(57) Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Steuerung des Waschprogramms einer Waschmaschine
mit einem in einem Spritzgussverfahren hergestellten Kunststoff-Laugenbehälter, mit
einer darin drehbar gelagerten Trommel, die durch einen Motor mit verschiedenen Wasch-
und Schleuderdrehzahlen angetrieben wird, und mit einer Steuereinrichtung zur Vorgabe
der Motordrehzahlen und anderer Programmparameter. Darüber hinaus betrifft die Erfindung
eine Waschmaschine zur Durchführung eines solchen Verfahrens. Um die durch die Belastungsgrenze
des Laugenbehälter-Werkstoffs vorgegebenen Einschränkungen ohne Änderung der Bauteilgeometrie
minimieren zu können, wird vorgeschlagen, dass die Steuereinrichtung für kritische
Stellen des Laugenbehälters einen Temperaturbelastungswert durch direkte Temperaturmessung
mittels auf dem Laugenbehälter angeordneter Sensoren oder durch Berechnung aus den
Daten des Waschprozesses ermittelt und bei Überschreiten eines vorgegeben Grenzwertes
mindestens eine belastungsreduzierende Maßnahme wie eine Reduzierung der Schleuderdrehzahl,
eine Verkürzung der Programmlaufzeit, eine Kühlung durch Frischwasserzufuhr, eine
Laugentemperaturbegrenzung oder eine Herabsetzung der Unwuchtschwellen oder eine Wäscheneuverteilung
im Schleuderprogrammabschnitt durchführt.
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Steuerung des Waschprogramms einer Waschmaschine
mit einem in einem Spritzgussverfahren hergestellten Kunststoff-Laugenbehälter, mit
einer darin drehbar gelagerten Trommel, die durch einen Motor mit verschiedenen Wasch-
und Schleuderdrehzahlen angetrieben wird, und mit einer Steuereinrichtung zur Vorgabe
der Motordrehzahlen und anderer Programmparameter. Darüber hinaus betrifft die Erfindung
eine Waschmaschine zur Durchführung eines solchen Verfahrens.
[0002] Aus Kostengründen werden in Waschmaschinen und Waschtrocknern zunehmend Laugenbehälter
aus Kunststoff eingesetzt. Solche Waschmaschinen sind beispielsweise aus der DE 298
21 140 U1 bekannt. Es ist weiterhin bekannt, bei Waschmaschinen innerhalb des Laugenbehälters
Temperatursensoren zur Regelung der Waschlaugentemperatur anzuordnen.
[0003] Die bei Kunststoff-Laugenbehältern eingesetzten preisgünstigen Werkstoffe lassen
nur eine begrenzte Belastung beim Schleudern zu, bei deren Überschreitung es zu dauerhaften
Schäden kommt. Dies gilt insbesondere für mechanisch stark belastete Stellen, wie
die Rückseite des Laugenbehälters, insbesondere der Übergang von einer eingespritzten
Lagernabe zum Kunststoff oder die Verbindungsnaht zweier Laugenbehälterhälften. Die
Betriebsgrenzwerte hängen einerseits von Werkstoffparametern und der Laugenbehältergeometrie
ab. Eine Beeinflussung dieser Größen durch größere Wandstärken oder höherwertigen
Kunststoff würde zu steigenden Kosten und anderen Funktionsnachteilen führen, wie
z. B. geringere freie Schwingwege und eine damit verbundene geringere Unwuchtaufnahme,
größere Energieaufnahme u. ä..
[0004] Zum anderen hängen die Betriebsgrenzwerte direkt von den in den Laugenbehälter eingeleiteten
Kräften ab. Eine Möglichkeit, diese zu reduzieren, ist beispielsweise eine Unwucht-überwachung,
die hohe Schleuderdrehzahlen nur bei kleinsten Unwuchten erlaubt. Dies führt in der
Praxis zu deutlichen Einschränkungen im Gebrauchsnutzen.
[0005] Der Erfindung stellt sich somit das Problem, ein Verfahren zur Steuerung des Waschprogramms
einer Waschmaschine der eingangs genannten Art zu offenbaren, bei welchem die durch
die Belastungsgrenze des Laugenbehälter-Werkstoffs vorgegebenen Einschränkungen ohne
Änderung der Bauteilgeometrie minimiert werden.
