[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein System und einen Voranstrich zum Anbringen
von Fugenbänder auf Bitumenbasis an Nahtflanken von bituminösen Deckschichten, Deckschichteinbauten,
Randabschlüssen oder dergleichen sowie eine Fugenausbildung zwischen bituminösen Deckschichten
oder einer bituminösen Deckschicht und einem Deckschichteinbau, einem Randabschluß
oder dergleichen sowie ein Verfahren zur Herstellung einer derartigen Fugenausbildung.
[0002] Die Qualität und Lebensdauer von bituminösen Deckschichten, wie sie insbesondere
bei Fahrbahndeckschichten Verwendung finden, hängt u.a. im wesentlichen vom fachgerechten
Verschließen der in vielen Fällen nicht vermeidbaren Anschlußnähte ab. Anschlußnähte
sind u.a. sowohl bei der Herstellung von Fahrbahnen, z.B. mehrspurigen Fahrbahnen,
oder beim Einbau von beispielsweise Kanaldeckeln als Arbeitsnähte, Mittelnähte oder
als Seitenanschlußnähte sowie bei der Reparatur und Sanierung von defekten Oberflächen
als auch bei der Wiederherstellung von Fahrbahnoberflächen im Leitungsgrabenbau unvermeidlich.
Diese Nähte sind durch die zeitliche Veränderung der bituminösen Deckschicht z.B.
durch die Belastung durch den Verkehr oder durch Witterungseinflüsse hohen Beanspruchungen
ausgesetzt. Insbesondere ist es notwendig, undichte Nähte oder ein Aufreißen der Nähte
zu vermeiden, um zu verhindern, daß eindringendes Wasser und Frost eine zunehmende
Zerstörung der Fahrbahnoberfläche bewirken.
[0003] Deshalb sind einwandfrei hergestellte Nähte und Anschlüsse in Verkehrsflächen aus
Asphalt die Voraussetzung für Dauerhaftigkeit, Verkehrssicherheit und Fahrkomfort.
Diese Anforderungen werden insbesondere durch den Einbau eines Fugenbandes auf Bitumenbasis
in den Nähten erfüllt.
[0004] Hierzu ist es aus dem Stand der Technik bekannt, die Fugenbänder auf Bitumenbasis
vor dem Aufbringen der bituminösen Deckschicht an einer Nahtflanke einer bestehenden
bituminösen Deckschicht, eines Deckschichteinbaus, wie z.B. Kanaldeckel, Staßenbahnschienen
und dergleichen oder Randabschlüssen, wie z.B. Bordsteinen, anzubringen. Dazu wird
an der Nahtflanke vorher ein Voranstrich als haftvermittelnder Grundanstrich vorgesehen
und anschließend das mit einer Propangasflamme angewärmte Fugenband gegen die mit
dem Voranstrich, häufig auch Primer genannt, vorbehandelte Nahtflanke gedrückt. Nachteilig
bei dieser Verfahrensweise ist jedoch, daß das vorgewärmte Fugenband schwierig an
der Nahtflanke anzubringen ist und daß die Vorwärmung mit einer Propangasflamme einen
hohen Aufwand darstellt.
[0005] Um dieses Problem zu vermeiden, ist es ebenfalls bekannt (z.B. DE 196 03 896), ein
Polymer-vergütetes Fugenband zu verwenden, das auf einer Seite mit einer Klebeschicht
versehen ist, so daß das Fugenband direkt auf die mit dem Voranstrich bzw. Primer
vorbehandelte Nahtflanke aufgeklebt werden kann, ohne mit einer Propangasflamme vorgewärmt
zu werden. Obwohl diese kalte Verarbeitung des Fugenbands bezüglich des Aufwands bei
der Verarbeitung einen gewissen Vorteil bietet, besteht hier der Nachteil darin, daß
durch die Klebeschicht am Fugenband Unebenheiten und Ausbrüche nur schlecht bzw. kaum
verklebt werden können, so daß insbesondere in diesen Bereichen keine gute und dichte
Anbindung des Fugenbands an die Nahtflanke erfolgen kann. Außerdem ist ein derartig
Polymervergütetes Fugenband aufwendiger herzustellen und deshalb auch bezüglich der
Kosteneffizienz nachteilig.
