[0001] Die Erfindung betrifft einen Doppelsiebformer zur Herstellung einer Faserstoffbahn,
insbesondere einer Papier-, Karton- oder Tissuebahn, aus einer Faserstoffsuspension
gemäß den Merkmalen des Oberbegriffs des Anspruchs 1. Diese Art eines Doppelsiebformers
wird in Fachkreisen allgemein als "Roll-Blade-Former" bezeichnet.
[0002] Ein derartiger Doppelsiebformer zur Herstellung einer Papierbahn, insbesondere aus
Feinpapier, ist aus PCT-Offenlegungsschrift WO 97/47803 bekannt. Der offenbarte Doppelsiebformer
weist einen demselben vorgeschalteten Stoffauflauf mit mehreren Trennelementen in
seiner Stoffauflaufdüse und eine bevorzugterweise besaugte Formierwalze mit einem
Formierwalzen-Durchmesser von ≥ 1.4 m und einem Formierwalzen-Umschlingungswinkel
von < 25° auf. Weiterhin sind in einer der Formierwalze nachgeschalteten und gekrümmten
Doppelsiebzone Mittel zum Einbringen von pulsierenden Druckeffekten in die entstehende
Papierbahn angebracht.
[0003] Weiterhin ist aus der europäischen Patentanmeldung EP 0 627 523 A1 ein eingangs genannter
Doppelsiebformer zur Herstellung einer Papierbahn, insbesondere aus SC-Papier, bekannt.
Eine Faserstoffsuspension wird dabei auf einer ersten Formierwalze in einem Formierbereich
vorentwässert und nachfolgend auf einen gekrümmten Formierschuh mit einem Radius von
2 m bis 8 m geführt und weiters entwässert. Anschließend ist mindestens eine Entwässerungseinheit
mit Entwässerungsmitteln angebracht. Der Endbereich der Doppelsiebzone weist eine
zweite Formierwalze mit mindestens einer Saugzone auf, in deren Bereich das Obersieb
des Doppelsiebformers von der entstehenden Papierbahn getrennt und mittels einer Führungsrolle
weggeführt wird.
[0004] Den beiden genannten Doppelsiebformern ist gemeinsam, dass der Entwässerungsanteil
auf der Formierwalze oder im Bereich des Formierbereichs größer 70% ist.
Da überdies erhebliche Teile der Papierbahnen ohne Gegenwart von Druckpulsationen
formiert werden, ist bei schwer zu formierenden Faserstoffsuspensionen eine nur durchschnittliche
Formationsqualität unvermeidbar.
Nachteilhaft ist weiterhin, dass beide Doppelsiebformer eine sehr lange Freistrahlstrecke
(Abstand Stoffauflaufdüse - Strahlauftreffpunkt), beispielsweise von mehr als 400
mm, aufweisen, die sich negativ auf die Bahnqualität, sowohl in Maschinenrichtung
(MD-Richtung) als auch in Maschinenquerrichtung (CD-Richtung), auswirkt.
Für die optimale Blattqualität muss auf eine bestimmte Leistenentwässerung besonders
geachtet werden. Dies erfordert eine sehr genaue Dimensionierung des Formierwinkels,
da pro Winkelgrad große Menge entwässert werden. Die optimale Formierwalzen-Umschlingung
muss im Regelfall erst durch kostenmäßig aufwendige und zeitintensive Pilotversuche
ermittelt werden. Da der Formierwalzen-Umschlingungswinkel immer auf Papiersorte,
Bahngewicht und Maschinengeschwindigkeit abzustimmen ist, führt bereits eine kleine
Änderung eines Parameters schon zu größeren Auswirkungen, die dann aufwendig neutralisiert
werden müssen.
Muss das Blattbildungssystem einen größeren Gewichtsbereich (spezifische Produktionsmenge
P) abdecken, was bei Produktionsanlagen immer der Fall ist, so verlässt bei Sortenumstellungen
der Arbeitspunkt den optimalen Arbeitsbereich. Bei oben angeführten Doppelsiebformern
muss dann in nachteilhafter Weise der Durchsatz an Faserstoffsuspension durch den
Stoffauflauf erhöht werden, um wieder in das optimale Arbeitsfenster zu kommen.
