[0001] Die Erfindung betrifft einen Abgasturbolader für eine Brennkraftmaschine gemäß dem
Oberbegriff des Patentanspruchs 1.
[0002] Beispielsweise ist aus der EP 0 794 319 A1 ein Abgasturbolader einer Brennkraftmaschine
beschrieben, der in typischer Weise die grundlegenden Teile Verdichterstufe, Lagergehäuse
und Turbinenstufe aufzeigt. Verdichterlaufrad und Turbinenlaufrad sitzen auf einer
gemeinsamen Rotorwelle, die zwischen den Laufrädern mittels hydrodynamischem Lager,
bzw. hydrodynamisch in einem Lagerkörper im Lagergehäuse gelagert ist. Die hydraulische
Lagerung, bzw. der Lagerkörper ist in bevorzugter Weise an den Motorschmierölkreislauf
angeschlossen, kann aber auch mit einem externen Ölreservoir verbunden werden.
[0003] Bei Abgasturboladern mit einer derartigen zwischen Verdichter- und Turbinenrad angeordneten
hydrodynamischen Lagerung der Rotorwelle besteht immer das Problem, bzw. die Notwendigkeit
der Abdichtung des Lagerraumes zur Verdichter- bzw. Turbinenseite. Diese Abdichtung
wird bekanntlich mittels berührungsloser Dichtungen wie beispielsweise Labyrinthdichtungen
oder mittels kontaktierenden, d. h. berührenden Dichtungen wie beispielsweise Kolbenringen
ausgeführt, wobei diese Abdichtung eine gewisse Menge eines Leckvolumenstromes zulässt.
[0004] Zusätzlich wird in den meisten Fällen turbinenseitig Sperrluft aufgebracht, um das
Eindringen von Abgasen in das Lagergehäuse zu vermeiden.
[0005] Auf diese Weise dringt Luft in den Lager- bzw. Ölraum des Lagergehäuses ein, die
sich mit dem von den Lagern abgespritzten Öl zu einem Ölnebel vermengt. Da üblicherweise
Lagergehäuse einen kleinen Innenraum aufweisen, kann sich der Ölnebel nicht niederschlagen,
sondern wird durch den üblichen Ölablauf des Lagergehäuses aus dem Abgasturbolader
transportiert.
[0006] Damit die verbleibende Luftmenge nicht zu einer Anhebung des Triebraumdruckes der
aufzuladenden Brennkraftmaschine führt, müssen außerhalb des Abgasturboladers Maßnahmen
zur Entlüftung des Ölablaufs durchgeführt werden, da bekanntlich eine gute Trennung
zwischen Öl und Luft nur mit großem Volumen möglich ist. Bei kleinen Entlüftungsräumen,
die derzeit im Abgasturbolader möglich sind, ist die Abluft des Ölablaufs in der Regel
noch nicht ganz ölfrei, was zu einer nicht unerheblichen Umweltbelastung führt.
[0007] Es beschreibt beispielsweise die DE 195 23 480 A1 einen Abgasturbolader, der in einen
Motor-Ölkreislauf eingebunden ist und dem ein externes Entlüftungssystem zugeordnet
ist. Der Abgasturbolader ist dem Kurbelgehäuse des Motors in den Motor-Ölkreislauf
nachgeschaltet und weist eine Ölablaufleitung auf, die zu einer Messeinrichtung führt.
Damit kann die Menge der über die Rotorwellendichtungen des Abgasturboladers aus dessen
Verdichter und Turbine in den Ölkreislauf gelangenden Entlüftungsgase ermittelt werden.
[0008] Die Messeinrichtung weist einen sogenannten Beruhigungsbehälter auf. Des weiteren
ist zwischen der Ölablaufleitung des Abgasturboladers und dem höchsten Punkt der Ölablaufleitung
des Beruhigungsbehälters ein Bypassventil vorgesehen, wodurch das aus dem Abgasturbolader
austretende Öl unmittelbar der Ölwanne zuführbar ist.
[0009] Dies sind alles aufwendige Mittel, die zusätzlichen Platz beanspruchen.
