[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein neues Verfahren zur Gefriertrocknung (Lyophilisation).
[0002] Die Gefriertrocknung ist ein wichtiges Verfahren zur Stabilisierung hydrolyseempfindlicher
und thermolabiler Zubereitungen, sowie von Materialien biologischen Ursprungs, die
unter schonenden Bedingungen getrocknet werden sollen. Mit Hilfe der Gefriertrocknung
können Materialien ohne größere Veränderungen und Verluste an biologischer Aktivität
getrocknet werden. Ein positiver Aspekt der Gefriertrocknung ist, daß die getrockneten,
"lyophilen" Produkte aufgrund ihrer porösen Struktur und sehr großen spezifischen
Oberfläche sehr schnell rekonstituierbar sind und ihre ursprünglichen Eigenschaften
in Lösung wieder annehmen. Deshalb findet die Gefriertrocknung bevorzugt Anwendung
bei therapeutischen Sera, Blutprodukten, biologisch aktiven Substanzen (Hormonen,
Vitaminen, Enzymen, Arzneistoffen), Lebensmittelzubereitungen und Aromen. Zur Gefriertrocknung
eignen sich flüssige und halbfeste wasserhaltige Zubereitungen, z.B. Lösungen, Emulsionen
und Suspensionen.
[0003] Die Trocknung aus dem gefrorenen Zustand vereint die Vorteile von Einfrieren und
Dehydratation bei niedriger Temperatur und wird im allgemeinen folgendermaßen durchgeführt:
- Abkühlung und Kristallisation des Lösungsmittels in der Zubereitung bei Atmosphärendruck.
- Haupttrocknung, d.h. Sublimation des kristallisierten Lösungsmittels.
- Nachtrocknung, d.h. Verdampfung von nicht kristallierten Lösungsmittelanteilen.
[0004] Die beiden Trocknungsschritte unterscheiden sich prinzipiell: Bei der Haupttrocknung
(Primärtrocknung) erfolgt die Sublimation des gefrorenen Lösungsmittels unter vermindertem
Druck. Bei der fakultativen Nachtrocknung (Sekundärtrocknung) erfolgt die Verdampfung
von nicht-gefrorenem Lösungsmittel bei vermindertem Druck und bei erhöhter Temperatur.
[0005] Bei den aus dem Stand der Technik bekannten Verfahren werden die zu trocknenden Zubereitungen
in Gefäßen, z.B. sog. Vials, bei Atmosphärendruck eingefroren und die Temperatur des
Produktes wird auf einen für den Start der Haupttrocknung geeigneten Wert eingestellt.
[0006] Auf das Einfrieren (Kristallisation) folgt die Haupttrocknung, bei der unter reduziertem
Druck das gefrorene Lösungsmittel vom festen in den gasförmigen Aggregatzustand überführt,
d.h. sublimiert wird. Die Energie, die bei der Sublimation verbraucht wird, wird z.B.
über beheizbare Stellplatten nachgeliefert. Während der Haupttrocknung darf sich die
gefrorene Zubereitung nicht über ihren Schmelzpunkt erwärmen. An die Haupttrocknung
kann sich eine Nachtrocknung anschließen, bei der nicht-gefrorenes Lösungsmittel bei
erhöhter Temperatur und reduziertem Druck entfernt wird. Dabei handelt es sich um
Lösungsmittel, das z.B. an der Feststoffmatrix adsorbiert oder in amorphen Arealen
eingeschlossen sein kann.
Unter Kristallisation wird in der vorliegenden Anmeldung das Einfrieren (Erstarren)
des Lösungsmittelanteils in der Zubereitung verstanden. Unter Zubereitung wird in
der vorliegenden Anmeldung jede Art von Material verstanden, das sich für die Gefriertrocknung
eignet.
[0007] Der Temperaturverlauf während der Gefriertrocknung kann durch geeignete Vorrichtungen
gesteuert werden. Dem Fachmann bekannt sind insbesondere temperierbare Stellplatten.
