(19)
(11) EP 1 270 781 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
02.01.2003  Patentblatt  2003/01

(21) Anmeldenummer: 02405421.5

(22) Anmeldetag:  27.05.2002
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)7D03D 49/10
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH CY DE DK ES FI FR GB GR IE IT LI LU MC NL PT SE TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
AL LT LV MK RO SI

(30) Priorität: 26.06.2001 EP 01810618

(71) Anmelder: SULZER TEXTIL AG
8630 Rüti (CH)

(72) Erfinder:
  • Siegl, Walter, Dr.
    8712 Stäfa (CH)

(74) Vertreter: Sulzer Management AG 
KS/Patente/0067 Zürcherstrasse 12
8401 Winterthur
8401 Winterthur (CH)

   


(54) Verfahren und Vorrichtung zur Regelung des Kettablasses einer Webmaschine


(57) Es wird ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Regelung des Kettablasses einer Webmaschine vorgeschlagen, indem für einen Kettbaum (2) eine Soll-Drehzahl (SD) vorgegeben wird, indem eine Kettspannung (K) der vom Kettbaum (2) abgegebenen Kettfäden (3) ermittelt wird, indem die Kettspannung (K) mit einer Gewichtungsfunktion (G) gewichtet und derart eine gewichtete Kettspannung (KG) ermittelt wird, indem aus den Werten der Soll-Drehzahl (SD) und der gewichteten Kettspannung (KG) eine korrigierte Soll-Drehzahl (SDK) ermittelt wird, und indem die Drehzahl des Kettbaums (2) in Abhängigkeit der korrigierten Soll-Drehzahl (SDK) angesteuert wird.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Regelung des Kettablasses einer Webmaschine gemäss dem Oberbegriff von Anspruch 1. Die Erfindung betrifft weiter eine Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens gemäss dem Oberbegriff von Anspruch 10.

[0002] Die Druckschrift US 4,942,908 offenbart eine Regelvorrichtung für eine Webmaschine, welche zur Beeinflussung der Kettfadenspannung die Drehzahl des Kettbaums entsprechend verändert. Diese Regelvorrichtung wird in zwei grundsätzlich unterschiedlichen Operationsmodi betrieben. In einem ersten Operationsmodus wird eine feste Drehzahl vorgegeben, mit welcher der Kettbaum rotiert wird, unabhängig von der Kettfadenspannung. In einer zweiten Operationsmodus, wird mit einem Sensor die Spannung der Kettfäden gemessen, und die Drehzahl des Kettbaums derart geregelt, dass die Spannung der Kettfäden einem vorgegebenen Wert entspricht. Diese bekannte Regelvorrichtung ermöglicht die Gewebedichte zu beeinflussen, indem die Spannung der Kettfäden entsprechend verändert wird. Die Spannung der Kettfäden beeinflusst die Art deren Einarbeitung in das sich bildende Gewebe, und beeinflusst somit auch die Gewebedichte. Die Art der Spannungsregelung der Kettfäden ist daher von zentraler Bedeutung, um ein Gewebe von gleichbleibender, reproduzierbarer Qualität zu erzeugen.

[0003] Nachteilig an der bekannten Regelung ist die Tatsache, dass das hergestellte Gewebe eine reduzierte Qualität aufweist, beispielsweise wenn die Beschaffenheit des verwobenen Garns, zum Beispiel das E-Modul, Schwankungen unterliegt, oder wenn unterschiedliche Gewebebindungen gewoben werden.

[0004] Es ist Aufgabe der vorliegenden Erfindung ein Verfahren zur Regelung des Kettablass einer Webmaschine vorzuschlagen, welches eine höhere Gewebequalität herzustellen erlaubt.

[0005] Diese Aufgabe wird gelöst mit einem Verfahren aufweisend die Merkmale von Anspruch 1. Die Unteransprüche 2 bis 9 betreffen weitere, vorteilhafte Verfahrensschritte. Die Aufgabe wird weiter gelöst mit einer Vorrichtung aufweisend die Merkmale von Anspruch 10.

