[0001] Eisen-Kobalt-Legierung mit geringer Koerzitivfeldstärke und Verfahren zur Herstellung
von Halbzeug aus einer Eisen-Kobalt-Legierung.
[0002] Die Erfindung betrifft eine Eisenbasislegierung mit einem Gehalt an Cobalt von 10
bis 20 Gew.-%, mit einem Gehalt von wenigstens einem Element der Gruppe Chrom, Molybdaen
und Vanadium von 2 bis 6,5 Gew.-% und mit einem geringen Kohlenstoffgehalt.
[0003] Die Erfindung betrifft ferner ein Verfahren zur Herstellung von Halbzeug aus einer
Kobalt-Eisen-Legierung, bei dem durch Schmelzen und Warmverformung zunächst Werkstücke
aus einer Legierung auf der Basis von Fe mit einem Gehalt von Co von 10 bis 20 Gew.-%
Co und mit einem Gehalt von wenigstens einem Element der Gruppe Cr, Mo und V von 2
bis 6,5 Gew.-% angefertigt und dann einer Schlußglühung unterzogen werden.
[0004] Eine derartige Legierung ist aus der JP-A-61-253348 bekannt. Bei einem Kobaltgehalt
im Bereich von 10 bis 35 Gew.-% ergibt sich sowohl eine hohe Sättigungsinduktion als
auch ein hoher spezifischer Widerstand. Die bekannte Legierung eignet sich daher als
Magnetkern für mit hoher Frequenz schaltende elektromechanische Komponenten. Insbesondere
eignet sich die bekannte Legierung für die Joche in den Druckköpfen von Nadeldruckern.
Denn durch den hohen spezifischen Widerstand werden Wirbelströme auf wirksame Weise
unterdrückt, so daß hohe Schaltfrequenzen möglich sind. Um den spezifischen Widerstand
der Legierung weiter zu erhöhen, sind der bekannten Legierung unter anderem Cr und
V zugesetzt. Aus dem gleichen Grund enthält die bekannte Legierung auch Mo, das zusätzlich
die Sprödigkeit des Materials verringert. Dadurch kann das bekannte Material leichter
verarbeitet werden.
[0005] Die dort beschriebene Legierung wird aber in der Regel aus Reineisen, beispielsweise
ARMCO-Eisen, hergestellt, so daß sie sich nicht unbedingt zur Herstellung in einem
großtechnischen Verfahren eignet. Denn bei der Herstellung in einer Großschmelze kann
in der Regel die für die meisten Anwendungen spezifizierte Obergrenze für die Koerzitivfeldstärke
nicht eingehalten werden, da dort nicht Reineisen sondern technisches Eisen, das in
der Regel aus Reineisen unter Beimengung von Schrott entsteht, als Ausgangsmaterial
verarbeitet wird. Demnach ist die aus dem Stand der Technik bekannte Legierung nahezu
nickel- und manganfrei.
[0006] Ausgehend von diesem Stand der Technik liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde,
eine Legierung zu schaffen, die in einem großtechnischen Verfahren mit den spezifizierten
magnetischen und elektrischen Eigenschaften herstellbar ist.
[0007] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß der Gehalt an Nickel zusammen
mit Mangan zwischen 0,01 Gew.-% und 0,4 Gew.-%, vorzugsweise zwischen 0,02 Gew.-%
und 0,4 Gew.-%, liegt, und daß der Kohlenstoffgehalt kleiner als 0,02 Gew.-% ist.
[0008] Durch das Einhalten der Obergrenzen von Ni, Mn und C ist gewährleistet, daß die Koerzitivfeldstärke
auch dann innerhalb des spezifizierten Bereichs bleibt, wenn die Legierung in einer
Großschmelze hergestellt wird. Denn aufgrund des niedrigen Gehalts von Ni, Mn und
C steht ein ausreichend großes Temperaturfenster für die Schlußglühung zur Verfügung.
Demzufolge braucht die Temperatur nicht über das gesamte Volumen eines Bandes, einer
Stange oder eines Drahtes im Rahmen des Temperaturfensters gehalten zu werden.
[0009] Der Erfindung liegt ferner die Aufgabe zugrunde, ein für die industrielle Fertigung
geeignetes Verfahren zur Herstellung von Halbzeug aus einer weichmagnetischen Kobalt-Eisen-Legierung
mit besonders niedriger Koerzitivfeldstärke anzugeben.
[0010] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß die Legierung aus Eisen hergestellt
ist und der Gehalt der Legierung an Ni zusammen mit Mn oberhalb 0,01 Gew.-% und unterhalb
0,4 Gew.-% sowie der Gehalt an C unter 0,02 Gew.-% liegt und daß die Schlußglühung
für mindestens 0,25 h im Temperaturbereich von 800 bis 880°C durchgeführt wird.
[0011] Durch das Einhalten der Obergrenze für Ni, Mn und C sowie durch das Glühen im Temperaturbereich
um 850 °C wird die Koerzitivfeldstärke auf einen optimalen niedrigen Wert eingestellt,
so daß sich insgesamt eine Legierung mit hoher Sättigungsinduktion und hohem elektrischen
Widerstand und niedriger Koerzitivfeldstärke ergibt.
[0012] Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche.
[0013] Nachfolgend wird die Erfindung anhand der beigefügten Zeichnung näher erläutert.
Es zeigen:
- Figur 1
- ein Ablaufdiagramm des Herstellverfahrens für Halbzeug aus der Legierung gemäß der
Erfindung;
- Figur 2
- ein binäres Kobalt-Eisen-Phasendiagramm;
- Figur 3
- eine graphische Darstellung der gemessenen Sättigungsinduktion von verschiedenen Chargen
einer Versuchsreihe;
- Figur 4
- eine weitere Darstellung der gemessenen Koerzitivfeldstärke für die Versuchsreihe
aus Figur 3;
- Figur 5
- ein Diagramm, das die Abhängigkeit der Koerzitivfeldstärke von der Glühtemperatur
bei einem unter anderem auch kaltgewalzten Werkstück darstellt;
- Figur 6
- ein weiteres Diagramm, das die Abhängigkeit der Koerzitivfeldstärke von der Glühtemperatur
bei einem ausschließlich warmgewalzten Werkstück darstellt; und
- Figur 7
- eine Darstellung der gemessenen Neukurve einer aus reinen Ausgangsmaterialien hergestellten
Legierung und von gemessenen Neukurven einer aus Schrott hergestellten Legierung nach
der Schlußglühung.