Die Stellplatten können bei diesem Verfahren sowohl nach dem Beladen (Abkühlvariante
A), als auch vor dem Beladen auf die gewünschte Einfriertemperatur gebracht werden
(Abkühlvariante B). Möglich ist auch eine Vortemperierung der Platten und/oder der
Zubereitung auf den Platten auf eine Temperatur oberhalb der eigentlichen Einfriertemperatur,
um einen Temperaturangleich der einzelnen Vials zu gewährleisten, bzw. um die Abkühlzeit
bis zum Einfrieren zu minimieren. Daran schließt sich das eigentliche Einfrieren mit
weiterer Absenkung der Plattentemperatur an (Abkühlvariante C).
Die Varianten A-C beschreiben das Einfrieren auf Stellplatten. Weitere bekannte Verfahren
sind Einfrierverfahren in Kältebädern und rotierenden Gefäßen (Shell Freezing, Spin
Freezing) oder durch Sprühvorrichtungen; sie unterscheiden sich prinzipiell von den
oben beschriebenen Verfahren.
Üblicherweise handelt es sich bei den zu trocknenden Zubereitungen um wässrige Systeme.
Prinzipiell sind auch andere Lösungsmittel oder deren Gemische mit wässrigen Systemen
einsetzbar, wie z.B. Carbonsäuren (z.B. Eisessig), Dimethylsulfoxid (DMSO), Ether
(z.B. Dioxan), Dimethylformamid oder Alkohole (z.B. t-Butanol).
[0008] Die verschiedenen, konventionellen Arten des Einfrierens und der Gefriertrocknung
sind z.B. in einschlägigen Lehrbüchern hinlänglich beschrieben, so z.B.
Lyophilisation, Essig, Oschmann, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart mbH, 1993; Seite
15-29,
Gefriertrocknen, Georg-Wilhelm Oetjen, VCH Verlag, 1997; Seite 3-58 und
Freeze Drying, Athanasios I. Liapis, in: Handbook of Industrial Drying, ed. by A.S. Mujumdar, Montreal,
Seite 295-326.
[0009] Darüber hinaus beschreibt US 3,233,333 ein Verfahren zur Gefriertrocknung von Fleisch
und anderen Lebensmitteln, die zelluläre Strukturen enthalten, wobei durch eine Durchführung
in vier Schritten die physische Qualität nicht beeinträchtigt wird und Geschmack,
Geruch und Struktur praktisch unverändert bleiben.
[0010] Allen Einfrierverfahren ist gemeinsam, daß bei Eignung der Zubereitung nach dem Einfrieren
ein Temperschritt (Thermal Treatment oder Annealing) erfolgen kann. Dieser Temperschritt
dient dazu, die Kristallisation von amorph erstarrten Feststoffen und nicht gefrorenem
Lösungsmittel zu fordern und somit eine erhöhte Kristallinität sowie eine verminderte
Restfeuchte zu erreichen. Zur Durchführung wird die gefrorene Zubereitung auf eine
Temperatur erwärmt, die über der Glasübergangstemperatur (Tg') der amorph erstarrten
Lösung und unter dem Schmelzpunkt der Lösung liegt. Die amorphe Phase, die in der
Regel hohe Anteile an nicht kristallisiertem Lösungsmittel enthält, geht vom Glaszustand
in den gummiartigen Zustand über und die Beweglichkeit von Molekülen wird erhöht.
Folge ist die Bildung von Nukleoli, die zu Kristallen wachsen (sog. eruptive Rekristallisation)
und die Anlagerung von Lösungsmittelmolkülen an bereits existierende Lösungsmittelkristalle.
