[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Aufbringen einer Metallschicht auf Oberflächen
von Leichtmetallen, insbesondere auf Oberflächen von Aluminium, Magnesium und deren
Legierungen, Anwendungen des Verfahrens zum Beschichten von Zylinderlaufflächen von
Verbrennungsmotoren und von rotationssymmetrischen Teilen mit Schichten mit sehr hoher
Verschleißbeständigkeit, insbesondere von Ventilen, Düsen und anderen Teilen von Hochdruckeinspritzsystemen
für Kraftfahrzeugmotoren.
[0002] Zur Beschichtung von Leichtmetallen, insbesondere von Aluminium, Magnesium und deren
Legierungen, wurden in der Vergangenheit erhebliche Anstrengungen unternommen, um
die gewünschten Oberflächeneigenschaften dieser Metalle für die in Betracht kommenden
Anwendungen zu optimieren. Diese Metalle sind relativ weich und weisen im allgemeinen
nur ungenügende tribologische und Korrosionseigenschaften auf, so daß deren Einsatzgebiete
ohne weitere Oberflächenvergütung sehr begrenzt sind, es sei denn, es werden spezielle
und entsprechend teure Legierungen, beispielsweise supereutektisches AlSi, verwendet.
Insbesondere im Automobilbau besteht seit einiger Zeit großes Interesse, Leichtmetalle
zur Gewichtsersparnis einzusetzen, um den Kraftstoffverbrauch zu senken. Beispielsweise
werden Motorblöcke aus diesem Material gefertigt Hierbei erfordern insbesondere die
Zylinderlaufflächen besondere Maßnahmen, um die Spezifikationen zu erfüllen. Daher
mußten Oberflächenvergütungsverfahren gefunden werden, mit denen die gewünschten Eigenschaften
eingestellt werden können.
[0003] W.Paatsch gibt hierzu in Metalloberfläche, Band 51 (1997), Seiten 678-682 an, daß
Aluminiumwerkstoffe u.a. mit auf galvanotechnischem Wege aufgebrachten Nickel/Phosphor-Schichten
und Nickelschichten, bei denen Hartstoffe als Dispersion in die Schicht eingelagert
sind, beispielsweise mit Siliziumcarbid als dispergiertem Stoff, in geeigneter Weise
vergütet werden können, so daß die Oberflächeneigenschaften des Leichtmetalles den
Anforderungen für Zylinderlaufflächen in Verbrennungsmotoren genügen. Diese Schichten
verleihen den Oberflächen eine zum Teil gute Korrosionsbeständigkeit und einen hohen
Verschleißschutz. Alternativ können gute Verschleißeigenschaften auch mit Hartchromschichten
auf den Leichtmetalloberflächen, gegebenenfalls nachbehandelt durch ein Plasma-Nitrierverfahren,
erreicht werden. Alternativ können auch thermische Spritzverfahren eingesetzt werden,
beispielsweise das Pulver- oder das Drahtspritzverfahren. Um eine ausreichende Haftfestigkeit
auf den Zylinderlaufflächen der mit diesen Verfahren abgeschiedenen Schichten zu erreichen,
muß die Energie der aufgespritzten Teilchen möglichst hoch sein. Daher werden das
Detonationsspritzen und die HVOF- (High Velocity Oxygen Fuel)-Technik eingesetzt.
Beispielsweise können Wolframcarbid-Teilchen in einer Metallmatrix, beispielsweise
in einer Kobalt- oder Kobalt/Chrom-Schicht, auf die Oberflächen aufgebracht werden,
so daß eine sehr haftfeste und insbesondere gegen Korrosion besonders beständige Schicht
gebildet wird. Mit dem Plasmaspritzen können auch Wolframcarbid-Schichten hergestellt
werden, die ein sehr gutes tribologisches Verhalten aufweisen.
[0004] Die genannten Schichten weisen je nach Herstellungsverfahren jedoch unterschiedliche
Nachteile auf: Zum Teil ist die Herstellung dieser Schichten außerordentlich aufwendig
und damit teuer, so daß sie für eine Massenanwendung wie im Automobilbau nicht geeignet
ist (beispielsweise Detonationsspritzen und HVOF-Technik). Die beschriebenen galvanotechnisch
abgeschiedenen Nickel/Phosphor-Schichten weisen keine ausreichend guten tribologischen
Eigenschaften auf. Dasselbe gilt für die erwähnten Siliziumcarbid-Dispersionsschichten.
Letztere haben sich als Beschichtung von Zylinderlaufflächen nicht bewährt, da die
Notlaufeigenschaften des Motors, d.h. dessen Eignung, ein vorübergehendes Abreißen
des Ölfilmes auf den Laufflächen ohne Beschädigung zu überstehen, in diesem Falle
nicht befriedigend waren. Das lag an einer unbefriedigenden Korrosionsresistenz der
Schichten bei dauernd zu niedriger Öltemperatur und/oder gegen stark Schwefel enthaltende
Kraftstoffe und an den damit verbundenen mangelhaften Verschleißeigenschaften.
[0005] Ein alternatives Beschichtungssystem ist in DE 196 53 210 A1 angegeben. Es handelt
sich hierbei um korrosionsbeständige Eisenschichten, die 0,02 bis 0,5 Gew.-% Stickstoff
enthalten. Es wird angegeben, daß diese Schichten auf galvanotechnischem Wege auf
Aluminium und dessen Legierungen abgeschieden werden können. Als Anwendung von derartigen
Schichten wird beispielhaft die Beschichtung der Innenseiten von Aluminiumzylindern
von Verbrennungsmotoren angegeben. Zur Abscheidung der Schichten wird ein Eisen(II)-lonen
enthaltendes Abscheidungsbad eingesetzt und die Schicht elektrolytisch unter Verwendung
einer aus Eisen bestehenden Anode oder vorzugsweise unter Verwendung einer unlöslichen
Anode abgeschieden, die aus einer einen Film aus einem Oxid von Ruthenium, Iridium,
Tantal, Wolfram, Rhodium, Kobalt oder Mangan aufweisenden Titanplatte besteht.
[0006] Eine weitere Beschichtungsmethode ist in US-A-5,368,719 angegeben. In diesem Falle
werden Eisenschichten mittels galvanotechnischer Verfahren auf Kolben von Verbrennungsmotoren
aus Aluminium oder dessen Legierungen abgeschieden. Hierzu wird ein Eisen(II)-sulfat
enthaltendes Bad eingesetzt. Für die Anoden werden Graphit, Blei, Platin und Titan
als Materialien verwendet.