[0005] Es ist also Aufgabe der Erfindung, einen Doppelsiebformer der eingangs genannten
Art derart zu verbessern, dass die vorgenannten Nachteile des Stands der Technik vermieden
werden und dass besonders schwer zu formierende Faserstoffsuspensionen mit einem hohen
Langfaseranteil, beispielsweise Papiere, optimal Verwendung finden können.
[0006] Diese Aufgabe wird bei einem Doppelsiebformer der eingangs genannten Art erfindungsgemäß
dadurch gelöst,
- dass die rotierende Formierwalze ein offenes Volumen (Speichervolumen) aufweist und
unbesaugt ist,
- dass die rotierende Formierwalze einen Formierwalzen-Durchmesser kleiner 1.400 mm
besitzt,
- dass die rotierende Formierwalze einen Formierwalzen-Umschlingungswinkel kleiner 7°
aufweist und
- dass der rotierenden Formierwalze - in Sieblaufrichtung gesehen - unmittelbar ein
Formiersauger nachgeordnet ist.
- dass die Faserstoffsuspension im Bereich des keilförmigen Einlaufspalts eine Stoffdichte
zwischen 0,4 % und 2,0 %, vorzugsweise zwischen 0,6 % und 1,5 %, aufweist.
[0007] Durch die Kombination dieser Merkmale in einem Doppelsiebformer wird die initiale
Entwässerung (Verweilzeit) auf der Formierwalze beziehungsweise durch Entwässerungsmenge
auf ein Minimum reduziert, wobei das Minimum kleiner 30% bezogen auf den Durchsatz
an im Bereich des keilförmigen Einlaufspalts eine Stoffdichte zwischen 0,4 % und 2,0
%, vorzugsweise zwischen 0,6 % und 1,5 %, aufweisenden Faserstoffsuspension durch
den Stoffauflauf ist. Erreicht wird dies durch den maximalen Formierwalzen-Durchmesser
von 1.400 mm und durch den maximalen Formierwalzen-Umschlingungswinkel von 7°. Der
maximale Formierwalzen-Durchmesser von 1.400 mm und der maximale Formierwalzen-Durchmesser
von 7° bedingen eine stark reduzierte Verweilzeit auf der Formierwalze.
Überdies gewährleistet die minimale initiale Entwässerung auf der Formierwalze eine
unkritische Positionierung des Stoffauflaufstrahls (Strahleinschuss).
Der Stoffauflauf, in dessen Stoffauflaufdüse erfindungsgemäß mindestens ein maschinenbreites
Trennelement, insbesondere eine Lamelle, angebracht ist, erzeugt aufgrund seiner Ausgestaltung
einen hochqualitativen Stoffauflaufstrahl, der wiederum die Verwendung von besonders
schwer zu formierenden Faserstoffsuspensionen mit einem hohen Langfaseranteil, beispielsweise
Papiere, in dem erfindungsgemäßen Doppelsiebformer ermöglicht, ja sogar optimal begünstigt.
[0008] Die Oberfläche der Formierwalze mit offenem Volumen ist gerillt und/oder gebohrt
und/oder gesenkt oder aus einer Wabenkonstruktion aufgebaut. Diese Gestalten sind
kostengünstig herzustellen und beeinflussen die Festigkeit und die Betriebssicherheit
der je nach Anwendungsfall bis zu 10 m breiten Formierwalze nicht negativ.
[0009] Um die Entwässerungskapazität des erfindungsgemäßen Doppelsiebformers wesentlich
zu erhöhen, ist dem Formiersauger - in Sieblaufrichtung gesehen - mindestens ein weiterer
Formiersauger nachgeschaltet.
Um eine möglichst symmetrische Bahnqualität zu erzielen, sind die Formiersauger gegenseitig
angebracht sind, wobei die Formiersauger - in Sieblaufrichtung gesehen - einen Abstand
voneinander aufweisen können.
[0010] Unter technologischen und qualitativen Aspekten ist es vorteilhaft, wenn der mindestens
eine Formiersauger eine gekrümmte Saugerfläche mit einem Krümmungsradius von 1.500
mm bis 10.000 mm, insbesondere von 2.000 mm bis 5.000 mm, aufweist.