[0006] Erfindungsgemäß wird dieses Problem durch ein Verfahren mit den Merkmalen der unabhängigen
Patentansprüche 1 und 4 gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen des
Verfahrens nach Anspruch 1 ergeben sich aus dem nachfolgenden Unteranspruch 2. Ein
weiterer Anspruch 3 offenbart eine Waschmaschine, die zur Durchführung eines Verfahrens
nach den Ansprüchen 1 oder 2 geeignet ist.
[0007] Die mit der Erfindung erreichbaren Vorteile resultieren aus der Erkenntnis, dass
die Temperatur eines Kunststoff-Laugenbehälters als weitere wichtige Einflussgröße
in die Belastungsgrenzen des Werkstoffs eingeht. Da die Werkstofftemperatur bei gegebenen
Geometrie- und Werk - stoffparametern in erster Linie von der Temperatur der Waschlauge,
der Umgebungstemperatur, der Programmdauer, der Nutzungshäufigkeit, der Trommellagererwärmung,
der Wassermenge und der Werkstofferwärmung durch mechanische Beanspruchung beeinflusst
wird, und da heute aufgrund der geringen Verschmutzung der Wäsche die Waschprogramme
mit immer geringeren Zeit- und Laugentemperaturvorgaben seitens des Benutzers durchgeführt
werden, müssen lediglich Extrembedingungen (hohe Werkstofftemperatur und gleichzeitige
hohe mechanische Belastung) verhindert werden. Da diese nur in seltenen Fällen auftreten,
können durch Einsatz eines der erfindungsgemäß gestalteten Verfahren oder durch eine
Kombination davon auch bei Waschmaschinen mit Kunststoff-Laugenbehältern aus vergleichsweise
preisgünstigem Werkstoff Waschprogramme mit hohen Drehzahlen und ausreichenden Unwuchten
realisiert werden, ohne dass die Gefahr der Beschädigung und der Beschränkung im normalen
Nutzen besteht oder entsprechend konstruktive Maßnahmen wie Verstärkungen oder Werkstoffveränderungen
notwendig wären.
[0008] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist im Folgenden näher beschrieben. Eine Waschmaschine
zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens besitzt einen in einem Spritzgussverfahren
hergestellten Kunststoff-Laugenbehälter. In diesem ist eine Trommel zur Aufnahme von
Wäsche drehbar gelagert und wird durch einen Motor mit verschiedenen Wasch- und Schleuderdrehzahlen
angetrieben. Die Waschmaschine besitzt eine Steuereinrichtung zur Vorgabe der Motordrehzahlen
und anderer Programmparameter. Eine solche Waschmaschine ist beispielsweise aus der
eingangs erwähnten DE 298 21 140 U1 bekannt und deshalb nicht durch Zeichnungen dargestellt
oder ausführlicher beschrieben.
[0009] Vorgeschlagen wird eine direkte oder indirekte Temperatur-Überwachung besonders belasteter
Stellen eines Kunststofflaugenbehälters, um beim Auftreten kritischer Zustände (zu
hohe Material- Temperaturen) die Belastung oder die Temperatur zu reduzieren und damit
den Laugenbehälter zu schützen. Dies kann grundsätzlich auf zwei Wegen erfolgen:
Direkte Temperaturmessung:
[0010] Durch Berechnung oder Versuche werden die besonders belasteten und gefährdeten Stellen
eines Kunststofflaugenbehälters ermittelt. An einer oder mehrerer dieser Stellen wird
ein temperaturmessender Sensor angebracht, dessen Signal von einer Mess- und Steuereinheit
erfasst und ausgewertet wird. In Abhängigkeit der in einem Rechner hinterlegten Grenzwerte
und der Prozesswerte Unwucht, Drehzahl und Schleuderzeit werden Veränderungen im Waschprozess
vorgenommen, die die Bauteiltemperatur im zulässigen Bereich belassen. Veränderungen
dieser Art können Drehzahlreduzierung, Programmverkürzungen, Wäscheneuverteilungen,
Frischwasserzulauf, Laugentemperaturbegrenzung u. ä. sein, was dann gleichzeitig zu
einer geringeren Temperatur oder einer geringeren Temperatur-Anstiegsgeschwindigkeit
führt.