[0006] Obwohl nach der DE 196 03 896 auch vorgeschlagen ist, daß ein kalt zu verarbeitender
Kleber statt direkt auf dem Fugenband vorgesehen zu werden auch direkt auf der Nahtflanke
aufgetragen werden kann, wobei das Fugenband dann über diesen Kleber mit der Nahtflanke
verklebt wird, ist dieses Verfahren sehr aufwendig, da hier zudem eine Vorbehandlung
der Nahtflanke mit einem Primer bzw. Voranstrich erforderlich ist. Auch die Kostennachteile
aufgrund des Polymer-vergüteten Fugenbands, das hierfür verwendet werden muß, bleiben
bestehen.
[0007] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es deshalb, ein Verfahren bzw. eine Fugenausbildung
zu erreichen bzw. bereitzustellen, bei der einerseits einfache, standardmäßige Fugenbänder
auf Bitumenbasis kalt verarbeitet, d.h. an der Nahtflanke angebracht werden können,
und andererseits hierbei eine vollflächige und insbesondere dichte Verklebung des
Fugenbands an der Nahtflanke gewährleistet wird. Insgesamt soll damit eine einfache
und effiziente, aber gleichzeitig dichte und dauerhafte Fugenausbildung für bituminöse
Deckschichten erzielt werden.
[0008] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch ein System gemäß Anspruch 1, einen Voranstrich
gemäß Anspruch 6, eine Fugenausbildung gemäß Anspruch 10 sowie durch ein Verfahren
gemäß Anspruch 11 gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen bzw. Ausgestaltungen sind Gegenstand
der abhängigen Unteransprüche.
[0009] Die Erfindung zeichnet sich durch ein System aus, bei dem ein Fugenband verwendet
wird, welches gemeinhin auf Bitumenbasis erstellt ist, unter Verwendung eines Voranstrichs,
der auf die Nahtflanke aufzubringen ist, der jedoch mit Klebewirkung und damit Klebefunktion
ausgebildet ist. Der Voranstrich im Sinne der Erfindung dient somit einerseits als
Voranstrich und andererseits als Kleber. Auf die mit dem Voranstrich behandelte Nahtflanke
wird dann das Fugenband gedrückt, wodurch eine vollflächige und sichere sowie dauerhafte
Verbindung zwischen Fugenband und Nahtflanke erreicht wird. Es bedarf nach der Erfindung
also nicht des gesonderten Einsatz eines Klebers nach der Vorbehandlung der Nahtflanken
durch einen Voranstrich bzw. Primer, dessen Aufgabe allgemein darin besteht, die Nahtflankenfläche
zu benetzen und entsprechend vorzubehandeln, vielmehr ist der Voranstrich bereits
mit Klebewirkung ausgebildet. Dadurch ist auch eine sehr schnelle und einfache Arbeitsweise
gewährleistet. Hierbei ist zu bedenken, daß vor Ort auf der Baustelle häufig ungeschultes
Personal zum Einsatz gelangt und es beim erfindungsgemäßen System nicht darauf ankommt,
mit welcher Seite das Fugenband mit der Nahtflanke verbunden wird, vielmehr beide
Stirnflächen des Fugenbands verwendet werden können, und zugleich der Auftrag von
Primer und Klebstoff in einem erfolgt. Zweckmäßigerweise wird hierzu der Voranstrich
thixotrop eingestellt, so daß der Voranstrich beim Verstreichen mittels eines Pinsels
oder Verspachteln mittels eines Spachtels niedrigere Viskosität aufweist und im Ruhezustand
standfest ist. Diese Einstellung erfolgt vorzugsweise durch Zugabe von Fasern und/oder
mineralischen Füllstoffen, wobei hierüber eine geeignete thixotrope Einstellung möglich
ist. Besonders geeignet ist eine Kombination von Fasern und mineralischen Füllstoffen,
wobei für die thixotrope Einstellung ein Faseranteil von 1 bis 7 Gew.-% und/oder ein
Anteil an mineralischen Füllstoffen von 5 bis 15 Gew.-% zweckmäßig ist.