[0011] Der mindestens eine Formiersauger weist wenigstens eine Saugkammer auf, deren Unterdruck
vorzugsweise mittels einer kontrollierbaren Unterdruckquelle steuerbar/regelbar ist.
Damit wird die Einstellung optimaler Betriebsbedingungen im Bereich des Formiersaugers
ermöglicht, ja sogar wesentlich gefördert.
[0012] Um die Entwässerungskapazität des erfindungsgemäßen Doppelsiebformers bei Erzielung
guter Bahnqualitäten ein weiteres Mal merklich zu erhöhen, sind gegenüber dem mindestens
einen Formiersauger eine Vielzahl von Formierleisten angebracht. Erfindungsgemäß ist
zumindest eine der Formierleisten nachgiebig abgestützt und/oder ist zumindest eine
der Formierleisten fest abgestützt, wobei deren Grundposition relativ zum ihrem Siebband
einstellbar ist, beispielsweise durch Verschieben oder Verschwenken.
[0013] Weiterhin ist dem mindestens einen Formiersauger - in Sieblaufrichtung gesehen -
mindestens ein Nasssauger nachgeschaltet. Bevorzugterweise ist der Nasssauger mit
Unterdruck beaufschlagt, wobei der Unterdruck mittels einer kontrollierbaren Unterdruckquelle
steuerbar/regelbar ist. Damit wird die Einstellung optimaler Betriebsbedingungen im
Bereich des Nasssaugers ermöglicht, ja sogar wesentlich gefördert.
[0014] Um die räumlichen Dimensionen des erfindungsgemäßen Doppelsiebformers so gering wie
möglich zu halten, ist dem Trennelement - in Sieblaufrichtung gesehen - eine Umlenkwalze
vorgeschaltet, die die tatsächliche horizontale und/oder vertikale Länge der Doppelsiebzone
in einem bestimmten Maße reduziert.
[0015] Um die nach der Trennung von Ober- und Untersieb auf einem Siebband aufliegende Faserstoffbahn
weiterhin bearbeiten zu können, ist dem Trennelement - in Sieblaufrichtung gesehen
- mindestens ein Flachsauger und eine Siebsaugwalze nachgeschaltet. Damit kann der
Entwässerungsgrad der Faserstoffbahn weiterhin erhöht werden.
[0016] Weiterhin ist es bei der Verwendung von holzfreien Faserstoffsuspensionen von Vorteil,
wenn in der Stoffauflaufdüse des Stoffauflaufes mindestens ein maschinenbreites Trennelement,
insbesondere eine Lamelle, angebracht ist.
[0017] Die Doppelsiebzone des erfindungsgemäßen Doppelsiebformers kann in Sieblaufrichtung
in erster Ausführung im wesentlichen vertikal von unten nach oben, vorzugsweise mit
einer vertikalen Auslenkung zur Vertikalen von -15° bis +15°, insbesondere von -5°
bis +5°, und in zweiter Ausführung von unten nach oben mit einer Neigung gegenüber
der Horizontalen von ungefähr 5° bis 45° ansteigen. In weiterer Ausführung kann die
Doppelsiebzone bei geneigter Ansteigung im Endbereich von oben nach unten abfallen.
Diese Ausführungen stellen die bekannten Möglichkeiten des Stands der Technik dar
und haben sich in der Praxis bereits vielfach bewährt.
[0018] Es versteht sich, dass die vorstehend genannten und nachstehend noch zu erläuternden
Merkmale der Erfindung nicht nur in der jeweils angegebenen Kombination, sondern auch
in anderen Kombinationen oder in Alleinstellung verwendbar sind, ohne den Rahmen der
Erfindung zu verlassen.
[0019] Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen
und der nachfolgenden Beschreibung bevorzugter Ausführungsbeispiele unter Bezugnahme
auf die Zeichnung.
[0020] Es zeigen
- Figuren 1 bis 4:
- verschiedene Ausführungsformen des erfindungsgemäßen Doppelsiebformers in schematischer
Seitenansicht; und
- Figuren 5 und 6:
- zwei Diagramme über das Betriebsverhalten für Faserstoffsuspensionen bei einem konventionellen
Roll-Blade-Formerkonzept.
