TECHNISCHES GEBIET
[0001] Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf das Gebiet des Transformatorbaus und betrifft
eine Transformatorwicklung mit einer Hoch- und einer Niederspannungswicklung.
STAND DER TECHNIK
[0002] Die Herstellung von konventionellen, gewickelten Leistungstransformatoren weist einen
hohen und kostenintensiven Anteil an Handarbeit auf, bedingt durch die komplizierte
Wicklungstechnik im Zusammenspiel mit den erforderlichen elektrischen Isolationen.
Im Weiteren sind Transformatoren im Bereich der Stromübertragung mit Leistungen von
10 bis 500 MVA keine Serienprodukte und werden nach Kundenwünschen gefertigt, so dass
sich praktisch jedesmal unvermeidliche Entwicklungs- oder Anpassungskosten ergeben.
Die konventionelle Herstellung von Leistungstransformatoren weist kein grosses Automatisierungspotential
auf. Alternative Herstellungskonzepte, bei denen beispielsweise auf eine begrenzte
Anzahl standardisierter, vorgefertigter Halbfabrikate zurückgegriffen wird, haben
aber oft Flexibilitätseinbussen zur Folge.
[0003] Konventionelle Leistungstransformatoren weisen aufgrund der durch die magnetischen
Streufelder zwischen der Hochspannungswicklung und der Niederspannungswicklung erzeugten
Impedanz auch eine strombegrenzende Funktion auf. Die sogenannte Kurzschlussimpedanz
X
CC ist gekennzeichnet durch das Verhältnis von Betriebs- zu Kurzschlussstrom, d.h. ein
Transformator mit einer Kurzschlussimpedanz X
CC von N% begrenzt den Kurzschlussstrom auf das 100/N-fache des Betriebs- oder Nennstromes.
Leistungstransformatoren haben gewöhnlich Kurzschlussimpedanzen von 10 bis 15%. Konventionelle,
gewikkelte Transformatoren mit einer kleinen Kurzschlussimpedanz von einigen wenigen
Prozent sind in der Herstellung sehr teuer, da zur Reduktion der Streufelder die Windungen
in aufwändiger Weise verschachtelt werden müssen.
[0004] Aus der Europäischen Patentanmeldung EP-A 0 354 121 ist ein Transformator zur Stromversorgung
von elektrischen Schaltkreisen bekannt. Dieser umfasst eine Hoch- und eine Niederspannungswicklung,
welche beide aus flachen, identisch ausgebildeten Leiterbahnen in Form einer einzigen
Windung aufgebaut sind. Die Leiterbahnen der Hochspannungswicklung und diejenigen
der Niederspannungswicklung sind unterschiedlich angeordnet und wechseln sich ab.
Über Verbindungselemente sind Erstere elektrisch in Serie und Letztere elektrisch
in Parallel geschaltet, so dass das Verhältnis zwischen Hoch- und Niederspannnung
gleich der Anzahl der Hochspannungsleiterbahnen ist und in allen Leiterbahnen ein
Strom gleicher Stärke fliesst. Dementsprechend sind keine nicht-ganzzahligen Übersetzungsverhältnisse
möglich. Die genannten Verbindungselemente fungieren gleichzeitig als Wärmeableiter
und Stützen für die Leiterbahnen, die Achse des Transformators ist dementsprechend
horizontal, d.h. parallel zur Erdoberfläche, vorgesehen.
DARSTELLUNG DER ERFINDUNG
[0005] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, eine einfach zu realisierende Wicklung
für einen Transformator anzugeben. Diese Aufgabe wird durch eine Transformatorwicklung
mit den Merkmalen des Patentanspruchs 1 sowie ein Verfahren zur Herstellung einer
derartigen Transformatorwicklung mit den Merkmalen des Patentanspruchs 10 gelöst.
[0006] Kern der Erfindung ist es, eine Transformatorwicklung aus ebenen Leiterbahnen aufzubauen,
welche aufeinanderfolgend angeordnet und durch geeignete Abstands- und Isolationselemente
voneinander getrennt werden. Durch diesen modularen Transformatoraufbau entfällt der
arbeitsintensive Wickelprozess des konventionellen Leiterdrahtes.