[0006] Die Aufgabe wird insbesondere gelöst mit einem Verfahren zur Regelung des Kettablasses einer Webmaschine, indem für einen Kettbaum eine Soll-Drehzahl SD vorgegeben wird, indem eine Kettspannung K der vom Kettbaum abgegebenen Kettfäden ermittelt wird, indem die Kettspannung K mit einer Gewichtungsfunktion G gewichtet und derart eine gewichtete Kettspannung KG ermittelt wird, indem aus den Werten der Soll-Drehzahl SD und der gewichteten Kettspannung KG eine korrigierte Soll-Drehzahl SDK ermittelt wird, und indem die Drehzahl des Kettbaums in Abhängigkeit der korrigierten Soll-Drehzahl SDK angesteuert wird.

[0007] Ein Vorteil des erfindungsgemässen Verfahrens ist darin zu sehen, dass keine Webphasen auftreten, innerhalb welchen die Kettspannung nicht definiert ist. Der Kettablass der Webmaschine beziehungsweise die Drehzahl des Kettbaums wird sowohl von einer vorgegebenen Soll-Drehzahl als auch von der gemessenen Kettspannung der Kettfäden bestimmt.

[0008] In einer vorteilhaften Ausgestaltung wird die Kettspannung mit einer Gewichtungsfunktion gewichtet, wobei der Gewichtungsfaktor einstellbar ist, sodass bestimmt werden kann, in welchem Ausmass die Kettspannung die Drehzahl des Kettbaums beeinflussen soll. Das erfindungsgemässe Verfahren wird üblicherweise derart betrieben, dass die Drehzahl des Kettbaums sowohl von der vorgegebenen Soll-Drehzahl als auch von der gemessenen Kettspannung abhängt.

[0009] Durch eine entsprechende Wahl des Wertes des Gewichtungsfaktors können jedoch folgende beiden Spezialfälle auftreten.

[0010] Wird der Gewichtungsfaktor auf Null gesetzt, so wirkt sich die Kettspannung nicht mehr auf die Drehzahl des Kettbaums aus. Die Drehzahl wird dabei einzig von der vorgegebenen Soll-Drehzahl bestimmt. Eine derartige Regelung des Kettablasses wird auch als eine "positives Kettzuführsystem" oder als ein "positives System" bezeichnet. Dieses positive System wird vorzugsweise derart eingestellt, dass eine konstante Kettfadenlänge pro Webzyklus geliefert wird, unabhängig von den in den Kettfäden auftretenden Spannungswerten.

[0011] Wird der Gewichtungsfaktor auf unendlich gesetzt, so wirkt sich der Wert der vorgegebenen Soll-Drehzahl nicht mehr auf die Drehzahl des Kettbaums aus. Die Drehzahl wird dabei einzig von der Kettspannung bestimmt. Eine derartige Regelung des Kettablasses wird auch als ein "negatives Kettzuführsystem" oder als ein "negatives System" bezeichnet. Dieses negative System hat die Eigenschaft, dass die Kettfäden derart geliefert werden, dass die Spannung der Kettfäden einen vorgegebenen Wert aufweist. Die gelieferte Kettfadenlänge pro Webzyklus ist somit abhängig von der Spannung der Kettfäden.

[0012] Eine Regelvorrichtung für das negative System kann derart aufgebaut sein, dass die Kettspannung gemessen und in einem Kettspannungsregler mit einem Sollwert verglichen wird. Der Kettspannungsregler bildet als Ausgangssignal eine Soll-Drehzahl, welche einem nachgeordneten Drehzahlregler zugeführt wird, um die Drehzahl des Kettbaums entsprechend der Soll-Drehzahl anzusteuern.

[0013] Eine Regelung gemäss dem positiven System weist den Nachteil auf, dass die Kettfadenspannung grossen Schwankungen unterliegt, beispielsweise verursacht durch variierende Garnbeschaffenheit und/oder variierende Gewebebindung, sodass das mit diesem Regelverfahren hergestellte Gewebe ein nachteiliges Gewebebild aufweisen kann.