[0021] Die Figur 1 zeigt eine erste Ausführungsform des erfindungsgemäßen Doppelsiebformers
1 in schematischer Seitenansicht.
Zwei endlose Siebbänder (Untersieb 2 und Obersieb 3) bilden miteinander eine Doppelsiebzone
5. In einem Anfangsbereich der Doppelsiebzone 5, in dem die beiden Siebbänder 2, 3
über ein Entwässerungselement in Form einer rotierenden Formierwalze 6 laufen, bilden
die beiden Siebbänder 2, 3 an der Formierwalze 6 miteinander eine keilförmigen Einlaufspalt
7 ("Gap-Former"), der unmittelbar von einem schräg nach links oben angeordneten und
nur teilweise dargestellten Stoffauflauf 8 die Faserstoffsuspension 9 aufnimmt. In
einem Mittelbereich der Doppelsiebzone 5 laufen die beiden Siebbänder 2, 3 mit der
sich dazwischen bildenden Faserstoffbahn 4 über eine Mehrzahl von weiteren Entwässerungs-
und Formierelementen 10 und in einem Endbereich der Doppelsiebzone 5 - in Sieblaufrichtung
S (Pfeil) gesehen - laufen die beiden Siebbänder 2, 3 über ein Trennelement 11 in
Form einer Siebsaugwalze 12, die das Obersieb 3 von der gebildeten Faserstoffbahn
4 und dem Untersieb 3 trennt.
Erfindungsgemäß ist nun vorgesehen, dass die rotierende Formierwalze 6 ein offenes
Volumen (Speichervolumen) aufweist und ist unbesaugt.
Weiterhin besitzt die rotierende Formierwalze 6 erfindungsgemäß einen Formierwalzen-Durchmesser
D
F kleiner 1.400 mm und weist einen Formierwalzen-Umschlingungswinkel α kleiner 7° auf.
[0022] Überdies ist erfindungsgemäß vorgesehen, dass der rotierenden Formierwalze 6 - in
Sieblaufrichtung S gesehen - unmittelbar ein Formiersauger 15.1, vorzugsweise auf
Seite der Formierwalze, nachgeordnet ist.
Auch weist die Faserstoffsuspension 9 im Bereich des keilförmigen Einlaufspalts 7
erfindungsgemäß eine Stoffdichte zwischen 0,4 % und 2,0 %, vorzugsweise zwischen 0,6
% und 1,5 %, auf.
[0023] Das offene Volumen der Formierwalze 6 ist der Gestalt, dass ihre Oberfläche gerillt
und/oder gebohrt und/oder gesenkt oder aus einer Wabenkonstruktion aufgebaut ist.
Da diese Gestalten zum Stand der Technik gehören und somit dem Fachmann bekannt sind,
wird von ihrer detaillierten Darstellung abgesehen.
Dem ersten Formiersauger 15.1 ist außerdem - in Sieblaufrichtung S gesehen - ein weiterer
Formiersauger 15.2 nachgeschaltet, wobei die Formiersauger 15.1, 15.2 gegenseitig
und in einem Abstand voneinander angebracht sind.
Die Formiersauger 15.1, 15.2 weisen eine gekrümmte Saugerfläche 16 mit einem Krümmungsradius
R
K (Pfeil) von 1.500 mm bis 10.000 mm, insbesondere von 2.000 mm bis 5.000 mm, auf.
Der erste Formiersauger 15.1 weist mindestens eine Saugkammer 17.1, die zweite Formiersauger
15.2 weist zwei Saugkammern 17.21, 17.22 auf, deren Unterdrücke mittels je einer kontrollierbaren
Unterdruckquelle 18.1, 18.2 steuerbar/regelbar sind.
Weiterhin sind erfindungsgemäß gegenüber der ersten Saugkammer 17.21 des zweiten Formiersaugers
15.2 eine Vielzahl von Formierleisten 19 angebracht.
