[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum gleichzeitigen Spinnstrecken
von Endlosgarnen bestehend aus einem oder mehreren Filamenten, enthaltend die Schritte,
bei welchem eine Schmelze aus einem thermoplastischen Material einer Spinneinrichtung
zugeführt wird, die Schmelze durch eine Spinndüse mittels Extrudieröffnungen unter
Bildung der Endlosgarne extrudiert wird, die Endlosgarne zur Abkühlung durch eine
erste und eine zweite Kühlzone geführt werden, wobei die Endlosgarne beim Führen durch
die erste Kühlzone im wesentlichen durch einen Luftstrom und in der zweiten Kühlzone
im wesentlichen durch ein Fluid gekühlt werden, das vollständig oder zum Teil aus
einer bei Raumtemperatur flüssigen Komponente besteht, die Endlosgarne danach getrocknet
werden, die Endlosgarne anschließend verstreckt werden und dann mittels Aufwickeleinrichtungen
aufgewickelt werden.
[0002] Ein solches Verfahren ist aus der EP 0 937 791 bekannt. In dieser Schrift wird ein
Verfahren zum Spinnen eines Endlosgarns aus einem thermoplastischen Material offenbart,
bei welchem das thermoplastische Material durch eine Spinndüse zu einem Filamentbündel
mit einer Vielzahl von Filamenten gepresst wird, bei welchem das Filamentbündel vor
der Zusammenfassung zu dem Faden abgekühlt wird und bei welchem die Abkühlung im wesentlichen
in zwei Kühlzonen erfolgt. In einer ersten Kühlzone werden die Filamente direkt unterhalb
der Spinndüse durch einen Luftstrom quer zur Fadenrichtung und in einer zweiten Kühlzone
durch einen Luftstrom aus feuchter Luft gekühlt, wobei der Kühlstrom in der zweiten
Kühlzone unabhängig von dem Luftstrom in der ersten Kühlzone erzeugt wird und der
Kühlstrom innerhalb der zweiten Kühlzone zur Kühlung des Filamentbündels entgegen
der Fadenlaufrichtung strömt. Gemäß EP 0 937 791 hat die erste Kühlzone eine Länge
von 0,1 bis 1 m. Nach dem Abziehen des Fadens von der Spinndüse kann die Behandlung
durch Verstrecken, Erwärmen, Relaxieren oder Verwirbeln ergänzt oder ersetzt werden.
Es ist aber auch gemäß der Offenbarung dieser Schrift möglich, den Spinnprozess galettenlos
zu betreiben, wobei der Faden mittels einer Aufwickeleinrichtung direkt von der Spinndüse
abgezogen wird. Auf diese Weise werden bei dem in der EP 0 937 791 beschriebenen Verfahren
Aufwickelgeschwindigkeiten von bis zu 5000 m/min erreicht.
[0003] Bei der Durchführung des im Standes der Technik beschriebenen Verfahrens zur Herstellung
von hochfesten Garnen, insbesondere von hochfesten technischen Garnen mit hohem Modul
oder niedrigem Schrumpf, treten jedoch des öfteren Probleme dahingehend auf, dass
die gewünschten Festigkeits- und/oder Modulwerte nicht erreicht werden. Ganz besonders
trifft dies dann zu, wenn auf hohe Produktionsleistung Wert gelegt wird, also das
Verfahren bei hohen Geschwindigkeiten und entsprechend hohen Durchsatzraten durchgeführt
wird, wobei es dann auch zu einer unerwünschten Erhöhung der Fadenbrüche kommen kann.
Diese Probleme werden noch augenfälliger, wenn man auf Polymere, wie Polyamid oder
Polyester, als thermoplastische Materialien für die Durchführung des Prozesses übergeht.
[0004] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, die vorstehend beschriebenen
Nachteile des Standes der Technik zumindestens zu verringern.