[0010] Aufgabe vorliegender Erfindung ist es deshalb, einen Abgasturbolader der eingangs
genannten Art einen genügend großen Raum zur Verfügung zu stellen, mit diesem eine
ausreichende Separation von Öl aus dem Schmierölsystem und Luft, die über die Rotorwellendichtungen
des Abgasturboladers aus dessen Verdichter und Turbine in dessen Lagergehäuse und
damit in den Ölkreislauf gelangen kann, gewährleistet werden kann und der sich zudem
aufwandmindernd in den Abgasturbolader integrieren lässt.
[0011] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß mit den Merkmalen des Patentanspruchs 1 gelöst.
[0012] Dadurch, dass als Entlüftungssystem ein Ringraum mit einem zur vollständigen Separation
von Öl und Luft ausreichenden Volumen innerhalb des Lagergehäuses des Abgasturboladers
vorgesehen ist, insbesondere dadurch, dass das Lagergehäuse einen Ölraum zur Aufnahme
des hydrodynamischen Lagers der Rotorwelle aufweist und der Ringraum zur Entlüftung
des Schmieröles den Ölraum zumindest teilweise koaxial umfasst, wobei der Ringraum
einerseits mittels eines Überlaufs von einem externen Ölreservoir, sowie einem Ölablauf
zum Triebraum des Motors und andererseits mit einem Öldurchgang mit dem Ölraum verbunden
ist und das Lagergehäuse in Abhängigkeit des Volumens des darin integrierten Ringraums
den verfügbaren Raum zwischen der Verdichter- und Turbinenstufe ausfüllt, ist eine
in das Lagergehäuse integrierte Entlüftung des Ölraums für die Lagerung der Rotorwelle
geschaffen worden, wobei im Lagergehäuse dem entstehenden Ölnebel ein ausreichend
großer Raum zur Verfügung gestellt wird, um die Separation von Öl und Luft zu bewerkstelligen.
Gleichzeitig wird damit auch der Ölnebel als zusätzliche Lagergehäusekühlung verwendbar.
[0013] Der Erfindungsgegenstand nutzt also den zwischen Turbine- und Verdichterstufe verfügbaren
Bauraum optimal aus, um das Lagergehäuse so groß wie möglich zu gestalten und damit
den Ringraum zur Entlüftung des Schmieröls, d. h. das Entlüftungssystem in das Lagergehäuse
zu integrieren.
[0014] In der Zeichnung ist ein bevorzugtes Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen
Abgasturboladers für eine Brennkraftmaschine mit einem Ringraum mit einem zur vollständigen
Separation von Öl und Luft ausreichenden Volumen innerhalb des Lagergehäuses dargestellt.
[0015] Ein Meridianschnitt durch den Abgasturbolader 1 zeigt eine Verdichterstufe 2, eine
Turbinenstufe 3 und ein dazwischen angeordnetes Lagergehäuse 4.
[0016] Am Lagergehäuse 4 ist, in prinzipiell bekannter Weise und deshalb hier im einzelnen
nicht gezeigt, verdichterseitig ein spiralförmiger Leitkanal, der ein radial durchströmtes
Verdichterrad 5 der Verdichterstufe 2 umschließt, sowie turbinenseitig ein Leitkanal,
der ein (hier axial durchströmtes) Turbinenrad 6 umschließt, angeflanscht.
[0017] Verdichter- 5 und Turbinenrad 6 sitzen auf einer gemeinsamen Rotorwelle 7, die in
bekannter Weise mittels hydraulischer Radiallager oder Büchsen im Lagergehäuse 4 gelagert
ist.
[0018] Das hydrodynamische Lager der Rotorwelle 7 ist mittels eines zylindrischen Lagerkörpers
8 ummantelt, der wiederum unter Ausbildung eines Ölraums 9 in das Lagergehäuse 4 eingebaut
ist.
[0019] Weiterhin ist innerhalb des Lagergehäuses 4 ein Entlüftungssystem in Form eines Ringraums
10 mit einem zur vollständigen Separation von Öl und Luft ausreichenden Volumen vorgesehen.
[0020] Der Ringraum 10 ist teilweise koaxial um den Ölraum 9 angeordnet und einerseits mittels
eines Überlaufs 11 mit einem externen Ölreservoir, sowie mittels eines Ölablaufs 12
mit dem Triebraum des Motors verbunden, sowie andererseits mit einem Öldurchgang mit
dem Ölraum verbindbar. Über diesen Kreislauf wird die durch die Rotorwellendichtungen
in den Ölraum 9 eindringende und sich mit dem dort befindlichen Öl zu einem Ölnebel
vermengte Luft im Ringraum 10 vom Öl wieder separiert und über den Ölablauf 12 abgeführt.