[0011] Das Temperverfahren ist ebenfalls literaturbekannt. Beschreibungen des Temperverfahrens
finden sich in
The Lyophilization of Pharmaceuticals: A Literature Review, N.A. Williams and G. P. Polli, Journal of Parenteral Science and Technology, (1984
Mar-Apr) 38 (2) 48-59,
Basic Aspects and Future Trends in the Freeze-Drying of Pharmaceuticals, L. Rey, Develop. biol. Standart., Vol. 74, (Karger, Basel, 1991), pp. 3-8 und
Fundamental Aspects of Lyophilization, L. Rey, Researches and Development in Freeze-Drying, ed. by L. Rey, Paris, 1964,
24-47.
[0012] Die mit den Gefriertrocknungsverfahren nach dem Stand der Technik hergestellten Lyophilisate
weisen meist einen hohen Strömungswiderstand auf, der das Entweichen des gasförmigen
Lösungsmittels behindert. Zudem kann das Auskristallisieren der gelösten Inhaltsstoffe
teilweise bis ganz unterbleiben, so daß Produkte erhalten werden, die teils bis ganz
amorph vorliegen. Die Folgen, die daraus resultieren können, sind mechanische Beschädigung
des Produktkuchens durch den entweichenden Lösungsmitteldampfstrom und dadurch potentieller
Produktverlust, sowie Kollaps- und Auftauphänomene während der Trockung. Darüberhinaus
werden vom Endverbraucher besonders an pharmazeutische und Lebensmittelzubereitungen
auch ästhetische Anforderungen gestellt, so daß starke Beschädigungen nicht erwünscht
sind.
[0013] Eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung war es deshalb, ein Verfahren zur Gefriertrocknung
zu finden, mit dem sich Lyophilisate herstellen lassen, welche die oben genannten
problematischen Eigenschaften nicht aufweisen und daher leichter handhabbar sind.
[0014] Überraschenderweise wurde nun gefunden, daß man mechanisch stabilere Lyophilisate
erhält, wenn man das Verfahren zur Gefriertrocknung folgendermaßen durchführt:
- Phase 1:
- Erniedrigen des Druckes in der Trocknungskammer bis zum Einsetzen einer sichtbaren
Kristallisation des Lösungsmittels bei einer Temperatur in der Trocknungskammer, die
oberhalb des Festpunktes der Zubereitung liegt.
- Phase 2:
- Erniedrigen der Temperatur in der Trocknungskammer auf eine Temperatur, die unter
dem Festpunkt der Zubereitung liegt oder mit diesem identisch ist, bis zum Abschluß
der Kristallisation des Lösungsmittels.
- Phase 3:
- Sublimation des gefrorenen Lösungsmittels mittels vermindertem Druck.
[0015] Unter dem Festpunkt der Zubereitung wird in der vorliegenden Anmeldung diejenige
Temperatur verstanden, bei der das Lösungsmittel in der Zubereitung in den festen
Aggregatzustand übergeht.
[0016] Erfindungsgemäß wird der Druck in der Trocknungskammer anfänglich bei einer Temperatur
in der Trocknungskammer, die oberhalb des Festpunktes der Zubereitung liegt, auf einen
Druckwert unterhalb des Atmosphärendrucks (gemäß Fig. 1) reduziert. Dies hat eine
oberflächliche Abkühlung der Zubereitung durch Verdampfung und eine partielle Kristallisation
des Lösungsmittels an der Oberfläche zur Folge (Phase 1). In einer bevorzugten Ausführungsform
beträgt der Druck hierbei bei wässrigen Lösungen 0,1 bis 6 mbar, insbesondere 0,2
bis 3 mbar. Für verschiedene Zubereitungen ist dieser Druck p in der Trocknungskammer
(gemessen mit einem Kapazitätsmanometer) in Abhängigkeit von der Konzentration c (in
mol/L) in Fig. 1 aufgetragen. Die Werte für verschiedene wässrige Zubereitungen wurde
folgendermaßen dargestellt:
- durchgezogene Linie, Quadrate = Mannitol
- durchgezogene Linie, Kreise = Saccharose
- unterbrochene Linie, Rauten = Natriumchlorid
- unterbrochene Linie; Kreise = Glycin
- unterbrochene Linie, Dreiecke = Maltose
- Quadrat auf der Ordinate = Lösungsmittel Wasser
[0017] Diese Druckverminderung kann z.B. bei Raumtemperatur durchgeführt werden. In einer
weiteren Ausführungsform werden die Zubereitungen vor oder während der Druckerniedrigung
auf eine Temperatur, die zwischen Raumtemperatur und dem Festpunkt der Zubereitung
liegt, vortemperiert. Diese Vortemperierung (z.B. auf Stellplatten) gewährleistet
weiterhin, daß die Kühlvorrichtungen, die z.T. geringe Abkühlraten aufweisen, in kurzer
Zeit auf die gewünschte Kristallisationstemperatur, d.h. in den Bereich des Festpunktes
der Zubereitung gebracht werden können. Entscheidend ist, daß diese Vortemperierung
nicht zur Kristallisation des Lösungsmittels führt.