[0005] Überraschend wurde nun gefunden, dass die erfindungsgemäße Aufgabe gelöst wird, indem
das einführend beschriebene Verfahren zum gleichzeitigem Spinnstrekken von Endlosgarnen
so durchgeführt wird, dass die Endlosgarne bei einer Geschwindigkeit von bis zu 500
m/min durch die erste und die zweite Kühlzone geführt werden und die Verweilzeit der
Endlosgarne innerhalb der ersten Kühlzone mindestens 0,1 sec beträgt. Vorzugsweise
beträgt die Verweilzeit innerhalb der ersten Kühlzone dabei höchstens 0,3 sec.
[0006] Ganz besonders bevorzugt ist bei dem Verfahren gemäß der Erfindung, wenn die Verweilzeit
der Endlosgarne innerhalb der ersten Kühlzone zwischen 0,1 und 0,25 sec beträgt.
[0007] Die Geschwindigkeit beim Durchführen der Endlosgarne durch die erste und die zweite
Kühlzone beträgt dabei vorzugsweise mindestens 100 m/min. In aller Regel sind dabei
Garngeschwindigkeiten von etwa 150 bis etwa 400 m/min, beispielsweise 300 m/min, völlig
ausreichend, um gleichmäßige Garne mit hohen Festigkeitsund/oder Modulwerten zu erreichen.
Die Geschwindigkeit wird dabei in aller Regel nach Verlassen der zweiten Kühlzone,
was bevorzugt ist, oder auch schon hinter der ersten Kühlzone gemessen.
[0008] In der gesamten Beschreibung bezieht sich der Begriff Endlosgarne, im folgenden auch
nur als Garne bezeichnet, auf solche linienförmigen Gebilde, die aus einem oder mehren
Filamenten bestehen. Das Verfahren kann demnach mit Multifilamentgarnen als auch mit
Monofilamentgarnen, also solchen Endlosgarnen, die nur aus einem einzigen Filament
bestehen, durchgeführt werden. Die Zahl der ein Multifilamentgarn bildenden Einzelfäden
bzw. Filamente ist prinzipiell keinen Beschränkungen unterworfen. In aller Regel werden
sich zwischen 10 und 500 Filamente, oft zwischen 50 und 300 Filamente, in einem Multifilament
befinden. Üblicherweise werden die Multifilamente im Verlauf des Verfahren zu sogenannten
Filamentbündeln zusammengeführt und in dieser Form aufgewickelt. Der Titer der die
Endlosgarne bildenden Filamente, also der Einzeltiter, kann ebenfalls in weiten Grenzen
variiert werden. In aller Regel werden jedoch Einzeltiter im Bereich von etwa 1 bis
etwa 30 dtex, bevorzugt zwischen 5 und 20 dtex, eingesetzt.
[0009] Wie bereits weiter oben erwähnt, erweist sich das erfindungsgemäße Verfahren als
besonders vorteilhaft, wenn das im Prozess eingesetzte thermoplastische Material im
wesentlichen aus Polyester oder Polyamid besteht. Die Begriffe Polyester und Polyamid
sind dabei breit auszulegen und umfassen auch Copolyester bzw. Copolyamide bzw. Mischungen
daraus. Ganz besonders bevorzugt sind dabei Polyethylenterephthalat, Polyamid 6, Polyamid
6.6 sowie Polyamid 4.6.
[0010] Die im Vergleich zum heutigen Stand der Technik niedrige Geschwindigkeit beim Durchführen
der Garne durch die Kühlzonen ermöglicht die relativ lange Verweilzeit innerhalb der
ersten Kühlzone im erfindungsgemäßen Verfahren und führt, insbesondere bei Verwendung
der zuletzt genannten Polymeren als thermoplastisches Material, zu Endlosgarnen, die
sich durch hohe Festigkeit, hohen Modul und gute Garngleichmäßigkeit auszeichnen.
Diese Eigenschaften machen die durch das erfindungsgemäße Verfahren erhaltenen Garne
sehr gut geeignet für technische Anwendungen.
