmittel-haltigen Schicht erfolgte
in einem Ofen bei Temperaturen zwischen 35°C und 75°C für einen Zeitraum von etwa
5 min bis 30 min.
[0070] Nachfolgend wurden die Polyvinylalkohol-Lösungen 1 bis 3 mit einem Roll-Coater auf
die Haftmittel-haltige Schicht (Primerschicht) mit einer Naßfilmstärke von 100 bis
250 µm aufgebracht und in einem Umluftofen bei einer Temperatur von 35°C bis 75°C
für einen Zeitraum von 10 min bis 30 min getrocknet.
[0071] Der so hergestellte erfindungsgemäße Dämpfungsbelag wird in ein mit einem Elektrotauchlack
grundiertes Kraftfahrzeugkarosserieelement eingelegt und bei 165°C für 25 min aufgeschmolzen.
Nachfolgend wird die Karosserie vollständig lackiert, wobei der aufgebrachte Decklack
bei einer Temperatur von etwa 130°C bis 150°C für eine Zeitdauer von 20 min bis 35
min eingebrannt wurde. Bei diesem Lackierprozeß wurde so zwischen der Karosserie,
der mit der Polyvinylalkohol-haltigen Beschichtung versehenen Dämpfungsmatte (erfindungsgemäßer
Dämpfungsbelag) und dem Decklack eine Verbindung hergestellt.
[0072] Der erfindungsgemäßen Dämpfungsbelag weist äußerst vorteilhaft keine auf unterschiedliche
Ausdehnungskoeffizienten von Einzelschichten zurückzuführenden Risse oder Abplatzungen
auf.
[0073] Um die Vorteile des erfindungsgemäßen Dämpfungsbelags weiter zu veranschaulichen,
wurden nachfolgende Vergleichsversuche durchgeführt.
[0074] Die Untersuchungen wurden mit Testblechen durchgeführt, die mit einer bitumenhaltigen
Dämpfungsmatte versehen wurden. Die Dämpfungsmatte wurde dabei jeweils zur Hälfte
mit einer Polyvinylalkohol-haltigen Sperrschicht versehen. Die so gedämpften Testbleche
wurden nach einer Lackierung einem Klimawechseltest ausgesetzt.
Herstellung der Testbleche
[0075] Eine bitumenhaltige Dämpfungsmatte mit der Zusammensetzung 24% Bitumen 75/30, 66%
Bariumferrit, 9% Glimmer (Mica MF 20), 0,8% Calciumoxid, 0,2% Elastomer (Shell Produkt
66) wurde zur Hälfte mit einer Polyvinylalkohol-haltigen Sperrschicht unter Verwendung
der nachstehend aufgeführten Polyvinylalkohol-haltigen Beschichtungslösung unter den
obigen Bedingungen versehen.
[0076] Der so hergestellte Dämpfungsbelag (Hälfte mit erfindungsgemäßer Sperrschicht) bzw.
die Dämpfungsmatte (Hälfte ohne erfindungsgemäße Sperrschicht) wurde auf einem elektrotauchlackierten
Blech angeordnet und bei Temperaturen von 150°C bis 175°C auf dem Blech aufgeschmolzen.
Der Dämpfungsbelag/die Dämpfungsmatte war dabei etwas kleiner als das Testblech. Nachdem
das Blech auf eine Temperatur von 20°C abgekühlt war, wurde ein weißer Decklack mit
der Bezeichnung KH-Karosseriedecklack RAL 9002/GL Grauweiß (Hersteller: BASF Coatings
AG, Münster) in einer Dicke von 40 bis 100 µm auf den Dämpfungsbelag bzw. direkt auf
die Dämpfungsmatte aufgesprüht und bei 170°C für 30 min gehärtet.
Klimawechseltest
[0077] Die hergestellten Testbleche wurden unter folgenden Bedingungen einem Klimawechseltest
unterzogen:
- Anzahl Zyklen: 30
- Aufheizphase: von -10°C auf 70°C innerhalb von 90 min
- Halten der Temperatur bei 70°C für 60 min (Isotherme)
- Abkühlen von 70°C auf 55°C innerhalb von 15 min
- Halten der Temperatur von 55°C für 180 min bei 95% relativer Luftfeuchtigkeit (Isotherme)
- Abkühlen von 55°C auf -10°C innerhalb von 115 min
- Halten bei -10°C für 20 min (Isotherme)
Auswertung
[0078] Der Farbton des Decklackes auf dem Dämpfungsbelag (Hälfte mit Polyvinylalkohol-haltiger
Sperrschicht) bzw. auf der Dämpfungsmatte (Hälfte ohne Polyvinylalkohol-haltige Sperrschicht)
wurde visuell mit dem Farbton des Decklackes auf der KTL-Beschichtung verglichen.