[0007] Das vorgeschlagene Transformatorkonzept basiert auf einer Herstellung, welche in
zwei Schritten zuerst die Fabrikation der Windungen und anschliessend deren Zusammenbau
zum Transformator umfasst und somit Automatisierungspotential und Flexibilität vereinigt.
Sowohl die Hochspannungswicklung wie die Niederspannungswicklung werden aus quasi-zweidimensionalen,
vorzugsweise spiralförmigen Leiterbahnen zusammengesetzt. Diese Leiterbahnen umfassen
mindestens eine Windung, die entsprechende Struktur kann maschinell erzeugt werden.
Anschliessend werden die Leiterbahnen in der gewünschten Reihenfolge angeordnet und
zu einer Wicklung elektrisch verbunden. Isolations- und Abstandselemente werden zwischen
die Leiterbahnen eingefügt, welche einerseits eine optimale elektrische Isolation
bewirken und andererseits trotz der unvermeidbaren elektromagnetischen Kräfte und
Vibrationen für mechanische Stabilität sorgen.
[0008] In einer ersten Ausführungsform der erfindungsgemässen Transformatorwicklung zerfallen
die Abstandselemente in mehrere Teilelemente oder weisen Aussparungen oder Kanäle
auf, durch welche im Betrieb des Transformators eine Kühlflüssigkeit zur Kühlung der
Leiterbahnen zirkulieren kann.
[0009] Gemäss einer zweiten Ausführungsform ist die Transformatorachse vertikal, d.h. senkrecht
zur Erdoberfläche vorgesehen. Diese Anordnung ist selbsttragend, nur die unterste
Leiterbahn muss gestützt und gegebenenfalls gegenüber dem Kern oder Gehäuse des Transformators
elektrisch isoliert werden.
[0010] Gemäss einer weiteren Ausführungsform sind die Leiterbahnen der Hochspannungswicklung
und diejenigen der Niederspannungswicklung untereinander jeweils identisch, so dass
nur zwei verschiedene Leiterbahntypen gefertigt und an Lager gehalten werden müssen.
[0011] Gemäss einer weiteren Ausführungsform sind die Hoch- und Niederspannungsleiterbahnen
paarweise zu Modulen zusammengefasst. Das Stromdichteintegral über einen Modulquerschnitt,
welcher in einer die Transformatorachse enthaltenden Ebene liegt, ist dabei annähernd
gleich Null, d.h. die über alle Windungen summierte Gesamtstromstärke in der Niederspannungsleiterbahn
ist entgegengesetzt gleich derjenigen in der Hochspannungsleiterbahn. Dadurch sind
nur im Bereich des Isolationselementes namhafte magnetische Streufelder zu verzeichnen,
was eine geringe Impedanz der Wicklung zur Folge hat.
[0012] Gemäss einer weiteren Ausführungsform sind die Gesamtleiterbahnbreiten gleich gross,
wodurch sich auch die Magnetfeldkomponenten in den Leitern, welche senkrecht zur Ebene
der Leiterbahnen stehen und für einen grossen Teil der Wechselstromverluste verantwortlich
sind, minimiert.
[0013] Gemäss einer weiteren Ausführungsform sind die Niederspannungsleiterbahnen und die
Hochspannungsleiterbahnen je elektrisch in Serie geschaltet. Das durch die Windungsgesamtzahlen
festgelegte Übersetzungsverhältnis findet sich im Windungsverhältnis jedes Moduls
wieder. Beliebige nichtganzzahlige, rationale Übersetzungsverhältnisse sind möglich.
[0014] Gemäss einer weiteren Ausführungsform wird nur ein Typ Module eingesetzt und dafür
jedes zweite Modul auf den Kopf gestellt, so dass jede Niederspannungsleiterbahn eines
ersten Moduls mit der Niederspannungsleiterbahn des nächstfolgenden Moduls benachbart
ist und zwischen diesen Modulen nur Abstandselemente benötigt werden.
[0015] Weitere vorteilhafte Ausführungsformen gehen aus den weiteren abhängigen Patentansprüchen
hervor.