[0018] Haben sich nun Kristalle, z.B. in Form eines Wasser/Eis-Gemisches oder einer auf
der Oberfläche schwimmenden Eisschicht gebildet, kann der Druck in der Trocknungskammer
wieder auf Umgebungsdruck angehoben und die Temperatur in der Trocknungskammer zur
Kristallisation auf oder unter den Festpunkt der Zubereitung gebracht werden (Phase
2). Es ist ebenso möglich, den Druck während der Kristallisation vermindert zu halten;
dies hat keine relevanten Auswirkungen auf die Kristallisation des Lösungsmittels.
Prinzipiell ist zur Kristallisation jede Temperatur geeignet, die unter dem Festpunkt
der Zubereitung liegt oder mit ihm identisch ist. In einer bevorzugten Ausführungsform
beträgt die Temperatur zur Kristallisation bei wässrigen Lösungen zwischen -60°C und
0°C.
[0019] Nach der Kristallisation wird die Zubereitung gegebenenfalls auf die endgültige Temperatur
zum Beginn der Trocknung gebracht. Diese Temperatur ist dabei vom vorliegenden Produkt
und über die Dampfdruckkurve des Lösungsmittels vom Druck, der in der Haupttrocknung
verwendet werden soll, abhängig. In einer bevorzugten Ausführungsform beträgt diese
Temperatur bei wässrigen Lösungen -60°C bis 0°C.
[0020] Danach schließt sich die Haupttrocknung an. Diese verläuft prinzipiell wie bei den
Verfahren nach dem Stand der Technik. Bei einer weiteren Ausführungsform weist das
Verfahren zusätzlich eine Nachtrocknungsphase (Phase 4) im Anschluß an die Haupttrocknung
auf. Diese ist aber bei Vorliegen einer Temperphase (Phase 2a) in einigen Fällen nicht
nötig.
[0021] Gemäß einer weiteren Ausführungsform wird an Phase 2 ein Temperverfahren wie oben
beschrieben angeschlossen. Dieses Temperverfahren wird im folgenden als Phase 2a bezeichnet.
Das Tempern liefert Produkte mit höherer Kristallinität und niedrigerer Restfeuchte
nach der Haupttrocknung und verkürzt die Nachtrocknung bzw. macht sie überflüssig.
[0022] Das erfindungsgemäße Verfahren soll durch die Figuren 2 bis 7 genauer erläutert werden:
Hierbei sind die Temperatur (T) und der Druck (p) in Millibar (mbar) in der Trocknungskammer
gegen die Zeit t aufgetragen, wobei die Temperatur als durchgezogene, der Druck als
unterbrochene Linie dargestellt ist. Zur besseren Verdeutlichung der Verfahren zeigen
die Figuren stets Ausführungsformen mit Haupt- und Nachtrocknung.
[0023] Fig. 2 zeigt ein herkömmliches Herstellungsverfahren nach dem Stand der Technik.