Da der Dämpfungsbelag/die Dämpfungsmatte kleiner als das Testblech war, wurde auf
dem überstehenden Randbereich des Testblechs der Decklack unmittelbar auf die KTL-Beschichtung
aufgebracht. Der Decklack in dem überstehenden Randbereich war aufgrund der Abwesenheit
von Bitumenkomponenten nicht vergilbt und diente als Vergleichsprobe.
[0079] Weiterhin wurde die Decklack-Oberfläche im Hinblick auf Risse, Abplatzungen, Ablösungen
und Kantenkontur geprüft.
Ergebnis
[0080] Ein Farbtonunterschied zwischen Decklack, der unmittelbar auf die KTL-Beschichtung
aufgebracht wurde, und dem erfindungsgemäßen Dämpfungsbelag (Hälfte der Dämpfungsmatte
mit erfindungsgemäßer Polyvinylalkohol-haltigen Sperrschicht) ist nicht feststellbar.
Sämtliche zur Herstellung der Sperrschicht verwendeten Polyvinylalkohole verhinderten
zuverlässig eine Vergilbung des weißen Decklacks.
[0081] Bis zu einer untersuchten Schichtdicke der Polyvinylalkohol-haltigen Sperrschicht
von 10 µm wurde keine Vergilbung bei dem Decklack festgestellt. Bei dünnerer Schichtdicke
an aufgebrachter Polyvinylalkohol-haltiger Sperrschicht kann es ggf. zu Rißbildungen
kommen.
[0082] Bei der Hälfte der Dämpfungsmatte, die nicht mit einer Polyvinylalkohol-haltigen
Sperrschicht versehen wurde, trat hingegen eine Vergilbung des Decklackes ein.
[0083] Eine Rißbildung und teilweise Ablösungen bzw. Abplatzungen des Verbundes Lack-Polyvinylalkohol
von der Bitumendämpfungsfolie wurde unter den extremen Bedingungen des verwendeten
Klimawechseltest teilweise beobachtet, wenn die Weichmacherkonzentration in der Polyvinylalkohol-haltigen
Beschichtung zu hoch oder der Polyvinylalkohol ein Molekulargewicht von weniger als
40.000 g/mol aufwies. Die unter Verwendung von Mowiol 3-83, das ein Molekulargewicht
von 14.000 g/mol aufweist, hergestellten flexiblen Dämpfungsbeläge zeigten Risse,
wenn diese gebogen wurden. Jeder Defekt in der Beschichtung führte beim Lackierprozeß
zu einer örtlichen Vergilbung des Lackfilms.
Tabelle 2
Polyvinylalkohol
Typ, Schichtdicke
in [µm] |
Weichmacher
Typ Gew. % |
Primer Acronal V 210
Schichtdicke in [µm] |
Decklack
Schichtdicke in [µm] |
Vergilbung |
Oberflächenbeurteilung nach Klimawechseltest |
Mowiol 3-83, |
50 |
- |
- |
40 |
nein |
Rißbildung, Abplatzungen |
Mowiol 4-88, |
40 |
- |
- |
60 |
nein |
Rißbildung, Abplatzungen |
Mowiol 5-88, |
40 |
- |
- |
50 |
nein |
Rißbildung |
Mowiol 8-88, |
45 |
- |
- |
50 |
nein |
Rißbildung |
Mowiol 15-79, |
25 |
- |
- |
50 |
nein |
i.O. |
Mowiol 15-79, |
30 |
- |
70 |
40 |
nein |
i.O. |
Polyviol LL2750, |
20 |
- |
- |
50 |
nein |
i.O. |
Mowiol 18-88, |
25 |
- |
- |
40 |
nein |
i.O. |
Mowiol 18-88, |
30 |
- |
70 |
40 |
nein |
i.O. |
Mowiol 15-79, |
25 |
PEG 600, 5 |
- |
70 |
nein |
i.O. |
Mowiol 15-79, |
25 |
PEG 600, 10 |
70 |
60 |
nein |
i.O. |
Polyviol LL2750, |
20 |
PEG 400, 15 |
70 |
60 |
nein |
leichte Rißbildung |
[0084] Die zur Herstellung der Polyvinylalkohol-haltigen Sperrschicht verwendete Beschichtungslösung
hatte folgende Zusammensetzung:
15 Gew. % Polyvinylalkohol, wie in Tabelle 2 jeweils angegeben
0,4 Gew.% Edaplan LA 451 (Netzmittel)
0,4 Gew. % Agitan 285 (Entschäumer)
0,2 Gew. % Biocide K 100 M (Biozid)
0-15 Gew.% Polyethylenglykol (PEG), wie in Tabelle 2 jeweils angegeben (Weichmacher)
69-84 Gew. % Wasser (jeweils ad 100 Gew.%)