[0007] In US-A-4,746,412 wird ein Bad zur Abscheidung von Eisen/Phosphor-Legierungsschichten
offenbart. Derartige Bäder enthalten Eisen(II)-Ionen, hypophosphorige Säure, ein Hypophosphit,
phosphorige Säure oder ein Orthophosphit und gegebenenfalls Borsäure oder Aluminiumchlorid.
Die erhaltenen Schichten weisen einen Phosphorgehalt von 0,1 bis 9,9 Gew.-% auf. Die
Schichten werden beispielsweise auf die Innenwände von Kolben von Verbrennungsmotoren
aufgebracht. Die Schichten haben nach den Angaben in diesem Dokument gute tribologische
Eigenschaften.
[0008] In vielen Fällen ist die industrielle Prozeßfähigkeit der zur Abscheidung eingesetzten
Bäder in der Massenfertigung trotz großer Fortschritte auf diesem Gebiet bisher nicht
zufriedenstellend. Beispielsweise müssen gleichmäßig dicke Funktionsschichten mit
geringem Aufwand auf die Innenwände der Zylinder aufgebracht werden können, wobei
auch die Reproduzierbarkeit und Konstanz der gewünschten Schichtdicke von besonderer
Bedeutung ist. Auch die Haftfestigkeit der auf die Leichtmetalloberflächen aufgebrachten
Funktionsschichten erfüllen nicht in allen Fällen die Spezifikationen. Dies gilt vor
allem für die mit der Plasmaspritzmethode aufgebrachten Schichten. Ferner besteht
auch bei Anwendung galvanotechnischer Verfahren zur Abscheidung von Eisenschichten
das Problem, daß die für eine qualitativ einwandfreie Massenfertigung erforderliche
Konstanz der Bedingungen bei der Verfahrensführung nur unter erheblichen Anstrengungen
erreichbar ist. Trotz umfassender Überwachungs- und Steuerungsmethoden zur Verfahrensführung
ist es bisher nicht gelungen, eine Feineinstellung zur dauernden Konstanz der Verfahrensparameter
zu gewährleisten, so daß Qualitätsschwankungen der abgeschiedenen Schichten nicht
problemlos gelingt. Hinweise auf diese Probleme und deren Lösung sind in den angegebenen
Dokumenten nicht gegeben.
[0009] Der vorliegenden Erfindung liegt von daher das Problem zugrunde, die Nachteile der
bekannten Beschichtungsverfahren zu vermeiden und insbesondere ein Verfahren zu finden,
mit dem Funktionsschichten auf den Leichtmetalloberflächen gebildet werden, die zum
einen hinsichtlich der für bestimmte Anwendungen erforderlichen Verschleißeigenschaften,
der Korrosionsbeständigkeit sowie der Haftfestigkeit der Schichten auf den Oberflächen
die gewünschten Spezifikationen erfüllt. Vor allem soll das Verfahren in der industriellen
Massenfertigung eingesetzt werden können. Hierzu soll es leicht überwachbar sein,
so daß die Notwendigkeit laufender Analysen und ständiger Nachdosierung von Chemikalien
zur Badzusammensetzung nicht besteht. Außerdem sollen die Eigenschaften der mit dem
Verfahren abscheidbaren Schichten nur in einem engen Toleranzbereich schwanken, ohne
daß es einer aufwendigen Überwachungs- und Steuerungstechnik bedarf. Vielmehr soll
das Verfahren ein möglichst großes Automatisierungspotential aufweisen. Mit dem Verfahren
soll es insbesondere auch möglich sein, in reproduzierbarer Weise derartige Funktionsschichten
auf Zylinderlaufflächen von Verbrennungsmotoren in gleichrnäßiger Dicke abzuscheiden.
[0010] Gelöst wird dieses Problem durch das Verfahren nach Anspruch 1 und die Anwendung
nach Anspruch 7. Bevorzugte Ausführungsformen der Erfindung sind in den Unteransprüchen
angegeben.
[0011] Es hat sich herausgestellt, daß galvanotechnisch abgeschiedene Eisenschichten als
Funktionsschichten auf den Leichtmetallen gute funktionelle Eigenschaften aufweisen.
Eisen enthaltende Funktionsschichten sind in idealer Weise geeignet, die Anforderungen
an Zylinderlaufflächen von Verbrennungsmotoren und von anderen gegen Verschleiß hoch
beanspruchten Teilen, wie Teilen von Hochdruckeinspritzsystemen für Verbrennungsmotoren,
zu erfüllen. Grundsätzlich besteht in diesem Falle jedoch das Problem, daß die zur
Verfügung stehenden Abscheidebäder für einen industriellen Produktionseinsatz nicht
die erforderliche Prozeßfähigkeit aufweisen. Insbesondere müssen die Beschichtungsparameter,
beispielsweise die Badzusammensetzung, leicht überwachbar sein und über längere Zeit
in engen Grenzen konstant gehalten werden können. Dies ist bei den bekannten Verfahren
nicht der Fall. Außerdem leiden alle elektrolytischen Metallisierungsverfahren darunter,
daß die abgeschiedenen Metallschichten auf komplexen Metallteilen nicht problemlos
mit konstanter Schichtdicke abgeschieden werden können. Diese Probleme führen in einem
industriellen Fertigungsprozeß dazu, daß die Schichteigenschaften, die in erheblichem
Maße durch die Badzusammensetzung und die Dicke der gebildeten Schicht bestimmt werden,
nicht reproduzierbar eingehalten werden können, so daß die Qualität des Endproduktes
nicht innerhalb der geforderten engen Bandbreite gehalten werden kann. Insbesondere
bei der Beschichtung von Zylinderlaufflächen und anderer Teile im Automobilbau, bei
denen hohe Anforderungen an den Verschleißschutz bestehen, sind nämlich nur äußerst
geringe Qualitätsschwankungen tolerabel.
[0012] Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren wird die sehr wichtige Prozeßfähigkeit für den
Einsatz in industriellem Maßstab erfüllt, wobei die Eigenschaften der mit dem Verfahren
abscheidbaren Funktionsschichten innerhalb enger Toleranzgrenzen problemlos eingehalten
werden können. Hierzu wird Eisen aus einem Fe(II)-Verbindungen enthaltenden wäßrigen
Abscheidebad unter Verwendung von dimensionsstabilen, in dem Abscheidebad unlöslichen
(inerten) Anoden auf den Oberflächen von Werkstücken elektrolytisch abgeschieden.