[0014] Eine Regelung gemäss dem negativen System weist ebenfalls den Nachteil auf, dass ein Gewebe mit einem nachteiligen Gewebebild erzeugt wird, beispielsweise verursacht durch variierende Garnbeschaffenheit und/oder variierende Gewebebindung.

[0015] Ein wesentlicher Vorteil des erfindungsgemässen Verfahrens ist darin zu sehen, dass die Ketteinarbeitung geringen Schwankungen unterliegt. Unter der Ketteinarbeitung versteht man den Quotienten aus konsumierter Kettfadenlänge und hergestellter Gewebelänge. Die Ketteinarbeitung hängt unter anderem von der Kettfadenspannung beziehungsweise von der vom Kettbaum abgegebenen Kettfadenlänge ab. In der Regel ist beim Weben die quantitative Beziehung zwischen der Ketteinarbeitung und der Kettspannung nicht bekannt, was zur Folge hat, dass bei einer Regelung gemäss dem negativen System der Sollwert für die Kettspannung, um eine bestimmte Ketteinarbeitung zu erzielen, nicht genau vorgegeben werden kann. Nebst den Laufeigenschaften des Webprozesses, welche die Kettspannung und damit die Ketteinarbeitung bestimmten, wird die Ketteinarbeitung zudem von artikelspezifischen Faktoren wie Schussdichte oder Bindung beeinflusst. Daher ist trotz einer genauen Regelung der Kettspannung nicht gewährleistet, dass das hergestellte Gewebe die erforderliche Ketteinarbeitung aufweist, beziehungsweise dass das Gewebe eine gute Massbeständigkeit oder ein gleichmässiges Gewebegewicht aufweist.

[0016] Das erfindungsgemässe Verfahren erlaubt sowohl eine Regelung des Kettablasses gemäss einem positiven als auch einem negativen System. Von zentraler Bedeutung ist jedoch, dass das erfindungsgemässe Verfahren eine Regelung in einer Mischform von positivem System und negativem System erlaubt. Die Anteile des positiven Systems beziehungsweise des negativen Systems am Regelverfahren können zudem über die Werte der Gewichtungsfunktion G eingestellt werden.

[0017] Das erfindungsgemässe Verfahren ermöglicht eine Gewebe höherer Qualität herzustellen, insbesondere ein Gewebe mit einer ausgeglichenen Ketteinarbeitung, das heisst ein Gewebe mit einem gleichmässigen Gewebegewicht.

[0018] In einer vorteilhaften Weiterbildung des erfindungsgemässen Verfahrens wird sowohl die vom Kettbaum abgegebenen Kettfädenlänge als auch die erzeugte Gewebelänge gemessen, um aus diesen Daten einen Ketteinarbeitungswert zu bestimmten. In einem weiteren, vorteilhaften Verfahren wird die Gewichtungsfunktion in Abhängigkeit des Ketteinarbeitungswertes derart verändert, sodass ein Gewebe mit einem vorgegebenen Soll-Ketteinarbeitungswert hergestellt wird.

[0019] Die Erfindung wird nachfolgend an Hand mehrerer Ausführungsbeispiele beschrieben. Es zeigen:
Fig. 1
ein erstes Ausführungsbeispiel einer Regelvorrichtung;
Fig. 2
eine erste Kennlinie, welche den Zusammenhang zwischen Kettspannung und korrigierter Soll-Drehzahl darstellt;
Fig. 3
ein zweites Ausführungsbeispiel einer Regelvorrichtung;
Fig. 4
eine zweite Kennlinie mit korrigierter Soll-Drehzahl;
Fig. 5
eine dritte Kennlinie mit korrigierter Soll-Drehzahl;
Fig. 6
schematisch eine Webmaschine mit Warenbaum.