[0011] Die erste Kühlzone befindet sich praktisch direkt unterhalb der Spinndüse. Zwischen
Spinndüse und der ersten Kühlzone kann sich noch eine beheizte Röhre bzw. ein Heizrohr
("hot tube") befinden. Die erste Kühlzone kann in der einfachsten Ausführungsform
einfach ein Luftspalt sein, der sich zwischen Spinndüse bzw. beheizter Röhre und zweiter
Kühlzone befindet. Die Kühlung erfolgt dann einfach beim Durchqueren der Umgebungsluft,
durch Selbstansaugung und/oder durch Anblasung mit einem gasförmigen Medium, wie Luft
oder Stickstoff. Bevorzugt ist jedoch, dass die Endlosgarne im wesentlichen durch
ein luftdurchlässiges poröses Rohr als erste Kühlzone geführt werden. Dieses Rohr
sorgt für eine bessere Stabilisierung des Laufs der Endlosgarne, die ansonsten durch
die Luftbewegung in der Spinnumgebung oder durch die Anblasung weggeblasen werden
könnten. Sind das luftdurchlässige poröse Rohr und die beheizte Röhre zusammen vorhanden,
so können diese gegebenenfalls zwecks besserer Ansaugung noch durch einen schmalen
Spalt von etwa 10 mm Breite getrennt sein.
[0012] Die Länge dieser ersten Kühlzone wird erfindungsgemäß durch die Geschwindigkeit der
hindurchzuführenden Garne sowie deren Verweilzeit bestimmt. So weist die erste Kühlzone
beispielsweise bei einer Durchführungsgeschwindigkeit von 300 m/min und einer Verweilzeit
von ca. 0,15 sec eine Länge von etwa 75 cm auf. Diese relativ lange Strecke der ersten
Kühlzone bei einer niedrigen Durchführungsgeschwindigkeit ist damit gegenläufig zu
der Lehre der EP 0 937 791, in der weder offenbart noch gelehrt wird, dass sich die
Garneigenschaften verbessern, wenn hohe Verweilzeiten in der ersten Kühlzone eingestellt
werden. Es wird vermutet, dass sich während der Verweilzeit der Endlosgarne in der
ersten Kühlzone eine gute Stabilisierung einstellt, die sich vorteilhaft auf das Verhalten
in den Folgeschritten des Verfahren und auf die Garneigenschaften auswirkt.
In aller Regel beträgt die Temperatur der Endlosgarne nach dem Verlassen der ersten
Kühlzone 100°C bis 150°C.
[0013] In der zweiten Kühlzone findet eine weitere Abkühlung durch ein Fluid statt, bei
der die Garne auf eine Temperatur gebracht werden, die für die Folgeschritte im erfindungsgemäßen
Verfahren nötig bzw. sinnvoll ist. Besteht die erste Kühlzone aus einem luftdurchlässigen
porösen Rohr oder dergleichen, dann kann sich zwischen ihr und der zweiten Kühlzone
noch ein Spalt von 10 bis 500 mm, bevorzugt 10 bis 200 mm, Breite befinden. Das zur
Kühlung in der zweiten Kühlzone eingesetzte Fluid besteht entweder ganz oder zum Teil
aus einer bei Raumtemperatur flüssigen Komponente. Beispiele hierfür sind Wasser bzw.
Wasserdampf, oder Alkohol sowie Mischungen dieser Komponenten mit gasförmigen Medien,
wie z.B. Luft oder Stickstoff. Die zweite Kühlzone kann in unterschiedlichen Ausführungsformen
im erfindungsgemäßen Verfahren eingesetzt werden. Bevorzugt ist es, wenn die Endlosgarne
beim Führen durch die zweite Kühlzone im wesentlichen durch ein Fluid gekühlt werden,
das vollständig oder zum Teil aus Wasser besteht.
[0014] Eine einfache und vorteilhafte Ausführung des Verfahrens gemäß der Erfindung besteht
darin, dass die Endlosgarne beim Führen durch die zweite Kühlzone im wesentlichen
durch ein Wasserbad gekühlt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass die Wassertemperatur
nicht zu hoch sein darf, um Verklebungen der Filamente untereinander zu vermeiden.
Gut bewährt hat es sich, wenn die Wasserbadtemperatur nicht höher ist als maximal
10°C unterhalb der Glasstemperatur (Tg) des eingesetzten thermoplastischen Materials.
Im Falle von Polyethylenterephthalat (Tg etwa 80°C) hat sich eine Badtemperatur von
etwa 60°C als geeignet erwiesen.