Als Fe(II)-Verbindungen werden vorzugsweise Fe(II)-Salze, beispielsweise FeSO
4 oder FeCl
2, eingesetzt. Grundsätzlich können auch Fe(III)-Verbindungen eingesetzt werden. Anstelle
einer zur Eisenabscheidung üblicherweise eingesetzten und in dem Abscheidebad löslichen
Eisenanode wird im erfindungsgemäßen Verfahren eine unlösliche, inerte Anode eingesetzt,
beispielsweise eine aktivierte Titananode, eine aktivierte Edelstahlanode, eine Graphitanode
oder eine Bleianode. Die Aktivierung der Titan- und Edelstahlanoden wird beispielsweise
durch Platinierung dieser Elektroden erreicht Dadurch wird die Überspannung der an
diesen Elektroden stattfindenden elektrochemischen Reaktionen herabgesetzt.
[0013] Durch Anwendung dimensionsstabiler Anoden anstelle der üblicherweise eingesetzter
Eisenanoden, die sich während des Abscheidevorganges auflösen und deren geometrische
Abmessungen und Form sich damit fortwährend ändern, wird erreicht, daß das Abscheideverfahren
ohne Unterbrechung betrieben werden kann. Mit löslichen Eisenanoden können dagegen
keine ausreichend reproduzierbaren Verhältnisse beim Beschichten beispielsweise der
Laufflächen von Zylindern von Verbrennungsmotoren eingestellt werden, so daß sich
ungleichmäßig dicke Schichten auf den Zylinderwänden und insbesondere große Schichtdickenunterschiede
von Teil zu Teil ausbilden. Da die geometrischen Verhältnisse in den Zylindern von
Verbrennungsmotoren präzise eingehalten werden müssen, ist dieses Ergebnis nicht tolerierbar.
Durch die Verwendung der dimensionsstabilen Anoden wird dagegen gewährleistet, daß
sich die Geometrie der Anoden während des Beschichtungsverfahrens nicht ändert, so
daß die einmal vorgesehenen geometrischen Beziehungen zwischen den Anoden und den
zu beschichtenden Oberflächen konstant bleiben und Schichten mit äußerst gleichmäßiger
und gleichbleibender Schichtdickenverteilung gebildet werden. Außerdem müssen bei
Verwendung löslicher Anoden Maßnahmen getroffen werden, um den gebildeten Anodenschlamm
abzutrennen. Bei Verwendung inerter Anoden entsteht dagegen kein Anodenschlamm.
[0014] Beispielsweise können zur Beschichtung der Zylinderlaufflächen von Verbrennungsmotoren
stabförmige dimensionslose Anoden eingesetzt werden, die zur Beschichtung konzentrisch
in axialer Richtung in die Zylinder eingesenkt werden. Durch die Rotationssymmetrie
des Stabanoden/Zylinder-Paares wird beim elektrolytischen Abscheiden in diesem Falle
eine konstante elektrische Felddichte im Zylinderraum erzeugt, so daß die an den Zylinderwänden
bestehende kathodische Stromdichte an allen Stellen identisch ist. Dadurch kann eine
sehr gleichmäßige Dicke der abgeschiedenen Funktionsschicht erreicht werden. Da sich
die Geometrie der Anode überdies nicht verändert, bleiben diese Verhältnisse auch
über längere Zeit konstant. Gleichfalls wird eine sehr gleichmäßige Schichtdicke auch
an anderen rotationssymmetrischen Teilen, die beispielsweise im Automobilbau eingesetzt
werden, erreicht. Beispielsweise können Ventilteile und Düsen von Hochdruckeinspritzsystemen
für Kraftfahrzeuge mit sehr verschleißbeständigen Schichten gleichmäßig an der Außenseite
beschichtet werden, wenn eine geeignete Geometrie des Paares aus zu beschichtendem
Werkstück und der Anode gewählt wird.
[0015] Das Verfahren ist auch leicht automatisierbar, indem die Anoden beispielsweise mit
einer hierzu geeigneten Vorrichtung bis zu einer genau definierten Tiefe in die Zylinder
eingesenkt werden und das Abscheidebad in den Zylinder eingefüllt wird. Nach Abschluß
des Galvanisiervorganges an einem Zylinder bzw. einem Motorblock mit mehreren Zylindern
kann die Galvanisiervorrichtung automatisiert und reproduzierbar zu einem nächsten
Zylinder bzw. Motorblock verfahren werden. Nach Abschluß des Beschichtungsvorganges
wird die Abscheidelösung aus dem beschichteten Zylinder entfernt. Anschließend werden
weitere Lösungen in den Hohlraum gefüllt, um die Zylinderwände zu spülen und nachzubehandeln.
In gleicher Weise können die Zylinderwände zuvor vorbehandelt werden, indem Vorbehandlungslösungen
und Spülflüssigkeiten in die Zylinder eingefüllt werden.
[0016] Die abgeschiedenen Eisenschichten haften an den Leichtmetalloberflächen außerordentlich
gut. Bemerkenswert ist, daß dies auch ohne aufwendige Vorbehandlung, etwa durch eine
Zinkatbehandlung, die beispielsweise zur Vernickelung von Aluminiumoberflächen überlicherweise
eingesetzt werden muß, erreichbar ist. Daher ist das Beschichtungsverfahren einfach
durchführbar.
[0017] Durch die an sich zweckmäßige Verwendung von unlöslichen Anoden kann die Konzentration
der Eisenverbindungen (Fe(II)-Verbindungen und Fe(III)-Verbindungen) im Abscheidebad
nur mit erheblichem Aufwand konstant gehalten werden. Dies liegt unter anderem daran,
daß die Fe(II)-Verbindungen bei der Eisenabscheidung in der Lösung verarmen und die
Notwendigkeit der Einstellung einer konstanten Konzentration dieser Verbindungen ohne
aufwendige Überwachung durch laufende Analysen und entsprechende Zugabe der Fe(II)-Verbindungen
in der industriellen Praxis zu einem unvertretbar hohen Aufwand der Verfahrensführung
und zu erheblichen Problemen führt, da die beim Abscheiden verbrauchten Verbindungen
nicht in einer anodischen Gegenreaktion in das Bad nachgeliefert werden. Insbesondere
dann, wenn Werkstücke mit unterschiedlichen Flächen beschichtet werden sollen, ändert
sich die kathodische Stromdichte und damit die kathodische Stromausbeute ständig,
so daß konstante Verhältnisse nicht eingestellt werden können. Darüber hinaus besteht
in der technischen Massenfertigung aus wirtschaftlichen Gründen die Notwendigkeit,
die Stromdichte möglichst hoch zu wählen. Dadurch wird der Bereich der Elektrolytzersetzung
unter kathodischer Wasserstoffentwicklung erreicht, was nicht nur zu einer Verminderung
der relativen (prozentualen) Stromausbeute führt, sondern gleichzeitig die Badführung
erschwert, weil Schwankungen der Stromausbeute bei der Nachdosierung von Fe(II)-Verbindungen
berücksichtigt werden müssen.