[0020] Figur 1 zeigt einen Kettbaum 2, welcher von einem Motor 4 angetrieben ist, und Kettfäden 3 der Webmaschine zuführt. Die Ist-Drehzahl ID des Kettbaums 2 wird mit einem Sensor 7 erfasst. Die Kettspannung K der Kettfäden 3 wird mit einem Sensor 5 erfasst. Die Regelvorrichtung 1 erfasst die Kettspannung K, gewichtet diese in einem Übertragungsglied 6 mit einer Gewichtungsfunktion G, und leitet die gewichtete Kettspannung KG einem Addierer zu. Durch Addieren wird aus einer vorgegebenen Soll-Drehzahl SD und der gewichteten Kettspannung KG eine korrigierte Soll-Drehzahl SDK berechnet. Diese korrigierte Soll-Drehzahl SDK dient einem unterlagerten Regelkreis als Führungsgrösse. Vorteilhafterweise ist die Drehzahlregelvorrichtung 8 des unterlagerten Regelkreises als PID-Regler ausgestaltet, sodass das Fehlersignal F des unterlagerten Regelkreises gegen Null strebt und dadurch die Drehzahl des Kettbaums 2 über den Motor 4 und den Drehzahlsensor 7 derart angesteuert wird, dass die Drehzahl des Kettbaums 2 im wesentlichen der korrigierten Soll-Drehzahl SDK entspricht.

[0021] Der Wert der Gewichtungsfunktion G kann manuell im Übertragungsglied 6 eingegeben werden. Es kann sich jedoch auch als vorteilhaft erweisen, den Wert der Gewichtungsfunktion G elektrisch, beispielsweise über eine Leitung 11, dem Übertragungsglied 6 zuzuführen.

[0022] Fig. 6 zeigt schematisch eine Webmaschine mit einem von einem Motor 4 angetriebenen Kettbaum 2 mit Kettfäden 3, sowie mit einem von einem Motor 14 angetriebenen Warenbaum 12 mit Gewebe 13. Mit Drehzahlsensoren 7, 15 wird die Drehzahl des Kettbaums 2 und des Warenbaums 12 von der übergeordnete Regelvorrichtung 16 erfasst. Zudem erfasst diese mit einem Spannungssensor 5 die Kettspannung K. Die übergeordnete Regelvorrichtung 16 erzeugt, beispielsweise in Abhängigkeit vom Durchmesser des sich auf dem Kettbaum 2 befindlichen Kettfadenwickels, eine entsprechende Soll-Drehzahl SD für den Kettbaum 2. Dieser Soll-Drehzahl SD wird der Regelvorrichtung 1 zugeführt.

[0023] Das erfindungsgemässe Verfahren zur Regelung des Kettablasses erfolgt nun derart, dass dem Kettbaum 2 von der übergeordneten Regelvorrichtung 16 eine Soll-Drehzahl SD vorgegeben wird, dass die Kettspannung K der vom Kettbaum 2 abgegebenen Kettfäden 3 gemessen wird, dass die Kettspannung K mit einer Gewichtungsfunktion G gewichtet und derart eine gewichtete Kettspannung KG ermittelt wird, dass aus den Werten der Soll-Drehzahl SD und der gewichteten Kettspannung KG eine korrigierte Soll-Drehzahl SDK ermittelt wird, und dass der Kettbaum 2 mit der korrigierten Soll-Drehzahl SDK angesteuert wird.