KURZE BESCHREIBUNG DER FIGUREN
[0016] Nachfolgend wird die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen im Zusammenhang mit
den Zeichnungen näher erläutert. Es zeigen
- Fig. 1
- einen grundlegenden Aufbau eines dreiphasigen Transformators in Schrägaufsicht,
- Fig.2
- ein Modul umfassend ein Isolationselement, eine Hochspannungsleiterbahn und eine Niederspannungsleiterbahn
in Aufsicht und als Schnitt,
- Fig.3
- einen Ausschnitt aus einem Schnitt durch eine Anordnung mit sechs Modulen.
[0017] Die in den Zeichnungen verwendeten Bezugszeichen sind in der Bezugszeichenliste zusammengefasst.
Grundsätzlich sind gleiche Teile mit denselben Bezugszeichen versehen.
WEGE ZUR AUSFÜHRUNG DER ERFINDUNG
[0018] In Fig. 1 ist ein grundlegender Aufbau eines dreiphasigen Transformators mit erfindungsgemässen
Wicklungen dargestellt. Auf oder zwischen Isolations- oder Abstandselementen 1 sind
Leiterbahnen 2 angeordnet, von denen in Fig. pro Phase nur jeweils eine sichtbar ist.
Anstelle einer runden, ringförmigen Geometrie können die Elemente 1 und/oder die Leiterbahnen
2 auch eine rechteckige Form haben. Durch eine zentrale Öffnung der Elemente 1 führt
der Transformatorkern 3 in Richtung der Transformatorachse 31. Der dreiphasige Transformatorkern
in Fig.1 weist eine sogenannte "shell-type" Topologie auf, wobei beispielsweise auch
eine "core-type" Topologie möglich ist oder die Transformatorachse 31 vertikal ausgerichtet
werden kann. Analog zur Ausgestaltung des Kernes bei klassischen, gewickelten Transformatoren
sind auch hier Kriterien wie Eisenverluste und Volumen zu berücksichtigen. Zumindest
bei Leistungstransformatoren umgibt eine wärmeleitende Kühl- und/oder elektrische
Isolationsflüssigkeit, beispielsweise Öl oder flüssiger Stickstoff im Falle von hochtemperatursupraleitenden
Leitern, die Wicklungen. Der Tank oder Kryostat zur Aufnahme dieser Flüssigkeit wie
auch die elektrischen Anschlussleiter an die Hoch- und Niederspannnungswicklung sind
in Fig.1 nicht gezeigt. Transformatorkern und Kühlflüssigkeit werden in der Folge
nicht mehr weiter betrachtet.
[0019] In Fig.2 ist ein Modul umfassend ein scheiben- oder plattenförmiges Isolationselement
11, eine Hochspannungsleiterbahn 21 und eine Niederspannungsleiterbahn 22 dargestellt.
Die Niederspannungsleiterbahn 22 weist vier spiralförmige Windungen auf, wogegen die
Hochspannungsleiterbahn 21 insgesamt zwölf Windungen umfasst und in Fig.2 im Schnitt
unterhalb des Isolationselementes 11 sichtbar ist. Im vorliegenden Fall sind beide
Leiterbahnen aus einem ringförmigen leitenden Bereich der Gesamtleiterbreite B herausstrukturiert
worden. Bei einem derartigen Modul kommt den dielektrischen Eigenschaften des Isolationselementes
11 eine entscheidende Bedeutung zu, wobei nicht nur die Durchbruchfeldstärke des Materials
des Isolationselementes 11, sondern auch dessen geometrische Ausgestaltung wichtig
ist. Entlang von Kriechstrompfaden 13, wovon in Fig.2 zwei Beispiele fett eingezeichnet
sind, können zwischen einer Hochspannungsleiterbahn 21 und einer Niederspannungsleiterbahn
22 an der Oberfläche des Isolationselementes 11 sogenannten Kriechströme fliessen.
Um Letzteren vorzubeugen, wird eine Minimallänge für sämtliche Kriechstrompfade 13
eingestellt. Dies wird erreicht, indem die radiale Ausdehnung des Isolationselementes
11, d.h. dessen Ringbreite, deutlich grösser gewählt wird als die Gesamtleiterbreite
B der Leiterbahnen 21,22.