[0018] Außerdem wird beispielsweise für die Beschichtung von Zylinderwänden von Verbrennungsmotoren
gefordert, daß das Abscheidebad in die Zylinder gefüllt wird und dort während der
Abscheidung verbleibt. Bei dieser Fertigungstechnik werden lediglich relativ kleine
Volumina des Abscheidebades in einem Badreservoir gehalten, so daß sich ein bestimmter
Mengenumsatz der Fe(II)-Verbindungen als Konzentrationsänderung umso stärker bemerkbar
macht.
[0019] Werden bei elektrolytischen Metallabscheidungsverfahren unlösliche (inerte) Anoden
eingesetzt, so besteht zur Ergänzung der bei der Abscheidung verbrauchten Fe(II)-Verbindungen
grundsätzlich die Möglichkeit, diese in Form von Lösungen dieser Verbindungen oder
von festen Salzen zum Bad zuzugeben. Dies führt zu den vorstehend beschriebenen Problemen.
Außerdem ergeben sich weitere Hindernisse für die Verfahrensführung: Bei laufender
Zugabe von Fe(II)-Lösungen würde das Badvolumen ständig inakzeptabel ansteigen, da
die verwendeten Eisensalze nur begrenzt löslich sind, so daß Teile des Bades fortwährend
verworfen werden müßten. Dies ist aus ökonomischen und ökologischen Gründen nicht
vertrebar. Auch die Zugabe von festen Eisensalzen zu den Abscheidebädern stellt hier
keine Lösung dar, da eine derartige Ergänzungsmethode bekanntlich immer schwierig
und technisch aufwendig ist, so daß sie ebenfalls nicht Betracht kommt. Ferner ist
die Bildung von an der unlöslichen Anode gebildeten Fe(III)-Verbindungen bei dem derzeitigen
Stand der Technik als parasitär anzusehen, denn die Fe(III)-Verbindungen müssen kathodisch
erst wieder zu Fe(II)-Verbindungen reduziert werden. Dadurch sinkt die Stromausbeute
der Eisenabscheidung aus dem Abscheidebad ab.
[0020] Ein erfindungsgemäßer Schritt des beanspruchten Verfahrens geht daher im wesentlichen
von dem Problem aus, daß die Fe(II)-Verbindungen durch die Eisenabscheidung verbraucht
werden und daß schwankende Konzentrationen der Badkomponenten, insbesondere der Fe(II)-Verbindungen
nicht tolerabel sind.
[0021] Die Lösung dieses Problems besteht darin, die Fe(II)-Verbindungen dadurch zu bilden,
daß die bei deren Oxidation an den Anoden entstehenden Fe(III)-Verbindungen mit Eisenteilen
in Kontakt gebracht werden und mit diesen chemisch umgesetzt werden, wobei sich die
Eisenteile auflösen. Durch geeignete Wahl von größeren oder kleineren Eisenteilen
und durch eine passende Einstellung der Strömungsverhältnisse beim In-Kontakt-Bringen
des Abscheidebades mit den Eisenteilen wird auch deren Auflösung unter Bildung von
Wasserstoff durch den sauren Abscheidelektrolyten weitgehend zurückgedrängt, so daß
die Bildung der Fe(II)-Verbindungen im wesentlichen von der Konzentration der Fe(III)-Verbindungen
im Abscheidebad abhängt.
[0022] Durch diese Maßnahme ist das beanspruchte Verfahren gegenüber Verfahren, bei denen
die Fe(II)-Verbindungen in Form gelöster Salze zum Abscheidebad zugegeben werden,
wenn unlösliche Anoden eingesetzt werden, äußerst elegant und einfach durchzuführen,
da sich Fe(II)-Verbindungen im wesentlichen immer nur in einem Umfange bilden, wie
an der Anode Fe(III)-Verbindungen durch die elektrochemische Oxidationsreaktion gebildet
werden. Damit stellt sich der Gehalt der Fe(II)-Verbindungen quasi automatisch auf
den gewünschten Wert ein. Eine Überschreitung dieses Wertes ist bei vorheriger Einstellung
geeigneter Prozeßparameter praktisch ebenso ausgeschlossen wie eine Unterschreitung
dieses Wertes. Dadurch entfällt eine fehleranfällige Überwachung und Führung des Bades
durch laufende Analysen und eine Nachdosierung im Hinblick auf die Fe(II)-Konzentration
wie bei Ergänzung mit Lösungen der Fe(II)-Verbindungen oder deren festen Salzen. Daher
wird allein durch diese Maßnahme bereits eine weitgehende Konstanz der Konzentration
der Fe(II)-Verbindungen im Bad erreicht, so daß die Notwendigkeit entfällt, laufend
Eisensalze zudosieren zu müssen.
[0023] Die Eisenteile sind vorzugsweise in einem separaten Behälter untergebracht. Das Abscheidebad
wird zwischen dem Behandlungsabteil, in dem sich die zu beschichtenden Oberflächen
und die Anode befinden, und diesem separaten Behälter zirkuliert. Vorzugsweise wird
die Badlösung unmittelbar nach Kontakt mit der Anode, an der sich durch elektrochemische
Reaktion Fe(III)-Verbindungen bilden, in den separaten Behälter geleitet, beispielsweise
gepumpt, um ein In-Kontakt-Kommen der Fe(III)-Verbindungen mit der Kathodenoberfläche
zu vermeiden. Andernfalls würden an dieser Stelle parasitär die Fe(III)-Verbindungen
zu Fe(II)-Verbindungen reduziert, so daß die kathodische Stromausbeute noch weiter
verringert werden würde. In dem separaten Behälter werden Fe
3+-Ionen nach folgender Reaktionsgleichung verbraucht, wobei sich wieder Fe
2+-Ionen bilden:

[0024] Dadurch ist eine Ergänzung von Fe(II)-Verbindungen erforderlich. In erfindungsgemäßer
Weise reicht es vollständig aus, die Badlösung mit einer ausreichend großen Eisenoberfläche
in Kontakt zu bringen. In dem separaten Behälter werden vorzugsweise Eisengranulat,
Eisenspäne oder Eisenpellets eingesetzt. Die Größe und Form des separaten Behälters
und die Wahl der Menge, Art und Größe der Eisenteile können nach den bekannten Prinzipien
der chemischen Verfahrenstechnik optimiert werden.