[0085] Die Haftmittel-haltige Beschichtungslösung zur Herstellung der Primer-Schicht hatte
folgende Zusammensetzung:
94,6 Gew.% Acronal V 210
0,4 Gew. % Lumiten I-RA (Netzmittel, BASF; Ludwigshafen, Deutschland)
5,0 Gew. % Polyviol LL2750
[0086] Decklack: KH-Karosseriedecklack RAL 9002/GL Grauweiß
Figurenbeschreibung
[0087] Figur 1 zeigt die erste Hälfte des Stahlblechs, die mit einem erfindungsgemäßen Dämpfungsbelag
versehen ist. Auf der ersten Hälfte eines mit einem Elektrotauchlack 2 versehenen
Stahlblech 1 ist eine bitumenhaltige Dämpfungsschicht 3 aufgebracht. Auf der bitumenhaltigen
Dämpfungsschicht 3 ist eine Polyvinylalkohol-haltige Sperrschicht 4 angeordnet. Sowohl
die überstehenden Enden des Stahlbleches 1 als auch die mit Polyvinylalkohol-haltiger
Sperrschicht 4 versehene Dämpfungsschicht 3 sind mit einem weißen Decklack 5 versehen.
[0088] Figur 2 zeigt die zweite Hälfte des mit Elektrotauchlack 2 versehenen Stahlblechs
1, auf dem eine bitumenhaltige Dämpfungsschicht 3 aufgebracht ist. Unmittelbar auf
der bitumenhaltigen Dämpfungsschicht 3 sowie auf den überstehenden Enden des Stahlblechs
1 ist ein Decklack 5 aufgebracht. Der auf den überstehenden Enden des Stahlblechs
1 unmittelbar auf den Elektrotauchlack 2 aufgebrachte Decklack 5 ist weiß. Der unmittelbar
auf der bitumenhaltigen Dämpfungsschicht 3 aufgebrachte Decklack 6 ist vergilbt.
[0089] Figur 3 zeigt ein Stahlblech, das mit einem erfindungsgemäßen Dämpfungsbelag versehen
ist. Auf einem mit einem Elektrotauchlack 2 versehenen Stahlblech 1 ist eine bitumenhaltige
Dämpfungsschicht 3 aufgebracht. Auf der bitumenhaltigen Dämpfungsschicht 3 ist eine
Haftmittel-haltige Schicht 7 aufgebracht, auf der eine Polyvinylalkohol-haltige Sperrschicht
4 angeordnet ist. Sowohl die überstehenden Enden des Stahlbleches 1 als auch die mit
Polyvinylalkohol-haltiger Sperrschicht 4/Haftmittel-haltige Schicht 7 versehene Dämpfungsschicht
3 sind mit einem weißen Decklack 5 versehen.
Bezugszeichenliste
[0090]
- 1
- Stahlblech
- 2
- Elektrotauchlack
- 3
- Dämpfungsschicht
- 4
- Sperrschicht
- 5
- Lackschicht
- 6
- vergilbte Lackschicht
- 7
- Haftmittel-haltige Schicht
1. Sperrschicht (4), insbesondere für bitumenhaltige Dämpfungsschichten,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Sperrschicht (4) Polyolefinalkohol enthält.
2. Sperrschicht (4) gemäß Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Polyolefinalkohol teilweise hydrolysierter Polyolefinester ist.
3. Sperrschicht (4) gemäß Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Hydrolysegrad des Polyolefinesters wenigstens 25 %, bevorzugt wenigstens 50 %,
bezogen auf die Gesamtanzahl aller Estergruppen des Polyolefinesters, beträgt.
4. Sperrschicht (4) gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Polyolefinalkohol ein durchschnittliches Molekulargewicht von wenigstens 14.000
g/mol, bevorzugt von wenigstens 50.000 g/mol, aufweist.
5. Sperrschicht (4) gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Sperrschicht Haftmittel und/oder Additive enthält.
6. Sperrschicht (4) gemäß Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Haftmittel Acrylsäureester-Copolymer enthält.
7. Sperrschicht (4) gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Sperrschicht (4) eine Schichtdicke in einem Bereich von 5 µm bis 500 µm, bevorzugt
von 10 µm bis 250 µm, aufweist.