[0014] In dem in Figur 1 dargestellten Ablaufdiagramm wird zunächst in einem Schmelzvorgang
1 die Legierung erschmolzen. Dem Schmelzvorgang 1 folgen je nach herzustellendem Halbzeug
eine unterschiedliche Reihe von Verfahrensschritten.
[0015] Falls Bänder hergestellt werden sollen, aus denen später Teile gestanzt werden, wird
der aus dem Schmelzvorgang 1 hervorgegangene Gußblock durch Vorblocken 2 in eine Bramme
umgeformt. Unter Vorblocken wird das Umformen des Gußblocks in eine Bramme mit rechteckigem
Querschnitt durch einen Warmwalzvorgang bei einer Temperatur von 1250 °C verstanden.
Nach dem Vorblocken wird durch Schleifen 3 der auf der Oberfläche der Bramme ausgebildete
Zunder entfernt. Dem Schleifen 3 folgt ein weiterer Warmwalzvorgang 4, durch den die
Bramme bei einer Temperatur von 1250 °C in ein Band mit einer Dicke von beispielsweise
3,5 mm umgeformt wird. Anschließend werden die sich beim Warmwalzen auf der Oberfläche
des Bands ausbildenden Verunreinigungen durch Schleifen oder Beizen 5 entfernt, und
das Band wird durch Kaltwalzen 6 auf die endgültige Dicke im Bereich von 0,1 bis 2
mm umgeformt. Schließlich wird das Band einer Schlußglühung 7 bei einer Temperatur
von 850 °C unterzogen. Während der Schlußglühung heilen die durch die Umformvorgänge
entstandenen Gitterfehlstellen aus und kristalline Körner werden im Gefüge gebildet.
[0016] Ähnlich verläuft der Herstellungsvorgang, wenn Drehteile hergestellt werden. Auch
hier werden durch Vorblocken 8 des Gußblocks Knüppel mit einem quadratischen Querschnitt
hergestellt. Das sogenannte Vorblocken erfolgt dabei bei einer Temperatur von 1250
°C. Anschließend wird der beim Vorblocken 8 entstandene Zunder durch Schleifen 9 entfernt.
Dem folgt ein weiterer Warmwalzvorgang 10, durch den die Knüppel in Stangen oder Drähte
bis zu einem Durchmesser von 13 mm umgeformt werden. Durch Richten und Schälen 11
werden dann zum einen Verwerfungen des Materials korrigiert und zum anderen die sich
während des Warmwalzvorgangs 10 bildenden Verunreinigungen auf der Oberfläche entfernt.
Abschließend wird auch hier das Material einer Schlußglühung 12 unterzogen.
[0017] Für ein besseres Verständnis der physikalischen Vorgänge während der Schlußglühung
ist in Figur 2 ein Phasendiagramm des binären Eisen-Kobalt-Systems dargestellt. Unterhalb
des Phasengebietes Schmelze 13 schließt sich ein γFe-Phasengebiet 14 an, in dem die
Legierung in der Gestalt eines Mischkristalls mit γFe-Kristallstruktur vorliegt. An
das γFe-Phasengebiet grenzt ein α+γ-Zweiphasengebiet 15 an, das durch eine α/γ-Phasengrenze
16 von einem αFe-Phasengebiet 17 getrennt ist. Der Vollständigkeit halber ist mit
einer Strichpunktlinie 18 die Curietemperatur eingezeichnet.
[0018] Bei einem binären Eisen-Kobalt-System ist das Zweiphasengebiet 15 nur bei einem niedrigen
Eisengehalt ausgeprägt. Beim Zusatz von zusätzlichen Legierungsbestandteilen wie Mo,
Cr und insbesondere V dehnt sich das Zweiphasengebiet 15 auch zu hohen Eisenkonzentrationen
aus.
[0019] Optimale weichmagnetische Eigenschaften werden erreicht, wenn eine Kobalt-Eisen-Legierung
bei einer möglichst hohen Temperatur geglüht wird. Dabei muß unbedingt vermieden werden,
während der Glühung das α+γ Zweiphasengebiet 15 zu berühren, da daraus aufgrund der
dabei sich bildenden zusätzlichen Korngrenzen erheblich verschlechterte Magnetwerte
resultieren.
[0020] Ferner führt ein zu hoher Gehalt an C, Ni und/oder Mn zu einer Verschlechterung der
weichmagnetischen Eigenschaften, da die α/γ-Phasengrenze 16 durch zu hohe Gehalte
zu tieferen Temperaturen verschoben und das Kornwachstum bei der notwendig werdenden
tieferen Glühtemperatur geringer wird, was sich in erhöhten Koerzitivfeldstärken äußert.
[0021] Dieser Sachverhalt soll anhand der im folgenden im einzelnen geschilderten Untersuchung
näher erläutert werden.
[0022] Es wurde der C-Gehalt von 0,003 bis 0,023 Gew.-% sowie der Ni-Gehalt im Bereich von
0,01 bis 0,36 Gew.-% bei 10 Sonderschmelzen variiert. Die Zusammensetzung in den Hauptelementen
war 17,2 Gew.-% Co, 2,0 Gew.-% Cr, 0,8 Gew.-% Mo, 0,2 Gew.-% V, Rest Fe. In Tabelle
1 sind die Gehalte an C und Ni sowie die dazugehörigen Chargennummern der zehn untersuchten
Sonderschmelzen aufgelistet.