[0010] Durch entsprechende Einstellung auch der Klebewirkung mittels des Klebeharzes wird
erreicht, daß eine vollflächige und dichte Verklebung sowohl an der Nahtflanke als
auch am Fugenband erreicht werden kann. Durch die kalte Verarbeitung des Voranstrichs
ist ein Einsatz einer Propangasflamme zur Vorerwärmung des Fugenbands ebenfalls nicht
erforderlich, was weiterhin die Herstellung einer derartigen Fugenausbildung, bei
der zwischen den Nahtflanken lediglich Voranstrich und ein Fugenband vorgesehen sind,
vereinfacht. Hierzu muß nämlich nur an der Nahtflanke einer ersten bituminösen Deckschicht
oder eines Deckschichteinbaus, eines Randabschlusses oder dergleichen der erfindungsgemäße
Voranstrich aufgebracht werden und anschließend das Fugenband durch Andrücken gegen
den Voranstrich mit diesem verklebt werden. Dann kann die zweite bituminöse Deckschicht,
z.B. Asphaltbeton oder Gußasphalt, angrenzend an das Fugenband aufgebracht werden,
so daß sich eine entsprechende Nahtausbildung ergibt.
[0011] Vorzugsweise umfaßt der erfindungsgemäße Voranstrich weiterhin synthetischen Kautschuk,
Fasern, mineralische Füllstoffe, Aromaten und/oder Lösemittel. Hierbei dienen die
Lösemittel insbesondere dazu, die Streichfähigkeit und Verarbeitbarkeit des Voranstrichs
zu gewährleisten. Entsprechend wird der Lösemittelgehalt vorzugsweise so eingestellt,
daß eine Streichfähigkeit des Voranstrichs gegeben ist.
[0012] Bei einer bevorzugten Ausführungsform umfaßt der Voranstrich 40 bis 80 Gew.-% Bitumen,
2 bis 6 Gew.-% synthetischen Kautschuk, 1 bis 7 Gew.-% Fasern, 5 bis 15 Gew.-% mineralische
Füllstoffe, 15 bis 35 Gew.-% Siedegrenzenbenzin und 1 bis 5 Gew.-% Aromate. Bei einem
derartigen Klebstoff ergibt sich ein Festkörperanteil von 60 bis 85 Gew.-%, ein Lösemittelanteil
von 15 bis 40 Gew.-%, der Ring- und Kugel-Wert des Festkörpers stellt sich auf ca.
100° C ein und die Dichte beträgt ca. 1 g/cm
3. Der Flammpunkt des bevorzugten Voranstrichs ist kleiner als 21°C.
[0013] Vorzugsweise muß der Voranstrich vor dem Andrücken des Fugenbands, d.h. nach dem
Aufbringen des Voranstrichs auf die Nahtflanke, 15 bis 30 Minuten trocknen, um seine
optimalen Eigenschaften aufzuweisen.
[0014] Für die Aufbringung des Voranstrichs hat sich eine Dicke von 1 bis 2 mm bewährt,
da hier die optimale Menge an Voranstrich zur Ausbildung einer ausreichenden Verbindung
zwischen Nahtflanke und Fugenband vorhanden ist.
1. System für eine Fugenausbildung für bituminöse Deckschichten mit einem Fugenband auf
Bitumenbasis, welches mit einer Nahtflanke der Deckschicht verklebt ist, die durch
einen Voranstrich behandelt ist, gekennzeichnet durch die Verwendung eines Fugenbands auf Bitumenbasis und durch einen Voranstrich mit Klebewirkung für dieses Fugenband.