[0025] Es hat sich allerdings herausgestellt, daß sich die Zusammensetzung der Abscheidelösung
bei längerem Betrieb dennoch ändert. Dies wurde insbesondere bei Durchführung des
Verfahrens bei relativ hoher kathodischer Stromdichte festgestellt. Eine derartig
hohe anodische Stromdichte, beispielsweise im Bereich von 10 A/dm
2 bis 100 A/dm
2, ist für den industriellen Einsatz des Verfahrens insbesondere in der Massenfertigung
aus wirtschaftlichen Gründen geboten. Die Änderung der Zusammensetzung des Bades (Ansteigen
der Eisenkonzentration) konnte auf die geringe kathodische Stromausbeute der Eisenabscheidung
unter diesen Bedingungen zurückgeführt werden, während die anodische Stromausbeute
davon prinzipiell nicht betroffen ist. Da bei der Abscheidung an der kathodischen
Werkstückoberfläche auch Wasserstoff entwickelt wird, steigt der Gehalt der Fe(II)-Verbindungen
während des Elektrolysebetriebes kontinuierlich an, da unter diesen Bedingungen eine
größere Menge der Fe(II)-Verbindungen zu Fe(III)-Verbindungen oxidiert wird, so daß
auch eine größere Menge des metallischen Eisens aufgelöst wird als kathodisch auf
den Werkstücken abgeschieden wird. Zwar würde sich zur Lösung dieses Problems eine
Abtrennung von überschüssig gebildeten Fe(II)-Verbindungen, beispielsweise durch Kristallisation
dieser Verbindungen in einem weiteren separaten Behälter durch Abkühlen der Lösung
anbieten. Dieses Verfahren ist jedoch aufwendig und erfordert erhebliche zusätzliche
Energie zur Kühlung und Wiedererwärmung des durch den weiteren separaten Behälter
strömenden Bades. Außerdem wird eine aufwendige Überwachungs- und Steuerungstechnik
erforderlich, um genau die Menge der überschüssig gebildeten Fe(II)-Verbindungen abzutrennen.
[0026] Dieses weitere Problem konnte in einfacher Weise dadurch gelöst werden, daß die anodische
Stromausbeute entsprechend reduziert wird. Hierzu wird wegen der technisch eleganten
und einfachen Ausführbarkeit eine zeitabhängige Veränderung der aktiven Anodenoberfläche
bevorzugt. Zu diesem Zweck wird die Anodenoberfläche zumindest zeitweise so weit vermindert,
daß die anodische Stromausbeute zeitgemittelt der kathodischen Stromausbeute für die
Eisenabscheidung entspricht. Die anodische Stromdichte wird hierzu zumindest zeitweise
so weit erhöht, daß die anodische Stromausbeute für die Oxidation der Fe(II)-Verbindungen
zu Fe(III)-Verbindungen zumindest zeitgemittelt genauso groß wird wie die kathodische
Stromausbeute für die Eisenabscheidung aus dem Abscheidebad. Unter diesen Bedingungen
wird in dem Abscheidebad an den zu beschichtenden Werkstücken zwar auch Wasserstoff
entwickelt. An der Anode wird unter diesen Verhältnissen jedoch in äquimolarer Menge
auch Sauerstoff aus dem wäßrigen Abscheidebad gebildet, so daß die Bildungbilanz für
die Fe(II)-Verbindungen im Gesamtsystem somit konstant ist. Als Nebenreaktion findet
lediglich die Wasserelektrolyse durch die beiden elektrochemischen Teilprozesse an
der kathodischen Leichtmetalloberfläche und der Anodenoberfläche statt.
[0027] Um dies zu bewerkstelligen, sind zwei grundsätzliche Lösungsansätze möglich:
[0028] In einer bevorzugten Verfahrensvariante wird die anodische Stromdichte durch Wahl
der Anodenoberfläche auf den gewünschten Wert eingestellt. Dies kann in einfacher
Weise durch geeignete Dimensionierung der Anode erreicht werden.
[0029] Beim Einsatz der vorstehend beschriebenen Alternative wird die Geometrie der Anode
für eine bestimmte kathodische Stromdichte gewählt. Werden zu bearbeitende Bauteile
mit unterschiedlich großen Werkstückoberflächen verwendet oder wird die Stromdichte
verändert, so verändert sich auch die kathodische Stromdichte, so daß zur Anpassung
an diese veränderten Verhältnisse eine Anode mit ebenfalls angepaßten Dimensionen
eingesetzt werden muß. Dies ist allerdings aufwendig und in einem Flexibilität erfordernden
industriellen Fertigungsprozeß nicht ohne weiteres durchführbar.
[0030] Daher wird ein Teil der Anodenoberfläche in einer weiteren bevorzugten Ausführungsvariante
der Erfindung intermittierend an- und abgeschaltet, wobei das Verhältnis der Ab- zur
Anschaltdauer im Zeitmittel auf einen Wert eingestellt wird, der so groß ist, daß
die anodische Stromausbeute für die Oxidation der Fe(II)-Verbindungen zu Fe(III)-Verbindungen
zeitgemittelt genauso groß ist wie die kathodische Stromausbeute für die Eisenabscheidung
aus dem Abscheidebad. In diesem Falle wird die anodische Stromdichte zeitweise erhöht,
um die anodische Stromausbeute abzusenken und auf diese Weise die Bildungsbilanz der
Fe(II)-Verbindungen im Gesamtsystem zeitgemittelt konstant zu halten. Diese Alternative
bietet gegenüber der vorstehend beschriebenen ersten Variante den zusätzlichen Vorteil,
daß immer eine ausgeglichene Bildungsbilanz für die Fe(II)-Verbindungen eingestellt
werden kann, unabhängig von der gewählten kathodischen Stromdichte, indem lediglich
das Verhältnis der Ab- zur Anschaltdauer an die veränderten Verhältnisse angepaßt
wird.
[0031] Die vorgenannten Maßnahmen erlauben selbstverständlich auch, den Eisengehalt jederzeit
auf elektrochemischen Wege beliebig zu korrigieren.
[0033] Daher lassen sich die Konzentrationen der Fe(II)- und der Fe(III)-Verbindungen durch
die erfindungsgemäße Steuerung der anodischen Stromausbeute auf sehr einfache Weise
jederzeit gezielt einstellen.