Der sich an den Gehäusewänden 4 niederschlagende Ölnebel 13 wirkt dabei kühlend.
[0021] Der in vorteilhafter Weise im Lagergehäuse 4 eingebaute Lagerkörper 8 ist so ausgeführt,
dass einerseits mittels radialer Bohrungen 20 und einer Ölnut 21 im Umfang des zylindrischen
Lagerkörpers ein Öldurchgang vom Ringraum 10 in den Lagerkörper 8 und andererseits
über weitere Umfangsöffnungen 22 ein Öldurchgang aus dem Lagerkörper 8 in den Ölraum
9, der wiederum eine Verbindung 23 mit dem Ringraum 10 des Lagergehäuses 4 aufweist,
hergestellt ist.
[0022] Das Lagergehäuse 4 ist deshalb so ausgebildet, dass es in Abhängigkeit des Volumens
des integrierten Ringraumes 10 den verfügbaren Raum zwischen der Verdichter- 2 und
Turbinenstufe 3 ausfüllt.
Bezugszeichen:
[0023]
- 1
- Abgasturbolader
- 2
- Verdichterstufe
- 3
- Turbinenstufe
- 4
- Lagergehäuse
- 5
- Verdichterrad
- 6
- Turbinenrad
- 7
- Rotorwelle
- 8
- Lagerkörper
- 9
- Ölraum
- 10
- Ringraum
- 11
- Überlauf
- 12
- Ölablauf
- 13
- Ölnebel
- 20
- Bohrungen
- 21
- Ölnut
- 22
- Umfangsöffnungen
- 23
- Verbindung
1. Abgasturbolader für eine Brennkraftmaschine mit einer Verdichterstufe, einem Lagergehäuse
und einer Turbinenstufe, wobei Verdichter- und Turbinenlaufrad auf einer gemeinsamen
Rotorwelle sitzen, die Rotorwelle zwischen Verdichterund Turbinenlaufrad mittels hydraulischem
Lager im Lagergehäuse gelagert ist, das hydraulische Lager in einen Schmierölkreislauf
eingebunden ist und dem ein Entlüftungssystem zur Separation von Öl aus dem Schmierölkreislauf
und Luft, die aus der Verdichter- und Turbinenstufe in das Lagergehäuse eindringt,
zugeordnet ist, dadurch gekennzeichnet, dass als Entlüftungssystem ein Ringraum (10) mit einem zur vollständigen Separation von
Öl und Luft ausreichenden Volumen innerhalb des Lagergehäuses (4) vorgesehen ist.
2. Abgasturbolader für eine Brennkraftmaschine nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass das Lagergehäuse (4) einen Ölraum (9) zur Aufnahme des hydrodynamischen Lagers der
Rotorwelle (7) aufweist und der Ringraum (10) zur Entlüftung des Schmieröls den Ölraum
(9) zumindest teilweise koaxial umfasst, wobei der Ringraum (10) einerseits mittels
eines Überlaufs (11) mit einem Ölreservoir, sowie mittels eines Ölablaufs (12) mit
dem Triebraum des Motors und andererseits mit einem Öldurchgang (20 bis 23) mit dem
Ölraum (9) verbindbar ist und das Lagergehäuse (4) in Abhängigkeit des Volumens des
darin integrierten Ringraums (10) einen verfügbaren Bauraum zwischen der Verdichter-
(2) und Turbinenstufe (3) ausfüllt.
3. Abgasturbolader für eine Brennkraftmaschine nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass das hydraulische Lager der Rotorwelle (7) mittels eines zylindrischen Lagerkörpers
(8) ummantelt ist, der in den Ölraum (9) des Lagergehäuses (4) einbaubar ist und so
ausgeführt ist, das einerseits mittels radialer Bohrungen (20) und einer Ölnut (21)
im Umfang des zylindrischen Lagerkörpers (8) ein Öldurchgang vom Ringraum (10) in
den Lagerkörper (8) und andererseits über weitere Umfangsöffnungen (22) ein Öldurchgang
aus dem Lagerkörper (8) in den Ölraum (9), der wiederum eine Verbindung (23) mit dem
Ringraum (10) des Lagergehäuses (4) aufweist, herstellbar ist.