Tabelle 1
Chargen Nr. |
Ni-Gehalt [Gew.-%] |
C-Gehalt [Gew.-% ] |
1 |
0,01 |
0,008 |
2 |
0,05 |
0,006 |
3 |
0,05 |
0,008 |
4 |
0,05 |
0,014 |
5 |
0,2 |
0,013 |
6 |
0,21 |
0,007 |
7 |
0,21 |
0,023 |
8 |
0,35 |
0,011 |
9 |
0,36 |
0,003 |
10 |
0,36 |
0,007 |
[0023] Die Blöcke wurden auf eine Dicke von 3,5 mm warmgewalzt und anschließend auf eine
Enddicke von 0,5 mm kaltgewalzt. Die daraus gefertigten Stanzringe mit einem Außendurchmesser
von 28,5 mm, einem Innendurchmesser von 20 mm und einer Dicke von 0,5 mm wurden bei
Temperaturen von 830 °C, 850 °C und 870 °C unter trockenem Wasserstoff jeweils 10
h schlußgeglüht. Anschließend wurden die magnetischen Eigenschaften gemessen, insbesondere
die Neukurve bis 160 A/cm und die Koerzitivfeldstärke.
[0024] In Figur 3 sind die Ergebnisse der Induktionsmessung bei einer Magnetfeldstärke von
160 A/cm dargestellt. Wie die Messungen zeigen, wird bei allen zehn Chargen ungefähr
B
160 Ω 2,0T erfüllt. Anhand Figur 3 wird deutlich, daß keine signifikanten Unterschiede
zwischen den einzelnen Schlußglühungen bestehen, da nahe der Sättigungsinduktion die
Induktionswerte im wesentlichen von der Hauptzusammensetzung abhängen, die bis auf
Verunreinigungen als konstant anzusehen ist.
[0025] Die Koerzitivfeldstärke ist als Funktion des Ni- und C-Gehalts bei unterschiedlicher
Glühbehandlung in Figur 4 dargestellt. Nach einer Schlußglühung über zehn Stunden
bei einer Temperatur von 830 °C wird über den gesamten variierten Ni- und C-Bereich
etwa die gleiche Koerzitivfeldstärke von 1,1 A/cm gemessen. Es ist somit keine Erhöhung
der Koerzitivfeldstärke in Abhängigkeit vom Ni- und C-Gehalt im untersuchten Bereich
nachweisbar.
[0026] Bei einer Schlußglühung über zehn Stunden bei einer Temperatur von 850 °C zeigt sich
bis zu einem Ni-Gehalt von 0,21 Gew.-%, also bis zur Charge Nr. 7, ebenfalls keine
Veränderung in der Koerzitivfeldstärke. Sie liegt bei etwa 1,1 A/cm. Beim nächsthöheren
Ni-Gehalt von 0,36 Gew.-% springt die Koerzitivfeldstärke auf etwa 2,0 A/cm. Sie erreicht
und überschreitet somit die zulässige Höchstgrenze von 2,0 A/cm. Als Ursache für den
Sprung der Koerzitivfeldstärke von etwa 1,1 A/cm auf 2,0 A/cm wird der deutlich höhere
Ni-Gehalt von 0,36 Gew.-% gegenüber 0,21 Gew.-% angesehen, denn bei Kobalt-Eisen-Legierungen
verschiebt sich die α/γ-Phasengrenze 16 mit zunehmendem Ni-Gehalt zu niedrigeren Temperaturen
hin. Das bedeutet, daß man mit zunehmenden Ni-Gehalt unter sonst konstanten Glühbedingungen
in das α+γ-Zweiphasengebiet 15 gerät, wodurch sich die magnetischen Eigenschaften
erheblich verschlechtern.
[0027] Dementsprechend tritt bei einer weiteren Erhöhung der Glühtemperatur eine Erhöhung
der Koerzitivfeldstärke schon bei geringeren Ni-Gehalten auf. Wie Figur 4 zeigt, nimmt
bei einer Schlußglühung bei 870 °C die Koerzitivfeldstärke beginnend mit der niedriglegierten
Chrage Nr. 1 mit einem Wert von 1,5 A/cm auf Werte über 2,0 A/cm bei den größten Ni-
und C-Gehalten zu. Somit liegt die Koerzitivfeldstärke bereits bei den niedriglegierten
Chargen deutlich über dem Niveau der Koerzitivfeldstärken der Glühtemperaturen bei
830 °C und 850 °C. Ursache dafür ist, daß aufgrund der höheren Glühtemperatur die
Schlußglühung im α+γ-zweiphasengebiet 15 abläuft. Folglich hat eine Erhöhung der Glühtemperatur
denselben Effekt wie eine Erhöhung des Ni-Gehalts, nämlich eine Glühung im α+γ-Zweiphasengebiet
15 und damit eine Verschlechterung der magnetischen Eigenschaften.
[0028] Bei den Chargen 1 bis 10 wurde der C-Gehalt im Bereich von 0,003 Gew.-% bis 0,023
Gew.-% variiert. Bei den Schlußglühungen mit einer Temperatur von 830 °C ergab sich
keine Verschlechterung der Koerzitivfeldstärke und der Induktion.
[0029] Anhand der Chargen Nr. 5 und Nr. 1 wurde der Einfluß des Kohlenstoffgehalts näher
untersucht. Figur 5 zeigt den Verlauf der Koerzitivfeldstärken dieser Chargen bei
unterschiedlichen Glühtemperaturen. Hieraus geht hervor, daß die Koerzitivfeldstärke
mit steigender Temperatur der Schlußglühung oberhalb etwa 860 °C stark ansteigt, was
auf den beginnenden α-γ-Phasenübergang zurückzuführen ist. Dabei liegt die Koerzitivfeldstärke
bei der Charge Nr. 5 mit dem höheren Ni-Gehalt von 0,2 Gew.-% deutlich über der Koerzitivfeldstärke
der Charge Nr. 1 mit einem Ni-Gehalt von 0,01 Gew.-%. Wie bereits erwähnt wird dies
durch die Verschiebung der α/γ-Phasengrenze 16 zu tieferen Temperaturen mit zunehmenden
Ni-Gehalt hervorgerufen.
