Technisches Gebiet
[0001] Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf das Gebiet der Datenübertragung, insbesondere
auf das Gebiet der Hochgeschwindigkeitsdatenübertragung. Sie betrifft ein Datenübertragungssystem
gemäss dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1.
Stand der Technik
[0002] Herkömmliche Hochgeschwindigkeitsdatenübertragungssysteme im Distanzbereich von bis
zu einigen Kilometern sind als Draht- oder Fiberoptikleitungleitung, oder aber als
Mikrowellen- rsp. generell als Funksystem realisiert.
Das Verlegen von neuen und der Unterhalt bestehender Draht- oder Fiberoptikleitungen
ist mit grossem Aufwand verbunden. Insbesondere in stark überbauten Gebieten verursacht
das Verlegen einer neuen Leitung oftmals beinahe unlösbare Probleme. Nicht selten
gilt es beispielsweise Strassen oder Eisenbahnschienen mit einer neuen Leitung zu
kreuzen, was meistens zur Folge hat, dass diese für einige Stunden oder Tage gesperrt
bleiben.
Für funkbasierte Datenübertragungssysteme sind an erhöhten Lagen oder in flacheren
Gebieten auf entsprechend hohen Masten Antennen angebracht. Diese stören das Landschaftsbild
und stossen wegen der Abstrahlung auf immer weniger Akzeptanz bei der Bevölkerung.
Rohrleitungen, sogenannte Pipelines, insbesondere zum Transportieren von gasförmigen
Stoffen, bilden weltweit ein riesiges und weitvermaschtes Netz. In der Nähe von grösseren
Ballungszentren ist die Dichte eines solchen Netzes sehr gross.
Aus US 5,994,984 ist ein System zur Benutzung von bestehenden Hohlleitungssystemen
eines Gebäudes, insbesondere Lüftungsrohre, zur effizienten Übertragung von elektromagnetischen
Wellen im Innern eines Gebäudes bekannt. Das System umfasst neben den Leitungen Antennen
zum Einspeisen der elektromagnetischen Wellen in die Leitungen. Durch Öffnungen in
den Lüftungsrohren gelangen die elektromagnetischen Wellen in verschiedene, durch
Wände getrennte Räume im Innern des Gebäudes. Diese Öffnungen in den Lüftungsrohren
hemmen die Ausbreitung der elektromagnetischen Wellen. Dadurch können keine grösseren
Distanzen überwunden werden, ohne die Wellen immer wieder zu verstärken.
Kurze Darstellung der Erfindung
[0003] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein Datenübertragungssystem zum Übertragen
von Daten zwischen mindestens zwei Datenendgeräten über ein Datenübertragungsmedium
gemäss dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1 zu schaffen, bei welchem das Datenübertragungsmedium
ohne die oben erwähnten Probleme neu verlegt und unterhalten werden kann.
Die Aufgabe wird gemäss dem unabhängigen Anspruch 1 gelöst.
Der Kern der Erfindung besteht darin, dass das Datenübertragungsmedium des Datenübertragungssystems
mit mindestens zwei Datenendgeräten, welche jeweils einen Modulator zum modulieren
der Daten auf eine elektromagnetische Welle und/oder einen Demodulator zum demodulieren
der Daten von einer elektromagnetischen Welle sowie eine Antenne zum Senden und/ oder
Empfangen von elektromagnetischen Wellen umfassen, als Wellenleiter in der Form einer
abgeschlossenen, zumindest abschnittsweise ein Fluid transportierenden Rohrleitungausgebildet
ist.
Erfindungsgemäss werden die bestehenden, zu einem dichten Netz zusammengeschlossenen,
nicht primär zur Datenübertragung vorgesehenen Rohrleitungen als Wellenleiter genutzt.
Dank der Nutzung bestehender Infrastruktur kann auf das Landschaftsbild negativ verändernde
Eingriffe und Bauten beim Verlegen und Unterhalten des Datenübertragungsmediums verzichtet
werden.