[0015] Am meisten bevorzugt wird es jedoch, wenn die Endlosgarne beim Führen durch die zweite
Kühlzone im wesentlichen durch einen Sprühnebel aus kleinen Wassertröpfchen gekühlt
werden. Bei dieser Ausführungsform wird die Tatsache genutzt, dass kleine Wassertröpfchen,
die bevorzugt im Durchschnitt einen Durchmesser von nicht größer als 150 µm aufweisen,
eine wesentlich höhere Wärmemenge abführen können als beim Durchleiten durch ein Wasserbad
abgeführt werden kann. Dies liegt an der zusätzlichen Verdampfungsenthalpie der Tröpfchen,
wobei die dafür notwendige Wärmeenergie den Garnen entzogen wird. Die Tröpfchen werden
vorteilhaft unter Zuhilfenahme von Luft mittels Düsen mit dem Endlosgarnen in Kontakt
gebracht. In diesem Fall kann die zweite Kühlzone beispielsweise die Form einer Nebelkammer
annehmen, an deren unterem Ende Düsen angebracht sind, die den Sprühnebel entgegen
der Laufrichtung der Garne, z.B. in einem Winkel von 45°C, auf die Garne aufbringen.
Die Luft dient hierbei hauptsächlich als Transportmedium, um die Wassertröpfchen in
Kontakt mit dem Garn zu bringen. Der bereits oben erwähnte Spalt zwischen dem luftdurchlässigen
porösen Rohr und der zweiten Kühlzone dient dem Abfluss der heißen Luft aus der ersten
Kühlzone und gegebenenfalls auch dem Abfluss des aufgeheizten Sprühnebels. Die Messung
der durchschnittlichen Tröpfchengröße ist an sich bekannt und wird bei der vorliegenden
Erfindung nach der ASTM E 799 durchgeführt.
Die Verweilzeit der Endlosgarne in der zweiten Kühlzone ist grundsätzlich geringer
als in der ersten Kühlzone, was sich in einer deutlich kürzeren Länge der zweiten
Kühlzone im Vergleich zur ersten Kühlzone äußert. Deutlich kürzer bedeutet in der
Praxis etwa 50 % der Länge der ersten Kühlzone. In aller Regel liegt diese Länge bei
etwa 50 cm. Der Fachmann ist mit Hilfe dieser Angabe leicht in der Lage, durch einige
einfache Versuche die günstigste Länge der zweiten Kühlzone zu bestimmen.
[0016] Der Abzug der Endlosgarne aus den Kühlzonen erfolgt durch Galetten, vorteilhaft durch
ein Galettentrio. Dieser Abzug erfolgt über eine Umlenkrolle, die sich bei einem Wasserbad
als zweite Kühlzone vorteilhafter Weise innerhalb dieses Bades befindet und bei der
Verwendung einer Nebelkammer direkt hinter dieser Kammer angeordnet ist. Der Abstand
zwischen der Spinndüse und der Umlenkrolle ist im allgemeinen unkritisch. Als vorteilhaft
hat sich jedoch herausgestellt, wenn sich die Umlenkrolle etwa 2,5 m, bevorzugt etwa
2,0 m, unterhalb der Spinndüse befindet. Der erfindungsgemäße Prozess kann anschließend
in einer Ebene weitergeführt werden. Das hat zum Vorteil, das die gesamte Apparatur
zur Durchführung des Verfahrens nur eine geringe Bauhöhe ("one-floor-machine") aufweist
bzw. erfordert.
[0017] Im Anschluss erfolgt die Trocknung der derart abgekühlten Endlosgarne als Vorstufe
für den Verstreckprozess in einer an sich bekannten Weise, z.B. durch das Beaufschlagen
von Luft, beispielsweise durch Pressluft von Umgebungstemperatur, mittels eines Gebläses.
[0018] Die Endlosgarne können nach der Trocknung noch mit üblichen Spinnölen, vorzugsweise
mit einem sogenannten Neat Oil, beaufschlagt werden. Derartige Spinnöle sind dem Fachmann
an sich bekannt und erleichtern die Durchführung der nachfolgenden Prozessschritte.
