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EP 1 267 141 A2 |
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EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG |
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Veröffentlichungstag: |
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18.12.2002 Patentblatt 2002/51 |
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Anmeldetag: 14.06.2002 |
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| (84) |
Benannte Vertragsstaaten: |
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AT BE CH CY DE DK ES FI FR GB GR IE IT LI LU MC NL PT SE TR |
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Benannte Erstreckungsstaaten: |
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AL LT LV MK RO SI |
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Priorität: |
15.06.2001 DE 10129043
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Anmelder: Diehl Munitionssysteme GmbH & Co. KG |
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90552 Röthenbach (DE) |
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Erfinder: |
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- Kautzsch, Karl
90596 Schwanstetten (DE)
- Leininger, Jürgen
91217 Hersbruck (DE)
- Reindler, Albrecht
91367 Weissenohe (DE)
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Vertreter: Hofmann, Gerhard, Dipl.-Ing.
Patentassessor et al |
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Stephanstrasse 49 90478 Nürnberg 90478 Nürnberg (DE) |
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Verfahren und Vorrichtungen zum Bestimmen des Auslösens einer Bremseinrichtung für
die zielbezogene Korrektur der ballistischen Flugbahn eines Projektils |
(57) Die apparativ und energetisch sehr aufwendige Satelliten-Navigationseinrichtung an
Bord eines drallstabilisiert verschossenen Projektils, zur Bestimmung eines Bremsauslösepunktes
für zielbezogene Korrektur seiner zunächst noch über das Ziel hinaus weisenden ballistischen
Flugbahn, wird erfindungsgemäß gestützt auf oder sogar ersetzt durch an Bord des Projektils
bewegungsabhängig, wie insbesondere aus dem Projektil-Drall, gewinnbare Informationen.
Vorzugsweise wird der Bremsauslösepunkt dadurch vorgegeben, daß das Projektil eine
unter Berücksichtigung des Dralls bei Verlassen des Abschußrohres vorgegebene Anzahl
an Umdrehungen akkumuliert hat, was an Bord des Projektils einfach mittels des Ansprechens
eines Schwerkraftpendels oder eines Erdmagnetfeld-Sensors detektierbar ist.
[0001] Die Erfindung betrifft Verfahren und Vorrichtungen gemäß den Oberbegriffen der Hauptansprüche.
[0002] Derartige Maßnahmen sind aus der WO 98/01719 bekannt. Sie beruhen darauf, mittels
einer Satelliten-Navigationseinrichtung an Bord des ballistisch verbrachten Projektils
die aktuell geflogene, über das Ziel hinaus reichende Bahnkurve zu bestimmen und aus
deren Vergleich mit einer zieloptimiert vorgegebenen Bahnkurve bei Erreichen eines
vorgegebenen Bahnpunktes aerodynamische Bremseinrichtungen freizugeben, damit die
dann tatsächlich geflogene Bahn möglichst zielgenau verkürzt wird.
[0003] Für die praktische Realisierung solcher Maßnahmen problematisch ist es jedoch, daß
der für die laufende Positionsbestimmung an Bord des Projektils vorzusehenden Satelliten-Empfänger
wegen der harten Anforderungen an seine Abschußfestigkeit sehr kostspielig ist. Außerdem
steht an Bord eines Artillerieprojektils in der Regel die Leistung nicht ohne weiteres
zur Verfügung, die für den Betrieb einer Satelliten-Navigationseinrichtung zur wenigstens
quasikontinuierlichen Vermessung der aktuellen Flugbahn erforderlich ist. Das gilt
selbst dann noch, wenn der an Bord des Projektils erforderliche Rechenaufwand dadurch
eingeschränkt wird, daß der Navigationseinrichtung beim Abschuß möglichst viele Informationen
über den Beginn der Bahnkurve und über die momentane Satellitenkonstellation extern,
etwa aus einer entsprechend erweiterten Feuerleitanlage, vorgegeben werden; wobei
aber die praktische Schwierigkeit besteht, daß diese aktuellen Datenmengen während
des kurzen Ladevorganges gar nicht ohne weiteres im wünschenswerten Umfang übermittelt
werden können. Außerdem wirkt sich negativ aus, daß die Satellitennavigation während
der kurzen Flugzeit des Projektils relativ instabil ist, nämlich anfällig gegen Abreißen
des Sichtkontaktes zu den Satelliten etwa infolge des Stabilisierungsdralls des Geschosses,
infolge atmosphärischer Störungen und bei flacher Flugbahn auch infolge umweltbedingt
vorübergehender Abschattungserscheinungen.