Besonders geeignet als Datenübertragungsmedium sind geschlossene Rohrleitungen oder
Rohrleitungssysteme mit einer metallenen Kapselung und/ oder einer gutleitenden Beschichtung
auf der Innenoberfläche. Dank der geringen Eindringtiefe und der hohen Leitfähigkeit
in der abgeschlossenen Kapselung ist eine optimale Ausbreitung der elektromagnetischen
Wellen bei geringen Verlusten gewährleistet. Zudem werden durch die abgeschlossene
Kapselung rsp. die Beschichtung externe Felder abgeschirmt, was einen sehr tiefen
Störpegel zur Folge hat.
Kurze Beschreibung der Zeichnung
[0004] Fig. 1 zeigt das erfindungsgemässe Datenübertragungssystem mit einer Rohrleitung.
Weg zur Ausführung der Erfindung
[0005] Eine mechanische Struktur, wie eine Rohrleitung oder Pipeline zum Transportieren
von Fluiden, wird im erfindungsgemässen Datenübertragungssystem als Datenübertragungsmedium
genutzt.
Fig. 1 zeigt eine solche Rohrleitung 1, welche ein Fluid 4 in eine gegebene Richtung
transportiert. Die Rohrleitung dient als Datenübertragungsmedium zum Übertragen von
Daten zwischen zwei Datenendgeräten 2 und 3. Mittels einer ersten Antenne 5 werden
die Daten vom ersten Datenengerät 2 ins Innere der Rohrleitung 1 als elektromagnetische
Wellen 4 eingekoppelt. Dabei wird das Datensignal in einem Modulator aufbereitet und
mit einem Hochfrequenzverstärker verstärkt. Die elektromagnetischen Wellen breiten
sich im Innern der Rohrleitung 1 aus. Mittels einer zweiten Antenne 5 und einem Hochfrequenzempfänger
werden die Daten vom zweiten Datenendgerät 2 aus dem Innern der Rohrleitung entkoppelt
und über einen Demodulator in das ursprüngliche Datensignal zurückgewandelt.
Das erfindungsgemässe Datenübertragungssystem funktioniert am besten mit elektrisch
leitenden, abgeschlossen gekapselten Rohrleitungen, welche Fluide mit niedrigem dielektrischen
Verlustfaktor transportieren. Als Fluide kommen beispielsweise Gase wie Erdgas oder
Luft, isolierende Flüssigkeiten oder sogar Feststoffe in Frage. Mit Leitungswasser
funktioniert das erfindungsgemässe Datenübertragungssystem allerdings nur sehr reduziert,
da die Dämpfungsverluste aufgrund der erhöhten spezifischen Leitfähigkeit vom Leitungswasser
zu hoch ausfallen um eine vernünftige Übertragungsreichweite zu erreichen.
Bei geschlossenen, elektrisch leitfähigen Rohrleitungen werden externe Felder nach
innen stark abgeschirmt, wodurch der Störpegel sehr tief ist. Die Empfangssensitivität
der Antennen kann somit sehr tief angesetzt werden, womit grosse Dämpfungen und somit
grosse Distanzen überwunden werden können. Ebenso kann mit den abgeschlossenen, elektrisch
leitenden Rohrleitungen eine grosse Leistung eingekoppelt werden, da die Abstrahlung
aus der Rohrleitung heraus sehr klein ist. Auch dies führt zur Überwindung von grossen
Dämpfungen und Distanzen.
Die Rohrleitungen weisen eine möglichst glatte Innenoberfläche auf (kleine elektrische
Eindringtiefe), um eine optimale Ausbreitung der Mikrowellen zu erwirken. Gegebenenfalls
kann die Innenoberfläche der Rohrleitungen entsprechend behandelt werden. Beispielsweise
durch Aufbringen einer Beschichtung aus einem Material mit kleiner Eindringtiefe und
hoher Leitfähigkeit wie etwa Aluminium oder Silber und/ oder durch Polieren. Eine
solche Behandlung führt zu reduzierten Verlusten.