[0020] In Fig.3 ist ein Ausschnitt aus einem Schnitt entlang einer Transformatorachse 31
einer Anordnung mit sechs Modulen gemäss Fig.2 gezeigt. Die einzelnen Hoch- und Niederspannungsleiterbahnen
sind untereinander über Verbindungselemente 4,4' elektrisch zu einer unkonventionellen
Hoch- beziehungsweise Niederspannungswicklung verschaltet. Diese Wicklungen umfassen
also keine herkömmlichen Spulen in Form einer dreidimensionalen Helix, sondern untereinander
in diskreten Abständen angeordnete ebene Leiterbahnen. Abstandselemente 12 sind zwischen
benachbarten Leiterbahnen 22,22' vorgesehen, welche zur selben Wicklung gehören. Obwohl
auch von den Abstandselementen 12 eine gewisse Spannungsfestigkeit gefordert ist,
haben sie hauptsächlich eine mechanische Funktion als Abstandshalter und Vibrationsdämpfer.
Im Gegensatz zu den Isolationselementen 11 zerfallen die Abstandselemente 12 in beispielsweise
radial angeordnete, speichenförmige Teilelemente oder sind zumindest mit Aussparungen,
Kanälen oder Hohlräumen versehen, welche im Betrieb mit dem genannten Kühlmittel gefüllt
sind. Bei der Anordnung gemäss Fig.3 wechseln sich Isolations- und Abstandselemente
12 ab, so dass jede Leiterbahn zumindest einseitig gekühlt wird. Es folgt also auf
die Niederspannungsleiterbahn 22 eines Moduls die Niederspannungsleiterbahn 22' des
benachbarten Moduls, d.h. jedes zweite Modul steht auf dem Kopf. Als zusätzlicher
Vorteil ist es bei dieser Anordnung möglich, identische Module zu verwenden, da dadurch
der Umlaufsinn der Ströme beim Übergang von einem Modul zum Nächstfolgenden beibehalten
wird. Die Anordnung nach Fig.3 kommt somit mit einer begrenzten Anzahl von nur gerade
vier Basiseinheiten (Hoch- und Niederspannungsleiterbahn, Isolations- und Abstandselement)
sowie den Verbindungselementen aus.
[0021] Es ist selbstverständlich auch möglich, die genannten Basiseinheiten auf eine andere
Weise zu Modulen oder kleinsten Transformatoreinheiten zusammenzustellen. Der Begriff
Modul bezeichnet denn auch mehr eine logische denn eine physische Einheit. Es sind
auch andere Anordnungen der Basiseinheiten als die in Fig.3 dargestellte denkbar.
Es können auch mehrere Modultypen eingesetzt werden, insbesondere ist es denkbar,
für die erste und/oder letzte Leiterbahn einer Wicklung eine unterschiedliche Gesamtleiterbahnbreite
oder eine andere Strukturierung, beispielsweise weniger und dafür breitere Windungen,
zu wählen.
[0022] Die induktive Impedanz eines Transformators wird hauptsächlich durch das Volumen
der Bereiche mit hohen magnetischen Feldern bestimmt, wobei sie quadratisch mit der
Feldstärke steigt. Bei klassischen, gewickelten Transformatoren ist der radiale Abstand
zwischen der hohlzylinderförmigen Niederspannungs- und der dazu koaxialen Hochspannungsspule
massgebend. In einem Modul nach Fig.2 finden sich wegen des im Schnitt angedeuteten
gegensinnigen Umlaufsinns der Ströme in den Hoch- und Niederspannungsleiterbahnen
hohe magnetische Felder nur zwischen den Leiterbahnen, d.h. im Bereich des Isolationselementes
11, sowie im unmittelbar daran anschliessenden Bereich der Leiterbahnen. Der gewünschte
Effekt wird allerdings nur dann erreicht, falls bei konstanter Stromdichte die Gesamtquerschnittsflächen
von Hoch- und Niederspannungsleiterbahnen unabhängig von der jeweiligen Unterteilung
in Windungen gleich gross sind. Durch die verschachtelte Anordnung mehrerer Module
wie in Fig.3 werden die ausserhalb der Module, d.h. im Bereich der Abstandselemente
12, liegenden restlichen Streufelder zusätzlich reduziert. Wird die Dicke des Isolationselementes
11 auf den dielektrischen Minimalwert eingestellt, lassen sich Streuimpedanzen von
einem Prozent oder weniger realisieren. Soll aber im Gegensatz dazu eine im konventionellen
Rahmen liegende Impedanz erreicht werden, kann der Abstand zwischen Hoch- und Niederspannungsleiterbahnen
grösser gewählt oder durch eine weniger verschachtelte Anordnung der Leiterbahnen
auf die feldkompensierende Modulbildung gemäss Fig.2 ganz verzichtet werden.