[0019] Im erfindungsgemäßen Verfahren findet, wie bereits erwähnt, nach der Trocknung bzw.
nach der Beaufschlagung mit dem Spinnöl eine Verstreckung statt, in deren Verlauf
die Garne mittels Galetten in an sich bekannter Weise auf das gewünschte Verstreckverhältnis
gebracht werden. In einer bevorzugten Ausführungsform erfolgt die Verstreckung der
Endlosgarne mittels dreizehn aufeinanderfolgender Galetten, einem Tridecatett. Die
Temperatur dieser Galetten ist dabei vorteilhaft so gewählt, das ihre Temperatur schrittweise
über den Verstreckverlauf von etwa 80°C auf etwa 240°C, bevorzugt von etwa 120°C auf
etwa 240°C, ansteigt.
[0020] Es ist jedoch bevorzugt, dass die Endlosgarne zusätzlich noch einer Vorverstreckung
unterzogen werden. Unter Vorverstreckung im erfindungsgemäßen Verfahren ist eine weitere
Verstreckung der Endlosgarne zu verstehen, die vor der bereits erwähnten Verstreckung
durchgeführt wird. Durch eine solche Vorverstreckung kann bereits der größte Teil
des gesamten im Prozess einzustellenden Verstreckverhältnisses erhalten werden.
[0021] Bevorzugt finden sowohl Verstreckung als auch Vorverstreckung mittels Galetten statt.
In einer sehr vorteilhaften Ausführungsform sind diese Galetten ebenfalls als Tridecatett
angeordnet sind, das heißt, dass die Endlosgarne durch die insgesamt 13 beheizten
Galetten in zwei Stufen verstreckt werden. Dabei wird in der ersten Stufe, der Vorverstreckung,
ein Verstreckverhältnis von etwa 2 bis etwa 5 eingestellt. Im weiteren Verlauf werden
die derart vorverstreckten Endlosgarne in einer zweiten Stufe, der Verstreckung, noch
einmal mit einem Verstreckverhältnis zwischen 1,1 und 3,0, bevorzugt 1,2 bis 1,8,
verstreckt.
[0022] Wenn die Vorverstreckung wie beschrieben in das Galetten-Tridecatett der Verstrekkung
integriert wird, dann ist es sehr vorteilhaft, wenn die Vorverstreckung mit Hilfe
einer Wasserdampf ausstoßenden Düse stattfindet. Eine solche Düse ist an sich bekannt
und könnte beispielsweise hinter dem ersten Galettentrio des bereits erwähnten Tridecatett
positioniert sein. In dem zuletzt genannten Fall könnten die Galetten des Tridecatett
beispielsweise so betrieben werden, dass die ersten drei Galetten genutzt werden,
um die für die Vorverstreckung günstige Garntemperatur von ca. 70°C zu erreichen,
gefolgt von der Dampfdüse, wiederum gefolgt von weiteren drei Galetten, die das Garn
auf die für die Verstreckung günstige Temperatur, beispielsweise 120°C, bringen und
anschließend sieben Galetten, um auf die Endtemperatur der Verstreckung, von z.B.
240°C, zu kommen. Die Vorverstreckung erfolgt hier also mit Hilfe der Dampfdüse zwischen
der dritten und vierten Galette des Tricatetts.
[0023] Für bestimmte Anwendungen kann es auch vorteilhaft sein, wenn die Vorverstrekkung
bereits nach dem Verlassen der zweiten Kühlzone und noch vor dem Trocknen stattfindet.