Zumindest eine der Formierleisten 19 ist nachgiebig abgestützt oder zumindest eine
der Formierleisten 19 ist fest abgestützt, wobei deren Position relativ zum Obersieb
3 einstellbar ist, beispielsweise durch Verschieben oder Verschwenken. Ferner weist
der Stoffauflauf 8 eine Stoffauflaufdüse 13 auf, in welcher mindestens ein maschinenbreites
Trennelement 14, insbesondere eine Lamelle, angebracht ist, wobei in Figur 1 zwei
Trennelemente 14 dargestellt sind. Dieses Trennelement 14 kann über die Maschinenbreite
hinweg sektioniert aufgeführt und in seiner Wirklänge innerhalb der Stoffauflaufdüse
13 mittels eines Mechanismuses samt Steuereinheit/Regeleinheit verschiebbar ausgeführt
sein. Die Verwendung mindestens eines Trennelements 14 empfiehlt sich insbesondere
bei der Verwendung von holzfreien Faserstoffsuspension.
Die Doppelsiebzone 5 des erfindungsgemäßen Doppelsiebformers 1 steigt in Sieblaufrichtung
S im wesentlichen vertikal von unten nach oben an, wobei die vertikale Auslenkung
A
V zur Vertikalen V einen Wert von -15° bis +15°, insbesondere von -5° bis +5°, annimmt.
[0024] Eine zweite, der ersten Ausführungsform prinzipiell ähnelnde Ausführungsform des
erfindungsgemäßen Doppelsiebformers 1 in schematischer Seitenansicht zeigt Figur 2.
Somit wird auf die Figur 1 Bezug genommen beziehungsweise verwiesen.
Erfindungsgemäß ist vorgesehen, dass dem ersten, am Untersieb 2 wirkenden Formiersauger
15.1 - in Sieblaufrichtung S gesehen - ein am Obersieb 3 wirkender Nasssauger 20 nachgeschaltet
ist. Der Formiersauger 15.1 weist drei Saugkammern 15.11, 15.12, 15.13 auf, wobei
der Unterdruck mittels einer kontrollierbaren Unterdruckquelle 18.3 steuerbar/regelbar
ist. Der Nasssauger 20 hingegen weist nur eine mit Unterdruck beaufschlagte Saugkammer
20.1 auf, wobei der Unterdruck mittels einer kontrollierbaren Unterdruckquelle 18.4
steuerbar/regelbar ist.
Überdies sind gegenüber der drei Saugkammern 15.11, 15.12, 15.13 des Formiersaugers
15.1 eine Vielzahl von Formierleisten 19 angebracht.
Der in Figur 2 nur teilweise dargestellte Stoffauflauf 8 weist kein maschinenbreites
Trennelement, insbesondere eine Lamelle, auf.
[0025] Die Figuren 3 und 4 zeigen eine dritte und vierte Ausführungsform des erfindungsgemäßen
Doppelsiebformers 1 in schematischer Seitenansicht. Da der jeweilige prinzipielle
Aufbau wiederum der Ausführungsform der Figur 1 ähnelt, wird auf dieselbe Bezug genommen
beziehungsweise verwiesen.
[0026] In beiden Figuren ist erfindungsgemäß vorgesehen, dass die Doppelsiebzone 5 in Sieblaufrichtung
S von unten nach oben mit einer Neigung N gegenüber der Horizontalen H von ungefähr
5° bis 45° ansteigt, wobei in Figur 3 der nur teilweise dargestellte Stoffauflauf
8 schräg nach rechts unten und in Figur 4 schräg nach rechts oben angeordnet ist.
Weiterhin weisen die Doppelsiebformer 1 beider Figuren je zwei der rotierenden Formierwalze
6 - in Sieblaufrichtung S gesehen - unmittelbar nachgeordnete Formiersauger 15.1,
15.2 auf: In Figur 3 zuerst ein am Untersieb 2 angeordneter Formiersauger 15.1 und
danach ein am Obersieb 3 angeordneter, mit gegenüberliegenden Formierleisten 19 versehener
Formiersauger 15.2, in Figur 4 hingegen zuerst ein am Obersieb 3, mit gegenüberliegenden
Formierleisten 19 versehener Formiersauger 15.1 und danach ein am Untersieb angeordneter
Formiersauger 15.2.