[0023] Ein weiteres Kriterium sind die Ohm'schen Verluste und die durch die zeitabhängigen
Magnetfelder im Leiter selbst hervorgerufenen Wechselstromverluste. Letztere hängen
mindestens linear von der Magnetfeldamplitude ab und heissen auch Wirbelstromverluste
in metallischen Leitern und Hystereseverluste in Supraleitern und treten dort auch
dann auf, wenn die Wechselstromamplitude unterhalb der kritischen Gleichstromstärke
liegt. Bei flachen Leiterbahnen wie im vorliegenden Fall sind hauptsächlich die Magnetfeldkomponenten
senkrecht zur Ebene dieser Leiterbahnen wichtig. Falls nun im Modul nach Fig.2 der
Betrag der Flächenstromdichte lokal in der Hoch- und der Niederspannungsleiterbahn
gleich ist und somit beide Leiterbahnen dieselbe Gesamtleiterbahn- oder Ringbreite
B aufweisen, werden auch die genannten senkrechten Magnetfeldkomponenten in den Leitern
selber maximal kompensiert und die Verluste weiter eingeschränkt. Eine maximale Reduktion
der Verluste in den Leitern gemäss Fig.3 hat somit immer auch eine Verringerung der
Felder zwischen den Leiterbahnen und damit eine niedrige Kurzschlussimpedanz der Transformatorwicklung
zur Folge.
[0024] Für eine weitere Reduktion der genannten Wechselstromverluste können zumindest die
Niederspannungsleiter in mehrere parallelgeführte Teilleiter unterteilt werden. Um
einer die Verluste erhöhenden Asymmetrie in den Magnetfeldern und der Stromverteilung
in den Teilleitern vorzubeugen, benötigt eine derartige Parallelführung aber eine
Transponierung der Teilleiter, d.h. ein Vertauschen eines inneren mit einem äusseren
oder eines oberen mit einem unteren Teilleiter. Diese Transponierung erfolgt geeigneterweise
bei den Verbindungselementen 4, d.h. beim Übergang von einem Modul zum nächsten.
[0025] Die genannten Leiterbahnen können sowohl metallische Leiter, beispielsweise Cu oder
Al, wie auch hochtemperatursupraleitende Materialien umfassen. Hochtemperatursupraleiter
sind keramische Werkstoffe, welche unterhalb einer kritischen Temperatur T
C für Ströme unterhalb eines kritischen Stromes I
C einen vernachlässigbaren Gleichstromwiderstand aufweisen. Dünne einkristalline oder
hochtexturierte supraleitende Schichten werden mittels Vakuumverfahren wie beispielsweise
PVD (Physical Vapor Deposition), CVD (Chemical Vapor Deposition), IBAD (Ion Beam Assisted
Deposition), ISD (Inclined Substrate Deposition), PLD (Pulsed Laser Deposition) oder
EBE (Electron Beam Evaporation) oder alternativ dazu über sogenannte Sol-Gel Prozesse
wie LPE (Liquid Phase Epitaxy) auf ein Substrat aufgewachsen. Die Schichtdicken betragen
beispielsweise für Supraleiter der YBCO-Familie auf einem Substrat aus Saphir weniger
als 5 µm. Diese Verfahren zur Aufbringung einer dünnen supraleitenden Schicht erlauben
im Zusammenwirken mit einer geeigneten Maskentechnik gleichzeitig die Ausgestaltung
einer zweidimensionalen Struktur.
[0026] Polykristalline schmelzprozessierte Supraleiter vom Typ Bi
2Sr
2CaCu
2O
8 sind zwischen 50 und 5000 um dick und werden häufig durch einen Träger in Form eines
Glasfaserkunststoffes mechanisch gestützt und geschützt. Normalerweise werden die
Hochtemperatursupraleiter noch durch einen elektrisch parallelgeschalteten normalleitenden
Bypass elektrisch stabilisiert.