Reduziert funktioniert das erfindungsgemässe Datenübertragungssystem auch mit elektrisch
nichtleitenden Rohrleitungen. Dabei werden unterschiedliche Dielektrizitätskonstanten
von Rohr und transportiertem Fluid genutzt. Allerdings kann es bei solchen Rohrleitungen
zu grossen Abstrahlungen kommen. Leitfähige Beschichtungen auf der Innenoberfläche
der Rohrleitung leisten diesem Problem Abhilfe. Die Beschichtungen können dabei flächendeckend,
oder an gegen Abstrahlung besonders empfindlichen Stellen aufgetragen werden.
Die Rohrleitungen haben einen runden Querschnitt. Dies ist jedoch für das Übertragen
von elektromagnetischen Wellen nicht von grösster Bedeutung. Andere Querschnitte,
insbesondere rechteckförmige können durchaus auch verwendet werden.
Der Bereich der möglichen Übertragungsfrequenzen ergibt sich aus den Dimensionen des
Rohrleitungsquerschnitts. Je grösser der Durchmesser des Rohrleitungsquerschnitts,
desto tiefer ist die untere Frequenzgrenze f
G (Grundmode), bei der die Datenübertragung noch funktioniert. Für einen runden Querschnitt
mit Durchmesser D ergibt sich als untere Frequenzgrenze

wobei c = 3·10
8 [m/s] (Lichtgeschwindigkeit).
[0006] Nach oben ist der Frequenzbereich hauptsächlich durch die Rauheit der inneren Oberfläche
der Rohrleitung beschränkt, welche über die frequenzabhängige Eindringtiefe die Ausbreitungscharakteristik
beeinflusst.
[0007] Für eine runde Rohrleitung mit einem Durchmesser von 0.25 m ergibt sich eine untere
Frequenzgrenze von ca. 700 MHz. Nach oben hin kann mit einer Frequenz von bis zu einigen
GHz gearbeitet werden. Daraus ergibt sich eine nutzbare Bandbreite zwischen einigen
hundert MHz und mehreren GHz. Die erreichbare Datenrate beträgt somit einige hundert
Mb/s bis zu einigen Gb/s, womit das erfindungsgemässe Datenübertragungssystem die
Anforderungen heutiger Hochgeschwindigkeitsdatenübertragungssysteme erfüllt.
Die überwindbaren Datenübertragungsdistanzen können bis zu einigen Kilometern betragen.
Vorteilhaft ist der Einsatz von zirkular polarisierten Antennen, da diese eine Ausrichtung
der Antenne im Innern der Rohrleitung überflüssig machen und zudem eine sehr breitbandige
Charakteristik aufweisen. Wegen ihrem relativ aufwendigen mechanischen Aufbau eignen
sich zirkular polarisierte Antennen insbesondere im Bereich von Endflanschen von Rohrleitungen.
Linear oder elliptisch polarisierte Antennen haben den Vorteil, dass sie mechanisch
kleiner sind. Dafür ist die Ausbreitungsebene vorgegeben, was eine Ausrichtung der
Antennen voraussetzt, um eine möglichst optimale Übertragung zu erreichen.
Durch das Kombinieren mehrerer linear oder elliptisch polarisierter Antennen und unter
Verwendung von mehreren redundanten Empfängern kann eine Auswertung auf ein maximales
Signal gemacht werden. Dadurch kann auf ein allfällig nötiges Ausrichten verzichtet
werden. Beim Einsatz beispielsweise einer in ihrer eigentlichen Charakteristik recht
schmalbandigen (10% der Frequenz) Dipolantenne, wird in Kombination mit der Rohrleitung
durch Anregung höherer Ausbreitungsmodi eine grössere Bandbreite (mehr als 30% der
oberen Frequenzgrenze) nutzbar.
Durch die Kombination mehrerer linear polarisierter Antennen mit versetzter Phasenansteuerung
kann eine zirkulare Charakteristik erreicht werden, ohne dass eine Ausrichtung nötig
ist. Zudem wird keine Redundanz im Empfänger benötigt, dafür bleibt die nutzbare Bandbreite
in einem engen Rahmen beschränkt.