[0034] Eine bevorzugte Verfahrensweise zur Steuerung (Absenkung) der anodischen Stromausbeute
für die Oxidation der Fe(II)- zu den Fe(III)-Verbindungen besteht auch darin, die
Anode mit einem Diaphragma zu umgeben. Als Diaphragma kann hierzu ein flüssigkeitsdurchlässiges
Gewebe verwendet werden. Dadurch wird zumindest der konvektive Transport von Fe(II)-Verbindungen
zur Anode verhindert oder zumindest stark behindert. Indem die Konzentration der Fe(II)-Verbindungen
in dem durch das Diaphragma eingeschlossenen Anodenraum durch die Anodenreaktion auf
einen sehr kleinen Wert oder sogar auf Null reduziert wird, steigt die Überspannung
der anodischen Teilreaktion stark an (Anstieg der Konzentrationsüberspannung), so
daß alternativ Sauerstoff an der Anode entwickelt wird. Die Menge von an der Anode
erzeugtem Sauerstoff wird damit über den Diffusionsgrenzstrom der Oxidation der Fe(II)-Verbindungen
eingestellt.
[0035] Die Härte, die Verschleißbeständigkeit und die Korrosionsbeständigkeit der mit dem
vorstehend beschriebenen Verfahren abscheidbaren Schichten kann noch gesteigert werden,
wenn die Abscheidelösung zusätzlich mindestens eine Verbindung aus der Gruppe, bestehend
aus Hypophosphit-, Orthophosphit-, Molybdän-Verbindungen und Wolfram-Verbindungen,
enthält. Als Hypophosphit- und Orthophosphit-Verbindungen können die Salze, beispielsweise
Alkalisalze (NaHPO
2, KHPO
2, Na
2HPO
3, K
2HPO
3 usw.), und deren Säuren (H
2PO
2, H
3PO
3) eingesetzt werden. Als Molybdän-Verbindungen sind insbesondere Alkalimolybdate und
als Wolfram-Verbindungen insbesondere Alkaliwolframate, aber auch andere Molybdate
und Wolframate, verwendbar.
[0036] Bei Anwesenheit der genannten Verbindungen im Abscheidebad werden Legierungen des
Eisens mit Phosphor, Molybdän und/oder Wolfram gebildet. Insbesondere durch Zugabe
der Hypophosphit- und/oder Orthophosphit-Verbindungen zum Abscheidebad werden sehr
harte Funktionsschichten gebildet, die zusätzlich eine hohe Verschleißbeständigkeit
aufweisen. Die unter Verwendung von Molybdän- und/oder Wolfram-Verbindungen im Abscheidebad
herstellbaren Schichten weisen ebenfalls eine hohe Härte und eine sehr gute Korrosionsbeständigkeit
auf. Auch die tribologischen Eigenschaften der mit den vorgenannten Badzusätzen erhaltenen
Schichten sind sehr gut: Bei tribologischen Tests wurden keine Ausrisse aus den auf
den Leichtmetalloberflächen aufgebrachten Schichten festgestellt. Die mit diesen Zusätzen
herstellbaren Schichten sind wegen ihrer Härte und Verschleißbeständigkeit insbesondere
für die Beschichtung von Zylinderiauftlächen von Verbrennungsmotoren geeignet.
[0037] Interessanterweise werden die teilweise gegen Oxidation labilen Hypophosphit- und
Orthophosphit-Verbindungen an der inerten, dimensionsstabilen Anode nicht oxidiert.
Daher war deren Verwendbarkeit unter den hier gewählten Bedingungen mit einer inerten
Anode nicht vorhersagbar.
[0038] Insbesondere bei Verwendung von Hypophosphit- und Orthophosphit-Verbindungen zur
Abscheidung der Schichten werden äußerst verschleiß- und korrosionsbeständige Oberflächen
erhalten. Es hat sich herausgestellt, daß in diesem Falle Eisen/Phosphor-Schichten
abgeschieden werden, die Phosphor in einer Menge von 0,5 bis 3 Gew.-%, vorzugsweise
etwa 1 Gew.-% enthalten. Diese Schichten wurden mit physikalischen Methoden untersucht
(Rasterelektronenmikroskopie, Röntgenbeugungs-Untersuchungen). Dabei wurde festgestellt,
daß die hergestellten Eisen/Phosphor-Legierungen nanokristallin sind, d.h. aus Kristalliten
mit einer Größe von höchstens etwa 500 nm, vorzugsweise höchstens 200 nm, bestehen.
Dies wurde mit Rastereiektronenmikroskop-Untersuchungen im Rückstreuverfahren festgestellt.
Röntgenstrukturuntersuchungen, die unter Verwendung eines Guinier-Diffraktometers
(Cu-K
α-Strahlung) durchgeführt wurden, wiesen zwar normale Reflexe der kubisch innenzentrierten
Eisenstruktur auf. In den Rasterelektronenmikroskop-Untersuchungen, bei denen die
Kristallitgröße mit einer 5000-fachen Vergrößerung festgestellt werden sollte, ergaben
sich Kristallitgrößen von unter 500 nm.
[0039] Das wäßrige Abscheidebad enthält die Badbestandteile vorzugsweise in gelöster Form.
Neben den bereits erwähnten Fe(II)-Verbindungen und den dem Bad als Zusätze gegebenenfalls
zuzugebenden Hypophosphit-, Orthophosphit-, Molybdän- und/oder Wolfram-Verbindungen
kann das Bad auch Säuren erhalten, beispielsweise anorganische Säuren, vorzugsweise
Salzsäure, Schwefelsäure, Fluoroborsäure und/oder Perchlorsäure. Als organische Säuren
kommen insbesondere Sulfonsäuren, wie Methansulfonsäure, Amidosulfonsäure, Ameisensäure
und Essigsäure in Betracht. Außerdem kann das Bad Komplexbildner für Eisen zur Beeinflussung
des Abscheidepotentials sowie weitere Zusätze, wie Netzmittel zur Beinflussung der
Oberflächenspannung des Bades, organische Inhibitoren zur Beeinflussung der Abscheideeigenschaften,
andere die Abscheidung beeinflussende Additive oder weitere Zusätze enthalten. Derartige
Zusätze sind von der galvanotechnischen Abscheidung von Metallen allgemein bekannt.