In Figur 3 ist dem zweiten Formiersauger 15.2 - in Sieblaufrichtung S gesehen - eine
Umlenkwalze 21 nachgeschaltet, die die Doppelsiebzone 5 im Endbereich von oben nach
unten abfallen lässt. Der Umlenkwalze 21 ist ein Trennelement 11 in Form eines Trennsaugers
22 nachgeordnet, die das Obersieb 3 von der gebildeten Faserstoffbahn 4 und dem Untersieb
2 trennt. Dem Trennsauger 22 ist ein Flachsauger 23 und eine Siebsaugwalze 12 nachgeschaltet,
wobei die Faserstoffbahn 4 von dem Untersieb 2 durch einen Filz 24 an einer folgenden
Pickup-Walze 25 abgenommen und dem weiteren Herstellungsprozess zugeführt wird.
In Figur 4 ist dem zweiten Formiersauger 15.2 - in Sieblaufrichtung S gesehen - ein
Trennelement 11 in Form einer Siebsaugwalze 12 nachgeschaltet, die das Obersieb 3
von der gebildeten Faserstoffbahn 4 und dem Untersieb 2 trennt.
Die jeweiligen Mittel zur Erzeugung der Unterdrücke sind in den Figuren 3 und 4 nicht
dargestellt.
[0027] Die Figur 5 zeigt ein Diagramm über das Betriebsverhalten für Faserstoffsuspensionen
bei einem konventionellen Roll-Blade-Formerkonzept.
Auf der Abszisse ist der Durchsatz D
S an Faserstoffsuspension durch den Stoffauflauf in [I/(min·m)], auf der Ordinate ist
die Formierschuh-Entwässerung E
F in [I/(min·m)] angegeben. Der Durchsatz D
S nimmt dabei einen Wertebereich von 8.500 [I/(min·m)] (linke Begrenzungsgerade) bis
18.380 [I/(min·m)] (rechte Begrenzungsgerade) an, wohingegen die Formierschuh-Entwässerung
E
F einen Wertebereich von 600 [I/(min·m)] (untere Begrenzungsgerade) bis 2.000 [I/(min·m)]
(obere Begrenzungsgerade) annimmt. Durch die Begrenzungsgeraden ergibt sich ein Arbeitsfenster,
in welchem der Roll-Blade-Former entlang einer Kurve K (Fettdruck) mit guten Ergebnissen
in einem größeren Gewichtsbereich (spezifische Produktionsmenge P) betrieben werden
kann. Sehr gute Ergebnisse, beispielsweise hinsichtlich der Blattbildung, des Roll-Blade-Formers
hingegen erhält man in einem optimalen Arbeitsfenster AF
opt, welches durch folgende Begrenzungsgeraden definiert wird: Durchsatz D
S mit den Begrenzungsgeraden bei 15.000 [I/(min·m)] und 18.380 [I/(min·m)] und Formierschuh-Entwässerung
E
F bei 1.300 [I/(min·m)] und 1.800 [I/(min·m)].
[0028] Die Figur 6 stellt das optimale Arbeitsfenster AF
opt der Figur 5 in vergrößerter Form dar, wobei der Arbeitspunkt AP im optimalen Arbeitsfenster
AF
opt liegt.
Bei einer Sortenumstellung verlässt nun der Arbeitspunkt AP das optimale Arbeitsfenster
AF
opt (vertikaler Pfeil nach unten) und liegt hernach nur noch auf der Kurve K' (gestrichelt)
des Arbeitsfensters AF bei schlechteren Ergebnissen Bei den bekannten und vorgenannten
Doppelsiebformern muss dann in nachteilhafter Weise der Durchsatz D
S an Faserstoffsuspension durch den Stoffauflauf erhöht werden (Pfeil schräg nach rechts
oben), um wieder in das optimale Arbeitsfenster zu kommen.
[0029] Zusammenfassend ist festzuhalten, dass durch die Erfindung ein Doppelsiebformer der
eingangs genannten Art geschaffen wird, der die vorgenannten Nachteile des Stands
der Technik gänzlich vermiedet und der besonders schwer zu formierende Faserstoffsuspensionen
mit einem hohen Langfaseranteil, beispielsweise Papiere, optimal Verwendung finden
lässt.