8. Sperrschicht (4) gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Polyolefinalkohol Polyvinylalkohol ist.
9. Dämpfungsbelag, insbesondere für Kraftfahrzeuge,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Dämpfungsbelag folgenden Aufbau umfaßt:
(a) Dämpfungsschicht (3),
(b) Polyolefinalkohol-haltige Sperrschicht (4),
(c) gegebenenfalls eine oder mehrere Lackschicht(en) (5).
10. Dämpfungsbelag gemäß Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet,
daß zwischen Dämpfungsschicht (a) und Polyolefinalkohol-haltiger Sperrschicht (b) eine
Haftmittel-haltige Schicht (d) angeordnet ist.
11. Dämpfungsbelag gemäß Anspruch 10,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Haftmittel-haltige Schicht (d) bis zu 50 %, bevorzugt bis zu 30 %, Polyolefinalkohol
enthält.
12. Dämpfungsbelag gemäß Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Polyolefinalkohol-haltige Sperrschicht (b) Haftmittel und/oder Additive enthält.
13. Dämpfungsbelag gemäß einem der Ansprüche 10 bis 12,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Haftmittel Acrylsäureester-Copolymer enthält.
14. Dämpfungsbelag gemäß einem der Anspruch 9 bis 13,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Polyolefinalkohol teilweise hydrolysierter Polyolefinester ist.
15. Dämpfungsbelag gemäß Anspruch 14,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Hydrolysegrad des Polyolefinesters wenigstens 25 %, bevorzugt wenigstens 50 %,
bezogen auf die Gesamtanzahl aller Estergruppen des Polyolefinesters, beträgt.
16. Dämpfungsbelag gemäß einem der Ansprüche 9 bis 15,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Polyolefinalkohol ein durchschnittliches Molekulargewicht von wenigstens 14.000
g/mol, bevorzugt von wenigstens 50.000 g/mol, aufweist.
17. Dämpfungsbelag gemäß einem der Ansprüche 9 bis 16,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Polyolefinalkohol-haltige Sperrschicht (4) eine Schichtdicke in einem Bereich
von 5 µm bis 500 µm, bevorzugt von 10 µm bis 250 µm aufweist.
18. Dämpfungsbelag gemäß einem der Ansprüche 9 bis 17,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Polyolefinalkohol Polyvinylalkohol ist.
19. Dämpfungsbelag gemäß einem der Ansprüche 9 bis 18,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Dämpfungsschicht eine bitumenhaltige Dämpfungsschicht ist.
20. Verwendung von Polyolefinalkohol zur Herstellung einer Sperrschicht (4) gemäß einem
der Ansprüche 1 bis 8 oder zur Herstellung eines Dämpfungsbelags gemäß einem der Ansprüche
9 bis 18.
21. Verfahren zur Herstellung eines Dämpfungsbelags gemäß einem der Ansprüche 9 bis 19,
dadurch gekennzeichnet,
daß es die Verfahrenschritte umfaßt:
(a) Aufbringen einer Polyolefinalkohol-haltigen Beschichtungsmasse auf eine Dämpfungsschicht
(3);
(b) Trocknen der gemäß Schritt (a) aufgebrachten Polyolefinalkohol-haltigen Beschichtungsmasse
unter Ausbildung einer Polyolefin-haltigen Sperrschicht (4); und
(c) gegebenenfalls Aufbringen einer oder mehrerer Lackschicht(en) (5) auf die Polyolefinalkohol-haltige
Sperrschicht.
22. Verfahren zur Herstellung eines Dämpfungsbelags gemäß einem der Ansprüche 9 bis 19,
dadurch gekennzeichnet,
daß es die Verfahrensschritte umfaßt:
(a) Aufbringen einer Haftmittel-haltigen Beschichtungsmasse auf eine Dämpfungschicht
(3) unter Ausbildung einer Haftmittel-haltigen Schicht;
(b) gegebenenfalls Trocknen der gemäß Schritt (a) aufgebrachten Haftmittel-haltigen
Schicht;
(c) Aufbringen einer Polyolefinalkohol-haltigen Beschichtungsmasse auf die Haftmittel-haltige
Schicht;
(d) Trocknen der gemäß Schritt (c) aufgebrachten Polyolefinalkohol-haltigen Beschichtungsmasse
unter Ausbildung einer Polyolefin-haltigen Sperrschicht (4); und
(e) gegebenenfalls Aufbringen einer oder mehrerer Lackschicht(en) (5) auf die Polyolefinalkohol-haltige
Sperrschicht.
23. Verfahren gemäß Anspruch 21 oder 22,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Polyolefinalkohol-haltige Beschichtungsmasse ein flüchtiges Lösungsmittel enthält.