[0001] Die Erfindung betrifft eine Mehrfach-Stranggießanlage mit verstellbarer Gleitkokille,
die zum simultanen Stranggießen wenigstens zweier Gußstränge mit im wesentlichen rechteckigen
Querschnitten wenigstens zwei Gießformteile besitzt, deren Formatbreiten relativ zueinander
verstellbar sind.
[0002] Bei einer früher üblichen Verwendung in der Formatbreite nicht verstellbarer Kokillen
war es erforderlich, die Kokillen zu wechseln. Hieraus ergab sich der Nachteil, dass
eine vergleichsweise große Anzahl von aus Kupfer bestehenden und üblicherweise mit
Kühlkanälen versehenen teuren Kokillen zur Verfügung gestellt werden mußten, wobei
auch noch für die Umrüstung ein erheblicher Aufwand an Zeit und Kosten anfiel.
[0003] Durch die Einführung sogenannter Gleitkokillen mit veränderlichen Formatbreiten des
zu gießenden Stranges wurden diese Nachteile wenigstens zum Teil überwunden.
[0004] Aus der CH-PS 386 629 ist eine verstellbare Gleitkokille bekannt, die aus zwei relativ
breiten, parallel angeordneten Wandungen sowie zwei jeweils rechtwinklig dazu angeordneten
und einen rechteckigen Querschnitt vervollständigenden Gleitkokillenteilen besteht,
deren Abstand relativ zueinander durch Spindel-Verstelleinrichtungen einstellbar ist.
[0005] Zu Beginn dieser Entwicklung hat es sich jedoch gezeigt, dass Gleitkokillen Probleme
hinsichtlich der Abdichtung an den Übergangsstellen zwischen den beweglichen und starren
Kokillenteilen verursachen. Deswegen erfordern solche Übergangsstellen einen relativ
großen Aufwand an sorgfältiger Bearbeitung, um Undichtigkeiten zu vermeiden.
[0006] Eine Verbesserung bekannter Gleitkokillen bezüglich der bei ihnen auftretenden Dichtigkeitsprobleme
wird mit einer Ausgestaltung gemäß dem Dokument P 32 22 836.8 vorgeschlagen. Danach
besteht die Gleitkokille zur Herstellung eines Gußstranges aus zwei relativ zueinander
verschieblichen Gleitkokillenteilen, die vorzugsweise L-förmigen Grundriß haben.
[0007] Eine Besonderheit dieses Vorschlags besteht darin, dass eine bevorzugt kreisbogenförmig
ausgebildete Führung für die Gleitkokillenteile vorgesehen ist, die bewirkt, dass
bei größerem Strangquerschnitt die Konizität vergrößert wird.
[0008] Das Dokument DE 32 24 065 A1 beschreibt eine verstellbare Gleitkokille für Zwillings-Stranggießanlagen
zum Herstellen von Gußsträngen im wesentlichen rechteckigen Querschnitts, umfassend
zwei Gleitkokillenteile, die mittels einer Antriebsvorrichtung im wesentlichen quer
zur Strangrichtung relativ zueinander verschiebbar sind. Ein Gleitkokillenteil hat
T-förmigen Grundriß und kommt mit der Stirnseite des in der Symmetrielinie liegenden
Schenkels zur Anlage an der Innenfläche eines U-förmigen Gleitkokillenteils, dessen
Schenkel-Stirnseiten zur Anlage an der Innenfläche des anderen Schenkels des T-förmigen
Gleitkokillenteils kommen. Unabhängig von der Einstellung ist die Summe der Querschnitte
und somit das Schluckvermögen der Kokille stets konstant. Die Gießstrahlmitte liegt
stets im Zentrum der beiden Querschnitte, weil beide Kokillenteile gegeneinander bewegt
werden.
[0009] Weil bei einer Mehrfachstranggießanlage unter Verwendung einer Gleitkokille die einzelnen
Kokillenteile nach Maßgabe der einzustellenden Formatbreiten ein unterschiedliches
Schluckvermögen für den Durchsatz der Schmelze besitzen, ist es erforderlich, Füllstandshöhen
einer Mehrfach-Stranggießanlage mit mindestens zwei von einem gemeinsamen Verteilergefäß
versorgten Stranggießkokillen sorgfältig zu regeln.