[0004] In Erkenntnis dieser Gegebenheiten liegt vorliegender Erfindung die technische Problemstellung
zugrunde, die gattungsgemäßen Maßnahmen dahingehend weiterzubilden, daß die Satellitennavigation
an Bord des Projektils, nämlich zur Bestimmung des Bremsauslösepunktes auf der aktuell
geflogenen Flugbahn in Bezug auf das tatsächlich avisierte Ziel, durch ergänzende
Maßnahmen entscheidend gestützt und unter Umständen sogar ersetzt werden kann.
[0005] Als solche ergänzenden Maßnahmen können gemäß den Merkmalskombinationen der Hauptansprüche
erfindungsgemäß Navigationsinformationen in Betracht gezogen werden, die aus einem
Inertialsystem abgeleitet und in die Auswertung der Satellitennavigation eingespielt
werden. Allerdings sind die dafür erforderlichen Sensorplattformen noch teuerer, als
eine abschußfeste Satelliten-Navigationseinrichtung, weshalb diese Stützungsmaßnahme
zum Härten der Satelittennavigation nur ernsthaft in Betracht kommt, wenn das Inertialsystem
ohnehin an Bord des Projektils betriebenen wird.
[0006] Bevorzugt wird deshalb im Rahmen vorliegender Erfindung die Bremsauslösung bei Erreichen
eines vorgegebenen Punktes auf der bis dahin ballistischen Verbringungsbahn mittels
einer Zähleinrichtung gestützt oder sogar ersetzt, welche den, den Stabilisierungsdrall
des Projektils beschreibenden, Drehwinkel- oder Drehzahlverlauf über der Flugzeit
auf der ballistischen Bahn als Auslösekriterium enthält. Für diese Lösung ist davon
ausgegangen, daß die Abgangsdrehzahl eines Artillerieprojektils beim Verlassen des
Waffenrohres systembedingt quantitativ bekannt ist, und die durch den Staudruck auf
der ballistischen Bahn bedingte Abnahme dieser Anfangsdrehzahl über der Flugzeit bzw.
über der Entfernung vom Abschußort wenigstens qualitativ. Deshalb ist die momentane
Drehrate und damit auch die momentan akkumulierte Anzahl an Umdrehungen seit Verlassen
des Waffenrohres ein Maß für die momentane Lokalisierung des Projektils auf seiner
berechneten ballistischen Flugbahn. Da andererseits (wie in unserer älteren Anmeldung
199 57 363.8 vom 29.11.1999 näher dargestellt) aus der Überhöhung der Bahnkurve und
der ballistischen Bremswirkung am Projektil der Punkt längs der Flugbahn vorbestimmt
ist, in dem die Bremseinrichtung für eine Flugbahnverkürzung ins tatsächlich avisierte
Ziel freigegeben werden muß, läßt sich erfindungsgemäß dieser Bahnpunkt für die bekannten
Abgangsbedingungen auch durch das Absinken des Dralls auf eine bestimmte Rest-Drehrate
oder - besser noch, da genauer auswertbar - durch die Summe der seit dem Abschuß des
Projektils vollzogenen Umdrehungen definieren.
[0007] Dafür braucht an Bord des Projektils nur zusätzlich zur Funktion der Satelliten-Navigationseinrichtung
für die fortlaufende Positionsbestimmung längs der ballistischen Flugbahn - oder sogar
gänzlich unter Ersatz einer Satelliten-Navigationseinrichtung - über einen Drehratensensor
oder über einen Umdrehungszähler festgestellt zu werden, daß der durch die abgesunkene
Drehrate bzw. durch die akkumulierte Umdrehungszahl vorgegebene Bremsauslösepunkt
auf der aktuell noch ballistisch geflogenen Bahn erreicht ist, um zur genaueren Zielakquisition
nun das Abbremsen in eine verkürzte, steiler absteigende Bahnkurve freizugeben.
[0008] Es braucht so erfindungsgemäß die Flugbahn selbst nicht mehr aktuell (online) an
Bord des Projektils bestimmt zu werden. Vielmehr wird wie bisher vorab (offline) aus
einer Flugbahnsimulation der günstigste Bremsauslösepunkt bestimmt und nun zusätzlich
(ebenfalls schon offline vorab) der Restdrall (z.B. das Absinken von anfänglich 300
Hz auf 180 Hz) bzw. die akkumulierte Umdrehungszahl ab Verlassen des Waffenrohres
(z.B. 20.000 Umdrehungen) für diesen Punkt auf der noch über das Ziel hinaus weisenden
anfänglichen, ballistischen Flugbahn bestimmt. Als Bremsauslösekriterium braucht an
das Projektil dann nur noch ein einziger Zahlenwert für die Rest-Drehrate oder für
die aufsummierten Umdrehungen vorgegeben zu werden, was z.B. im Zuge des Ladevorganges
problemlos realisierbar ist.