[0024] Figur 2 zeigt in einer ersten Kennlinie K1 einen linearen Zusammenhang zwischen der Kettspannung K und der korrigierten Soll-Drehzahl SDK. Für die Gewichtungsfunktion G gilt die Formel G=α (K - Ko). Der Faktor α der Gewichtungsfunktion bestimmt die Steigung der Kennlinie K1. Der Faktor Ko ist derart gewählt, dass die Soll-Drehzahl SD, wie in Figur 2 dargestellt, bei einer bevorzugten Kettspannung Ko zu liegen kommt. Die Regelung des Kettablasses mit der in Figur 2 dargestellten ersten Kennlinie K1 läuft wie folgt ab: Solange die Kettspannung K den Wert Ko beibehält, entspricht der Wert der korrigierten Soll-Drehzahl SDK dem Wert der Soll-Drehzahl SD. Sobald die Kettspannung K ansteigt, nimmt auch der Wert der korrigierten Soll-Drehzahl SDK entsprechend dem Verlauf der ersten Kennlinie K1 zu, sodass der Kettbaum 2, wie im Punkt K13 dargestellt, mit einer gegenüber der Soll-Drehzahl SD erhöhten korrigierten Soll-Drehzahl SDK betrieben wird. In diesem mit VE bezeichneten Bereich weist die korrigierte Soll-Drehzahl SDK einen höheren Wert als die Soll-Drehzahl SD auf, was auch als ein Voreilen VE bezeichnet wird. Sobald die Kettspannung K den Wert Ko unterschreitet, nimmt der Wert der korrigierten Soll-Drehzahl SDK entsprechend dem Verlauf der ersten Kennlinie K1 ab, sodass der Kettbaum 2, wie im Punkt K14 dargestellt, mit einer gegenüber der Soll-Drehzahl SD reduzierten korrigierten Soll-Drehzahl SDK betrieben wird. In diesem mit NE bezeichneten Bereich weist die korrigierte Soll-Drehzahl SDK einen tieferen Wert als die Soll-Drehzahl SD auf, was auch als ein Nacheilen NE bezeichnet wird. Das in Figur 2 dargestellte Verhalten verleiht der Regelung des Kettablasses ein stabiles Verhalten. Tritt zum Beispiels auf Grund einer Änderung der Kettfadeneigenschafen eine Erhöhung der Kettspannung K auf, so wird die korrigierte Soll-Drehzahl SDK und dadurch auch die Drehzahl des Kettbaumes 2 entsprechend erhöht, sodass sich die Kettspannung K wieder reduziert, und sich das Regelsystem in einem neuen Arbeitspunkt stabilisiert.

[0025] Die Regelcharakteristik des erfindungsgemässen Verfahrens kann mit mehreren Massnahmen beeinflusst werden. Der Wert der Soll-Drehzahl SD kann erhöht oder reduziert werden, unabhängig vom Wert der Kettspannung, um die Regelcharakteristik zu verändern. Zudem ist es üblich, dass die Soll-Drehzahl SD von der übergeordneten Regelvorrichtung 16 während dem Betrieb der Webmaschine, beispielsweise abhängig von der Menge der sich auf dem Kettwarebaum 2 befindlichen Kettfäden 3, verändert wird.

[0026] Die Regelcharakteristik kann auch durch ein Ändern der Gewichtungsfunktion G verändert werden. Zum Beispiel kann der Faktor α vergrössert/verringert werden, sodass die Kurve K1 eine grössere/kleinere Steigung α aufweist. Ein zu hoher Wert für den Faktor α führt im wesentlichen zu einem negativen Kettzuführsystem, indem die Kettspannung K unabhängig von der Soll-Drehzahl SD geregelt wird. Ein zu kleiner Wert für den Faktor α führt im wesentlichen zu einem positiven Kettzuführsystem, indem die korrigierte Soll-Drehzahl SDK im wesentlichen unabhängig von der Kettspannung K ist. Die erfindungsgemässe Regelung des Kettablasses vereint somit die Eigenschaften des positiven und des negativen Kettzuführsystems. Der optimale Wert für den Faktor α hängt von unterschiedlichsten Aspekten ab, wie Webbedingungen, Garneigenschaften oder Gewebebindung. Der Faktor α wird vorzugsweise für jeweils einen bestimmten zu webenden Artikel eingestellt. So kann beispielsweise ein Webprozess gestartet werden, indem zu Beginn für den Faktor α ein grosser Wert eingestellt wird. Die Wirkung auf das erstellte Gewebe wird beobachtet, die Ketteinarbeitung gemessen, und danach der Faktor α eventuell wieder verändert, bis die optimale Einstellung für diesen Faktor gefunden ist. Für Garne mit einem hohen Elastizitätsmodul sollte der Faktor α einen kleinen Wert aufweisen, da sonst kleine Änderungen in der Kettspannung eine grosse Änderung der Kettzufuhr bewirken würden. Entsprechend ist für Garne mit einem tiefen Elastizitätsmodul ein Faktor α mit einem grossen Wert vorteilhaft.