Bezugszeichenliste
[0030]
- 1
- Doppelsiebformer
- 2
- Untersieb (Siebband)
- 3
- Obersieb (Siebband)
- 4
- Faserstoffbahn
- 5
- Doppelsiebzone
- 6
- Formierwalze
- 7
- Einlaufspalt
- 8
- Stoffauflauf
- 9
- Faserstoffsuspension
- 10
- Entwässerungs- und Formierelemente
- 11
- Trennelement
- 12
- Siebsaugwalze
- 13
- Stoffauflaufdüse
- 14
- Trennelement
- 15.1, 15.2
- Formiersauger
- 15.11, 15.12, 15.13
- Saugkammer
- 16
- Saugerfläche
- 17.1, 17.21, 17.22
- Saugkammer
- 18.1, 18.2, 18.3, 18.4
- Unterdruckquelle
- 19
- Formierleiste
- 20
- Nasssauger
- 20.1
- Saugkammer
- 21
- Umlenkwalze
- 22
- Trennsauger
- 23
- Flachsauger
- 24
- Filz
- 25
- Pickup-Walze
- AFopt
- optimalen Arbeitsfenster
- AP
- Arbeitspunkt
- AV
- Vertikale Auslenkung
- DF
- Formierwalzen-Durchmesser
- DS
- Durchsatz
- EF
- Formierschuh-Entwässerung
- H
- Horizontale
- K, K'
- Kurve
- N
- Neigung
- P
- Spezifische Produktionsmenge
- RK
- Krümmungsradius
- S
- Sieblaufrichtung (Pfeil)
- V
- Vertikale
- α
- Formierwalzen-Umschlingungswinkel
1. Doppelsiebformer (1) zur Herstellung einer Faserstoffbahn (4), insbesondere einer
Papier-, Karton- oder Tissuebahn, aus einer Faserstoffsuspension (9) mit den folgenden
Merkmalen:
1.1 zwei endlose Siebbänder (Untersieb (2) und Obersieb (3)) bilden miteinander eine
Doppelsiebzone (5);
1.2 in einem Anfangsbereich der Doppelsiebzone (5), in dem die beiden Siebbänder (2,
3) über ein Entwässerungselement in Form einer rotierenden Formierwalze (6) laufen,
bilden die beiden Siebbänder (2, 3) an der Formierwalze (6) miteinander eine keilförmigen
Einlaufspalt (7) ("Gap-Former"), der unmittelbar von einem mit einer Stoffauflaufdüse
(13) versehenen Stoffauflauf (8) die Faserstoffsuspension (9) aufnimmt;
1.3 in einem Mittelbereich der Doppelsiebzone (5) laufen die beiden Siebbänder (2,
3) mit der sich dazwischen bildenden Faserstoffbahn (4) über eine Mehrzahl von weiteren
Formier- und Entwässerungselementen (10);
1.4 in einem Endbereich der Doppelsiebzone (5) - in Sieblaufrichtung (S) gesehen -
laufen die beiden Siebbänder (2, 3) über ein Trennelement (11) in Form einer Siebsaugwalze
(12) oder eines Trennsaugers (22), das eines der Siebbänder (2, 3) von der gebildeten
Faserstoffbahn (4) und dem anderen Siebband (2, 3) trennt;
dadurch gekennzeichnet,
1.5 dass die rotierende Formierwalze (6) ein offenes Volumen (Speichervolumen) aufweist
und unbesaugt ist;
1.6 dass die rotierende Formierwalze (6) einen Formierwalzen-Durchmesser (DF) kleiner 1.400 mm besitzt;
1.7 dass die rotierende Formierwalze (6) einen Formierwalzen-Umschlingungswinkel (α)
kleiner 7° aufweist;
1.8 dass der rotierenden Formierwalze (6) - in Sieblaufrichtung (S) gesehen - unmittelbar
ein Formiersauger (15.1) nachgeordnet ist; und
1.9 dass die Faserstoffsuspension (9) im Bereich des keilförmigen Einlaufspalts (7)
eine Stoffdichte zwischen 0,4 % und 2,0 %, vorzugsweise zwischen 0,6 % und 1,5 %,
aufweist.