[0024] Fig. 3 zeigt ein herkömmliches Herstellungsverfahren mit Temperschritt nach dem Stand
der Technik.
[0025] Fig. 4 zeigt das erfindungsgemäße Verfahren mit Druckverminderung (Phase 1), Kristallisation
(Phase 2), Temperschritt (Phase 2a) und anschließender Haupt- und Nachtrocknung (Phasen
3 und 4).
[0026] Fig. 5 zeigt das erfindungsgemäße Verfahren mit Vortemperierung und Druckverminderung
(Phase 1), Kristallisation (Phase 2) und anschließender Haupt- und Nachtrocknung (Phasen
3 und 4).
[0027] Fig. 6 zeigt das erfindungsgemäße Verfahren mit Vortemperierung und Druckverminderung
(Phase 1), Kristallisation (Phase 2), Temperschritt (Phase 2a) und anschließender
Haupt- und Nachtrocknung (Phasen 3 und 4).
[0028] Fig. 7 zeigt das erfindungsgemäße Verfahren mit Druckverminderung (Phase 1), Kristallisation
(Phase 2), und anschließender Haupt- und Nachtrocknung (Phasen 3 und 4).
[0029] Die mit dem erfindungsgemäßen Verfahren herstellbaren Lyophilisate weisen einen verbesserten
Strukturzusammenhalt auf und werden vom entweichenden Dampfstrom, auch bei erhöhten
Sublimationsraten, weniger stark mechanisch beschädigt als Lyophilisate, die durch
Verfahren nach dem Stand der Technik hergestellt werden. Sie zeigen weniger ausgeprägte
Kollapsphänomene.
[0030] Die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren erzielbaren Restfeuchtegehalte sind prinzipiell
mit denjenigen vergleichbar, die durch Gefriertrocknung nach dem Stand der Technik
erzielt werden (siehe Tab. 3)
[0031] Zur Verwendung im erfindungsgemäßen Verfahren eignen sich Zubereitungen mit oder
ohne sogenannte Gerüstbildner. Mit solchen Gerüstbildnern kann bei der Gefriertrocknung
ein poröses Gerüst bzw. eine Matrix erzeugt werden. Bevorzugt sind Gefriertrocknungsprodukte,
die unter Verwendung von Gerüstbildnern bzw. anderen Substanzen, die aufgrund ihrer
physikalisch-chemischen Eigenschaften als Gerüstbildner geeignet sind, hergestellt
werden. Besonders bevorzugt sind Gefriertrocknungsprodukte, die unter Verwendung von
Gerüstbildnern ausgewählt aus den Verbindungsklassen Aminosäuren, Kohlenhydrate (Mono-,
Disaccharide, Zuckeralkohole, Oligo-, Polysaccharide), Peptide, polymere Verbindungen
und Salze hergestellt werden. Am meisten bevorzugt sind solche, die unter Verwendung
von Gerüstbildnem ausgewählt aus der Gruppe Mannitol, Saccharose, Maltose, Glycin
und Natriumchlorid hergestellt werden.
Tab. 1 :
| Liste der bevorzugt verwendeten Gerüstbildner |
| Aminosäuren |
Glycin |
| |
Alanin |
| |
Asparaginsäure |
| Peptide |
Gelatine |
| |
Collagen |
| |
Albumin |
| Monosaccharide |
Glucose |
| |
Lactose |
| Disaccharide |
Maltose |
| |
Saccharose |
| |
Trehalose |
| Oligosacharide |
Cyclodextrine |
| |
Maltodextrine |
| Polysaccharide |
Stärke und Stärkederivate |
| |
Cellulose und Cellulosederivate |
| Polymere |
Polyvinylpyrrolidone |
| |
Polyethylenglycole |
| Salze |
Natriumchlorid |
| |
Calciumcarbonat |
| Zuckeralkohole |
Mannitol |
| |
Sorbitol |
| |
Xylitol |
[0032] Für das erfindungsgemäße Verfahren kommt eine Vielzahl von Lösungsmitteln in Frage.