[0027] Die Gewichtungsfunktion G kann in einer Vielzahl möglicher Funktionen definiert sein. Um Kettspannungsänderungen dynamisch zu beeinflussen kann es sich als vorteilhaft erweisen, die Gewichtungsfunktion G zudem in Funktion der Zeit zu definieren. Eine derartige Gewichtungsfunktion könnte zum Beispiel definiert sein als G = α(1-e-bt). Die gewichtete Kettspannung KG ist somit, bedingt durch die Exponentialfunktion in Funktion der Zeit t, nebst dem Wert der Kettspannung K und dem Wert des Faktors α auch von der Zeit t abhängig.

[0028] Zusätzlich zur Regelvorrichtung gemäss Figur 1 weist das in Figur 3 dargestellte, zweite Ausführungsbeispiel einer Regelvorrichtung 1 noch einen Schwellwertschalter 9, sowie zwei elektrische Umschalter 10a, 10b auf, welche vom Relais 10 betätig sind. Die Kettspannung K wird dem Schwellwertschalter 9 zugeführt, welcher den Wert der Kettspannung K mit einer unteren Kettspannung KSU sowie einer oberen Kettspannung KSO vergleicht. Solange der Wert der Kettspannung K zwischen den Werte KSO und KSU liegt, nehmen die elektrischen Umschalter 10a, 10b die in Figur 3 dargestellte Lage ein. Sobald der Wert der Kettspannung K grösser oder kleiner als die Werte KSO oder KSU ist, erzeugt der Schwellwertschalter 9 ein Schaltsignal, welches die elektrische Schaltvorrichtung 10 betätigt, und die Lage der elektrischen Umschalter 10a, 10b verändert. Der erste Umschalter 10a leitet dadurch eine Soll-Kettspannung SK der elektrischen Leitung 17 zu. Der zweite Umschalter 10b trennt den Wert der Soll-Drehzahl SD von der Regelvorrichtung 1. Dadurch arbeitet die Regelvorrichtung 1 als reiner Kettspannungsregler, indem der Regelvorrichtung 1 die Soll-Kettspannung SK vorgegeben wird. Dabei ist zu beachten, dass der Wert der Soll-Kettspannung SK über oder unter dem Wert KSO, KSU liegen muss.

[0029] Beim Auslösen des Schwellwertschalters 9 kann zudem eine Warnung ausgelöst werden, um eine Aufsichtsperson zu benachrichtigen. Der Schwellwertschalter 9 kann einen manuellen Eingang Man aufweisen, um den Schwellwertschalter 9 wieder in den in Fig. 3 dargestellten Betriebsmodus zurückzusetzen.