Patchantennen (flache Blechstücke, mit Dielektrikum isoliert im Innern der Rohrleitung
angebracht) ergeben vor allem im Hinblick auf mechanische Montierbarkeit sehr grosse
Vorteile, da sie fast keine Volumen beanspruchen. Auch Patchantennen haben schmalbandigen
Charakter, können aber in Kombination mit der Rohrleitung ebenfalls mehrere Modi anregen
und somit breitbandiger genutzt werden.
Besonders vorteilhaft ist die Anwendung von Patchantennen mit nicht orthogonaler Strahlcharakteristik.
Diese Antenne ist als ein leitender Flachring ausgebildet, welcher isoliert am Innenrand
der Rohrleitung angebracht ist. Dieser Ring wird als zu einem Kreis gekrümmtes offenes
Band mit kleinerem Durchmesser als der der Pipeline vorkonfektioniert und kann mittels
eines Molches eingeführt und expandiert werden.
Die äusserst flach auf der Innenwand der Rohrleitung aufliegenden Patchantennen haben
zudem den grossen Vorteil, dass ein durch die Rohrleitung geführter Reinigungsoder
Unterhaltsmolch problemlos an ihnen vorbeikommt.
Anstelle einer Antenne kann das Signal durch einen von aussen isoliert durch eine
allenfalls abgedichtete Durchführung in das Innere der Rohrleitung geführten, zu einer
ins Innere ragenden Schlaufe längs der Ausbreitungsrichtung geformten und am Ende
der Schlaufe die Rohrleitung kontaktierenden Draht direkt eingekoppelt werden.
Bezugszeichenliste
[0008]
- 1
- Datenübertragungsmedium, Rohrleitung
- 2, 3
- Datenendgeräte
- 4
- Fluid
- 5
- Antenne
- 6
- Elektromagnetische Wellen
1. Datenübertragungssystem zum Übertragen von Daten über grosse Distanzen, insbesondere
über mehrere Kilometer, zwischen mindestens zwei Datenendgeräten über ein Datenübertragungsmedium
mit
- mindestens zwei Datenendgeräten (2, 3), und
- einem Datenübertragungsmedium (1),
wobei
- das Datenübertragungsmedium (1) einen Wellenleiter zum Übertragen von elektromagnetischen
Wellen (6) umfasst, und
- die Datenengeräte (2, 3) einen Modulator zum modulieren der Daten auf eine elektromagnetische
Welle und/ oder einen Demodulator zum demodulieren der Daten von einer elektromagnetischen
Welle umfassen sowie mit einer Antenne (5) zum Senden und/ oder Empfangen von elektromagnetischen
Wellen verbunden sind,
dadurch gekennzeichnet, dass
- der Wellenleiter als eine abgeschlossene, zumindest abschnittsweise ein Fluid (4)
führende Rohrleitung (1) ausgebildet ist.
2. Datenübertragungssystem nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
- die Rohrleitung (1) eine metallene Kapselung aufweist.
3. Datenübertragungssystem nach einem der Ansprüche 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
- die Rohrleitung (1) auf der Innenoberfläche eine Beschichtung aufweist.
4. Datenübertragungssystem nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet, dass
- die Beschichtung ein Material mit einer gegenüber dem Material der Rohrleitung höheren
Leitfähigkeit enthält.
5. Datenübertragungssystem nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, dass
- die Innenoberfläche der Rohrleitung (1) rsp. die Beschichtung poliert ist.
6. Datenübertragungssystem nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, dass
- die Antennen (5) zirkular polariserte Antenne sind.
7. Datenübertragungssystem nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, dass
- die Antennen (5) linear oder elliptisch polariserte Antenne sind.
8. Datenübertragungssystem nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet, dass
- ein Datenendgerät (2) mit mehreren linear oder elliptisch polarisierten, phasenversetzt
angesteuerten Antennen verbunden ist.
9. Datenübertragungssystem nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, dass
- die Antennen (5) als flache, von der Innenoberfläche der Rohrleitung (1) rsp. von
der Beschichtung isoliert angeordnete Patchantennen ausgebildet sind.
10. Datenübertragungssystem nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet, dass
- die Patchantennen in der Form leitender Flachringe ausgebildet und isoliert auf
der Innenoberfläche des Wellenleiters angebracht sind.