Des besseren Verständnisses halber werden in der Beschreibung überwiegend wäßrige
Systeme behandelt. Die Erfindung betrifft aber ausdrücklich auch nichtwäßrige Systeme.
Bevorzugt werden wäßrige Lösungen eingesetzt.
Ausführungsbeispiele
Durchführungsschemta von Gefriertrocknungen mit dem erfindungsgemäßen "vakuum-induzierten"
Einfrieren sowie Verfahren nach dem Stand der Technik
Einsatzstoffe, Materialien und Geräte
[0033]
- Es wurde eine 5%-ige,wäßrige Lösung von Mannitol hergestellt und über ein 0,2µm Membranfilter
sterilfiltriert.
- Die Lösung wurde zu 3ml in 10R-Röhrenglasvials abgefüllt und Gefriertrocknungsstopfen
aufgesetzt.
- Für die Gefriertrocknung wurden die befüllten Vials in einen Gefriertrockner der Fa.
Kniese (Stellfläche 0,6 m2) verbracht.
Durchführung:
[0034]
- Die Lösung wurden auf den Stellplatten bei +10°C vortemperiert.
- Danach wurde der Kammerdruck auf 0,65 mbar erniedrigt (Parameterwahl siehe Fig. 1).
- Nach Erreichen des Druckwertes von 0,65 mbar und Einsetzen des partiellen Einfrierens
an der Produktoberfläche, wurde auf Umgebungsdruck belüftet und gleichzeitig die Stellplatten
auf eine Temperatur gebracht, die z.B. für Mannitol -7,5°C betragen kann.
- Die Produkte wurden jeweils 1 Stunde bei der jeweiligen Temperatur gehalten und anschließend
auf -40°C abgekühlt (Einfriervariante III).
- An das Einfrieren schloß sich eine Haupttrocknung über 8 Stunden bei +40°C und 1,6
mbar ohne Nachtrocknung an. Die beobachteten Auffälligkeiten wurden in Tab. 2 angegeben.
- Als Referenz wurden entsprechende Lösungen herangezogen, die nicht dem "erfindungsgemäßen"
vakuum-induziertem Einfrieren (Einfriervariante III) unterworfen wurden, sondern mit
2K/min auf -40°C (Einfriervariante I) und auftretender Unterkühlung eingefroren bzw.
im Kältebad schnell auf -60°C (Einfriervariante II) eingefroren und dann unter gleichen
Bedingungen gefriergetrocknet wurden.
Tab. 2:
| Unerwünschte Veränderungen und Beschädigungen des Produktkuchens bei verschiedenen
Einfrierverfahren und Haupttrocknung mit Plattentemperatur (+40°C). Eine Gewichtung
von Stärke und Häufigkeit der aufgetretenen Beschädigungen wurde mit (-), d.h. keine,
(+) schwach, (++) stark und (+++) sehr stark vorgenommen. |
| Einfrierverfahren |
5%-ige Mannitol-Lösung |
| Variante I |
Oberfläche bei vielen Proben aufgerissen, Lyophilisate am Vialboden kollabiert (++) |
| Variante II |
Viele Lyophilisate am Vialboden kollabiert; Produktkuchen auseinandergerissen (+++) |
| Variante III |
(-) |
Durchführungsschemata von Gefriertrocknungen mit dem erfindungsgemäßen "vakuum-induziertem"
Einfrieren (Variante III), sowie mit dem erfindungsgemäßen "vakuum-induziertem" Einfrieren
mit anschließendem Temperverfahren (Variante IV)
Einsatzstoffe, Materialien und Geräte
[0035]
- Es wurde eine wäßrige, 2%-ige Lösung von Mannitol hergestellt und über ein 0,2µm Membranfilter
sterilfiltriert.
- Die Lösung wurde zu 3 ml in 10R- Röhrenglasvials abgefüllt und Gefriertrocknungsstopfen
aufgesetzt.