[0027] Aus einer durchgehenden, normal- oder hochtemperatursupraleitenden Schicht können
mittels verschiedener Verfahren Strukturen wie beispielsweise eine Spirale herausgearbeitet
werden. Dazu gehören Ätzverfahren, bei welchen durch Öffnungen in einer Maske aus
einem geeigneten Photoresist die darunterliegende leitende Schicht zumindest teilweise
abgetragen wird. Andere Verfahren zur selektiven Materialabtragung sind Wasserstrahlschneiden,
Laserschneiden, Fräsen oder Stanzen. Die zu erstellende Struktur kann rechtekkig oder
rund sein, weist eine zentrale Öffnung für den Transformatorkern auf und wird vorzugsweise
per CAD definiert und per CAM realisiert. Anschliessend werden die radial versetzten
Windungen einer Leiterbahn mittels eines Lackes elektrisch voneinander isoliert. Die
erhaltene Leiterbahn wird anschliessend auf ein Isolations- oder Abstandselement gepresst
oder geklebt. Eine supraleitende Schicht kann direkt auf ihrem Substrat oder Träger
strukturiert werden, wobei Letztere die Funktion eines Isolations- oder Abstandselementes
übernehmen.
[0028] Beim Design eines Transformators müssen auf viele Bedingungen und Parameter Rücksicht
genommen werden. So gilt es abzuwägen zwischen den Verlusten im Leiter und denjenigen
im Eisenkern, zwischen Leiterlänge und Leiterquerschnitt. Als Material für das Isolationselement
geeignet sind beispielsweise Pressboard oder Polymere wie Polyethylen, Polypropylen,
Polyprolen, Polyvinilchlorid oder Polyethylenterephthalat mit Durchbruchfeldstärken
in der Grössenordnung von 10 kV/mm und mittleren Kriechstromfeldstärken in der Grössenordnung
von 0.1 bis 2 kV/mm. Ein numerisches Ausführungsbeispiel basierend auf einer mittleren
Kriechstromfeldstärke von 0.5 kV/mm erlaubt einen Vergleich zwischen einem konventionellen,
gewickelten Transformator und zwei erfindungsgemässen, modularen Transformatoren gleicher
Leistung mit Leiterbahnen aus Kupfer beziehungsweise einem Hochtemperatursupraleiter:
|
Modularer Transformator mit supraleitenden Leiterbahnen |
Modularer Transformator mit Cu Leiterbahnen |
Konventioneller Transformator |
Leistung [MVA] |
50 |
50 |
50 |
Spannung [kV] |
110/18 |
110/18 |
110/18 |
Strom [A] |
262/1604 |
262/1604 |
262/1604 |
Anzahl Windungen |
489/80 |
489/80 |
642/105 |
Anzahl Module |
30 |
20 |
- |
Volumen [m3] |
4 |
4 |
5.0 |
Radius [m] |
0.9 |
0.8 |
0.5 |
Höhe [m] |
0.5 |
0.7 |
1.8 |
Stromdichte [A/mm2] |
30.0/30.0 |
2.0/2.0 |
2.26/2.45 |
Verluste total [kW] |
138 |
164 |
166 |
Induktivität XCC [%] |
0.1 |
0.3 |
9.8 |
[0029] Im Idealfall müssen nur die unstrukturierten leitenden Schichten an Lager gehalten
werden. Je nach Auftrag und Spezifikation des Transformators können daraus die gewünschten
Strukturen, d.h. die Anzahl der Windungen der spiralförmigen Leiterbahn, herausgearbeitet
werden. Anschliessend werden die Leiterbahnen zusammen mit den Abstands- und Isolationselementen
in der gewünschten Reihenfolge aufeinandergestapelt, eine Arbeit, welche geeigneterweise
einem Roboter übertragen werden kann, und elektrisch verbunden. Der Anteil an manuellen
Arbeiten und damit die Herstellungskosten können durch das erfindungsgemässe Verfahren
signifikant gesenkt werden.