2. Doppelsiebformer (1) nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Formierwalze (6) ein offenes Volumen (Speichervolumen) der Gestalt aufweist, dass
ihre Oberfläche gerillt und/oder gebohrt und/oder gesenkt ist.
3. Doppelsiebformer (1) nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Formierwalze (6) ein offenes Volumen (Speichervolumen) der Gestalt aufweist, dass
sie aus einer Wabenkonstruktion aufgebaut ist.
4. Doppelsiebformer (1) nach Anspruch 1, 2 oder 3,
dadurch gekennzeichnet, dass
dem Formiersauger (15.1) - in Sieblaufrichtung (S) gesehen - mindestens ein weiterer
Formiersauger (15.2) nachgeschaltet ist.
5. Doppelsiebformer (1) nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Formiersauger (15.1, 15.2) gegenseitig und in einem Abstand voneinander angebracht
sind.
6. Doppelsiebformer (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
der mindestens eine Formiersauger (15.1, 15.2) eine gekrümmte Saugerfläche (16) mit
einem Krümmungsradius (RK) von 1.500 mm bis 10.000 mm, insbesondere von 2.000 mm bis 5.000 mm, aufweist.
7. Doppelsiebformer (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
der mindestens eine Formiersauger (15.1, 15.2) wenigstens eine Saugkammer (15.11,
15.12, 15.13, 17.1, 17.21, 17.22) aufweist, deren Unterdruck mittels einer kontrollierbaren
Unterdruckquelle (18.1, 18.2, 18.3) steuerbar/regelbar ist.
8. Doppelsiebformer (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
gegenüber dem mindestens einen Formiersauger (15.1, 15.2) eine Vielzahl von Formierleisten
(19) angebracht sind.
9. Doppelsiebformer (1) nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet, dass
zumindest eine der Formierleisten (19) nachgiebig abgestützt ist.
10. Doppelsiebformer (1) nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet, dass
zumindest eine der Formierleisten (19) fest abgestützt ist, wobei deren Position relativ
zum ihrem Siebband (2, 3) einstellbar ist, beispielsweise durch Verschieben oder Verschwenken.
11. Doppelsiebformer (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
dem mindestens einen Formiersauger (15.1, 15.2)- in Sieblaufrichtung (S) gesehen -
mindestens ein Nasssauger (20) nachgeschaltet ist.
12. Doppelsiebformer (1) nach Anspruch 11,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Nasssauger (20) mit Unterdruck beaufschlagt ist, wobei der Unterdruck mittels
einer kontrollierbaren Unterdruckquelle steuerbar/regelbar ist.
13. Doppelsiebformer (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
dem Trennelement (11) - in Sieblaufrichtung (S) gesehen - eine Umlenkwalze (21) vorgeschaltet
ist
14. Doppelsiebformer (1) nach Anspruch 13,
dadurch gekennzeichnet, dass
dem Trennelement (11) - in Sieblaufrichtung (S) gesehen - mindestens ein Flachsauger
(23) und eine Siebsaugwalze (12) nachgeschaltet ist.
15. Doppelsiebformer (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
in der Stoffauflaufdüse (13) des Stoffauflaufes (8) mindestens ein maschinenbreites
Trennelement (14), insbesondere eine Lamelle, angebracht ist.
16. Doppelsiebformer (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Doppelsiebzone (5) in Sieblaufrichtung (S) im wesentlichen vertikal von unten
nach oben ansteigt.
17. Doppelsiebformer (1) nach Anspruch 16,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Doppelsiebzone (5) mit einer vertikalen Auslenkung (AV) zur Vertikalen (V) von -15° bis +15°, insbesondere von -5° bis +5°, ansteigt.
18. Doppelsiebformer (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche 1 bis 15,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Doppelsiebzone (5) in Sieblaufrichtung (S) von unten nach oben mit einer Neigung
(N) gegenüber der Horizontalen (H) von ungefähr 5° bis 45° ansteigt.
19. Doppelsiebformer (1) nach Anspruch 18,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Doppelsiebzone (5) im Endbereich von oben nach unten abfällt.