[0030] Die erfindungsgemässe Regelvorrichtung 1 ist zudem für den Betrieb einer Webmaschine mit einem ersten und einem zweiten Kettbaum 2 geeignet. Dabei wird jeder der zwei Kettbäume 2 mit einem eigenen Motor 4 angetrieben, wobei für jeden Kettbaum 2 die in Fig. 1 dargestellte Anordnung mit Regelvorrichtung 1 und Sensoren 5,7 zur Ansteuerung des Motors 4 vorgesehen ist. Figur 4 zeigt die für den ersten Kettbaum 2 verwendete Kennlinie K1 der ersten Regelvorrichtung 1. Die Kennlinie K1 weist eine Steigung α1 auf. Figur 5 zeigt die für den zweiten Kettbaum 2 verwendete Kennlinie K2 der zweiten Regelvorrichtung 1. Diese Kennlinie K2 kann eine unterschiedliche Steigung α2 aufweisen. Diese unterschiedlichen Steigungen α1, α2 sind insbesondere dann vorteilhaft, wenn die Kettfäden 3 der einzelnen Kettbäume 2 unterschiedliche Textileigenschaften, wie eine unterschiedliche Elastizität, aufweisen. Vorteilhafterweise wird einer der Kettbäume 2 als Master-System gewählt, und der andere Kettbaum 2 als Slave-System, dessen Soll-Drehzahl SD vom Master-System vorgegeben wird. Im dargestellten Ausführungbeispiel wird der erste Kettbaum 2 gemäss der in Figur 4 dargestellten Kennlinie K1 als Master-System betrieben, wogegen der zweite Kettbaum 2 gemäss der in Figur 5 dargestellten Kennlinie K2 als Slave-System betrieben wird. Der erste Kettbaum 2 wird, wie bereits mit Figur 2 beschrieben, derart betrieben, dass eine Soll-Drehzahl SD vorgegeben wird, was auf der Kennlinie K1 den Punkt K11 ergibt. Auf Grund der Kettspannung der vom ersten Kettbaum 2 abgegebenen Kettfäden erzeugt die Regelvorrichtung 1 über den Punkt K22 die korrigierte Solldrehzahl SDK, mit welcher der erste Kettbaum 2 rotiert wird. Diese korrigierte Solldrehzahl SDK wird dem Slave-System, welches den zweiten Kettbaum 2 ansteuert, als Soll-Drehzahl SD vorgegeben. Die Kettspannung des zweiten Kettbaums 2 kann sich unabhängig vom ersten Kettbaum 2 verändern. Die Regelvorrichtung 1 des zweiten Kettbaums 2 erzeugt, wie in Figur 5 dargestellt, auf Grund der gemessenen Kettspannung und unter Berücksichtigung der Kennlinie K2 die korrigierte Soll-Drehzahl SDK, mit welcher der zweite Kettbaum 2 rotiert wird. Diese Art der Regelung hat zur Folge, dass die beiden Kettbäume 2, welche Kettfäden mit unterschiedlichen Eigenschaften aufweisen, unterschiedliche Kettspannungswerte und unterschiedliche Drehzahlen aufweisen können. Dies Regelung mit einem Master-System und einem Slave-System ermöglicht eine gleichmässige Ketteinarbeitung, auch bei Kettfäden mit unterschiedlichen Eigenschaften.

[0031] Figur 8 zeigt einen Teil eines Gewebes 13 bestehend aus Kettfäden 3 und Schussfäden 18. Das Gewebe 13 hat eine 1/1-Bindung. Für diese Bindung ist die Ketteinarbeitung C definiert als C =

, wobei die eingearbeitete Kettfadenlänge mit L1 und die erzeugte Gewebelänge mit L2 bezeichnet ist.

[0032] Figur 7 zeigt eine Regelvorrichtung 19, welcher der gemessene Wert für die eingearbeitete Kettfadenlänge L1 sowie der gemessene Wert für die erzeugte Gewebelänge L2 zugeführt wird, sodass die Regelvorrichtung 19, wie dargestellt, in der Lage ist den aktuellen Wert der Ketteinarbeitung C, als Ist-Ketteinarbeitung (CIST) bezeichnet, zu ermitteln. Dieser Wert wird mit einer vorgegebenen Soll-Ketteinarbeitung (CSOLL) verglichen, indem die Differenz dieser beiden Werte gebildet wird, und dieses Differenzsignal einem Pl-Regler 20 zugeführt wird. Dieser Regler 20 erzeugt ein Signal zur Korrektur der Vorgabe des Faktors α in der Gewichtungsfunktion G, welches über die Leitung 11, wie in Figur 1 dargestellt, zum Beispiel dem Übertragungsgliedes 6 zugeführt wird. Die erzeugte Gewebelänge L2 kann beispielsweise mit Hilfe des Sensors 15 ermittelt werden, welcher die Drehzahl des Warenbaumes 2 misst.

[0033] Es kann sich als vorteilhaft erweisen, die mit dem Spannungssensor 5 und/oder dem Drehzahlsensor 7 gemessenen Werte zu glätten, beziehungsweise von den gemessenen Werten einen Mittelwert zu bilden, bevor diese Werte einer nachgeordneten Einheit zugeführt werden.