[0010] Ein derartiges Regelverfahren, für das jedoch beim vorliegenden Anmeldungsgegenstand
kein separater Schutz begehrt wird, ist in der EP 0 149 447 A2 ausführlich beschrieben.
[0011] Das bekannte Verfahren ist dadurch gekennzeichnet, dass durch Beobachtung des Schmelzenbadspiegels
in einer der Stranggießkokillen Abweichungen des Niveaus des Schmelzenbadspiegels
in dieser Stranggießkokille von einem Sollwert unter Veränderung der Ausziehgeschwindigkeit
sämtlicher der aus den Stranggießkokillen austretenden Gußstränge kompensiert werden,
wogegen Abweichungen des Niveaus des Schmelzenbadspiegels in der weiteren Stranggießkokille
durch Veränderung der Schmelzzulaufmenge in der weiteren Stranggießkokille geregelt
werden.
[0012] Ausgehend vom vorgenannten Stand der Technik liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde,
eine Gleitkokille für eine Mehrfach-Stranggießanlage nach der im Oberbegriff von Anspruch
1 genannten Art weiter zu entwickeln, und zwar unter Vermeidung unterschiedlich großer
Mittelteile zur Abdeckung einer breiteren Gießformpalette beim sogenannten TWIN-Gießen
unter möglichst weitgehender Nutzung der Maschinenbreite, insbesondere beim Gießen
vergleichsweise kleinerer Formate zu ermöglichen. Auch soll die Verbesserung dazu
beitragen, Umbauzeiten und entsprechende Kosten signifikant zu verringern.
[0013] Zur Lösung der Aufgabe wird bei einer Mehrfach-Stranggießanlage der im Oberbegriff
von Anspruch 1 genannten Art mit der Erfindung vorgeschlagen, dass die beiden Gießformteile
durch ein ihnen gemeinsam zugeordnetes, verschiebbares Zwischenteil derart miteinander
in variabler Verbindung stehen, dass bei unveränderter Position der äußeren Schmalseitenwände
der Kokille die Summe der Gießform-Volumina der Gießformteile in allen Einstellungen
des Zwischenteils konstant ist.
[0014] Mit großem Vorteil wird durch die erfindungsgemäße Bauart der Gleitkokille der Einsatz
unterschiedlich breiter Mittelteile vermieden und eine möglichst weitgehende Nutzung
der Maschinenbreite beim Gießen kleiner Formate erreicht und insbesondere eine Ersparnis
von Umbauzeiten verwirklicht, die außer einer Reduzierung der unmittelbaren Umbau-Arbeitskosten
eine signifikante Verringerung der durch den Umbau bedingten Produktionsausfälle ergibt.
[0015] Weitere vorteilhafte und zweckmäßige Ausgestaltungen der Mehrfach-Stranggießanlage
nach der Erfindung sind entsprechend den Unteransprüchen vorgesehen.
[0016] Einzelheiten, Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachstehenden
Erläuterung eines in der Zeichnung schematisch dargestellten Ausführungsbeispieles.
Es zeigen:
- Figur 1
- eine verstellbare Gleitkokille einer Mehrfach-Stranggießanlage nach der Erfindung,
in Draufsicht.
[0017] In der Figur 1 ist eine verstellbare Gleitkokille 10 für eine Mehrfach-Stranggießanlage
in Draufsicht gezeigt, die zum simultanen Stranggießen wenigstens zweier Gußstränge
1, 2 mit im wesentlichen rechteckigen Querschnitten wenigstens zwei Gießformteile
3, 4 besitzt, deren Formatbreite relativ zueinander verstellbar sind.
[0018] Dies wird nach der Erfindung durch die besondere Bauart die Gleitkokille erreicht,
die darin besteht, dass die beiden Gießformteile 3, 4 durch ein ihnen gemeinsam zugeordnetes,
verschiebbares Zwischenteil 5 derart miteinander in variabler Verbindung stehen, dass
bei unveränderter Position der äußeren Schmalseitenwände 6, 6' der Kokille 10 die
Summe der Gießform-Volumina der Gießformteile 3, 4 in allen Einstellungen des Zwischenteils
5 konstant ist.