In einer solchen Ausführungsform ist es bevorzugt, wenn die Vorverstrekkung in einem
Wasserbad stattfindet, das nach den Abzugsgaletten platziert ist, die die Endlosgarne
aus den Kühlzonen abziehen. Dabei werden die Endlosgarne ausgehend von den genannten
Abzugsgaletten durch ein Wasserbad, das sich auf einer Temperatur von ca. 90 °C befindet,
über einen in dem Wasserbad befindlichen Pin geführt und anschließend mittels einer
dem Wasserbad nachgeschalteten Galette verstreckt. Auf diese Weise lassen sich auf
vorteilhafte Weise bereits an dieser Stelle im Prozess die für die Vorverstreckung
günstigen Verstreckverhältnisse zwischen etwa 2 und etwa 5 einstellen. Der besondere
Vorteil bei der Durchführung der Vorverstreckung auf diese Art ist, dass sich die
Strecktemperatur über die Wassertemperatur in einfacher Weise regeln lässt und die
durch den Streckprozess generierte Wärmemenge gut abführen lässt. Anschließend erfolgt
dann in der oben beschriebenen Weise die Trocknung der Endlosgarne bzw. gegebenenfalls
die Beaufschlagung durch das Spinnfinish.
[0024] Wenn die Vorverstreckung mittels eines Wasserbades durchgeführt wird, kann es für
die Verstreckung ausreichend sein, wenn lediglich neun Galetten für den Verstreckschritt
eingesetzt werden.
[0025] Die Verweilzeit der Endlosgarne auf der Endtemperatur der Verstreckung kann optional
durch das Hindurchführen der Garne durch einen Heizofen geschehen, in dem die Garne
berührungslos auf der gewünschten Temperatur gehalten werden. Diese Maßnahme kann
die Struktureigenschaften der erhaltenen Garen verbessern.
[0026] Der Verstreckung nachgeschaltet ist üblicherweise noch ein Relaxierungsschritt, bei
dem die Garne ebenfalls mittels beheizter Galetten relaxiert werden. Vorteilhaft werden
die Endlosgarne dabei über ein Galettenseptett geleitet, das sich auf einer Temperatur
von ca. 180 bis 240 °C, z.B. 220 °C, befindet. Das Relaxierverhältnis liegt hierbei
in aller Regel bei etwa 0,8 bis 1. Wiederum optional kann diesem Relaxierschritt noch
eine Fixierung in einem Heizofen folgen, bei dem die Endlosgarne berührungslos auf
der Endtemperatur des Relaxierschrittes gehalten werden. Dem Septett bzw. dem optionalen
Heizofen folgend und unmittelbar vor der Aufwicklung ist vorteilhaft noch ein weiteres
Galettentrio angeordnet. Durch das zuletzt genannte Galettentrio kann noch ein zusätzlicher
Relaxierschritt in das erfindungsgemäße Verfahren eingeführt werden. Dieser zusätzliche
Relaxierschritt kann in vielen Fällen Vorteile bringen, insbesondere im Hinblick auf
das Erreichen von Niedrigschrumpfeigenschaften. Es ist sogar prinzipiell möglich und
in manchen Fällen auch erwünscht, wenn der Relaxierschritt nur mit dem Galettentrio
durchgeführt und dieses dann die einzige Relaxierung im Verfahren ist. In solchen
Fällen kann auf die Relaxierung durch das Septett bzw. sogar ganz auf das Septett
verzichtet werden und die Relaxierung bei einem Streckverhältnis von etwa 0,75 bis
etwa 1 allein mit dem Galettentrio durchgeführt werden.
[0027] Die mittels des Verfahrens der vorliegenden Erfindung hergestellten Endlosgarne werden
vorteilhaft mit Geschwindigkeiten unterhalb von 3000 m/min, beispielsweise zwischen
1500 und 2500 m/min, aufgewickelt.
[0028] Aufgrund des besonderen Konzepts des erfindungsgemäßen Prozesses sind diese im Vergleich
zum Stand der Technik relativ geringen Geschwindigkeiten dennoch ausreichend, um Garne
mit hoher Festigkeit und hohen Modul ökonomisch herzustellen. Ein besonderer Vorteil
liegt zum einen in der geringen Höhe der zur Durchführung erforderlichen Apparatur,
es handelt sich dabei um eine sogenannte "One-floor-Maschine".