[0040] Die Leichtmetalloberflächen werden vor der Beschichtung mit dem Abscheidebad zunächst
vorbehandelt. Hierzu können sie beispielsweise mit einer Netzmittel und gegebenenfalls
Säure oder Base enthaltenden Lösung gereinigt werden. Danach werden die Oberflächen
vorzugsweise gebeizt, um die Haftfestigkeit der Funktionsschicht auf den Oberflächen
zu erhöhen. Beispielsweise kann zu diesem Zweck eine alkalische Beize, bestehend aus
einer wäßrigen Lösung von NaOH eingesetzt werden. Anschließend werden die Oberflächen
vorzugsweise mit einer Lösung behandelt, mit der Eisen zementativ auf den Leichtmetalloberflächen
abgeschieden werden kann. Hierzu wird beispielsweise eine wäßrige salzsaure Lösung
von FeCl
3 eingesetzt.
[0041] Danach wird die Funktionsschicht aus dem Abscheidebad abgeschieden. Hierzu wird im
allgemeinen ein Gleichstromverfahren eingesetzt. Grundsätzlich verwendbar ist auch
ein Pulsstromverfahren, bei dem die Werkstückoberfläche kurzzeitig einem kathodischen
Strompuls und danach entweder einer Galvanisierpause oder einem anodischen Strompuls
unterworfen wird. Zwischen den kathodischen und anodischen Strompulsen können ebenfalls
Galvanisierpausen vorgesehen sein. Mit diesen Verfahren kann die Gleichmäßigkeit der
Metallabscheidung gegebenenfalls noch erhöht werden. Die Temperatur des Abscheidebades
wird je nach Badzusammensetzung optimiert. Als vorteilhaft hat sich eine über Raumtemperatur
liegende Temperatur herausgestellt, beispielsweise 60°C. Die Temperatur der Badlösung
in dem separaten, die Eisenteile enthaltenden Behälter sollte aus ökonomischen Gründen
genauso groß sein wie die Temperatur im Abscheidungsbehälter.
[0042] Zwischen den einzelnen Verfahrensschritten und nach Abschluß der Metallabscheidung
werden die Leichtmetalloberflächen jeweils gespült.
[0043] Zur Beschichtung von Zylinderlaufflächen von Verbrennungsmotoren können die einzelnen
Behandlungsflüssigkeiten jeweils in die Zylinderhohlräume eingefüllt werden. Hierzu
werden die Hohlräume über geeignete Pumpsysteme mit dem die Eisenteile enthaltenden
separaten Behälter und weiteren Vorratsbehältern verbunden, in denen sich die einzelnen
Behandlungsflüssigkeiten befinden. Zur Vorbereitung und Metallabscheidung auf den
Laufflächen werden die Behandlungsflüssigkeiten und das Spülwasser nacheinander nach
einem genau vorbestimmten zeitlichen Ablaufplan in die Hohlräume gepumpt, dort für
eine bestimmte Zeitdauer belassen und nach Abschluß der jeweiligen Behandlung wieder
entfernt. Außerdem werden die weiteren erforderlichen Verfahrensbedingungen in den
Hohlräumen eingestellt, beispielsweise eine geeignete erzwungene Konvektion in den
Behandlungsflüssigkeiten, Durchspülung der Flüssigkeiten mit Sauerstoff bzw. Luft
und Einstellung der gewünschten Behandlungstemperaturen. Mit dieser Vorgehensweise
können die Laufflächen in einfacher Weise automatisiert mit der Funktionsschicht überzogen
werden.
[0044] Die nachfolgenden Beispiele dienen zur näheren Erläuterung der Erfindung:
Beispiel 1:
[0045] Ermittlung der Massenbilanz bei der chemischen Auflösung von Eisenteilen mit Fe(III)-Verbindungen:
[0046] Es wurden zwei Badlösungen eingesetzt:
A) 250 g/l Fe2(SO4)3 · 5 H2O
40 g/l FeCl3 · 6 H2O
B) 250 g/l Fe2(SO4)3 · 5 H2O
40 g/l FeCl3 · 6 H2O
15 g/l Na2HPO3 · 5 H2O
[0047] Die Experimente mit den beiden Lösungen A und B wurden jeweils in einem 200 ml-Becherglas
durchgeführt. In die Bechergläser wurden jeweils 10 g Eisenspäne mit einem mittleren
Komdurchmesser von etwa 1 mm eingefüllt, so daß die Späne jeweils eine Gesamtoberfläche
von 35 cm
2 aufwiesen. Die Temperatur der Lösungen betrug 50°C. Die Lösungen wurden stark gerührt.
[0048] Innerhalb von 30 min konnte mit beiden Lösungen ein vollständiger Farbumschlag von
braun (Anwesenheit von Fe
3+) nach grün (Anwesenheit von Fe
2+) beobachtet werden. Aus dieser Beobachtung konnte der Schluß gezogen werden, daß
Fe
3+ nahezu vollständig zu Fe
2+ reduziert worden war. Unter den gewählten Bedingungen ergab sich somit eine Abbaurate
für Fe
3+ von 12,3 mg/min.
[0049] Durch Rückwaage der Eisenspäne und Analyse der entstandenen Lösung mit der Atomabsorptionsspektrometrie
konnte verifiziert werden, daß die Stoffumsätze für Fe, Fe
2+ und Fe
3+ den aus der oben angegebenen Reaktionsgleichung (1) zu erwartenden Mengen entsprechen:
Im Ansatz der Lösungen befanden sich jeweils 13 g Fe
3+. Nach Durchführung der chemischen Reaktion betrug der Eisengehalt in der Lösung ca.
20 g. Dieses Ergebnis ergab sich für beide Lösungen A und B in gleicher Weise.
Beispiel 2:
[0050] Bei der Elektrolyse der vorstehend beschriebenen Lösungen A und B an einer Titan-Streckmetall-Anode,
die mit einem leitfähigen Edelmetall-Mischoxid überzogen war, wurde die Bildungsrate
von Fe
3+ in Abhängigkeit von der eingestellten kathodischen Stromdichte (kathodische Stromausbeute
von 60%) ermittelt:
Stromdichte
[A/dm2] |
Bildungsrate Fe3+
[g/min] |
| 30 |
3,95 |
| 20 |
2,60 |
| 10 |
1,32 |
[0051] Mit den in Beispiel 1 ermittelten Abbauraten für Fe
3+ konnte die notwendige effektive Oberfläche der Eisenteile (Späne oder Granulat) zur
Fe
3+-Redukfion und damit zur Regenerierung der Fe
2+-Konzentration in der Badlösung in Abhängigkeit von der Stromdichte ermittelt werden:
Stromdichte
[A/dm2] |
notwendige Fläche
[cm2] |
| 30 |
321 |
| 20 |
211 |
| 10 |
107 |
[0052] Durch den Einsatz von Eisengranulat konnte damit die Fe
3+-Konzentration in der Badlösung auf nahe Null reduziert und somit die Fe
2+-Ionen regeneriert werden. Nach den hier durchgeführten Abschätzungen zum Eisenhaushalt
in der Lösung nach Reaktionsgleichung (1) konnte das Regenerierungsverfahren auch
unter Einhaltung technisch praktikabler Bedingungen durchgeführt werden.