2. System nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Voranstrich bzw. das Voranstrichmittel mit einem Klebstoff, vorzugsweise Klebeharz,
versetzt ist.
3. System nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Voranstrich auf Bitumenbasis aufgebaut und thixotrop eingestellt ist.
4. System nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der Voranstrich 1 bis 7 Gew.-% Fasern und/oder 5 bis 15 Gew.-% mineralische Füllstoffe
aufweist.
5. System nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der Voranstrich 40 bis 80 Gew.-% Bitumen, 2 bis 6 Gew.-% synthetischen Kautschuk,
2 bis 6 Gew.-% Klebeharz, 1 bis 7 Gew.-% Fasern, 5 bis 15 Gew.-% mineralische Füllstoffe,
15 bis 35 Gew.-% Siedegrenzenbenzin und 1 bis 5 Gew.-% Aromate umfasst.
6. Voranstrich zum Anbringen von Fugenbändern auf Bitumenbasis an Nahtflanken von bituminösen
Deckschichten, Deckschichteinbauten, Randabschlüssen oder dergleichen, insbesondere
für ein System nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß der Voranstrich auf Bitumenbasis aufgebaut ist und Klebeharz eine Menge umfaßt, so
daß über den Voranstrich bzw. Primer unmittelbar eine dichte und dauerhafte Verbindung
zwischen Nahtflanke und Fugenband herstellbar ist.
7. Voranstrich nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß er weiterhin synthetischen Kautschuk, Fasern, mineralische Füllstoffe, Aromaten und/oder
Lösemittel umfaßt.
8. Voranstrich nach Anspruch 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, daß der Voranstrich thixotrop eingestellt ist, vorzugsweise durch Zugabe von Fasern und/oder
mineralischen Füllstoffen.
9. Voranstrich nach einem der Ansprüche 6 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß dieser Voranstrich 40 bis 80 Gewichtsprozent Bitumen, 2 bis 6 Gewichtsprozent synthetischen
Kautschuk, 2 bis 6 Gewichtsprozent Klebeharz, 1 bis 7 Gewichtsprozent Fasern, 5 bis
15 Gewichtsprozent mineralische Füllstoffe, 15 bis 35 Gewichtsprozent Siedegrenzenbenzin
und 1 bis 5 Gewichtsprozent Aromaten umfaßt.
10. Fugenausbildung für bituminöse Deckschichten einer ersten Nahtflanke aus einer bituminösen
Deckschicht und einer zweiten Nahtflanke aus einer zweiten bituminösen Deckschicht,
einem Deckschichteinbau, einem Randabschluß oder dergleichen, wobei an der ersten
Nahtflanke ein Fugenband auf Bitumenbasis vorgesehen ist, insbesondere unter Verwendung
eines Systems nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß zwischen Fugenband und der zweiten Nahtflanke ein Voranstrich nach einem der Ansprüche
6 bis 9 vorgesehen ist, wobei der Voranstrich sowohl mit dem Fugenband als auch mit
der zweiten Nahtflanke unmittelbar eine dichte und dauerhafte Verbindung ausbildet.
11. Verfahren zur Ausbildung einer Fugenausbildung nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, daß die zweite Nahtflanke mit dem Voranstrich nach einem der Ansprüche 6 bis 9 beschichtet
wird, daß das Fugenband auf Bitumenbasis auf den Voranstrich gedrückt wird und daß
die bituminöse Deckschicht im Anschluß an das Fugenband aufgebracht wird.
12. Verfahren nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß nach dem Aufbringen des Voranstrichs und vor dem Andrücken des Fugenbands der Voranstrich
einer Trockenzeit von bevorzugt 15 bis 30 Minuten ausgesetzt wird.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 11 oder 12, dadurch gekennzeichnet, daß der Voranstrich mit einer Dicke von 1 bis 2mm aufgetragen wird.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 11 bis 13, dadurch gekennzeichnet, daß als bituminöse Deckschicht Asphaltbeton oder Gußasphalt verwendet wird.