[0011] Ein oder mehrere Sensoren können auch an anderer Stelle des Laugenbehälters platziert
werden, wenn die Messungen dort verlässliche Rückschlüsse auf die Temperaturen an
den kritischen Stellen zulassen.
Indirekte Temperaturmessung:
[0012] Es ist auch möglich, aus den Daten des Waschprozesses (Drehzahl, Wassermenge, Beladung,
Zeit, Temperatur etc.), der Umgebungstemperatur, den Werkstoffdaten und der Bauteilgeometrie
mit im Waschautomat vorhandenen Sensoren (Laugentemperatur-Sensor, Beladungssensor
usw.) eine Hochrechnung der Temperatur an kritischen Stellen des Laugenbehälters vorzunehmen
und dann Reaktionen wie vorbeschrieben vorzunehmen.
[0013] Auch die Kombination aus direkter und indirekter Temperaturmessung ist sinnvoll,
um im Versagungsfall eines Systems ausreichende Sicherheit zu haben.
[0014] Weiter wird vorgeschlagen, bei Einsatz eines oder mehrerer Sensoren eine ständige
Prüfung der Funktion der Sensoren vorzunehmen, indem vor Beginn eines neuen Waschprogramms
nach ausreichend langer Stillstandzeit die Temperaturmessung mit den zusätzlichen
Sensoren und dem im Waschprozess eingesetzten Laugentemperatur-Sensor erfolgt und
verglichen wird.
1. Verfahren zur Steuerung des Waschprogramms einer Waschmaschine mit einem in einem
Spritzgussverfahren hergestellten Kunststoff-Laugenbehälter, mit einer darin drehbar
gelagerten Trommel, die durch einen Motor mit verschiedenen Wasch- und Schleuderdrehzahlen
angetrieben wird, und mit einer Steuereinrichtung zur Vorgabe der Motordrehzahlen
und anderer Programmparameter,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Steuereinrichtung für kritische Stellen des Laugenbehälters einen Temperaturbelastungswert
durch direkte Temperaturmessung mittels an oder innerhalb der Laugenbehälterwandung
angeordneter Sensoren ermittelt und bei Überschreiten eines vorgegeben Grenzwertes
mindestens eine belastungsreduzierende Maßnahme wie eine Reduzierung der Schleuderdrehzahl,
eine Verkürzung der Programmlaufzeit, eine Kühlung durch Frischwasserzufuhr, eine
Laugentemperaturbegrenzung oder eine Herabsetzung der Unwuchtschwellen oder eine Wäscheneuverteilung
im Schleuderprogrammabschnitt durchführt.
2. Verfahren zur Steuerung des Waschprogramms einer Waschmaschine nach Anspruch 1, wobei
im Laugenbehälter mindestens ein weiterer Temperatursensor zur Überwachung der im
Laugenbehälter befindlichen Flüssigkeit (Laugentemperatur-Sensor) angeordnet ist,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Steuereinrichtung zu Beginn eines Waschprogramms eine Kontrolle der Sensoren
durch Vergleich ihrer Messwerte mit den Messwerten des weiteren Temperatursensors
vornimmt.
3. Waschmaschine zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass an einer kritischen Stelle des Laugenbehälters mindestens ein Sensor zur Überwachung
seiner Temperatur angeordnet ist.
4. Verfahren zur Steuerung des Waschprogramms einer Waschmaschine mit einem in einem
Spritzgussverfahren hergestellten Kunststoff-Laugenbehälter, mit einer darin drehbar
gelagerten Trommel, die durch einen Motor mit verschiedenen Wasch- und Schleuderdrehzahlen
angetrieben wird, und mit einer Steuereinrichtung zur Vorgabe der Motordrehzahlen
und anderer Programmparameter,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Steuereinrichtung für kritische Stellen des Laugenbehälters einen Temperaturbelastungswert
durch Berechnung aus den Daten des Waschprozesses ermittelt und bei Überschreiten
eines vorgegeben Grenzwertes mindestens eine belastungsreduzierende Maßnahme wie eine
Reduzierung der Schleuderdrehzahl, eine Verkürzung der Programmlaufzeit, eine Kühlung
durch Frischwasserzufuhr, eine Laugentemperaturbegrenzung oder eine Herabsetzung der
Unwuchtschwellen oder eine Wäscheneuverteilung im Schleuderprogrammabschnitt durchführt.