[0019] Um bei dieser Bauart die erforderliche Dichtigkeit zwischen den einzelnen Gießformteilen
3, 4 und dem Zwischenteil 5 zu gewährleisten, sind dem Zwischenteil 5 Druckmittel
8, 8' zum Zusammenpressen der Breitseitenwände 7, 7' der Kokille 10 gegen das Zwischenteil
5 zugeordnet und gemeinsam mit diesem verschiebbar angeordnet und ausgebildet.
[0020] Eine besonders kompakte und zweckmäßige Bauart ergibt sich weiterhin dadurch, dass
dem Zwischenteil 5 einschließlich der mit diesem zusammen wirkenden Druckmittel 8,
8' eine Vorrichtung mit Antriebsmitteln 9, 9' zum Längsverschieben relativ zu den
Kokillenbreitseitenwänden 7, 7' zugeordnet ist.
[0021] Weiterhin sieht die erfindungsgemäße Bauart der Mehrfach-Stranggießanlagen vor, dass
das Zwischenteil 5 über flexible Anschlußmittel (nicht gezeigt) an ein Kühlmittel-Durchlaufsystem
angeschlossen ist. Somit wird das Zwischenteil 5 mit seinen in unmittelbarem Kontakt
mit der Stahlschmelze befindlichen, zu den Breitseitenwänden 7, 7' rechtwinkligen
Wänden in jeder Position ausreichend gekühlt.
[0022] In weiterer Ausgestaltung der Erfindung kann, wie das an sich bekannt ist, weiter
vorgesehen sein, dass die in Schmalseitenwänden 6, 6' der Kokille 10 Stellmittel 11,
11' zum Einstellen ihrer Konizität und Position zwischen den Breitseitenwänd7, 7',
sowie mit dem Zwischenteil 5 in allen Positionen fest verbundene Druckmittel 8, 8'
zum Dichtpressen mit den Wänden 7, 7' zugeordnet sind.
[0023] Mit großem Vorteil wird insbesondere durch die Maßnahme nach der Erfindung, wonach
dem Zwischenteil 5 in allen Positionen fest verbundene Druckmittel 8, 8' zum Dichtpressen
mit den Wänden 7, 7' zugeordnet sind, eine besonders unkomplizierte und zweckmäßige
Bauart erreicht, die eine zufriedenstellende Abdichtung des Zwischenteils 5 mit den
Breitseitenwänden 7, 7' gewährleistet.
[0024] Weiterhin sieht eine erfindungsgemäße Ausgestaltung der Mehrfach-Stranggießanlage
vor, dass die Antriebsmittel 9, 9' zum Längsverschieben des Zwischenteils 5 zusammen
mit den damit zusammenwirkenden Druckmitteln 8, 8' in Längsführungen 12, 12' neben
der Kokille 10 angeordnet und geführt sind.
[0025] Damit wird eine konstruktive Verlängerung der Gleitkokille 10 vermieden und fallweise
ein Einbau derselben in eine vorhandene Anlage mit begrenztem Bauraum ermöglicht.
[0026] Eine alternative Ausgestaltung einer verstellbaren Gleitkokille 10 kann so vorgesehen
sein, dass zum simultanen Stranggießen bspw. dreier Gußstränge zwischen den Breitseitenplatten
7, 7' der Kokille 10 zwei Zwischenteile in längsverschiebbarer Anordnung vorgesehen
sind (nicht gezeigt).
[0027] Eine weitere erfindungsgemäße Ausgestaltung einer Gleitkokille 10 nach der Erfindung
sieht vor, dass das Zwischenteil 5 nach unten zu gegen eine Stranggießöffnung der
Kokille mit einer konischen, geradlinigen oder kurvenförmigen Verbreiterung 13 ausgebildet
ist.
[0028] Weiterhin können in besonders kompakter Bauart die Antriebsmittel 9, 9' zum Längsverschieben
des Zwischenteils 5 weg- oder positionsgeregelte Hydraulikzylinder sein.