[0030] Zu niedrigeren Temperaturen hin, ausgehend von etwa 820 °C, nimmt die Koerzitivfeldstärke
ebenfalls zu. Bei der Charge Nr. 1 wird die in Figur 5 durch eine durchgezogene Linie
19 angedeutete Spezifikationgrenze 19 im Bereich von 730 °C überschritten. Somit ist
bei einem Kohlenstoffgehalt von 0,008 Gew.-% die magnetische Schädigung ab etwa 730
°C signifikant, so daß die Spezifikation dann nicht mehr erfüllt wird. Bei höheren
C-Gehalten, wie bei der Charge Nr. 5 mit einem C-Gehalt von 0,013 Gew.-% ist dies
bereits bei 760 °C der Fall. Da die Glühparameter in beiden Fällen konstant waren,
wird die Ursache für diesen Effekt in der Bildung von Karbiden gesehen, die bei höheren
C-Gehalten bei entsprechend großen Temperaturen bereits zu signifikant hohen Koerzitivfeldstärke
führen. Das bedeutet letztlich, daß mit ansteigendem Ni- und C-Gehalt das für die
Schlußglühung notwendige Temperaturfenster zunehmend enger wird. Aus Gründen der Fertigungssicherheit
erstreckt sich damit ein optimaler Glühbereich zwischen 800 und 860 °C.
[0031] Zum Vergleich wurde eine weitere Probe mit gleicher Zusammensetzung in den Hauptelementen
sowie einem Ni-Gehalt von 0,21 Gew.-% und einem Kohlenstoffgehalt von 0,03 Gew.-%
erschmolzen und durch Warmwalzen und Stanzen zu 1 mm dicken Stanzproben umgeformt.
Anschließend wurden die Stanzproben einer Schlußglühung während 10 Stunden unter H
2 unterzogen. Die Glühtemperatur wurde dabei in Schritten von 10 °C von 835 °C bis
865 °c variiert. Abschließend wurden die magnetischen Eigenschaften dieser Stanzproben
gemessen. Die Induktion lag mit Werten zwischen 2,08 T bei 835 °C und 2,14 T bei 850
°C noch über der Spezifikationsgrenze 19.
[0032] Das Ergebnis der Messung der Koerzitivfeldstärke ist in Figur 6 dargestellt. Figur
6 zeigt, daß die Koerzitivfeldstärke nach den Schlußglühungen bei 835 °C und 865 °C
deutlich über der Spezifikationsgrenze 19 liegt. Ursache dafür ist wie bei den Chargen
Nr. 1 bis 10 der hohe Ni-Gehalt sowie der hohe C-Gehalt. Ein Vergleich mit den in
Figur 5 dargestellten Messungen ergibt darüber hinaus, daß das Minimum der Koerzitivfeldstärke
in Figur 6 deutlich über dem Minimum der Koerzitivfeldstärke in Figur 5 liegt. Ursache
hierfür ist der fehlende Kaltwalzvorgang 6. Denn durch die Warmwalzvorgänge 4 und
10 werden weniger Fehlstellen und Versetzungen im Werkstück ausgebildet, so daß die
zur Rekristallisation führenden Vorgänge nur in kleinen örtlich begrenzten Bereichen
ablaufen. Dies führt zur Ausbildung eines feinkörnigen Gefüges, das hohe Koerzitivfeldstärken
zur Folge hat.
[0033] Um die Möglichkeit zu untersuchen, für den Schmelzvorgang 1 Schrott zu verwenden,
wurden Neukurven der Charge Nr. 10 mit einer Neueinwage verglichen, die nachfolgend
als Charge Nr. 11 bezeichnet wird. Diese neue Charge Nr. 11 weist kein Nickel und
einen C-Gehalt von 0,006 Gew.-% auf. In Figur 7 sind die Neukurven der Charge 10 zusammen
mit der Neukurve der Charge 11 dargestellt. Der Vergleich zeigt, daß bei einer Schlüßglühung
über 10 Stunden bei einer Temperatur von 830 °C nahezu die Induktionswerte der über
10 Stunden bei optimalen 865 °C geglühten Neueinwage erreicht werden. Bei höheren
Glühtemperaturen, nämlich bei 850 °C und 870 °C sind die Induktionswerte für Charge
10 der Tabelle 1 besonders bei 3 A/cm deutlich schlechter. Verursacht durch lokal
begrenzte Phasenumwandlung im α+γ-Zweiphasengebiet 15, liegt nach der Abkühlung auf
Zimmertemperatur ein inhomogenes ferritisches Gefüge vor, was zu erhöhten Koerzitivfeldstärken
und niedrigeren Induktionswerten führt. Dabei wird das Problem durch höhere Ni-Gehalte
oder höhere Glühtemperaturen verschärft.
[0034] Neben dem Gehalt von C und Ni ist auch der Gehalt Mo, Cr, V und S für die elektrischen
und magnetischen Eigenschaften der Legierung von Bedeutung.