BEZUGSZEICHENLISTE
[0030]
- 1
- Leiterbahnen
- 11
- Isolationselement
- 12
- Abstandselement
- 13
- Kriechstrompfad
- 2
- Leiterbahnen
- 21
- Hochspannungsleiterbahn
- 22
- Niederspannungsleiterbahn
- 3
- Transformatorkern
- 31
- Transformatorachse
- 4
- Verbindungselement
1. Transformatorwicklung, welche um eine Transformatorachse (31) zentriert und für ein
Übersetzungsverhältnis N von Hoch- zu Niederspannung ausgelegt ist, mit
a) einer Hochspannungswicklung umfassend mehrere untereinander über Verbindungselemente
(4) elektrisch verbundene und senkrecht zur Achse (31) ausgerichtete Hochspannungsleiterbahnen
(21),
b) einer Niederspannungswicklung umfassend mehrere untereinander über Verbindungselemente
(4) elektrisch verbundene und senkrecht zur Achse (31) ausgerichtete Niederspannungsleiterbahnen
(22),
c) plattenförmigen elektrischen Isolationselementen (11) zwischen jeweils einer Niederspannungsleiterbahn
(22) und einer benachbarten Hochspannungsleiterbahn (21),
d) Abstandselementen (12) zwischen jeweils zwei benachbarten Niederspannungsleiterbahnen
(22,22') und zwischen jeweils zwei benachbarten Hochspannungsleiterbahnen.
2. Transformatorwicklung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Abstandselemente (12) mehrere Teilelemente umfassen oder Aussparungen aufweisen,
in welchen eine Kühlflüssigkeit zirkulieren kann.
3. Transformatorwicklung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Transformatorachse (31) vertikal ausgerichtet ist und die Leiterbahnen (21,22)
übereinander angeordnet sind.
4. Transformatorwicklung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass alle Niederspannungsleiterbahnen (22) und alle Hochspannungsleiterbahnen (21) jeweils
dieselbe Form und Strukturierung aufweisen.
5. Transformatorwicklung nach Anspruch 1, wobei gleich viele Niederspannungsleiterbahnen
wie Hochspannungsleiterbahnen vorgesehen sind, dadurch gekennzeichnet, dass zu jeder Niederspannungsleiterbahn (22) eine Hochspannungsleiterbahn (21) benachbart
ist und mit Ersterer unter Einschluss des Isolationselementes (11) ein Modul bildet,
dass in jedem derartigen Modul in der Hochspannungsleiterbahn (21) und in der Niederspannnungsleiterbahn
(22) zumindest annäherungsweise gleich grosse Gesamtstromstärken fliessen, und dass
die magnetischen Felder ausserhalb der Module durch die Ströme in den Leiterbahnen
der Module kompensiert sind.
6. Transformatorwicklung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass für jedes Modul die Gesamtbreite der Niederspannungsleiterbahn (22) zumindest annäherungsweise
gleich der Gesamtbreite der Hochspannungsleiterbahn (21) ist.
7. Transformatorwicklung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass alle Hochspannungsleiterbahnen und alle Niederspannnungsleiterbahnen in Serie geschaltet
sind und dass für jedes Modul das Verhältnis der Anzahl Windungen der Hochspannungsleiterbahn
(21) zur Anzahl Windungen der Niederspannungsleiterbahn (22) zumindest annäherungsweise
gleich dem Übersetzungsverhältnis N ist.
8. Transformatorwicklung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass alle Niederspannungsleiterbahnen und alle Hochspannungsleiterbahnen jeweils dieselbe
Form und Strukturierung aufweisen und dass jede Niederspannungsleiterbahn mit einer
weiteren Niederspannungsleiterbahn benachbart ist.
9. Transformatorwicklung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass insbesondere die Niederspannungsleiterbahnen in mindestens zwei elektrisch und geometrisch
parallel geführte Teilleiterbahnen unterteilt sind, und dass die Teilleiterbahnen
in den Verbindungselementen (4) transponiert werden.
10. Verfahren zur Herstellung einer Transformatorwicklung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die spiralförmigen Nieder- und Hochspannungsleiterbahnen aus einer durchgehenden,
elektrisch leitenden Schicht herausstrukturiert werden und anschliessend senkrecht
zur Transformatorachse (31) angeordnet und untereinander elektrisch verbunden werden.