[0009] Die Drehung infolge des Projektildralls zur Bestimmung der Drehrate bzw. der akkumulierten
Umdrehungsanzahl läßt sich an Bord des Projektils apparativ wenig aufwendig und funktional
sehr zuverlässig etwa mittels eines auf das Erdgravitationsfeld ansprechenden mechanischen
Pendels oder mittels eines auf das Erdmagnetfeld ansprechenden induktiven Sensors
bestimmen, weil solche Systeme pro Umdrehung des Projektils gerade genau ein digital
auszuwertendes Signal liefern. Die Signalfrequenz ist die Drehrate bzw. die Signalsumme
ist die Umdrehungsanzahl, deren Erreichen eines vorgegebenen Wertes über der Flugzeit
wie geschildert als Kriterium zur Auslösung der Bremseinrichtung dient.
[0010] Hinsichtlich zusätzlicher Weiterbildungen der Erfindung wird auch auf die Unteransprüche
verwiesen. Die apparativ und energetisch sehr aufwendige Satelliten-Navigationseinrichtung
an Bord eines drallstabilisiert verschossenen Projektils, zur Bestimmung eines Bremsauslösepunktes
für zielbezogene Korrektur seiner zunächst noch über das Ziel hinaus weisenden ballistischen
Flugbahn, wird also erfindungsgemäß gestützt auf oder sogar ersetzt durch an Bord
des Projektils bewegungsabhängig, wie insbesondere aus dem Projektil-Drall, gewinnbare
Informationen. Vorzugsweise wird der Bremsauslösepunkt dadurch vorgegeben, daß das
Projektil eine unter Berücksichtigung des Dralls bei Verlassen des Abschußrohres vorgegebene
Anzahl an Umdrehungen akkumuliert hat, was an Bord des Projektils einfach mittels
des Ansprechens eines Schwerkraftpendels, eines Erdmagnetfeld-Sensors oder eventuell
auch eines Lagekreisels pro Projektildrehung um seine Längs- oder Rollachse detektierbar
ist. Weil die Basis dieser Umdrehungsinformation, nämlich die Rollrate des Projektils,
wie die Flugbahn vom Staudruck und somit auch von insbesondere atmosphärischen Umwelteinflüssen
wie der Luftdichte beeinflußt wird, ist durch Vorgabe einer Umdrehungsinformation
zugleich eine entsprechende Unabhängigkeit des Bremsauslösepunktes von solchen Störeinflüssen
erzielt.
1. Verfahren zum Bestimmen des Auslösens einer Bremseinrichtung für die zielbezogene
Korrektur der ballistischen Flugbahn eines Projektils,
dadurch gekennzeichnet,
daß eine Satelliten-Navigation zur Positionsbestimmung an Bord des Projektils aus an
Bord gewonnenen Informationen über die fortschreitende Veränderung der Bewegung des
Projektils gestützt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Stützung der Satelliten-Navigation aus einem Inertialsystem erfolgt.
3. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Stützung der Satelliten-Navigation aus wenigstens einer Umdrehungsinformation
des drallstabilisiert verschossenen Projektils erfolgt.
4. Verfahren nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Stützung der Satelliten-Navigation aus einer Veränderung der Drehrate des Projektils
erfolgt.
5. Verfahren nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Stützung der Satelliten-Navigation aus einer akkumulierten Drehzahl des Projektils
erfolgt.
6. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß ein drallabhängiger Bremsauslösepunkt auf der ballistischen Flugbahn des Projektils
vorgegeben wird.
7. Verfahren nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Absinken auf einen in Bezug auf eine anfängliche Drehrate vorgegebenen Endwert
der Drehrate als Bremsauslösekriterium vorgegeben wird.
8. Verfahren nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß eine vorgegebene Summe von Umdrehungen des Projektils als Bremsauslösekriterium vorgegeben
wird.
9. Vorrichtung zum Bestimmen des Auslösens einer Bremseinrichtung für die zielbezogene
Korrektur der ballistischen Flugbahn eines drallstabilisiert verschossenen Projektils,
dadurch gekennzeichnet,
daß ein auf erdbezogene Einflüsse wie insbesondere die Schwerkraft oder das Magnetfeld
ansprechender Umdrehungssensor an Bord des Projektils vorgesehen ist.