[0035] Ein zu hoher Mo-Gehalt in Verbindung mit technisch nicht vermeidbaren Restkohlenstoffgehalten
führt zur Bildung von Mo-reichen Karbiden wie beispielsweise M
23C
6 oder M
6C. Dabei steht M für Metall. Ein wesentlicher Anteil davon ist Mo. Die Mo-reichen
Karbide führen zu einer Verschlechterung der weichmagnetischen Eigenschaften. Dabei
gilt, daß mit steigenden Gehalten an Mo und C derartige Karbide bis zu höheren Temperaturen
stabil bleiben. Bei zu hohen Gehalten an Mo und C reicht dann die Stabilität der Karbide
bis an die α/γ-Phasengrenze 16, und man findet keine geeigneten Glühparameter zur
Erzielung niedriger Koerzitivfeldstärken. Auch kann das Ziel von Werten für die Koerzitivfeldstärke
H
c unter 2 A/cm nicht sicher erreicht werden. Bei einem Mo-Gehalt von 2,0 Gew.-% wird
selbst bei der optimalen Glühtemperatur von 850°C nicht ein Wert für die Koerzitivfeldstärke
unter 2 A/cm erreicht, selbst wenn der C-Gehalt kleiner als 0,01 Gew.-% ist. Bei einer
Legierung mit 1,0 Gew.-% Mo wird bei einer relativ niedrigen Glühtemperatur von 820°C
eine Koerzitivfeldstärke von lediglich 2,82 A/cm erreicht. Dies ist durch die Präsenz
von Mo-reichen Metallkarbiden bedingt. Bei einer höheren Temperatur von 850°C bilden
sich dagegen weniger Karbide und mit einer derartigen Zusammensetzung sind Werte für
die Koerzitivfeldstärke H
c unter 2 A/cm erreichbar. Dies führt zu der Forderung nach einem Mo-Gehalt unter 1,5
Gew.-%. Besonders vorteilhaft ist ein Mo-Gehalt unter 1 Gew.-%, weil man dann sicher
niedrige Werte für die Koerzitivfeldstärke H
c unter 2 A/cm erreicht, bedingt durch eine geringere Ausprägung der Bildung von Metallkarbiden.
[0036] Die Legierungszusätze Mo, Cr, V dienen zur Erhöhung des spezifischen elektrischen
Widerstandes. Zur Erzielung besonders hoher Induktionswerte über 2,0 T dürfen die
Gesamtgehalte an Legierungszusätzen jedoch eine bestimmte Obergrenze nicht überschreiten.
Dies ist bei einem Gesamtgehalt von Cr, Mo und V von 6,5 Gew.-% bereits knapp der
Fall, und es wird ein B
160 von lediglich 1,98 T erreicht.
[0037] Andererseits ist für dynamische Anwendungen bei erhöhter Frequenz ein Mindestniveau
des spezifischen Widerstandes erforderlich. Binäre Kobalt-Eisen-Legierungen weisen
ein Niveau um 0,2 µΩm auf. Um den spezifischen Widerstand um mindestens 50% zu steigern
und damit entsprechend die umagnetisierungsbedingten Wirbelstromverluste zu senken,
sind Gehalte weiterer Elemente, wie beispielsweise Cr, Mo und V, von in der Summe
mindestens 2 Gew.-% notwendig.
[0038] Ein zu hoher S-Gehalt führt schließlich ebenfalls zu verschlechterten weichmagnetischen
Eigenschaften. Der Gehalt an S muß deswegen begrenzt werden. Zur Erzielung besonders
niedriger Hc-Werte unter 1,35 A/cm muß deshalb ein S-Gehalt unter 0,01 Gew.-% angestrebt
werden.
[0039] Die geforderten Obergrenzen werden anhand der im folgenden aufgeführten Ausführungs-
und Vergleichsbeispiele deutlich. Die Konzentrationsangaben in Prozent sind dabei
Angaben in Gew.-%.
[0040] Bei den nachfolgend näher beschriebenen Beispielen wurden von folgenden Spezifikationen
aufgegangen: die Induktion B
160 bei einer Magnetfeldstärke von H = 160 A/cm soll größer 2,0 T sein; die Koerzitivfeldstärke
H
c soll unter 2,0 A/cm liegen und der spezifische Widerstand soll 30 µΩcm übersteigen.
Ausführungsbeispiel 1:
[0041] Eine Legierung mit 17,0% Co, 2,0% Cr, 0,8% Mo, 0,2% V, 0,01% Ni, 0,01% Mn, weniger
als 0,01% C und Rest Eisen wurde unter Vakuum erschmolzen. Der entstandene Gußblock
wurde auf 50 mm Durchmesser geschält. Danach wurde das Material auf 18 mm Durchmesser
bei 1100 bis 850°C geschmiedet. Nach einer Glühbehandlung von 10h bei 865°C unter
Wasserstoff wurde eine Koerzitivfeldstärke von H
C = 0,8A/cm, eine Induktion bei einer Aussteuerung von 160 A/cm von B
160 = 2,10 T sowie eine Remanenz B
R = 0,98 T gemessen. Der spezifische elektrische Widerstand betrug 0,39 µΩm.
Ausführungsbeispiel 2:
[0042] Eine Legierung mit 17,0% Co, 2,0% Cr, 0,8% Mo, 0,2% V, 0,01% Ni, 0,01% Mn, 0,001%
N, 0,001% O, weniger als 0,01% C und Rest Eisen wurde unter Vakuum erschmolzen. Der
entstandene Gußblock wurde abweichend von Beispiel 1 auf 20 mm x 20 mm geschmiedet
und anschließend auf 3,5 mm bei 1100 bis 850°C warmgewalzt. Nach einer Zwischenglühung
von 0,5h bei 900°C wurde auf 1 mm kaltgewalzt. Nach einer Glühbehandlung von 10h bei
865°C unter Wasserstoff wurde eine Koerzitivfeldstärke von H
C = 0,8 A/cm, eine Induktion bei einer Aussteuerung von 160A/cm von B
160 = 2,10 T sowie eine Remanenz B
R = 0,98 T gemessen. Der spezifische elektrische Widerstand betrug 0,39 µΩm.
Ausführungsbeispiel 3:
[0043] Es wurde eine Legierung mit 15,0% Co, 2,0% Cr, 2,5% Mo, 0,2% V, 0,01% Ni, 0,01% Mn,
weniger als 0,01% C und Rest Eisen, wie in Beispiel 1 hergestellt. Nach einer Glühbehandlung
von 10h bei 820°C unter Wasserstoff wurde eine Koerzitivfeldstärke von H
C = 1,98 A/cm, eine Induktion bei einer Aussteuerung von 160 A/cm von B
160 = 2,02 T sowie eine Remanenz B
R = 0,96T gemessen. Der spezifische elektrische Widerstand betrug 0,53 µΩm.