[0029] Und weiter können die Druckmittel zum Dichtpressen des Zwischenteils 5 mit den Breitseitenwänden
7, 7' druckgeregelte Hydraulikzylinder 8, 8' sein. Auch diese sind mit dem Zwischenteil
5 in allen Positionen fest verbunden, wodurch sich eine besonders kompakte und zweckmäßige
Bauart ergibt.
Bezugszeichenliste
[0030]
- 1
- Gußstrang
- 2
- Gußstrang
- 3
- Gießformteil
- 4
- Gießformteil
- 5
- Zwischenteil
- 6
- Schmalseitenwand / 6'
- 7
- Breitseitenwand / 7'
- 8
- Druckmittel / 8'
- 9
- Antriebsmittel / 9'
- 10
- Kokille
- 11
- Stellmittel
- 12
- Längsführung
- 13
- Verbreiterung
1. Mehrfach-Stranggießanlage mit verstellbarer Gleitkokille (10), die zum simultanen
Stranggießen wenigstens zweier Gußstränge (1, 2) mit im wesentlichen rechteckigen
Querschnitten wenigstens zwei Gießformteile (3, 4) besitzt, deren Formatbreiten relativ
zueinander verstellbar sind,
dadurch gekennzeichnet,
dass die beiden Gießformteile (3, 4) durch ein ihnen gemeinsam zugeordnetes, verschiebbares
Zwischenteil (5) derart miteinander in variabler Verbindung stehen, dass bei unveränderter
Position der äußeren Schmalseitenwände (6, 6') der Kokille (10) die Summe der Gießform-Volumina
der Gießformteile (3, 4) in allen Einstellungen des Zwischenteils (5) konstant ist.
2. Mehrfach-Stranggießanlage nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass dem Zwischenteil (5) Druckmittel (8, 8') zum Zusammenpressen der Breitseitenwände
(7, 7') der Kokille (10) gegen das Zwischenteil (5) zugeordnet und gemeinsam mit diesem
verschiebbar angeordnet und ausgebildet sind.
3. Mehrfach-Stranggießanlage nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass dem Zwischenteil (5) einschließlich der mit diesem zusammenwirkenden Druckmittel
(8, 8') eine Vorrichtung mit Antriebsmitteln (9, 9') zum Längsverschieben relativ
zu den Kokillenbreitseitenwänden (7, 7') zugeordnet ist.
4. Mehrfach-Stranggießanlage nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Zwischenteil (5) über flexible Anschlußmittel an ein Kühlmittel-Durchlaufsystem
angeschlossen ist (nicht gezeigt).
5. Mehrfach-Stranggießanlage nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass den Schmalseitenwänden (6, 6') der Kokille (10) Stellmittel (11, 11') zum Einstellen
ihrer Konizität und Position zwischen den Breitseitenwänden (7, 7'), sowie mit dem
Zwischenteil in allen Positionen fest verbundene Druckmittel (8, 8') zum Dichtpressen
mit den Wänden (7, 7') zugeordnet sind.
6. Mehrfach-Stranggießanlage nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Antriebsmittel (9, 9') zum Längsverschieben des Zwischenteils (5) zusammen mit
den damit zusammenwirkenden Druckmitteln (8, 8') in Längsführungen (12, 12') neben
der Kokille (10) angeordnet und geführt sind.
7. Mehrfach-Stranggießanlage nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
dass zum simultanen Stranggießen bspw. dreier Gußstränge zwischen den Breitseitenplatten
(7, 7') der Kokille (10) zwei Zwischenteile in längsverschiebbarer Anordnung vorgesehen
sind (nicht gezeigt).
8. Mehrfach-Stranggießanlage nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass ein Zwischenteil (5) nach unten gegen eine Stranggießöffnung der Kokille (10) zu
mit einer konischen, geradlinigen oder kurvenförmigen Verbreiterung (13) ausgebildet
ist.
9. Mehrfach-Stranggießanlage nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Antriebsmittel (9, 9') zum Längsverschieben des Zwischenteils (5) weg- oder positionsgeregelte
Hydraulikzylinder sind.
10. Mehrfach-Stranggießanlage nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Druckmittel druckgeregelte Hydraulikzylinder (8, 8') sind.