[0029] Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass mittels des beschrieben Prozesses in einfacher
Weise gleichzeitig mehr als sechs Endlosgarne erzeugt werden. Die Zahl der gleichzeitig
erzeugten Endlosgarne ist prinzipiell nur durch die im Verfahren zum Einsatz kommenden
Galetten begrenzt. Die wesentlichen Parameter, die diesen Einsatz bestimmen, wie z.B.
die Länge der Galetten, ihre Kraftaufnahme, insbesondere in Querrichtung, sind der
Fachperson bekannt. In aller Regel ist es mittels der Verfahrens gemäß der Erfindung
möglich, gleichzeitig 8, 16, 24, 32 oder sogar 96 Endlosgarne herzustellen. Durch
diesen ökonomischen Vorteil, der unter anderen aufgrund der besonderen Abkühlungsbedingungen
im erfinderischen Prozess hervorgerufen wird, wird ein etwaiger Kapazitätsverlust,
der gegebenenfalls durch die geringeren Geschwindigkeiten im Vergleich zum Stand der
Technik entstehen könnte, mehr als kompensiert.
[0030] Das erfindungsgemäße Verfahren wird anhand einer Figur, die eine zur Durchführung
dieses Verfahrens geeignete Vorrichtung zeigt, sowie eines Ausführungsbeispiels näher
erläutert. Zum Verständnis sei folgendes bemerkt: In der schematischen Figur ist die
zur Ausübung des Verfahrens geeignete Vorrichtung in drei Abschnitten dargestellt,
wobei ein nach rechts zum Seitenrand deutender Pfeil darauf hinweist, dass der jeweils
darunter befindliche Abschnitt sich an den durch den Pfeil beendeten Abschnitt anschließt.
[0031] In dem durch die Figur dargestellten Verlauf wird Polyethylenterephthalat (PET) mit
einer relativen Lösungsviskosität von 2,05 (gemessen in einer Konzentration von 0,5
Gew.-% in m-Kresol bei 25°C) aus dem Vorratsbehälter 1 in den Extruder 2 dosiert.
Der Durchmesser des Extruders 2 beträgt 60 mm. Das PET wird bei ca. 300°C aufgeschmolzen
und anschließend durch eine Spinndüse mit 211 Löchern extrudiert. Die Endlosgarne
werden durch ein Heizrohr 3 von 12 cm Länge bei 300°C geleitet. Anschließend werden
die Endlosgarne durch ein perforiertes Rohr 4 von 1 m Länge als erste Kühlzone geführt.
Zwischen dem Heizrohr 3 und dem perforierten Rohr 4 befindet sich Schlitz von 10 mm
Länge. Die Verweilzeit in der ersten Kühlzone beträgt 0,2 sec. Die Endlosgarne werden
dann in eine Nebelkammer 5 als zweite Kühlzone geführt. Diese zweite Kühlzone hat
eine Länge von 50 cm und innerhalb dieser Nebelkammer werden die Endlosgarne mittels
eine Sprühnebels erzeugt durch Düsen bei einem Druck von 5 bar und einer Wassermenge
von 670 ml/min gekühlt. Die Tröpfchen innerhalb des Sprühnebels haben einen mittleren
Durchmesser von 57 µm. Der Durchmesser der Nebelkammer 5 beträgt 200 mm. Unterhalb
der Nebelkammer ist in einem Abstand von 240 cm gemessen von der Spinndüse eine Umlenkrolle
6 angeordnet. Die Geschwindigkeit beim Durchführen der Garne wird durch das Galettentrio
7 auf 295 m/min eingestellt. Die Endlosgarne werden durch ein Gebläse 8 mittels Pressluft
von 4 bar getrocknet. Anschließend wird bei der Finishapplikation 9 ein Neatoil als
Spinfinish aufgetragen. Im weiteren Verlauf erfolgt eine Vorverstreckung mittels des
Galettentrios 10 und der Dampfdüse 11. Durch den Dampf der Düse 11 werden die Endlosgarne
dabei erhitzt (Temperatur der Düse ist etwa 230° C) und ein Verstreckverhältnis von
4,2 erhalten. Anschließend erfolgt mittels des Galettendecatett 12 eine weitere Verstreckung
auf ein Verhältnis von 1,5, so dass ein Gesamtverstreckverhältnis von 6,3 eingestellt
wird. Die Endgeschwindigkeit nach der Verstreckung beträgt 1890 m/min. Die Endlosgarne
passieren danach das Galettenseptett 14, durch das sie bei ebenfalls 1890 m/min geführt
werden. Anschließend erfolgt eine Relaxierung mit Hilfe des Galettentrios 14, das
sich auf einer Geschwindigkeit von 1790 m/min befindet, wobei eine Relaxierung mit
einem Verstreckverhältnis von 0,95 eingestellt wird. Schließlich werden die Endlosgarne
bei einer Geschwindigkeit von 1790 m/min aufgewickelt.