Ausführungsbeispiel 4:
[0044] Es wurde eine Legierung mit 15,0% Co, 4,0% Cr, 1,0% Mo, 0,01% Ni, 0,01% Mn, weniger
als 0,01% C und Rest Eisen, wie in Beispiel 1 hergestellt. Nach einer Glühbehandlung
von 10h bei 820°C unter Wasserstoff wurde eine Koerzitivfeldstärke von H
C = 1,27 A/cm, eine Induktion bei einer Aussteuerung von 160 A/cm von B
160 = 2,07T sowie eine Remanenz B
R = 0,94T gemessen. Der spezifische elektrische Widerstand betrug 0,51 µΩm.
Ausführungsbeispiel 5:
[0045] Es wurde eine Legierung mit 20,0% Co, 2,0% Cr, 2,0% Mo, 2,0% V, 0,01% Ni, 0,01% Mn,
weniger als 0,01% C und Rest Eisen, wie in Beispiel 1 hergestellt. Nach einer Glühbehandlung
von 10h bei 865°C unter Wasserstoff wurde eine Koerzitivfeldstärke von H
C = 1,65 A/cm, eine Induktion bei einer Aussteuerung von 160 A/cm von B
160 = 2,09 T sowie eine Remanenz B
R = 0,86 T gemessen. Der spezifische elektrische Widerstand betrug 0,59 µΩm.
Vergleichsbeispiel 6:
[0046] Eine Legierung wurde unter Vakuum erschmolzen mit 15,0% Co, 2,0% Cr, 2,5% Mo, 2,0%
V und Rest Eisen. Der Gussblock wurde auf 50 mm Durchmesser geschält. Danach wurde
das Material auf 30 mm Durchmesser bei 1100 bis 850°C geschmiedet. Nach einer Glühbehandlung
von 10h bei 840°C unter Wasserstoff wurde eine Koerzitivfeldstärke von H
C = 1,96 A/cm, eine Induktion bei einer Aussteuerung von 160 A/cm von B
160 = 1,98 T sowie eine Remanenz B
R = 0,97 T gemessen. Der spezifische elektrische Widerstand betrug 0,57 µΩm.
[0047] Anhand dieses Vergleichsbeispiels wird die Obergrenze des Gesamtgehalts von Cr, Mo,
V deutlich.
Vergleichsbeispiel 7:
[0048] Eine Legierung wurde unter Vakuum erschmolzen mit 15,0% Co, 4,0% Cr, 1,0% Mo, weniger
als 0,01% C und Rest Eisen. Der Gussblock wurde auf 15 mm Durchmesser warmgewalzt
und dann geschält. Nach einer Glühbehandlung von 10h bei 820°C unter Wasserstoff wurde
eine Koerzitivfeldstärke von H
C = 2,82 A/cm, eine Induktion bei einer Aussteuerung von 160 A/cm von B
160 = 2,02 T sowie eine Remanenz B
R = 0,93 T gemessen. Der spezifische elektrische Widerstand betrug 0,53 µΩm.
[0049] Dieses Vergleichsbeispiel verdeutlicht die Folge einer zu niedrigen Glühtemperatur
bei hohem Mo-Gehalt.
Ausführungsbeispiel 8:
[0050] Wie Beispiel 7. Die Schlußglühung wird jedoch bei 850 °C vorgenommen. Dabei wird
eine Koerzitivfeldstärke von 1,83 A/cm und B
160 von 2,04 T erreicht.
Vergleichsbeispiel 9:
[0051] Es wurde eine Legierung mit 20,0% Co, 2,0% Cr, 2,0% Mo, 2,0% V, weniger als 0,01%
C und Rest Eisen, wie in Beispiel 7 hergestellt. Nach einer Glühbehandlung von 10h
bei 850°C unter Wasserstoff wurde eine Koerzitivfeldstärke von H
C = 2,51 A/cm, eine Induktion bei einer Aussteuerung von 160 A/cm von B
160 = 2,02 T sowie eine Remanenz B
R = 0,82 T gemessen. Der spezifische elektrische Widerstand betrug 0,61 µΩm.
Vergleichsbeispiel 10:
[0052] Es wurde eine lt-Großschmelze einer Legierung mit 15,6% Co, 3,36% Cr, 2,33% Mo, 0,43%
V, 0,004% C und Rest Eisen, sowie herstellungsbedingte Verunreinigungen hergestellt.
Es erfolgte eine Fertigung von Stangen durch Warmwalzen an Durchmesser 50 mm. Ebenso
erfolgte eine Fertigung von Bändern durch Warmwalzen an Dicke 5 mm und anschließendes
Kaltwalzen an verschiedene Enddicken. Der spezifische Widerstand der Legierung betrug
0,53 µΩm. Nach einer Glühbehandlung von 10h bei 835°C unter Wasserstoff wurden an
verschiedenen Proben Induktionswerte B
160 (H = 160A/cm) zwischen 2,024 und 2,057 T festgestellt. Die Messung der Koerzitivfeldstärke
ergab dagegen erhebliche und nicht akzeptable Schwankungen von Probe zu Probe mit
Werten zwischen 1,19 und 3,44 A/cm. Als Ursache für diese schwankenden und teilweise
deutlich zu hohen H
c-Werte wurden Mo-reiche Metallkarbide ausgemacht. Denn bei zu hohen Gehalten an Mo
und C reicht die Stabilität der Karbide bis an die α/γ-Phasengrenze 16 heran und man
findet keine geeigneten Glühparameter zur Erzielung niedriger Koerzitivfeldstärken.
Auch kann das Ziel von Koerzitivfeldstärken unter 2 A/cm nicht sicher erreicht werden.
Ausführungsbeispiel 11:
[0053] Es wurde eine Legierung mit 17,0% Co, 2,0% Cr, 0,8% Mo, 0,2% V, < 0,01% Ni und <
0,01% Mn sowie einem S-Gehalt von 0,015% und Rest Eisen, wie in Beispiel 1 hergestellt.