- Für die Gefriertrocknung wurden die Vials in einen Gefriertrockner der Fa. Kniese
(Stellfläche 0,6 m2) verbracht.
Durchführung:
[0036]
- Die Lösungen wurden auf den Stellplatten bei +10°C vortemperiert.
- Danach wurde der Kammerdruck auf 0,65 mbar erniedrigt (Parameterwahl siehe Fig. 1).
- Nach Erreichen des Druckwertes von 0,65 mbar und Einsetzen des partiellen Einfrierens
an der Produktoberfläche, wurde auf Umgebungsdruck belüftet und gleichzeitig die Stellplatten
auf eine Temperatur gebracht, die z.B. für Mannitol -7,5°C betragen kann.
- Die Produkte wurden jeweils 1 Stunde bei der jeweiligen Temperatur gehalten und anschließend
auf -40°C abgekühlt (Variante III).
- Für Variante IV wurden die Proben Proben im Anschluß an das Prozedere von Variante
III auf -3°C erwärmt, 4 Stunden bei dieser Temperatur getempert und anschließend auf
-40°C abgekühlt.
- Als Referenz wurden Proben mit einer Abkühlrate von 2 K/min auf -40 eingefroren. Die
Proben unterkühlten dabei. (Variante I).
- An das Einfrieren nach Variante I, III oder IV, schloß sich eine Haupttrocknung über
20 Stunden bei -10°C und 0,2 mbar und eine Nachtrocknung bei +40°C und 0,2 mbar über
2 Stunden an.
[0037] Nach der Gefriertrocknung wurde zusätzlich noch die Restfeuchte der Lyophilisate
durch eine Karl-Fischer-Titration bestimmt:
Tab. 3:
| Abhängigkeit von Restfeuchte und Trocknungszeit vom Einfrierverfahren. |
| Mannitol 2% |
Restfeuchte [%] |
Sublimationsdauer [min] |
| vakuum-ind. Einfrieren (Variante III) |
1,41 |
810 |
| vakuum-ind. Einfrieren und Temperverfahren (Variante IV) |
0,18 |
864 |
| Referenz (Variante I) |
0,86 |
1066 |
1. Verfahren zur Gefriertrocknung von Zubereitungen in einer Trocknungskammer, umfassend
die Schritte Abkühlung der Zubereitung und Kristallisation des Lösungsmittels sowie
Sublimation des gefrorenen Lösungsmittels mittels vermindertem Druck, wobei das Verfahren
folgendermaßen durchgeführt wird:
Phase 1: Erniedrigen des Druckes in der Trocknungskammer bis zum Einsetzen einer
sichtbaren Kristallisation des Lösungsmittels bei einer Temperatur in der Trocknungskammer,
die oberhalb des Festpunktes der Zubereitung liegt.
Phase 2: Erniedrigen der Temperatur in der Trocknungskammer auf eine Temperatur,
die unter dem Festpunkt der Zubereitung liegt oder mit diesem identisch ist, bis zum
Abschluß der Kristallisation des Lösungsmittels.
Phase 3: Sublimation des gefrorenen Lösungsmittels mittels vermindertem Druck.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß eine wäßrige Lösung vorliegt.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Druck in Phase 1 bei wässrigen Zubereitungen auf 0,1 bis 6 mbar abgesenkt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Druck in Phase 1 auf 0,2 bis 3 mbar abgesenkt wird.
5. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Temperatur in Phase 2 bei wässrigen Zubereitungen auf -60 bis 0°C eingestellt
wird.
6. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß ein Temperschritt (Phase 2a) durchgeführt wird, wobei eine Temperatur eingestellt
wird, die über der Glasübergangstemperatur (Tg') der amorph erstarrten Lösung und
unter dem Festpunkt der Zubereitung liegt.
7. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Temperatur in zum Start der Haupttrocknung bei wässrigen Zubereitungen auf -60
bis 0°C eingestellt wird.
8. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß ein Gerüstbildner eingesetzt wird.
9. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als Gerüstbildner Mannitol, Saccharose, Maltose, Glycin oder Natriumchlorid eingesetzt
wird.
1. Method for freeze-drying preparations in a drying chamber comprising the steps cooling
the preparation and crystallizing the solvent and sublimation of the frozen solvent
by means of reduced pressure, in which the method is carried out as follows:
phase 1: reducing the pressure in the drying chamber until the onset of a visible
crystallization of the solvent at a temperature in the drying chamber which is above
the solidification point of the preparation,
phase 2: reduction of the temperature in the drying chamber to a temperature which
is below the solidification point of the preparation or is identical to this, until
completion of crystallization of the solvent,
phase 3: sublimation of the frozen solvent by means of reduced pressure.
2. Method according to Claim 1, characterized in that an aqueous solution is present.
3. Method according to Claim 1, characterized in that the pressure in phase 1 is reduced to 0.1 to 6 mbar in the case of aqueous preparations.
4. Method according to Claim 3, characterized in that the pressure in phase 1 is reduced to 0.2 to 3 mbar.
5. Method according to Claim 1, characterized in that the temperature in phase 2 is set to -60 to 0°C in the case of aqueous preparations.
6. Method according to Claim 1, characterized in that a tempering step (phase 2a) is carried out, in which a temperature is set which is
above the glass transition temperature (Tg') of the amorphously solidified solution
and below the solidification point of the preparation.
7. Method according to Claim 1, characterized in that the temperature at the start of the primary drying is set to -60 to 0°C in the case
of aqueous preparations.
8. Method according to Claim 1, characterized in that a cake-forming agent is used.
9. Method according to Claim 1, characterized in that the cake-forming agent is mannitol, sucrose, maltose, glycine or sodium chloride.
1. Procédé de lyophilisation de préparations dans une chambre de dessiccation, comprenant
les étapes de refroidissement de la préparation et cristallisation ainsi que sublimation
sous pression réduite du solvant congelé, le procédé étant mis en oeuvre de la façon
suivante :
phase 1 : abaissement de la pression dans la chambre de dessiccation jusqu'à l'apparition
d'une cristallisation visible du solvant à une température, dans la chambre de dessiccation,
qui se trouve au-dessus du point de solidification de la préparation,
phase 2 : abaissement de la température, dans la chambre de dessiccation, à une
valeur qui est inférieure ou identique au point de solidification de la préparation,
jusqu'à la fin de la cristallisation du solvant,
phase 3 : sublimation sous pression réduite du solvant congelé.
2. Procédé suivant la revendication 1, caractérisé par la présence d'une solution aqueuse.
3. Procédé suivant la revendication 1, caractérisé en ce que la pression dans la phase 1 est abaissée à une valeur de 0,1 à 6 mbar dans le cas
de préparations aqueuses.
4. Procédé suivant la revendication 3, caractérisé en ce que la pression dans la phase 1 est abaissée à une valeur de 0,2 à 3 mbar.
5. Procédé suivant la revendication 1, caractérisé en ce que la température dans la phase 2 est réglée à une valeur de -60 à 0°C dans le cas de
préparations aqueuses.
6. Procédé suivant la revendication 1, caractérisé par une étape d'équilibrage de température (2a) dans laquelle est réglée une température
qui est au-dessus de la température de transition vitreuse (Tg') de la solution à
l'état solidifié amorphe et en dessous du point de solidification de la préparation.
7. Procédé suivant la revendication 1, caractérisé en ce que la température au début de la dessiccation principale est réglée à une valeur de
-60 à 0°C dans le cas de préparations aqueuses.
8. Procédé suivant la revendication 1, caractérisé en ce qu'une substance de structuration est utilisée.
9. Procédé suivant la revendication 1, caractérisé en ce qu'on utilise comme substance de structuration le mannitol, le saccharose, le maltose,
la glycine ou le chlorure de sodium.