[0032] Die Garndaten der so erhaltenen Endlosgarne werden gemäß ASTM D885 bestimmt. Im Falle
der Heißluftschrumpfmessung (HL) werden die Garne dabei 2 min lang einer Temperatur
von 18 °C ausgesetzt. Es werden folgenden Daten gemessen:
| Gesamttiter |
1118 dtex f 211 |
| Festigkeit |
924 mN/tex |
| Dehnung |
13,5 % |
| Anfangsmodul |
11,9 N/tex bei 0,25 % Dehnung |
| HL |
7 % |
[0033] Die Daten zeigen, dass mit Hilfe des erfindungsgemäßen Verfahrens hochfeste Garne
mit sehr guten Eigenschaften erhältlich sind.
1. Verfahren zum gleichzeitigen Spinnstrecken von Endlosgarnen bestehend aus einem oder
mehreren Filamenten, enthaltend die Schritte, bei welchem eine Schmelze aus einem
thermoplastischen Material einer Spinneinrichtung zugeführt wird, die Schmelze durch
eine Spinndüse mittels Extrudieröffnungen unter Bildung der Endlosgarne extrudiert
wird, die Endlosgarne zur Abkühlung durch eine erste und eine zweite Kühlzone geführt
werden, wobei die Endlosgarne beim Führen durch die erste Kühlzone im wesentlichen
durch einen Luftstrom und in der zweiten Kühlzone im wesentlichen durch ein Fluid
gekühlt werden, das vollständig oder zum Teil aus einer bei Raumtemperatur flüssigen
Komponente besteht, die Endlosgarne danach getrocknet werden, die Endlosgarne anschließend
verstreckt werden und dann mittels Aufwickeleinrichtungen aufgewickelt werden, dadurch gekennzeichnet, dass die Endlosgarne bei einer Geschwindigkeit von bis zu 500 m/min durch die erste und
die zweite Kühlzone geführt werden und die Verweilzeit der Endlosgarne innerhalb der
ersten Kühlzone mindestens 0,1 sec beträgt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Verweilzeit der Endlosgarne innerhalb der ersten Kühlzone höchstens 0,3 sec beträgt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet dass die Verweilzeit der Endlosgarne innerhalb der ersten Kühlzone zwischen 0,1 und 0,25
sec beträgt.
4. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass das thermoplastische Material im wesentlichen aus Polyester oder Polyamid besteht.
5. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Endlosgarne im wesentlichen durch ein luftdurchlässiges poröses Rohr als erste
Kühlzone geführt werden.
6. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Endlosgarne beim Führen durch die zweite Kühlzone im wesentlichen durch ein Wasserbad
gekühlt werden.
7. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Endlosgarne beim Führen durch die zweite Kühlzone im wesentlichen durch einen
Sprühnebel aus kleinen Wassertröpfchen gekühlt werden.
8. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Endlosgarne zusätzlich nach dem Trocknen mit einem Spinnfinish beaufschlagt werden.
9. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Endlosgarne zusätzlich einer Vorverstreckung unterzogen werden.
10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorverstreckung mit Hilfe einer Wasserdampf ausstoßenden Düse stattfindet.
11. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorverstreckung nach dem Verlassen der zweiten Kühlzone und vor dem Trocknen
stattfindet.
12. Verfahren nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorverstreckung in einem Wasserbad stattfindet.
13. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Endlosgarne nach der Verstreckung und vor der Aufwicklung zusätzlich relaxiert
werden.
14. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass die Endlosgarne mit Geschwindigkeiten unterhalb von 3000 m/min aufgewickelt werden.
15. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass gleichzeitig mehr als sechs Endlosgarne erzeugt werden.