Nach einer Glühbehandlung von 10h bei 850°C unter Wasserstoff wurde eine Koerzitivfeldstärke
von H
C = 1,4 A/cm, eine Induktion bei einer Aussteuerung von 160 A/cm von B
160 = 2,10 T sowie eine Remanenz B
R = 0,95 T gemessen. Der spezifische elektrische Widerstand betrug 0,39 µΩm.
Ausführungsbeispiel 12:
[0054] Zusammensetzung wie Beispiel 11, aber S-Gehalt 0,005%. Nach einer Glühbehandlung
von 10h bei 850°C unter Wasserstoff wurde eine Koerzitivfeldstärke von H
C = 1,22 A/cm und eine Induktion bei einer Aussteuerung von 160 A/cm von B
160 = 2,20 T gemessen.
Ausführungsbeispiel 13:
[0055] Zusammensetzung wie Beispiel 11, aber S-Gehalt 0,004%. Nach einer Glühbehandlung
von 10h bei 850°C unter Wasserstoff wurde eine Koerzitivfeldstärke von H
C = 1,12 A/cm und eine Induktion bei einer Aussteuerung von 160 A/cm von B
160 = 2,25 T gemessen.
Vergleichsbeispiel 14:
[0056] Es wurden binäre CoFe-Legierungen mit 14,7 und 19,9% Co wie in Beispiel 2 hergestellt.
Die Induktionswerte sind mit Werten für B
160 = 2,16 T bzw. 2,20 T zwar sehr hoch, jedoch erlaubt der niedrige spezifische Widerstand
von 0,20 µΩm keine Anwendung mit dynamischer Anregung.
Vergleichsbeispiel 15:
[0057] Eine Legierung mit 19,8% Co und 2,12% V, Rest Fe, wurde wie in Beispiel 2 beschrieben
gefertigt. Nach Schlußglühung bei 850°C für 10h unter Wasserstoff betrug H
c 1,83 A/cm. B
160 (bei H = 160 A/cm) lag mit 2,10 T über der gewünschten Mindestgrenze, jedoch lag
der spezifische Widerstand mit 0,297 µΩm knapp zu niedrig.
[0058] Dieses Vergleichsbeispiel macht die Bedeutung der Elemente Cr, Mo sowie V für den
spezifischen Widerstand deutlich.
Vergleichsbeispiel 16:
[0059] Eine Legierung mit 19,95% Co und 2,10% Mo, weniger als 0,1% Mn, weniger als 0,1%
Ni, weniger als 0,01% C und Rest Fe, wurde wie in Beispiel 2 beschrieben gefertigt.
Nach Schlußglühung bei 850°C für 10h unter Wasserstoff betrug B
160 (bei H = 160 A/cm) 2,17 T. Der spezifische Widerstand lag mit 0,31 µΩm gerade im
gewünschten Bereich oberhalb 0,30 µΩm. Ursache für die mit 2,56 A/cm unbefriedigende
Koerzitivfeldstärke war das Auftreten Mo-reicher Metallkarbide.
[0060] Die Ausführungsbeispiele 15 und 16 veranschaulichen die Bedeutung von Cr, Mo und
V für den spezifischen elektrischen Widerstand. Ein niedriger Gehalt an Cr, Mo sowie
V führt zu einem niedrigen spezifischen elektischen Widerstand.
Vergleichsbeispiel 17:
[0061] Eine Legierung mit 15,0% Co, 3,5% Cr, 2,3 % Mo, 0,4% V, 0,05% C, Rest Fe, wurde wie
in Beispiel 2 beschrieben gefertigt. Nach Schlußglühung wurde ein H
c-Wert von lediglich 5,0 A/cm erreicht, bedingt durch die massive Präsenz von Mo-reichen
Metallkarbiden.
Vergleichsbeispiel 18:
[0062] Es wurde eine Legierung mit 17% Co, 2,0% Cr, 0,8% Mo, 0,2% V sowie einem Ni-Gehalt
von 0,32% und Mn-Gehalt von 0,18%, Rest Eisen wie im Beispiel 7 hergestellt. Nach
einer Schlußglühung über 10 Stunden bei 850 °C unter Wasserstoff wurde eine Koerzitivfeldstärke
von H
C = 2,1 A/cm, eine Induktion bei einer Aussteuerung von 160 A/cm von B
160 2,03 T sowie eine Remanenz B
R = 0,93 T gemessen. Der spezifische elektrische Widerstand betrug 0,39µΩm
Ausführungsbeispiel 19:
[0063] Eine Legierung mit 13,15% Co, 3,64% Cr, 2,95% Mo, 0,01% Mn, 0,02% Ni, weniger als
0,01% C und Rest Fe wurde wie in Beispiel 2 hergestellt. Sie erreichte nach Schlußglühung
H
c = 1,52 A/cm und B
160 = 2,07 T. Der spezifische Widerstand betrug 0,56 µΩm.
Ausführungsbeispiel 20:
[0064] Eine Legierung mit 10,35% Co, 3,1% V, 3,14 % Mo, 0,03% Mn, 0,05% Ni, weniger als
0,01% C und Rest Fe, hergestellt wie in Beispiel 2, erreichte nach Schlußglühung H
c = 0,81 A/cm und B
160 = 2,06 T. Der spezifische Widerstand betrug 0,40 µΩm.
Ausführungsbeispiel 21:
[0065] Eine Legierung mit 19,8% Co, 2,02% Cr, 0,05% Mn, 0,07% Ni, weniger als 0,01% C und
Rest Fe, hergestellt wie in Beispiel 2, erreichte nach Schlußglühung H
c = 1,80 A/cm und B
160 = 2,18 T. Der spezifische Widerstand betrug 0,38 µΩm.
Ausführungsbeispiel 22:
[0066] Die Zusammensetzung dieser unter Vakuum erschmolzenen Legierung war 17,0% Co, 1,95%
Cr, 0,80% Mo, 0,02% Mn, < 0,015% Ni, 0,006% C, 0,002% N und 0,015% O, Rest Fe, sowie
unvermeidbare Verunreinigungen. Diese Legierung wurde den verschiedensten Verarbeitungsmöglichkeiten
unterzogen. Entweder wurde auf Enddimension warmgewalzt, oder es wurde warmgewalzt
und dann als Band kalt weiter an Enddicke gewalzt. Die beiliegende Tabelle 2 zu den
Ergebnissen von Beispiel 22 gibt einen Überblick über die jeweils erreichten Magnetwerte.