Beispiel 3; nicht zur Erfindung gehörend
[0053] Ein Leichtmetallblech aus AISi10 wurde zur nachfolgenden Beschichtung folgendermaßen
behandelt:
1. Vorbehandlung (zementative Eisenbeschichtung):
| Schritt |
Bad |
Temperatur
[°C] |
Behandlungszeit
[sec] |
| 1. Entfetten |
Netzmittel enthaltende Lösung |
60 |
300 - 600 |
| 2. Beizen |
NaOH (33 Gew.-%) |
60 |
30 |
| 3. Spülen |
Leitungswasser |
Raumtemperatur |
10 |
| 4. Eisen-Beize |
50 g/l FeCl3
50 g/l HCl |
70 |
30 |
| 5. Spülen |
Leitungswasser |
Raumtemperatur |
10 |
Die Schritte 2. bis 5. wurden einmal wiederholt.
2. Anschließend wurde das Blech mit der Beschichtungslösung behandelt. Diese hatte
folgende Zusammensetzung:
400 g FeSO4 · 7 H2O
80 g FeCl2 · 4 H2O
15 g Na2HPO3 · 5 H2O
in 1 Liter deionisiertem Wasser
[0054] Die Abscheidung wurde unter folgenden Bedingungen durchgeführt:
| Stromdichte |
10 - 20 A/dm2 |
| Badtemperatur |
60°C |
| pH-Wert |
1 |
| Pumpgeschwindigkeit |
21 ml/s |
| Badvolumen lösliche Eisenanode |
5 l |
[0055] Die erhaltenen Schichten wurden hinsichtlich der Zusammensetzung charaktierisiert.
Es wurden folgende Ergebnisse erhalten:
Fe-Gehalt
[%] |
P-Gehalt
[%] |
C-Gehalt
[%] |
O-Gehalt
[%] |
| 92-95 |
0,9-1,2 |
2-4 |
2,5-3,5 |
[0056] Die Härte der Schicht, nach Vickers gemessen, betrug 700 ± 20 HV
0,1.
[0057] Außerdem wurden die Spannungen in der Schicht mit einem Spiralcontraktometer ermittelt
Die Schichten wiesen Zugspannung auf (Auslenkung etwa 290°). Die erhaltenen Werte
entsprachen den mit elektrolytisch abgeschiedenen Nickel- und stromlos abgeschiedenen
Nickel/Phosphor-Schichten.
[0058] Ferner wurden die tribologischen Eigenschaften der Eisenschichten ermittelt:
[0059] Zunächst wurde der Verschleißkoeffizient [mm
3/Nm] gemessen. Hierzu wurde ein Kolbenring gegen die Innenfläche eines beschichteten
und mit einem Ölfilm überzogenen Zylinders gerieben, wobei zum einen der Abrieb der
Eisenschicht auf dem Kolbenring und zum anderen der entsprechende Abrieb auf der Zylinderwand
bestimmt wurde. Hierzu wurden folgende Testbedingungen eingestellt:
| Geschwindigkeit des Ringes |
v = 0,3 m/s |
| Normalkraft auf die Zylinderwand |
FN = 50 N |
| Öltemperatur |
T = 170°C |
| Gleitweg |
s = 24 km |
[0060] Es wurde der Verschleißkoeffizient k
v in [mm
3/Nm], d.h. der Volumenabtrag auf dem Kolbenring und der Zylinderoberfläche bestimmt
Ferner wurde auch die Reibungszahl f
a als Koeffizient aus dem Drehmoment und der angewendeten Normalkraft F
N ermittelt.
[0061] Die ermittelten Verschleißkoeffizienten k
v [mm
3/Nm] betrugen:
| |
Eisenschicht |
Grauguß |
| Am Kolbenring |
1 · 10-8 - 1 · 10-9 |
1 · 10-8 - 1 · 10-10 |
| Auf der Zylinderwand |
2 · 10-6 - 5 · 10-7 |
2 · 10-6 - 5 · 10-8 |
[0062] Die Vergleichswerte in der rechten Spalte geben die Werte für Grauguß anstelle der
Eisenbeschichtung an.
[0063] Die ermittelten Reibungszahlen f
a betrugen:
| |
Eisenschicht |
Grauguß |
| Zu Beginn |
0,14 ± 0,02 |
0,12 ± 0,02 |
| Am Ende |
0,12 ±0.02 |
0,12 ±0,03 |
[0064] Die Vergleichswerte in der rechten Spalte geben die Werte für Grauguß anstelle der
Eisenbeschichtung an.
[0065] Ferner wurde beobachtet, daß kein adhäsiver Verschleiß auftrat, daß eine gute Schichthomogenität
vorlag und daß sich bei dem Versuch keine Oberflächenveränderung durch Auf- oder Abbau
von Zwischenschichten einstellte. Es wurden keine Abplatzungen der Eisenschicht festgestellt.
Es fand überdies kein signifikanter Materialabtrag am Kolbenring statt. Am Kolbenring
wurden lediglich Rauhigkeitsspitzen abgetragen.
[0066] In
Fig. 1 ist eine schematische Darstellung einer bevorzugten elektrochemischen Anordnung zur
Eisenabscheidung auf den Wandflächen von Zylindern von Verbrennungsmotoren wiedergegeben.
Der Innenraum
2 eines aus einer Aluminiumlegierung bestehenden Zylinders
1 ist mit Elektrolytflüssigkeit bis zum Niveau
3 befüllt. Eine Anode
4 aus Titan, die mit Rutheniumoxid beschichtet ist, ist konzentrisch in den Innenraum
2 eingesenkt. Die Anode
4 ist von einem aus einem gegen die Elektrolytflüssigkeit beständigen Diaphragma
5 umgeben, das beispielsweise aus Polypropylen besteht. Gegebenenfalls ist der Innenraum
2 mit einem Deckel (nicht dargestellt) verschlossen. Der Zylinder
1 ist ferner über eine Zuleitung
6 mit dem negativen Pol und die Anode
4 über eine Zuleitung
7 mit dem positiven Pol einer Stromquelle (nicht dargestellt) verbunden.