[0034] Das erfindungsgemässe Verfahren zur Regelung des Kettablasses ist für unterschiedlichste Webmaschinentypen geeignet, beispielsweise für Projektilwebmaschinen, Luftdüsenwebmaschinen, Mehrphasenwebmaschinen oder Greiferwebmaschinen.


Ansprüche

1. Verfahren zur Regelung des Kettablasses einer Webmaschine, indem für einen Kettbaum (2) eine Soll-Drehzahl (SD) vorgegeben wird, indem eine Kettspannung (K) der vom Kettbaum (2) abgegebenen Kettfäden (3) ermittelt wird, indem die Kettspannung (K) mit einer Gewichtungsfunktion (G) gewichtet und derart eine gewichtete Kettspannung (KG) ermittelt wird, indem aus den Werten der Soll-Drehzahl (SD) und der gewichteten Kettspannung (KG) eine korrigierte Soll-Drehzahl (SDK) ermittelt wird, und indem die Drehzahl des Kettbaums (2) in Abhängigkeit der korrigierten Soll-Drehzahl (SDK) angesteuert wird.
 
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die addierten Werte von Soll-Drehzahl (SD) und gewichteter Kettspannung (KG) die korrigierte Soll-Drehzahl (SDK) ergeben.
 
3. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Gewichtungsfunktion (G) nur einen Faktor α aufweist, mit welchem die Kettspannung (K) multipliziert wird.
 
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Spannung der Kettfäden (3) verändert wird, indem der Wert für die Soll-Drehzahl (SD) und/oder der Wert der Gewichtungsfunktion (G), insbesondere der Wert des Faktors α, verändert wird.
 
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Webmaschine einen ersten und einen zweiten Kettbaum (2) umfasst, welche getrennt ansteuerbar sind, und dass für jeden Kettbaum (2) eine separater, korrigierte Soll-Drehzahl (SDK) ermittelt wird, und dass die Drehzahl jedes Kettbaumes (2) entsprechend der separaten, korrigierten Soll-Drehzahl (SDK) angesteuert wird.
 
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die separate, korrigierte Soll-Drehzahl (SDK) des ersten Kettbaums (2) als Wert für die Soll-Drehzahl (SD) des zweiten Kettbaumes (2) verwendet wird.
 
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass beim Über- oder Unterschreiten der Kettspannung (K) von einem vorgegebenen Kettspannungswert (KSO, KSU) die korrigierte Soll-Drehzahl (SDK) ohne Verwendung eines Wertes für die Soll-Drehzahl (SD) erzeugt wird, indem zwischen der Kettspannung (K) und einer vorgegebenen Soll-Kettspannung (SK) ein Differenzwert gebildet wird, und der mit der Gewichtsfunktion (G) gewichtete Differenzwert die korrigierte Soll-Drehzahl (SDK) bildet, mit welcher die Drehzahl des Kettbaums (2) angesteuert wird.
 
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die vom Kettbaum (2) abgegebene Kettfadenlänge (L1) sowie die erzeugte Gewebelänge (L2) gemessen und daraus die Ist-Ketteinarbeitung (CIST) ermittelt wird.
 
9. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Gewichtungsfunktion (G), insbesondere der Faktor α, in Abhängigkeit der Ist-Ketteinarbeitung (CIST) verändert wird.
 
10. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach einem der vorhergehenden Ansprüche, umfassend einen Spannungssensor (5) zum Messen der Spannung der Kettfäden (3), umfassend einen Drehzahlsensor (7) zum Messen der Drehzahl des Kettbaums (2), umfassend eine Regelvorrichtung (1), welche mit dem Spannungssensor (5) sowie dem Drehzahlsensor (7) Signal leitend verbunden ist, sowie umfassend einen den Kettbaum (2) antreibenden Motor (4), welcher Signal leitend mit der Regelvorrichtung (1) verbunden ist.
 




Zeichnung













Recherchenbericht