Der spezifische Widerstand dieser Legierung betrug 0,39 µΩm.
Tabelle 2
Material |
Induktion [T] bei H = |
BR |
Hc |
|
1 A/cm |
8 A/cm |
16 A/cm |
40 A/cm |
80 A/cm |
160 A/cm |
|
|
Bandmaterial 0,2 mm |
0,22 |
1,52 |
1,64 |
1,79 |
1,97 |
2,22 |
0,98 |
0,88 |
Bandmaterial 0,3 mm |
0,23 |
1,50 |
1,61 |
1,75 |
1,91 |
2,13 |
0,96 |
0,91 |
Bandmaterial 1,0 mm |
0,17 |
1,49 |
1,60 |
1,74 |
1,88 |
2,07 |
0,741 |
0,864 |
Warmwalzmaterial ⌀ =18 mm |
0,38 |
1,56 |
1,67 |
1,80 |
1,94 |
2,12 |
0,951 |
0,84 |
Warmwalzmaterial ⌀ =30 mm |
0,46 |
1,57 |
1,68 |
1,81 |
1,94 |
2,11 |
1,10 |
0,83 |
Warmwalzmaterial ⌀ =33 mm |
0,20 |
1,53 |
1,65 |
1,78 |
1,90 |
2,05 |
1,06 |
1,37 |
Warmwalzmaterial 60 mm X 15 mm ⌀ |
0,21 |
1,53 |
1,66 |
1,81 |
1,84 |
2,11 |
0,90 |
1,09 |
1. Eisenbasislegierung mit einem Gehalt an Co von 10 bis 20 Gew.-% , mit einem Gehalt
von wenigstens einem Element der Gruppe Cr, Mo und V von 2 bis 6,5 Gew.-% und mit
einem geringen C-Gehalt
dadurch gekennzeichnet,
daß der Gehalt an Ni zusammen mit Mn zwischen 0,01 Gew.-% und 0,4 Gew.-% sowie der Gehalt
an C unter 0,02 Gew.-% liegt.
2. Eisenbasislegierung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Gehalt an Ni zusammen mit Mn zwischen 0,02 Gew.-% und 0,4 Gew.-% sowie der Gehalt
an C unter 0,02 Gew.-% liegt.
3. Eisenbasislegierung nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Gehalt an Ni zusammen mit Mn zwischen 0,03 Gew.-% und 0,4 Gew.-% sowie der Gehalt
an C unter 0,02 Gew.-% liegt.
4. Legierung nach Anspruch 1,2 oder 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Ni-Gehalt kleiner 0,3 Gew.-% ist.
5. Legierung nach Anspruch 1,2 oder 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Ni-Gehalt kleiner 0,15 Gew.-% ist.
6. Legierung nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß der C-Gehalt kleiner 0,02 Gew.-% ist.
7. Legierung nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß der C-Gehalt kleiner 0,01 Gew.-% .ist.
8. Legierung nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Mn-Gehalt kleiner 0,2 Gew.-% ist.
9. Legierung nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Mn-Gehalt kleiner 0,1 Gew.-% ist.
10. Legierung nach einem der Ansprüche 1 bis 9,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Gehalt der Elemente aus der Gruppe von Cr, Mo und V zwischen 2,0 und 4 Gew.-%
liegt.
11. Legierung nach Anspruch 10,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Gehalt der Elemente aus der Gruppe von Cr, Mo und V, zwischen 2,5 und 3,5 Gew.-%
liegt.
12. Legierung nach einem der Ansprüche 1 bis 11,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Mo-Gehalt kleiner als 1,5 Gew.-% ist.
13. Legierung nach Anspruch 12,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Mo-Gehalt kleiner als 1,0 Gew.-% ist.
14. Legierung nach einem der Ansprüche 1 bis 13,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Cr-Gehalt zwischen 1,5 und 2,5 Gew.-% liegt.
15. Legierung nach einem der Ansprüche 1 bis 14,
dadurch gekennzeichnet,
daß der S-Gehalt kleiner 0,01 Gew.-% ist.
16. Legierung nach einem der Ansprüche 1 bis 15,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Induktion B160 bei einer Magnetfeldstärke von H = 160 A/cm größer 2,0 T ist, die Koerzitivfeldstärke
Hc kleiner 2,0 A/cm ist und der spezifische Widerstand über 30 µΩcm liegt
17. Verfahren zur Herstellung von Halbzeug aus einer Kobalt-Eisen-Legierung, bei dem durch
Schmelzen (1) und Warmverformung (4, 10) zunächst Werkstücke aus einer Legierung auf
der Basis von Fe mit einem Gehalt von Co von 10 bis 20 Gew.-% Co und mit einem Gehalt
von wenigstens einem Element der Gruppe Cr, Mo und V von 2 bis 6,5 Gew.-% angefertigt
und dann einer Schlußglühung (7, 12) unterzogen werden,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Gehalt an Ni zusammen mit Mn unterhalb 0,4 Gew.-% sowie der Gehalt an C unter
0,02 Gew.-% liegt und
daß die Schlußglühung (7, 12) für mindestens 0,25 h im Temperaturbereich von 800 bis
880°C durchgeführt wird.
18. Verfahren nach Anspruch 17,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Schlußglühung (7, 12) für mindestens 0,25 h im Temperaturbereich von 830 bis
865°C durchgeführt wird.
19. Verfahren nach Anspruch 17 oder 18,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Legierung vor der Schlußglühung (7, 12) kaltverformt wird.
20. Verfahren nach einem der Ansprüche 17 bis 19,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Legierung unter Inertgas, Wasserstoff oder Vakuum schlußgeglüht wird.